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Brehms Tierleben. Vögel. Band 18: Girrvögel. Scharrvögel

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Vögel. Band 18: Girrvögel. Scharrvögel - Kapitel 2
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authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Vögel. Band 18: Girrvögel. Scharrvögel
publisherGutenberg-Verlag
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 18
editorAdolf Meyer
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Siebente Ordnung. Die Girrvögel ( Gyratores)

Eine nach außen hin ebenso streng wie die der Papageien, Schwirrvögel und Spechte abgegrenzte Ordnung ist die der Girrvögel oder Tauben. Sie bilden gewissermaßen Bindeglieder zwischen den bisher behandelten und noch zu schildernden Vögeln, zählen aber noch zu den »Nesthockern« oder denen, die bis zum Flüggewerden im Nest verweilen, und stehen aus diesem Grunde den Sperlingsvögeln näher als den Scharrvögeln, so enge Beziehungen sie zu einzelnen Hühnern auch zu haben scheinen.

Die Tauben sind mittelgroße, kleinköpfige, kurzhalsige, mit großen und harten Federn bekleidete Vögel. Der Schnabel ist stets kurz, bei der Mehrzahl auch schwach, höher als breit, am Rande eingezogen, zuweilen selbst klaffend, an seiner Wurzel weich, nur an der Spitze hornig, hier etwas aufgeworfen, gewölbt und sanfthakig gebogen, bei einzelnen kräftiger, dicker, härter, ausnahmsweise auch sehr gewölbt und sein Unterteil nahe der Spitze sogar gezahnt; die Nasenlöcher liegen ziemlich weit nach vorn, sind gewöhnlich ritzförmig und werden oft von einer bauchigen, knorpeligen, mit der Wachshaut überkleideten Schuppe bedeckt. Der kurze Fuß ist vierzehig, sein Lauf selten höher als die Mittelzehe lang, ausnahmsweise nur bis unter die Ferse befiedert; die Zehen, von denen sich drei nach vorn richten, sind geteilt oder höchstens durch eine sehr kurze Spannhaut teilweise verbunden, die Krallen stark, aber kurz, meist auch wenig gebogen; die Bekleidung des Laufes wird vorn durch kurze Querschilder, hinten durch netzartige Schuppen gebildet. Der Flügel besteht aus harten Schwungfedern, von denen zehn am Handteil, elf bis fünfzehn am Unterarm sitzen und unter denen die zweite die andern überragt. Der Schwanz wird regelmäßig aus zwölf, ausnahmsweise aus vierzehn bis sechzehn Federn zusammengesetzt, ist meist kurz und schwach gerundet, zuweilen aber auch lang und dann gewöhnlich seitlich verkürzt. Das derbe und feste Gefieder liegt ziemlich glatt an; die einzelnen Federn sind verhältnismäßig groß, breit abgerundet und unten dunig. Sanfte Farben sind vorherrschend, lebhafte, prachtvoll schimmernde aber keineswegs ausgeschlossen; namentlich der Hals und die Flügeldecken schillern oft in den prachtvollsten Metallfarben. Die Geschlechter unterscheiden sich bei den meisten Arten wenig voneinander; die Jungen hingegen weichen regelmäßig von den Alten ab. Bezüglich der Größe läßt sich sagen, daß der Riese unter den bisher bekannten Girrvögeln einer kleinen Truthenne, der Zwerg einer Lerche etwa gleichkommt.

Man darf die Girrvögel wohlbegabte Geschöpfe nennen. Sie gehen gut, wenn auch nicht gerade schnell, so doch ausdauernd, nicken aber bei jedem Schritt mit dem Kopf, weil ihre Beine niedrig sind. Einzelne Arten laufen hühnerartig und sehr rasch über den Boden dahin, andere zeigen sich auf ihm ungeschickt, um so gewandter dagegen im Gezweig der Bäume. Diejenigen, die am besten zu Fuß sind, fliegen am schlechtesten; die große Mehrzahl aber besitzt einen sehr schnellen und kraftvollen, rascher Wendungen fähigen, gewandten Flug, der mit laut pfeifendem Geräusch verbunden zu sein pflegt. Daß die Tauben aus freien Stücken zuweilen schwimmen, habe ich in Ägypten beobachtet; daß sie im Falle der höchsten Not sogar tauchen, haben Naumann und Eugen von Homeyer erfahren. Die Stimme hat im allgemeinen viel übereinstimmendes, ändert bei den einzelnen Arten aber doch mannigfach ab. Die meisten Tauben »rucksen«, das heißt stoßen abgebrochene, hohlklingende, tiefe Laute aus, in denen die Silbe »ruck« oder »rucks« vorherrschend ist; andere »girren« oder lassen sanft zitternde Töne vernehmen, die dem Klange des letztgebrauchten Zeitwortes entsprechen; einzelne Arten heulen, andere lachen; einige geben höchst klangvolle, wohlgerundete, volltönige Laute zum besten, andere knurren abscheulich. Unter den Sinnen steht unzweifelhaft das Gesicht obenan, wie dies schon das verhältnismäßig große, wohlgebaute und oft sehr schön gefärbte, ausdrucksvolle Auge vermuten läßt; kaum minder ausgezeichnet ist das Gehör, über dessen Schärfe man leicht ein bestimmtes Urteil gewinnen kann; verhältnismäßig sehr entwickelt dürften auch Geschmack, Geruch und Gefühl sein. Die Girrvögel sind regelmäßig scheu und vorsichtig, unterscheiden aber keineswegs mit derselben Schärfe, wie andere Vögel, zwischen wirklicher und vermeintlicher Gefahr, sondern nehmen stets das Gewisse für das Ungewisse und weichen deshalb dem Bauer oder Schäfer ebenso ängstlich aus wie dem Jäger. Sie wirklich zu zähmen, ist schwierig und wird, wie es scheint, erst möglich bei den Nachkommen mehrerer Geschlechter, die bereits in Gefangenschaft gelebt haben.

Das Betragen hat so viel Bestechendes, daß sie schon seit altersgrauer Zeit als Sinnbilder betrachtet und sogar der Ehre gewürdigt worden sind, übersinnlichen Begriffen Gestalt zu verleihen. Dem unbefangenen Auge stellt sich ihr Wesen in minder günstigem Lichte dar. Manche, jedoch keineswegs alle Girrvögel lieben die Geselligkeit und halten sich paarweise zusammen; ob aber ein Paar wirklich zeitlebens verbunden bleibt, wie man gewöhnlich annimmt, ist sehr fraglich; es liegen auch Beobachtungen vor, die kein günstiges Zeugnis abgeben für ihre eheliche Treue. Ihr Fortpflanzungstrieb ist zwar nicht so ausgeprägt wie bei den Hühnern, immerhin aber noch sehr heftig, und wenn wir das Gebaren der verliebten Tauben im günstigsten Sinne auffassen, so vergessen wir andere, in ihrer Zärtlichkeit noch viel anmutiger erscheinende Vögel. Wahrhaft abscheulich erscheint uns die Treulosigkeit vieler Tauben gegen ihre Brut; sie verlassen nicht bloß ihre Eier, sondern sogar die bereits ausgeschlüpften Jungen, wenn sie gestört und infolge davon mißtrauisch wurden. Auch Neid und Mißgunst kann man ihnen nicht absprechen; ihre Habgier überwiegt jede Rücksicht auf ihre Genossen; sie decken gefundenes Futter mit den Flügeln zu, während die verschrieenen Hühner, wenn sie reichliche Nahrung entdecken, andere herbeirufen. Hingebung, Selbstverleugnung zugunsten anderer Wesen kennen sie überhaupt nicht, schließen sich auch andern Geschöpfen nur scheinbar an, da sie in Wirklichkeit bloß mit ihresgleichen gern verkehren. Sie betrachten die meisten Tiere mit Gleichgültigkeit oder beachten sie gar nicht; die stärkeren Geschöpfe fürchten, vielen mißtrauen sie.

Die Girrvögel sind Weltbürger im weitesten Sinne des Wortes. Sie leben in allen Erdteilen und allen Gürteln, in der Höhe wie in der Tiefe, immer aber vorzugsweise im Walde; denn die wenigen, die sich auf pflanzenlosen Felswänden ansiedeln, gehören zu den Ausnahmen. Die Nähe des Wassers lieben, wasserlose Strecken meiden sie, wenn auch damit nicht gesagt sein soll, daß sie hier gänzlich fehlen, da sie ihre Flugfertigkeit in den Stand setzt, täglich ferngelegene Tränkplätze zu besuchen. Ihre größte Entwicklung zeigt die Ordnung in Ozeanien oder auf den großen und kleinen Eilanden des Stillen Weltmeeres, wie überhaupt die Inseln verhältnismäßig mehr Tauben beherbergen als die großen Festlande. Die Sundainseln, Philippinen, Molukken sind reich an verschiedenartigen und prachtvollen Arten; in Neuholland und auf Neuguinea lebt eine namhafte Anzahl; in Südasien oder in Indien und Südchina werden sie kaum minder reichhaltig vertreten. In Afrika hausen zwar nicht so viele Tauben wie in Asien, die einzelnen Arten treten aber in überraschend großer Anzahl auf, und deshalb begegnet man den Mitgliedern der Ordnung allüberall, selbst noch im Innern der Wüste. In den Waldungen der Steppe sieht man hier und da sozusagen jeden Baum von ihnen besetzt; in den Urwäldern ist ihr Rucksen, Girren, Heulen und sonstiges Lautgeben eine so gewöhnliche Musik, daß sie alle übrigen Vogelstimmen beinahe übertönt; ein einziger Brunnen, eine Wasserlache in der Steppe wird zum Sammelplatz oder wenigstens zum Stelldichein für Hunderttausende dieser flüchtigen und verhältnismäßig wenig begehrlichen Vögel. Amerika, und zumal der Süden dieses Erdteils, beherbergt über ein Drittel aller bis jetzt bekannten Girrvögel. »In den endlosen Urwäldern von Brasilien«, sagt Prinz von Wied, »leben viele Taubenarten. Ihr sanfter Ruf erfreut den von der Hitze des Tages ermatteten Jäger, der am Fuße eines alten Waldstammes auf weichem Moose am klar herabrauschenden Waldbach sich ausruht, während Vanille und andere Wohlgerüche ihn erquicken.« In Mittelamerika sind sie, ihrer Vorliebe für Inseln entsprechend, noch häufiger als in Brasilien. Hinsichtlich des Aufenthaltes bemerkt man bald, daß sich die verschiedenen Arten in ihre Welt geteilt haben. Während die einen ausschließlich Baumvögel sind und höchstens, um zu trinken, zum Boden herabkommen, verbringen hier andere ihr ganzes Leben oder erheben sich doch höchstens auf kurze Zeit zu niederen Baumzweigen, und während diese den dunkeln Wald bevölkern, siedeln sich andere im lichten Gebüsch der Steppe an. Wieder andere hausen nur auf Felsen, nur in niederem, dichtem Gebüsch, ausschließlich auf kleinen Inseln usw.

Alle im Norden lebenden Arten sind Wander-, die im Süden wohnenden Strich- oder Standvögel. Diese leben höchstens in kleinen Gesellschaften, gewöhnlich aber paarweise; die übrigen vereinigen sich nur während der Wanderzeit zu starken Flügen; andere bilden jahraus, jahrein zahlreiche Verbände, und gewisse Arten scharen sich zu Massen, die, glaublicher Schätzung nach, alle unter Vögeln sonst üblichen Vereinigungen weit überbieten. Die Reisen werden selten weit ausgedehnt; unsere europäischen Arten z.+B. ziehen höchstens bis Nordafrika hinüber, bleiben aber meistens schon in Südeuropa.

Ihre Nahrung entnehmen unsere Vögel fast ausschließlich dem Pflanzenreich. Im Kropf einzelner Arten hat man kleine Gehäusschnecken, Würmer und Raupen gefunden; auch weiß man, daß sie ihre eigenen Läuse fressen; der Futterteil, den das Tierreich ihnen liefert, ist aber stets sehr gering. Sämereien und Wurzelknollen der verschiedensten Art bilden das Futter der Mehrheit; die Angehörigen gewisser Familien oder Unterfamilien nähren sich von Beeren und Waldfrüchten. Das Futter wird einfach aufgelesen oder abgepflückt, seltener durch Zerkleinerung der Schoten oder anderweitige Anstrengung gewonnen und noch seltener mit den Füßen ausgescharrt, eher noch mit dem Schnabel ausgegraben; ebensowenig werden die gefundenen Nährstoffe vor dem Verschlingen zerstückelt. Viele Arten lieben salzhaltige Erde und erscheinen daher regelmäßig an Stellen, die solche enthalten, nach Snells Beobachtungen hauptsächlich während der Zeit, in der sie Junge haben. Diejenigen Arten, die harte Körner genießen, nehmen zur Beförderung der Verdauung kleine Quarzstückchen und andere harte Körper, die Weibchen, wenn sie legen wollen, auch Kalk zu sich. Sie bedürfen viel Wasser, weil dieses nicht bloß zum Löschen des Durstes, sondern auch zum Aufquellen der harten Körner dienen muß.

So viel bis jetzt bekannt, brüten alle Girrvögel mehr als einmal im Jahr. Das Nest wird verschieden angelegt; im Gezweige der Bäume und Gebüsche, hoch und niedrig über dem Boden, in Felshöhlen und Baumlöchern, auf dicken Ästen oder Stammstrünken, selten auf dem flachen Boden. Es ist ein erbärmlicher Bau aus wenigen dürren Reisern, die locker und liederlich übereinander geschichtet werden und oft so lose aufliegen, daß man nicht begreift, wie er Wind und Wetter widerstehen kann. Zwei weiße Eier bilden das Gelege. Während der Paarungszeit bewirbt sich der Tauber sehr eifrig um die Gunst der Taube, ruckst, girrt, turtelt, lacht, heult, ergeht sich bückend, verneigend, drehend, vor- und zurücklaufend in sonderbaren Bewegungen, fliegt mit klatschendem Geräusch nach oben und läßt sich sanft wieder nach unten hernieder, schnäbelt sich mit der Gattin, liest ihr gelegentlich auch die Läuse ab, beweist überhaupt durch allerlei Zeichen und Gebärden lebhafte Erregtheit. Am Brutgeschäft beteiligen sich beide Eltern, der Tauber aber keineswegs ohne Murren, weil ihm das Stillsitzen höchst unangenehm und verhaßt zu sein scheint. Die Taube brütet während des ganzen Tages, mit Ausnahme der Mittagsstunden, der Tauber während dieser. Nach vierzehn- bis zwanzigtägiger Bebrütung entschlüpfen die Jungen; kleine, hilflose, blinde mit gelbem Flaum sparsam bekleidete Geschöpfe, die im Nest bleiben, bis sie völlig flügge geworden sind. Sie werden anfangs mit dem käseartigen Stoff, den die Wandungen des Kropfes absondern, später mit aufgequellten, schließlich mit harten Sämereien gefüttert oder richtiger gestopft. Ihre Weiterentwicklung nach dem Ausfliegen beansprucht wenig Zeit; denn die meisten Arten sind bereits nach vollendetem ersten Lebensjahre fortpflanzungsfähig.

Alle Tauben, zum mindesten diejenigen, die bei uns zulande leben, sind als nützliche Vögel zu bezeichnen. Snell hat sich durch sorgfältige und mühevolle Beobachtungen überzeugt, daß sie zwar einzelne Getreidekörner, die ohne sie verderben würden, auflesen, im allgemeinen aber sich fast ausschließlich von dem Samen verschiedener, der Landwirtschaft verderblichen Unkräuter ernähren und dadurch einen geradezu unberechenbaren Nutzen bringen. Der genannte Beobachter zählte im Kropf einer von ihm getöteten Haustaube dreitausendfünfhundertzweiundachtzig Körner der Vogelwicke und berechnet, daß eine Taube mit einem Jungen jährlich gegen achthunderttausend dieser Körner vertilgt. Seine gewissenhaft angestellten Beobachtungen widerlegen jeden Vorwurf, der den Tauben bisher gemacht, jede Verdächtigung, die auf sie geschleudert wurde, und stellen als unumstößliche Wahrheit fest, daß unser Getreidebau ohne sie arg gefährdet sein würde.

