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Cherubinischer Wandersmann

Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann - Kapitel 16
Quellenangabe
typeanthology
booktitleCherubinischer Wandersmann
authorAngelus Silesius
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008006-1
titleCherubinischer Wandersmann
pages6-11
created20010407
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1675
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Fünfftes Buch
Geistreicher Sinn- und Schluß-reimen.

 
1. Alles muß wider in Eins.

Alls kombt auß einem her / und muß in Eines ein:
Wo es nicht wil gezweyt / und in der vielheit seyn.

 
2. Wie die zahlen auß dem Eins / so die Geschöpffe auß GOtt.

Die zahlen alle gar sind auß dem Eins geflossen;
Und die Geschöpff zumahl auß GOTT dem Einß entsprossen.

 
3. GOtt ist in allen wie die Einheit inn Zahlen.

Gleich wie die Einheit ist in einer jeden Zahl;
So ist auch GOtt der Ein' inn Dingen überall.

 
4. Nichts kan ohn das Eins bestehn.

Wie all' und jede zahln ohns eines nicht bestehn;
So müssen die Geschöpff ohn GOtt das Eins vergehn.

 
5. Die Nulle gilt vornen an nichts.

Das Nichts die Creatur / wenn sichs Gott vorgesetzt /
Gilt nichts: steht's hinter Jhm / dann wird es erst geschätzt

 
6. Jm Eins ist alles Eins.

Jm Eins ist alles Eins: kehrt zwey zu ruck hinein /
So ist es wesentlich mit jhm ein einges Ein.

 
7. Alle Heiligen sind ein Heiliger.

Die Heilgen alle sind ein Heiliger allein:
Weil sie ein Hertz / Geist / Sinn / in einem Leibe seyn.

 
8. Die geheime Kronenzahl.

Zehn ist die Kronenzahl; sie wird aus eins und nichts:
Wenn GOtt und Creatur zusammen kommn / geschichts.

 
9. Es muß ein jeder Christus seyn.

Der wahre GOttes Sohn ist Christus nur allein:
Doch muß ein jeder Christ derselbe Christus seyn.

 
10. GOttes Pallast.

GOtt ist Jhm selbst sein Thron / der Himmel ist sein Saal /
Der Vorhoffs Paradeiß / der Erdkreiß ist der Stal.

 
11. Die Sünd' ist allein das übel.

Kein übel ist alß Sünd': und wären keine Sünden /
So wär' in ewigkeit kein übel auch zu finden.

 
12. Ein wachendes Auge siehet.

Das licht der Herrligkeit scheint mitten in der Nacht /
Wer kan es sehn? Ein Hertz das Augen hat und wacht.

 
13. Das jrrdische Gutt ist ein Mist.

Das jrrdsche Gutt ist Mist; die Armen sind der Akker:
Wer's außführt und zerstreut / geneusts zur Erndte wakker.

 
14. Der außgang geschieht umb den eingang.

Kein außgang der geschieht / als umb deß eingangs willen:
Mein Hertz entschüttet sich / daß es GOtt an sol füllen.

 
15. Verdamnüß ist im wesen.

Könt' ein Verdambter gleich im höchsten Himmel seyn:
So fehlet' er doch stäts die Höll / und ihre Peyn.

 
16. Durch dich entwird GOtt nichts.

Mensch wöhle was du wilt Verdamnüß oder Ruh:
Eß gehet GOtt durch dich nichts ab und auch nichts zu.

 
17. Das gröste Wunder.

Der Wunder hat es viel / kein grössers kan ich sehen /
Als daß das auferstehn deß Fleisches wird geschehen.

 
18. Die geistliche Jahrszeiten.

Der Winter ist die Sünd / die Busse Frülingszeit /
Der Sommer Gnadenstand / der Herbst vollkommenheit.

 
19. Auch von demselben.

Jm Winter ist man todt / im Früling steht man auf /
Jm Sommer und im Herbst verbringt man seinen lauf.

