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Buffalo Bill der letzte große Kundschafter

Helen Cody: Buffalo Bill der letzte große Kundschafter - Kapitel 17
Quellenangabe
typebiography
authorHelen Cody
titleBuffalo Bill der letzte große Kundschafter
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag G.m.b.H.
yearo.J.
translatorAlwina Vischer
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160311
projectid2965906a
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Sechzehntes Kapitel: Wie Will zum Spitznamen Buffalo Bill kam.

In jenen Tagen der Grenzstreitigkeiten gab es für jeden Mann, der arbeiten wollte, Beschäftigung die Fülle. Die am besten bezahlte sagte Will, so hart oder gefährlich sie auch sein mochte, stets am besten zu.

Zur Zeit, als Rom in Verfall geriet, nahm der Bau der Kansas-Pazifikbahn einen überaus raschen Fortgang, wodurch sich dem jungen Teilhaber der einst so vielversprechenden Firma Rose Cody ein neues Feld der Tätigkeit eröffnete – das des Büffeljägers. Zwölfhundert Leute waren beim Eisenbahnbau beschäftigt, und die Gebrüder Goddard, die die Verpflegung dieser gewaltigen Arbeitermasse übernommen hatten, konnten oft nur mit großer Schwierigkeit frisches Fleisch herbeischaffen. Um diesem Übelstand abzuhelfen, wurden Büffeljäger angestellt, und da Will als geübter Büffelerleger bekannt war, so reihten ihn die Geschäftsführer mit Vergnügen in das Jagdpersonal ein. Wills Kontrakt verpflichtete ihn, durchschnittlich zwölf Büffel täglich zu erlegen, wofür er einen monatlichen Gehalt von fünfhundert Dollars erhielt. Dies war nun wirklich eine gute Einnahme, obwohl dabei auch viele Gefahren und Anstrengungen mit in Kauf genommen werden mußten. Zuerst hatte er die Gegend nach dem Wilde zu durchstreifen, wobei ihm stets die angenehme Aussicht blühte, mit Indianern zusammenzutreffen. War das Wild dann erlegt, so mußte er dessen Zerteilen und Zurichten, sowie die Fortschaffung nach den betreffenden Speisestationen der Arbeitsleute überwachen. Bei diesem Berufe nun erwarb er sich den Spitznamen »Buffalo Bill«, der ihm für alle Zeiten haften blieb, und der ihn mit größerem Stolze erfüllte, als es der Titel Prinz oder Herzog im stande gewesen wäre. Tausende von Menschen kennen meinen Bruder wahrscheinlich heute überhaupt nur unter diesem Namen.

Ehe Will seine neue Tätigkeit aufnahm, verschaffte er sich ein für die Büffeljagd zugerittenes Pferd, das den berüchtigten Namen »Brigham« führte. Von der Regierung wurde er mit einem erprobten Hinterlader ausgerüstet, den er in Anbetracht seiner mörderischen Eigenschaften »Lucretia Borgia« nannte.

An Büffeln fehlte es auf der weiten Prärie ja nicht. Trotzdem gab es Zeiten, wo sich keine zeigen wollten und die Fleischvorräte im Lager recht knapp wurden. Während einer dieser unfreiwilligen Ruhepausen wurde Brigham, als gerade Pferdemangel war, vor eine Egge gespannt. Man stelle sich seine Empörung vor. Ein vor einen Straßenbahnwagen gespanntes Rennpferd hätte nicht mehr Grund zur Widersetzlichkeit gehabt, als ein für die Büffeljagd dressiertes Rassepferd, das man zusammen mit ganz gemeinen Rossen, die niemals etwas Höheres als eine Egge oder einen Pflug gekannt hatten, vor ein Ackerbaugeräte spannte. Brigham weigerte sich rundweg, und zwar in solch unzweideutiger Weise, daß Will lachend eben im Begriff war, ihn wieder abzuschirren, als plötzlich der Ruf ertönte: »Da kommen sie!« Zugleich sah man eine Büffelherde über den Hügel heruntertraben.

