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Cherubinischer Wandersmann

Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann - Kapitel 4
Quellenangabe
typeanthology
booktitleCherubinischer Wandersmann
authorAngelus Silesius
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008006-1
titleCherubinischer Wandersmann
pages6-11
created20010407
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1675
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Johannis Angeli Silesij
Erstes Buch
Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen.

1. Was fein ist das besteht.

Rein wie das feinste Gold / steiff wie ein Felsenstein /
Gantz lauter wie Cristall / sol dein Gemüthe seyn.

 
2. Die Ewige Ruhestadt.

Es mag ein andrer sich umb sein Begräbniß kränken /
Und seinen Madensak mit stoltzem Bau bedänken.
Jch Sorge nicht dafür: Mein Grab / mein Felß und schrein
Jn dem ich ewig Ruh / sol's Hertze JEsu seyn.

 
3. GOtt kan allein vergnügen.

Weg weg ihr Seraphim ihr könt mich nicht erquikken:
Weg weg ihr Engel all; und was an euch thut blikken:
Jch wil nun eurer nicht; ich werffe mich allein /
Jns ungeschaffne Meer der blossen GOttheit ein.

 
4. Man muß gantz Göttlich seyn.

HErr es genügt mir nicht / daß ich dir Englisch diene /
Und in Vollkommenheit der Götter für dir Grüne:
Es ist mir vil zu schlecht / und meinem Geist zu klein:
Wer Dir recht dienen wil muß mehr als Göttlich seyn.

 
5. Man weiß nicht was man ist.

Jch weiß nicht was ich bin / Jch bin nicht was ich weiß:
Ein ding und nit ein ding: Ein stüpffchin und ein kreiß.

 
6. Du must was GOtt ist seyn.

Sol ich mein letztes End / und ersten Anfang finden /
So muß ich mich in GOtt / und GOtt in mir ergründen.
Und werden das was Er: Jch muß ein Schein im Schein /
Jch muß ein Wort im Wort /Thaul. instit. spir. c. 39. ein GOtt in GOtte seyn.

 
7. Man muß noch über GOtt.

Wo ist mein Auffenthalt? Wo ich und du nicht stehen:
Wo ist mein letztes End in welches ich sol gehen?
Da wo man keines findt. Wo sol ich dann nun hin?
Jch muß nochüber alles das man an GOTT erkennt oder von jhm gedänken kan / nach der verneinnenden beschawung / von welcher suche bey den Mijsticis. über GOtt in eine wüste ziehn.

 
8. GOtt lebt nicht ohne mich.

Jch weiß daß ohne mich GOtt nicht ein Nun kan leben /
Schawe in der Vorrede. Werd' ich zu nicht Er muß von Noth den Geist auffgeben.

 
9. Jch habs von Gott / und Gott von mir.

Daß GOtt so seelig ist und Lebet ohn Verlangen /
Hat Er so wol von mir / als ich von jhm empfangen.

 
10. Jch bin wie Gott / und Gott wie ich.

Jch bin so groß als GOtt / Er ist als ich so klein:
Er kan nicht über mich / ich unter Jhm nicht seyn.

 
11. Gott ist in mir / und ich in jhm.

GOtt ist in mir das Feur / und ich in Jhm der schein:
Sind wir einander nicht gantz jnniglich gemein?

 
12. Man muß sich überschwenken.

Mensch wo du deinen Geist schwingst über Ort und Zeit /
So kanstu jeden blik seyn in der Ewigkeit.

 
13. Der Mensch ist Ewigkeit.

Jch selbst bin Ewigkeit / wann ich die Zeit Verlasse /
Und mich in GOtt / und GOtt in mich zusammen fasse.

 
14. Ein Christ so Reich als Gott.

Jch bin so Reich als GOtt / es kan kein stäublein seyn /
Das ich (Mensch glaube mir) mit Jhm nicht hab gemein.

 
15. Die über-GOttheit.

Was man von GOtt gesagt / das gnüget mir noch nicht:
Die über-GOttheit ist mein Leben und mein Liecht.

