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Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Briefe - Kapitel 51
Quellenangabe
author Fjodor Michailowitsch Dostojewski
titleBriefe
publisherR. Piper & Co. Verlag
year1920
printrunDrittes bis sechstes Tausend
firstpub1914
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201807
projectid99d5bb77
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XLIX.
An Nikolai Nikolajewitsch Strachow.
Florenz, den 18. (30.) März 1869

Der Aufsatz Danilewskijs erscheint mir immer wichtiger und wertvoller. Er wird wohl für lange Zeit das Hausbuch eines jeden Russen bleiben. Abgesehen vom Inhalt trägt auch die klare Sprache und die allgemein verständliche Darstellung bei strenger Wissenschaftlichkeit viel dazu bei. Wie gerne möchte ich mit Ihnen über diesen Aufsatz sprechen; gerade mit Ihnen, Nikolai Nikolajewitsch; ich hätte Ihnen so viel darüber zu sagen! Der Artikel stimmt so sehr mit meinen eigenen Ansichten und Überzeugungen überein, daß ich stellenweise über die Identität unserer Schlüsse staunen muß; ich pflege schon seit zwei Jahren einzelne meiner Gedanken aufzuschreiben, denn ich hatte mir vorgenommen, einen Artikel mit ähnlich lautendem Titel und mit der gleichen Tendenz und den gleichen Schlußfolgerungen zu schreiben. Wie groß war meine Freude und mein Erstaunen, als ich diesen Plan, den ich in der Zukunft zu verwirklichen hoffte, bereits verwirklicht sah, dazu noch so harmonisch, logisch und wissenschaftlich, wie ich es beim besten Willen nie fertig bringen könnte. Ich erwarte mit solcher Spannung die Fortsetzungen dieses Aufsatzes, daß ich täglich auf die Post laufe und immerfort Berechnungen über die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens des nächsten Heftes der »Sarja« anstelle. Meine Ungeduld ist auch aus dem Grunde so groß, weil ich an den letzten Schlüssen noch etwas zweifle; ich bin noch nicht ganz davon überzeugt, daß Danilewskij mit genügendem Nachdruck auf das tiefste Wesen und die letzte Bestimmung des russischen Volkes hinweisen wird; nämlich darauf, daß Rußland der Welt seinen eigenen russischen Christus, den die Völker noch nicht kennen und der in unserer heimatlichen Orthodoxie fußt, offenbaren muß. Darin liegt, wie ich glaube, das tiefste Wesen unseres gewaltigen zukünftigen Kulturträgertums und der Auferweckung der Völker Europas, das tiefste Wesen unserer zukünftigen kraftstrotzenden Existenz. Mit den wenigen Worten kann ich es aber gar nicht aussprechen; es tut mir leid, daß ich überhaupt die Rede darauf brachte. Ich will nur noch das eine sagen: nach unserer armseligen, erheuchelten, gereizten, einseitigen und fruchtlosen Verneinung muß eine Zeitschrift mit einer so strengen, echt russischen, staatserhaltenden und belebenden Richtung unbedingt Erfolg haben.

[Weiter lobt Dostojewskij einen Aufsatz Strachows und ergeht sich über rein geschäftliche Einzelheiten der von ihm beabsichtigten Mitarbeiterschaft an der »Sarja«.]

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