Im Nu hatte sich Brigham von der Egge befreit, und rasch schwang sich Will auf den bloßen Rücken – der Sattel war in dem einige Meilen entfernten Lager zurückgelassen worden. Nachdem Will den Leuten noch den Befehl zugerufen hatte, ihm zur Aufnahme der toten Tiere mit einem Wagen zu folgen, jagte er in gestrecktem Galopp dem Wilde entgegen.

Er war jedoch an diesem Tage nicht der einzige Jäger. Aus dem nahegelegenen Fort kamen mehrere Offiziere geritten, und Will begab sich, die Büffel erwartend, zu ihnen. Sie waren erst vor kurzem in diese Gegend gekommen, und auf ihren Schulterklappen stand zu lesen, daß der eine den Grad eines Hauptmanns, die anderen den eines Leutnants bekleideten. Buffalo Bill kannten sie nicht. Für sie war der Ankömmling ein hübscher junger Mensch in gewöhnlichem Arbeiteranzug, der ein wenig hübsches Pferd ohne Sattel und mit einem Notzügel ritt. Sehr jagdgemäß sah er allerdings nicht aus, so daß der Hauptmann sich veranlaßt sah, ihn etwas gönnerhaft zu behandeln.

»Hallo!« rief er. »Sie scheinen es auf dasselbe Wild abgesehen zu haben als wir.«

»Ja, Herr Hauptmann,« antwortete Will, »in unserem Lager ist das frische Fleisch knapp geworden.«

Ein kritischer Blick streifte Brigham.

»Glauben Sie wirklich, mit einem solchen Pferde einen Büffel zu Tode hetzen zu können?« fragte er.

»Wieso?« entgegnete Will unschuldig. »Laufen die Büffel denn so schnell?«

»Schnell? Jedenfalls braucht man ein sehr flottes Pferd, um diese Tiere auf offener Prärie zu überholen.«

»Wirklich?« sagte Will mit einem spöttischen Augenzwinkern, das der Offizier jedoch nicht bemerkte. Bekanntlich berührt nichts komischer, als über einen Gegenstand belehrt zu werden, den man selbst von Grund aus kennt, und dabei zu bemerken, daß der Lehrmeister selbst nichts davon versteht. Allem Anschein nach hatte bis jetzt noch keiner der Offiziere einen Büffel geschossen.

»Kommen Sie mit uns,« sagte der Hauptmann huldvoll. »Wir wollen einige von den Tieren erlegen, zum Vergnügen natürlich. Wir beanspruchen nur die Zunge und einige Stückchen Lendenbraten, mit dem übrigen Fleisch können Sie dann machen, was Sie wollen.«

»Ich danke,« erwiderte Will. »Reiten Sie, bitte, voran, ich folge Ihnen.«

Die Herde mochte aus etwa zwölf Büffeln bestehen, und die Offiziere ritten drauf los, als ob es bloß an ihnen läge, wie viele sie zur Strecke bringen wollten. Will, der bemerkte, daß das Wild die Richtung nach dem Flusse nahm, ritt, die Gewohnheit der wilden Bestien kennend, dem Wasser zu, um sie dort anzugreifen.

Als die Herde, der das Militärquintett in einer Entfernung von etwa fünfhundert Yards folgte, an Will vorüberkam, riß er ein wenig an Brighams Notzügel. In wenigen Sätzen befand sich das geschulte Jagdpferd neben dem ersten Büffel. »Lucretia Borgia« ließ ihre Stimme ertönen, und tot stürzte der Büffel zu Boden. Ohne eine Aufforderung abzuwarten, hielt Brigham in einer Entfernung von kaum zehn Fuß vor dem nächsten Büffel, der ebenfalls auf den ersten Schuß zusammenbrach. So wurde fortgemacht, bis der letzte Büffel niederstürzte. Zwölf Schüsse waren abgefeuert worden, dann aber blieb Brigham, der seine Kräfte niemals unnötig anstrengte, stehen. Die Offiziere waren nicht ein einziges Mal zum Schuß gekommen. Höchstes Erstaunen stand auf ihren Gesichtern geschrieben, als sie herangeritten kamen.