 
20. Der steiffe Felsenstein.

Ein tugendthaffter Mensch ist wie ein Felsenstein:
Es stürme wie es wil / er fället doch nicht ein.

 
21. Der Sünd' und Tugend eigenschafft.

Die Busse rüchet wol / die Sünden alle stincken:
Die Tugenden gehn recht / die Laster aber hincken.

 
22. Die Keuschheit bleibt verschlossen.

Die Keuschheit ist ein Schloß das niemand auf kan schliessen.
Was sie im innern ist / das mag kein fremder wissen.

 
23. Die zeit die ist nicht schnell.

Man sagt die Zeit ist schnell: wer hat sie sehen fliegen?
Sie bleibt ja unverruckt im Welt-begrieffe liegen!

 
24. GOtt sieht man nicht mit Augen.

Wann du denkst GOtt zu schaun / bild dir nichts sinnlichs ein:
Das schaun wird inner uns / nicht außerhalb uns seyn.

 
25. Was das beste an der Seeligkeit.

Was an der Seeligkeit mein Hertz fürs best' erkiest /
Jst daß sie wesentlich / und nicht von aussen ist.

 
26. GOtt wird wie wir.

GOtt gibt dir wie du nimbst / du selbst schenkst auß und ein /
Er wird dir wie du wilt / wie nach dem faß der Wein.

 
27. Die Wegescheide zur Ewigkeit.

Die Wegescheid' ist hier: Wo lenkstu dich nu hin?
Zur Lincken ist verlust / zur Rechten ist gewien.

 
28. Was GOtt den Tag durch thut.

Des Morgens geht GOtt auß / zu mittag schläffet er /
Deß Nachts ist er erwacht / reist Abends ohn beschwehr.

 
29. Man muß die Tieffe auf der Höhe betrachten.

Ein ungrund ist zwar Gott / doch wem er sich soll zeigen /
Der muß biß auf die Spitz der ewgen Berge steigen.

 
30. Der Teuffel der ist gut.

Der Teuffel ist so gutt dem wesen nach als du.
Waß gehet jhm dann ab? Gestorbner will' und ruh.

 
31. Die ichheit und verläugnung.

Der ichheit ist GOtt feind / verläugnung ist er hold:
Er schätzt sie beyde so / wie du den Koth unds Gold.

 
32. Der eigene Wille stürtzt alles.

Auch Christus / wär' in jhm ein kleiner eigner Wille /
Wie seelig er auch ist / Mensch glaube mir er fielle.

 
33. Wenn GOtt am liebsten bey uns ist.

GOtt dessen wollust ist bey dir O Mensch zu seyn /
Kehrt / wenn du nicht daheim / am liebsten bey dir ein.

 
34. GOtt liebt nichts als sich.

GOtt hat sich selbst so lieb / bleibt jhm so zugethan;
Daß er auch nimmermehr was anders lieben kan.

 
35. GOtt kan mehr viel als wenig.

Nichts ist das GOtt nicht kan. Hör Spötter auf zulachen.
Er kan zwar keinen GOtt / wol aber Götter machen.

 
36. Viel Götter / und nur einer. 1. Cor. 8. 5.

Ein einger GOtt / und viel / wie stimbt diß über ein?
Gar schöne: Weil sie all' in einem Einer seyn.

 
37. GOtt schaut auf den Grund.

GOtt schätzt nicht was du guts / nur wie du es gethan:
Er schaut die Früchte nicht / nur Kern und Wurtzel an.

 
38. GOtt bricht vonn Disteln Feigen.

GOtt list vonn Dornen Wein / vonn Disteln bricht er Feigen /
Wenn er dein sündigs Hertz zur Busse komt zu neigen.

 
39. Die Seeligen sind nie satt.

Die Seelgen dürffen sich daß sie nie satt sind freun!
Es muß ein süsser Durst / und lieber Hunger seyn!

 
40. Christus ist ein Felß.

Wer sich an Christum stöst / (er ist ein Felßenstein)
Zerschöllt: wer jhn ergreifft / kan ewig sicher seyn.

