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Cherubinischer Wandersmann

Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann - Kapitel 13
Quellenangabe
typeanthology
booktitleCherubinischer Wandersmann
authorAngelus Silesius
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008006-1
titleCherubinischer Wandersmann
pages6-11
created20010407
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1675
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Vierdtes Buch
Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime.

 
1. GOtt wird waß Er nie war.

Der ungewordne GOtt wird mitten in der Zeit
Was Er nie ist gewest in aller Ewigkeit.

 
2. Der Schöpffer wird's Geschöpffe.

Das Unerschaffene Licht wird ein erschaffnes Wesen:
Daß sein Geschöpffe nur durch selbes kan genesen.

 
3. An das JEsus Kind.

Jch habe dich mein Kind / du zarter Nazarener /
Den Lilgen offt vergleicht; Nu aber geh ichs an /
Daß jch dir viel zu kurtz und Unrecht hab gethan:
So viel du edler bist / so viel bistu auch schöner.

 
4. Das geheime Nazareth und geistliche Verkündigung.

Maria / Nazareth / und Gabriel der Both /
Jst meine Seel / mein Hertz / und neues Licht von Gott.
Mein Hertze zwar wann es ein Blumenthal geworden
Die Seele wann sie steht im keuschen Jungfern Orden
Und wohnt in diesem Thal: das neue Gnaden Licht /
Wann Gott sein Ewges Wort in jhrem Geiste spricht.

 
5. Von dem JEsus Kind an der Mutter Brüsten.

Wie schlecht ist Gottes Sohn bewirthet auf dem Heu:
Man siehet nichts umb jhn als lauter Armuthey:
Er achtets aber nicht / und läst jhm wol genügen /
Weil Er kan an der Brust der süssen Mutter liegen.

 
6. GOtt auf dem Stroh.

Je! daß jhm GOtt den Stall und's Stroh hat außerkiest!
Es ziemet sich also weil Er ein Lämmlein ist.

 
7. Der Fall Evae ist Ursach daß GOtt Mensch worden.

Der Ewge GOttes Sohn kombt her in diese Wüsten /
Und nährt sich wie ein Kind an einer Jungfrau Brüsten.
Wer hat ihm dieses weh verursacht und gemacht?
Ein abgefallnes Weib hat jhn darzu gebracht.

 
8. Der Nahme JESUS.

Der Nahme JEsus ist ein außgegossnes Oele:
Er speiset / und Erleucht / und stillt das weh der Seele.

 
9. Das Unaußsprechliche.

Das Unaußsprechliche das man pflegt Gott zunennen /
Giebt sich in einem Wort zusprechen und zukennen.

 
10. Die volle Seeligkeit.

Der Mensch hat eher nicht vollkommne Seeligkeit;
Biß daß die Einheit hat verschlukt die Anderheit.

 
11. Mit schweigen Ehrt man GOtt.

Die Heilge Majestät (wiltu jhr Ehr erzeigen)
Wird allermeist geehrt mit heilgem stilleschweigen.

 
12. Jn Einem alles Heyl.

Jn einem steht mein Heil / in einem meine Ruh:
Drumb lauff ich mit Verlust viel dings dem Einen zu.

 
13. Die Eigenschafft der dreyen Stände.

Die Büsser flehn Gott an / die freyen danken jhm /
Die Bräute sind voll Lieb' und Ruh wie Seraphim.

 
14. GOtt giebt das groß' im kleinen.

Nimb was der HERR dir giebt / Er giebt das groß im kleinen /
Jn schlechten schlakken Gold / ob wirs zwar nicht vermeinen.

 
15. Uberschrifft der Heyligen Agatha.

Diß war die keusche Seel / die GOtt von freyer Hand
Geehrt hat / und erlöst ihr Volk und Vaterland.

 
16. Der Schnee in der Sonne.

Wie schöne gläntzt der Schnee wann jhn der Sonnenstrahlen
Mit Himmelischem Licht bestreichen und bemahlen!
So gläntzt auch deine Seel / so sie ist weiß wie Schnee:
Wann sie beschienen wird vom Aufgang auß der Höh.

