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Buffalo Bill der letzte große Kundschafter

Helen Cody: Buffalo Bill der letzte große Kundschafter - Kapitel 19
Quellenangabe
typebiography
authorHelen Cody
titleBuffalo Bill der letzte große Kundschafter
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag G.m.b.H.
yearo.J.
translatorAlwina Vischer
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160311
projectid2965906a
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Achtzehntes Kapitel: Will wird zum Oberkundschafter ernannt.

Zur bestimmten Zeit langte das fünfte Reiterregiment in Fort Mc Pherson an, wo es sich sofort wieder für eine neue Expedition nach dem Republican River rüstete. Zu jener Zeit machte General Carr dem General Augur, Gouverneur des Plattekreises, den Vorschlag, Will zum Anführer der dort angestellten Kundschafter zu ernennen.

Auf dem Marsch durch das Plattetal zum Fort McPherson bot die Gegend so große Naturschönheiten, daß Will beschloß, künftighin seinen Wohnsitz dort aufzuschlagen.

Bald nach der Rückkehr ins Fort war die Kundschafterabteilung des fünften Reiterregiments durch Major North mit drei Kompanieen der als Kundschafter berühmten Pawnees Ein zum Hauptstamm der Sioux gehörender Indianerstamm in Nebraska. Anm. d. Übers. verstärkt worden. Diese Kerls wurden sofort der Gegenstand höchsten Interesses und die Ursache vieler Heiterkeit im Fort, und zwar nicht nur wegen ihrer Abstammung, sondern hauptsächlich wegen ihres seltsamen Aufzugs. Mein Bruder schildert in seiner selbstverfaßten Lebensbeschreibung das Äußere dieser Kundschafter bei einer vor dem Brigadegeneral Duncan abgehaltenen Truppenschau folgendermaßen:

Die Parade verlief glänzend, denn die Leute waren gut gedrillt und taktisch gründlich ausgebildet. Auch die Pawnees machten ihre Sache zufriedenstellend, ihre Galauniformen aber hätten selbst ein Militärpferd zum Lachen bringen können. Obwohl man sämtliche Leute mit regelrechten Kavallerieuniformen ausgerüstet hatte, so trugen doch nicht zwei die ihnen gelieferten Gegenstände so, wie sie vorschriftsmäßig gebraucht werden sollten. Als sie zur Parade antraten, erschienen verschiedene in dicken, schweren Mänteln, andere hatten sogar die Beinkleider abgelegt und begnügten sich mit einem windelartigen Lappen. Einige trugen große schwarze Hüte mit Messingschnallen, wieder andere waren barhäuptig. Viele hatten zwar Beinkleider, aber keine Hemden angezogen, während die allerdrolligsten das Hinterteil herausgeschnitten hatten. Die Hälfte von ihnen war ohne Fußbekleidung, trug aber trotzdem voll Stolz die klirrenden Sporen.

Seltsame Kerls, aber für Indianer bewunderungswürdig gut diszipliniert! Sie waren ihrem Anführer, Major North, der ihre Sprache wie ein Eingeborener beherrschte, treu ergeben und äußerst stolz auf ihre Stellung in der Armee der Vereinigten Staaten – dabei gute Soldaten, treffliche Schützen und mutige Kämpfer.

Am Schluß der Parade wohnten die Offiziere mit ihren Damen einem von den Pawnees aufgeführten Indianertanz an, wodurch ein bewegter Tag aufs heiterste beschlossen wurde. –

Am darauffolgenden Morgen setzte sich eine Expedition nach dem Republican River in Bewegung, um dem wachsenden Übermut der Sioux entgegenzutreten. Kein Dienst hätte den Pawnees erwünschter sein können, da sie und die Sioux Erbfeinde waren.

Nach Beendigung des Marsches wurde ein Lager an der Beavermündung aufgeschlagen, und schon nach Verlauf einer Stunde machten sich die Sioux bemerklich. Ein Hirte, dem ein Pfeil in der Schulter steckte, kam mit der Nachricht ins Lager gelaufen, daß eine Schar Rothäute die zur Tränke geführten Maultiere überfallen habe.

Will nahm sich nicht Zeit, sein Pferd zu satteln. Aber auch die Pawnees waren kaum weniger flink als er und überrumpelten die Sioux, die auf einen solch raschen Angriff nicht gefaßt waren. Am meisten überraschte die Rothäute der Anblick ihrer Stammesfeinde. Sie wichen zurück, während Will mit seinen roten Verbündeten ihnen auf den Fersen folgten. Fünfzehn Meilen wurde die Jagd fortgesetzt, und erst als viele Sioux niedergestreckt und die übrigen zerstreut waren, kehrten die Verfolger ins Lager zurück.