»Meine Herren,« sagte Will beim Absteigen mit der ausgesuchtesten Höflichkeit, »gestatten Sie mir, Ihnen elf Zungen und so viel Lendenbraten, als Sie wünschen, anzubieten.«

»Beim Jupiter!« rief der Hauptmann. »So etwas habe ich meiner Lebtag noch nicht gesehen. Wer sind Sie denn?«

»Bill Cody ist mein Name.«

»Nun also, Bill Cody, das muß man sagen, das Büffeltöten verstehen Sie, und auch Ihr Pferd hat ja ganz gute Eigenschaften.«

»Ja, einige,« antwortete Will lächelnd.

Hauptmann Graham – so hieß er, wie sich im Laufe des Gesprächs herausstellte – und seine Gefährten waren etwas enttäuscht, daß sie gar nicht zum Schuß gekommen waren, gestanden aber ein, durch den Anblick eines Kunststücks – Büffel auf ungesatteltem Pferde ohne richtiges Zaumzeug zu schießen, dessen sie einen Weißen nicht für fähig gehalten hätten – reichlich entschädigt zu sein. Will setzte ihnen hierauf auseinander, daß Brigham mehr von der Büffeljagd verstehe, als die meisten zweibeinigen Jäger. Das einzige, was er vom Reiter verlange, sei, den Büffel zu treffen. Ein, auch zwei Fehlschüsse gestatte Brigham, beim dritten aber verliere er die Geduld, und dann müsse man sich darauf gefaßt machen, daß er die Jagd sofort aufgebe.

Dieses Ereignis war ganz dazu angetan, Wills Spitznamen »Buffalo Bill« zu befestigen. Als jedoch die Freunde Billy Comstocks, des Anführers der Kundschafter in Fort Wallace, diesen Namen hörten, legten sie Protest ein. Comstock, sagten sie, sei Cody als Büffeljäger überlegen. Um nun diesen Streit zum Austrag zu bringen, wurde eine Wettjagd veranstaltet, wonach sich entscheiden sollte, ob Cody oder Comstock den Namen »Buffalo Bill« zu tragen das Recht habe.

Das zum Wettkampf bestimmte Gebiet lag in der Nähe von Sheridan im Staate Kansas, wo sich am festgesetzten Tage eine große Menge Zuschauer einfand. Offiziere, Soldaten und Eisenbahnarbeiter erbaten sich einen Urlaubstag, um das interessante Schauspiel mit anzusehen. Selbst eine große Gesellschaft von Herren und Damen, unter denen sich auch Luise befand, kamen von St. Louis herübergefahren.

Schiedsrichter wurden aufgestellt, die den beiden Jägern folgen und ein Verzeichnis über die erlegten Büffel führen sollten. Comstock ritt sein Lieblingspferd und war mit einer Henryflinte von schwerem Kaliber bewaffnet, Brigham und Lucretia begleiteten Will. Bis die erste Herde in Sicht kam, ritten die beiden Jäger Seite an Seite, dann aber auf ein gegebenes Signal sprengten sie auseinander. Will erlegte in diesem Gang achtunddreißig, Comstock dreiundzwanzig Büffel. Dabei waren sie viele Meilen geritten, und weit umher lagen die toten Tiere über die Prärie verstreut. Um die Mittagszeit wurde ein Essen eingenommen, und kaum war es beendet, so kam eine zweite Herde zum Vorschein, die hauptsächlich aus Kühen und Kälbern bestand. Auch diesmal fiel das Ergebnis – achtzehn gegen vierzehn – zu Gunsten Codys aus.

In jenen Tagen wimmelte es auf der Prärie mit Büffeln, und noch bevor die Flintenläufe kalt geworden waren, tauchte eine dritte Herde auf. Um auch Brigham seinen Ruhmesanteil zukommen zu lassen, warf Will Sattel und Zaumzeug fort und stürzte sich auf ungesatteltem Pferde ins Gemetzel.

Dies entschied den Wettbewerb. Die Rechnung ergab neunundsechzig zu achtundvierzig. Comstocks Freunde erklärten sich für besiegt, und Cody wurde feierlich zum ersten Büffeljäger der Prärie ausgerufen.