 
17. Zu dem HErren JESU.

Jch nah mich HERR zu dir als meinem Sonneschein /
Der mich erleucht / erwärmt / und macht lebendig seyn.
Nahstu dich wiederumb zu mir als deiner Erden /
So wird mein Hertze bald zum schönsten Früling werden.

 
18. Der Tugend Ziel ist GOtt.

GOtt ist der Tugend Ziel / jhr antrieb / jhre Kron /
Jhr eintziges warumb / und ist auch all' jhr Lohn.

 
19. Ein gutt Gewissen.

Was ist ein gutter Muth der wol mit GOtte steht?
Ein stättes frölich seyn / und ewiges Panket.

 
20. Die Verlust.

Mensch schau die Lust der Welt / die Endet sich mit Peyn:
Wie kanstu jhr dann auch so gantz ergeben seyn?

 
21. Der unerkandte GOtt.

Was GOtt ist weiß man nicht: Er ist nicht Licht / nicht Geist /
Nicht Wonnigkeit / nicht Eins / nicht was man Gottheit heist:
Nicht Weißheit / nicht Verstand / nicht Liebe / Wille / Gütte:
Kein Ding / kein Unding auch / kein Wesen / kein Gemütte:
Er ist was ich / und du / und keine Creatur /
Eh wir geworden sind was Er ist / nie erfuhr.

 
22. An S. Augustin.

Halt an mein Augustin: Eh du wirst Gott ergründen /
Wird man das gantze Meer in einem Grüblein finden.

 
23. Göttliche beschauung.

Das überlichte Licht schaut man in diesem Leben
Nicht besser / als wann man ins dunkle sich begeben.

 
24. Die Uberformung.

Du must den Leib in Geist / den Geist in GOtt versetzen /
Wann du dich / wie dein Wuntsch / vollkömlich wilt ergötzen.

 
25. Die GOttesschauer.

Was thun die schauer GOtts? sie thun das in der Zeit /
Was andre werden thun dort in der Ewigkeit.

 
26. Moses.

Dänkt Mosis Antlitz ward so gläntzend als die Sonne /
Da er das ewge Licht im dunckeln nur gesehn!
Was wird nicht nach der Zeit den Seeligen geschehn /
Wann sie GOtt werden schaun im Tag der ewgen Wonne?

 
27. Die Seeligen.

Was thun die seeligen / so man es sagen kan?
Sie schaun ohn unterlaß die ewge Schönheit an.

 
28. Die Heiligen und Gottlosen.

Die Heiligen sind GOtt ein lieblicher Geruch:
Die Bösen ein Gestank / ein abscheu / und ein Fluch.

 
29. Die Liebe.

Die Lieb ist wie der Tod: sie tödtet meine Sinnen /
Sie brichet mir das Hertz / und fährt den Geist von hinnen.

 
30. GOtt über alle Gaben.

Jch bitte dich mein GOtt zwar offt umb deine Gaben /
Doch wisse daß ich dich viel lieber selbst wil haben.
Drumb gieb mir was du wilt / es sey auch ewges Leben:
Giebstu mir dich nicht selbst / so hastu nichts gegeben.

 
31. Die glükseelige Musse.

Johannes an der Brust / MARIA bey den Füssen /
Thun alle zwey sonst nichts / als daß sie Gotts geniessen:
Wie wol sind sie daran! könt' ich so müssig seyn /
Jch regete mich nicht / fiel' auch der Himmel ein.

 
32. Eins jeden Element.

Jm Wasser lebt der Fisch / die Pflantzen in der Erden /
Der Vogel in der Lufft / die Sonn im Firmament:
Der Salamander muß im Feur erhalten werden:
Jm Hertzen JESU ich / als meinem Element.

 
33. Das Paradeiß auf Erden.

Du suchst das Paradeiß / und wüntschest hin zukommen /
Wo du von allem Leid und Unfried bist entnommen.
Befriedige dein Hertz / und mach es Rein und weiß:
So bistu selbst noch hier dasselbe Paradeiß.