*

In der ersten Familie vereinigen wir die Tauben(Columbidae) oder diejenigen Arten, die unserer Haustaube im wesentlichen ähneln. Obenan stellt man gewöhnlich die Fruchttauben, die eine besondere Unterfamilie (Treroninae) bilden. Sie kennzeichnen sich durch gedrungenen Leibesbau, kurzen, dicken Schnabel, kurze, sehr kräftige, breitsohlige Füße, mittellange Schwingen, kurzen, aus vierzehn Federn gebildeten, gerade abgeschnittenen, selten etwas keilförmig verlängerten Schwanz und prachtvolles Gefieder.

 

Wenn man, den ersten Wall des hohen Gebirges überschreitend, die ärmeren Niederungen der Sahara hinter sich gelassen hat, nimmt man überall die farbenschönste aller nordafrikanischen Tauben wahr; denn das hochpfeifende Fluggeräusch, das die aufgescheuchten Schwärme verursachen, oder die sonderbar heulenden, durch die Silben »Hi ha hu« ungefähr wiederzugebenden Stimmlaute dieser Vögel müssen auch dem ungeübtesten Naturbeobachter auffallen.

Die Papageitaube oder Waalie ( Treron waalia) ist gedrungen gebaut, langflügelig und kurzschwänzig, ihr Schnabel kurz, kräftig, sein Oberteil hakig übergebogen, seine Wurzelgegend nackt, der Lauf verhältnismäßig kurz, größtenteils befiedert, der Fittich spitzig, der Schwanz gerade abgeschnitten. Das Gefieder ist prachtvoll gefärbt, auf der Oberseite blaß olivengrün, auf der Unterseite hellgelb; Kopf, Hals und Brust sind aschgraulichgrün, die Schultern weinrötlich, die Flügeldecken schwärzlich, breit hellgelb gesäumt, die Schwingen schwärzlich, lichter gesäumt, die Steuerfedern aschgrau, unten von der Wurzel bis zur Mitte schwarz, von der Mitte bis zur Spitze silbergrau. Um den Augapfel zieht sich ein schmaler, königsblauer Ring; die übrige Iris ist purpurrot, ein nackter Ring ums Auge bläulich graurot, der Schnabel an der Wurzel weiß, bläulich schimmernd, an der Spitze dagegen blaßrot, die Wachshaut schmutzig korallrot, der Fuß dunkel orangegelb. Die Länge beträgt einunddreißig, die Breite fünfundfünfzig, die Fittichlänge siebzehn, die Schwanzlänge elf Zentimeter. Das gleichgefärbte Weibchen unterscheidet sich durch geringere Größe.

Die Papageitaube verbreitet sich über ganz Mittelafrika, von der Küste des Indischen und Roten Meeres bis zu den westafrikanischen Inseln und vom sechzehnten Grade nördlicher Breite bis zum Sambesi. Nach meinen Erfahrungen bevölkert sie in kleinen Familien die tieferen Gebirgstäler und die unmittelbar am Gebirge liegenden Niederungen der Sahara, in denen die Pracht der Wendekreisländer zur Geltung gekommen ist. Hochbewipfelte Mimosen, die der Christusdorn schützend umsteht und der Cissus mit seinen vierseitigen Ranken durchflicht, bilden in der Sahara ihren bevorzugten Aufenthalt, während in den Gebirgstälern die prachtvollen Tamarinden, Kigelien mit ihrem dichten Gelaube und endlich die schattigen Wipfel der gewaltigen Sykomoren zu noch geeigneteren Wohnsitzen werden. Da, wo drei oder vier dieser Bäume zusammenstehen, wird man die Papageitaube schwerlich vermissen, ja einzelne Sykomoren werden zum Versammlungsorte am Morgen und Abend und zum schattigen Ruheplatze in der Hitze des Mittags. Hier und da trifft man auch unsere Vögel paarweise, gewöhnlich aber schlagen sie sich zu Familien oder kleinen Flügen von acht bis zwanzig Stück zusammen; zahlreichere habe ich nicht gesehen. Im Fluge selbst halten sich die einzelnen Paare in trauter Gesellschaft. Dicht aneinandergeschmiegt sitzen die zärtlichen Gatten, und derjenige, der ruhig beobachtet, kann gar nicht in Zweifel bleiben, welche zwei sich im Fluge miteinander vereinigt haben. Die Papageitaube scheint in ihrer Zärtlichkeit die übrigen Verwandten noch zu überbieten und besondere Zeichen ihrer Gattenliebe an den Tag zu legen. Das Aneinanderschmiegen, das Schnäbeln, das freudige, ich möchte sagen, aufjauchzende Emporsteigen des Männchens, das Klatschen mit den Flügeln und das darauffolgende sanfte Hinabschweben zur Gattin, wie es der Tauben Art ist, betätigt auch sie; außerdem aber breitet sie auch noch mit unbeschreiblicher Zierlichkeit und Anmut die aufgehobenen Flügel über den Gegenstand ihrer Liebe und versucht, um dem Gatten zu gefallen, Künste und Gewohnheiten nachzuahmen, die sonst nur bei den Papageien beobachtet werden.

Unsere Taube hat in der Tat große Ähnlichkeit mit Papageien. Schon die Färbung ihres Gefieders, das prächtige Grün und das lebendige Gelb, erinnern an diese. Dazu kommen aber noch das eigenartige Herumklettern in den Bäumen und die sonderbaren Stellungen, die sie annimmt. Selbst der kundige Jäger wird im Anfang nicht selten getäuscht; er glaubt wirklich, einen Papagei vor sich zu haben. Als besondere Eigentümlichkeit erwähne ich noch, daß sich die Papageitaube zuweilen fast wie ein schlafender Ziegenmelker platt auf die Äste niederlegt. Der Flug ist sehr rasch und reißend, aber hart und von einem laut pfeifenden Geräusch begleitet, das sich von dem Fluggeräusch jeder andern Taube unterscheidet. Nur die Stimme hat, wie angegeben, wenig Anmutiges, sondern eher etwas Heulendes. Girrende oder rucksende Töne habe ich nicht vernommen.

siehe Bildunterschrift

Warzentaube ( Alectroenas pulcherrima)

In dem Magen der erlegten fand ich Beeren der verschiedensten Art, und Eingeborene im Lande sagten mir, daß man den Tauben nur da begegne, wo es beerentragende Bäume und Sträucher gibt. Wie Heuglin richtig angibt, sind es hauptsächlich die herrlich belaubten, fruchtreichen wilden Feigenbäume, auf denen sie ihre Nahrung sucht. Auf solchen Bäumen siedelt sie sich sozusagen dauernd an und verrät ihre Anwesenheit durch die am Boden liegenden oder beständig herabfallenden Fruchthülsen auch dann, wenn das dichte Laub sie dem Auge verbirgt. Zur Zeit der Feigenreife ist oft das ganze Gesicht mit dem gelben Saft dieser Früchte bekleistert, und ebenso nimmt das Fett eine gelbe Färbung an. Mit dieser Nahrung steht im Einklang, daß unsere Taube nicht auf die Erde herabkommt; ich meinesteils habe sie wenigstens nur in Baumwipfeln gesehen.

Die Jagd ist nur dann einfach und ergiebig, wenn man einen jener Lieblingsbäume aufgefunden hat und sich unter ihm anstellt. Der Vogel ist scheu oder wenigstens vorsichtig und läßt den Jäger nicht leicht ankommen.

*

Eine der prachtvollsten Arten dieser an schön gefärbten Tauben reichen Unterfamilie ist die Warzentaube ( Alectroenas pulcherrima), Vertreterin einer gleichnamigen Sippe ( Alectroenas). Die Gestalt ist sehr gedrungen, der vordere Teil des Gesichts einschließlich des Augenfeldes nackt, die Nasengegend wie die Vorderwangen mit großen, häutigen Auswüchsen und Warzen, die Stirn jederseits insbesondere durch einen in der Mitte seicht ausgehöhlten Lappen verziert, das Gefieder auf dem Kopfe zu haarähnlichen Gebilden umgewandelt, am Halse verlängert, zugespitzt, gegabelt und streifig gelagert, im übrigen großfederig. Die haarigen Federn des Kopfes sind blutig kirsch- oder schmutzig karminrot, Hinterkopf und Nacken, Hals und Kropf bläulich-aschgrau, obere Mantelgegend und Oberbrust perlgrau, alle übrigen Teile tief und dunkel purpurnindigoblau gefärbt. Der Schnabel ist schmutzig orangegelb, der nackte Teil des Gesichts leuchtend zinnoberrot, das Auge zitrongelb, der Fuß dunkelgrau. Die Länge beträgt sechsundzwanzig, die Fittichlänge fünfzehn, die Schwanzlänge acht Zentimeter.

Die Warzentaube bewohnt wie ihre Verwandten die Gruppe der Madagaskarinseln. Über ihre Lebensweise ist nichts bekannt. Von verwandten Arten wird berichtet, daß sie in Flügen von sechs bis acht Stück die Hochwälder beleben, sich von allerlei Früchten, insbesondere von denen der wilden Dattelpalme, ernähren, zur Zeit der Reisernte zahlreich in den Pflanzungen erscheinen, und hier bei reichlicher Nahrung bald sich feisten. Daß sie sich unschwer an die Gefangenschaft gewöhnen, beweist die oben beschriebene Art, von der ich ein Paar im Berliner Zoologischen Garten sah. Die Haltung dieser Vögel ist unschön und lässig; nur wenn ihre Aufmerksamkeit erregt wird, strecken sie den Hals und nehmen dann eine gefälligere Stellung an. Der einzige Stimmlaut, den ich vernahm, war ein sehr tiefes und hohles Girren, während dessen der Kopf nickend bewegt wurde. Das Paar hielt treu zusammen, zeigte sich jedoch, wie alle Fruchttauben, anderen Vögeln gegenüber unfreundlich und zänkisch. Wie alle Mitglieder gefräßig, feisteten die Vögel binnen kurzem sich so, daß sie bald an Verfettung zugrunde gingen.

*

Die Tauben ( Columbinae) unterscheiden sich von den Fruchttauben hauptsächlich durch ihren schwachen, nur an der Spitze hornigen, an der Wurzel aber weichen und mit einer Wachshaut bedeckten, mittellangen Schnabel, die etwas höheren, schmalsohligen, zum Gehen geschickten Füße, den aus zwölf Federn gebildeten, gerade abgestutzten oder abgerundeten Schwanz und die minder prächtige Färbung ihres Gefieders.

Zu dieser Unterfamilie gehören alle bei uns wild lebenden Tauben und diejenigen, die uns am nächsten angehen, weil sie zu unseren Haustieren geworden sind. Die Gruppe ist über alle Erdteile verbreitet, in der Alten Welt aber gestalten- und artenreicher als in Amerika.

 

Unsere Ringeltaube, Holz-, Wald-, Wild- und Kohltaube ( Columba palumbus) ist auf Kopf und Nacken sowie an der Kehle dunkel mohnblau, auf dem Oberrücken und Oberflügel dunkel graublau, auf dem Unterrücken und Steiße lichtblau, auf Kopf und Brust rötlichgrau, auf der übrigen Unterseite licht graublau und auf dem Unterbauche weiß; der untere Teil des Halses ist jederseits mit einem glänzend weißen Flecke geziert und schillert in metallischen Farben (taubenhälsig); die Schwungfedern sind schiefergrau, die Schwanzfedern schieferschwarz, durch eine hellere Querbinde gezeichnet, ein breiter Streifen am Flügelbuge und ein großer Flecken auf den Schwanzfedern endlich weiß. Das Weibchen unterscheidet sich durch etwas geringere Größe, der junge Vogel durch mattere Färbung. Das Auge ist blaß schwefelgelb, der Schnabel blaßgelb, an der Wurzel rot, der Fuß bläulichrot. Die Länge beträgt dreiundvierzig, die Breite fünfundsiebzig, die Fittichlänge dreiundzwanzig, die Schwanzlänge siebzehn Zentimeter.

Vom fünfundsechzigsten Grade nördlicher Breite an verbreitet sich die Ringeltaube über ganz Europa und Asien. Gelegentlich ihrer Wanderungen streift sie nach Nordwestafrika hinüber.

Sie ist ein echter Baumvogel. In Deutschland begegnet man ihr in allen Waldungen, sie mögen groß oder klein sein und aus Schwarz- oder aus Laubholz bestehen, im Gebirge wie in der Ebene, nahe bei Dörfern wie fern von den menschlichen Wohnungen; doch scheint es, als wenn sie den Nadelwald bevorzugt, möglicherweise aus dem einzigen Grunde, weil Tannen-, Fichten- und Kiefernsamen mit zu ihren liebsten Nahrungsmitteln gehören. Ausnahmsweise siedelt sie sich auch inmitten der Dörfer oder selbst inmitten volkreicher Städte auf einzelnen Bäumen an: ich habe sie in den Spaziergängen Leipzigs und Dresdens sowie in den Gärten von Paris, Berlin und Jena als Brutvogel gefunden. Im Norden ihres Verbreitungskreises ist sie Zugvogel, der sehr regelmäßig wegzieht und wieder erscheint, schon im südlichen Deutschland und noch mehr in Spanien und Italien aber Standvogel. Die, die in Skandinavien leben, überwintern zum nicht geringen Teile bereits in Südengland und Irland, die, die von uns auswandern, ziehen höchstens bis Südeuropa. In Mitteldeutschland trifft sie bereits im März, ausnahmsweise sogar schon im Februar ein und verweilt hier bis Mitte oder Ende Oktober. Nach meines Vaters Beobachtungen siedelt sie sich aber nicht alle Jahre in gleicher Anzahl in einem und demselben Gebiete an, sondern nimmt Rücksicht auf zufällige Umstände: wenn der Fichtensamen gut geraten ist, ist sie im Schwarzwalde sehr häufig, wenn das Gegenteil stattfindet, verläßt sie die Nadelhölzer und wendet sich mehr den Laubhölzern zu.

Das Betragen ist zuerst von meinem Vater treu und ausführlich geschildert, und seine Beschreibung seitdem wohl umschrieben, aber weder bereichert, noch irgendwie berichtigt worden. »Die Ringeltaube ist ein äußerst rascher, flüchtiger und scheuer Vogel. Sie geht geschickt, aber nicht sehr schnell, trägt dabei den Leib bald wagerecht, bald aufgerichtet und bewegt den Hals unaufhörlich. Entweder sitzt sie auf dem Wipfel oder tief in den Zweigen verborgen. Sie hat gewisse Lieblingsbäume, auf denen man sie fast alle Morgen antrifft, entweder solche, die weit über die andern hinausragen, oder solche, die dürre Wipfel haben. Ihr Flug ist schön, schnell, geschickt, verursacht beim Auffliegen Klatschen und dann ein Pfeifen in der Luft. Schon in weiter Entfernung kann man die fliegende Ringeltaube nicht nur an der Größe, sondern auch an dem langen Schwanze und den weißen Flecken auf den Flügeln erkennen.

Um ein treues Bild vom Betragen dieser Taube zu geben, will ich ihre Lebensart kurz beschreiben. Die Nacht bringen beide Gatten in der Nähe des Nestes zu. Früh vor Tagesanbruch sind sie schon munter, und das Männchen begibt sich auf seinen Lieblingsbaum. Hier fängt es in der Dämmerung an zu rucksen, was der Feldtaube ähnlich, aber stärker, fast wie ›Ruckkuckkuck‹ und ›Kukuku‹ oder ›Rukuku, kuku‹ klingt. Es sitzt dabei fest auf einem Aste, bläst aber den Hals auf und bewegt ihn. Jedes Rucksen wird drei- bis viermal nacheinander wiederholt und folgt, je hitziger der Tauber ist, desto schneller aufeinander. Die in der Nähe befindlichen Tauber werden dadurch herbeigelockt, setzen sich auf benachbarte Bäume und rucksen nun, miteinander wetteifernd. Merkwürdig ist, daß man gewöhnlich drei, seltener zwei, aber nie vier Männchen in geringer Entfernung voneinander rucksen hört. Alle sitzen dabei auf hohen Bäumen und nicht selten auf den Wipfeln. Einmal beobachtete ich, daß ein Männchen dieser Taubenart auf der Erde vor dem Weibchen ruckste, und ein anderes Mal flog eines rucksend über mich weg. Kommt das Weibchen auf das Rucksen herbei, so setzt es sich nahe bei dem Männchen nieder, und dieses ruckst nun nicht mehr, sondern schreit nur von Zeit zu Zeit ›Puh‹ oder ›Huh‹, was inniges Behagen ausdrückt. Es scheint dadurch den neben ihm sitzenden Taubern seinen Sieg verkünden zu wollen. Das Rucksen ist am stärksten an windstillen, warmen Morgen; doch habe ich es auch bei Regen und spätem Schnee gehört und zwar vom April bis in den August, aber stets am häufigsten, wenn das Paar zu einer neuen Brut Anstalt macht. Um sieben, acht oder neun Uhr morgens (die Zeit ist verschieden) verstummt der Tauber und fliegt mit dem Weibchen, wenn dieses weder Eier noch kleine Junge hat, nach Futter aus, geht auch auf die Salzlecke. Um zehn Uhr beginnt das Rucksen wieder, aber schwächer und weniger anhaltend, so daß man es von einem Tauber oft nur wenige Male hört. Nach elf Uhr geht die Ringeltaube zur Tränke und ruht nun in den Mittagsstunden in einem dichten Baume versteckt. Um zwei oder drei Uhr fliegt sie wieder nach Futter, fängt um fünf oder sechs Uhr, zuweilen später, zu rucksen an und begibt sich dann, wenn sie ihren Durst noch gestillt hat, zur Ruhe.

