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Brehms Tierleben. Vögel. Band 13: Leichtschnäbler II. - Kolibris - Spechtvögel

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Vögel. Band 13: Leichtschnäbler II. - Kolibris - Spechtvögel - Kapitel 4
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authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Vögel. Band 13: Leichtschnäbler II. - Kolibris - Spechtvögel
publisherGutenberg-Verlag
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 13
editorAdolf Meyer
year1927
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Vierte Ordnung. Die Spechtvögel ( Pici)

Mit demselben Recht, mit dem wir die Papageien und Kolibris als besondere Ordnungen auffassen, erheben wir auch die Gesamtheit der Spechtvögel zu einer solchen. In der Tat bilden unsere allbekannten Waldzimmerleute eine so streng nach außen hin abgeschlossene Gruppe, daß es kaum als Fehler erklärt werden kann, wenn wir dieser Gruppe den Rang einer Ordnung zusprechen. Streng genommen zeigen die Spechte so eigentümlichen Bau und infolgedessen so eigenartige Lebensweise, daß sie sich unter anderen kletternden Vögeln nicht wohl einreihen lassen.

siehe Bildunterschrift

Schwarzspecht (Picus martius)

Die Spechtvögel kennzeichnen sich durch folgende Merkmale. Der Leib ist gestreckt, der Schnabel stark, meist gerade, kegelförmig oder meißelartig, auf dem Rücken scharfkantig und an der Spitze senkrecht zugeschärft. Die Füße sind kurz, stark und einwärts gebogen, die Zehen lang und paarig gestellt; das vordere Paar ist bis zur Hälfte des ersten Gliedes verwachsen. Der eigentlichen Hinterzehe, die die kleinste von allen ist, hat sich die äußere Vorderzehe, die längste des Fußes, gesellt; es kommt aber auch vor, daß die Hinterzehe verkümmert oder gänzlich fehlt, so daß der Fuß nur drei Zehen zeigt. Alle Zehen sind mit sehr großen, starken, scharfen, halbmondförmigen Nägeln bewehrt. Die Flügel sind mittellang und etwas abgerundet, die Handschwingen, zehn an der Zahl, schmal und spitzig, die Armschwingen, neun bis zwölf an der Zahl, etwas breiter, aber gewöhnlich nicht viel kürzer als die erstgenannten. Unter diesen ist die erste Schwinge sehr klein, die zweite mittellang, die dritte oder die vierte aber die längste. Sehr ausgezeichnet ist der Schwanz. Er besteht aus zehn großen und zwei kleinen Seitenfedern, die aber nicht unter, sondern über den ersten liegen. Die beiden mittleren Schwanzfedern sind die längsten und stärksten. Ihre Schäfte nehmen nach der Spitze zu an Stärke ab, sind sehr biegsam und besitzen bedeutende Schnellkraft. Während die Fasern ihrer Fahnen in der Wurzelhälfte der Feder dicht nebeneinander stehen und verbunden sind, werden sie gegen die Spitze hin frei, nehmen an Stärke zu, ändern ihre frühere Richtung und wenden sich beiderseits nach unten, so daß die Feder einem Dache ähnlich wird, als dessen First der Schaft anzusehen ist. Unter diesem Dache liegt die ebenso gebaute zweite Mittelfeder und unter ihr die dritte. Die vierte Feder jeder Seite ähnelt noch der dritten; die fünfte äußerste ist wie gewöhnlich gebildet und die sechste, außer durch ihre Lage, auch noch durch besondere Härte beachtenswert. In dem Gefieder fehlen Dunen fast gänzlich, und die Außenfedern herrschen daher unbedingt vor. Sie zeichnen sich aus durch einen kleinen dunigen Afterschaft, sind am Kopfe klein, länglich, oft zu einer Holle oder Haube verlängert, haarig zerschlissen und dicht gestellt, am Rumpfe breit, kurz und zerstreut, in mehrere Fluren geordnet, unter denen die meist ungeteilt bis zu den Schulterblättern verlaufende, von hier aus oft in zwei seitliche Züge geteilte und bis zur Öldrüse reichende, auch wohl mit anderen verbundene Rückenflur und eine gewöhnlich vorhandene zweite innere Schulterflur besondere Erwähnung verdienen, sowie anderseits hervorgehoben werden mag, daß von der Schnabelwurzel bis zum Hinterhaupte ein federloser Rain verläuft. Die Färbung zeigt bei aller Mannigfaltigkeit doch große Übereinstimmung: so ist namentlich die Kopfgegend durch prachtvolles Rot geziert. Die Geschlechter unterscheiden sich hauptsächlich durch größere oder geringere Ausdehnung, Vorhandensein oder Fehlen der roten Kopfzeichnung. Mehr als bei irgendeiner anderen Gruppe endlich ist es zulässig, die Spechte nach der Farbenverteilung zu ordnen, und deshalb üblich, von Schwarz-, Grün-, Buntspechten usw. zu sprechen.

Ebenso eigentümlich wie der äußere ist der innere Leibesbau unserer Vögel. Das Knochengerüst ist zierlich gebaut, der Schädel mäßig groß, der Scheitel sehr gewölbt, seitlich durch eine von den Nasenbeinen an jederseits nach hinten ziehende Leiste, an deren äußerer Seite sich eine die Zungenbeinhörner aufnehmende Rinne befindet, besonders ausgezeichnet. Die Wirbelsäule besteht aus zwölf Hals-, sieben bis acht Brust-, zehn Kreuzbein- und sieben Schwanzwirbeln, deren letzterer besonders groß, stark, sehr breit an der Hinterfläche und mit langen, starken Dornfortsätzen versehen ist. Kopf- und Rumpfteile sowie Ober- und Vorderarm sind luftführend. Unter den weichen Teilen zeichnet sich vor allen die Zunge aus. Sie ist klein, hornig, sehr lang gezogen und an jeder Seite mit fünf bis sechs kurzen, steifen Stacheln oder Borsten besetzt, die wie Widerhaken an einer Pfeilspitze erscheinen. Mit dieser eigentümlichen Zungenbildung ist eine ungewöhnliche Entwickelung eines Schleimdrüsenpaares verbunden. Diese Drüsen ziehen sich an den Unterkieferseilen hin, reichen bis unter die Ohröffnungen, sondern klebrigen Schleim ab und überziehen mit diesem den langen Zungenhals in ähnlicher Weise, wie es bei dem Ameisenfresser geschieht. Der Schlund ist ohne Kropf, der Vormagen meist lang, der Magen muskelig. Blinddärme fehlen oder sind verkümmert; eine Gallenblase dagegen ist vorhanden.

