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Bruders Bekenntnis

Alice Berend: Bruders Bekenntnis - Kapitel 35
Quellenangabe
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typefiction
authorAlice Berend
titleBruders Bekenntnis
publisherAlbert Langen
printrun1. bis 20. Tausend
year1922
firstpub1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090221
projectidcf846003
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Vierunddreißigstes Kapitel

(Das letzte Warten)

Ich erreichte die Stätte, wo mein geliebter Herr zuletzt mit mir gelebt hatte.

Ich jagte durch das große Tor. Man saß am Tisch unter der großen Platane und murmelte den Nachtsegen durch die Abendschatten.

Alles stob auseinander. Man bekreuzigte sich. Jeder glaubte, daß ich der Teufel wäre, der gerade, um ihn zu holen, durchs Dunkel gesaust käme.

Ich bellte heftig. Ich wunderte mich, wie rauh und fremd meine Stimme geworden war. Es war wohl der schnelle Lauf, der sie verändert hatte.

Schließlich erkannte man mich. Jeder beschuldigte den andern, mich für den Teufel gehalten zu haben. Niemand wußte, warum er hätte glauben sollen, daß sich der Teufel eigens seinetwillen herbemüht hätte.

Ich ließ sie schelten. Ich jagte von einem zum andern, von Platz zu Platz, von Winkel zu Winkel. Mein Suchen war vergebens.

Als ich es genau wußte, legte ich mich nieder, um zu warten.

Man duldete dies nicht. Man jagte mich auf.

Man sagte, daß ich lange warten könne.

Dies schreckte mich nicht. Die Zeit hatte mir immer lange geschienen, wenn ich auf meinen geliebten Herrn hatte warten müssen.

Ich fand einen Unterschlupf. Die Nacht ging vorüber.

Am kommenden Tag aber ließ man mir keine Ruhe. Ich mußte fort.

Auf dem Schutthaufen fand ich die Ledertasche, die ich auf allen Wanderwegen um den Leib getragen hatte. Ich zerrte sie mit mir in mein Versteck.

Ich liege darauf. Sie wärmt. Es ist kalt zwischen den Steinen. Die Sonne kommt nicht hierher. Aber solch ein Platz ist gesicherter als andre. Mensch und Tier machen ihn nicht streitig.

Ich schlafe viel. Ich träume viel.

Ich begegnete im Traum wieder dem Bettler, der am Hafen mit mir Brüderschaft getrunken hatte. Er murrte wie damals, blind zur Welt kommen, blind zugrunde gehen wäre Hundeschicksal. Vielleicht nicht nur Hundeschicksal. Er gab mir einen Fußtritt.

Aber im Traum sehe ich. Ich erblickte deutlich meinen geliebten Herrn. Einen Augenblick nur. Ich vermochte nicht, an ihn heranzuspringen. Er faßte in Flammen hinein. Die ich fürchte. Die Flammen bemächtigten sich seiner. Er verschwand mir.

Mein Fell ist noch gesträubt.

Ich habe mich mit meiner Tasche ein wenig an die Sonne gewagt. Man träumt dort besser. Ich höre das große Wasser. Ich wittre den weiten blauen Raum.

Wenn ich wieder erwache, wird vielleicht ...

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