Das Frühjahr und den Sommer über sieht man die Ringeltaube gewöhnlich paarweise, selten in kleinen und noch seltener in großen Gesellschaften. Bei der Paarung, zu der das Rucksen das Vorspiel ist, zeigt sich der Tauber äußerst unruhig. Er bleibt dann nicht auf einer Stelle, sondern fliegt von freien Stücken auf, steigt in schiefer Richtung in die Höhe, schlägt die Flügelspitzen so heftig zusammen, daß man es auf weithin klatschen hört, senkt sich hierauf schwebend nieder und treibt dieses Spiel oft lange Zeit. Die Täubin folgt ihm zuweilen, erwartet ihn aber gewöhnlich ruhig; denn er kehrt meist, nachdem er einen großen Kreis im Fliegen beschrieben, zu seinem Lieblingsaufenthalte zurück. Die Begattung selbst geschieht entweder auf den Bäumen, indem sich die Täubin auf einen Ast kauert, oder auf dem Neste. Daß zwei Tauber einander gebissen hätten, habe ich nie bemerkt. Beide Gatten tragen, nachdem der Platz zum Neste ausgewählt ist, die Stoffe herbei, aber das Weibchen verarbeitet sie. Das Nest steht hoch und tief. Ich habe es auf Fichten, Kiefern, Tannen, Eichen, Buchen, Erlen und Linden angetroffen, und zwar in einer Höhe von drei bis dreißig Meter, doch gewöhnlich niedrig auf Stangenholz in hohen Dickichten, am Stamme starker Bäume und versteckt. Es besteht aus dürren Fichten-, Kiefern-, Tannen- und Buchenreisern oder aus den Zweigen einer dieser Baumarten, ist aber so locker und schlecht gebaut, daß man nicht selten die Eier von unten durchschimmern sieht; es ist platt, nur da, wo die Eier liegen, vertieft und hält dreißig bis vierzig Zentimeter im Durchmesser. Obgleich es sehr schlecht gebaut ist, steht es doch fest und trotzt dem Wetter so, daß ich nicht ein einziges vom Sturme heruntergeworfenes gefunden habe. Oft aber bauen die Ringeltauben gar kein eigenes Nest, sondern bedienen sich der verlassenen Eichhornnester, die dann oben platt gedrückt und zuweilen mit einigen Reisern belegt werden. Einst fand ich auch die Eier dieser Taube in einem alten Elsternneste, dessen Haube das Elsternpaar zum Bau seines frischen Nestes weggetragen hatte. Die zwei länglichen, auf beiden Seiten gleich zugerundeten, neununddreißig Millimeter langen, neunundzwanzig Millimeter dicken, dünn- und rauhschaligen, glänzendweißen Eier fand ich von der letzten Hälfte des April bis zur letzten Hälfte des Juli. Sie werden von beiden Gatten ausgebrütet und zwar so, daß das Männchen von neun oder zehn Uhr vormittags bis drei oder vier Uhr nachmittags darauf sitzt.

Merkwürdig ist die geringe Anhänglichkeit der Ringeltaube an ihre Eier. Ich kenne keinen deutschen Vogel, der seine Eier so gleichgültig betrachtet. Jagt man die brütende Ringeltaube einmal vom Neste, dann kann man die Eier nur gleich mitnehmen; denn sie verläßt sie gewiß. Mir ist kein Fall vorgekommen, daß sie dieselben wieder angenommen hätte. Sind aber beide Gatten in der Nähe des fast oder wirklich vollendeten Nestes und werden aufgejagt, dann verlassen sie es gewöhnlich nicht. Wenn ich jetzt ein Nest dieser Taube finde, gehe ich vorbei, als hätte ich es nicht gesehen und lasse die brütende Taube ruhig darauf sitzen. Dann bleiben die Alten nicht davon. Gegen die Jungen ist die Liebe größer, aber doch nicht so stark als bei anderen Vögeln. Von einem Paar flügger Ringeltauben ließ ich die eine ausheben, um sie aufzuziehen. Dies hatten die Alten so übel genommen, daß sie die andere nicht mehr fütterten. Die Jungen werden, bis ihre Federn hervorgebrochen sind, von den Alten abwechselnd und unaufhörlich, später, bis zum Ausfliegen, bei regnerischer oder kalter Witterung am Tage, und in der Nacht stets, vom Weibchen erwärmt. Wenn sie klein sind, werden sie von beiden Eltern mit dem käseartigen Stoffe aus ihrem Kropfe gefüttert, wenn sie Federn haben, mit den im Kropfe erweichten Sämereien ernährt. Beim Füttern, das früh um sieben oder acht und abends um vier oder fünf geschieht, geben die Jungen einen eigenen, knurrenden Ton des Wohlbehagens von sich. Bei Annäherung eines Menschen schnappen sie mit dem Schnabel und beißen nach der Hand. Sie werden nach dem Ausfliegen nur kurze Zeit von den Alten gefüttert und geführt, weil sie bald ihr Futter suchen und sich vor Gefahren in acht nehmen lernen. Jedes der Eltern hat gewöhnlich ein Junges bei sich und leitet es auf dem Felde zum Fressen an.«

Lieblingsnahrung der Ringeltaube ist Samen der Nadelholzarten; mit ihm findet man im Sommer oft den ganzen Kropf angefüllt. Sie liest ihn nicht nur von der Erde auf, sondern holt ihn auch, wie mein Vater beobachtet hat, zwischen den klaffenden Deckelchen der Zapfen hervor. Außerdem frißt sie Getreidearten und Grassämereien, ausnahmsweise auch Schnecken und Regenwürmer, und im Spätsommer Heidelbeeren. Nach Naumann findet sie im Laubwalde ein beliebtes Nahrungsmittel an Eicheln und Bucheckern. Diese Angabe stimmt vortrefflich mit dem überein, was ich in Spanien erfuhr und beobachtete; denn hier bilden die Früchte der immergrünen Eiche das hauptsächlichste Futter der als Wintergäste im Lande anwesenden Holztauben.

Die wenigen Körner, die sich die Ringeltaube im Felde zusammenliest, darf man ihr gönnen; es sind eben nur solche, die ohne sie doch verkommen wären; sie gleicht auch diesen kleinen Eingriff in das Besitztum des Menschen tausendfach wieder aus durch das Aufzehren von Unkrautsamen verschiedener Art. Ich meinesteils sehe in ihr einen Vogel, der im Walde nicht fehlen darf, weil er zu dessen Belebung wesentlich beiträgt, und trete schon deshalb unbedingt für ihre Schonung ein.

Gefangene Ringeltauben werden erträglich zahm und halten viele Jahre im Käfig aus. Es hält nicht schwer, sie an ein passendes Ersatzfutter zu gewöhnen, da gemischte Sämereien ihren Ansprüchen vollständig genügen. Zur Fortpflanzung im Käfig schreiten sie aber nur ausnahmsweise. Mit andern Girrvögeln der verschiedensten Art vertragen sie sich gut, machen nie Gebrauch vom Recht des Stärkeren und lassen sich von kleinen Schwächlingen oft merkwürdig viel gefallen, ohne derselben sich zu erwehren.

Die zweitgrößte Wildtaube Mitteleuropas ist die Hohltaube, Loch- und Blautaube ( Columba oenas). Sie ist auf Kopf und Hals, Oberflügel, Unterrücken und Bürzel mohnblau, auf dem Oberrücken tief graublau, in der Kropfgegend weinrot, auf der übrigen Unterseite matt mohnblau; die Schwingen und die Enden der Steuerfedern sind schieferblau; über den Flügel zieht sich eine unvollkommene dunkle Binde; der Nacken schillert taubenhälsig. Das Auge ist tiefbraun, der Schnabel blaßgelb, an der Wurzel dunkel fleischrot, weiß bestäubt, der Fuß matt dunkelrot. Die Jungen kennzeichnen sich durch die unreinen Farben ihres Gefieders. Die Länge beträgt zweiunddreißig, die Breite siebenundsechzig, die Fittichlänge zweiundzwanzig, die Schwanzlänge dreizehn Zentimeter.

Ungefähr dieselben Länder, in denen die Ringeltaube vorkommt, beherbergen auch die Hohltaube; sie ist aber überall seltener als jene, aus dem sehr triftigen Grunde, weil sie nicht überall leben kann, vielmehr an alte Bäume mit passenden Höhlungen gebunden ist. Sie wohnt in Waldungen aller Art, nicht selten auch auf Feldbäumen, wenn diese eine passende Höhlung zur Aufnahme des Nestes haben, zuweilen auf solchen in unmittelbarer Nähe der Dörfer, nimmt aber in Mitteldeutschland von Jahr zu Jahr mehr ab. Am häufigsten habe ich sie in den zumeist aus Weiden bestehenden Auwäldern der unteren Donau gesehen. In Mitteldeutschland erscheint sie einzeln im März; nach der Winterherberge reist sie in Flügen um Mitte Oktober ab. Auch sie überwintert schon im südlichen Europa, und höchst selten streifen kleine Flüge bis nach Nordwestafrika hinüber.

Sie ist weniger rasch und stürmisch als die Ringeltaube, aber behender in ihren Bewegungen, geht geschickter und trägt den Leib gewöhnlich etwas mehr aufgerichtet, fliegt gewandt, im Anfang mit klatschendem Getöse, sodann mit hohem und hellem Pfeifen und vor dem Niedersetzen, das sanft schwebend geschieht, ohne jegliches Geräusch. Ihre Stimme, d.+h. ihr Rucksen, unterscheidet sich wesentlich von dem der Ringel- und Feldtaube; es klingt einfach wie »Hu hu hu«. »Beim Rucksen«, sagt mein Vater, »bläst die Hohltaube ihren Hals ebenfalls auf und bewegt ihn, sitzt aber auch wie die Ringeltaube fest auf dem Aste und unterscheidet sich dadurch von der Feldtaube, die während des Rucksens hin und her läuft. Man hört vom April bis September oft eine einzelne Hohltaube rucksen; doch antwortet zuweilen ein Männchen dem andern, und da, wo viele hohle Bäume in geringer Entfernung voneinander stehen, wetteifern mehrere Tauben miteinander. Das Rucksen vernimmt man nicht nur in den Morgen-, Vormittags- und Abendstunden, wie bei der Ringeltaube, sondern zu jeder Zeit, während der der Tauber in der Nähe der brütenden Täubin oder seiner Jungen sich befindet. Vor der Paarung ist natürlich das Rucksen am stärksten.« Die Nahrung besteht in Körnern aller Art. Sie fliegt früh von acht bis neun Uhr und nachmittags von drei bis vier Uhr nach Futter aus, liest dieses von den Äckern und Wiesen auf und geht zwischen elf und zwölf Uhr mittags und abends zur Tränke.

Das Hohltaubenpaar ist ein Bild treuer Gattenliebe. Das Männchen hält innig zu seinem Weibchen, ist gewöhnlich in seiner Nähe, unterhält es mit Rucksen während es brütet, und begleitet es, wenn es von den Eiern gejagt wird. Sofort nach der Ankunft im Frühjahr erwählt sich das Paar eine passende Nisthöhle, und schon Anfang April findet man in ihr das erste Gelege, zwei weiße Eier von sechsunddreißig Millimeter Länge und siebenundzwanzig Millimeter Dicke. Beide Eltern brüten mit Hingebung. »So wenig Anhänglichkeit die Ringeltauben gegen ihre Eier zeigen«, sagt mein Vater, »eine so ausgezeichnete beweisen die Hohltauben. Sie sitzen nicht nur sehr fest auf den Eiern, so fest, daß man die brütende Taube zuweilen ergreifen kann, sondern sie suchen selbst mit Gefahr ihres Lebens das Nest wieder auf. Man kann nach der Täubin schießen, ohne daß sie ihre Eier verläßt.« Wird das Paar nicht gestört, so macht es drei Bruten im Jahre, niemals aber zwei nacheinander in demselben Nest, sondern jede in einer andern Baumhöhlung. Dies geschieht deshalb, weil alle Tauben den Unrat ihrer Jungen nicht aus dem Nest tragen, die Höhlung aber, in der Junge groß wuchsen, wie Naumann sagt, »ein stinkender Pfuhl von Unrat ist«, so daß die Jungen in ihrem eigenen Kot sitzen, mit ihm die Bauch- und Schwanzfedern beschmutzen und sich erst lange nach dem Ausfliegen reinigen. Im nächsten Jahre kann das Paar die Höhlung wieder beziehen; der Unrat ist dann infolge der Fäulnis oder dank den Kerbtieren so verändert worden, daß er nicht mehr hindert; es hat vielleicht auch ein Specht oder ein anderer Vogel die Höhlung wieder ausgeräumt. Da nun jedes Paar im Laufe des Sommers mehrerer Höhlen bedarf, kommt es oft in Verlegenheit und Not. Es muß sich den Nistplatz schwer erstreiten und hat nicht bloß mit andern Hohltaubenpaaren, sondern auch mit Spechten, Staren, Dohlen und Mandelkrähen zu kämpfen, ohne als Sieger hervorzugehen, kann sich den veränderten Verhältnissen nicht anbequemen und sieht sich zuletzt gezwungen, eine für sie unbewohnbare Gegend zu verlassen. Dies ist die alleinige Ursache der Verminderung.

Alle Feinde, die die Ringeltaube bedrohen, werden auch der Hohltaube gefährlich; manches Nest mag noch vom Baummarder und Hermelin ausgenommen werden, obschon man ein friedliches Zusammenleben der Hohltaube und arger Räuber, wie man es kaum für möglich halten möchte, beobachtet hat. In der Nähe meines Heimatortes wurde, wie mein Vater erzählt, eine Eiche gefällt, in der in einem unteren Loch vier junge Baummarder und in einer hoch oben befindlichen Höhlung zwei junge Hohltauben saßen. Diese merkwürdige Nachbarschaft dürfte nicht leicht wieder vorkommen.

Die Hohltaube wird leichter zahm als die Ringeltaube, mischt sich freiwillig zuweilen unter die Feldtauben und soll sich sogar mit diesen paaren. Bestimmte Beobachtungen hierüber liegen meines Wissens nicht vor; aber das Betragen der beiden Verwandten gegeneinander läßt vermuten, daß die Annahme nicht unrichtig ist. Auch von mir gepflegte Hohltauben leben in großer Freundschaft mit Feldtauben, und mehr als einmal habe ich gesehen, daß ein Felsentauber eine Hohltaube treten wollte.

 

Die wichtigste aller Tauben ist die Felsentaube ( Columba livia), die Stammutter unserer Haustaube. Sie ist auf der Oberseite hell aschblau, auf der Unterseite mohnblau, der Kopf hell schieferblau, der Hals bis zur Brust dunkel schieferfarben, oben hell blaugrün, unten purpurfarben schillernd, der Unterrücken weiß; über den Flügeln ziehen sich zwei schwarze Binden; die Schwingen sind aschgrau, die Steuerfedern dunkel mohnblau, am Ende schwarz, die äußersten auf der Außenseite weiß. Das Auge ist schwefelgelb, der Schnabel schwarz, an der Wurzel lichtblau, der Fuß dunkel blaurot. Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum durch die Färbung; die Jungen sind dunkler als die Alten. Die Länge beträgt vierunddreißig, die Breite sechzig, die Fittichlänge einundzwanzig, die Schwanzlänge elf Zentimeter.