Will, der auf einem schönen Pferde saß, war etwas ärgerlich, daß er während der wilden Verfolgung von einem Pawnee, der ein unscheinbar aussehendes Pferd ritt, überholt worden war. Auf Wills Frage sagte ihm Major North, daß das flüchtige Tier ebenso wie das Wills von der Regierung gestellt sei. Der Pawnee hing nun zwar sehr an seinem Pferde, liebte aber auch den Tabak über alles und ließ sich vermittels einiger Päckchen dieser Ware und noch einiger anderer Luxusgegenstände zu einem Tausch überreden. Will nannte sein neues Pferd »Buckskin Joe« und ritt es vier Jahre. Was Flüchtigkeit, Ausdauer und Klugheit anbelangt, erwies sich Joe als würdiger Nachfolger Brighams.

Dieser erste Strauß, den Will und die Pawnees zusammen ausgefochten hatten, legte den Grund zu einer stets wachsenden gegenseitigen Achtung. Bald darauf steigerte sich die Bewunderung, die die Indianer für Wills Kunstfertigkeit als Büffeljäger hegten, zu heller Begeisterung.

Zwanzig Pawnees hatten eine Büffelherde umzingelt und erlegten zusammen nur zweihundert Stück. Als kurz darauf eine zweite Herde sichtbar wurde, bat Will Major North, die Indianer im Hintergrund festzuhalten, da er ihnen gerne eine kleine Überraschung bereiten möchte. Buckskin Joe war ein großartiges Jagdpferd und führte nun auch die ihm zufallende Aufgabe so glänzend durch, daß Will nahezu mit der gleichen Anzahl von Schüssen sechsunddreißig Tiere zur Strecke brachte.

Das Entzücken der Pawnees kannte keine Grenzen. Ihrer Ansicht nach war es schon eine ganz schöne Leistung, bei einer Jagd zwei oder drei von diesen Beherrschern der Prärie zu erlegen. Wills Kunststück blendete sie daher förmlich. Er wurde sofort von ihnen zum Rang eines Häuptlings erhoben und nahm für immer einen hohen Platz in ihrer Achtung ein.

Vom Republican River marschierten die Truppen nach dem Black Tail Deer Fork. Kaum hatten sie dort ihre Zelte aufgeschlagen, so sahen sie eine Schar Indianer, singend, schreiend und die Lanzen schwingend, in vollem Galopp auf das Lager zujagen. Sofort wurden Verteidigungsvorkehrungen getroffen, an denen sich die Pawnees, die ebenfalls zu singen und zu johlen begannen, indes nicht beteiligten. »Das sind jedenfalls einige von unseren eigenen Rothäuten,« sagte Major North. »Sie hatten wahrscheinlich irgendwo einen Kampf und bringen nun die Skalpe.«

Und so war es auch. Die Pawnees erzählten von einem Scharmützel mit den Sioux, bei dem mehrere ihrer Feinde getötet worden seien.

Schon am nächsten Tage machte sich das Regiment, den Spuren der Sioux folgend, wieder auf den Weg, und zwar in beschleunigtem Tempo, um rascher vorwärts zu kommen. So oft sie an einen von den Rothäuten verlassenen Lagerplatz gelangten, konnte man unter den Spuren der Indianerfüße die eines Frauenstiefels bemerken. Die Feinde hatten also offenbar eine weiße Gefangene im Schlepptau. General Carr suchte nun die besten Pferde aus und befahl einen Eilmarsch, während die Proviantwagen so rasch als möglich folgen sollten.

Will hatte den Auftrag, mit sechs Mann voranzureiten, den Aufenthaltsort der Feinde auszukundschaften und dann sofort Nachricht darüber zu schicken, damit ein Angriffsplan gemacht werden konnte, ehe man das Indianerdorf erreichte.

Dieses Dorf entdeckten die Kundschafter zwischen Sandhügeln, wenige Meilen vom südlichen Platte River entfernt. Während nun die Pawnees, das Dorf scharf im Auge behaltend, warteten, kehrte Will mit der Meldung über obige Entdeckung zu General Carr zurück.

Voll heftiger innerer Erregung bereiteten sich Offiziere und Mannschaften zu dem ihnen bevorstehenden Kampfe vor, der allem nach recht ernst zu werden schien. Mit einer weiten Umgehung bewegten sich die Truppen vorwärts und erreichten endlich einen Hügel, von wo aus man das feindliche Lager überblicken konnte, ohne von den Rothäuten bemerkt zu werden.

Dem Hornisten wurde befohlen, zur Attacke zu blasen, allein er zitterte derart vor Aufregung, daß er nicht im stande war, einen Ton herauszubringen.

»So blase doch zu, Kerl,« befahl General Carr ein zweites Mal. Allein der arme Wicht vermochte kaum sein Horn zu halten, geschweige denn zu blasen. Da riß Quartiermeister Hays dem bebenden Manne die Trompete aus der Hand. Laut und hell erscholl das Signal, und hinab stürmte die Schar zum Angriff.

Im Nu war das Indianerdorf überrumpelt. Einige Sioux bestiegen zwar eilig ihre Ponies und versuchten den Überfall abzuwehren, ließen aber sofort davon ab, als sie bemerkten, daß sich ihre unberittenen Kameraden in die nahegelegenen Vorberge zurückzogen.

