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Buffalo Bill der letzte große Kundschafter

Helen Cody: Buffalo Bill der letzte große Kundschafter - Kapitel 18
Quellenangabe
typebiography
authorHelen Cody
titleBuffalo Bill der letzte große Kundschafter
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag G.m.b.H.
yearo.J.
translatorAlwina Vischer
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160311
projectid2965906a
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Siebzehntes Kapitel: Satanta, der Häuptling der Kiowas.

Von Fort Larned fiel der Blick auf ein großes in der weiten Ebene liegendes Feldlager der Kiowas und Comanches. Noch trugen sie zwar nicht ihren vollen Kriegsschmuck und auch ihre Gesichter waren noch nicht kriegsmäßig bemalt, doch hatte sich ihrer bereits eine fieberhafte Unruhe bemächtigt, so daß es sich bis zum Ausbruch offener Feindseligkeiten nur noch um Tage handeln konnte.

Satanta, der oberste Häuptling der Kiowas, war ein mächtiger, kriegstüchtiger Indianer, der wegen seiner Sprachgewandtheit der »Prärieredner« genannt wurde. Er war klein und breitschultrig. Glühender Haß gegen die Weißen erfüllte seine Brust, dabei fehlte es ihm nicht an der seinem Volke eigenen Hinterlist, zu der sich noch eine heimtückische Verschlagenheit gesellte, die er sich bei den Unterhandlungen mit betrügerischen Agenten und Handelsleuten angeeignet hatte. Denn wohl niemals hat es einen moralisch so verdorbenen Indianer gegeben, der durch den Verkehr mit einem spitzbübischen Weißen nicht noch tiefer hätte sinken können.

Solange die Kiowas mit der Regierung auf friedlichem Fuße standen, pflegte Satanta einen weißen Gast mit der ganzen dem Stamme zur Verfügung stehenden Prachtentfaltung zu empfangen. Ein Teppich wurde für den weißen Mann zum Niedersitzen ausgebreitet und ein Klappbrett als Tisch vor ihn gestellt. Der Kostenpunkt kam niemals in Betracht.

Aber auch für seine eigene Person liebte Satanta einen gewissen Luxus. Wäre er in Europa gewesen, so hätte er sich sicherlich mit Vorliebe in Zylinder und schwarzem Rock und Abends im Gesellschaftsanzug gezeigt. So wie nun aber die Verhältnisse lagen, tat er sich durch besonders farbenprächtige Kleider und Federn hervor.

Ein Teil der Aufgabe, die General Hazen nach Fort Larned geführt hatte, bestand darin, womöglich einen Vertrag mit den schwer beleidigten Kiowas und Comanches abzuschließen. An einem heißen Augustmorgen nun trat der General eine Inspektionsreise an, deren erste Station das am Arkansas im heutigen Kreis Barton gelegene Fort Zarah war. Man machte sich frühzeitig auf den Weg, da vor Mittag dreißig Meilen zurückgelegt werden sollten. Der General saß in einem mit vier Maultieren bespannten Armeeambulanzwagen und wurde von zehn Infanteriesoldaten in einem ebenfalls von vier Maultieren gezogenen Wagen begleitet. Will ritt als Kundschafter voraus.

Nach dem in Fort Zarah eingenommenen Mittagessen begab sich der General nach Fort Harker, nachdem er dem Kundschafter und den Soldaten befohlen hatte, am folgenden Tage nach Larned zurückzukehren. Da jedoch in Zarah nichts weiter zu tun war, so beschloß Will, sogleich den Rückweg anzutreten. Er bestieg also sein Maultier und steuerte Larned zu.

Die erste Hälfte der Reise verlief ohne Zwischenfall. Kaum aber waren die Pawnee Rocks erreicht, so drängte sich ein Ereignis ans andere. Etwa vierzig Indianer kamen hinter den Felsen hervorgesprengt und umringten den Kundschafter.

»Halt, halt!« riefen sie ihm entgegen und reichten dem weißen Manne die Hände zum Gruß.

Die Rothäute waren im Kriegsschmuck, hatten also feindliche Absichten. Da durch die Erwiderung ihres Grußes indes nichts weiter aufs Spiel gesetzt war, so streckte auch Will seine Hand aus.