Das Verbreitungsgebiet der Felsentaube, die in mehreren ständigen Unterarten auftritt, beschränkt sich in Europa auf einige nordische Inseln und die Küsten des Mittelmeergebietes, umfaßt aber außerdem fast ganz Nordafrika, Palästina, Syrien, Kleinasien und Persien sowie einzelne Teile des Himalaja. In Deutschland hat man sie meines Wissens noch nicht brütend gefunden; wohl aber ist mir ein Fall bekannt, daß sie am Südabhange des Riesengebirges, in der Nähe von Johannisbad, genistet hat. Regelmäßig bewohnt sie verschiedene Gegenden längs der Westküste von Schottland, insbesondere die Hebriden, Orkney- und Shetlandsinseln, die Färinfeln und das kleine Felseneiland Rennesö bei Stavanger, an Norwegens westlicher Küste, ferner fast alle geeigneten Felsenwände um das Mittelmeer, von Triest an, Griechenland, ganz Italien, Frankreich, Südspanien. Auf den Färinseln ist sie, laut Graba, gemein, nistet fast auf jeder bewohnten Insel, weiß sich aber so zu verbergen, daß die Bewohner weder ihrer Eier, noch ihrer Jungen habhaft werden können. Auch wenn sie ihre Nahrung auf der Indmark sucht, ist sie sehr scheu, dabei im Fliegen so gewandt, daß weder die Raubmöven, noch die Raben ihr etwas anhaben können, während die zahmen Tauben sogleich von letzteren getötet werden. »Ich sah sie in eine geräumige Höhle fliegen, in die man allenfalls gelangen konnte. Nach vieler Mühe und Gefahr kamen wir dahin und bemerkten, daß die Höhle sehr verschüttet war und aus mehreren kleineren bestand. Die Eingänge waren durch größere und kleinere Steine verdeckt, so daß von den Tauben oder gar ihren Brutplätzen nichts zu sehen war. Weder Sprechen, noch Schreien, noch Steinwerfen brachten sie heraus; es wurde also ein Gewehr abgefeuert. Plötzlich belebte sich die Höhle, und die Tauben flatterten nach allen Seiten davon.« In der Umgegend von Triest lebt sie geeigneten Ortes überall, auf dem Karst namentlich in unterirdischen, trichterartigen Höhlen, oft tief unter der Oberfläche, in Istrien, Dalmatien, Italien, Griechenland und Kleinasien sowie auf allen griechischen Inseln in Felsenriffen hart am Meere wie auf den höchsten Gebirgen. Auf den Kanaren tritt sie, laut Bolle, nicht nur längs der Küsten, sondern auch im Innern der Inseln, wo diese nicht bewaldet sind, in Menge auf, wurde selbst noch in einem Höhengürtel von zwei- bis dreitausend Meter über dem Meer am Teide angetroffen; Berthelot fand sie auf Lanzarote in dem noch frischen Krater der Feuerspeier, trotz des Schwefelgeruches und der großen Hitze, die darin herrschten. Auch dort brüten oder schlafen sie am liebsten in Höhlen, und auf Lanzarote gewähren sie ein ganz besonderes Jagdvergnügen, indem man im Dunkeln mit Fackeln in ihre Grotten dringt, den Eingang verstopft und dann mit Stangen auf sie losschlägt. In Ägypten sah ich sie an Felswänden, namentlich in der Nähe der Stromschnellen, in sehr zahlreicher Menge, einzelne Flüge von ihnen aber auch inmitten der Wüste, wo man sich fragen mußte, wie die arme Erde hier imstande sei, den Massen genügende Nahrung zu bieten. Im Innern Afrikas ist sie viel seltener; an günstigen Stellen aber vermißt man sie nicht, und ein stehender Felsen mit steilen Wänden beherbergt sie gewiß. In Indien gehört sie zu den gemeinsten und häufigsten Vögeln, brütet ebenfalls in Höhlen und Nischen der Felsen und Klippen, wo möglich in der Nähe von Wasser und oft in Gemeinschaft mit dem Alpensegler, so in der Nähe der berühmten Fälle von Grisoppa. Hier, wie in Ägypten, lebt sie auch in einem halbwilden Zustand und bewohnt alle alten ruhigen Gebäude, Stadtmauern, Pagoden, Felsentempel und ähnliche Baulichkeiten, oder bezieht die Türme, die ihr zu Gefallen errichtet werden. In Oberägypten gibt es viele Ortschaften, die mehr der Tauben als der Menschen halber erbaut zu sein scheinen. Nur das untere Stockwerk des pyramidenartigen, platt gedeckten Hauses bewohnt der Bauer, das obere, gewöhnlich weiß getünchte und sonstwie verzierte, gehört den Tauben an, und außerdem errichtet man noch hohe kuppelförmige Türme einzig und allein dieser Vögel wegen. Das Mauerwerk aller jener Gebäude, die ich Taubenschläge nennen will, besteht nicht aus Ziegelsteinen, sondern von einer gewissen Höhe an nur aus großen, eiförmigen, dickwandigen Töpfen, die übereinander gelagert und durch Mörtel, bezüglich Nilschlamm miteinander verkittet wurden. Jeder Topf ist an dem nach außen gekehrten Ende durchbrochen, das betreffende Loch jedoch nicht groß genug, um einer Taube Zugang zu gewähren, sondern nur bestimmt, Luft und Licht durchzulassen. Von der andern inneren Seite dagegen ist jeder Topf bequem zugänglich und gibt einem Nest Raum. Die Eingänge zu den Taubenhäusern sind ziemlich groß und mit eingemauerten Reisigbündeln umgeben, die die Stelle der Flugbretter vertreten. Daß diese Einrichtung sich bewährt, geht aus den Massen von Tauben, die die Häuser fortwährend umlagern, deutlich hervor.

Im Süden sind die Felsentauben Standvögel; im Norden zwingt sie der Winter zum Wandern. Sie versammeln sich vor dem Abzuge in zahlreiche Schwärme und scheinen während ihres Aufenthaltes in der Fremde diese Vereine nicht zu lösen. Es ist mir wahrscheinlich, daß derartige Wanderscharen oft von uns bemerkt, aber nicht erkannt, sondern als gewöhnliche Feldflüchter angesehen werden. Sie ziehen erst dann die Aufmerksamkeit auf sich, wenn man sie, wie zuweilen geschieht, sich mit Krähen und Dohlen vereinigen oder auf Bäumen niederlassen sieht, was sie immer noch öfter als die Feldflüchter zu tun pflegen.

Das Betragen der Feldtaube weicht von dem unserer Haustaube wenig ab. Sie ist gewandter, namentlich behender im Fluge als unsere Feldflüchter und regelmäßig sehr menschenscheu; in allem übrigen gewährt uns das Betragen der Nachkommen ein getreues Lebensbild der Stammeltern. Sie geht gut, aber nickend, fliegt vortrefflich, mit pfeifendem Säuseln, durchmißt ungefähr hundert Kilometer in der Stunde, klatscht vor dem Auffliegen und schwebt vor dem Niedersitzen, steigt gern hoch empor und kreist oft längere Zeit in dicht geschlossenen Schwärmen. Die Bäume meidet sie auffallend, obwohl es einzelne Ausnahmen gibt. So sieht man die ägyptischen Haustauben regelmäßig auf den Palmen sitzen, und auch bei uns beobachtet man einzelne Feldflüchter, die sich hier niederlassen. Beim Nahrungsuchen läuft sie stundenlang auf dem Boden herum, beim Trinken watet sie zuweilen ein wenig in das Wasser hinein; die ägyptischen aber setzen sich, wenn sie trinken wollen, mitten auf den Strom, lassen sich von den Wellen tragen und erheben sich, wenn sie ihren Durst gestillt haben.

Sinne und geistige Fähigkeiten der Felsentaube sind wohl entwickelt. Die wilde läßt sich zwar nicht leicht beobachten; bei der zahmen aber bemerkt man bald, daß man es mit klugen und verständigen Vögeln zu tun hat. Ihr Wesen ist ein Gemisch von gutem und bösem. Sie ist friedfertig und verträglich, richtiger vielleicht gleichgültig gegen andere Tiere und lebt unter sich so ziemlich in Frieden. Die Paarungszeit erregt freilich auch bei ihnen eifersüchtige Gefühle, und dann kann es vorkommen, daß zwei Tauber sich streiten; die Sache ist aber nicht so ernst gemeint, und der Kampf währt selten lange. Auch Futterneid macht sich bemerklich: diejenige Taube, die reichlich Nahrung findet, breitet die Flügel aus und versucht dadurch andere abzuhalten, das gefundene mit ihr zu teilen; die Geselligkeit, die ihnen in hohem Maße eigen ist, beendet derartige Zwistigkeiten aber immer in sehr kurzer Zeit.

Die Stimme, das bekannte Rucksen, besteht aus dumpfen, heulenden und rollenden Tönen die ungefähr wie »Marukuh murkukuh marhukukuh« klingen. Die einzelnen Ausrufe werden mit Bücklingen, Drehungen und Kopfnicken begleitet und folgen sich um so schneller, je eifriger das Männchen ist. Manchmal stoßen die Tauber Laute aus, die man durch die Silben »Huhu« oder »Huhuh« bezeichnen kann: sie bekunden ein Verlangen des Männchens nach dem Weibchen oder sind Klagen über zu lange Abwesenheit des einen Gatten.

Alle Arten unseres Getreides und außerdem die Sämereien von Raps und Rübsen, Linsen, Erbsen, Lein usw., vor allem andern aber die Körner der als unausrottbares Unkraut gefürchteten Vogelwicke bilden die Nahrung der Felsen- und Haustauben. Man hat sie als schädliche Tiere betrachtet, weil sie ziemlich viel Nahrung bedürfen und uns fühlbare Verluste zufügen können; wenn man aber bedenkt, daß sie Getreide nur während der Zeit der Aussaat fressen, wird man weniger streng urteilen, zumal, wenn man berücksichtigt, daß sie den Schaden, den sie verursachen, durch Aufzehren von Unkrautsämereien reichlich wieder ausgleichen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie uns viel mehr nützen, als wir glauben. Auch sie fliegen regelmäßig zu gewissen Zeiten nach Nahrung aus, gewöhnlich früh und vormittags und nachmittags noch einmal, wenn sie ein besonders ergiebiges Feld erspäht haben, oft ziemlich weit.

Man nimmt an, daß die Felsentaube wenigstens zweimal jährlich nistet, und weiß mit Bestimmtheit, daß der Feldflüchter im Laufe des Sommers mindestens drei Bruten macht. Mit Beginn des Frühlings ruckst der Tauber sehr eifrig, zeigt sich andern gegenüber zänkisch und erkämpft sich, nicht ohne Mühe, sein Weibchen, dem er die größte Zärtlichkeit bekundet. »Ein einmal verbundenes Paar« sagt Naumann, »trennt sich im Leben nicht wieder und ist auch außer der Fortpflanzung immer beisammen. Ausnahmen hiervon sind selten. Sobald der Tauber einen Ort für das Nest gewählt hat, setzt er sich da fest und heult, den Kopf auf den Boden niedergelegt, bis die Täubin kommt. Diese läuft gewöhnlich mit ausgebreitetem und aufstreichendem Schwanze auf ihn zu, beginnt mit ihm zu tändeln und krabbelt ihn ganz behutsam zwischen den Kopffedern. Der Tauber reibt dagegen seinen Kopf zum öfteren auf seinen Rückenfedern. Beide fangen an sich zu schnäbeln, wobei sie sehr zärtlich tun, und nunmehr erst erfolgt die Begattung. Wenn sie vollzogen, schreiten sie mit stolzem Anstand einher, fliegen auch wohl, mit den Flügeln klatschend und in der Luft spielend, ein wenig in die Höhe und ordnen und putzen nun stillschweigend ihr Gefieder wieder. Sowie die Täubin alle dem Betreten vorhergegangenen Bewegungen zärtlich erwidert, so geschieht es nicht selten, daß sie, nachdem sie betreten worden, auch den Tauber betritt. Nach einigen Tagen, an denen die Begattung öfters vollzogen wurde, treibt der Tauber seine Gattin vor sich her zum Nistplatz, wo der Bau beginnen soll, fliegt nach Baustoffen aus, trägt sie im Schnabel herbei, und die Täubin baut damit das Nest. Dieses ist ein flacher, in der Mitte wenig vertiefter, ohne alle Kunst zusammengelegter Haufen trockener Reiser, Pflanzenstengel, Stroh und dürrer Halme. Bis zum Legen des ersten Eies vergehen nun noch mehrere Tage, während der das Weibchen öfters vom Männchen betreten und endlich zum Nest getrieben wird.« Die zwei Eier haben längliche Gestalt und sind glattschalig, glänzend und reinweiß. Beide Geschlechter brüten, die Täubin von drei Uhr nachmittags bis zehn Uhr vormittags ununterbrochen, der Tauber nur in den wenigen Stunden, die dazwischen liegen. Nachts schläft er in unmittelbarer Nähe des Nestes und duldet nicht, daß eine andere Taube sich nähert. Nach sechzehn bis achtzehn Tagen sind die Eier gezeitigt, und die äußerst unbehilflichen, blinden Jungen schlüpfen in einem Zwischenraum von vierundzwanzig bis sechsunddreißig Stunden nacheinander aus. In der ersten Zeit werden sie von beiden Eltern mit dem Futterbrei gefüttert, der sich im Kropf bildet; später erhalten sie erweichte, endlich härtere Sämereien, nebst Steinchen und Lehmstücken. Sie sind nach vier Wochen erwachsen, schwärmen mit den Alten aus, machen sich in wenigen Tagen selbstständig, und die Eltern schreiten nun zur zweiten Brut.

Die Felsen- und die Feldtauben haben dieselben Feinde wie andere Arten ihrer Ordnung, die letztgenannten selbstverständlich mehr als die wild lebenden, weil diese ihre Feinde nicht nur besser kennen, sondern ihnen auch leichter entrinnen. Bei uns zulande sind Marder, Wanderfalken und Habichte die schlimmsten Feinde der Tauben, im Süden werden jene durch Verwandte vollständig vertreten. Vor Raubvögeln fürchten sich die Tauben so, daß sie zuweilen zu sonderbaren Mitteln ihre Zuflucht nehmen. So sahen Naumann und Eugen von Homeyer Feldflüchter, vom Wanderfalken verfolgt, sich in einen Teich, sogar in die See stürzen, untertauchen und an einer ganz andern, weit entfernten Stelle wieder auftauchen und weiterfliegen. Daß sich Tauben oft in das Innere der Häuser flüchten und dabei Fensterscheiben zerbrechen, ist bekannt.

Wilde Felsentauben, die jung aus dem Nest genommen werden, betragen sich genau wie Feldflüchter, befreunden sich mit den Menschen, bekunden jedoch niemals jene hingebende Untertänigkeit, die die Farben- und Rassetauben an den Tag zu legen pflegen.

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Die hochberühmte Wandertaube ( Ectopistes migratorius), Vertreter einer gleichnamigen Sippe ( Ectopistes), ist kräftig gebaut, langhälsig und kleinköpfig, ihr Schnabel mittellang. Die allgemeine Färbung ist schieferblau, die der Unterseite rötlichgrau; die Halsseiten sind purpurviolett, wie gewöhnlich schillernd, der Bauch und die Afterdecken weiß, die Schwingen schwärzlich, weiß gesäumt, die mittleren Steuerfedern schwarz, die seitlichen lichtgrau, an der Wurzel der Innenfahne mit einem braunroten und einem schwarzen Fleck gezeichnet. Das Auge ist glänzend rot, der Schnabel schwarz, der Fuß blutrot. Beim etwas kleineren Weibchen herrscht Aschgraubraun, auf dem Rücken und Bürzel Weißlichgrau vor; die mittleren Schwanzdeckfedern sind rotbraun. Die Länge beträgt beim Männchen zweiundvierzig, beim Weibchen neununddreißig, die Breite fünfundsechzig und sechzig, die Fittich- und Schwanzlänge je einundzwanzig Zentimeter.