Die Köpfe der bei dieser Jagd erlegten Büffel steckte man auf Anordnung der Eisenbahngesellschaft auf Pfähle und pflanzte sie längs der geplanten Bahnlinie auf. Will setzte dann seine Arbeit als angestellter Büffeljäger der Kansas-Pazifikbahn fort und erlegte während der anderthalb Jahre, die er diesem Beruf widmete, eintausendzweihundertachtzig Büffel. Nachdem die Eisenbahn bis Sheridan fertiggestellt war, beschloß man, sie vorläufig nicht weiter zu bauen, wodurch Will veranlaßt wurde, sich nach einer anderen Beschäftigung umzusehen.

Die Indianer hatten sich jetzt wieder auf solch beunruhigende Weise bemerklich gemacht, daß ein allgemeiner Krieg längs der Grenzgebiete auszubrechen drohte. General Sheridan begab sich nach dem Westen, um die militärischen Operationen persönlich zu leiten. Zuerst schlug er sein Hauptquartier in Leawenworth auf; als sich die Indianeraufstände aber auf immer weitere Gebiete erstreckten, verlegte er es nach Fort Hayes, der damaligen Endstation der Kansas-Pazifikeisenbahn. Will stand zu dieser Zeit im Dienste des Quartiermeisteramtes in Fort Larned, wurde jedoch mit der wichtigen Nachricht zu General Sheridan geschickt, daß die Indianer in der Nähe von Larned ihr Lager abzubrechen im Begriff seien. Die Entfernung zwischen Larned und Hayes betrug fünfundsechzig Meilen. Der Weg führte durch eine von Indianern unsicher gemachte Gegend, Will aber brachte die schwierige Aufgabe erfolgreich zur Durchführung und erreichte ohne Unfall den kommandierenden General.

Kurze Zeit darauf sollten Depeschen von Fort Hayes nach Fort Dodge überbracht werden. Fünfundneunzig Meilen lagen zwischen den beiden Orten, und jede einzelne Meile bot neue Gefahren. Fort Dodge selbst war ganz von Indianern umringt, und vor kurzem erst hatten drei Kundschafter auf dem Wege dorthin ihren Tod gefunden. Wills Vertrauen aber auf seine eigene Person und auf seinen guten Stern konnte durch nichts erschüttert werden, und so meldete er sich freiwillig zur Beförderung der Depeschen – das heißt, so weit ihn die Indianer kommen ließen.

»Es ist ein gefährliches Unternehmen,« sagte General Sheridan, »doch hängt ungeheuer viel von der richtigen Ablieferung der Depeschen ab. Wenn Sie also das Wagnis übernehmen wollen, so suchen Sie sich das beste Pferd aus. Je früher Sie sich auf den Weg machen, desto besser.«

Noch vor Ablauf einer Stunde saß der Kundschafter im Sattel. Zu Anfang gestattete Will seinem Pferde ein gemäßigtes Tempo, um es für den Fall einer Verfolgung frisch zu erhalten. Allein nichts Bedrohliches zeigte sich, und als der Morgen graute, hatte Will siebzig Meilen zurückgelegt und eine mit Negertruppen besetzte Station am Coon Creek erreicht. Hier lieferte er einen Brief an Major Cox, den befehlshabenden Offizier, ab, frühstückte, bestieg ein frisches Pferd und setzte seine Reife fort, noch ehe die Sonne ihre ersten Strahlen auf die Prärie sandte.

Glücklich wurde Fort Dodge gegen neun Uhr erreicht, wo Will die Depeschen sofort ablieferte. Dann erst legte er sich zu höchst notwendigem Schlafe nieder. Als er erwachte, versicherte ihm John Austin, der Anführer der Kundschafter in Fort Dodge, daß seine unbehelligte Ankunft aus Fort Hayes fast einem Wunder gleichkomme. Ferner sagte man Will, ein Ritt nach Fort Larned, Wills Hauptquartier, sei noch weit gefährlicher als der soeben von ihm zurückgelegte, da die Feinde jene Gegend ganz besonders dicht besetzt hielten. Als deshalb keiner der Kundschafter die Überbringung der dorthin bestimmten Depeschen übernehmen wollte, bot Will freiwillig seine Dienste an.