 
34. GOtt lieben geht vor alles.

Laß einen alle Lust der gantzen Welt geniessen /
Und einen dreymal mehr als Salmon wuste wissen:
Laß einen Schöner seyn als Davids Absalon.
Gieb einen der mehr stärk' und Macht hat als Simson:
Und einen der mehr Gold als Croesus hat zuzeigen /
Und noch der alles kan wie Alexander beugen:
Ja der diß alles ist: So sag ich doch gantz frey:
Daß auch ein schlechter Mann der GOtt liebt besser sey.

 
35. Die tieffe / höhe / breite / und länge GOttes.

Durch Weißheit ist GOtt tieff / Breit durch Barmhertzigkeit /
Durch Allmacht ist er hoch / lang durch die Ewigkeit.

 
36. Beschauligkeit.

Sey rein / schweig / weich' und steig auf in die Dunkelheit /
So kommstu über alls zur GOtts beschauligkeit.

 
37. Bescheidenheit.

Das Richtscheid deß Gemütts ist die Bescheidenheit:
Wer sich nach jhr nicht mißt / der fehlt der Tugend weit.

 
38. GOtt nichts und alles.

GOtt ist ein Geist / ein Feur / ein Wesen und ein Licht:
Und ist doch wiederumb auch dieses alles nicht.

 
39. Der Gelassene ist schon Seelig.

Ein Mensch der Gott sich läst in allen fälln und weisen /
Den kan man warlich schon im Leibe seelig preisen.

 
40. Die Braut GOttes.

Die Braut deß Ewgen Gotts kan jede Seele werden:
Wo sie nur seinem Geist sich unterwirfft auf Erden.

 
41. Das Abendmahl deß Lambs.

Das Lamm das hat sein Mahl zur Abendszeit bestimt:
Warumb? weil man darauf zur Ewgen ruhe kömmt.

 
42. Maria.

Maria wird genennt ein Thron und Gotts Gezelt /
Ein' Arche / Burg / Thurn / Hauß / ein Brunn / Baum / Garten / spiegel.
Ein Meer / ein Stern / der Mon / die Morgenröth / ein Hügel:
Wie kan sie alles seyn? sie ist ein' andre Welt.

 
43. Der Jünger den GOtt liebt.

Ein Mensch der gantz und gar sich abwendt von der Welt /
Und seinen Leib und Seel dem HErren heilig hält /
Stirbt noch vertirbet nicht / ob man jhm gleich vergibt.
Fragstu warumb? er ist der Jünger den er liebt.

 
44. Roth und Weiß.

Roth von deß HErren Blut wie Sammet Röselein /
Durch Unschuld weiß wie Schnee sol deine Seele seyn.

 
45. Von Maria Magdalena an dem Creutze.

Wie daß die Magdalen das Creutze so umbschrenkt?
Es ist weil JESUS dran jhr Allerliebster hängt.

 
46. Auff die Wunden JESU.

Jch seh die Wunden an als offne Himmelspforten /
Und kan nunmehr hinein an fünff gewissen orten.
Wo komm ich aber straks bey meinem GOtt zustehn?
Jch wil durch Füß und Händ' ins Hertz der Liebe gehn.

 
47. Dort geht es anderst zu.

Hier hingt das Lamb am Creutz dort sitzts auf GOttesthron /
Hier trägts den Dornen krantz dort eine Kaiserkron:
Hier ist es Unterthan / dort herscht es über alle:
Hier thuts den Mund nicht auf / dort redts mit hellem schalle:
Hier weints / und dorte Lachts: drumb tröste dich mein Christ /
Daß sich dein Creutz verkehrt / wo du diß Lamm nur bist.

 
48. Das Creutz.

Jch habe mir das Creutz für allem Schatz erkiest /
Weils meines Leibes Pflug und Seelen Anker ist.

 
49. Die Herrligkeit Christi in dieser Welt.

Der Scepter ist ein Rohr / ein Dornenpusch die Kron /
Die Nägel aller Schmuk / ein tödlich Creutz der Thron:
Sein Blutt ists Purpurkleid / die Mörder die Trabanten /
Das Hoffgesind ein Schaum von Buben und Scherganten:
Der Mundtrank bittre Gall / die Music Hohn und Spott.
Diß ist die Herrligkeit die hier hat unser GOtt!