Von der Hudsonsbai an bis zum Golf von Mexiko und von den Felsgebirgen an bis zur östlichen Küste findet sich die Wandertaube, die sich auch einige Male nach England verflogen haben soll, in allen Staaten Nordamerikas, aber keineswegs überall in gleicher Menge. In den östlicheren Staaten scheint sie, wie Gerhardt sagt, in größeren Massen aufzutreten, »und daher schreiben sich auch die von den glaubwürdigsten Beobachtern ausgehenden Beschreibungen ihrer Sitten und Gewohnheiten, die im Auge manches Europäers ins Reich der Fabel zu gehören scheinen, weil er vernehmen muß, daß in Nordamerika die Züge wilder Tauben die Sonne verfinstern, meilengroße Wälder durch ihren scharfen Kot verderben und starke Aste unter ihrer Last niederbrechen, einer zahlreichen Menschenmenge nebst ihren Schweinen und einer Unzahl von Raubtieren wochenlang Nahrung bieten und in Wald und Feld wirklich furchtbaren Schaden tun können.« Alle Schilderungen des Auftretens dieser Taube aber sind wahr, erreichen nicht einmal die Wirklichkeit. Heute ist auch diese Taube recht selten geworden. Brehms Schilderungen über ihr massenhaftes Auftreten haben daher nur noch den Wert von Natururkunden aus vergangenen Tagen. Herausgeber.

»Die Wandertaube, die in Amerika Wildtaube genannt wird«, sagt Audubon, »bewegt sich mit außerordentlicher Schnelligkeit und treibt sich mittels rasch wiederholter Flügelschläge durch die Luft. Sie fliegt oft im Kreise umher, mit beiden im Winkel erhobenen Flügeln sich in der Schwebe erhallend, bis sie sich niederläßt. Dann stößt sie die Spitzen der Vorderschwingen an einander und veranlaßt dadurch ein bis aus dreißig oder vierzig Meter vernehmbares Geräusch. Bevor sie sich setzt, bricht sie die Kraft des Fluges durch wiederholte Flügelschläge, um zum ruhigen Erfassen eines Zweiges oder zum Fußen auf dem Boden gelangen zu können.

Ich habe mit der Schilderung des Fluges begonnen; denn er ist es, der die Gewohnheiten dieser Tiere bestimmt. Ihre Wanderungen geschehen ausschließlich der Nahrung halber, nicht, um der Winterstrenge nördlicher Breiten zu entrinnen oder um einen passenden Platz zum Brüten zu suchen. Demgemäß nehmen sie nirgends festen Stand, sondern siedeln sich da an, wo sie Futter finden, verweilen unier Umständen jahrelang, wo man sie sonst nie bemerkte, verschwinden plötzlich und kehren erst nach Jahren wieder zurück. Ihre außerordentliche Flugkraft setzt sie in den Stand, Erstaunliches zu leisten. Dies ist erprobt worden durch in Amerika wohlbekannte Tatsachen. Man tötete in der Umgebung New Yorks Wandertauben, deren Kropf mit Reis gefüllt war, den sie doch nur in den Feldern Georgias und Carolinas verzehrt haben konnten. Da ihre Verdauung so rasch vor sich geht, daß das eingenommene Futter in zwölf Stunden völlig zersetzt ist, mußte man schließen, daß sie zwischen drei- und vierhundert (englische) Meilen binnen sechs Stunden oder die Meile in einer Minute zurückgelegt hatten. Hiernach könnten sie bei gleicher Geschwindigkeit in weniger als drei Tagen nach Europa gelangen. Diese Flugkraft wird unterstützt durch große Sinnesschärfe, die sie befähigt, bei ihren raschen Flügen das Land unter sich abzusuchen und ihr Futter mit Leichtigkeit zu entdecken. Ich habe beobachtet, daß sie, über eine unfruchtbare Gegend ziehend, in hoher Luft dahinstrichen, während sie da, wo die Gegend waldig und nahrungsversprechend war, sich oft herniedersenkten.«

»Auf meinem Wege nach Frankfort«, erzählt Wilson, »durchstrich ich die Wälder, über denen ich in den Morgenstunden viele Tauben nach Osten hatte fliegen sehen. Gegen ein Uhr mittags begannen sie zurückzukehren, und zwar in solchen ungeheuren Scharen, daß ich mich nicht erinnern konnte, zuvor so viele auf einmal gesehen zu haben. Eine Lichtung in der Nähe der Bersoebucht gewährte mir freie Aussicht, und hier setzte mich das, was ich sah, vollends in Erstaunen. Die Tauben flogen mit großer Stetigkeit und Schnelligkeit ungefähr in der Höhe eines Büchsenschusses über mir, mehrere Schichten dick und so eng nebeneinander, daß, wenn ein Flintenschuß sie hätte erreichen können, eine einzige Ladung mehrere von ihnen gefällt haben würde. Von der Rechten zur Linken, soweit das Auge reichte, erstreckte sich dieser unermeßliche Zug in die Breite und Länge, und überall schien er gleich gedrängt und gleich dicht zu sein. Neugierig, zu erfahren, wie lange das Schauspiel währen würde, zog ich meine Uhr, um die Zeit zu bestimmen, und setzte mich nieder, um die vorüberziehenden Taubenscharen zu beobachten. Es war ein Viertel nach ein Uhr, und ich saß von nun an mehr als eine Stunde, aber statt daß ich eine Verminderung des Zuges wahrnehmen konnte, schien er zu wachsen an Anzahl und zuzunehmen an Schnelligkeit, und ich mußte endlich, um Frankfort noch zu erreichen, meinen Weg fortsetzen. Gegen vier Uhr nachmittags kreuzte ich den Kentuckyfluß bei der Stadt Frankfurt; der lebendige Strom über meinem Haupte schien aber noch immer ebenso zahlreich, noch ebenso breit zu sein als je zuvor. Lange nachher gewahrte ich die Tauben noch in großen Abteilungen, die sechs oder acht Minuten brauchten, ehe sie vorüber waren, und diesen folgten wiederum andere Scharen, in derselben Richtung nach Südosten fliegend, bis nach sechs Uhr des Abends. Die größte Breite des Zuges ließ auf eine entsprechende Breite ihres Brutplatzes schließen.«

»Im Herbst 1813«, berichtet Audubon, »als ich einige Meilen unter Hardensburgh am Ohio über die dürren Ebenen ging, bemerkte ich einen Zug Wandertauben, der von Nordost nach Südwest eilte. Da mir ihre Anzahl größer erschien, als ich sie jemals vorher gesehen hatte, kam mir die Lust an, die Züge, die innerhalb einer Stunde im Bereich meines Auges vorüberflogen, zu zählen. Ich stieg deshalb ab, setzte mich auf eine Erhöhung und machte mit meinem Bleistift für jeden vorübergehenden Zug einen Tupfen aufs Papier. In kurzer Zeit fand ich, daß das Unternehmen nicht auszuführen war; denn die Vögel erschienen in unzählbarer Menge. Ich erhob mich also, zählte die Tupfen und fand, daß ich in einundzwanzig Minuten deren einhundertdreiundsechzig gemacht hatte. Ich setzte meinen Weg fort; aber die Massen vermehrten sich immer stärker. Die Luft war buchstäblich mit Tauben erfüllt und die Nachmittagssonne durch sie verdunkelt wie bei einer Mondfinsternis. Der Unrat fiel in Massen wie Schneeflocken herab, und das Geräusch der Flügelschläge übte eine einschläfernde Wirkung auf meine Sinne. Während ich in Youngs Wirtschaft am Zusammenfluß des Saliriver mit dem Ohio auf mein Mittagessen wartete, sah ich noch unermeßliche Legionen vorüberziehen, in einer Breite, die sich vom Ohio bis zu den in der Ferne sichtbaren Waldungen erstreckte. Nicht eine einzige dieser Tauben ließ sich nieder; aber in der ganzen Umgegend gab es auch keine Nuß oder Eichel. Demgemäß flogen sie so hoch, daß verschiedene Versuche, sie mit meiner vortrefflichen Büchse zu erreichen, vergeblich waren; die Schüsse störten sie nicht einmal. Unmöglich ist es, die Schönheit ihrer Luftschwenkungen zu beschreiben, wenn ein Falke versuchte, eine aus dem Haufen zu schlagen. Mit einem Male stürzten sie sich dann unter Donnergeräusch, in eine feste Masse zusammengepackt, wie ein lebendiger Strom hernieder, drängten dicht geschlossen in welligen und scharfwinkeligen Linien vorwärts, fielen bis zum Boden herab und strichen über demselben in unvergleichlicher Schnelle dahin, stiegen dann senkrecht empor, einer mächtigen Säule vergleichbar, und entwickelten sich, nachdem sie die Höhe wieder erreicht, zu einer Linie, gleich den Gewinden einer ungeheuren, riesigen Schlange. Vor Sonnenuntergang erreichte ich Louisville, das von Hardensburgh fünfundfünfzig Meilen entfernt ist. Die Tauben zogen noch immer in unveränderter Anzahl dahin, und so ging es drei Tage ununterbrochen fort.

Es war höchst anziehend, zu sehen, daß ein Schwarm nach dem andern genau dieselben Schwenkungen ausführte wie der vorhergehende. Wenn z. B. ein Raubvogel an einer gewissen Stelle unter einen solchen Zug gestoßen hatte, beschrieb der folgende an derselben Stelle die gleichen Winkelzüge, Krümmungen und Wellenlinien, die der angegriffene Zug in seinem Bestreben, der gefürchteten Klaue des Räubers zu entrinnen, durchflogen hatte. Der Mensch, der derartige Schwenkungen zu beobachten wünscht, braucht nur, wenn er einen derartigen Austritt gesehen, auf derselben Stelle zu verweilen, bis der nächste Zug ankommt.

Das ganze Volk war in Waffen. An den Ufern des Ohio wimmelten Männer und Knaben durcheinander und schossen ohne Unterlaß unter die fremden Gäste, die hier, als sie den Fluß kreuzen wollten, niedriger flogen. Massen von ihnen wurden vernichtet, eine Woche und länger genoß die Bevölkerung nichts als das Fleisch oder das Fett der Tauben, und es war von nichts als von Wildtauben die Rede. Die Luft war währenddem gesättigt von der Ausdünstung, die dieser Art eigen ist.

Vielleicht ist es nicht unnütz, eine Schätzung aufzustellen von der Anzahl der Tauben, die ein solcher Schwarm enthält, und von der Menge dir Nahrung, die er vertilgt. Nimmt man an, daß der Zug eine Meile breit ist – was durchaus nicht übertrieben genannt werden darf – und daß er bei der angegebenen Schnelligkeit ununterbrochen drei Stunden währt, so erhält man ein Parallelogramm von einhundertundachtzig englischen Geviertmeilen. Rechnet man nun nur zwei Tauben auf den Geviertmeter, so ergibt sich, daß der Zug aus einer Billion einhundertundfünfzehn Millionen einhundertsechsunddreißigtausend Stück Wandertauben besteht. Da nun jede Taube täglich ein halbes Pint an Nahrung bedarf, braucht der ganze Zug eine Menge von acht Millionen siebenhundertundzwölftaufend Bushels täglich.« Wilson stellt eine ähnliche Rechnung auf und gelangt zu dem Ergebnis, daß ein Schwarm über zwei Billionen Tauben enthält und täglich siebzehn Millionen vierhundertvierundzwanzigtausend Bushels Körnerfutter bedarf.

»Sobald die Tauben«, fährt Audubon fort, »Nahrung entdecken, beginnen sie zu kreisen, um das Land zu untersuchen. Während ihrer Schwenkungen gewährt die dichte Masse einen Prachtvollen Anblick. Je nachdem sie ihre Richtung wechseln und die obere oder untere Seite dem Beobachter zukehren, erscheinen sie bald blau, bald purpurn. So ziehen sie niedrig über den Wäldern dahin, verschwinden zeitweilig im Laubwerk, erheben sich wieder und streichen in höheren Schichten fort. Endlich lassen sie sich nieder; aber im nächsten Augenblick erheben sie sich, plötzlich erschreckt, unter donnerähnlichem Dröhnen und vergewissern sich fliegend über die vermeintliche Gefahr. Der Hunger bringt sie jedoch bald wieder auf den Boden herab. Sobald sie gefußt haben, sieht man sie emsig die welken Blätter durchstöbern, um nach der zum Boden gefallenen Eichelmast zu suchen. Unablässig erheben sich einzelne Züge, streichen über die Hauptmasse dahin und lassen sich wieder nieder; dies geschieht aber in so rascher Folge, daß der ganze Zug beständig zu fliegen scheint. Die Nahrungsmenge, die vom Boden aufgesucht wird, ist erstaunlich groß; aber das Aufsuchen geschieht so vollkommen, daß eine Nachlese vergebliche Arbeit sein würde. Während sie fressen, sind sie zuweilen so gierig, daß sie beim Verschlucken einer Nuß oder Eichel keuchen, als ob sie ersticken müßten. Ungefähr um die Mitte des Tages, nachdem sie sich gesättigt haben, lassen sie sich auf den Bäumen nieder, um zu ruhen und zu verdauen. Auf den Zweigen laufen sie gemächlich hin und her, breiten ihren schönen Schwanz und bewegen den Hals vor- und rückwärts in sehr anmutiger Weise. Wenn die Sonne niedersinkt, fliegen sie massenhaft den Schlafplätzen zu, die gar nicht selten hunderte von Meilen von den Futterplätzen entfernt liegen.

Betrachten wir nun einen dieser Schlafplätze, meinetwegen den an dem Grünen Flusse in Kentucky, den ich wiederholt besucht habe. Er befand sich in einem hochbestandenen Walde, der nur wenig Unterwuchs hatte. Ich ritt vierzig Meilen in ihm dahin und fand, da ich ihn an verschiedenen Stellen kreuzte, daß er mehr als drei Meilen breit war. Als ich ihn das erstemal besuchte, war er ungefähr vor vierzehn Tagen in Besitz genommen worden. Zwei Stunden vor Sonnenuntergang kam ich an. Wenige Tauben waren zu sehen; aber viele Leute mit Pferden und Wagen, Gewehren und Schießvorrat hatten sich rings an den Rändern aufgestellt. Zwei Landwirte hatten über dreihundert Schweine mehr als hundert Meilen weit hergetrieben, in der Absicht, sie mit Taubenfleisch zu mästen. Überall sah man Leute beschäftigt, Tauben einzusalzen, und allerorten lagen Haufen von erlegten Vögeln. Der herabgefallene Mist bedeckte den Boden mehrere Zentimeter hoch, in der ganzen Ausdehnung des Schlafplatzes, so dicht wie Schnee. Viele Bäume, deren Stämme etwa sechzig Zentimeter im Durchmesser hatten, waren niedrig über dem Boden abgebrochen, und die Äste der größten und stärksten herabgestürzt, als ob ein Wirbelsturm im Walde gewütet hätte. Alle Anzeichen deuteten daraus hin, daß die Anzahl der Vögel, die hier gehaust hatten, eine über alle Begriffe große sein mußte. Als der Zeitpunkt des Eintreffens der Tauben herannahte, bereiteten sich deren Feinde fast ängstlich auf ihren Empfang vor. Viele erschienen mit eisernen Töpfen, die Schwefel enthielten, andere mit Kienfackeln, wieder andere mit Pfählen, die übrigen mit Gewehren. Die Sonne war unsern Blicken entschwunden, und noch nicht eine einzige Taube war erschienen; aber alles stand bereit, und aller Augen schauten auf zum klaren Himmel, der zwischen den hohen Bäumen hindurchschimmerte. Plötzlich vernahm man den allgemeinen Schrei: ›Sie kommen‹. Und sie kamen, obgleich noch entfernt, so doch mit einem Dröhnen, das an einen durch das Takelwerk brausenden Schneesturm erinnerte. Als sie wirklich da waren, und der Zug über mir wegging, verspürte ich einen heftigen Luftzug.

Tausende von Tauben wurden rasch von den Pfahlmännern zu Boden geschlagen; aber ununterbrochen stürzten andere herbei. Jetzt wurden die Feuer entzündet, und ein großartiges, ebenso wundervolles wie entsetzliches Schauspiel bot sich den Blicken. Die Tauben, die zu Tausenden ankamen, ließen sich allerorten nieder, bis um die Äste und Zweige der Bäume sich feste Massen gebildet hatten. Hier und da brachen die Äste unter ihrer Last, stürzten krachend nieder und vernichteten hunderte der darunter sitzenden Vögel, ganze Klumpen von ihnen zu Boden reißend. Es war ein Auftritt der Verwirrung und des Aufruhrs. Ich fand es gänzlich unnütz, zu sprechen oder auch den mir zunächst Stehenden zuzuschreien. Bemerkte man doch selbst das Abbrennen der Gewehre meist nur an dem Blitz des Pulvers!

