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Briefe aus Paris

Ludwig Börne: Briefe aus Paris - Kapitel 37
Quellenangabe
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authorLudwig Börne
titleBriefe aus Paris
publisherWeiss Verlag GmbH
printrun1. Auflage
year1986
isbn3925037-07-1
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
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Siebenunddreißigster Brief

 

Paris, Donnerstag, den 24. Februar 1831

Die Krönung Napoleons, von David gemalt, durfte unter der vorigen Regierung nicht an das Tageslicht; jetzt wird das Gemälde wieder gezeigt. Was half ihnen ihr blinder Groll? Nichts ist doch lächerlicher und grausamer als die strenge Diät, welche kranke Fürsten, die nichts vertragen können, ihren Völkern auflegen, die alles vertragen! Sie meinen, wenn man die Herzen fasten ließe, davon würden die Köpfe und Arme schwach, und sie wären dann leichter zu regieren. Aber der Hunger des Herzens sättigt den Kopf und stärkt die Glieder. Napoleons Bild kehrte nach fünfzehn Jahren zurück, und die Bourbons werden ewig verbannt bleiben – – gewiß ewig; denn am dritten Schlagflusse stirbt der Mensch, und wenn er auch ein König ist. Ich sah gestern das Gemälde, es hat sehr gelitten; Farbe, Zeit, Bewunderung, alles ist verblichen. Es ließ mich so kalt, als sähe ich eine Abbildung von der Arche Noäh, in die mit hängenden Ohren alles ehegepaarte Vieh zieht. Der Maler war nicht begeistert, so wenig als jene Zeit, so wenig als Napoleon selbst, so wenig als das Volk, das ihn umgibt; es ist eine vielfarbige glänzende Leerheit. Das Gemälde ist von solcher Ausdehnung, daß es in dem kleinen Theater, wo man es sieht, den Vorhang bildet. Es enthält mehr als sechzig Figuren in Lebensgröße, alle Porträts. Der Moment ist gewählt, wo Napoleon der vor ihm knienden Kaiserin die Krone aufsetzt. Er kniet vor nichts, nicht vor seinem Gotte, nicht vor seinem Glücke; weder Triumph ist in ihm noch Demut. Es ist eine Krönung wie die eines marklosen Erbfürsten. Nichts als Weiber, Pfaffen und goldene Knechte. Gibt es etwas Lächerlicheres, als daß sich Napoleon in der Kirche Notre-Dame von einer angstzitternden Geistlichkeit Brief und Siegel darüber geben ließ, daß er ein Held gewesen? Gibt es etwas Herzempörenderes als diese Hochzeit zwischen dem Manne des Lebens und der Leiche der Vergangenheit? Napoleon hätte sich zu Pferde sollen krönen lassen, sich die Krone hinaufreichen lassen, nicht herabreichen. Er sollte den Thron zieren, der Thron nicht ihn. Keiner von jenen Soldaten war anwesend, die ihn so groß gemacht; nichts als Schleppenträger und Hofhanswürste. Man hätte gerne gesehen, daß seine Marschälle sich stolz auf ihre Schwerter stützten und mit unterdrücktem Spotte auf die gefälligen Kardinäle blickten. Aber sie trugen Degen wie die Kammerherren und waren geputzt wie die Hofnarren. Die Porträts sind alle geistreich, das ist wahr: aber es hat jeder sein eigenes Gesicht, keiner ein Krönungsgesicht. Jeder sucht seine Gefühle zu unterdrücken, das sieht man deutlich. Herz und Augen gehen weit auseinander.