 
16. Die Liebe zwinget GOtt.

Vid. no. 7. Wo GOtt mich über GOtt nicht solte wollen bringen /
So will ich Jhn dazu mit blosser Liebe zwingen.

 
17. Ein Christ ist GOttes Sohn.

Jch auch bin GOttes Sohn / ich sitz an seiner Hand:
Sein Geist / sein Fleisch und Blut / ist Jhm an mir bekandt.

 
18. Jch thue es GOtte gleich.

GOtt liebt mich über sich. Lieb ich Jhn über mich;
So geb ich Jhm sovil / als Er mir gibt auß sich.

 
19. Das seelige Stilleschweigen.

Wie seelig ist der Mensch / der weder wil noch weiß!
Denotatur hic Oratio silentij, de qua vide Maximil. Sandae. Theol. mystic. lib. 2. comment. 3. Der GOtt (versteh mich recht) nicht gibet Lob noch Preiß.

 
20. Die Seeligkeit steht bey dir.

Mensch deine Seeligkeit kanstu dir selber nemen:
So du dich nur dazu wilt schiken und bequemen.

 
21. GOtt last sich wie man wil.

GOtt gibet niemand nichts / Er stehet allen frey;
Daß Er / wo du nur Jhn so wilt / gantz deine sey.

 
22. Die Gelassenheit.

So vil du GOtt geläst / so vil mag Er dir werden /
Nicht minder und nicht mehr hilfft Er dir auß beschwerden.

 
23. Die Geistliche Maria.

Jch muß MARIA seyn / und GOtt auß mir gebähren /
Sol Er mich Ewiglich der Seeligkeit gewehren.

 
24. Du must nichts seyn / nichts wollen.

Mensch / wo du noch was bist / was weist / was liebst und hast;
So bistu / glaube mir / nicht ledig deiner Last.

 
25. GOtt ergreifft man nicht.

GOtt ist ein lauter nichts / Jhn rührt kein Nun noch Hier:i.e. Zeit und Ort.
Je mehr du nach Jhm greiffst / je mehr entwird Er dir.

 
26. Der geheime Tod.

Tod ist ein seelig ding: je kräfftiger er ist:
Je herrlicher darauß das Leben wird erkist.

 
27. Das Sterben machet Leben.

Jn dem der weise Mann zu tausendmalen stirbt /
Er durch die Warheit selbst umb tausend Leben wirbt.

 
28. Der allerseeligste Tod.

Kein Tod ist seeliger / als in dem Herren sterben /
Und umb das Ewge Gutt mit Leib und Seel verderben.i.e. Umb GOttes willen auch Leib und Seel ins äuserste verderben hingeben: Wie Moses und Paulus sich erbotten / und vil andere Heiligen.

 
29. Der Ewige Tod.

Der Tod / auß welchem nicht ein Neues Leben blühet /
Der ists den meine Seel auß allen Töden fliehet.

 
30. Es ist kein Tod.

Jch glaube keinen Tod: Sterb ich gleich alle Stunden /
So hab ich jedesmahl ein besser Leben funden.

 
31. D as jmmerwehrende Sterben.

Jch sterb' und lebe GOtt: wil ich jhm ewig Leben /
So muß ich ewig auch für Jhm den Geist aufgeben.mystice i.e. resignare.

 
32. GOtt stirbt und lebt in uns.

Jch sterb' und leb' auch nicht:Quia originaliter ab ipso profluit virtus mortificationis. Item secundum Paul: 2. cor. 3. 10. mortificationem IESU. GOTT selber stirbt in mir:
Und was ich leben sol /vivo, jam non ego, sed Christus in me. lebt Er auch für und für.

 
33. Nichts lebet ohne Sterben.

GOtt selber / wenn Er dir wil leben / muß er sterben:
Wie dänckstu ohne Tod sein Leben zuererben?

 
34. Der Tod vergöttet dich.

Wenn du gestorben bist / und GOtt dein Leben worden /
So trittstu erst recht in der Hohen Götter Orden.

 
35. Der Tod ists beste Ding.

Jch sage / weil der Tod allein mich machet frey;
Daß er das beste Ding auß allen Dingen sey.