Niemand durfte wagen, sich auf den Schauplatz der Verheerung zu begeben. Die Schweine waren in einen Pferch gebracht worden; denn ihr Geschäft, die Toten und Verwundeten aufzulesen, sollte erst am nächsten Morgen beginnen. Schon war es Mitternacht, und noch fortwährend kamen die Tauben, noch immer zeigte sich keine Abnahme. Der Aufruhr währte die ganze Nacht hindurch fort. Ich war begierig zu erfahren, auf wie weit hin man den Lärm vernehmen könne, und sandte deshalb einen Mann ab, dies zu erforschen. Er kehrte mit der Nachricht zurück, daß er drei Meilen vom Ort noch alles deutlich gehört habe. Erst gegen Tagesanbruch legte sich das Geräusch einigermaßen. Lange bevor man einen Gegenstand unterscheiden konnte, begannen die Tauben bereits wegzuziehen und zwar in einer ganz andern Richtung, als sie gekommen waren. Bei Sonnenaufgang waren alle verschwunden, die noch fliegen konnten. Nun vernahm man das Heulen der Wölfe, der Füchse, der Luchse, des Kuguars, der Bären, Waschbären und Beuteltiere, die unten umherschnüffelten, während Adler und eine Menge von Geiern sich einfanden, um mit jenen die Beute zu teilen. Jetzt begannen auch die Urheber der Niederlagen die toten, sterbenden und verstümmelten Tauben aufzulesen. Sie wurden auf Haufen geworfen, bis jeder so viele hatte, als er wünschte; dann ließ man die Schweine los, um den Rest zu vertilgen.«

Genau dieselbe Schlächterei findet auf den Brutplätzen der Wandertaube statt. »Das Brutgeschäft der Wildtaube«, erzählt Audubon ferner, »und die Plätze, die zu diesem Zweck gewählt werden, sind der Beachtung wert. Die Fortpflanzung hängt nicht gerade von der Jahreszeit ab; aber der gewählte Platz ist immer ein solcher, der leicht zu erlangende Nahrung im Überfluß enthält und in passender Nähe von Wasser liegt. Waldbäume von großer Höhe tragen die Nester. Zu dieser Zeit ruckst die Wandertaube sanft, aber doch stärker als unsere Haustaube, wie ›Kuh kuh kuh‹, während sie sonst nur die Silben ›Ki ki ki‹ auszustoßen pflegt. Der Tauber folgt mit stolzem Anstand, ausgebreitetem Schwanz und hängenden Flügeln, die er unten zu schleifen pflegt, dem Weibchen, entweder auf dem Boden oder auf den Zweigen. Der Leib wird aufrecht gehalten, der Kropf vorgedrückt. Die Augen blitzen, er ruckst, hebt dann und wann seine Flügel, fliegt einige Meter weit vorwärts, kehrt zur Täubin zurück, schnäbelt sich liebkosend mit dieser und füttert sie aus seinem Kropf. Nach solchem Vorspiel beginnen beide den Bau ihres Nestes. Dasselbe besteht aus wenigen dürren Zweigen, die auf einer Astgabel durcheinander gelegt werden. Auf einem und demselben Baum sieht man oft fünfzig bis hundert Nester beisammen; ich würde sagen, noch mehr, fürchtete ich nicht, daß man die wunderbare Geschichte dieser Taube für märchenhaft halten möchte. Die zwei Eier sind rundlich, etwa fünfunddreißig Millimeter lang, fünfundzwanzig Millimeter dick und reinweiß. Während das Weibchen brütet, ernährt es das Männchen, erweist ihm überhaupt wahrhaft rührende Zärtlichkeit und Zuneigung. Es verdient bemerkt zu werden, daß die Jungen regelmäßig ein Pärchen sind. Die Alten füttern ihre Sprossen, bis diese sich selbst ernähren können; dann verlassen sie die Eltern und bilden bis zu ihrer Reife gesonderte Schwärme. Nach sechs Monaten sind sie fortpflanzungsfähig.«

Wilson schildert den Brutplatz ausführlicher. »Wenn die brütenden Wandertauben einen Wald länger im Besitz gehabt haben, bietet er einen überraschenden Anblick dar. Der Boden ist mit Mist bedeckt, alles weiche Gras und Buschholz zerstört. Massen von Ästen liegen unten wirr durcheinander, und die Bäume selbst sind in einer Strecke von mehr als tausend Acker so völlig kahl, als ob sie mit der Axt behandelt worden wären. Die Spuren einer solchen Verwüstung bleiben jahrelang sichtbar, und man stößt auf viele Stellen, wo in mehreren nachfolgenden Jahren keine Pflanze zum Vorschein kommt. Die Indianer betrachten solchen Brutplatz als eine wichtige Quelle für ihren Wohlstand und Lebensunterhalt. Sobald die Jungen völlig ausgewachsen sind, erscheinen die Bewohner der umliegenden Gegenden mit Wagen, Betten und Kochgerätschaften, viele vom größten Teil ihrer Familie begleitet, und bringen mehrere Tage auf dem Brutplatz zu. Augenzeugen erzählten mir, das Geräusch in den Wäldern sei so arg gewesen, daß die Pferde scheu geworden wären und keiner dem andern, ohne ihm ins Ohr zu schreien, sich verständlich hätte machen können. Der Boden war bedeckt mit zerbrochenen Asten, herabgestürzten Eiern und Jungen, von denen Herden von Schweinen sich mästeten. Habichte, Falken und Adler kreisten scharenweise in hoher Luft und holten sich nach Belieben junge Tauben aus den Nestern; das Auge sah nichts als eine ununterbrochene, sich tummelnde, drängende, durcheinander flatternde Taubenmasse; das Rauschen der Fittiche glich dem Rollen des Donners. Dazwischen vernahm man das Prasseln der stürzenden Bäume; denn die Holzschläger beschäftigen sich jetzt damit, diejenigen umzuhauen, die am dichtesten mit Nestern bedeckt waren.«

Man sollte glauben, daß die Tauben durch derartige Anstalten vertilgt werden müßten. »Ich habe mich aber«, bemerkt Audubon, »durch jahrelange Beobachtungen überzeugt, daß sie nichts anderes als die Rodung der Wälder zu vermindern vermag.« Im Jahre 1805 kamen in New York Schooner an, die mit Wandertauben beladen waren. Das Stück wurde zu einem Cent verkauft. Ein Mann in Pennsylvanien fing, wie Audubon uns mitteilt, in seinem Schlaggarne an einem Tage fünfhundert Dutzend und zog zuweilen zwanzig Dutzenden von ihnen das Netz mit einem Male über den Kopf. Noch im Jahre 1830 gelangten sie so häufig auf den Markt zu New Jork, daß man sie überall massenweise sah.

In der Gefangenschaft hält die Wandertaube bei geeigneter Pflege jahrelang aus, pflanzt sich auch ohne Umstände fort.

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Unsere Turteltaube oder Turtel ( Turtur vulgaris), das Urbild der Sippe gleichen Namens ( Turtur), kennzeichnet sich durch schlanke Gestalt, geraden, eingezogenen und etwas erhöhten Schnabel und länglichen, deutlich abgerundeten Schwanz. Die Federn der Oberseite sind rostbraungrau, braun gerandet, in der Mitte schwarz und aschgrau gefleckt, Scheitel und Hinterhals graulich himmelblau, die Halsseiten durch vier schwarze, silberfarben gesäumte Querstreifen gezeichnet, Vorderhals, Kropf und die Oberbrust weinrot, die übrigen Unterteile bläulich rotgrau, nach und nach in Grauweiß übergehend, die Handschwingen schwarzgrau, die Armschwingen aschblau überflogen, die Schulterfedern schwärzlich, breit rostrot gekantet. Das Auge ist bräunlichgelb, der Augenring bläulichrot, der Schnabel schwarz, der Fuß karminrot. Die Länge beträgt dreißig, die Breite zweiundfünfzig, die Fittichlänge achtzehn, die Schwanzlänge zwölf Zentimeter.

Die Turteltaube ist über einen großen Teil Europas und Asiens verbreitet und durchwandert im Laufe des Winters weite Strecken in südlicher Richtung. Bei uns zulande findet sie sich stellenweise und hier und da nicht selten; aber schon im Norden Deutschlands fehlt sie in vielen Gegenden gänzlich, und in Skandinavien kommt sie nur noch in den südlichsten Provinzen vor, obwohl sich einzelne bis nach Lappland verflogen haben. Um so häufiger tritt sie in Südeuropa, Nordwestasien und Nordwestafrika auf, während sie den Nordosten des letztgenannten Erdteiles nur gelegentlich ihrer Winterreise berührt. In Spanien begegnet man ihr in manchen Gegenden sehr häufig, in anderen selten und in einzelnen gar nicht; in Griechenland kommt sie zahlreich vor; in Südrußland, Kleinasien und Palästina ist sie stellenweise, in Persien allerorten gemein. Die Kanarischen Inseln bewohnt sie in Menge. »Von ihr«, sagt Bolle, »wimmeln die einsamen südlichen Täler Kanarias. Sie ist es, die mehr als jeder andere Vogel mit ihrem klangvollen Rucksen und Girren die blumenreiche Wildnis jener endlosen Schluchten belebt, in denen meilenweit schneeweißes, duftendes Gestrüpp die Abhänge bekleidet, während im Talwege selbst höheres Buschwerk wachst. Auf jedem Ast, auf jedem Steinblock fast sitzt die Turteltaube. Furchtlos schaut sie den Reiter mit ihrem großen, seelenvollen Auge an oder läuft emsig, ohne aufzufliegen, auf dem Wege, den er verfolgt, vor ihm her.« Auf den dürren, griechischen Ebenen begegnet man ihr in ähnlicher Anzahl; doch ist die Menge der Bruttauben in keinen Vergleich zu stellen mit den ungeheuren Scharen, die auf ihrem Durchzug die Felder bedecken. Im Frühjahr sind manche Fluren buchstäblich mit Turteltauben besät, und ein geschickter Jäger kann ein halbes Hundert von ihnen an einem Tage erlegen. Später sieht man sie in Ägypten und Nubien an geeigneten Orten nicht selten, soweit ich in Erfahrung brachte, aber niemals in erheblichen Scharen.

Bei uns zulande trifft sie Anfang April ein, verweilt bis zum August auf ihrem Brutplatz, streicht dann umher und verläßt uns im September wieder. »Daß man sie in manchen Jahren häufiger als in andern antrifft«, sagt mein Vater, »rührt teils von dem mehr oder weniger häufigen Fichtensamen, teils von den größeren oder geringeren Niederlagen her, die sie auf ihren Wanderungen erleiden.« Ich glaube, daß das erstere richtig ist, die Niederlagen aber kaum in Betracht gezogen werden dürften, da die starke Vermehrung dieser Taube derartige Verluste wieder ausgleicht. Auch Liebe zählt sie zu den Zigeunervögeln, die in einzelnen Jahren in namhafter, in andern nur in spärlicher Anzahl auftreten, je nachdem der Nadelholzsamen geraten ist oder nicht. In der Umgegend von Berlin begegnet man ihr übrigens auf feuchten, mit einzelnen Birken bestandenen Wiesen viel öfter als im Nadelwalde. Auch sie nimmt nicht ab, eher zu.

»Die Turteltaube«, fährt mein Vater fort, »ist nicht nur ein schön gezeichneter, sondern auch in seinem ganzen Wesen liebenswürdiger Vogel, so daß man sich nicht wundern darf, wenn sie von Dichtern und Liebenden hochgeachtet wird. Schon ihre Schönheit nimmt für sie ein. Ihre sanften Farben gehen ansprechend ineinander über und stehen so geschmackvoll nebeneinander, daß man sie mit Vergnügen ansieht.« Auch ihr Wesen ist anmutend, obgleich man nicht verkennen darf, daß sie über Gebühr gerühmt worden ist. Ihre zierlichen Bewegungen, ihr Anstand und das sanfte Girren bestechen den Beobachter, und wenn dieser vollends von der Zärtlichkeit Zeuge wird, mit der das Männchen sein Weibchen behandelt, glaubt er berechtigt zu sein, diesen Vogel als den liebenswürdigsten von allen zu bezeichnen. Das ist nicht ganz richtig; denn auch die Turteltaube hat ihre schwachen Seiten, und ihre Zärtlichkeit ist nicht größer als bei vielen andern Vögeln, ihre Treue vielleicht geringer. Sie geht gut und trägt sich schmuck und schön, fliegt vortrefflich, ungemein schnell, leicht und gewandt, auch ziemlich geräuschlos, und versteht mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit alle möglichen Schwenkungen auszuführen. Von einem Raubvogel verfolgt, schießt sie in einer unbegreiflichen Weise zwischen den dichtesten Baumzweigen hindurch, ohne durch sie behindert zu werden, während der fluggeübte Räuber dadurch regelmäßig so belästigt wird, daß er von ihr abstehen muß. Die sehr sanfte und angenehme Stimme wird durch den deutschen und noch mehr den lateinischen Namen der Taube wiedergegeben. Das Girren ist streng genommen ein hohes, eintöniges Knurren, das wie »Tur tur« klingt und oft wiederholt wird; aber dieses »Tur tur« ist so klangvoll, daß es jedermann erfreut. Der girrende Tauber auf der Spitze einer Fichte, Kiefer, Tanne, Birke oder im Süden auf der eines beliebigen Busches, auch wohl auf einem dürren Wipfel oder dem vorstehenden Ast eines höheren Baumes, bläst den Hals auf und senkt Kopf und Schnabel etwas nach unten. Steht man ihm sehr nahe, so hört man, daß zwischen das Girren ein leises Klappen eingeschoben wird, das eine Folge des raschen Einatmens sein mag. Das Girren ist eben auch nur ein Liebesgesang des Taubers, und dieser läßt es daher hauptsächlich während seiner Liebesbegeisterung vor der Paarung hören. Er beginnt schon vor Sonnenaufgang, fährt damit fort, bis der Magen ans Futtersuchen mahnt, läßt sich in den Vormittagsstunden nochmals vernehmen und girrt gegen Abend wieder stärker. Wind und rauhes Wetter bringen ihn zum Schweigen; an schönen Morgen aber girrt er halbe Stunden lang fast ununterbrochen. Ist ein Gebiet reich an diesen Tauben, so wetteifern die Männchen miteinander, und dann beleben sie allerdings den Wald in höchst ansprechender Weise. Während der eigentlichen Paarungszeit steigt das Männchen nach dem Girren in schiefer Richtung nach oben, klatscht dabei mit den Flügeln, senkt sich langsam hernieder und kehrt meist zu demselben Ort zurück; hierauf beginnt das Girren von neuem, anhaltender als je. Der hitzige Tauber nähert sich dabei liebkosend der Taube, die Liebkosung wird erwidert, und die Begattung beschließt das Spiel. Solange die Brutzeit dauert, halten beide Gatten eines Paares treu zusammen.

Sämereien der verschiedensten Pflanzen, insbesondere Fichten-, Kiefer-, Tannen-, Birken-, Erlen-, Mohn- und im Herbst Wolfsmilchsamen bilden die Nahrung der Turteltaube; nebenbei werden auch kleine Schnecken mit ausgenommen. Den Feldern nützt sie durch Aufzehren der Unkrautsamen; der Schaden, den sie durch Aufnehmen von Hanf, Lein, Hirse, Raps oder Rübsen, Erbsen, Linsen und Wicken verursacht, kommt nicht in Betracht. Elf Uhr vormittags und gegen Abend fliegt sie zur Tränke und zwar, da sie gutes Quellwasser bevorzugt, oft Viertelmeilen weit.