 
50. Die Schädelstädt.

Jst diß die Schädelstädt? wie kombt es dann daß hier
DieMaria und Johannes. Roß' und Lilge steht in unverwelckter Ziehr?
Und da der Lebensbaum? der Brunn mit den vier Flüssen?
Es ist das Paradiß: doch sey es was es wil:
Bey mir gilt diese städt unds Paradiß gleich viel.

 
51. Die Dornene Kron.

Die Dornen die das Haupt deß Herrn zerstechen gantz /
Sind meines Haubtes Kron und ewger Rosenkrantz:
Was auß den Wunden fleust ist meiner Wunden heil:
Wie wol wird mir sein Spott / und seine Pein zutheil!

 
52. Die Liebe hats erfunden.

Daß GOtt gecreutzigt wird! daß man jhn kan verwunden!
Daß Er die Schmach verträgt / die man jhm angethan!
Daß Er solch' Angst aussteht! und daß Er sterben kan!
Verwundere dich nicht / die Liebe hats erfunden.

 
53. Umb einen Kuß ists GOtt zuthun.

Was wil doch GOttes Sohn daß Er ins Elend kömbt /
Und ein solch schweres Kreutz auf seine Schultern nimbt?
Ja daß Er biß inn Tod sich ängstet für und für?
Er suchet anders nichts als einen Kuß von dir.

 
54. Die Welt ist im Frühling gemacht.

Jm Früling ward die Welt Verneut / und wiederbracht:
Drumb sagstu recht daß sie im Früling ist gemacht.

 
55. Die Geistliche Aufferstehung.

Die Aufferstehung ist im Geiste schon geschehn:
Wenn du dich läst entwürkt von deinen Sünden sehn.

 
56. Die geheimbe Himmelfahrt.

Wann du dich über dich erhebst und läst GOtt walten:
So wird in deinem Geist die Himmelfahrt gehalten.

 
57. Die geistliche Trunkenheit.

Der Geist praust ja wie Most: die Jünger allesambt
Sind gleich den Trunkenen entzündt und angeflambt
Von seiner Hitz und Krafft: so bleibt es doch dabey /
Daß diese gantze Schaar voll süsses Weines sey.

 
58. Der verlohrne Groschen.

Die Seele GOttesbild ist der verlohrne Groschen /
Die Kertze himmlisch Licht / das durch den fall verloschen:
Die Weißheit ist das Weib die es aufs neu entzündt:
Wie seelig ist der Mensch den sie nu wider findt!

 
59. Das verlohrne Schaff.

Jch bin das arme Schaaff das sich verjrret hat /
Und nunmehr von sich selbst nicht kennt den rechten Pfad.
Wer zeigt mir dann den Weg / daß ich nicht gantz erliege?
O daß doch JEsus käm' / und mich nach Hause trüge!

 
60. Der verlohrne Sohn.

Kehr umb verlohrner Sohn zu deinem Vatter GOtt:
Der Hunger bringt dich sonst (seyn' Ungunst) gar inn Tod:
Hättstu gleich tausendmahl ihm diesen Schimpff gethan /
So du nur wiederkömbst / ich weiß Er nimbt dich an.

 
61. Die verlohrne und wider gefundene Drey.

Der Groschen / Sohn / unds Schaaff / bin ich mit Geist / Leib / Seele.
Verlohrn in frembdem Land / in einer Wüst' und Höle.
Die heilge Dreyfalt kombt und sucht mich alle stunden:
Den Groschen findt der Geist / der Vatter nimbt den Sohn /
Der Hirte JEsu trägt das Schaaff mit sich davon.
Schau wie ich Dreyfach bin verlohren und gefunden!

 
62. Der Punct / die Linie und Fläche.

GOtt Vatter ist der Punct; auß Jhm fleust GOtt der Sohn
Die Linie: GOtt der Geist ist beider Fläch' und Kron.

