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Briefe aus Paris

Ludwig Börne: Briefe aus Paris - Kapitel 97
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authorLudwig Börne
titleBriefe aus Paris
publisherWeiss Verlag GmbH
printrun1. Auflage
year1986
isbn3925037-07-1
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
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Siebenundneunzigster Brief

 

Paris, Samstag, den 12. Januar 1833

Ich komme auf Chateaubriand zurück, den edlen Narren, der mir aber lieber als die sieben Weisen jeder Schule; auch der Liberalen, das dürfen Sie mir glauben. Die Treue ist seine geliebte und verehrte Dulcinea. Nicht den Bourbons, nicht der Legitimität, sich ist er treu. Wäre das nur jeder in seinem Glauben, in seiner Gesinnung, wie weit besser wäre dann alles! Wollte nur jeder, was er will, ganz und immer, wie viel milder wäre der Widerspruch, wie viel menschlicher der Streit! Denn wahrlich, nicht das eigensinnige Festhalten auf jeder Meinung, wie die guten Leute glauben, sondern das furchtsame oder heuchlerische Nachgeben macht die Parteien so unversöhnlich. Gäbe es keine Royalisten, die Liebe zur Freiheit heuchelten, freilich, zur wahren, wie sie sagen – gäbe es keine Freisinnigen, die Anhänglichkeit für den Fürsten heuchelten – beide aus List, Trug oder Schwäche –, man könnte sich besser verständigen; denn man verstünde sich besser.

Es ist gut, daß Sie wissen, was Chateaubriand von der gegenwärtigen Lage Frankreichs, von seinen äußern Verhältnissen, was er von der Erbärmlichkeit der Regierung und der Ermüdung der Nation spricht, auf welche die Tyrannei die Hoffnung ihres Gelingens gründet. Chateaubriand ist kein Zimmerspekulant wie ich, der die Welt durch das Fenster ansieht, er hat nichts zu erraten und zu vermuten, er braucht keinen Argwohn und keine Hoffnung; er ist ein vornehmer Mann, steht an der Spitze einer reichen und mächtigen Partei, die alles weiß, alles erfährt und vieles selbst tut oder stört. Er ist selbst ein Staatsmann, der die Mittel und Wege, die Stärke und Schwäche aller Regierungen kennt. Ihn konnte nicht wie mich die Liebe zur Freiheit verblenden; denn er ist ein guter Royalist der reinsten Art, ein Legitimist. Es könnte sich freilich finden, daß das, was er Louis-Philippe vorwirft, nur das Verderbnis jedes Fürsten sei; aber dann desto schlimmer für Chateaubriand und desto besser für uns. Darum noch einiges aus seiner Schrift.

»Die Revolution der Julitage, aus dem Volke hervorgegangen, hat, abtrünnig von ihrem Ursprunge, sich von dem Ruhme geschieden und um die Schande gebuhlt, als gäbe das eine ihr den Tod, als wäre die andere ihre Lebensquelle. Das Justemilieu hat sich einer ausschweifenden Macht ergeben, an welche die Regierung Karls X. nie gedacht und die man nie von ihr geduldet hätte. Verächter der Gesetze, zum Spotte der Charte vor 1830, hat er den Belagerungszustand eingeführt; zehen wichtige Artikel des neuen Vertrags sind von ihm gebrochen worden. Er trieb seinen Spott mit der persönlichen Freiheit; er hat die Gefängnisse angefüllt, die Haussuchungen, die Militärkommissionen, die Preßprozesse vermehrt und einen Schriftsteller wegen eines Wortspiels zum Tode verurteilt ... Der Fetfa, welchen die Minister der Pairskammer vorgelegt haben, verwandelt, dem Geiste nach, die konstitutionelle Monarchie in einen orientalischen Despotismus. Es ist Konstantinopel mit den Eunuquen der Doktrine als Janitscharen; nur tragen sie, wie Mahmud, Chalwaris auf englische Art, als Zeichen der Fortschritte der Zivilisation. Aber wenn die Franzosen nicht bis zur letzten Staffel der Völkerleiter herabgekommen sind, wenn man noch, ohne zu erröten oder zu lachen, von Freiheit reden darf, werde ich mit meinen Betrachtungen fortfahren.«