Die Fortpflanzung beginnt bald nach der Ankunft im April, spätestens im Mai, und währt bis zum August; denn auch die Turteltaube brütet unter günstigen Umständen mehrmals im Jahre. Das Nest, ein erbärmlicher Bau, wird von beiden Gatten gemeinschaftlich in geringer Höhe auf Laub- oder Nadelbäumen errichtet, ohne jede Kunst aus dürren Reisern, Heidekraut, Würzelchen zusammengefügt, ist platt, da, wo die Eier liegen, etwas vertieft, im ganzen aber so liederlich gearbeitet, daß man die beiden Eier und die brütende Taube von unten deutlich erkennen kann. Doch schützt es sein Standort so ziemlich gegen die verheerenden Wirkungen des Sturmes, der es, stünde es freier, unzweifelhaft herunterwerfen würde. Die Eier, deren Längsdurchmesser neunundzwanzig und deren Querdurchmesser dreiundzwanzig Millimeter beträgt, werden wechselweise bebrütet und warm geliebt, die Jungen selbst bei augenscheinlicher Lebensgefahr nicht verlassen. Ihre Ernährung geschieht in derselben Weise wie bei andern Tauben. Sie lassen sich ohne jegliche Mühe großziehen und werden, wenn man sich mit ihnen beschäftigt, bald sehr zahm. »Die gezähmte Turteltaube«, sagt mein Vater mit vollem Recht, »ist ein allerliebster Vogel; nicht nur ihre Schönheit, sondern auch ihr angenehmes Weser; und das sanfte Girren des Taubers sichern ihr den Vorzug vor allen ähnlichen Vögeln. Sie schreitet leicht zur Paarung und Fortpflanzung. Ich habe ein Paar in einem engen Gitter gesehen, das hier baute und brütete, auch selbst mehrere gehabt, die Brot, Weizen und Fichtensamen aus der Hand fraßen.« Eine, die von Schlechtendal pflegte, lebte über vierzehn Jahre in Gefangenschaft, kannte alle ihr wohlwollenden Leute und begrüßte ihren ersten Pfleger selbst nach jahrelanger Abwesenheit als alten Bekannten, girrend, so oft er sie wieder besuchte.

Die Fluggewandtheit und Schnelligkeit sichern die Turteltaube vor vielen Feinden. Sie entgeht den meisten unserer Raubvögel, und nur die Brut hat von dem gesamten Raubgesindel manches zu leiden. Der Mensch behelligt sie wenig, der Waidmann schützt sie, und der Sonntagsjäger bemüht sich gewöhnlich vergeblich, sich ihr schußgerecht zu nahen; denn sie ist immer höchst vorsichtig und läßt sich so leicht nicht berücken. In der Winterherberge gereicht ihre Geselligkeit ihr oft zum Verderben.

 

Nächst der Turteltaube wird, abgesehen von der Felsentaube, keine andere Art der Ordnung häufiger zahm gehalten als die jener nahe verwandte Lachtaube ( Turtur rigorius). Sie ist isabellgelb, auf dem Rücken dunkler, auf dem Kopf, der Kehle und dem Bauch lichter, auf den Schwingen schwärzlich, ein Genickband schwarz, das Auge lichtrot, der Schnabel schwarz, der Fuß karminrot. Die Länge beträgt einunddreißig, die Breite zweiundfünfzig, die Fittichlänge siebzehn, die Schwanzlänge dreizehn Zentimeter.

Das Vaterland der Lachtaube ist Ostafrika und Südarabien; hier wie dort, insbesondere aber in Steppenwaldungen, habe ich sie häufig, zuweilen in unschätzbarer Menge, beobachtet. Nach meinen Erfahrungen bewohnt die Lachtaube mit Vorliebe dürre, wüstenartige Steppengegenden. Sie ist schon von Mittelnubien an nach Süden hin häufig und wird im Innern Afrikas zur gemeinsten Art der ganzen Ordnung. Zu gewissen Zeiten des Jahres, gegen Anfang der Dürre hin, sammeln sie sich in manchen Waldungen zu wirklich unschätzbaren Massen. Man kann Züge gewahren, die, wenn auch nicht stundenlang, so doch viele Minuten hintereinander in dichtem Gewimmel dahinfliegen oder, wenn sie sich niederlassen, buchstäblich mehrere Geviertkilometer bedecken. Ich erinnere mich an Tage, wo mir die Lachtauben überaus lästig wurden, weil sie mir die Jagd fast vereitelten, indem sie mich von allen Seiten umgaben und die Beobachtung anderer, seltenerer Tiere wesentlich beeinträchtigten. Solche Heere scheinen, wahrscheinlich vom Nahrungsmangel getrieben, wochenlang gemeinschaftlich in der Steppe umherzuschweifen, und sie kommen an manchen Wasserplätzen in den Vormittagsstunden und gegen Abend zu Millionen an, wenn auch nicht sämtlich auf einmal, so doch stundenlang in ununterbrochener Folge. Während des übrigen Jahres sieht man die Lachtaube paarweise oder in kleinen Familien. In der Sahara bemerkte ich auf jedem Busch zwei bis drei Paare, und wenn das eine Paar aufflog und sich einem andern Busch zuwandte, fand es diesen sicherlich schon besetzt. Dem Kropf der von mir erlegten entnahm ich die verschiedensten Sämereien; es war mir aber oft unbegreiflich, wie die Menge der Tauben genügende Nahrung finden konnte. Freilich pickten sie emsig auch an solchen Stellen etwas auf, wo wir beim schärfsten Suchen nichts entdecken konnten.

Die Stimme ähnelt dem Girren der Turtel, wird aber regelmäßig von Lauten begleitet, die man mit Gelächter verglichen hat, weil sie wie »Hi hi hi hi« klingen. Daß jener Vergleich, wie jeder andere, hinkt, braucht nicht erwähnt zu werden; den erwähnten Lauten fehlt das Helle, Offene des Lachens; sie klingen dumpf, hohl und keineswegs fröhlich, deshalb aber doch nicht unangenehm.

In Nordostafrika beginnt die Fortpflanzung kurz vor Eintritt der ersten Regen und endet mit den letzten. Das Betragen der verliebten Lachtauben unterscheidet sich wenig von dem anderer Arten. Der Tauber krümmt den Rücken und sträubt dessen Gefieder, bückt sich tief, richtet sich daraus wieder plötzlich auf, ruckst, »lacht«, springt von einem Bein aus das andere oder mit beiden gleichzeitig vom Ast empor, bläst die Kehle auf usw., und die Taube bemüht sich, ihm möglichst gefällig zu sein. Das Nest ist ein ebenso liederlicher Bau wie bei den verwandten Arten. Die Eier und Jungen werden warm geliebt und zärtlich behandelt.

Im Sudan bekümmert sich der Mensch wenig um die Tauben und niemand fängt sie; es muß aber sehr leicht sein, sich ihrer zu bemächtigen, denn ich erhielt an der abessinischen Küste so viele, als ich eben wollte. Sie gewöhnt sich bald an einen engen Käfig und pflanzt sich hier noch leichter fort als die Turteltaube, paart sich auch mit letzterer und erzeugt mit ihr Blendlinge, die mit einer der Stammarten, vielleicht auch unter sich, wiederum fruchtbar sind. Fürer beobachtete an seinen Gefangenen, daß die Taube das erste Ei abends zwischen sechs und sieben Uhr legt, am folgenden Tage ruht, am dritten nachmittags zwischen zwei und drei Uhr das zweite Ei legt und dann mit dem Brüten beginnt. Zuweilen brütet der Tauber mit der Taube zugleich. Vierzehn Tage nach dem Legen kommen die Jungen aus. Sie sind mit wenigen weißlichen Daunen bekleidet; schon am dritten Tage aber brechen die ersten Kiele hervor und öffnen sich die Augen. Nach acht Tagen erhalten die Jungen bereits harte Sämereien; am sechzehnten oder achtzehnten Tage sind sie flügge; nach vier Wochen fressen sie allein; in der siebenten oder achten Woche beginnt die Mauser. Wenn man sich viel mit ihnen beschäftigt, werden sie sehr zahm, gewöhnen sich auch leicht, aus- und einzufliegen. In dem schönen Garten des Lustschlosses Miramar bei Triest leben ihrer viele ebenso frei wie unsere Feldflüchter. Bei guter Pflege dauern sie sogar im engen Käfig fünfzehn bis zwanzig Jahre aus.

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Neben verschiedenen Turtel- und Lachtauben lebt in Mittelafrika ein äußerst niedliches Mitglied derselben Gruppe, das ich Zwergtaube nennen will ( Chalcopeleia afra). Die Sippe der Erztauben ( Chalcopeleia), die Reichenbach auf sie begründet hat, kennzeichnet sich hauptsächlich durch kurzen, abgerundeten Schwanz, hochläufigen Fuß und eigentümlich metallische Färbung der Oberarmschwingen. Das Zwergtäubchen ist auf der Oberseite erdbraun, mit ölfarbenem Schimmer, auf dem Oberkopf aschgrau, ans Stirn und Kehle weißlich, auf dem Bürzel schwarz, aus der Unterseite rötlichgrau, nach dem Bauch zu weißlich; die Schwingen sind schwarzbraun, am Grunde und an der Innenfahne zimtrot, die letzten Armschwingen, die Schulterfedern und deren Decken in der Wurzelhälfte der Außenfahne glänzend stahlblau oder dunkel metallischgrün, mehrere, größtenteils verdeckte Flecke bildend, die mittleren vier Schwanzfedern erdbraun wie der Rücken gefärbt und vor der Spitze mit breitem, schwarzem Endbande, die drei äußeren Paare aschgrau mit breiter, schwarzer Endbinde und graubraunem Spitzensaume geziert. Das Auge ist rot, der Schnabel schwärzlich, der Fuß gelbrot. Die Länge beträgt zwanzig, die Fittichlänge zehn, die Schwanzlänge acht Zentimeter.

Die Zwergtaube, die in zwei Unterarten auftritt, verbreitet sich über alle Gleicherländer Afrikas, nach Süden hin bis Natal, nach Norden hin bis zum sechzehnten Grade und steigt im Hochgebirge bis zu dritthalbtausend Meter unbedingter Höhe empor. In den Urwaldungen des Blauen Flusses ist sie eine alltägliche Erscheinung, und auch in den reich bewachsenen Tälern der Sahara oder des abessinischen Gebirges kommt sie an passenden Stellen überall vor-, aber man hört sie viel öfter, als man sie sieht. Paarweise bewohnt sie die dicht verschlungenen niederen Gebüsche; in den Wipfeln der höheren Bäume bemerkt man sie nie. Man darf sagen, daß ihr ganzes Leben im Schatten jener Dickungen verfließt; denn sie verläßt dieselben nur auf Minuten, wenn sie der Durst zu einem Wässerchen treibt. Da, wo sie häufig ist, hört man aus jedem Busch hervor ihr eigentümliches und unverkennbares flötendes Rucksen, und wenn man sich vorsichtig nähert, kann man sie auch bemerken oder ihr Nest zu sehen bekommen. Damit ist aber noch nicht gesagt, daß man sie oder die Eier auch erlangen könne; denn die eigentlichen Wohnsitze stellen dem Jäger oft unüberwindliche Hindernisse in den Weg.

Sie ist ein überaus friedlicher, harmloser Vogel, der in seiner reichen Buschwelt still sein Wesen treibt, lebt streng paarweise, tritt aber an besonders günstigen Orten in namhafter Menge auf. Hier wohnt in jedem größeren Busch ein Pärchen, und der eine Busch, der nur zwanzig Geviertmeter Land bedeckt, scheint ihr vollständig zu genügen. Äußerst selten kommt sie unter ihm hervor und ins Freie gelaufen; sobald als möglich verkriecht sie sich wieder im Dunkel eines andern, ebenso dicht verschlungenen Gebüsches. Ihre Heimat ist so reich an allerlei Sämereien, zumal an Samenkörnern der Schlingpflanzen, die die Wohnsitze erst recht heimlich machen, indem sie dieselben mit ihren Ranken- und Blütennetzen überspinnen und durchflechten, daß unsere Taube größere Wanderungen nicht anzutreten braucht, und da sie sich nun regelmäßig in der Nähe des Wassers ansiedelt, so kann sie ein behagliches Stilleben führen.

Im Sudan beginnt die Fortpflanzung mit den ersten Regengüssen, in Habesch scheint sie in den Monaten stattzufinden, die unserem Frühling entsprechen; wenigstens vernahm ich um diese Zeit sehr oft ihre so bezeichnende Stimme. Diese erinnert nur noch entfernt an das Rucksen der Taube und hat mit den Tönen, die der Tok dem Walde zum besten gibt, weit mehr Ähnlichkeit. Der Ruf besteht nämlich nur aus der Silbe »Du«; dieser eine Laut wird aber zehn- bis fünfzehnmal nacheinander anfangs langsam, gegen den Schluß hin mit einer mehr und mehr sich steigernden Schnelligkeit wiederholt. Ein ganz besonderer, unbeschreiblicher Wohllaut kennzeichnet ihn, so daß man schwerlich in Versuchung kommt, ihn mit dem ähnlich klingenden des Hornvogels zu verwechseln. Andere Laute habe ich nie vernommen, nach der Paarungszeit überhaupt keinen mehr. Das Männchen ist äußerst zärtlich gegen seine Gattin, umgeht diese mit zierlichem Kopfnicken, schnäbelt sie, umhalst sie und fliegt dann auf einen etwas über dem Boden stehenden Ast, von dem es seinen Jubelruf erschallen läßt. Das Nest wird entweder im dichtesten Gebüsch hart über dem Boden oder auf abgebrochenen Stämmen, auch wohl in Baumhöhlungen mit weitem Eingang errichtet. Es ähnelt dem anderer Tauben, ist aber, wenn es frei steht, doch etwas schmucker und besser gebaut, während dagegen wenige Reiser die Unterlage für die Eier bilden, wenn es in Höhlungen angelegt wurde. Am 14. Januar fanden wir in einem solchen Nest ein kleines, weißes, rötlich durchschimmerndes Ei.

Gefangene Zwergtauben gelangen von Westafrika aus häufig in unsere Käfige, halten sich bei einfachem Futter gut, obwohl sie oft ihre Schönheit verlieren, zumal schwarz werden, schreiten auch nicht allzuselten im Bauer zur Fortpflanzung.

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Lauftauben ( Geotrygoninae) heißen die Glieder einer andern Unterfamilie, deren Merkmale in dem gedrungenen Leibe und sehr entwickelten Füßen, aber verhältnismäßig kurzen Flügeln liegen.

Die Spiegeltauben ( Phaps) sind verhältnismäßig groß, meist auch kräftig gebaut, obgleich einzelne Arten ihres langen Schwanzes wegen schlank erscheinen; das Gefieder ist bunt und durch die metallisch schillernden Flügeldeckfedern sehr ausgezeichnet. Die Schopftaube ( Phaps lophotes) kennzeichnet sich durch eine lange, spitze Haube, die durch die verlängerten Hinterhauptfedern gebildet wird. Kopf, Gesicht und Unterseite sind grau, die Hinterhauptfedern schwarz, die der Oberseite licht olivenbraun, welche Färbung an den Halsseiten in Nelkenrot übergeht, die großen Flügeldeckfedern glänzend bronzegrün, weiß gesäumt, die Schwingen braun, schmal bräunlichweiß gekantet und zum Teil auch an der Spitze weiß, die mittleren Steuerfedern erdbraun, die übrigen dunkelbraun, an der Außenfahne grünglänzend, an der Spitze weiß. Das Auge ist gelborange, der nackte, rundliche Augenrand nelkenrot, der Schnabel an der Wurzel dunkelölbraun, an der Spitze schwarz, der Fuß nelkenrot. Die Länge beträgt fünfunddreißig, die Fittich- und die Schwanzlänge je fünfzehn Zentimeter.

»Zierlichkeit der Gestalt und der eigentümlich schlanke Schopf«, sagt Gould, »stempeln diese Taube zu einer der schönsten Australiens; in ihrer Art ist sie vielleicht die schönste überhaupt. Sie scheint Sumpfgegenden zu bevorzugen, so daß ihr Vorkommen als ein sicheres Zeichen für eine wasserreiche Gegend angesehen wird. Die der Küste nächste Örtlichkeit, wo ich sie antraf, war der Murrayfluß. Hier ist sie ziemlich häufig; in Menge aber belebt sie die Ebene hinter der Moretonbai und die Ufer des Namoi. Sie schlägt sich oft zu starken Flügen zusammen, und wenn diese während der trockenen Jahreszeit an Landseen oder Flußufer kommen, wählen sie sich einen einzelnen Baum oder Strauch aus, auf dem sie sich niederlassen. In namhafter Anzahl sitzen sie dann dicht aneinander, und alle fliegen gleichzeitig herab zum Wasser, so gedrängt, daß Dutzende von ihnen mit einem einzigen Schuß erlegt werden können. Ihr Flug zeichnet sich durch seine reißende Schnelle vor dem aller Arten aus. Nach einem Anfluge, der aus mehreren schnellen Flügelschlägen besteht, schwingen sie sich anscheinend ohne weitere Anstrengung der Flügel empor. Beim Abfliegen von einem Ast heben sie den Schwanz, ziehen den Kopf ein und fliegen dann weg. Am 23. September fand ich das Nest auf einem niederen Baume der weiten Ebene nächst Gundermein am Namoi. Es ähnelt dem anderer Tauben und enthielt zwei weiße Eier, auf denen das Weibchen brütete.« Inzwischen ist diese schöne Taube auch oft nach Europa gekommen, und gegenwärtig ziert sie die Gesellschaftsbauer aller unserer Tiergärten. Sie hält hier bei der einfachsten Pflege jahrelang aus und pflanzt sich auch regelmäßig fort. Mit andern Tauben lebt sie im tiefsten Frieden, gegen kleinere Vögel zeigt sie sich gleichgültig. Liebhabern ausländischer Tiere darf sie warm empfohlen werden.