Es leuchtet ein, daß der eigenartige Bau der Füße, des Schnabels und der Zunge den Specht zu seiner eigenartigen Lebensweise befähigt. Mit seinen scharf eingreifenden Nägeln, die eine ausgedehnte Fläche umklammern, hängt er sich ohne Mühe an senkrechte Stämme an, und der Schwanz unterstützt ihn dabei gegen das Hinabrutschen. Wenn er sich nun aus diesen stemmt, drücken sich nicht bloß die spitzen der acht Hauptfedern, sondern auch fast alle einzelnen, gleichsam selbständig gewordene Federenden, die widerstandsfähigen Fahnenstrahlen der drei mittleren Federn jeder Seite, an den Stamm und finden wegen ihrer großen Anzahl auch in der kleinsten Ungleichheit desselben sichere Anhaltepunkte. Der kräftige scharfe Schnabel ist zum Meißeln vortrefflich geeignet, und der Schwanz unterstützt auch solche Arbeit, indem er beim Arbeiten des Spechtes als Schnellfeder dient. Die Zunge endlich dringt vermöge ihrer Dünne oder Fadenartigkeit in alle Löcher und vermag, dank ihrer allseitigen Beweglichkeit, jeder Biegung eines von dem Kerbtiere ausgehöhlten Ganges zu folgen.

Die Spechte sind, mit alleiniger Ausnahme Neuhollands oder des australischen Gebietes überhaupt und ebenso der Insel Madagaskar, über alle Teile der Erde verbreitet und auch im Norden keineswegs seltene Erscheinungen. »Ihre Gesamtzahl«, sagt Gloger, »steigt mit dem zunehmenden Reichtum der Länder an Wäldern und wächst mit dem üppigen Gedeihen der letzteren.« Wahre Paradiese für sie bilden die ausgedehnten, zusammenhängenden Urwaldungen der Wendekreisländer, namentlich Südamerikas und Indiens; denn in Afrika kommen merkwürdigerweise nur wenige und fast ausschließlich kleine Arten vor. In den brasilianischen Waldungen gehören sie, wie uns Prinz mitteilt, zu den gemeinsten, allerorts verbreiteten Vögeln. »Überall gibt es verfaulte alte Stämme, überall reiche Kerbtierernte für diese einsamen Waldbewohner. Da, wo in Brasilien die Stille der weiten Wildnis nicht durch die Stimme anderer lebenden Wesen unterbrochen wird, hört man doch gewiß den Ruf der Spechte. Aber sie bewohnen in jenem schönen Lande nicht bloß die Urwälder, sondern beleben auch die Vorhölzer und Gebüsche, ja sogar die offenen Triften.«

Das Verbreitungsgebiet der einzelnen Arten kann ziemlich beschränkt und auch wiederum sehr ausgedehnt sein. Unsere deutschen Arten, mit Ausnahme des Mittelspechtes, werden fast in ganz Europa und ebenso im nördlichen Mittelasien gefunden; andere hingegen sind auf verhältnismäßig enge Grenzen beschränkt. Jeder Erdteil besitzt seine eigenen Arten, auch wohl seine eigenen Gruppen, denen man bei der großen Übereinstimmung derselben freilich kaum den Rang von Sippen, geschweige denn Unterfamilien zugestehen kann. Annähernd gleiche Verhältnisse begünstigen wie bei den meisten anderen Vögeln weite Verbreitung, aus verschiedenartigen Bäumen zusammengesetzte Waldungen das Vorkommen mehrerer Arten innerhalb eines und desselben Gebietes. Ersichtlicher als die meisten übrigen Vögel sind die Spechte streng an einzelne Bäume gebunden. Mehrere von ihnen siedeln sich allerdings ebensowohl im Nadel- wie im Laubwalde an, bevorzugen jedoch den einen entschieden, und fehlen Gegenden, wo der andere vorherrscht, gänzlich, berühren sie mindestens nur während ihres Zuges. In noch höherem Grade bestimmend für ihr Vorkommen ist die Beschaffenheit der Bäume selbst; denn fühlbarer als andern Vögeln wird ihnen der Mangel an passenden Wohnungen. Wohl scheinen sie, da sie letztere sich selbst gründen, minder abhängig zu sein als andere Höhlenbrüter; in Wahrheit aber ist dies keineswegs der Fall. Nicht jeder Specht findet in einem weit ausgedehnten Forst einen passenden Baum, wie er ihn braucht, um sich seine Behausung zu zimmern, und die notwendige Folge davon ist, daß er solchen Forst gänzlich meidet. Da er die Höhlungen nicht bloß zur Niststätte seiner Jungen, sondern auch zu Schlafplätzen benutzt, kann sein Wohngebiet nicht ausgedehnt sein; denn er muß allabendlich zum Mittelpunkte desselben, eben der Wohnung, zurückkehren. Demgemäß durchstreift er einen Wald oder Forst, der ihm keine Unterkunft gewährt, auch nur flüchtig gelegentlich seiner Wanderungen und wird daselbst in den übrigen Monaten des Jahres nicht bemerkt. Ändern sich die Verhältnisse, erlangt ein einziger Baum die erforderlichen Eigenschaften, um wiederum als Wohn- und Brutraum dienen zu können, so entgeht er dem Spechte sicherlich nicht, und dieselbe Art, die ein Menschenalter hindurch fehlte, stellt sich zur Freude des Beobachters wieder ein. Nur so erklärt sich die Abnahme der einen und nicht minder auch die Zunahme der andern Arten in gewissen Gegenden.