»Es ist augenscheinlich, daß das Prinzip der Julirevolution und das Prinzip der Kontinentalmonarchien sich feindlich entgegenstehen, daß diese beiden unvereinbaren Prinzipien nicht lange nebeneinander fortdauern können; daß das eine notwendig das andere zerstören muß. Wenn die überraschten Fürsten im ersten Augenblick das Königtum der Barrikaden anerkannt haben, werden sie früher oder später ohnfehlbar davon zurückkommen; denn keinem von ihnen wird sonderlich viel daran liegen, von einem Pflastersteine umgeworfen oder von einem Vetter verdrängt zu werden. Ja, je mehr sich in Frankreich ein Anschein von Ordnung und Wohlstand zeigte, je mehr würden sich die absoluten Regierungen entsetzen; denn die Versuchung für ihre Völker wäre dann um so größer. Wie wäre auch möglich, eine freie Tribüne, freie Journale, die Gleichheit der Stände, die Teilung aller Ämter und jedes Glückes zu haben, ohne daß die Revolution, minder bedächtig als ihre schwachen Führer, über den Rhein ginge? ... Daß Souveräne, von einem dreißigjährigen Kriege ermüdet, schlafen wollen; daß Gesandte lieber in Paris bedeutende Personagen sind als bei sich zu Hause hintenangesetzt und vergessen; daß sie darum in Angelegenheiten, von welchen sie sich selbst Rechenschaft geben oder nicht, sie ihrem Hofe die Wahrheit verbergen – das begreift sich. Lasset aber einen gewissen Tag kommen und einen gewissen Menschen gehen, und ihr werdet es erfahren.« Die letzte Äußerung bezieht sich auf den russischen Gesandten, den Grafen Pozzo di Borgo, von welchem gesagt wird, er liebe so sehr den Aufenthalt in Paris, daß er darum seit der Revolution sich die größte Mühe gebe, seinen Kaiser in friedlicher Stimmung gegen Frankreich zu erhalten. Dieses erregte in der letzten Zeit endlich den Argwohn des russischen Hofes, und Pozzo di Borgo wurde nach Petersburg berufen, um Rechenschaft abzulegen. Aber durch Aufopferung einer bedeutenden Geldsumme an eine einflußreiche Person soll ihm gelungen sein, seine Unschuld darzutun, und er durfte nach Paris zurückkehren.

»Die gesellige Ordnung löst sich auf; die Anarchie, die in die Köpfe eingedrungen, bedroht die materielle Gesellschaft. Man versteht sich über nichts mehr, die Verwirrung der Ideen ist unglaublich. Wenn der Nachbar nicht seinen Nachbaren erwürgt, so unterbleibt es, nicht weil ihn die Staatsgewalt hindert, sondern weil die Fortschritte der sittlichen Bildung ihm den Gedanken der Gewalttätigkeit genommen haben. Keine Partei, kein Mensch glaubt innerlich an den Bestand der gegenwärtigen Ordnung der Dinge – für eine Regierung die allergefährlichste Stimmung. Die Quasilegitimität, sich für stark, entschlossen, unerschrocken ausgebend; Willkür für Kraft, den unverschämtesten Gesetzesbruch für Gesetzlichkeit haltend, gibt über die Prinzipien nach und verträgt sich mit allem, was ihr Furcht macht. Sie erhält sich nur durch das vorgehaltene Schreckbild einer noch schlimmern Zukunft, als sie selbst ist; sie stellt sich als eine traurige Notwendigkeit dar und sagt (sonderbarer Anspruch auf das öffentliche Vertrauen!): ich bin immer noch besser als das, was kommen wird. Das ist so ausgemacht nicht.«

»Vierzigjährige Stürme haben die stärksten Seelen niedergeworfen; die Gefühllosigkeit ist groß, der Egoismus fast allgemein; man duckt sich, um unbemerkt zu bleiben und sich in Frieden durchzubringen. Wie nach einer Schlacht die Leichen die Luft verderben, so bleiben nach jeder Revolution angefressene Menschen übrig, die alles mit ihrem Eiter beschmutzen.«