»Larned ist ja mein Hauptquartier,« sagte er, »ich muß also so wie so dorthin zurückkehren. Geben Sie mir nur ein gutes Pferd, dann will ich Ihre Depeschen mitnehmen.«

»Wir besitzen kein einziges anständiges Pferd mehr,« erwiderte der Offizier niedergeschlagen, »doch kann ich Ihnen eines unserer vortrefflichen Maultiere anbieten.«

Will machte eine Gebärde der Verzweiflung. Die Aussicht, auf dem Rücken eines Maultiers ein zweites Wettrennen mit Indianern aufnehmen zu müssen, hatte nichts Verlockendes. Zudem gab es nur sehr wenige Maultiere, wie weiland sein mausfarbenes. Allein er schickte sich ins Unvermeidliche, suchte sich das am unternehmungslustigsten aussehende Tier aus und machte sich auf den Weg. Weder er noch das Maultier ahnten, was für eine Überraschung ihrer harrte.

Am Coon Creek stieg Will ab, um einen Schluck Wasser zu trinken, wobei das Maultier die Gelegenheit ergriff, sich langsam aus dem Staube zu machen und ohne seinen Reiter den nach Fort Larned führenden Wagenspuren zu folgen. Will glaubte das launische Tier mit Leichtigkeit wieder einholen zu können, nachdem er aber über eine Meile lang vergebliche Versuche gemacht hatte, ging ihm die Sache denn doch über den Spaß. Er drohte und bat, tobte und schmeichelte – alles umsonst, das Maultier war gleich taub für gute wie strenge Worte. Gleichmäßig trabte es auf seinem Wege weiter, nahe und doch unerreichbar für den jungen Mann, der keuchend hinter ihm herlief. Und Larned lag noch zwanzig Meilen entfernt!

Das trübe, nächtliche Grau der Ebene begann allmählich – wie der Dichter sich ausdrückt – dem goldenen Hauch der Morgendämmerung zu weichen. In einer Entfernung von vier Meilen schimmerten die Lichter von Fort Larned. Der einzige sichtbare dunkle Punkt auf der duftigen Landschaft war das Maultier. In den Augen des ermüdeten Mannes mit den schmerzenden Füßen aber lag ein zorniger Ausdruck.

Bumm! Es war der Reveilleschuß im Fort. Überrascht hob das Maultier den Kopf, bewegte seine Ohren und ließ laut und frohlockend seine Stimme ertönen.

Krach! Diesmal war der Schuß aus Wills Flinte gekommen. Zu Tode getroffen, stürzte das Maultier zu Boden. Es hatte die verhängnisvolle Torheit begangen, über seine Schändlichkeit auch noch zu triumphieren. Nun war ihm dafür getan, ein zweites Mal das Leben eines Reiters aufs Spiel zu setzen.

Fünfunddreißig Meilen hatte Will zu Fuß zurückgelegt, und jeder Knochen schmerzte ihn. Sein Schuß versetzte die Besatzung zwar in Alarm, doch war Will bald mit der nötigen Erklärung zur Stelle. Eilig lieferte er seine Depeschen ab und legte sich schleunigst zu Bett.

Im Laufe des Tages kehrte General Hazen unter Bedeckung aus Fort Harker zurück und brachte Depeschen für General Sheridan. Will bot sich zum Überbringer an. Als man ihm jedoch wieder einen Maulesel mitgeben wollte, weigerte er sich entschieden, sein Leben noch einmal in die Gewalt eines solchen Tieres zu geben. Er suchte sich ein gutes Pferd aus und legte den Ritt ohne Zwischenfall zurück.

Bei Tagesanbruch wurde General Sheridan zur Entgegennahme der Meldungen des Kundschafters geweckt. Aufs wärmste drückte er Will seine Anerkennung für die glückliche Durchführung der drei langen, gefährlichen Ritte aus.

»Alles in allem,« schreibt General Sheridan in seinen Memoiren, »ritt Cody dreihundertfünfzig Meilen in sechzig Stunden, eine Betätigung von Mut und Ausdauer, die mir vollauf die Überzeugung gab, daß mir seine Dienste während des Krieges auch ferner von außerordentlichem Nutzen sein würden. Dies bestimmte mich, ihn bis zur Ankunft einer Abteilung des fünften Reiterregiments in Fort Hayes zurückzubehalten und ihn dann zum Anführer der Kundschafter dieses Regiments zu ernennen.«

* * *

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