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Chinesische Märchen

Richard Wilhelm: Chinesische Märchen - Kapitel 48
Quellenangabe
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typefairy
authorRichard Wilhelm
titleChinesische Märchen
publisherEugen Diederichs Verlag GmbH & Co.
printrunEinmalige Jubiläumsausgabe
year1985
isbn3424008508
firstpub1914
translatorRichard Wilhelm
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120215
projectid71b5aa0f
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46. Der Bergelf

Initial Bergelfen sind Berggeister; sie wohnen in Bäumen und Felsen und lieben es, die Menschen zu erschrecken.

Es war einmal ein Gelehrter, der hatte sich in einen Bergtempel zurückgezogen, um zu studieren. An einem Sommerabend saß er im Hofe, der Kühlung genießend. Plötzlich hörte er einen Windstoß, und das Tor des Tempels fuhr weit auf. Es kam ein Ungetüm hervor, das sah aus wie ein Oger. Es war zehn Fuß hoch und setzte sich auf das Dach. Seine gespreizten Beine waren dick wie Baumstämme, sein Haar war wie ein Grasgestrüpp. Der Gelehrte versteckte sich in seinem Zimmer, machte die Tür zu und kroch auf sein Bett. Krach, da ging die Tür auf, und das Ungetüm kam herein in den von der Lampe erleuchteten Raum. Sein Gesicht war mehrere Fuß lang und schwarz wie Rauch und Kohle. Er tappte auf das Bett zu. In seiner Todesangst nahm der Mann, der sich nicht anders mehr zu helfen wußte, sein Schwert und wollte es ihm in den Bauch stoßen; aber es glitt knirschend ah wie an hartem Stein. Da wurde der Geist böse, riß ihm das Schwert aus der Hand und zerbrach es wie ein dürres Zweiglein. Der Mann hüllte sich in seine Decken ein, und der Geist packte ihn mit seiner ungeheuren Faust, gerade als griffe man nach einer Mücke oder einem Floh. Weil aber seine Finger allzu ungefüg waren, entwischte ihm der Mann und verbarg sich unter dem Bett. So hatte der Geist nur die Decke in der Hand, als er wegging.

Wie der Morgen angebrochen war, da kehrte der Gelehrte schleunigst nach Hause zurück und wagte nie wieder in den Bergtempel zu kommen.

 

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