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Gutenberg > Friedrich II. von Preußen >

Briefe über die Vaterlandsliebe

Friedrich II. von Preußen: Briefe über die Vaterlandsliebe - Kapitel 1
Quellenangabe
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typetractate
authorFriedrich der Große
booktitleHistorische, militärische und philosophische Schriften, Gedichte und Briefe
titleBriefe über die Vaterlandsliebe
publisherAnaconda Verlag GmbH
editorGustav Berthold Volz
illustratorAdolph von Menzel
year2006
isbn3866470347
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090212
projectidd979bff6
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1. Brief des Anapistemon

Berührt von der freundlichen Aufnahme, die ich auf Ihrem Landsitze fand, drängt es mich, Ihnen meinen Dank dafür auszudrücken. In Ihrer Gesellschaft fand ich die größten Güter, die Menschen zuteil werden können: Freundschaft und Freiheit. Aus Furcht, Ihre Güte zu mißbrauchen, verließ ich Sie mit tiefem Bedauern. Die Erinnerung an die glücklichen Tage, die ich bei Ihnen verbrachte, wird mir unauslöschlich bleiben. Das Gute, das uns begegnet, geht vorüber, aber das Üble hält an. Jedoch die Erinnerung an das genossene Glück verlängert seine Dauer.

Aus einem heraufziehenden Gewitter leuchtet der entsetzten Germania, die auf einem Felsen thront, wie in Flammenschrift die Zahl des Unglücksjahres 1806 entgegen, zu dem die von dem König aufs schärfste gegeißelte nachlässige Erziehung der Jugend beiderlei Geschlechtes führt.

Mein Gedächtnis ist noch ganz erfüllt von allem, was ich sah und hörte, besonders aber von jener letzten Unterhaltung, die wir am Abend nach Tisch führten. Ich bedaure nur, daß Sie sich in der Erörterung der Bürgerpflichten auf allgemeine Ideen beschränkten und nicht auf Einzelheiten eingingen. Sie würden mir eine große Freude bereiten, wenn Sie sich über diesen wichtigen Gegenstand weiter auslassen wollten. Er geht alle Menschen an und verdient darum gründliche Erörterung. Wie ich Ihnen gestehen muß, habe ich in meinem stillen, mehr dem Genuß als der Betrachtung zugewandten Leben über die gesellschaftlichen Bande und die bürgerlichen Pflichten gar nicht nachgedacht. Ich hielt es für hinreichend, ein ehrlicher Mensch zu sein und die Gesetze zu achten. Weiter, glaubte ich, sei nichts nötig. Mein Vertrauen zu Ihnen ist jedoch so groß, daß ich niemanden für befähigter halte, mich über diesen Gegenstand zu belehren. Es gäbe noch so vieles, worüber Sie mich aufklären könnten, doch ich begnüge mich hiermit. Haben Sie also die Güte, mir alle die Kenntnisse mitzuteilen, die Sie sich durch Ihre Studien und Ihr Nachdenken über diesen Gegenstand erworben haben. Jedermann handelt, wenige denken. Sie gehören nicht zu den Gedankenlosen; Sie prüfen die Dinge aufmerksam, erwägen das Für und Wider und geben sich nur mit offenbaren Wahrheiten zufrieden. Sie leben sozusagen mit den alten und neuen Schriftstellern, haben sich alle ihre Kenntnisse angeeignet, und das macht Ihre Unterhaltung so reizvoll und fesselnd, daß man, von Ihnen getrennt und Ihren Worten entrückt, wenigstens den Trost haben möchte, Sie zu lesen. Wenn Sie die Güte haben wollten, meine Wißbegier zu befriedigen und mir Ihre Anschauungen mitzuteilen, so würden Sie den Gefühlen der Achtung und Freundschaft, die ich für Sie hege, noch das der Dankbarkeit hinzufügen. Vale!

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