Alle Spechte führen im wesentlichen dieselbe Lebensweise. Sie bringen den größten Teil ihres Lebens kletternd zu, hängen sich sogar, während sie schlafen, in der Kletterstellung an die inneren Wände der Baumhöhlungen, also an senkrechte Flächen an. Zum Boden herab kommen sie selten, und wenn sie es tun, hüpfen sie mit ungeschickten Sprüngen umher. Sie fliegen ungern weit; doch geschieht dies wahrscheinlich weniger deshalb, weil sie der Flug anstrengt, als vielmehr infolge der ihnen überhaupt eigenen Ruh- und Rastlosigkeit, die sie veranlaßt, womöglich jeden Baum auf ihrem Wege zu untersuchen. Der Specht fliegt in sehr tiefen Wellenlinien dahin. Er erklettert gewissermaßen den aufsteigenden Bogen einer dieser Linien mit raschen, schwirrenden Flügelschlägen, legt dann plötzlich die Flügel hart an den Leib und schießt nun in steilen Bogen wieder tief nach unten herab, worauf er das Aufsteigen von neuem beginnt. In der Nähe eines Baumes angelangt, pflegt er sich tief herabzusenken und wenige Meter über dem Boden an den Stamm anzuhängen; nunmehr aber klettert er mit großen, rasch aufeinanderfolgenden Sprüngen aufwärts und nach oben, selten auf wagerechte Äste hinaus, bisweilen wohl ein wenig rücklings, niemals aber kopfabwärts nach unten. Beim Anhängen beugt er Brust, Hals und Kopf weit nach hinten; beim Sprunge nickt er mit dem Haupte. Mit dem Schnabel hämmernd oder meißelnd arbeitet er je nach Verhältnis seiner Stärke größere oder geringere Stücke der Borke los, deckt dadurch die Schlupfwinkel der Kerbtiere auf, zieht sie mit der Zunge hervor und verschlingt sie. In welcher Weise dies geschieht, ist mir, trotz sorgfältiger, oft wiederholter Beobachtungen an zahmen Spechten noch nicht vollständig klar geworden. Wenn man gefangene Spechte in einem Bauer mit fester Decke hält, diese an verschiedenen Stellen durchbohrt und dann beliebte Nahrung auf die Decke wirft, kann man das Spiel der Zunge in nächster Nähe auf das genaueste beobachten. Allein so sehr man sich auch bemüht, über die Arbeit derselben sich klar zu werden, so wenig gelangt man zur unbedingt sicheren Erkenntnis, bleibt vielmehr immer noch zweifelhaft. Es läßt sich von vornherein annehmen, daß die Widerhaken an der harten Hornspitze der Zunge ihre Dienste leisten und manche Made aus verschlungenen Gängen hervorziehen mögen; man bemerkt jedoch auch, daß Nahrungsbrocken, beispielsweise Ameisenpuppen, dem Schlunde zugeführt werden, ohne daß die Zungenspitze dabei in Tätigkeit kommt. Die wurmförmige Zunge wird durch das Loch des Kistenkäfigs gesteckt, biegt sich um und bewegt sich nun mit unvergleichlicher Geschmeidigkeit tastend nach allen Richtungen, bis sie eine Ameisenpuppe oder einen Mehlwurm ausgekundet hat. In vielen Fällen wird die Beute nun allerdings mit der Zungenspitze aufgenommen, also wohl durchspießt, in andern aber bemerkt man nach dem ersten Erscheinen der Zunge einige schlängelnde Bewegungen, und Ameisenpuppe oder Mehlwurm verschwinden mit dem zurückgleitenden Organe so rasch, daß man nicht imstande ist, zu sehen, ob sie angeleimt oder durch Umschlingung festgehalten wurde. Dank dieser außerordentlichen Beweglichkeit und Schmiegsamkeit der Zunge ist der Specht imstande, auch kreuz und quer verlaufenden Gängen eines holzzerstörenden Kerbtieres zu folgen und dasselbe an das Tageslicht oder in seinen Magen zu befördern. Gerade hierdurch erweist er sich als ein Waldhüter ersten Ranges. Verschiedenartige Kerbtiere in allen Zuständen des Lebens, vor allen solche, die verborgen in Bäumen, entweder in oder unter der Borke oder im Stammholze selbst, leben, bilden die bevorzugte Nahrung weitaus der meisten Spechte; einige von ihnen fressen jedoch nebenbei auch verschiedene Beeren und Sämereien, legen sich selbst Vorratskammern an, die sie mit letzteren füllen.

Das Wesen der Spechte erscheint ernst und gemessen, ist aber in Wirklichkeit eher ein heiteres und fröhliches zu nennen. Dies bekunden alle Arten, die man in Gefangenschaft hält und so weit gezähmt hat, daß sie ihrem Pfleger vollkommenes Vertrauen schenken. Wer sie kennengelernt hat, wird sie als kluge Tiere bezeichnen müssen, wer sie längere Zeit in Gefangenschaft, im Zimmer oder im Käfige, hielt, ihnen auch eine gewisse Drolligkeit zusprechen dürfen. Wer möchte sie missen, wer unsern Wald ohne sie wünschen wollen? Schon ihre Stimme erfreut den Beobachter, und namentlich das laute, lachende Geschrei, das auf weithin durch Wald und Flur erschallt, besitzt so unverkennbar das Gepräge der Heiterkeit, daß man die Spechte unbedingt den am liebsten gesehenen Vögeln beizählen muß. Abgesehen von ihrer Stimme bringen sie jedoch noch eine eigentümliche Musik im Walde hervor: sie »trommeln, schnurren, dröhnen oder knarren«, wie man zu sagen pflegt, indem sie sich an einen dürren Ast hängen und diesen durch schnelle Schläge mit dem Schnabel in zitternde Bewegung bringen. Hierdurch bewirken sie ein lautschallendes Geräusch, das nach der Stärke des Zweiges bald höher, bald tiefer klingt, aber auf weithin im Walde gehört wird. Man hat wohl gemeint, dieser Lärm geschehe, um die Kerbtiere aus dem stark bewegten Aste herauszutreiben, irrt sich aber unzweifelhaft; denn alle Beobachtungen deuten darauf hin, daß es geschieht, um das Weibchen zu erfreuen. Meines Wissens ist es noch nicht festgestellt worden, ob das Weibchen seine Gefühle in gleicher Weise äußert wie das Männchen; so viel aber ist sicher, daß letzteres durch sein Trommeln zu Kampf und Streit herausfordert, daß andere auf dieses Trommeln hin von fern herbeieilen, um einen Strauß mit dem Nebenbuhler auszufechten, und daß man durch Nachahmung dieses Trommelns viele Spechte leicht zu sich heranlocken kann. Der Specht bekundet also gewissermaßen auch seine Gefühle durch den Gebrauch des ihm wichtigsten Werkzeuges.