»Die Freiheit ist nirgendsmehr als in den Herzen einiger wenigen, die würdig sind, ihr eine Zuflucht zu eröffnen. Ein Gegenstand der Spötter aller jener Elenden, die einst ihr Feldgeschrei daraus gemacht, wird diese verkaufte, geschändete, an allen Straßenecken ausgebotene und verschacherte Freiheit; diese Freiheit, welche die Possenreißer des Justemilieu sich mit Fußstößen einander zuwerfen; diese gebrandmarkte und mit der Haspel der Ausnahmsgesetze erwürgte Freiheit, wieder durch ihre Vernichtung die Revolution von 1830, in eine große Schmach und eine hündische Schurkerei verwandelt.«

»Die Gleichheit, diese Leidenschaft der Franzosen, scheint allen Bedürfnissen genugzutun. Der Bürger, der glaubt, einen König gewählt zu haben, der an dem Tische dieses Königs zu Mittag ißt und mit seinen Töchtern tanzt, weiß sich in seiner Pfaueneitelkeit mit Freiheit und Ruhm wohlfeil abzufinden. Wenn man ihn festhält und ihm Handschellen anlegt, denkt er, er habe sie sich selbst angeschnallt; denn er ist die Quelle der Macht, er klirrt aus Prahlerei mit seinen eignen Ketten, als Zeichen seiner starken Unabhängigkeit. In seinen Augen ist die Monarchie eine Haushaltung und das Diadem das Band einer Nachtmütze.«

»Die Frau Herzogin von Berry sah einen Teil dieser Dinge vom fremden Strande aus ... Man sagte der edlen Tochter Heinrichs IV., daß es in Frankreich eine Partei gebe, die mit Hundegeduld alles ertrage (!); Freiheit heuchelnd, schamlos ihre Reden durch ihre Handlungen Lügen strafend (!!); die Verachtung der Nation und die Fußtritte des Auslandes (!!!) unterwürfig hinnehme; sich gegen künftige Mißfälle in ihrer Filzigkeit(!!!!) Rettung sichere und in der Hoffnung zu leben krieche, krieche, krieche, weil es schwer ist, zu zertreten, was sich so platt macht unter den Füßen (!!!!!). Die wohlwollende Prinzessin ...« – Doch genug von der Prinzessin; gute Nacht Prinzessin!

 

Montag, den 14. Januar

Jetzt nur noch, was Chateaubriand über den belgischen Krieg gesagt. Mir, seinem Sancho Pansa, ziemt es wie jedem treuen Diener, die edlen Reden seines Herrn zu verkündigen. »Aus dem, was heute unsere mit der Klugheit der Quasilegitimität umwindelten Soldaten getan, kann man sich überzeugen, was die echten Julimänner hätten tun können. Man hat vor Antwerpen das Heldengeschlecht von Marengo, Friedland, Navarin und Algier erkannt; nur sah man mit Schmerz, daß das Justemilieu so viel Tapferkeit verschwendete, so viele Menschen aufopferte, um das Feuer der Linken zum Schweigen zu bringen, um sich eine Kammermajorität zu schaffen und, mit einer dummen Naivität, eine Festung zum Vorteil unserer Nachbarn zu erobern. Wir, uns eilend, über die Grenzen zurückzugehen, und nachdem jeder unserer Soldaten auf den Appell des englischen Kontrolleurs geantwortet haben wird, wir werden die Kosten eines glänzenden Kriegszugs übernehmen, der aber nichts endet, weder für Frankreich noch für Holland noch für Belgien – ein mörderisches Turnier, dessen mittelbare Folge früher oder später ein Krieg, dessen unmittelbare Folge sein wird, die Schelde dem Handel Großbritanniens zu eröffnen. Dieses, das in dem blutigen Spiele keinen Schiffsjungen gewagt, hat nur einige Guineen auf hohe Zinsen angelegt. Fünf- bis sechstausend von dem Geschütze oder der Krankheit hingeraffte Soldaten, mehrere tapfere und geschickte Offiziere getötet oder verwundet, einige und vierzig Millionen aus der Tasche der Steuerpflichtigen genommen, bilden die Mitgift, welche wir das Glück und die Ehre haben werden, der Eheliebsten des englischen Präfekten von Belgien anzubieten.«

