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Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Briefe - Kapitel 55
Quellenangabe
author Fjodor Michailowitsch Dostojewski
titleBriefe
publisherR. Piper & Co. Verlag
year1920
printrunDrittes bis sechstes Tausend
firstpub1914
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201807
projectid99d5bb77
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LIII.
An Nikolai Nikolajewitsch Strachow.
Dresden, den 26. Februar (10. März) 1870

Hochgeehrter Nikolai Nikolajewitsch, ich beeile mich, Ihnen für Ihren Brief und für Ihr Interesse zu danken. In der Fremde sind uns die Briefe unserer alten Freunde besonders wertvoll. Maikow will mir anscheinend gar nicht mehr schreiben. Mit dem größten Interesse las ich die wohlwollenden Zeilen, die Sie meiner Erzählung »Der ewige Gatte«, erschienen in der »Sarja« (1870, Nr. 1 und 2). widmen. Was Sie sagen, ist mir angenehm und schmeichelhaft; ganz wie Sie, habe ich das Bestreben, dem Leser zu gefallen. Auch Kaschpirew ist zufrieden; er hat sich in zwei Briefen in diesem Sinne geäußert. Das alles freut mich außerordentlich; besonderes Vergnügen bereitet mir das, was Sie mir über die »Sarja« schreiben; es ist doch sehr erfreulich, daß die Existenz der Zeitschrift gesichert ist. Was ihre Richtung betrifft, so entspricht sie vollkommen der meinigen; folglich ist ihr Erfolg auch mein Erfolg. Die Zeitschrift erinnert mich aus irgendeinem Grunde an die »Wremja« – an unsere Jugendzeit.

[Es folgen einige Bemerkungen über die Zeitschrift und über die Möglichkeit der weiteren Mitarbeiterschaft Dostojewskijs an der »Sarja«.]

Bildnis Dostojewskijs, Petersburg 1876

Ich will Ihnen aufrichtig sagen: ich habe noch nie ein Thema des Geldes wegen erfunden, auch nie aus Pflichtgefühl, um eine versprochene Arbeit zu einem bestimmten Termin fertigzustellen. Die Verpflichtungen bin ich erst dann eingegangen, wenn ich im Kopf bereits ein Thema hatte, welches ich tatsächlich ausführen wollte und dessen Verwirklichung ich für notwendig hielt. Ein solches Thema habe ich auch jetzt. Ich will mich nicht darüber verbreiten, ich will nur sagen, daß ich noch nie einen besseren und originelleren Einfall gehabt habe Gemeint ist wieder der nicht zur Ausführung gelangte Roman »Der Atheismus« (siehe Briefe an Maikow vom 11. Dez. 1868 und 25. März 1870).. Ich darf es sagen, ohne mir einen Vorwurf der Unbescheidenheit zuzuziehen, weil ich nur von der Idee, von meinem Einfall, und nicht von der Ausführung spreche. Die Ausführung liegt aber in Gottes Hand; ich kann ja auch alles verderben; wie ich es so oft getan habe; doch eine innere Stimme sagt mir, daß die Begeisterung mich auch bei der Ausführung nicht verlassen wird. Jedenfalls garantiere ich für die Neuheit der Idee und die Originalität der Manier und bin vorläufig Feuer und Flamme. Es soll ein Roman in zwei Teilen von mindestens zwölf und höchstens fünfzehn Bogen werden (so denke ich es mir vorläufig).

[Weiter kommen Erwägungen über die Möglichkeit, den neuen Roman in der »Sarja« unterzubringen.]

Ich warte also auf Ihre Antwort und habe an Sie noch eine große und sehr dringende Bitte: schicken Sie mir, wenn möglich, à conto meiner kommenden Einkünfte (wie Sie mir schon einmal Tolstois »Krieg und Frieden« geschickt haben) das Buch Stankewitschs über Granowskij. Sie werden mir damit einen großen Dienst erweisen, den ich nie vergessen werde. Ich brauche das Buch ebenso dringend wie die Luft zum Atmen, und zwar so bald als möglich; ich brauche es als Material für mein Werk D. hat der Gestalt Stepan Trophimowitsch Werchowenskijs in den »Dämonen« einzelne Züge des abstrakten Humanisten Granowskij geliehen., ohne dieses Buch kann ich nichts anfangen. Vergessen Sie es nicht, um Christi willen, schicken Sie es mir, wenn es nur irgendwie geht ...

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