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Bruders Bekenntnis

Alice Berend: Bruders Bekenntnis - Kapitel 25
Quellenangabe
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typefiction
authorAlice Berend
titleBruders Bekenntnis
publisherAlbert Langen
printrun1. bis 20. Tausend
year1922
firstpub1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090221
projectidcf846003
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Vierundzwanzigstes Kapitel

(Bruders Freudentage brechen plötzlich ab. Er bleibt zurück, ohne seinen geliebten Herrn)

Achim trug meine Schlafdecke unter dem Arm. Ich folgte ihm dicht, die Schnauze an meiner lieben Decke. Schritte und Hufe klirrten auf dem Pflaster. Mein Fell war dick genug geworden, aber der Hauch meiner Schnauze vereiste.

Mein geliebter Herr beachtete mich nicht. Ich blickte oft zu ihm auf. Er ging sehr rasch.

Ich witterte um die Tasche seines Mantels. Ich fühlte sein Denken durch den Arm in die Finger laufen, die immer wieder dort in der Tasche ein Briefblatt knitterten. Ich zupfte an der Tasche. Ich wollte das Blatt hinauszerren. Ich spürte den Katzendunst des Herrn Senators.

Wir langten bei Hete an. Die Wärme dort tat gut. Ich wollte mich auf weiche Buntheit zu den Füßen meines geliebten Herrn strecken.

Aber die Füße wanderten.

Ich legte mich vor Hete.

Ihre Schuhe wippten auf und nieder, auf und nieder.

Die Unruhe der Schachtel der Geborgenheit war plötzlich in meinem Fell. Ich begann hin und her zu laufen, zu schnuppern, zu kratzen.

Worte sausten um meine gespitzten Ohren.

Mein geliebter Herr forderte irgendein Versprechen von Hete.

Sie schüttelte den Kopf und lachte.

Mein geliebter Herr mischte kein Lachen in dies Gelächter.

Ich umschnupperte ihn unruhig. Ich spürte, er wollte uns verlassen. Auch mich. Ich begann zu winseln. Zu wedeln. Ich lief hin und her. Winselte, wedelte wieder.

Endlich rief mich mein geliebter Herr. Er ließ mich niedersitzen. Er hockte sich mir gegenüber und sprach zu mir.

Er müsse in die Schachtel der Geborgenheit reisen, um Hochzeit feiern zu helfen. Ich dürfe bei der lieben, guten, kleinen, reinen Hete bleiben. Müsse brav sein und aufpassen, daß auch unsre kleine Hete brav bleibe.

Hete lachte. Ich winselte.

Mein geliebter Herr sprach weiter. Er blickte auf Hete, während er zu mir sagte, wenn jemand der Kleinen zu nahe kommen wolle, müsse ich anpacken.

»Anpacken, Bruder,« er wiederholte es mit scharfer Stimme.

Hete lachte ganz kurz auf und drehte sich einmal auf dem Absatz im Kreise herum.

Mein geliebter Herr nahm meine liebe Decke und breitete sie unter Hetes Bett aus.

Wenige Augenblicke darauf war er fort.

Ich scharrte, sprang gegen die verschlossene Tür, wurde erbärmlich schwach und winselte.

Hete hielt mir ein Schokoladenstück vor die Schnauze. Ich mochte es nicht. Sie steckte es selbst in den Mund.

Sie seufzte ein wenig, gähnte, ging vor den Spiegel und begann, eine neue Art von Haartracht zu versuchen. Dabei sang sie, daß heute heut wäre und morgen morgen.

Augustus Augustinus und Rex kamen, um sie abzuholen. Sie fuhren fort. Ich blieb allein. Sehr allein. Ich legte mich auf meine liebe Decke. Und fiel in das Grauen der Träume.

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