 

Dienstag, den 15. Januar

Ein preußischer Naturforscher wollte eine wissenschaftliche Reise nach Nordamerika machen und bat seinen König um Unterstützung. Dieser antwortete: Amerika sei schon genug ausgeforscht, aber in Sibirien wären noch die schönsten Entdeckungen zu machen. Als sich nun ein anderer Naturforscher fand, der sich bereitwillig zu Sibirien erklärte, bekam er achthundert Taler Reisegeld. Ist das nicht artig? Ja, dieses Amerika tut ihnen wehe wie ein hohler Zahn und stört sie im Schlafe. Wenn es nur zu plombieren wäre! Eine Republik ohne Guillotine – und sie sagen uns doch seit vierzig Jahren: Republik und Guillotine, das wäre alle eins! Freiheit ohne Blut – und sie lehren doch der Hofratsjugend in allen Schulen: die Freiheit sei eine Art Fisch, der nur im Roten Meere lebe! Aber sie hoffen sehr auf eine bessere Zukunft, auf Blut und Königtum auch in der Neuen Welt. Sie haben es längst vorhergesagt, das Band, welches die verschiedenen Länder Amerikas aneinanderknüpfe, würde bald zerrissen, und dann würden die Vereinigten Staaten aus der gottlosen Liste der Republiken gestrichen und in die heilige Zivilliste gesetzt werden. Und in diesen Tagen hat sich wirklich ereignet, daß eine Provinz der Vereinigten Staaten aus Unzufriedenheit mit einem Douanengesetze, das ihrem Handel schadet, sich von der Union gewaltsam loszutrennen droht. Schon fangen die Aristokraten zu jubeln an. »Das Werk Washingtons und Franklins stürzt zusammen«; schon halten die europäischen Fürsten im stillen eine Familienmusterung und verteilen Amerika zwischen ihre Ottos, Karls, Wilhelms und Friedrichs; schon erkundigt sich Herr von Gagern vertraulich bei Herrn Rothschild, welcher Fürst am meisten Kredit habe, und arbeitet an einer schönen Rede für die hessen-darmstädtische Kammer, worin er von der Brüderschaft des Mississippi und des Rheins spricht. Unvergleichlich ist die dumme Naivität, mit welcher die Royalisten die Naturnotwendigkeit der monarchischen Regierungen dartun und ihre feste Hoffnung ausdrücken, daß Gott in seiner Barmherzigkeit auch bald den amerikanischen Völkern Könige verleihen werde. Sie sagen: ein Staat in seiner Kindheit und in seinem Greisenalter könne der Monarchie nicht entbehren. O! zugegeben mit tausend Freuden. Aber was folgt daraus? daß eine Monarchie nichts als eine Laufbank oder eine Krücke ist und daß, wenn man der Laufbank nicht mehr und der Krücke noch nicht bedarf, man keine Könige braucht. Ich gebe ihnen mehr zu, als sie verlangen, und bekenne, daß die Staaten nicht bloß in ihren Kinderjahren und im hohen Alter, sondern auch zu jeder Zeit ihres Lebens einer fürstlichen Regierung bedürfen – sobald sie krank werden. Dann ist die Monarchie das Heilmittel und der Fürst der Arzt. Aber sobald die Gesundheit zurückkehrt, wirft man das Arzneiglas zum Fenster hinaus und verabschiedet die Ärzte. In diesem Zustande der Wiedergenesung ist jetzt der größte Teil der europäischen Welt. Wozu also noch länger Doktor und Apotheker? wozu so vieles Geld für Arzneimittel ausgeben, das wir für unsere Nahrung nützlicher und angenehmer verwenden könnten? Aber da gibt es Völker, die von Gesundheit strotzen und in der Einbildung krank sind, nur da sehen wir die ganze lächerliche und traurige Geschichte von Molières Malade imaginaire. Lesen Sie gleich vorn die Apothekerrechnungen: es ist eine Satire auf die monarchischen Budgets. Da sind die Volksdoktoren Diafoirus Vater und Sohn, da ist der Volksapotheker Purgo, die den unglücklichen Argan anführen und abführen, daß es ein Erbarmen ist. Wohlmeinende Freunde belehren ihn, daß er gesund sei, und er möge doch Doktor und Apotheker zur Tür hinauswerfen; aber da tritt jedesmal Madame Belise, der nach dem Gelde des armen Tropfes gelüstet, zur rechten Zeit hinzu und spricht zärtlich: Mon petit fils, mon ami, mon pauvre mouton! und erstickt ihn unter Federbetten. Endlich aber, ich hoffe es, wird, wie Argan, auch das Volk klug werden, sich selbst zum Doktor kreieren und das erhabene und geheimnisvolle Clysterium donare, postea segnare, ensuita purgare – was man regieren nennt – selbst lernen und ausüben.