Das Nest steht stets in einer von den Spechten gezimmerten Baumhöhlung und ist im Grunde genommen nichts anderes als der mit einigen Spänen ausgekleidete Boden der Höhle selbst. Das Gelege besteht aus drei bis acht sehr glänzenden, reinweißen Eiern, die von beiden Geschlechtern ausgebrütet werden. Die Jungen, überaus häßliche Geschöpfe, die anfangs mit ihren Eltern kaum Ähnlichkeit zeigen und ihre hauptsächlichste Fertigkeit, das Klettern, früher ausüben, als sie jener Gestalt und Bekleidung erhalten, werden nach dem Ausfliegen noch eine Zeitlang von Vater und Mutter geführt, dann aber rücksichtslos aus deren Nähe vertrieben.

Es kann gar nicht oft genug wiederholt und eindringlich genug versichert werden, daß uns die Spechte Nutzen bringen. Bechstein war der erste Naturforscher, der der unsinnigen Vernichtungswut entgegentrat und mit Recht behauptete, daß er nach vieljähriger Untersuchung und Beobachtung schlechterdings keine schädliche Eigenschaft an unsern Spechten habe entdecken können. Alle späteren Forscher, die das Leben der Tiere beobachteten, oder wenigstens den Beobachtern Glauben schenkten, haben nach ihm dasselbe versichert. Neuerdings stellt sich Altum, wenngleich nicht auf die Seite der Gegner unserer Vögel, so doch auf einen andern Standpunkt als die Mehrzahl der Vogelkundigen, indem er den Spechten hauptsächlich dreierlei vorwirft. Sie schaden den Waldungen seiner Meinung nach durch Vertilgen der nützlichen Ameisen und Aufzehren der Waldsämereien, durch das Bemeißeln der Bäume, das die Ansiedlung zerstörender Pilze zur Folge haben soll, und endlich durch eine absonderliche, bis jetzt noch nicht erklärte Spielerei, indem sie einzelne Bäume »ringeln«, das heißt, ein junges Stämmchen ringsum der Rinde berauben. Ich kann die Aufzählung ihrer Übeltaten noch vermehren. Sie schaden hier und da, indem sie, wenigstens einzelne Arten von ihnen, das morsche Holz in Gebäuden zermeißeln oder aus Kleibwerk hergestellte Fachwände zerstören, und ebenso, indem sie im Winter Bienenstöcke besuchen, die Wandungen derselben durchlöchern und unter den schlummernden Bienen bedenklich aufräumen. Allein alle diese Anklagen erweisen sich als bedeutungslos gegenüber dem außerordentlichen Nutzen, den sie unsern Waldungen und Nutzholzpflanzungen überhaupt bringen. Wahr ist es, daß einzelne Spechte, hauptsächlich der Schwarz- und die Grünspechte, gern, zeitweilig fast ausschließlich, von Ameisen in allen Lebenszuständen sich ernähren, ebenso wahr, daß andere, insbesondere unser Buntspecht und vielleicht auch einige seiner europäischen Verwandten während der Reifezeit unserer Waldsämereien vorwiegend solche, auch wohl Haselnüsse verzehren; allein die Ameisenarten sind in unsern gepflegten und beaufsichtigten Forsten noch so häufig, und unsere Waldbäume tragen in Samenjahren so reichlich, daß auf den in dieser Beziehung verursachten Schaden in der Tat kein Gewicht gelegt werden darf. Ich bin weit entfernt, den Nutzen der Ameisen unterschätzen zu wollen, glaube jedoch, daran erinnern zu müssen, daß die nützlichsten von ihnen, unsere großen Waldameisen, sich gleichzeitig mit den Spechten und trotz ihrer in allen Waldungen vermehren, die ihnen die entsprechenden Lebensbedürfnisse gewähren, eine Behinderung dieser Vermehrung durch die Spechte bis jetzt auch noch nirgends nachgewiesen worden ist. Ich gestehe ferner zu, daß in so armen Kiefernwaldungen, wie es die der Mark und Norddeutschlands überhaupt sind, der Buntspecht durch seine Liebhaberei für Kiefernsämereien das Einsammeln der letzteren beeinträchtigen kann, behaupte aber mit vollster Bestimmtheit, daß überall da, wo die Kiefer zu wirklicher gedeihlicher Entwicklung gelangt, sämtliche Buntspechte einer meilenweiten Umgebung nicht imstande sind, die, um mich so auszudrücken, unbeschränkte Ertragsfähigkeit dieses Baumes zu beeinträchtigen. Noch weniger dürfte der Schaden ins Gewicht fallen, den die Spechte durch Bemeißeln der Bäume den Waldungen zufügen. Alle Forstleute und Vogelkundigen, die Spechtlöcher untersuchten, stimmen darin miteinander überein, daß die Spechte behufs Ausarbeitung eines Schlaf- oder Brutraumes nur solche Bäume in Angriff nehmen, deren Kern morsch ist, so gesund auch der Baum von außen erscheinen mag. Vielleicht mag es vorkommen daß da, wo passende Bäume selten sind, auch gesunde, weichholzige Stämme, insbesondere Espen, Pappeln oder Weiden angemeißelt werden; überall da aber, wo solche Bäume in größerer Menge auftreten, wie hier und da in Rußland oder Sibirien zum Beispiel, gilt auch für sie das Gesagte. Der Specht macht, um mit Eugen von Homeyer zu reden, die Bäume nicht faul, sondern zeigt nur die faulen Bäume an. Über das Ringeln habe ich eigene Beobachtungen bis jetzt noch nicht angestellt und muß daher meinen verehrten Freund Eugen von Homeyer für mich reden lassen. »Wenn man die verschiedenen Reviere nach den Ringelbäumen durchsucht, so mag es nicht schwer sein, eine gewisse Anzahl derselben aufzufinden. Es mag auch lehrreich für alle sein, die sich für Forstwirtschaft interessieren, eine Sammlung von Abschnitten solcher Bäume anzulegen; aber man darf darum nicht erwarten, daß man die sogenannten Ringelbäume in jedem Forst zu Dutzenden oder Hunderten antrifft. In den meisten Wäldern Hinterpommerns sind sie entschieden selten, so selten, daß ich in meinem Wald von etwa vierhundert Hektar trotz jahrelangen Bemühens auch nicht einen einzigen von Spechten geringelten Baum angetroffen habe. Es mag sein, daß in andern Gegenden solche Fälle öfter vorkommen, und namentlich ist es auch mir nicht unwahrscheinlich, daß Spechte ihnen fremde Holzarten vorzugsweise zu diesen Versuchen wählen; solche Beschädigungen jedoch, wie Herr Altum bei Pflänzlingen erwähnt, kommen so selten vor, daß sie bei dem Nutzen und Schaden des Spechtes im großen und ganzen nicht entscheiden. Wenn die Spechte ganz gesunde Bäume ringeln und dies tagelang an demselben Baum wiederholen, wie tatsächlich geschieht, alle andern daneben stehenden Bäume aber verschonen, so müssen diesem Treiben andere Beweggründe unterliegen. Sie aufzufinden, wird es zweckmäßiger sein, auch fernerhin vorurteilsfrei zu beobachten, als sich eine ungenügende und unsichere Erklärung zurechtzulegen und damit seine Untersuchungen abzuschneiden und zu beschränken. In jeder Wissenschaft kann es nur von großem Nachteil sein, zweifelhafte Fälle für erledigt zu halten. Mag nun aber auch eine Erklärung ausfallen, wie sie wolle, so ist ein irgendwie erheblicher Schaden der Bäume durch die Spechte nicht nachgewiesen. Durchschnittlich wird auf Tausende von Bäumen kaum ein Ringelbaum kommen. In den meisten Fällen ist auch die Beschädigung eine ganz unerhebliche und kann in keinem Fall ins Gewicht fallen.« Nicht viel anders verhält es sich mit dem Schaden, den einzelne Spechte an Gebäuden anrichten. Es sind immer nur wenige, die bis in das Innere der Gehöfte eindringen, und diese können, wenn sie lästig werden, leicht verscheucht werden. Ebenso verhält es sich endlich mit den Übergriffen, die ein Specht dann und wann an Bienenstöcken sich zuschulden kommen läßt.