Unter allen Figuren waren nur drei, die mich anzogen. Napoleons Schwester, damals Großherzogin von Berg, später Königin von Neapel. Sie sieht ihrem Bruder ganz ungemein ähnlich, nur sind ihre Züge edler und zeigen den schönen Stolz des Sieges, den man in den Zügen des Kaisers vergebens sucht. Dann: der Papst. Er sitzt so bedeutend abgespannt und duldend in seinem Sessel wie eine gläubige und kränkliche Seele, die Gott nicht bloß anbetet in dem, was er tut, sondern auch in dem, was er nicht tut, geschehen läßt. Endlich Talleyrand. Ich habe ihn nie gesehen, nicht einmal gemalt. Ein Gesicht von Bronze, eine Marmorplatte, auf der mit eisernen Buchstaben die Notwendigkeit geschrieben ist. Ich habe nie begreifen können, wie noch alle Menschen aller Zeiten so diesen Mann verkannt! Daß sie ihn gelästert, ist schön, aber schwach, tugendhaft, aber unverständig; es macht der Menschheit Ehre, aber nicht den Menschen. Man hat Talleyrand vorgeworfen, er habe nach und nach alle Parteien, alle Regierungen verraten. Es ist wahr, er ging von Ludwig XVI. zur Republik, von dieser zum Direktorium, von diesem zum Konsulat, von diesem zu Napoleon, von diesem zu den Bourbonen, von diesen zu Orléans über, und es könnte wohl noch kommen, ehe er stirbt, daß er wieder von Louis Philipp zur Republik überginge. Aber verraten hat er diese alle nicht, er hat sie nur verlassen, als sie tot waren. Er saß am Krankenbette jeder Zeit, jeder Regierung, hatte immer die Finger auf dem Pulse und merkte es zuerst, wenn ihr das Herz ausgeschlagen. Dann eilte er vom Toten zum Erben; die andern aber dienten noch eine kurze Zeit der Leiche fort. Ist das Verrat? Ist Talleyrand darum schlechter, weil er klüger ist als andere, weil fester, und sich der Notwendigkeit unterwirft? Die Treue der andern währte auch nicht länger, nur ihre Täuschung währte länger. Auf Talleyrands Stimme habe ich immer gehorcht wie auf die Entscheidung des Schicksals. Ich erinnere mich noch, wie ich erschrak, als nach der Rückkehr Napoleons von Elba Talleyrand Ludwig XVIII. treu geblieben. Das verkündigte mir Napoleons Untergang. Ich freute mich, als er sich für Orléans erklärte; ich sah daraus, daß die Bourbons geendet. Ich möchte diesen Mann in meinem Zimmer haben; ich stellte ihn wie einen Barometer an die Wand, und ohne eine Zeitung zu lesen, ohne das Fenster zu öffnen, wollte ich jeden Tag wissen, welche Witterung in der Welt ist. Talleyrand und Lafayette sind die zwei größten Charaktere der Französischen Revolution, jeder an seiner Stelle. Auch Lafayette weiß Sein vom Schein, Leben vom Tode zu unterscheiden; aber jedes Grab war ihm eine Wiege, und er verließ die Gestorbenen nicht. Er glaubt an eine Fortdauer nach dem Tode, an eine Seelenwanderung der Freiheit; Talleyrand glaubt nur, was er weiß. Wäre nur Napoleon wie Talleyrand gewesen! Da er nur der Zeit zu dienen brauchte, keinen Menschen, weil er selbst der Höchste war: hätte er mit besserer Einsicht sich selbst besser gedient, er wäre noch auf dem Throne der Welt. Was habe ich dem Kaiser nicht alles gesagt! Heine hätte es hören sollen! Ich war allein im Saale und stellte mich mit verschränkten Armen vor ihn hin, wie er es zu tun pflegte. Ich wollte ihn damit verspotten, und – Narr! habe ich ihn geheißen. Ich hätte ihn Bösewicht nennen können, aber das hätte ihn nicht beleidigt. Nein, nie verzeihe ich dem Manne, was er sich selbst getan, wollte ich ihm auch verzeihen, was er der Welt getan. Sich mit der Gemeinheit zu besudeln und sich aus Eitelkeit mit Schmutz zu bedecken, um sich einen Schein von abgenutztem Alter zu geben! Er hat die Freiheit um ihre schönsten Jahre gebracht, er hat sie um ihre Jugend betrogen, und jetzt muß sie mit grauen Haaren noch auf der Schulbank sitzen und erst lernen, was sie längst könnte vergessen haben. Ehe ich ging, lachte ich ihm noch einmal freundlich zu. Für die Dummheit, die du andere begehen machtest, will ich dir deine eigne verzeihen. Du warst der starke eiserne Reif, der die Faßdauben der Welt zusammengehalten. Und die Narren-Fürsten haben dich zerschlagen, und gleich hat der gärende Wein das Faß auseinandergesprengt, und schweres Holz ist an hohle Schädel gefahren! Das war schön.

