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Cherubinischer Wandersmann

Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann - Kapitel 19
Quellenangabe
typeanthology
booktitleCherubinischer Wandersmann
authorAngelus Silesius
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008006-1
titleCherubinischer Wandersmann
pages6-11
created20010407
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1675
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301. Was das freundlichste nach Gott.

Das freundlichste nach Gott ist die verliebte Seele:
Drumb hat er seine Lust zu seyn in jhrer Höle.

 
302. Das Schnelleste.

Die Lieb ist's schnellste Ding: Sie kan für sich allein
Jn einem Augenblik im höchsten Himmel seyn.

 
303. Kennzeichen der falschen Liebe.

Wiltu die falsche Lieb von wahrer unterscheiden /
So schau sie sucht sich selbst / und fället ab inn Leiden.

 
304. Das Kreutz probirt die liebe.

Jm Feuer wird das Gold obs reine sey probirt /
Und deine Lieb im Kreutz / wie lauter sie / gespürt.

 
305. Die Liebe Gottes ist wesentlich.

Die Liebe gegen Gott steht nicht in süssigkeit /
Süss ist ein zufall nur: sie steht in Wesenheit.

 
306. Ein unverwundtes Hertz ist ungesund.

Ein Hertze welches nicht von GOttes Lieb ist Wund:
Jst / ob es zwar nicht scheint / gantz Krank und ungesund.

 
307. Die Liebe ist GOtt gemeiner als Weißheit.

Die Liebe geht zu GOtt unangesagt hinein:
Verstand und hoher Witz / muß lang' im Vorhof seyn.

 
308. Wie GOtt so allgemein.

Wie allgemein ist GOtt! Er hat der Bauer Magd
Die Kunst wie man jhn Küst / so wol als dir gesagt.

 
309. Das erfreulichste der Seelen.

Diß ist's erfreulichste / wie meiner Seel fällt ein /
Daß sie wird jmmer Braut mit ewger Hochzeit seyn.

 
310. Was der Kuß GOttes ist.

Der Kuß deß Bräutgams GOtts / ist die Empfindlichkeit
Seins gnädgen Angesichts / und seiner süssigkeit.

 
311. Die Seele kan nichts ohne GOtt.

So schön die Laute sich auß eignen Kräfften schlägt /
So schön klingt auch die Seel die nicht der HERR bewegt.

 
312. Der guldene Begrief.

Der guldene Begrief durch den man alles kan /
Jst Liebe: Liebe nur / so hastu's kurtz gethan.

 
313. Das Edleste Gemütte.

Kein Edleres Gemütt ist auf der gantzen Welt /
Als welchs mit GOtt vereint / für einen Wurm sich hält.

 
314. Barmhertzigkeit schleust den Himmel auf.

Kind mache dich gemein mit der Barmhertzigkeit:
Sie ist die Pförtnerinn im Schloß der Seeligkeit.

 
315. Verkleinerung erhebt.

Verkleinere dich selbst / so wirstu groß mein Christ /
Je schnöder du dich schätzst / je würdiger du bist.

 
316. Der Evangelische Hirte.

Der Hirt' ist GOttes Sohn / die GOttheit ist die Wüste /
Jch bin das Schaf das Er für andren sucht' und küste.

 
317. Die Früchte der Tugenden.

Die Demut die erhebt / die Armuth machet Reich /
Die Keuschheit Engelisch / die Liebe GOtte gleich.

 
318. Wie man inn Himmel sieht.

Man darf kein Ferngesicht inn Himmel einzusehen /
Kehr dich nur von der Welt / und schau: so wirds geschehen.

 
319. Die gröste Seeligkeit.

Die gröste Seeligkeit die ich mir kan ersinnen
Jst / daß man GOtt wie süss' Er ist wird schmekken können.

 
320. Der nächste Weg zu GOtt.

Der nächste Weg zu GOtt ist durch der Liebe Thür:
Der Weg der wissenschafft bringt dich gar langsam für.

 
321. Worinn die Ruhe deß Gemüttes bestehe.

Die Ruhe deß Gemütts besteht in dem allein /
Daß es Vollkömmlich ist mit GOtt ein einges Ein.

 
322. Die Seeligkeit ist in dem höchsten Gutt.

Kein Mensch kan seelig seyn / als in dem höchsten Gutt:
Wie daß mans dann verläst / und's kleine suchen thut?

 
323. Warumb GOtt ewigen Lohn giebt.

GOtt muß die Heiligen mit ewgem Lohn belohnen:
Weil sie jhm / wo Er wolt' / auch ewig würden frohnen.

 
324. Die Krönende Tugend.

Die Tugend die dich Krönt mit ewger Seeligkeit /
(Ach halte sie doch fest!) ist die beharrligkeit.

 
325. Wenn die Himmelfahrt verhanden.

Wenn GOtt in dir gebohrn / gestorben / und erstanden:
So freue dich daß bald die Himmelfahrt verhanden.