Wägt man Nutzen und Schaden der Spechte gewissenhaft und vorurteilsfrei miteinander ab, so kann die Entscheidung nicht zweifelhaft sein. Einzelne Spechte können uns selbstsüchtigen Menschen lästig werden, vielleicht auch unbedeutenden Schaden zufügen; das eine wie das andere aber steht in gar keinem Verhältnis zu dem außerordentlichen Nutzen, den diese Vögel uns bringen. Wer glaubt, daß sie nur solche Kerfe verzehren, die dem Wald nicht besonders schädlich werden, wird sich eines Besseren belehren, wenn durch Ungunst der Verhältnisse der verderbliche Borkenkäfer sich übermäßig vermehrte und von allen Seiten her die Spechte zu dem heimgesuchten Wald strömen, um unter der verderblichen Brut aufzuräumen. Nicht die ungefährlichsten, sondern die schlimmsten Waldverderber sind es, denen die Spechte entgegentreten. Der Nutzen, den sie hierdurch unsern Waldungen leisten, läßt sich nicht berechnen, nicht einmal abschätzen. Aber der Nutzen der Spechte ist nicht bloß ein unmittelbarer, ein solcher, der sich einfach durch die Worte »Vertilgung der schädlichen Forstkerfe« ausdrücken läßt, sondern, wie bereits Gloger treffend hervorgehoben und Forstmeister Wiese wiederholt hat, auch ein mittelbarer; denn die Spechte sind bis jetzt die alleinigen Erbauer der Wohnungen unserer nützlichen Höhlenbrüter. Leider will man noch immer nicht einsehen, daß diesen Waldhütern Wohnungen gebaut oder wenigstens belassen werden müssen, daß ein alter hohler Baum, der ihnen geeignete Nistplätze bietet, ungleich höhere Zinsen trägt, wenn er im Wald stehenbleibt, als wenn er gefällt und zu Klaftern aufgeschichtet wird, und deshalb sollte man um so mehr bedacht sein, die Spechte gewähren zu lassen. »Die Spechte«, sagt Wiese, »werden schon durch die Einrichtungen des Forstmannes genug beengt und beschränkt in ihrer Vermehrung; es bedarf dazu nicht mehr einer unmittelbaren Verfolgung durch Schießgewehr. Immer seltener werden in vielen Forsten die Bäume, die sie regelmäßig und gern behufs Anlage von Höhlungen aufsuchen, und wohl dürfte es an der Zeit sein, zu ihrer Hegung einige von diesen anbrüchigen Bäumen recht absichtlich überzuhalten, damit Spechte und Höhlenbrüter sie benutzen. Ich bin der Überzeugung, daß daraus ebensowenig dem Vorteil des Waldbesitzers wie dem Ruf des Forstmannes irgendeine Beeinträchtigung erwachsen kann.« Also Schutz und freies Geleit, Hegung und Pflege diesen nützlichsten und wichtigsten aller unserer Waldhüter! Sie haben ohnehin der Feinde genug, und mancherlei Unglücksfälle suchen sie heim.

