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Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking

Annette von Droste-Hülshoff: Briefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking - Kapitel 32
Quellenangabe
typeletter
booktitleBriefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking
authorAnnette von Droste-Hülshoff, Levin Schücking
editorTheo Schücking
yearca. 1895
publisherFr. Wilh. Grunow
addressLeipzig
titleBriefe von Annette von Droste-Hülshoff und Levin Schücking
pagesIII-XI
created20030319
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1893
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Augsburg den 11(?)ten Januar 1844.

Mein liebes und theures Mütterchen, soeben erhalte ich Ihren prächtigen Brief, und eile nun auf der Stelle zu antworten, obwohl mir von der Kälte die Hände klamm sind. Also das Manuscript ist fertig? Victoria und nochmals Victoria! Ich habe solche Freude drüber, daß ich's gar nicht sagen kann! Ich muß jetzt nur rasch Ihre Befürchtungen stillen, also: wenn Sie mir das Manuscript schicken, lese ich's durch und notire mir, was ich vielleicht fürzutragen hätte als unterthänigstes Bedenken. Dann geht auf der Stelle das Manuscript, wie es aus Ihren Händen kommt, nach einem Tage an Cotta ab; er läßt es drucken, vielleicht hier, jedenfalls besorge ich die Correctur, und wenn Sie dann unterdeß über Correcturen mit mir einverstanden geworden sind, so mache ich diese in die Correcturbögen. Da letztere nun in Niemands Hände, als meine kommen, so wird auch Niemand sagen, ich hätte irgend an Ihren Gedichten etwas gethan, überhaupt eine ganz kuriose Befürchtung bei Ihrer die meinige so anerkannt, zweifellos und entschieden überragenden poetischen Begabung. Ich werde auch Kolb Ihre Varianten zeigen. Nur die Kommas und Punkte &c. müßte ich wohl auf eigne Gefahr in die Correcturbögen machen?

Daß die Sache durch mich an Cotta geht, möchte wohl schon deshalb besser sein, weil er mein, als seines Kritikers an der Allgemeinen Zeitung Urtheil, dann als das Urtheil eines Dritten (nicht Verwandten) gewiß anzuerkennen und darauf zu bauen geneigt ist. Die Honorarforderung will ich höher stellen; jedenfalls so, daß Sie erfreut die Früchte Ihrer Mühen besser in Ähren stehen sehen, als Sie gedacht. Mich freut das Alles so, was ich hierin für Sie thun kann!

Mit Schreibereien belästigen Sie sich nicht. Wollen Sie auf das Geschenk antworten – erwartet wird es nicht –, so schreiben Sie ein paar Zeilen an »Hrn. Baron Georg von Cotta zu Stuttgart« selbst, kurz und wie an den Mann von Stande, nicht wie an den Buchhändler, was Ihre Gedichtsammlung angeht, nur andeutend, daß ich ihm das dahin Gehörende vortragen würde. Sie müßten dann nur gleich direct schreiben, aber wie gesagt, erwartet wird es nicht! Was wollen Sie sich mithin plagen? Seine Briefe an mich über den Antrag Ihrer Gedichte will ich Ihnen später gleich zukommen lassen. Mit dem Namen »Freiin v. Droste« ist bei ihm schon von vornherein viel gewonnen.

Was wollte ich Ihnen nun noch in der Eile sagen? Ja, Louise ist tief gerührt über die Pantoffeln, und außerordentlich froh über Ihre Güte; sie sagt, sie hätte sich grade danach gesehnt, da sie ein Paar in unsrer kurzen Ehe schon aufgebraucht! Sie sehen, wie's mir geht! –

Auch von meinem Vater habe ich gute Nachrichten. Er ist litterarisch jetzt thätig; in der Allgemeinen Zeitung habe ich in Nr. 2 und 12 dieses Jahres und Monats »Briefe über amerikanische Poesie« von ihm abdrucken lassen, welche Kolb sehr gefallen haben. Nr. 13 enthält von mir ein Wort über G. Sand. Meine kurzen Aufsätze über die »Dorfgeschichten« – kennen Sie sie? – und die »Bernsteinhexe« haben Sie wohl nicht gelesen? Sie standen im December drin. Die beiden genannten Bücher will ich Ihnen schicken, wenn Sie sie nicht kennen, da Sie sie durchaus lesen müssen.

Was die Mineralien angeht, so freut es mich, daß sie Ihnen Freude machen, mein liebes Mütterchen scheint sogar mehr darüber froh, als über die Prachtausgabe der Nibelungen, die doch viel werthvoller ist! Haben Sie auch bemerkt, daß in einem der Steine – einem mittelgroßen schwarzen – kleine Smaragde sitzen? Das ist aber »mein Best noch nicht«, wie die Penäle sagen, wenn man ihre Schönschriften bewundert: anbei erfolgt ein zweiter Kasten Mineralien, den ich aber freilich nicht selbst, sondern der Apotheker Hinterhuber in Mondsee gesammelt und für Sie gestiftet hat. (Die Sie schon haben, sind aus Berchtesgaden hergeholt.) Dann habe ich auch wieder Autographen für Sie, die mit den Steinen kommen, und zwar nicht schlechte: Varnhagen, Heine, Fürst Pückler, Fürst Felix Lichnowsky; Letzterer war lange in Spanien, General des Don Carlos und schrieb »Erinnerungen aus der pyrenäischen Halbinsel«, »Erinnerungen aus Portugal«. Nächstens schicke ich Ihnen auch Lenau und vielleicht Jean Paul, dann, da ich vorhabe, mit Geibel einen Musenalmanach für 1845 herauszugeben – welche von allen möglichen Poeten. Von Ihnen hätte ich gern durch Adele Schopenhauer gelegentlich und mit der Zeit mal Schiller, Herder, Wieland, wenn sich das möglich machen ließe? Wo ist Adele Schopenhauer jetzt? Und wie geht's ihr? Wie geht's Ihrer andern Freundin Male Hassenpflug? Hassenpflug, heißt's, würde wieder Minister des Innern in Cassel.

Nun zum Schlusse also noch das geforderte Ehrenwort, daß ich nichts corrigire, ändere, flicke, und ich bin, wenn ich einmal mein Wort gegeben, so gewissenhaft, daß Sie mir dagegen versprechen müssen, sobald Ihnen doch im Abdruck Ihrer Gedichte etwas geändert vorkommt, mir es grade heraus gleich zu erklären, damit ich durch Ihr eigenes Manuscript, das ich dann einfordere, mich rechtfertigen kann. Es könnte das leicht geschehen.

Ich habe Cotta bemerklich gemacht, daß ja Ihre »Corsenrache« noch nicht gedruckt sei im Morgenblatt. – Wenn ich für's Morgenblatt fünf bis sechs Gedichte noch wähle, wär's zuviel?

Taufend herzliche Grüße von Louise! Empfehlen Sie mich herzlichst! Ich bin, was immer, das treueste Pferd, so je gewesen.

Wir müssen eilen mit Ihren Gedichten, da Cotta daran gelegen sein wird, sie noch zur Ostermesse bringen zu können. – Den Liedersaal übersetzen? Das kann nicht Ihr Ernst sein! Ich bitte Sie!!!

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