 
36. Kein Tod ist ohn ein Leben.

Jch sag es stirbet nichts; nur daß ein ander Leben /
Auch selbst das Peinliche / wird durch den Tod gegeben.

 
37. Die Unruh kombt von dir.

Nichts ist das dich bewegt / du selber bist das Rad /
Das auß sich selbsten laufft / und keine Ruhe hat.

 
38. Gleichschätzung machet Ruh.

Wenn du die Dinge nimbst ohn allen unterscheid;
So bleibstu still und gleich in Lieb und auch in Leyd.

 
39. Die Unvollkommne Gelassenheit.

Wer in der Hölle nicht kan ohne Hölle leben /
Der hat sich noch nicht gantz dem Höchsten übergeben.

 
40. GOtt ist das was Er wil.

GOtt ist ein Wunderding; Er ist das was Er wil /
Und wil das was Er ist ohn alle maß und Ziehl.

 
41. GOtt weiß jhm selbst kein Ende.

GOTT ist unendlich Hoch / (Mensch glaube diß behände /
Er selbst findt Ewiglich nicht seiner GOttheit Ende.

 
42. Wie gründt sich GOtt?

GOtt gründt sich ohne grund / und mist sich ohne maß:
Bistu ein Geist mit ihm / Mensch so verstehstu das.

 
43. Man liebt auch ohn erkennen.

Jch Lieb ein eintzig Ding / und weiß nicht was es ist:
Und weil ich es nicht weiß / drumb hab ich es erkist.

 
44. Das etwas muß man lassen.

Mensch so du etwas liebst / so liebstu nichts fürwahr:
GOtt ist nicht diß und das / drumb laß das Etwas gar.

 
45. Das Vermögende Unvermögen.

Wer nichts begehrt / nichts hat / nichts weiß / nichts liebt / nichts wil;
Der hat / der weiß / begehrt / und liebt noch immer vil.

 
46. Das seelige Unding.

Jch bin ein seeligs Ding / mag ich ein Unding seyn /
Das allem was da ist / nicht kundt wird / noch gemein.

 
47. Die Zeit ist Ewigkeit.

Zeit ist wie Ewigkeit / und Ewigkeit wie Zeit /
So du nur selber nicht machst einen unterscheid.

 
48. GOttes Tempel und Altar.

GOtt opffert sich jhm selbst; Jch bin in jedem nu:
Sein Tempel / sein Altar / sein Bethstul so ich ruh.

 
49. Die Ruh ists höchste Gutt.

Ruh ist das höchste Gutt: und wäre GOtt nicht ruh /
Jch schliesse für Jhm selbst mein' Augen beide zu.

 
50. Der Thron GOttes.

Fragstu mein Christ wo GOtt gesetzt hat seinen Thron?
Da / wo Er dich in dir gebiehret seinen Sohn.

 
51. Die Gleichheit GOttes.

Wer unbeweglich bleibt in Freud / in Leid / in Pein;
Der kan nunmehr nit weit von GOttes Gleichheit seyn.

 
52. Das Geistliche Senffkorn.

Ein Senffkorn ist mein Geist / durch scheint jhn seine Sonne /
So wächst er GOtte gleich mit freudenreicher Wonne.

 
53. Die Tugend sitzt in Ruh.

Mensch wo du Tugend wilst mit Arbeit und mit Müh /
So hastu sie noch nicht / du kriegest noch umb sie.

 
54. Die wesentliche Tugend.

Jch selbst muß Tugend seyn / und keinen Zufall wissen:
Wo Tugenden auß mir in Warheit sollen fliessen.

 
55. Der Brunquell ist in uns.

Du darffst zu GOtt nicht schreyn / der Brunnquell ist in dir:
Stopffstu den Außgang nicht / er flüsse für und für.

 
56. Das mißtraun schmähet GOtt.

So du auß Mißvertraun zu deinem GOtte flehest /
Und jhn nicht sorgen läst: schau daß du Jhn nicht schmähest.

 
57. Jn Schwachheit wird Gott funden.

Wer an den Füssen lahm / und am Gesicht ist blind /
Der thue sich dann umb / ob er GOtt jrgends find.