*

Die Ordnung der Spechte zerfällt in zwei Familien, von denen die eine ungefähr dreihundertundzwanzig, die andere dagegen nur fünf Arten zählt. Erstere, die die Spechte ( Picidae) umfaßt, zerfällt wieder in verschiedene Unterfamilien. Die erste von ihnen umfaßt die Schwarzspechte ( Dryocopinae), die größten und kräftigsten Arten der Ordnung, ausgezeichnet durch ihre vorherrschende schwarze Färbung und ihr oft zu einer Haube Verlängertes Kopfgefieder. Ihre wahre Heimat scheint Amerika zu sein. Hier sind sie durch alle Gürtel verbreitet, während sie in der Alten Welt nur durch ein in Europa vorkommendes Mitglied und einige, aber schon abweichende indische Arten vertreten werden.

 

Unser Schwarzspecht ( Picus martius) ist einfarbig mattschwarz, am Oberkopf aber hochkarminrot, und zwar nimmt diese Farbe beim Männchen den ganzen Oberkopf ein, wogegen sie sich beim Weibchen auf eine Stelle des Hinterkopfes beschränkt. Das Auge ist matt schwefelgelb, der Schnabel perlfarbig, an der Spitze fast schieferblau, der Fuß bleigrau. Die Jungen unterscheiden sich wenig von den Alten. Die Länge beträgt siebenundvierzig bis fünfzig, die Breite zweiundsiebzig bis fünfundsiebzig, die Schwanzlänge achtzehn Zentimeter.

Europa, soweit es bewaldet ist, und Asien bis zur Nordseite des Himalaja sind die Heimat des Schwarzspechtes. In Deutschland lebt er zurzeit auf den Alpen und allen Mittelgebirgen, namentlich dem Böhmer Wald, Riesen-, Erz- und Fichtelgebirge, Franken- und Thüringer Wald, der Rhön, dem Harz, Spessart, Taunus, Schwarzwald und den Vogesen, ebenso aber auch in allen ausgedehnten Waldungen der norddeutschen Ebene. Nach Süden hin wird er seltener, tritt jedoch auch am Südabhang der Alpen noch überall auf; so, laut Lessona und Salvadori, vorzugsweise in den von der Schweiz und Tirol nach Italien ausstrahlenden Gebirgszügen, demgemäß noch häufig im südlichen Tirol und in der Südschweiz. Ebenso lebt er in den Pyrenäen und auf der Iberischen Halbinsel wenigstens bis zu der Sierra Guadamara im Norden Madrids, nicht minder auch in Griechenland, nach Krüper in den hoch gelegenen Gebirgswaldungen am Parnaß, Veluchi und Olymp sogar nicht selten. Er bewohnt ferner alle Waldungen des Balkan, die Karpathen und die Transylvanischen Alpen und verbreitet sich von hier aus nach Osten hin über ganz Rußland, Sibirien und Nordchina, wird sogar noch auf der Insel Sachalin und in Japan gefunden. Nach Norden hin bildet in Europa der Polarkreis, in Asien der zweiundsechzigste Grad die Grenze seines Wohngebietes; nach Süden hin erstreckt sich dieselbe schwerlich weiter als im vorstehenden angegeben.

siehe Bildunterschrift

Kletternde junge Schwarzspechte (Picus martius)

Der Schwarzspecht verlangt große, zusammenhängende, möglichst wenig vom Menschen beunruhigte Waldungen, in denen mindestens einzelne, genügend starke Hochbäume stehen. Seiner Lieblingsnahrung, der Roßameise halber zieht er Schwarzholzwälder den Laubwaldungen vor, ohne jedoch in letzteren, insbesondere in Buchenwaldungen, zu fehlen. Je verwilderter der Wald, um so mehr sagt derselbe ihm zu, je geordneter ein Forst, um so unlieber siedelt er sich in ihm an, obgleich auch diese Regel keineswegs ohne Ausnahme ist. Die Hochwälder in den Alpen, die regelmäßige Bewirtschaftung wenn auch nicht unmöglich machen, so doch sehr erschweren, und die großen, zusammenhängenden Waldungen Skandinaviens, Rußlands und Sibiriens, in denen Stürme und Feuer größere Verwüstungen anrichten als der Mensch, bilden seine beliebtesten Wohnorte. Den Menschen und sein Treiben meidet er auch im Süden wie im Norden unsers heimatlichen Erdteiles, und deshalb zeigt er sich nur ausnahmsweise in der Nähe der Ortschaften. Doch erkennt auch er ihm werdenden Schutz dankbar an und tritt nach Umständen sogar in ein überraschend freundliches Verhältnis mit ihm wohlwollenden Menschen.

Mehr als jeder andere leidet der Schwarzspecht an Wohnungsnot. Bäume von solcher Stärke, wie er sie zum Schlafen und Nisten bedarf, sind selten geworden in unsern Tagen, und deshalb ist der Vogel aus vielen Gegenden, in denen er früher keineswegs spärlich auftrat, gänzlich verbannt worden. Ein einziger hohler Baum vermag ihn an ein bestimmtes Gebiet zu fesseln, und er wandert aus, wenn dieser eine Baum der Axt verfallen ist. Aber er wandert auch wieder ein, wenn die Bäume inzwischen so erstarkt sind, daß er sich eine geeignete Wohnung zimmern kann.