Von Napoleons Krönung weg ging ich zu einem andern Schauspiel, das meinem Herzen wohler tat. Ich besuchte den edlen Medor. Wenn man auf dieser Erde die Tugend mit Würden belohnte, dann wäre Medor der Kaiser der Hunde. Vernehmen Sie seine Geschichte! Nach der Bestürmung des Louvre im Juli begrub man auf dem freien Platze vor dem Palaste, auf der Seite, wo die herrlichen Säulen stehen, die in der Schlacht gebliebenen Bürger. Als man die Leichen auf Karren legte, um sie zu Grabe zu führen, sprang ein Hund mit herzzerreißendem Jammer auf einen der Wagen, und von dort in die große Grube, in die man die Toten warf. Nur mit Mühe konnte man ihn herausholen; ihn hätte dort der hineingeschüttete Kalk verbrannt, noch ehe ihn die Erde bedeckt. Das war der Hund, den das Volk nachher Medor nannte. Während der Schlacht stand er seinem Herrn immer zur Seite, er wurde selbst verwundet. Seit dem Tode seines Herrn verließ er die Gräber nicht mehr, umjammerte Tag und Nacht die hölzerne Wand, welche den engen Kirchhof einschloß, oder lief heulend am Louvre hin und her. Keiner achtete auf Medor; denn keiner kannte ihn und erriet seinen Schmerz. Sein Herr war wohl ein Fremder, der in jenen Tagen erst nach Paris gekommen, hatte unbemerkt für die Freiheit seines Vaterlandes gekämpft und geblutet und war ohne Namen begraben worden. Erst nach einigen Wochen ward man aufmerksamer auf Medor. Er war abgemagert bis zum Gerippe und mit eiternden Wunden bedeckt. Man gab ihm Nahrung, er nahm sie lange nicht. Endlich gelang es dem beharrlichen Mitleid einer guten Bürgersfrau, Medors Gram zu lindern. Sie nahm ihn zu sich, verband und heilte seine Wunden und stärkte ihn wieder. Medor ist ruhiger geworden, aber sein Herz liegt im Grabe bei seinem Herrn, wohin ihn seine Pflegerin nach seiner Wiederherstellung geführt, und das er seit sieben Monaten nicht verlassen. Schon mehrere Male wurde er von habsüchtigen Menschen an reiche Freunde von Seltenheiten verkauft; einmal wurde er dreißig Stunden weit von Paris weggeführt; aber er kehrte immer wieder zurück. Man sieht Medor oft ein kleines Stück Leinwand aus der Erde scharren, sich freuen, wenn er es gefunden, und dann es wieder traurig in die Erde legen und bedecken. Wahrscheinlich ist es ein Stück von dem Hemde seines Herrn. Gibt man ihm ein Stück Brot, Kuchen, verscharrt er es in die Erde, als wollte er seinen Freund im Grabe damit speisen, holt es dann wieder heraus, und das sieht man ihn mehrere Male im Tage wiederholen. In den ersten Monaten nahm die Wache von der Nationalgarde beim Louvre jede Nacht den Medor zu sich in die Wachtstube. Später ließ sie ihm auf dem Grabe selbst eine Hütte hinsetzen und folgende Verse darauf schreiben, die besser gemeint als ausgeführt sind:

Depuis le jour qu'il a perdu son maître,
Pour lui la vie est un pesant fardeau:
Par son instinct il croit le voir paraître;
Ah! pauvre ami, ce n'est plus qu'un tombeau.