 
63. Vom reichen Mann.

Man wil dem reichen Mann kein tröpfflein Wasser geben /
Weil er das Maß mit Wein schon voll gemacht im Leben.

 
64. Auch von jhm.

Wie daß der reiche Mann den Armen jetzo kennt?
Er sieht wol daß sich hat das Blättlein umbgewendt.

 
65. Der arme Lazarus.

Wie ungleich ist der Tod! die Engel tragen jhn
Den armen Lazarum zur ewgen ruhe hin.
Der reiche da er stirbt wird voller Angst und Pein:
So gutt ists auff der Welt nie reich gewesen seyn!

 
66. Von Maria Magdalene.

Was dänkt doch Magdalen daß sie so offentlich
Dem HErrn zu Fusse fällt / und schuldig giebet sich?
Ach frage doch nicht erst: schau wie die Augen funken:
Du sihst wol daß sie ist von grosser Liebe trunken.

 
67. Martha und Maria.

Die Martha laufft und rennt daß sie den HErren speise /
Maria sitzet still; und hat doch solcher weise
Das beste theil erwöhlt: sie speiset jhn allein /
Die aber findt auch sich von jhm gespeiset seyn.

 
68. Von Maria Magdalene.

Maria kombt zum HErrn voll Leids und voller Schmertzen /
Sie bittet umb Genad / und thut doch jhren Mund
Mit keinem Wörtlein auf: wie macht sie's ihm dann kundt?
Mit Jhrer Thränen fall und dem zerknirschten Hertzen.

 
69. Die Sünde.

Die Sünd' ist anders nichts / als daß ein Mensch von GOtt
Sein Angesicht abwendt / und kehret sich zum Tod.

 
70. Der Mensch.

Das gröste Wunder ding ist doch der Mensch allein:
Er kan / nach dem ers macht / GOtt oder Teufel seyn.

 
71. Der Himmel allenthalben.

Jn GOtt lebt / schwebt / und regt sich alle Creatur:
Jsts wahr? was fragstu dann erst nach der Himmelspuhr?

 
72. Den Bräutgam wünscht die Braut.

Verwundete dich nicht daß ich nach GOtt verlange:
Der Braut ist allezeit nach ihrem Bräutgam bange.

 
73. Hier muß man Bürger werden.

Streb nach der Bürgerschafft deß Himmels hier auf Erden:
So kan er dir darnach dort nicht versaget werden.

 
74. Hütt dich für Sicherheit.

Laß dir vom Himmelreich nicht gar so sicher träumen /
Du sihst wol daß es auch die Jungfern selbst versäumen.

 
75. Das tröstlichste Wort.

Das allertröstlichste das ich an JEsu find' /
Jst / wenn Er sprechen wird: kom benedeites Kind.

 
76. Trauben von Dornen.

Wer seinen neider liebt / und gutts vonn feinden spricht:
Sag ob derselbe nicht vonn Dornen Trauben bricht?

 
77. Das geistliche Sterben.

Stirb ehe du noch stirbst / damit du nicht darffst sterben /
Wann du nu sterben solst: sonst möchtestu verderben.

 
78. Die Hoffnung hält die Braut.

Die Hoffnung hält mich noch; sonst wär' ich längst dahin:
Warumb? dieweil ich nicht bey meinem Bräutgam bin.

 
79. Der beste Freund und Feind.

Mein bester Freund mein Leib / der ist mein ärgster Feind:
Er bindt und hält mich auff / wie gut ers immer meint.
Jch haß' und lieb jhn auch: und wann es kombt zum scheiden /
So reiß' ich mich von jhm mit Freuden und mit Leiden.

 
80. Mit Lieb erlangt man Gnad.

Wann dich der Sünder fragt wie er sol Gnad erlangen /
So sage daß er GOtt zulieben an sol fangen.

 
81. Der Tod.

Der Tod bewegt mich nicht: ich komme nur durch jhn
Wo ich schon nach dem Geist mit dem Gemütte bin.

 
82. Die heilige Schrifft.

Gleich wie die Spinne saugt auß einer Rose Gifft:
Also wird auch verkehrt vom bösen Gottesschrifft!