 

Eine zweite Art dieser Gruppe, die Erzflügeltaube ( Phaps chalcoptera), ist auf der Oberseite braun, auf dem Hinterkopfe dunkelbraun, auf der Unterseite weinrot, nach dem Bauch zu graulich; der Vorderkopf, ein Streifen unter dem Auge und an der Kehle sind gelblichweiß, die Halsseiten grau, die Flügeldeckfedern mit länglichen, kupfererzfarbenen, schillernden, zwei oder drei Armschwingen mit glänzenden, grünen Flecken geziert, die Mittelschwanzdeckfedern braun, die übrigen tiefgrau. Das Auge ist dunkel rötlichbraun, der Schnabel schwärzlichgrau, der Fuß karminrot. Dem Weibchen fehlt das lichte Stirnband; seine Färbung spielt mehr in das Graue, und die Spiegelflecke sind kleiner. Die Länge beträgt vierunddreißig, die Fittichlänge neunzehn, die Schwanzlänge dreizehn Zentimeter.

Diese Taube gehört zu denjenigen Vögeln Neuhollands, die bereits den ersten Sammlern in die Hände fielen. Wie es scheint, verbreitet sie sich über den ganzen Erdteil, kommt aber in gewissen Gegenden nur als Zugvogel vor. Dürre, mit Gestrüpp oder Heide bestandene Flächen bilden ihre Lieblingsplätze. »Wenn sie zuerst ankommt«, sagt der ›alte Buschmann‹, »findet man sie zwischen den Farren und Honigsträuchern, und zwar ebensooft unter den Bäumen als zwischen ihren Zweigen; wenn die Jahreszeit vorrückt, wendet sie sich der Heide zu und hält sich hier namentlich während der Nacht und am Morgen auf; wenn die Disteln treiben, wird fast jeder Busch zum Wohnsitz von einer, und wenn die Samen des Wattlebaumes reif sind, begegnet man ihr gewiß am Fuße desselben.« Gould nennt sie einen plumpen, schwerfälligen Vogel, sagt aber, daß ihre bedeutende Flugkraft sie in kürzester Zeit über weite Strecken hinwegführt. »Vor Sonnenaufgang sieht man sie im schnellsten Fluge ihren Weg über die Ebenen nach den Schluchten und Tränkplätzen verfolgen. Kennt man ihre Sitten, so kann man immer durch sie erfahren, ob man dem Wasser nahe ist, und dieses läßt sich, wenn auch die Gegend dürr scheint, doch erkunden, da die Taube von allen Seiten her in einer Richtung der Tränke zufliegt. Wenn reichlich Regen gefallen ist und die Flüsse und Teiche bis zum Rande gefüllt sind, ändert sie ihr Betragen, weil sie dann nicht mehr nötig hat, des Wassers halber sich in Gefahr zu begeben. Ihr tiefes und lautes Rucksen, das wie fernes Blöken von Kühen klingt, vernimmt man während der Nacht und am Morgen. Die Brutzeit fällt in unsere Herbst- oder die australischen Frühlingsmonate. Die erste Brut findet man im August, verspätete laut Versicherung des »alten Buschmannes« noch zu Anfang des Februar. Das Nest steht gewöhnlich auf wagerechten Zweigen eines Gummibaumes oder einer Angophora, nahe am Boden, womöglich in der Nähe vom Wasser. Es unterscheidet sich von andern Taubennestern nicht wesentlich, und auch die Eier stimmen mit denen verwandter Arten von gleicher Größe überein. Beide Geschlechter brüten abwechselnd. Um das Ende des Januar sammeln sich die Jungen in zahlreiche Schwärme, die dann die beliebten Örtlichkeiten gemeinsam durchstreifen.

Alle Reisende, die aus eigener Erfahrung sprechen, rühmen das vortreffliche Fleisch dieser Tauben, das ebensogut auf die Tafel des Statthalters gebracht wie von den Wilden im Innern des Landes gegessen wird. Nach der Brutzeit finden große Jagden statt, und zuweilen sind die Jäger so vom Glück begünstigt, daß einer im Laufe des Tages zwanzig bis dreißig Paare erlegt.

Auch sie gehört gegenwärtig zu den regelmäßigen Erscheinungen in unseren Tiergärten.

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Die größten aller gegenwärtig lebenden Girrvögel sind die Krontauben, von den bisher beschriebenen Arten abweichende Vögel und deshalb Vertreter einer besonderen Familie ( Gouridae). Sie kennzeichnen sich durch bedeutende Größe, etwas plumpen Bau und großfederiges, weitstrahliges Gefieder, insbesondere auch den prachtvollen Kopfschmuck, der aus einer fächerartigen, aufrichtbaren Haube von zerschlissenen Federn besteht.

siehe Bildunterschrift

Krontaube ( Goura coronata)

Die Krontaube ( Goura coronata) erreicht eine Länge von fünfundsiebzig Zentimeter; die Fittichlänge beträgt achtunddreißig, die Schwanzlänge sechsundzwanzig Zentimeter. Das Gefieder ist vorherrschend licht schieferblau, auf Unterrücken, Flügel und Schwanz etwas dunkler, der Zügel schwarz, der Mantel einschließlich der Schultern schmutzig braunrot gefärbt; die größten Flügeldeckfedern sind in der Mitte weiß, wodurch eine Längsbinde entsteht, an der Wurzel schwarz, an der Spitze braunrot, die Schwanzfedern am Ende mit einer breiten, licht schiefergrauen Binde geziert. Das Auge ist scharlachrot, der Schnabel düster horngrau, der Fuß rot, weißlich überpudert.

Bei der etwas größeren Fächertaube ( Goura victoriae) herrscht ebenfalls Schieferblau vor; die Unterseite aber ist kastanienrotbraun, die Flügelbinde blaugrau und die breite Schwanzendbinde weißgrau; auch sind die Federn der Kopfhaube nicht einfach zerschlissen, sondern am Ende mit kleinen Fahnen besetzt, die die Gestalt länglicher Dreiecke zeigen. Das Auge ist zinnoberrot, der Fuß fleischfarbig.

Schon im Jahre 1699 sah der alte Dampier die Krontaube in ihrer Heimat; später wurden viele nach Ostindien und den Sundainseln ausgeführt und hier auf den Höfen wie Hühner gehalten. Mehrere kamen auch nach Holland und zierten hier die Sammlungen reicher Liebhaber. Doch wußten wir bis in die neueste Zeit über ihr Freileben so gut wie nichts, und auch heutigestags noch ist unsere Kenntnis hiervon sehr dürftig.

»Die Krontaube«, sagt von Rosenberg, »lebt in Menge auf der Küste von Neuguinea sowie auf den Inseln Waigiu, Salawati und Misul. In ihrer Lebensweise ähnelt sie den Fasanen, streicht in kleinen Trupps im Walde umher und hält sich gern auf dem Boden.« Wallace hat sie auf Neuguinea oft auf den Waldpfaden umherlaufen sehen; denn sie bringt den größten Teil des Tages auf dem Boden zu, sich hier von herabgefallenen Früchten nährend, und fliegt nur, wenn sie aufgescheucht wird, auf einen der unteren Zweige des nächsten Baumes, den sie auch zum Schlafen erwählt. »Die Krontaube«, fährt Rosenberg fort, »ist nicht schwer zu schießen. Auf der Fahrt längs des oberen Karufaflusses an der Westküste von Neuguinea wurde von unserem Boote aus ein auf dem Nest sitzendes Weibchen erlegt. Das Nest bestand aus lose zusammengefügten Zweigen und enthielt einen eben aus dem Ei gekommenen jungen Vogel. Die Fächertaube scheint seltener zu sein und bewohnt südlichere Gegenden Neuguineas.«

Gegenwärtig sieht man lebende Krontauben am häufigsten in den holländischen Tiergärten. Sie halten sich bei einfacher Nahrung recht gut, überstehen in geschützten Räumen den Winter leicht und schreiten, wenigstens im Tiergarten zu Regents Park, ziemlich regelmäßig zur Fortpflanzung. »Die Anzahl der Krontauben des Londoner Tiergartens«, erzählt Mitchell, »waren bis auf ein Männchen der Kron- und ein Weibchen der Fächertaube ausgestorben. Ich ließ deshalb beide in einen Raum des alten Vogelhauses bringen. Anfang Juni beobachtete man, daß sie sich gepaart hatten, und zwei Monate später etwa begannen sie ihre Vorarbeiten zum Nestbau. In dem offenen Teil des Vogelhauses befand sich ein dicker Ast, in ungefährer Höhe von zwei Meter über dem Boden, der als Sitzstange diente. Auf die äußerste Spitze gedachten Astes trugen sie Zweige und Reiser, die zu diesem Zweck ihnen gegeben waren, bemühten sich aber vergeblich, auf der glatten und nicht genügenden Unterlage ein plattes Nest zu begründen. Der aufmerksame Wärter nahm ihre Verlegenheit wahr und unterstützte sie, indem er ein breites Stück Korbgeflecht unternagelte. Nunmehr begannen sie ernsthaft zu bauen. Am 15. August ruhten sie von ihrer Arbeit, bei der das Männchen den Zuträger, das Weibchen den Berarbeiter gemacht hatte; es wurde aber, wie wir vermuten, an diesem ereignisvollen Tage das Ei gelegt, obgleich der Wärter nicht imstande war, dasselbe jetzt zu sehen, da ein oder der andere Vogel es beständig bedeckte. Das Nest war nicht weit von der Außenwand des Vogelhauses entfernt, und während der Brutzeit gingen hier Tausende von Besuchern vorüber; die Vögel brüteten aber so eifrig und ununterbrochen, daß der Wärter nur einmal das Ei sehen konnte, und zwar gerade in dem Augenblick, wo ein Vogel den andern ablöste. Die ausgesetzte Lage des Nestes, das nur durch das dünne Gelaube einer Kletterrose einigermaßen geschützt war, machte mich wegen des Einflusses der Witterung besorgt um das Junge, das am 13. September nach achtundzwanzigtägiger Brutzeit ausgekrochen war. Dieses aber wurde fortwährend von einem der Eltern bedeckt und gefüttert, während es unter ihnen saß. Am Morgen des 17. September wurde das Junge jedoch tot im Nest gefunden, ob infolge des Übermaßes von Vorsorge oder infolge eines Zufalls, will ich unentschieden lassen. Die Mutter saß auch noch auf dem Toten mit ungeminderter Beharrlichkeit und wärmte den Leichnam mit ihrer Brust. Am 24. Oktober wurde ein anderes Ei gelegt, dasselbe fiel aber leider vom Zweige herab und wurde zerbrochen am Boden gefunden.« Auch in holländischen Tiergärten haben die Krontauben wiederholt gelegt und gebrütet, soviel mir bekannt, jedoch niemals Junge aufgebracht.

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Eine Taube, die die Beachtung der Forscher in hohem Grade auf sich gezogen hat, weicht im Schnabelbau erheblich von allen übrigen uns bekannten ab. Die Zahntaube ( Didunculus strigirostris) wird anzusehen sein als Urbild einer besonderen Familie ( Didunculidae). Sie hat die Gestalt einer etwas plumpen Erdtaube. Der Leib ist kräftig, der Kopf groß, der Schnabel viel höher als breit, sein Oberteil vom Grunde an aufwärts, im übrigen Verlauf gleichmäßig stark abwärts gebogen und scharfhakig übergekrümmt, an der Schneide ohne Zahn oder Ausbuchtung, sein Unterteil nach unten hin ebenfalls ausgebogen, vorn aber schief abgestutzt und hier jederseits dreizähnig eingeschnitten, seine Schneide seicht nach unten ausgeschweift. Kopf, Hals und Unterteile sind glänzend stahlgrün, Mantel, Unterrücken und Bürzel, Oberflügeldecken und Schwanzfedern schön braunrot, die Schwingen dunkelbleigrau. Der junge Vogel ist ähnlich gefärbt, jede Feder des Kleingefieders aber mit mondförmigen, oberseits schwarzen und rotbraunen, unterseits schwarzen und blaßgelbbraunen Querbändern gezeichnet. Das Auge ist dunkelrötlichbraun, die nackte Stelle um dasselbe und der Zügelstreifen lebhaft orangerot, der Schnabel orangerot, gegen die Spitze hin lichtgelb, der Fuß lebhaft rot, die Bekrallung gelblichweiß. Die Länge beträgt dreiunddreißig, die Breite dreiundsechzig, die Fittichlänge achtzehn, die Schwanzlänge acht Zentimeter.

Soviel bis jetzt bekannt, findet sich die Zahntaube ausschließlich auf den beiden zu den Schifferinseln gehörigen Eilanden Upolu und Savaii, und auch hier nur an gewissen beschränkten Örtlichkeiten. Sie bewohnt waldige Berggegenden in einer gewissen Entfernung von der Küste. Nach Angabe Walpoles war sie früher auf der Insel Upolu sehr häufig und lieferte dem gedachten Reisenden einen Hauptteil seiner Nahrung. Gewöhnlich sah man sie paarweise, zuweilen aber auch in Flügen bis zu neun Stück, in jeder Beziehung nach Art anderer Tauben lebend, wie diese fliegend, gehend, girrend und brütend. Gegenwärtig ist sie auf Upolu selten geworden, und zwar weniger deshalb, weil die Eingeborenen inzwischen das Feuergewehr zu benutzen gelernt haben, als infolge ihrer Liebhaberei für Katzen, die teilweise verwilderten und Niederlagen unter den bisher von keinem Raubtier bedrohten Vögeln angerichtet haben sollen. Die Eingeborenen nannten sie Manumea oder »Roter Vogel« und schätzten sie ihres vortrefflichen Fleisches halber so hoch, daß sie alljährlich einen längeren Jagdzug nach den Bergen unternahmen, einzig und allein in der Absicht, Manumeas zu fangen. Aber auch in die Berge, wohin die Taube sich zurückgezogen hat, folgten die Katzen ihr nach. Laut Gräffe lebt sie hier vorzüglich auf großen, eschenartigen Bäumen, Mauke genannt, deren Früchte, lederartige, fleischige, im Innern dreikantige, rote Samen enthaltende Kapseln, ihre bevorzugte Nahrung bilden. Auf diesen hohen, dichtbelaubten Bäumen verrät nun zwar ihr Ruf ihre Anwesenheit; es ist aber fast nur dem Auge der Eingeborenen möglich, sie im Gezweige aufzufinden und herabzuschießen. Der Flug ähnelt dem anderer Tauben, geschieht jedoch mit so lautem Geräusch, daß man es auf weithin hört, wenn sie sich erhebt, und die Eingeborenen darauf das Sprichwort begründet haben: Er lärmt wie ein Manumea. Walpole bemerkt, daß sie sich höchstens von einem Walde zum andern wendet und sehr selten ihren Flug bis zu einer der benachbarten Inseln ausdehnt, über das Brutgeschäft wissen wir noch nichts Sicheres: denn die Angaben der Berichterstatter sind Wiederholungen der von den Eingeborenen gegebenen Mitteilungen. Das Nest soll auf dem Boden stehen, das Gelege von beiden Eltern abwechselnd und mit so regem Eifer bebrütet werden, daß sie sich mit den Händen fangen lassen. Die Jungen sind, laut Walpole, so hilflos wie die andern Tauben, scheinen auch langsam heranzuwachsen und sich langsam zu entwickeln; denn sie erhalten erst im zweiten Lebensjahre das Kleid ihrer Eltern, möglicherweise erst im dritten ihre volle Ausbildung. Derselbe Berichterstatter bemerkt noch, daß die Eingeborenen der Samoainseln Zahntauben oft in der Gefangenschaft hielten, halbflügge Junge aus dem Neste hoben oder die Alten mittels Netzen oder Vogelleim fingen, die Gefangenen an einer langen Schnur am Bein fesselten und diese an einem Stock oder an einer Gabel befestigten, solche Vögel auch bei ihren Spaziergängen mit sich nahmen und unterwegs mit ihnen spielten.

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