Medor hat schon seinen Plutarch gefunden, seine Rhapsoden und Maler. Als ich auf den Platz vor dem Louvre kam, wurde mir Medors Lebensbeschreibung, Lieder auf seine Taten und sein Bild feilgeboten. Für zehn Sous kaufte ich Medors ganze Unsterblichkeit. Der kleine Kirchhof war mit einer breiten Mauer von Menschen umgeben, alle arme Leute aus dem Volke. Hier liegt ihr Stolz und ihre Freude begraben. Hier ist ihre Oper, ihr Ball, ihr Hof und ihre Kirche. Wer nahe genug herbeikommen konnte, Medor zu streicheln, der war glücklich. Auch ich drang mich endlich durch. Medor ist ein großer weißer Pudel, ich ließ mich herab, ihn zu liebkosen; aber er achtete nicht auf mich, mein Rock war zu gut. Aber nahte sich ihm ein Mann in der Weste oder eine zerlumpte Frau und streichelte ihn, das erwiderte er freundlich. Medor weiß sehr wohl, wo er die wahren Freunde seines Herrn zu suchen. Ein junges Mädchen, ganz zerlumpt, trat zu ihm. An diesem sprang er hinauf, zerrte es, ließ nicht mehr von ihm. Er war so froh, es war ihm so bequem, er brauchte, um das arme Mädchen etwas zu fragen, es nicht wie eine vornehme geputzte Dame, sich erst niederlassend, am Rande des Rockes zu fassen. An welchem Teile des Kleides er zerrte, war ein Lappen, der ihm in den Mund paßte. Das Kind war ganz stolz auf Medors Vertraulichkeit. Ich schlich mich fort, ich schämte mich meiner Tränen. Wenn ich ein Gott wäre, ich wollte viele Freuden unter die armen Geschöpfe der Welt verteilen; aber die erste wäre: ich weckte Medors Freund wieder auf. Armer Medor! ... Könnte ich den treuen Medor nur einmal in die Deputiertenkammer locken! Hörte er dort die Verhandlungen dieser Tage, vernähme er, sein guter Herr hätte nie können Deputierter werden, weil er nicht 750 Franken Steuern bezahlt, er, der doch sein Blut dem Vaterlande gesteuert – wie würde er bellen, wie würde er dem jämmerlichen Dupin und den andern allen in die Beine fahren! –

 

Freitag, den 25. Februar

Ich empfehle Ihnen das Buch: Théâtre de Clara Gazul, Comédienne Espagnole, von Mérimée. Der Verfasser hat sich nicht genannt. Er nimmt den Schein an, als wären die Komödien aus dem Spanischen übersetzt. Es sind eigentlich nur Skizzen und Szenen: aber mit großer Kunst werden durch wenige Striche ganze Charaktere gezeichnet und mit ein wenig Rot und Gelb die glühendsten spanischen Naturen treu gemalt. Man kann sich nichts Liebenswürdigeres denken. Der Verfasser hat eine unbeschreibliche Grazie, eine Phantasie gleich einer Lerche, wenn sie in der Abenddämmerung um grüne Kornfelder fröhliche Kreise zieht. Es sind Komödien, wild wie junge Mädchen; aber wie wohlgezogne; sie sind sittsam dabei und erröten leicht. Der Dichter hat, was die Deutschen Ironie nennen und was ich noch bei keinem Franzosen gefunden. Seine Ironie ist wie die unsere, nur geflügelter. Und was in den Dichtungen fehlt, macht sie so schön als das, was sie besitzen; es sind reizende Nachlässigkeiten.