In der Nähe Renthendorfs, meines Geburtsortes, verschwand der Schwarzspecht aus einem mir von der Knabenzeit an wohlbekannten Wald schon Ende der dreißiger Jahre, und fast vierzig Jahre lang wurde, außer der Strichzeit, kein einziger seiner Art dort mehr gesehen. Seit ungefähr fünf Jahren aber hat er sich zu meiner lebhaften Freude wieder in demselben Walde angesiedelt, in dem mein Vater seine unübertroffenen Beobachtungen über ihn sammelte; die forstlich gehegten Bäume haben inzwischen ein Alter erreicht, wie sie es haben müssen, wenn es ihm zwischen ihnen behagen soll.

In allen Waldungen, in denen der Schwarzspecht brütet, verweilt er jahraus, jahrein in demselben eng begrenzten Gebiete. Sechs Geviertkilometer genügen seinen Ansprüchen vollständig. Innerhalb des von einem Paar behaupteten Wohnkreises duldet dasselbe kein anderes und vertreibt, nach Spechtesart, auch die eigenen Jungen aus demselben. Sie sind es, die gezwungen wandern, mindestens streichen, und ihnen verdanken wir die Wiederansiedelung derjenigen Waldungen, in der die Art ausgerottet worden war. Macht sich ein solches Pärchen von neuem in einem Wald seßhaft, so streift es anfänglich ziemlich weit umher, beschränkt sich mit der Zeit jedoch mehr und mehr und läßt sich unter Umständen mit einem Wohngebiete von hundert bis hundertundfünfzig Hektar Flächeninhalt genügen.

Das Betragen des Schwarzspechtes, den die Sage mit der zauberkräftigen Springwurzel in Verbindung bringt, hat mein Vater zuerst eingehend beschrieben, und seine Schilderung ist es, die innerhalb der seitdem verflossenen sechzig Jahre kaum eine wesentliche Bereicherung erfahren hat. Sie lege ich dem Nachfolgenden zugrunde.

Unser Schwarzspecht ist ein äußerst munterer, flüchtiger, scheuer, gewandter und starker Vogel. Bald ist er da, bald dort, und so durchstreicht er seinen Bezirk oft in sehr kurzer Zeit. Dies kann man recht deutlich an seinem Geschrei bemerken, das man im Verlauf weniger Minuten an sehr verschiedenen Orten hört. Er läßt besonders drei Töne vernehmen, zwei im Flug und einen im Sitzen. Die ersteren klingen wie »Kirr kirr« und »Klük klük«, der letztere wie »Klüh«, einsilbig, lang gezogen und sehr durchdringend, oder wie »Klihä klihä kliee«. Beim Nest stößt er aber noch andere Laute aus. Sein Flug ist von dem seiner Verwandten sehr verschieden. Er fliegt nicht in dem Grade ruckweise oder in auf- und absteigender Linie wie andere Spechte, sondern wellenförmig, fast in gerader Richtung vorwärts, wobei er die Flügel sehr weit ausbreitet und stark schlägt, so daß es aussieht, als ob sich die Schwingenspitzen biegen, nicht unähnlich dem Eichelhäher. Der Flug ist sanfter und scheint nicht so anzustrengen als der anderer Spechte, deshalb vernimmt man auch nicht ein Schnurren der Flügel wie bei diesen, sondern ein eigenes Wuchteln, das, nach Naumann, bei trüber, feuchter Witterung besonders hörbar wird. Obgleich er ungern weit fliegt, legt er doch zuweilen Strecken von zwei Kilometer und mehr in einem Strich zurück. Prachtvoll nimmt sich der fliegende Schwarzspecht aus, wenn er von der Höhe des Gebirges aus in eines der tiefen Täler sich herabsenkt. Bei dieser Gelegenheit betätigt er die volle Kraft seines Fluges und unterbricht das sausende Herabstürzen nur dann und wann durch einige leichte Flügelschläge, die mehr dazu bestimmt zu sein scheinen, ihn in wagerechter Richtung von den Wipfeln der Bäume wegzuführen als wiederum auf die Höhe eines der Bogen zu bringen, die auch er beim Fliegen beschreibt. Als meine Kärntner Freunde mich in die Karawanken geleiteten, und wir hoch oben im Gebirge von einem Jagdhäuschen aus die herrliche Landschaft unter uns überblickten, waren es zwei Schwarzspechte, die unter förmlich jauchzenden Rufen auf- und niederflogen und dabei Flugkünste entfalteten, die ich dem Vogel nimmermehr zugetraut haben würde. Auf dem Boden hüpft er ziemlich ungeschickt umher; demungeachtet kommt er nicht selten, hauptsächlich den Ameisenhaufen zu Gefallen, auf ihn herab. Im Klettern und Meißeln ist er der geschickteste unter allen europäischen Spechten. Wenn er klettert, setzt er immer beide Füße zu gleicher Zeit fort, wie alle seine Verwandten. Er hüpft also eigentlich an den Bäumen hinauf und zwar mit großer Kraft, so daß man es deutlich hört, wenn er die Nägel einschlägt. An Stauden klettert er zwar auch, aber doch seltener, und niemals meißelt er hier wie in den brüchigen Bäumen, in denen er die Larven der Riesenwespe oder Roßameisen wittert. Beim Klettern hält er die Brust weit vom Baumstamm ab und biegt den Hals nach hinten zurück.

Die großen Roßameisen und ihre Puppen sowie alle Arten von Holzwürmern, also namentlich die Larven der holzzerstörenden Käfer, die sich in Nadelbäumen aufhalten, auch die Käfer selbst, bilden die Nahrung des Schwarzspechtes. »Ich habe«, sagt mein Vater, »mehrere geöffnet, deren Magen mit Roßameisen angefüllt waren. Vorzüglich aber liebt er die Larven der großen Holzwespe. Ich habe einige untersucht, die nichts als diese Larven und ihre noch unverdauten harten Köpfe im Magen hatten. Auch habe ich Mehlwürmer, desgleichen den schädlichen Borken- und Fichtenkäfer, die rote Ameise nebst ihren Puppen in unglaublicher Menge in ihrem Magen gefunden.« Den Baschkiren soll der Schwarzspecht unangenehm werden, weil er gleich ihnen den wilden Bienen nachstrebt und Höhlungen, die diese bevölkern, durch seine Arbeiten zerstört. Bechstein behauptet, daß er auch Nadelholzsamen, Nüsse und Beeren fresse; spätere Beobachter haben diese Angabe jedoch nicht bestätigt. Um zu den Larven oder Holzwespen und zu den Holzkäfern zu gelangen, meißelt er große Stücke aus den Bäumen und Stöcken heraus, wogegen er sich der Ameisen ganz nach Art der Ameisenfresser bemächtigt, indem er sie an seine kleberige Zunge anleimt.