 
41. Je mehr erkandnüß je weniger verstandnüß.

Je mehr du GOtt erkennst / je mehr wirstu bekennen /
Daß du je weniger Jhn / was er ist / kanst nennen.

 
42. GOtt muß sich selber lieben.

GOtt ist das höchste Gutt / er muß jhm selbst gefallen /
Sich selber auf sich kehrn / sich lieben / ehrn / für allen.

 
43. Wie GOtt so sehr gerecht.

Schau GOtt ist so gerecht: Wär' etwas über jhn /
Er ehrt' es mehr als sich / und kniete für dem hin.

 
44. GOtt liebt sich nicht als sich.

GOtt liebt sich nicht als sich / nur als das Höchste gut /
Drumb schau / daß er auch selbst / was er befihlet / thut.

 
45. Die Laster scheinen nur.

Die Laster gehn bekleidt / die Tugend stehet Bloß /
Die ist warhafftiglich / jen' aber scheinen groß.

 
46. Du bist der erste Sünder.

Schweig Sünder / schreyhe nicht dir Ev' und Adam an:
Wärn sie nicht vorgefalln / du hättest's selbst gethan.

 
47. Der Geistliche Feuerzeug.

Mein Hertz ists Feuerzeug / der Zunder gutter Wille:
Schlägt GOtt ein Fünklein drein / so brennts und leuchts die völle.

 
48. Eins kans nicht ohn das andre.

Zwey müssen es vollziehn: ich kans nicht ohne GOtt /
Und GOtt nicht ohne mich: daß ich entgeh dem Tod.

 
49. Die schönste Weißheit.

Mensch steig nicht allzu hoch / bild dir nichts übrigs ein:
Die schönste Weißheit ist nicht gar zu weise seyn.

 
50. GOtt ist nicht tugendhafft.

GOtt ist nicht tugendhaft: Auß jhm kombt tugend her /
Wie auß der Sonn die Strahln / und Wasser auß dem Meer.

 
51. Nach GOtt ist alles gebildet.

GOtt ist von anbegin der Bildner aller dinge /
Und auch jhr Muster selbst. Drumb ist ja keins geringe.

 
52. Du must der Himmel seyn.

Jnn Himmel komst du nicht / (laß nur von dem getümmel)
Du seyst dann selbst zuvor ein lebendiger Himmel.

 
53. Die ewige Erwählung.

GOtt wählt dich wie du bist: Böß ist bey jhm verlohrn /
Gut ist von ewigkeit zum Leben außerkohrn.

 
54. Der Tugenden und Laster beschaffenheit.

Die Tugend liegt in ruh / die laster stehn im streit:
Sie haben Pein in sich / jen' aber Seeligkeit.

 
55. GOtt strafft nicht die Sünder.

GOtt strafft die Sünder nicht. Die Sünd' ist selbst jhr Hohn /
Jhr Angst / Pein / Marter / Tod: Wie Tugend selbst jhr Lohn.

 
56. GOtte thut deine Verdamnüß nicht weh.

Der Sonne thuts nicht weh / wenn du von jhr dich kehrst /
Also auch GOtte nicht / wenn du in Abgrund fährst.

 
57. Wann du wilt / wirstu seelig.

GOtt läst dich jede zeit gar gern inn Himmel ein:
Es stehet nur bey dir ob du wilt seelig seyn.

 
58. Wie du bist / so wirstu gewürket.

Die Sonn erweicht das Wachß / und machet hart den Koth.
So wirkt auch GOtt nach dir das Leben und den Tod.

 
59. Herren gunst wehret jmmer.

Daß Herrn gunst ewiglich / und nicht nur kurtz bestehe /
Beweiß ich mit der gunst des Herren in der Höhe.

 
60. Der Weg zum Himmel.

Wenn du mein Pilger wilt inn Himmel dich erhöhen /
So mustu nahe zu / grad übern Kreutzweg gehen.