Einer der Indianer ergriff sie und schüttelte sie heftig; ein anderer packte den Zügel des Maultiers, ein dritter zog die Pistolen aus den Halftern, ein vierter bemächtigte sich der Flinte, während ein fünfter Will mit einem Tomahawk einen Schlag auf den Kopf versetzte, der ihn fast betäubte.

Hierauf setzte sich die Bande singend, johlend und schreiend und auf das Maultier lospeitschend in der Richtung nach dem Arkansas River in Bewegung. Jenseits des Flusses befand sich eine Menge zum Kriegszuge bereiter Indianer. Will und seine Unterjocher wateten durch den seichten Fluß, dann wurde der Gefangene vor den Häuptling des Stammes, bei dem Will einige Bekannte hatte, geführt.

Der Kopf schmerzte ihn heftig von dem Tomahawkschlage, trotzdem arbeitete sein Geist in normaler Weise, und als Satanta ihn fragte, wo er herkomme, antwortete er, daß er sich auf der Suche nach »Whoa-haws« befunden habe.

Er wußte nicht nur, daß die Indianer eine Herde »Whoa-haws«, wie sie das Rindvieh nannten, erwarteten, sondern auch, daß diese Herde noch nicht angekommen war und die Rothäute seit mehreren Wochen kein Fleisch hatten. Diesen Umstand wollte Will nun dazu benützen, sich bei Satanta wichtig zu machen.

Dies gelang ihm vollständig; Satanta hörte ihn mit dem größten Interesse an. Wo die Viehherde sei? fragte er. O, nur wenige Meilen entfernt, antwortete Will. Er sei ausgeschickt worden, um den Indianern zu melden, daß eine große Menge herrlicher Lendenbraten gegen sie anrücke.

Satanta war hocherfreut und auch die anderen Führer bezeigten die größte Teilnahme. Ob General Hazen ihm gesagt habe, daß das Rindvieh für sie sei? fragten sie, und ob sich der Kundschafter denn auch wirklich nicht täusche?

Ernsthaft verneinte es Will und fragte mit geziemender Würde nach dem Grunde der ihm zu teil gewordenen groben Behandlung.

Ach, das sei alles nur Spaß gewesen, erklärte Satanta. Die Indianer, die den weißen Häuptling gefangen genommen hätten, seien junge, übermütige Kerls, die nur sehen wollten, ob er tapfer sei. Sie hätten ihn einfach auf die Probe stellen wollen. Es sei nur zum Vergnügen – zum Scherz geschehen.

Will ließ sich nicht herbei, über diesen Punkt zu streiten, obwohl er sich sagte, daß es eine merkwürdige Art sei, den Mut eines Mannes zu prüfen, indem man ihm mit dem Tomahawk auf den Kopf schlage. Stirbt er nicht daran, so ist er tapfer wie Agamemnon. Er wandte also nur in ganz ruhiger Weise ein, daß dies doch eine recht rauhe Art sei, gute Freunde zu empfangen, worauf Satanta seinen kühnen jungen Stammesgenossen einen Verweis gab und ihnen befahl, dem Kundschafter die abgenommenen Waffen zurückzugeben.

Die nächste Frage lautete nun, ob Soldaten bei der Viehherde seien? Natürlich, antwortete Will, eine große Militärabteilung begleite die saftigen Braten. Diese Nachricht veranlaßte eine lange Beratung, und das Resultat war, daß die Feindseligkeiten jedenfalls bis zur Ankunft der Viehherde eingestellt werden sollten. Ob Will es übernehmen wolle, das Vieh herzubringen? Gewiß, er sei mit Vergnügen dazu bereit. Ob er wünsche, daß ihn einige junge Indianer begleiten? O nein, auch die Soldaten seien übermütige Kerls, denen es einfallen könnte, den Mut der jungen Indianer zu prüfen, indem sie ihnen Löcher in den Leib schossen. Es sei weit besser, wenn der Kundschafter allein zurückkehre.

Satanta stimmte ihm bei, und Will durchquerte unbelästigt den Fluß. Als er aber einen verstohlenen Blick über die Schulter warf, bemerkte er eine aus zehn bis fünfzehn Indianern bestehende Abteilung, die ihm langsam folgte. Satanta war eben ein äußerst vorsichtiger Häuptling.