 
326. Unterschiedliche Gelegenheit der Seele.

Deß Sünders Seele ligt / deß Büssers richt sich auf /
Und deß Gerechten steht geschikt zum Tugend lauf.

 
327. Warumb GOtt deß Regiments nicht müde wird.

GOtts und seins Geistesreich ist Liebe / Freude / Fride:
Drumb wird Er deß Regierns in Ewigkeit nicht müde.

 
328. GOtt betrübt die Sünde nicht.

GOtt thut die Sünde weh in dir als seinem Sohn:
Jn seiner GOttheit selbst / da fühlt Er nichts davon.

 
329. Die gantze Dreyfaltigkeit hilfft zur Seeligkeit.

Die Allmacht zeucht mich auf / die Weißheit weist mich an /
Die Gütte hilffet mir / daß ich inn Himmel kan.

 
330. Wenn man GOtt reden hört.

Wenn du an GOtt gedenkst / so hörstu Jhn in dir:
Schwiegstu / und wärest still' / Er redte für und für.

 
331. Was GOtt nicht thut / gefällt jhm nicht.

GOtt muß der Anfang seyn / das Mittel und das Ende /
Wo Jhm gefallen solln die Werke deiner Hände.

 
332. Wo der Mensch hinkomt / wann er in GOtt vergeht.

Wenn ich in GOtt vergeh / so komm ich wider hin
Wo ich von Ewigkeit vor mir gewesen bin.

 
333. Deß Teuffels Schlacht Vieh.

Die Seele welche sich die Sünde läst ermorden /
Die ist (O grosser Spot!) deß Teuffels Schlacht Vieh worden.

 
334. GOtt schätzt die Werke nach dem wesen.

Mensch deß Gerechten Schlaf ist mehr bey Gott geacht /
Als was der Sünder Beht und singt die gantze Nacht.

 
335. Unterscheid der drey Lichter.

Das Licht der Herrligkeit lass' ich die Sonne seyn /
Die Gnade gleicht den Strahln / Natur dem Widerschein.

 
336. Mit einem Auge muß man zihlen.

Die Seele welche GOtt das Hertze treffen wil /
Seh nur mit einem Aug / dem rechten / auf das zihl.

 
337. Das Geschöpff ist deß Schöpffers Trost.

Jch sein Geschöpffe bin deß Sohnes GOttes Kron /
Die Ruhe seines Geists / und seiner Leiden lohn.

 
338. Die Ewigkeit ist je länger je undurchschaulicher.

Das Meer der Ewigkeit je mehr's der Geist beschifft
Je undurchschifflicher und weiter ers betrifft.

 
339. Die GOttheit gründet kein Geschöpffe.

Wie tief die Gottheit sey kan kein Geschöpff ergründen:
Jn ihren Abgrund muß auch Christi Seel verschwinden.

 
340. Auch GOtt muß sich verdienen.

Daß ich den höchsten GOtt zum Bräutgam angenommen /
Hat Er umb mich verdient / daß Er ist zu mir kommen.

 
341. Wo die Zeit am längsten.

Je weiter man von GOtt / je tieffer in der Zeit:
Drumb ist den Höllischen ein Tag ein' Ewigkeit.

 
342. Wo man die Göttliche Höffligkeit lernt.

Kind wer in GOttes Hof gedänket zubestehn /
Der muß zum Heilgen Geist hier in die Schule gehn.

 
343. Das geistliche Orgelwerk.

GOtt ist ein Organist / wir sind das Orgelwerk /
Sein Geist bläst jedem ein / und gibt zum thon die stärk.

 
344. Die Armut ist im Geist.

Die Armut steht im Geist: ich kan ein Kaiser werden /
Und doch so Arm seyn als ein Heiliger auf Erden.

 
345. Wer inn Wunden Christi wohnt.

Der Geist der voller Freud' in Leiden wird gefunden /
Und ruhe hat in Pein / der wohnt in Christi Wunden.

 
346. Den Kindern gebühret Milch.

Den Männern giebet GOtt zu trinken starken Wein:
Dieweil du noch ein Kind / flöst Er dir süsses ein.

 
347. Wer eine tieffe mit GOtt.

Der Geist / der nunmehr ist mit Gott ein Einges Ein /
Muß eben solcher Höh' / und solcher tieffe seyn.

 
348. Wie Gott zumessen.

Unmeßlich ist zwar GOtt: jedoch kanstu Jhn messen /
Wo du mein Hertze mißt: denn's ist von Jhm besessen.

 
349. Du must der Gnade Lufft machen.

Räum weg / und mache Lufft; das Fünklein ligt in dir:
Du flammest es leicht auf mit heilger Liebsbegiehr.

 
350. Du must dich selbst ermuntern.

Mein Christ du must dich selbst durch GOtt vom Schlaf erwekken:
Ermunterst du dich nicht / du bleibst im Traume stekken.

 
351. Jm jnnern sind alle Sinnen ein Sinn.

Die Sinnen sind im Geist all' ein Sinn und gebrauch.
Wer GOtt beschaut / der schmäkt / fühlt / reucht / und hört Jhn auch.

