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Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking

Annette von Droste-Hülshoff: Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking - Kapitel 33
Quellenangabe
typeletter
booktitleBriefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking
authorAnnette von Droste-Hülshoff, Levin Schücking
editorTheo Schücking
yearca. 1895
publisherFr. Wilh. Grunow
addressLeipzig
titleBriefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking
pagesIII-XI
created20030319
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1893
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Meersburg den 17ten Januar 1844.

(An Louise Schücking.)

Zürnen Sie mir nicht, meine liebe junge Freundin, wenn ich Ihre mir so herzlich lieben Briefe dieses Mal nur sehr kurz beantworte. Diese Zeilen sollen keinen Brief weder bedeuten noch dafür gelten. Sie sind nur ein flüchtiges Zeichen, daß ich Sie liebe und Ihrer gedenke, – ein Gruß, ohne den ich das Packet, mit dem es, wie Levin behauptet, große Eile hat, dennoch nicht mag abgehn lassen, und vor Allem eine Warnung, die Pantoffeln doch ja nicht zu schonen. Ich bin eine Person, die gern zu guten Zwecken beiträgt, und werde mit Vergnügen fortwährend den nöthigen Bedarf liefern. Deshalb brauchen Sie sie, liebe Louise, brauchen Sie sie muthig und wachsam! Es werden schon neue heranwachsen. Striegeln und streicheln Sie das kleine Pferd wenigstens bis zum Zebra. Er ist zwar – um Ihnen zu zeigen, daß ich auch in andern Zweigen der Naturwissenschaft kein Hund bin – im Grunde edles Metall, aber Sie wissen auch, wie das traktirt und mit Spitzhacke und Schüreisen noch anders gestriegelt werden muß. Ich freue mich schon darauf, Ostern in selbige Stufe hinein zu sehn wie in einen goldenen Becher. Freuen Sie sich nicht auf Ostern, Louise? Freuen Sie sich nicht auf mich? Ich freue mich ungeheuer auf Sie, und da müssen Sie schon aus Billigkeit ein Übriges thun. Dann kennen Sie nachher Alles, was mir lieb ist: die Meinigen, mein Zimmer, meine Beschäftigungen, sogar meinen dicken, schwarzen Überrock, und vor Allem meine Gedanken und kleinen Freuden, und es giebt fortan so manche Erinnerung, so unzählige Berührungspunkte zwischen uns, daß ich fürchte, der arme, kleine Junge wird nachher an Briefen zu kurz kommen. Halten Sie bis dahin die Liebe warm, die Levin in Ihnen zu mir angeregt hat, ich halte es treulich so mit der meinigen zu Ihnen.

Adieu, meine theure Louise, dies ist, wie gesagt, kein Brief, nur ein Gruß, ein ehrliches Handreichen in die Ferne, – der Brief soll in einer ruhigen Stunde nachfolgen. Gott segne Sie, mein gutes neues Kind, eben so warm und reichlich wie den, der Ihnen der Allernächste und uns Beiden so werth ist. Nicht wahr, er ist ein guter Junge? Adieu.

Ihre Annette.

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