Gestern habe ich Comtes Kindertheater besucht, oder wie es jetzt eigentlich heißt: Théâtre des jeunes acteurs. Es ist lange nicht mehr so artig, als es vor mehreren Jahren war, da wir es gesehen. Die damaligen Kinder sind seitdem lange Jungen und Mädchen geworden, meistens treten bejahrte Personen auf, und die wenigen Kinder spielen zu altklug. Mich lockte eigentlich ein Stück, von dem man seit einiger Zeit viel gesprochen, ein buckliges Lustspiel. Es heißt Mayeux ou le bossu à la mode. Mayeux ist eine Pariser Volkstradition von einem geistreichen Buckel, dem man alle mögliche guten Einfälle aufgebürdet! Ich weiß nicht, ob ein solcher Mayeux wirklich einmal gelebt oder ob er bloß ein Geschöpf der Phantasie ist. Aber seit der letzten Revolution wurde dieser Mayeux wieder aus der Vergessenheit hervorgerufen, und man legte ihm in Liedern und Bildern die witzigsten Worte in den Mund. Das Vaudeville, von welchem hier die Rede, ist mit Geist und Laune geschrieben; auch haben nicht weniger als drei dramatische Dichter daran gearbeitet. Mayeux ist ein kleiner verwachsener Kerl, voll scharfer, doch gutmütiger Laune, der im Juli mitgefochten und trotz seiner verkrüppelten Gestalt als Grenadier unter der Nationalgarde dient. Es gehört nun viel Feinheit und Gewandtheit dazu, diesen Charakter und diese Mißgestalt so zu behandeln, daß er Lachen erregt, ohne sich lächerlich zu machen. Davor müsse man sich hüten; denn das wäre auf die Revolution und auf die Nationalgarde zurückgefallen. Den Verfassern ist es gelungen. Aber es wurde bei Comte gar zu schlecht gespielt, und ich konnte es nicht zu Ende sehen. Die Mißgestalt Mayeux' wurde so karikiert, daß sie widerlich wurde. Auch ein Buckel hat seine ästhetischen Regeln, die man nicht übertreten darf. Was mich in diesem Theater am meisten ergötzt, war der Jubel der hundert Kinder in ihren weißen Häubchen, und deren Mütter, und die tausend Küsse den ganzen Abend, und die unzähligen Stangen Gerstenzucker, die der Konditorjunge absetzt. Aber wie kömmt es, daß auch Kinder lachen, gleich den Erwachsenen, sie, denen doch noch alles ernst und wahr erscheint; und die keinen Widerspruch und keinen Zufall unterscheiden? Ich begreife das nicht. Es hat gewiß seine Erklärung; aber ich als Gelehrter darf das vergessen haben. Doch Sie, unwissende Freundin, müssen es wissen. Erklären Sie mir, warum Kinder lachen?

– Bald wird das Eis überall brechen, nach und nach, und es wird eine tolle Wirtschaft geben. Ich sehe es für ein Glück an, daß jetzt eine so feindliche Spannung zwischen der französischen Kammer und der Regierung eingetreten ist, daß ein gefährliches Mißbehagen sich im ganzen Lande zeigt; denn Frankreich kann nur durch einen Krieg von innerem Verderben gerettet werden. Es mögen entscheidende Dinge sich bereiten.

Die englischen Blätter, die nicht bloß vernünftig über die Sache sprechen – heute müßte einer dumm sein, der nicht vernünftig wäre –, sondern auch kalt, weil sie der Krieg unmittelbar nichts angeht, sagen, der Krieg wäre unvermeidlich. Die zwei Prinzipien, welche die Welt beherrschen, Freiheit und Tyrannei, ständen sich feindlich einander gegenüber, und an eine friedliche Ausgleichung wäre nicht zu denken; denn nie würden absolute Fürsten ihren Völkern gutwillig liberale Institutionen geben. Und so ist es. Tausendjährige Leidenschaften, Vorurteile von so alten und tiefen Wurzeln zerstört man nicht so leicht, nicht einmal dann, wenn selbst die, die sie haben, von ihnen befreit sein möchten. Der Mensch ist nicht frei, auch der beste nicht. Er kann alles lernen wollen, aber nichts vergessen, und solange Kopf und Herz vom Alten besetzt sind, findet das Neue keinen Platz. Darum Krieg! –

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