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Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Briefe - Kapitel 31
Quellenangabe
author Fjodor Michailowitsch Dostojewski
titleBriefe
publisherR. Piper & Co. Verlag
year1920
printrunDrittes bis sechstes Tausend
firstpub1914
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201807
projectid99d5bb77
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XXIX.
An den Bruder Michail.
Semipalatinsk, den 9. Mai 1859

[Anfangs ist die Rede vom Abschied, der noch am 18. März bewilligt wurde, von dem man aber erst im Mai in Semipalatinsk erfuhr, und von geschäftlichen Angelegenheiten.]

Du schreibst mir immer solche Nachrichten, daß Gontscharow z. B. für seinen Roman siebentausend Rubel bekommen hat und daß Katkow (von dem ich jetzt hundert Rubel für den Bogen verlange) Turgenjew für sein »Adelsnest« viertausend Rubel, d. h. vierhundert Rubel für den Bogen angeboten hat. (Ich habe endlich Turgenjews Roman gelesen. Er ist außerordentlich gut.) Mein Freund! Ich weiß sehr gut, daß ich nicht so gut wie Turgenjew schreibe, doch der Unterschied ist wirklich nicht sehr groß, und ich hoffe, mit der Zeit ebensogut wie er zu schreiben. Warum lasse ich mir in meiner Notlage nur hundert Rubel für den Bogen zahlen, während Turgenjew, der zweitausend Leibeigene besitzt, vierhundert Rubel bekommt? Ich bin arm und muß daher in großer Hast und des Geldes wegen schreiben; folglich muß ich alles verderben.

[Es folgen Erwägungen über die Bedingungen, die D. Kuscheljow, dem Herausgeber des »Russischen Wortes«, anbieten will.]

Ich beendige jetzt einen Roman für Katkow »Das Gut Stepantschikowo«.; er ist recht umfangreich geworden: vierzehn oder fünfzehn Bogen. Drei Viertel habe ich schon abgeliefert; den Rest werde ich Anfang Juni abschicken. Höre doch, Mischa! Dieser Roman hat selbstverständlich die größten Fehler und ist vor allen Dingen übertrieben lang; ich glaube aber felsenfest daran, daß er zugleich auch die größten Vorzüge hat und daß er mein bestes Werk ist. Ich habe zwei Jahre lang daran geschrieben (mit einer Unterbrechung in der Mitte, als ich »Onkelchens Traum« schrieb). Der Anfang und die Mitte sind ordentlich ausgearbeitet, doch der Schluß ist in großer Hast geschrieben. Doch habe ich meine ganze Seele, mein Fleisch und mein Blut hineingelegt. Ich will nicht behaupten, daß ich darin mein ganzes Wesen ausgedrückt habe; dies wäre Unsinn. Ich habe noch viel zu sagen. Auch steckt in dem Roman viel zu wenig herzliches, d. h. leidenschaftliches Element (wie z. B. im »Adelsnest«) Von Turgenjew.; dafür kommen darin zwei kolossale typische Gestalten vor, die ich fünf Jahre lang geschaffen und aufgezeichnet habe; sie sind (wie ich glaube) tadellos gezeichnet; es sind durchaus russische Gestalten, die von der russischen Literatur bisher ungenügend berücksichtigt worden sind. Ich weiß nicht, ob Katkow den Roman zu schätzen wissen wird, doch wenn er beim Publikum eine kühle Aufnahme findet, werde ich wohl verzweifeln. Auf diesen Roman gründe ich meine besten Hoffnungen und vor allen Dingen die Festigung meines schriftstellerischen Rufes.

[Weiter ist wieder von Geldfragen die Rede.]

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