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Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking

Annette von Droste-Hülshoff: Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking - Kapitel 4
Quellenangabe
typeletter
booktitleBriefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking
authorAnnette von Droste-Hülshoff, Levin Schücking
editorTheo Schücking
yearca. 1895
publisherFr. Wilh. Grunow
addressLeipzig
titleBriefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking
pagesIII-XI
created20030319
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1893
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Montag Abend.Ende November 1840 geschrieben.

Ich wollte, Sie wären eben ein Viertelstündchen hier gewesen, mein Mütterchen, es war so wunderhübsch hier auf meinem Zimmer. Durch meine Wappenscheiben warf der Mond die tageshellen, blanken Strahlen wie in ein Gemach aus dem 15ten Jahrhundert, ein Funke glühte auf dem Rande Ihres Bechers wie ein goldner Tropfen, das rothe Licht aus dem Ofen in der Ecke huschte über die Wände und Bilder her, der SonderrathScherzname für Freiligrath. sah ganz düster schwarz von seiner beschatteten Mauer herab und – nun, wenn ich so malen könnte wie Sie, könnte ich Ihnen einen Begriff geben, wie hübsch es war.

Lieb Mütterchen, malen Sie mir doch in Ihrem nächsten Brief einen Grundriß von Ihrem Zimmer, ich möchte so gern wissen, wie Sie so zuhalten, ich will Ihnen meines auch hier hin malen.Hier schließt sich im Original eine Federzeichnung an.

Die Art brauner Tapete, die einmal im bon vieux temps ihre Geschmackvollheit behauptet haben mag, ist noch jetzt so übel nicht, daß man sie nicht für eine Couleur halten sollte, wie in Clemenswerth in der Klosterkirche herrschte, die »seit den Tagen des Guardian Nicolaus,« wie es in Scott's Kloster heißt, »nicht mehr geweißt war.« Nun müssen Sie, liebes Mütterchen, mit Ihrer blühenden Phantasie die Vorhänge so hübsch einräuchern, wie ich es mit meinen Pfeifen thue, die grellgemalten Wappenscheiben blitzen lassen, vornehmlich die Drostesche Karpfe, die Bücher etwas in Unordnung bringen, die grüne Wolldecke des Tisches mit diversen Papieren, Heften, Federn, Pfennigen, Lack, Briefen, Ringen, Karten, das Kanapee ebenso mit Büchern und Sachen wie Ihr Klavier in Rüschhaus belasten, und voilà tout!

Wenn wir doch einmal zusammen wieder sagen könnten: »Es war tief in die Nacht hinein, und draußen heulte noch der Sturm«, so wäre das in den mannigfachsten Beziehungen sehr ersprießlich. Denn erstens hörte ich Sie wieder so hübsch plaudern, und das höre ich so gern, und dann wäre das so bequem, o so bequem, Sie glauben's gar nicht, und endlich würde ich dabei so nett schläfrig, wie nur je ein unartiger Junge, wenn ihm seine Mutter gute Lehren giebt; und dann hätt' ich mich auch gleich gegen den Vorwurf vertheidigen können, ich sei ein Windbeutel mit allen meinen Citaten. Das ist ein schreiendes Unrecht, sie sind ächt wie 24karätiges Gold, alle mit großer Mühe aus ich weiß nicht mehr welchem Schweinsleder zusammengesucht auf der Münchener Universitätsbibliothek, wo ich nur zu viele Stunden mit solchen fruchtbringenden Studien verquängelt habe. Den Zettel, worauf ich's aufgeschrieben habe, könnte ich Ihnen mit beilegen, wenn Sie's noch nicht glauben. Ein Andres ist's mit meinem Handbuch der Strickkunst; die sind aus der Maue, oder vielmehr dem Strumpf geschüttelt.

Ich habe zum Merlin einen ausführlichen Brief von Schnaase, Immermann's gelehrtem Freund in Düsseldorf, bekommen, den ich nächstens Ihnen beilege.

Ihr Levin.

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