Gemächlich ritt Will den das Ufer begrenzenden sanften Abhang hinan, kaum aber lag der Hügelrücken zwischen ihm und den Indianern, so lenkte er sein Maultier westwärts dem Fort Larned zu und trieb es zu seiner schnellsten Gangart an. Als die Indianer die Anhöhe erreicht hatten, von wo aus man das Tal, in dem sich die Rinderherde befinden sollte, überblicken konnte, sahen sie nicht ein einziges Hornvieh, dafür aber den in entgegengesetzter Richtung entfliehenden Kundschafter.

Sie machten sofort Jagd auf ihn, das Maultier aber hatte ein rasches Tempo, so daß die Indianerponies es nur langsam einholten. Bei dem sechs Meilen von Larned entfernten Ash Creek ging der Wettlauf fast gleichmäßig vorwärts, nach weiteren zwei Meilen aber kamen die Indianer auf unheimliche Weise näher. Da ertönte der Abendkanonenschuß aus dem noch vier Meilen entfernten Fort, der in den Ohren des dem sicheren Hafen zujagenden, um sein Leben ringenden Mannes wie ein höhnischer Willkommgruß klang.

In der Nähe des Pawnee Fork, von wo aus man noch zwei Meilen bis zum Fort hatte, waren die Indianer bereits bis auf fünfhundert Yards aufgerückt. Hier aber, am jenseitigen Flußufer, stieß Will auf einen dem Fort zufahrenden Proviantwagen, in dessen Begleitung sich sechs Soldaten und der sogenannte Denver Jim, ein bekannter Kundschafter, befanden.

Rasch lenkten sie den Wagen unter die nahegelegenen Bäume, versteckten sich selbst hinter Gebüsch, und als die Indianer ankamen, empfing sie ein kräftiges Feuer. Zwei Rothäute wurden getötet, die anderen machten kehrt und ritten so rasch als möglich heimwärts.

Im Jahre 1868 hatte General Sheridan den Oberbefehl über sämtliche im Feld stehende Truppen übernommen und rüstete nun die bekannten Winterexpeditionen gegen die Kiowas, Comanches, Cheyennes und Arapaoes. Er selbst befehligte die aus Fort Dodge abgehenden Truppen, deren Kavallerie unter General Custer stand. General Penrose sollte aus Fort Lyon in Colorado vorrücken, während General Eugene A. Carr den Befehl hatte, mit dem fünften Reiterregiment aus dem Kreis Republican River nach Fort Wallace in Kansas zu marschieren. Will führte zu dieser Zeit eine unter General Carr stehende vierzig Mann starke Kundschafterpatrouille und hatte von General Sheridan den Auftrag, den aus Fort Lyon ausrückenden Truppen des Generals Penrose zu folgen. General Carr sollte nach Fort Lyon marschieren und General Penroses Truppen folgen, die drei Wochen früher von dort abgerückt waren, um dann, wenn er Penrose eingeholt hatte, den Oberbefehl über beide Truppenkörper zu übernehmen. Am 21. November verließen General Carrs Truppen Fort Lyon. Schon am zweiten Tage wurden sie von einem entsetzlichen Schneesturm überfallen, weshalb sie die Anhöhe, wo sie ihn auszuhalten hatten, die »Eiskanone« tauften, ein Name, den sie heute noch trägt. Da Penrose nur einen Trainzug und kein schweres Geschütz mit sich führte und der Boden mit Schnee bedeckt war, so vermochte man kaum mehr seinen Spuren zu folgen. Schließlich holten sie ihn aber doch glücklich am südlichen Arm des Canadian River ein, wo sie ihn mit seiner Mannschaft in traurigstem Zustande vorfanden. All ihr Vieh war der Kälte erlegen, so daß sie nur Büffelfleisch zur Nahrung hatten.

General Carr ließ nun ein Notlager errichten und stellte es mit einem Teil seiner kampfunfähig gewordenen Mannschaften unter Penroses Befehl. Hierauf machte er sich mit dem fünften Reiterregiment und den besten Pferden und Packeseln in südlicher Richtung auf den Weg nach dem Hauptarm des Canadian River, den Indianern entgegen. Schon war er dreißig Marschtage vom Lager entfernt, ohne auf die Hauptstellung der Indianer gestoßen zu sein. Dies erklärte sich später dadurch, daß General Sheridan sie eingeschlossen und ihnen General Custer entgegengeschickt hatte, der dann auch die Indianer in der bekannten großen Schlacht bei Wichita besiegte.