 
352. Was das süsseste und seeligste.

Nichts süssers ist als GOtt ein Menschen Kind zusehn:
Nichts Seelgers als in sich fühln die Geburt geschehn.

 
353. Das Antlitz Gottes macht trunken.

Das Antlitz Gotts macht voll. Sähstu einmal sein Licht:
Du würdest trunken seyn von diesem Angesicht.

 
354. Ungekreutzigt komt niemand inn Himmel.

Christ flieh doch nicht das Kreutz; du must gekreutzigt seyn:
Du komst sonst nimmermehr ins Himmelreich hinein.

 
355. Woher die Ungleichheit der Heiligen.

GOtt wirkt nach der Natur: diß macht den unterscheid /
Daß dieser Heilige sich kränkt / der andre freut.

 
356. Das Vollkomne vertreibt das Un-Vollkomne.

Wenn das Vollkommne kömt / fällt's Unvollkommne hin:
Das Menschliche vergeht / wenn ich vergöttet bin.

 
357. Wenn sich GOtt ins Hertz ergeust.

Mensch wenn dein Hertz ein Thal / muß GOtt sich drein ergiessen
Und zwar so mildiglich daß es muß überfliessen.

 
358. GOtt wird was Er wil.

GOtt ist ein Ewger Geist / der alls wird was Er wil /
Und bleibt doch wie Er ist Unformlich und ohn Ziehl.

 
359. Gleichnüß der H. Dreyfaltigkeit mit der Sonne.

GOTT Vatter ist der Leib / und GOtt der Sohn das Licht /
Die Strahln der heilge Geist / der beiden ist verpflicht.

 
360. Wenn man jhm den Tod deß HErren zueignet.

Freund / wenn ich selber mir absterbe hier und nu /
Dann eign' ich mir den Tod deß Herren erst recht zu.

 
361. Die Gnade Gottes fleust allzeit auß.

Die Gnade fleust von Gott wie Wärmde von dem Feur.
Nahstu dich nur zu Jhm / sie komt dir bald zu Steur.

 
362. Die höchste Seeligkeit.

Die höchste Seeligkeit die mir GOtt selbst kan geben /
Jst daß er mich wie sich wird machen und erheben.

 
363. Deß Weisen verrichtung.

Ein Narr ist viel bemüht: deß Weisen gantzes thun /
Das zehnmal Edeler / ist Lieben / schauen / ruhn.

 
364. Wer in dem Wirken ruht.

Der Weise welcher sich hat übersich gebracht /
Der ruhet wenn er laufft und wirkt wenn er betrachte

 
365. Der Larven Mensch.

Ein Mensch der wie das Vieh in alle Lust außbricht /
Jst nur ein Larven Mensch: er scheint und ists doch nicht.

 
366. Das Lauttenspiel GOttes.

Ein Hertze das zu Grund GOtt still ist wie er wil /
Wird gern von Jhm berührt: es ist sein Lautenspil.

 
367. Wer auf alle Fälle geschikt ist.

Wer Gott so leicht entbehrn / als leicht empfangen kan /
Der ist auff allen Fall ein rechter Helden Mann.

 
368. Bey welchem GOtt gerne ist.

Mensch wenn du Gottes Geist bist wie dir deine Hand /
Macht die Dreyfaltigkeit sich gern mit dir bekandt.

 
369. Die Seele ausser jhrem Ursprung.

Ein fünklein aussrem Feur / ein tropffen aussrem Meer:
Was bistu doch O Mensch ohn deinen wiederkehr?

 
370. Jn GOtt ist alles.

Was deine Seel begehrt / bekommt sie alls in GOtt:
Nimbt sie es ausser Jhm / so wird es jhr zum Tod.

 
371. Wen Gott nicht loß kan bitten.

Mensch stirbstu ohne GOtt: es kan nicht anders seyn /
Bäth' auch GOtt selbst für dich / du must in Pful hinein.

 
372. Die Braut sol wie der Bräutgamb seyn.

Jch muß verwundet seyn. Warumb? weil voller Wunden
Mein ewger Bräutigam der Heyland wird gefunden:
Was Nutzen bringt es dir? Es stehet gar nicht feyn:
Wenn Braut und Bräutigam einander ungleich seyn.

 
373. Das allerseeligste Hertze.

Ein reines Hertz schaut Gott / ein heilges schmäket Jhn:
Jn ein Verliebetes wil er zu Wohnen ziehn.
Wie seelig ist der Mensch der sich befleist und übt /
Daß jhm sein Hertze wird rein Heilig und verliebt!

 
374. Man überkömt mit meiden.

Freund meide was dir Lieb / fleuch was dein Sinn begehrt.
Du wirst sonst nimmermehr gesättigt und gewehrt.
Viel wären zum Genuß der ewgen Wollust kommen /
Wenn sie mit Zeittlicher sich hier nicht übernommen.
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