 
58. Der Eigen gesuch.

Mensch suchstu Gott umb Ruh / so ist dir noch nicht recht /
Du suchest dich / nicht Jhn? bist noch nicht Kind / nur Knecht.

 
59. Wie Gott wil sol man wollen.

Wär' ich ein Seraphin / so wolt ich lieber seyn /
Dem Höchsten zugefalln / das schnödste Würmelein.

 
60. Leib / Seele / und Gottheit.

Die Seel ist ein Kristall / die GOttheit ist ihr schein:
Der Leib / in dem du Lebst / ist ihrer beider schreyn.

 
61. Jn dir muß GOtt gebohren werden.

Wird Christus tausendmahl zu Bethlehem gebohrn /
Und nicht in dir; du bleibst noch Ewiglich verlohrn.

 
62. Das äussre hilfft dich nicht.

Das Kreutz zu Golgatha kan dich nicht von dem bösen /
Wo es nicht auch in dir wird auffgericht / erlösen.

 
63. Steh selbst von Todten auff.

Jch sag / es hilfft dich nicht / daß Christus aufferstanden /
Wo du noch ligen bleibst in Sünd und todesbanden.

 
64. Die geistliche Säung.

GOtt ist ein Ackersmann / das Korn sein ewges Wort /
Die Pflugschar ist sein Geist / mein Hertz der säungsort.

 
65. Armut ist Göttlich.

GOtt ist das ärmste ding / Er steht gantz bloß und frey:
Drumb sag ich recht und wol / daß armut Göttlich sey.

 
66. Das Hertz ist GOttes Herd.

Wo GOtt ein Fewer ist / so ist mein Hertz der Herd /
Auf welchem Er das Holtz der Eittelkeit verzehrt.

 
67. Das Kind schreyt nach der Mutter.

Wie ein entmilchtes Kind nach seiner Mutter weint:
So schreyt die Seel nach GOtt / die Jhn alleine meint.

 
68. Ein Abgrund rufft dem andern.

Der Abgrund meines Geists rufft immer mit Geschrey
Den Abgrund GOttes an: Sag welcher tieffer sey?

 
69. Milch mit Wein stärcket fein.

Die Menschheit ist die Milch / die GOttheit ist der Wein:
Trink Milch mit Wein vermischt / wiltu gestärket seyn.

 
70. Die Liebe.

Die Lieb' ist unser GOtt / es lebet alls durch Liebe:
Wie seelig wär' ein Mensch der stäts in jhr verbliebe!

 
71. Man muß das Wesen seyn.

Lieb' üben hat viel Müh: wir sollen nicht allein
Nur Lieben; sondern selbst / wie GOtt die Liebe seyn.

 
72. Wie sieht man GOtt?

GOtt wohnt in einem Licht / zu dem die bahn gebricht:
Wer es nicht selber wird / der siht jhn Ewig nicht.

 
73. Der Mensch war GOttes Leben.

Eh ich noch etwas ward / da war ich GOttes Leben:Joh. I. Quod factum est in ipso vita erat.
Drumb hat er auch für mich sich gantz und gar gegeben.

 
74. Man sol zum anfang kommen.

Der Geist den GOtt mir hat im Schöpffen eingehaucht /
Sol widerWarhafftig / gäntzlich / jnniglich / also Wesentliche einkehrung beym Blosio instit. c. 3. num. 8. Wesentlich in Jhm stehn eingetaucht.

 
75. Dein Abgott / dein begehren.

Begehrstu was mit GOtt / ich sage klar und frey /
(Wie Heylig du auch bist) daß es dein Abgott sey.

 
76. Nichts wollen macht GOtte gleich.

GOtt ist die Ewge Ruh / weil Er nichts sucht noch wil:
Wiltu ingleichem nichts / so bistu eben vil.

 
77. Die dinge sind geringe.

Wie klein ist doch der Mensch / der etwas groß thut schätzen/
Und sich nicht über sich in GOttes Thron einsetzen!

 
78. Das Geschöpff ist nur ein stüpffchin.

Schau alles was GOtt schuf / ist meinem Geist so klein /
Daß es jhm scheint in jhm ein eintzig Stüpfchen seyn.