Gleich einem Präriefeuer fegten die Reiter durchs Dorf und verfolgten die fliehenden Indianer, bis die Dunkelheit der Jagd ein Ende machte.

Am nächsten Morgen hatte sich der Hornist wieder so weit beruhigt, um das Signal »Aufgesessen« blasen zu können, und da man entdeckt hatte, daß die Indianer in zwei Abteilungen geflohen waren, so trennte auch General Carr seine Streitmächte in zwei Teile, von denen jeder den Spuren der Indianer folgen sollte.

Auch Will gehörte einer aus zweihundert Mann bestehenden Schar an und folgte zwei Tage lang den frischen Spuren der Rothäute. Mit Anbruch des dritten Tages entdeckten sie plötzlich, daß ihr Pfad mit einem anderen zusammenlief, woraus man schließen mußte, daß die Rothäute ihre Streitkräfte wieder vereinigt hatten. Dies war eine ernste Sache für die kleine Abteilung, allein mutig und kampfeslustig ritten sie den Feinden entgegen.

Noch stand die Sonne kaum eine Stunde am Himmel, so wurden etwa sechshundert Sioux erspäht, die in guter Ordnung dem Ufer des Platte entlang ritten. Zu gleicher Zeit hatten aber auch die Indianer die sie verfolgenden Truppen entdeckt und sprengten sofort zum Angriff vor. Der Indianer ist durchaus nicht feige, obwohl er häufig dem Kampfe ausweicht, sobald der Vorteil nicht stark auf seiner Seite ist.

Bei diesem Zusammentreffen nun überwog die Zahl der Sioux die der Soldaten ums Dreifache, die sich denn auch langsam zurückzogen, bis sie einen Hohlweg erreicht hatten. Dort banden sie ihre Pferde fest und erwarteten zu Fuß die Indianer, die wie gewöhnlich in Kreisform angeritten kamen. Die Sioux umringten die Soldaten, und da sie deren verhältnismäßig geringe Anzahl bemerkten, so machten sie einen energischen Angriff.

Allein was vermögen Pfeil und Bogen gegen Pulver und Blei? Und so wichen die Indianer auch diesmal vor dem verheerenden Feuer zurück, das mehr als zwanzig ihrer Kameraden das Leben kostete.

Ein neuer Angriff folgte und ein erneutes Zurückweichen. Dann wurde Kriegsrat gehalten. Dieser dauerte wohl eine Stunde, infolgedessen offenbar eine feine Kriegslist zur Ausführung kommen sollte. Die Sioux teilten sich in zwei Trupps, und während der eine sich anscheinend zurückzog, umkreiste der andere unausgesetzt die Stellung der Weißen.

An einem Ende dieses sich fortwährend hin und her wälzenden Gürtels von Rothäuten ritt ein hübscher Indianer auf gutem Pony, ohne Zweifel ein Häuptling. Längst hatte Will die Erfahrung gemacht, daß im Kampfe mit Indianern die Schlacht halb gewonnen ist, wenn es gelingt, den Häuptling zu töten. Dieser kluge Herr aber hielt sich immer genau außer Schußweite. Da entschloß sich Will, auf allen vieren die Schlucht entlang zu kriechen und an eine Stelle zu gelangen, von wo aus er hoffte, daß seine Kugel den Häuptling gerade noch bei dessen nächster Schwenkung erreichen würde.

Seine Schätzung der Entfernung war ziemlich genau, und als der Indianer dahergaloppierte und vor Durchquerung der Schlucht die Gangart hemmte, richtete sich Will in die Höhe und feuerte.

Es waren mehr als vierhundert Yards. Trotzdem stürzte der Indianer tot vom Pferde, und sein Pony lief die Schlucht entlang gerade auf die Soldaten zu, die so freudetrunken über den glänzenden Schuß waren, daß sie Will einstimmig das Tier als Kriegstrophäe überreichten.

Der gefallene Indianer hieß Tall Bull und war einer der kriegstüchtigsten Häuptlinge, die die Sioux damals hatten. Sein Tod entmutigte seine Getreuen derart, daß sie sofort den Rückzug antraten.

Bald fand eine Wiedervereinigung von General Carrs zersplitterter Streitmacht statt, und wenige Tage darauf entspann sich ein Gefecht, wobei dreihundert Indianer und eine große Zahl Ponies gefangen genommen wurden. Einige weiße Gefangene erhielten dabei ihre Freiheit, während mehrere hundert Weiber das Los ihrer Männer zu teilen hatten.

Unter diesen Indianerweibern befand sich auch die liebenswürdige Witwe Tall Bulls, die, weit entfernt, einen besonderen Haß auf Will als den Bezwinger ihres Gatten zu hegen, im Gegenteil stolz war, daß er von der Kugel eines so mächtigen Kriegers gefallen war – von der Hand des berühmten »Pa-has-ka«, des langhaarigen Häuptlings, unter welchem Namen unser Kundschafter bei den Indianern bekannt war.

* * *

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