 
61. Alles ist vollkommen.

Mensch nichts ist unvolkommn: der Kieß gleicht dem Rubin:
Der Frosch ist ja so schön alß Engel Seraphin.

 
62. Des Menschen gröster Schatz.

Der gröste Schatz nach GOtt ist gutter will' auf erden:
Jst alles gleich verlorn / Durch jhn kans wider werden.

 
63. Bey GOtt sind keine Jahre.

Für GOtt sind tausend Jahr wie ein vergangner Tag.
Darumb ist gar kein Jahr bey jhm / wers fassen mag.

 
64. Wir dienen uns / nicht GOtt.

Mensch / GOtt ist nichts gedient / mit fasten bethen wachen:
Du dienst mehr dir damit / weils dich kan heilig machen.

 
65. GOtt kan sich nicht verbergen.

GOtt kan sich nimmermehr verbergen wie du sprichst:
Es sey dann daß du auch für jhn ein Loch erdichst.

 
66. GOtt ist in unß selbst.

GOtt ist so nah bey dir mit seiner Gnad und Gütte /
Er schwebt dir wesentlich im Hertzen und Gemütte.

 
67. Wie weit der Weg inn Himmel.

Christ schätze dir die Reiß inn Himmel nicht so weit:
Der gantze Weg hinein ist keines Schrittes breit.

 
68. Der weise begehrt nicht inn Himmel.

Der Weise wann er stirbt / begehrt inn Himmel nicht:
Er ist zuvor darinn eh jhm das Hertze bricht.

 
69. Deß bösen und gutten Unterscheid.

Ein Jrrliecht ist der böß': ein gutter Mensch ein stern:
Er brennet von sich selbst / der leuchtet von dem Herrn.

 
70. Man darff nicht viel zur Seeligkeit.

Christ du bedarffst / nicht viel zur ewgen Seeligkeit:
Es hülfft ein eintzigs Kraut das heist Gelassenheit.

 
71. Die Buß' ist leicht zu thun.

Die Buß' ist bald gethan / daß dich GOtt loß muß sagen /
Du darffst nur an die Brust wie jener Sünder schlagen.

 
72. Gott ist allem gleich nahe.

GOtt ist dem Belzebub nah wie dem Seraphim:
Es kehrt nur Belzebub den Rükken gegen jhm.

 
73. GOtt kan sich nicht entziehn.

GOtt kan sich nicht entziehn / er würket für und für.
Fühlstu nicht seine Krafft / so gib die Schuld nur dir.

 
74. Jn der Hölle ist keine Ewigkeit.

Betracht' es eigendlich: bey GOtt ist Ewigkeit /
Beym Teuffel in der Höll da ist ein ewges leid.

 
75. Nichts besteht ohne genuß.

Nichts dauret ohn genuß. GOtt muß sich selbst geniessen:
Sein wesen würde sonst wie Graß verdorren müssen.

 
76. Wie die Gesellschafft / so der Geselle.

Zu wem du dich gesellst / deß wesen saufstu ein:
Bey Gotte wirstu Gott / beym Teuffel Teuffel seyn.

 
77. An den Sünder.

Du schreiest auf den Dieb / und schiltst jhn unverholen:
Schweig / du hast GOtt viel mehr alß er der Welt gestohlen.

 
78. Warumb wenig zur Thür deß Lebens eingehn.

Daß nach der Himmelthür so wenig Menschen greiffen!
Es wil jhm keiner dran den alten Balg abstreiffen.

 
79. Am Creutz am sichersten.

Man ligt am seeligsten in Leyden Creutz und Pein:
Wo aber sind die gern auf disem Bette seyn?

 
80. Die Armut ist am Reichsten.

Die Armuth ist ein Schatz dem keine Schätze gleichen.
Der ärmste Mensch im Geist hat mehr als alle Reichen.

 
81. Jm Reinen erscheinet GOtt.

Mensch dänkstu GOtt zuschaun / dort oder hier auf Erden:
So muß dein Hertz zu vor ein reiner Spiegel werden.