Nach einem äußerst strengen Winter kehrten die Truppen im März nach Fort Lyon in Colorado zurück.

Im Frühling 1869 erhielt das nach dem Kreise Platte beorderte fünfte Reiterregiment den Befehl, seinen Marsch nach dem im Staate Nebraska gelegenen Fort Mc Pherson zu richten.

Der Militärtrain, zu dem sechsundsiebzig Proviant- und eine beträchtliche Anzahl Ambulanzwagen und Packesel gehörten, war ungewöhnlich groß und stand unter dem Befehl von Oberst Royal, der später durch General Carr ersetzt wurde, sowie dem Major Brown und Hauptmann Sweetman.

Die täglich zurückgelegte Entfernung betrug im Durchschnitt nur zehn Meilen. Als dann die Truppen am Salomon River ihr Lager aufschlugen, war kein frisches Fleisch mehr vorhanden, weshalb Oberst Royal Will beauftragte, etwas Wild zu besorgen.

»Mit Vergnügen,« antwortete Will, »ich bitte dann nur, mir einige Wagen zur Aufnahme der Jagdbeute nachzuschicken.«

»Das hat noch Zeit, wenn das Wild erlegt ist,« entgegnete der Oberst kurz.

Damit war die Sache natürlich erledigt, und ein wenig ärgerlich ritt Will davon.

Es dauerte nicht lange, so hatte er eine aus sieben Büffeln bestehende Herde aufgestöbert, die er nun sofort aufs Lager zujagte. Als die Tiere in der Nähe der Vorpostenlinie angelangt waren, ritt Will vor und brachte einen Büffel um den anderen zur Strecke, bis nur noch ein einziger alter Stier übrig blieb. Diesen ließ er fast bis in die Mitte des Lagers entfliehen und schoß ihn dann erst nieder. Die auf die Büffel abgegebenen Schüsse hatten die angepfählten Pferde fast in die Flucht gejagt, so daß Oberst Royal, der im Verein mit den anderen Offizieren der Jagd zugesehen hatte, etwas ärgerlich fragte: »Wozu denn das?«

»Nun,« antwortete Will, »ich dachte dem Herrn Oberst dadurch die Mühe zu ersparen, das Fleisch holen lassen zu müssen.«

Der Oberst lächelte. Ohne Zweifel aber hatten die anderen Offiziere noch mehr Freude an dem Spaß als er.

Am nördlichen Arm des Beaver entdeckte Will frische und weitverbreitete Indianerspuren. Da sich diese aber über das ganze Tal erstreckten, so mußte man annehmen, daß sich hier noch vor kurzem ein Indianerdorf befunden hatte. Will schätzte die Zahl der Hütten auf mindestens vierhundert, was auf eine Einwohnerzahl von zweitausendfünfhundert bis dreitausend Indianern mit Weibern und Kindern schließen ließ.

Als General Carr, der das Kommando jetzt übernommen hatte, diese Nachricht vernahm, zog er mit seinen Truppen eine zum Beaver Creek führende Bergschlucht hinunter, während Will mit Leutnant Ward und zehn Mann einen Kundschaftsritt antrat. Nachdem sie zwölf Meilen dem Laufe des Beaver Creek gefolgt waren, ritten Leutnant Ward und der Kundschafter einen Hügel hinan, um Ausschau zu halten. Ihr erster Blick fiel auf ein großes, etwa drei Meilen entferntes Indianerdorf. Tausende von Ponies standen ringsum angepfählt, und aus verschiedenen Richtungen kehrten truppweise die mit Büffelfleisch beladenen Indianer von der Jagd zurück.

