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Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Briefe - Kapitel 65
Quellenangabe
author Fjodor Michailowitsch Dostojewski
titleBriefe
publisherR. Piper & Co. Verlag
year1920
printrunDrittes bis sechstes Tausend
firstpub1914
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201807
projectid99d5bb77
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LXIII.
An Apollon Maikow, Dresden, den 2. (14.) März 1871

[Anfangs ist die Rede von einer zwischen Dostojewskij und dem Verleger Stellowskij schwebenden Geldangelegenheit.]

Ihr für mich so schmeichelhaftes Urteil über den Anfang meines Romans hat mich entzückt. Mein Gott, wie fürchtete ich für den Roman und wie fürchte ich noch jetzt! Wenn Sie diese Zeilen lesen, werden Sie wohl auch die zweite Hälfte des ersten Teiles im Februarheft des »Russischen Boten« gelesen haben. Was sagen Sie dazu? Ich habe entsetzliche Angst. Ob ich mit der Fortsetzung fertig werde, macht mir große Sorgen. Ich bin verzweifelt. Es werden ja im ganzen vier Teile, also vierzig Bogen sein. Stepan Trofimowitsch Werchowenskij in den »Dämonen«. ist eine Gestalt von nebensächlicher Bedeutung; der Roman wird gar nicht von ihm handeln: doch seine Geschichte ist mit den Hauptereignissen des Romans so eng verknüpft, daß ich ihn zum Grundstein des Ganzen nehmen mußte. Dieser Stepan Trofimowitsch wird im vierten Teil sein Benefiz haben: sein Schicksal wird ein höchst originelles Ende nehmen. Für alles andere will ich nicht garantieren, doch für diese Stelle übernehme ich jede Garantie. Ich muß aber noch einmal sagen: ich zittere wie eine erschrockene Maus. Die Idee hat mich verführt, und ich habe sie furchtbar liebgewonnen; ob ich mit ihr fertig werde, ob der ganze Roman kein D ... ist, das ist meine große Sorge.

Denken Sie sich nur: ich habe bereits mehrere Briefe von verschiedenen Seiten mit Gratulationen zum ersten Teil bekommen. Das hat mich über die Maßen ermutigt. Ich sage Ihnen ganz aufrichtig, ohne Ihnen irgendwie schmeicheln zu wollen: Ihr Urteil hat für mich mehr Wert als alle anderen. Erstens weiß ich, daß Sie durchaus aufrichtig sind; und zweitens enthält Ihre Kritik einen genialen Satz: » das sind Turgenjews Helden im Alter«. Das ist genial gesagt! Als ich es schrieb, schwebte mir wirklich so etwas vor; Sie haben es aber in wenigen Worten, wie mit einer Formel ausgedrückt. Nun, ich danke Ihnen für Ihre Worte: Sie haben mir das Ganze beleuchtet.

Die Arbeit geht sehr schwer vor sich, ich fühle mich unwohl, und bald kommt für mich wieder die Periode der häufigen Anfälle. Ich fürchte, nicht rechtzeitig fertig zu werden. Doch ich will mich nicht übereilen. Ich habe zwar den Plan sehr gut aufgebaut und studiert; wenn ich mich aber übereile, kann ich alles verderben.

Ich habe beschlossen, ganz bestimmt im Frühjahr zurückzukehren.

[Weiter ist die Rede von den Zeitschriften »Beßjeda« und »Sarja«.]

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