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Chaucers Canterbury-Geschichten

Geoffrey Chaucer: Chaucers Canterbury-Geschichten - Kapitel 8
Quellenangabe
typepoem
authorGeoffrey Chaucer
titleChaucers Canterbury-Geschichten
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
yearo.J.
firstpub
translatorWilhelm Hertzberg
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160823
projectidec466385
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Die Erzählung des Kochs.

Prolog.

Als der Verwalter sprach, kratzt vor Entzücken,
So schien's, der Koch von London sich den Rücken.
»Ha, ha«, sprach er, »bei Christi Passion,
Der Müller kriegte scharf die Lektion
Ueber den Text von wegen Nachtbesuch.
Schon Salomon sagt gut in seinem Buch:
Nicht führe Jedermann zu deinem Herde;
Denn Nachtherberg' ist immer voll Gefährde. [4330]
Man soll sich gut vorsehen jeder Zeit,
Wen man einführt in seine Häuslichkeit.
Gott strafe mich mit Kummer und mit Weh,
Wenn, seit ich Hodge von Ware heiße, je
Ein Müller so ward an die Kost gebracht.
Ein malitiöser Spaß war das bei Nacht.
Doch Gott behüte, daß wir hiermit schließen.
Darum, wenn ihr es euch nicht laßt verdrießen,
Gehör zu schenken auch mir armem Mann,
Erzähl' ich euch, so gut ich irgend kann, [4340]
Von einem kleinen Spaß in unserm Ort.«
Der Wirth versetzte: »Nun so nimm das Wort.
Erzähle, Roger, aber mach' es gut.
Mancher Pastete ließt du schon das Blut
Und brachtest manchen Doverhecht als frisch,
Der zweimal aufgewärmt war, auf den Tisch.
Und mancher Pilger flucht dir voller Grimm,
Dem's noch nach deiner Petersilie schlimm,
Die er mit deiner Stoppelgans verschmaust.
Von Fliegen ist dein Ladentisch umsaust. [4350]
Nun, Roger, sprich, bei deinem Schutzpatron,
Und bitte, nimm den Spaß nicht auf als Hohn.
Man mag wohl Ernst in Spiel und Scherz verweben.«
»Bei meiner Treu«, sprach Roger, »gut gegeben!
Doch: Ernst Speel, quad Speel! wie der Fläming spricht;
Und darum, Harry Bailly, zürnt mir nicht
Eh wir uns trennen, wenn in der Geschichte
Ich jetzt von einem Gastwirth euch berichte.
Doch sollst du nicht, eh wir uns trennen, klagen,
Ich hätte dir die Schuld nicht abgetragen.« [4360]
Und dabei lacht' er und erzählte froh
Seine Geschichte; sie begann also.

Die Erzählung des Kochs.

In unsrer Stadt war einst in Kondition
Ein Lehrling, Höker von Profession,
So keck und munter wie ein Fink im Wald,
Nußbraun und schmuck und stämmig von Gestalt.
Die schwarzen Locken kämmt' er sich höchst zierlich
Und tanzte so geschickt und so manierlich:
Er ward »Nachtschwärmer Perkin« nur genannt.
Er steckte so voll Lieb' und Minnetand, [4370]
Wie voll von süßem Honig eine Wabe,
Und war den Dirnen eine rechte Labe.
Er sang und sprang bei jedem Hochzeitsschmaus,
War in den Schenken lieber als zu Haus,
Und gab in Chepe es einen Reiterzug,
Sprang aus dem Laden er dahin in Flug,
Und pflegte nie, bis Alles er gesehn
Und brav getanzt, nach Haus zurückzugehn.
Er schafft' aus seines Gleichen ein Geleit
Sich an zu Spiel und Tanz und Lustbarkeit, [4380]
Das an bestimmten Orten dann und Stunden
Zum Würfelspiel zusammen sich gefunden.
Denn keinen Lehrling giebt es in der Stadt,
Der solch Geschick im Knöchelwerfen hat
Als Perkin; und könnt' es geheim geschehn,
Pflegt' er mit Geld nicht sparsam umzugehn.
Oft spürte das an seiner Kasse Stand
Der Meister, wenn er leer die Büchse fand.
Denn legt ein Lehrling sich auf's Nachtdurchschwärmen,
Auf Liebeshändel, Würfelspiel und Lärmen, [4390]
So büßt der Meister es in seinem Laden,
Hört nichts von der Musik, und trägt den Schaden.
Denn Schwelgerei und Diebstahl sind Vertraute,
Sie spielen jedes Stück auf Geig' und Laute.
Nachtschwärmerei sieht man mit Ehrlichkeit,
Wie niedres Volk, den ganzen Tag im Streit.
Der muntre Bursch blieb in des Meisters Haus
So lange fast, bis seine Lehrzeit aus,
Ward er gerüffelt auch von früh bis Nacht
Und oft mit Jubel nach Newgate gebracht. [4400]
Bis endlich, da er sein Papier vermißt,
Ein Spruch dem Meister eingefallen ist,
Ein Spruch, der also lautet nach dem Wort:
Den faulen Apfel nimm vom Haufen fort;
Sonst steckt die andern an des einen Schade;
So ist's mit lüderlichen Dienern grade.
's ist besser, es wird einer fortgeschafft,
Als daß verdirbt die ganze Dienerschaft.
Der Meister gab ihm den Entlassungsschein
Und wünscht' ihm Sorg' und Unheil hinterdrein. [4410]
So ist der muntre Lehrling denn entlassen
Und mag, wenn's ihm beliebt, die Nacht durchprassen.
Und da ein Stehler einen Hehler braucht,
Der ihm verprassen hilft und mit verbraucht
Was er durch Borg und Lug und Trug errafft,
So hat sein Bett und Zeug er fortgeschafft
Zu einem gleichgearteten Kumpan,
Der Würfeln und Krakehl auch zugethan.
Sein Weib hielt einen Laden öffentlich;
Doch nährt' im Stillen sie von Schlimmerm sich. [4420]

(Der Schluß fehlt.)

*

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