 
82. Am Creutz ist die lieb' am Liebsten.

Sag wo die Liebe wird am liebesten gefunden?
Am Creutz / wenn sie umb deß geliebten willn gebunden.

 
83. Freud' und Leid beysammen.

Ein Christ erfreuet sich in Leyden Creutz und Pein:
So kan ja freud' und Leyd gar wol beysammen seyn!

 
84. Eins wissen hat den Preyß.

Viel wissen blähet auf: dem geb ich lob und preyß /
Der den Gekreutzigten in seiner Seele weiß.

 
85. Wer nichts weiß / ist geruhig.

Hätt' Adam nie vom Baum der wissenschafften gessen /
Er wär' im Paradeiß in ewger Ruh gesessen.

 
86. Der Schöpffer im Geschöpffe.

Die Schöpffung ist ein Buch; Wer's weißlich lesen kan /
Dem wird darinn gar fein der Schöpffer kundt gethan.

 
87. Eins ist das beste Buch.

Viel Bücher viel beschwehr: Wer eines recht gelesen /
(Jch meine JEsum Christ) / ist ewiglich genesen.

 
88. Du must dich über setzen.

Der Leib muß sich inn Geist / der Geist inn Gott erheben /
Wo du in Jhm mein Mensch wilt ewig seelig leben.

 
89. Du must es hier erwerben.

Hier muß es seyn gethan: jch bilde mir nicht ein /
Daß der kein Reich erwirbt dort wird ein König seyn.

 
90. Nichts zeitlich ist in GOtt.

Ein Augenblik ist kurtz: Noch kan ich kühnlich sagen /
Daß GOtt so lange nicht gewest vor Zeit und Tagen.

 
91. Jn welchem Jahr die Welt erschaffen.

Da GOtt die Welt erschuf / waß schrieb man für ein Jahr?
Kein anders nicht alß das seins Urstands erstes war.

 
92. GOtt siht nichts zuvor.

Jn Gott ist kein vor oder darnach sehen: sondern Er siehet von Ewigkeit alles gegenwertig für jhm / wie es geschiehet / nicht wie es geschehen wirdt oder geschehen ist. GOtt sihet nichts zuvor: Drumb leugstu wenn du jhn
Mit der Vorsehung mißt nach deinem blöden Sinn.

 
93. GOtt kan nicht zörnen.

GOtt zörnet nie mit unß / wir dichtens jhm nur an:
Unmöglich ist es jhm daß er je zörnen kan.

 
94. GOtt ist nicht beweglich.

Wer saget daß sich GOtt vom Sünder abewendt /
Der giebet klar ann Tag daß er GOtt noch nicht kennt.Merk. Gott wendet sich nicht ab / sondern der Sünder wendt sich von Gott.

 
95. Was GOtt den Seeligen und Verdambten ist.

GOtt ist den Seeligen ein ewger freuden Gast /
Und den Verdammeten ein' ewge überlast.

 
96. Das Höllische brennt nur.

Die Hölle schadt mir nichts / wär' ich gleich stäts in jhr;
Daß dich jhr Feuer brennt / das lieget nur an dir.

 
97. Der weise klagt nur Sünde.

Der Weise wann er sol von Pein und Unglük sagen
Wird dir sonst über nichts als über Sünde klagen.

 
98. GOtt kan dem Willn nicht steuren.

Nichts stärkers ist als GOtt: doch kan er nicht verwehren /Durch seine vorhin der Seelen eingeschaffene gewalt. Er kan aber wol verhindern daß der Wille das Werk nicht verbringe / welches er wil.
Daß ich nicht was ich wil sol wollen und begehren.

 
99. Was GOtt gern jsset.

GOtt jsst die Hertzen gern: Wiltu jhn stattlich speisen /
So richt' ihm deines zu: Er wird es ewig preisen.

 
100. Wie GOtt das Hertz wil zubereitet haben.

Wie Kocht man Gott das Hertz? Es muß gestossen seyn /
Geprest / und stark verguldt: Sonst geht es jhm nicht ein.
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