 
83. Trompeten.

Trompeten hör' ich gern: Mein Leib sol auß der Erden
Durch jhren Schall erweckt / und wieder meine werden.

 
84. Das Antlitz GOttes.

Das Antlitz GOttes sehn ist alle Seeligkeit;
Von dem verstossen seyn das höchste Hertzeleid.

 
85. Der Artzt hält sich zum Kranken.

Warumb pflegt doch der HErr mit Sündern umbzugehn?
Warumb ein trewer Artzt den Kranken beyzustehn?

 
86. S. Paulus.

Sanct Paulus wuste nichts als Christum und sein Leiden;
Da er doch war gewest im Paradiß der Freuden.
Wie kont jhm diß so gantz entfallen seyn? Er war
Jn den Gekreutzigten Verformet gantz und gar.

 
87. Die Liebe.

Die Liebe dieser Welt wil alls für sich allein.
Die Liebe GOttes macht dem Nächsten alls gemein:
Die wird ein jeder Mensch für Liebe wol erkennen /
Jen' aber sol man Neid / und keine Liebe nennen.

 
88. Auß dem Hohen Lied.

Der König führt die Braut inn Keller selbst hinein /
Daß sie jhr mag erwöhln den allerbesten Wein.
So machts GOtt auch mit dir / wann du bist seine Braut /
Er hat nichts in sich selbst / das er dir nicht vertraut.

 
89. Kinder und Jungfrauen.

Jch liebe nichts so sehr als Kinder und Jungfrauen:
Warumb? im Himmel wird kein andres seyn zuschauen.

 
90. Die Tugend.

Die Tugend / spricht der weis' / ist selbst jhr schönster Lohn.
Meint er nur zeitlichen / so halt' ich nichts davon.

 
91. Die GOttliebende Einsamkeit.

Du sprichst Theophilus sey meisten-theils allein:
Macht sich der Adler auch den Vöglichen gemein?

 
92. Die Tagezeiten.

Jm Himmel ist der Tag / im Abgrund ist die Nacht /
Hier ist die Demmerung: wol dem ders recht betracht.

 
93. Von Johannes dem Täuffer.

Johannes aß fast nichts / er trug ein rauhes Kleid /
Saß in der Wüsteney die gantze Lebenszeit.
Er war so from: was fiel er GOtt so hart zu Fusse?
Die grösten Heiligen die thun die gröste Busse.

 
94. Die Welt.

Zu GOtt kombt man durch GOtt: zum Teufel durch die Welt;
Ach daß sich doch ein Mensch zu dieser Hure hält!

 
95. Das Ende krönt das Werck.

Das Ende krönt das Werck / das Leben ziehrt der Tod:
Wie herrlich stirbt der Mensch / der treu ist seinem Gott!

 
96. Die Figur ist Vergänglich.

Mensch die Figur der Welt vergehet mit der Zeit:
Was trotzstu dann so viel auf jhre Herrlichkeit?

 
97. Auf beiden seyn ist gut.

Den Himmel wüntsch' ich mir / Lieb' aber auch die Erden:
Denn auf derselbigen kan ich GOtt näher werden.

 
98. Von den Lilgen.

So offt ich Lilgen seh / so offt empfind' ich Pein /
Und muß auch bald zugleich so offt voll Freuden seyn.
Die Pein entstehet mir / weil ich die Ziehr verlohrn /
Die ich im Paradiß von anbegin gehabt.
Die Frewde kombt daher / weil JEsus ist gebohrn
Der mich nu widerumb mit jhr aufs neu begabt.

 
99. Von S. Alexio.

Wie kan Alexius ein solches Hertz' jhm fassen /
Daß er kan seine Braut den ersten Tag verlassen?
Er ist jhr Bräutgam nicht: Er hat sich selbst als Braut
Dem Ewgen Bräutigam verlobet / und Vertraut.

 
100. Der Büsser löscht das Feuer.

Du sprichst das Höllsche Feur wird nie gelöscht gesehn:
Und sih der Büsser löschts mit einem Augenthrän!
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