»Na, Herr Leutnant,« sagte Will, »ich denke, wir wissen jetzt, was wir zu tun haben.«

»Jawohl,« antwortete Ward. »Je früher wir von hier wegkommen, desto besser.«

Nachdem die beiden wieder bei den am Fuße des Abhangs wartenden Soldaten angelangt waren, sandte Ward eine Ordonnanz mit einer Meldung an General Carr voraus, während er selbst mit Will und den übrigen Soldaten langsam zu folgen beabsichtigte, um sich dann mit den Truppen zu vereinigen, die ihm jedenfalls zur Unterstützung geschickt wurden.

In gestrecktem Galopp ritt die Ordonnanz ab, kehrte jedoch schon nach wenigen Minuten mit drei dicht hinter ihr folgenden Indianern zurück. Sofort feuerte die kleine Abteilung auf die Rothäute, die denn auch kehrt machten und in der Richtung ihres Dorfes entflohen.

»Herr Leutnant,« sagte Will, »geben Sie lieber mir den Zettel für den General.« Und kaum hatte er ihn in Händen, so gab er seinem Pferde die Sporen und jagte dem Lager zu.

Noch hatte er erst eine kurze Strecke zurückgelegt, da stieß er auf eine weitere Abteilung Indianer, die mit Büffelfleisch bepackt ins Dorf zurückkehrten. Ohne anzuhalten, feuerte er einen Schuß um den anderen ab, und während die Rothäute erschrocken zögerten, galoppierte er an ihnen vorüber. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich die Indianer von ihrer Überraschung erholt hatten, sich ihrer Beute entledigten und die Verfolgung aufnahmen. Ihre Ponies aber waren von der langen Jagd ermüdet, so daß Wills frisches Pferd immer größeren Abstand gewann.

Kaum hatte General Carr die Meldung entgegengenommen, so befahl er dem Hornisten, das Signal »Aufgesessen« zu blasen. Zwei Schwadronen wurden zum Schutze der Wagen zurückgelassen, während die übrigen den Indianern entgegeneilten.

Nachdem sie drei Meilen zurückgelegt hatten, stießen sie auf Leutnant Wards Abteilung, und nach fünf weiteren Meilen sahen sie sich einer gewaltigen Masse von Rothäuten gegenüber. Die Indianer deckten den Rückzug ihrer Weiber, die, ihre Habseligkeiten zusammenpackend, sich zu eiliger Flucht rüsteten.

General Carr gab den Befehl zum Angriff auf die Linie der Rothäute. War diese durchbrochen, so sollte die Kavallerie weiterreiten und das Dorf einschließen. Die Bewegung wurde mit Erfolg ausgeführt. Einer der Offiziere aber faßte den Befehl unrichtig auf und wurde, als er einen Angriff auf den feindlichen linken Flügel machte, sofort von etwa dreihundert Rothäuten eingeschlossen. Wohl schickte man ihm unverzüglich Verstärkungen, der Schlachtenplan aber war zerstört, und der Rest des Nachmittags verging in heftigem Ringen um den Kampfplatz mit den Indianern, die mit dem Mut der Verzweiflung für ihre Hütten und für ihre Weiber und Kinder stritten. Endlich brach die Nacht herein und setzte dem Kampfe ein Ziel. Die Präriewagen aber waren trotz des gegebenen Befehls, den Truppen zu folgen, noch nicht erschienen, und obgleich das Regiment ihnen entgegenritt, war es doch neun Uhr, als man sie endlich erreichte.

Mit Tagesgrauen wurde das Lager abgebrochen und die Verfolgung aufgenommen. Allein nicht ein einziger Indianer war mehr zu sehen, obwohl man den ganzen Tag ihren Spuren nachritt. Die Indianer hatten jedenfalls alles, was ihre Flucht aufhalten konnte, im Stich gelassen. Am Republican River schlug das Regiment an diesem Abend sein Lager auf, und erst am nächsten Morgen konnte man endlich einen flüchtigen Blick vom Feinde erhaschen.

Gegen elf Uhr machten etwa dreihundert berittene Indianer einen Angriff, wurden jedoch unter starken Verlusten zurückgeschlagen. Nachdem sie sich von der Erfolglosigkeit einer längeren Gegenwehr überzeugt hatten, entzogen sie sich weiteren Verfolgungen, indem sie sich nach allen Windrichtungen hin zerstreuten. Eine große Anzahl Ponies wurde erbeutet und als Siegestrophäe dieses Feldzugs mitgenommen.

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