Haben Sie aber, wenn Sie Tee getrunken, je daran gedacht, daß es der Tee ist, dem wir die amerikanische Freiheit zu verdanken und alle die herrlichen Folgen, die sie für Europa gehabt? Ein Zoll, den das englische Parlament auf den Tee gelegt, veranlaßte den Abfall der amerikanischen Kolonien. Ich rede da freilich im Geiste der Monarchisten, die jede Revolution einem unglücklichen Zufalle zuschreiben; wäre es nicht der Tee gewesen, wäre eine andere Veranlassung dazu gekommen; nicht die Freiheit, die Tyrannei bedarf einer Erklärung. Doch ist es immer schön, daß es der Tee war und daß er so wieder gutmachte, was er verdarb. Nämlich der Tee, der Kaffee und andere indischen Gewürze haben erstaunlich viel dazu beigetragen, die Despotie in Europa zu begründen – einerseits, indem sie die Völker durch den Genuß körperlich, durch Gewöhnung an Üppigkeit geistig entnervt haben, und andererseits, indem das Emporblühen des Handels die Fürsten bereichert hat, so daß sie sich stehende Heere bilden konnten, mit welchen sie die Freiheit niederschlugen. Trinken Sie die nächste Tasse Tee auf die Gesundheit Karolinens, nämlich jener amerikanischen Provinz, die durch ihren Widerspruch das Land zu entzweien droht; trinken Sie auf das Wohl der Freiheit überhaupt; es geht dem armen Mädchen gar zu schlecht.

Weil wir gerade vom Tee sprechen, muß ich sie doch über etwas fragen, das mich seit einigen Tagen sehr beunruhigt. Ich kaufte mir Tee, grünen und schwarzen, von beiden gleich viel an Gewicht. Ich habe für jede Sorte eine besondere Büchse. Als ich nun zu Hause die Büchse füllte, machte der schwarze Tee die Büchse ganz voll, der grüne aber nur zur Hälfte. Es ist nun die Frage: bin ich betrogen, oder nimmt der grüne Tee weniger Raum ein als der schwarze? Es wäre merkwürdig, wenn ein Betrug stattgefunden, es war doch ein Maison de confiance, in dem ich den Tee kaufte. Ein Maison de confiance nennt man hier einen Kaufladen, worin man geprellt wird wie in jedem; aber man darf kein Wort dagegen sagen. Beklagt man sich im mindesten, antworten sie stolz: C'est une maison de confiance.

 

Mittwoch, den 16. Januar

Da ist Ihr Brief, ich kann aber heute nicht mehr auf alles antworten, ich bin gestört worden, es ist zu spät. Ein Spanier hat mich besucht, einst beim Korps des Marquis Romana. Ich erzähle Ihnen noch von ihm.

– Eine gemischte Schulkommission heißt eine Schulkommission, die aus Dummheit und Pedanterie gemischt ist. Adieu!

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