 
79. GOtt trägt volkommne Früchte

Wer mir Vollkommenheit wie Gott hat ab-wil-sprechen /
Der müste mich zuvor von seinem Weinstok brechen.

 
80. Ein jedes in dem seinigen.

Der Vogel in der Lufft / der Stein ruht auff dem Land /
Jm Wasser lebt der Fisch / mein Geist in GOttes Hand.

 
81. Gott blüht auß seinen Zweigen

Bistu auß GOtt gebohrn / so blühet GOtt in dir:
Und seine GOttheit ist dein Safft und deine Zier.

 
82. Der Himmel ist in dir.

Halt an wo lauffstu hin / der Himmel ist in dir:
Suchstu GOtt anders wo / du fehlst Jhn für und für.

 
83. Wie kan man GOttes genissen.

GOtt ist ein Einges Ein / wer seiner wil geniessen /
Muß sich nicht weniger als Er / in Jhn einschlissen.

 
84. Wie wird man GOtte gleich?

Wer GOtt wil gleiche seyn / muß allem ungleich werden.
Muß ledig seiner selbst / und loß seyn von beschwerden.

 
85. Wie hört man GOttes Wort?

So du das Ewge Wort in dir wilt hören sprechen:
So mustu dich zuvor vom hören gantz entbrechen.

 
86. Jch bin so breit als GOtt.

Jch bin so breit alß GOtt / nichts ist in aller Welt /
Das mich (O Wunder ding!) in sich umbschlossenhält.

 
87. Jm Ekstein liegt der Schatz.

Was marterstu das ärtzt: der Ekstein ists allein /
Jn dem Gesundheit / Gold / und / alle Künste seyn.

 
88. Es ligt alls im Menschen.

Wie mag dich doch O Mensch nach etwas thun Verlangen /
Weil du in dir hälst GOtt und alle Ding' umbfangen?

 
89. Die Seel ist GOtte gleich.

Weil meine Seel in GOtt steht ausser Zeit und Ort /
So muß sie gleiche seyn dem Ort und Ewgen Wort.

 
90. Die Gottheit ist das grüne.

Die GOttheit ist mein Safft: was auß mir grünt und blüht /
Das ist sein Heilger Geist / durch den der trib geschiht.

 
91. Man sol für alles danken.

Mensch so du GOtt noch pflegst umb diß und das zudanken /
Bistu noch nicht versetzt auß deiner schwachheit schranken.

 
92. Wer gantz Vergöttet ist.

Wer ist als wär' er nicht / und wär' er nie geworden:
Der ist (O seeligkeit!) zu lauter GOtte worden.

 
93. Jn sich hört man daß Wort.

Wer in sich selber sitzt / der höret GOttes Wort /
(Vernein es wie du wilt) auch ohne Zeit und Ort.

 
94. Die Demut.

Die Demut ist der Grund / der Dekkel / und der schreyn /
Jn dem die Tugenden stehn und beschlossen seyn.

 
95. Die Lauterkeit.

Wann ich die Lauterkeit durch GOtt geworden bin /
So wend' ich mich umb GOtt zufinden nirgends hin.

 
96. GOtt mag nichts ohne mich.

GOtt mag nicht ohne mich ein eintzigs Würmlein machen:
Erhalt' ichs nicht mit Jhm / so muß es straks zukrachen.

 
97. Mit GOtt vereinigt seyn / ist gut für Ewge Pein.

Wer GOtt vereinigt ist / den kan Er nicht verdammen:
Er stürtze sich dann selbst mit jhm in Tod und Flammen.

 
98. Der todte Wille herscht.

Dafern mein Will' ist todt / so muß GOtt waß ich wil:
Jch schreib Jhm selber für das Muster und das Zil.

 
99. Der Gelassenheit gilts gleiche.

Jch lasse mich GOtt gantz / wil Er mir Leyden machen /
So wil ich Jhm so wol / als ob den Freuden lachen.

 
100. Eins halt das ander.

GOtt ist so vil an mir / als mir an Jhm gelegen /
Sein wesen helff ich Jhm / wie Er das meine hegen.
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