Die Paarungszeit fällt, je nachdem die Witterung günstig oder ungünstig ist, in die erste oder zweite Hälfte des März. »Das Männchen«, so fährt mein Vater fort, »fliegt dann dem Weibchen mit lautem Geschrei Viertelstunden weit nach, und wenn es dasselbe betreten hat oder des Nachfliegens müde ist, setzt es sich an einen oben dürren Baum und fängt an zu schnurren. Er wählt an einem solchen Baum diejenige Stelle, an der das Pochen recht schallt, setzt sich daran, stemmt den Schwanz auf und klopft so schnell mit dem Schnabel an den Baum, daß es in einem fort wie ›Errrr‹ klingt und die schnelle Bewegung seines roten Kopfes fast aussieht, als wenn man mit einem Span, an dem vorn eine glühende Kohle ist, schnell hin- und herfährt. Bei diesem Schnurren ist der Schwarzspecht weit weniger scheu als außerdem, und ich habe mich mehrmals unter den Baum geschlichen, aus dem er dieses Geräusch hervorbrachte, um ihn ganz genau zu beobachten. Das Weibchen kommt auf das Schnurren, das ich selbst eine Viertelstunde weit gehört habe, herbei, antwortet auch zuweilen durch ›Klük klük klük‹. Das Männchen schnurrt noch, wenn das Weibchen schon brütet.«

Anfang April treffen die Schwarzspechte Anstalten zum Bau ihres Nestes. »Sie legen dieses in einem kernfaulen Baum an, da, wo sich ein Astloch oder abgebrochener, inwendig morscher Ast befindet. Hier fängt das Weibchen seine Arbeit an. Es öffnet oder erweitert zuerst den Eingang von außen, bis dieser zum Ein- und Auskriechen geräumig genug ist. Alsdann wird das Aushöhlen des inneren Baumes begonnen, und zwar mit besonderer Geschicklichkeit und Emsigkeit. Dieses Aushöhlen hält um deswillen sehr schwer, weil der Schwarzspecht bei seinen Schlägen nicht gehörigen Raum hat. Ich habe ihn hierbei sehr oft beobachtet. Er hat manchmal so wenig Platz, daß er nur zwei Zentimeter weit ausholen kann. Dann klingen die Schläge dumpf, und die Späne, die er herauswirft, sind sehr klein. Hat er aber inwendig erst etwas Raum gewonnen, dann arbeitet er viel größere Späne ab. Bei einer wenig morschen Kiefer, in der ein Schwarzspecht sein Nest anlegte, waren die größten Späne, die er herausarbeitete, fünfzehn Zentimeter lang und drei Zentimeter breit. Es gehört fraglos eine ungeheure Kraft dazu, um solche Späne abzuspalten.

Das Weibchen arbeitet nur in den Vormittagstunden an dem Nest; nachmittags geht es seiner Nahrung nach. Ist endlich nach vieler Mühe und zehn- bis vierzehntägiger Arbeit die Höhlung inwendig fertig, so hat sie, von der Unterseite des Einganges gemessen, gegen vierzig Zentimeter Tiefe und fünfzehn Zentimeter im Durchmesser, bisweilen einige Zentimeter mehr, bisweilen weniger. Inwendig ist sie so glatt gearbeitet, daß nirgends ein Span vorsteht. Der Boden bildet einen Abschnitt von einer Kugel, keine Halbkugel, und ist mit seinen Holzspänen bedeckt. Auf diesen liegen dann, regelmäßig um die Mitte des April, drei bis vier, seltener fünf und noch seltener sechs verhältnismäßig kleine Eier. Sie sind sechsunddreißig bis vierzig Millimeter lang und dreißig bis zweiunddreißig Millimeter breit, sehr länglich, oben stark zugerundet, in der Mitte bauchig, unten stumpfspitzig, sehr glattschalig, inwendig reinweiß und auswendig schön glänzendweiß wie Emaille.

Kann der Schwarzspecht sein Nest hoch anlegen, so tut er es gern. Ich habe es fünfzehn bis fünfundzwanzig, einmal auch nur sieben Meter hoch gesehen. Alle, die ich fand, waren in glattstämmigen Buchen und Kiefern, nie in andern Bäumen angelegt. Ein solches Nest wird mehrere Jahre gebraucht, wenn man auch die Brut zerstört, ja selbst eines von den Alten schießt. Es wird aber jedesmal etwas ausgebessert, das heißt, der Kot der Jungen wird herausgeworfen, und einige Späne werden wieder abgearbeitet. Es macht dem Schwarzspecht zu viele Mühe, ein neues Nest zurecht zu machen; auch findet er zu wenig passende Bäume, als daß er alle Jahre seine Eier in einen andern Baum legen sollte. Ein frisches Nest kann man schon von weitem an den drei Geviertmeter weit verbreiteten Spänen erkennen. Mit ihnen ist der Boden dicht bestreut, und selbst beim erneuten liegen einige Späne unten. Dies gilt von allen Spechten. Wer also ihre Nester suchen will, braucht nur auf dem Boden sich nach diesen Spänen umzusehen. Das Männchen löst das Weibchen regelmäßig im Brüten ab. Die eben ausgekrochenen Jungen sehen höchst unförmlich aus. Sie sind nur auf dem Oberkörper, und zwar ganz sparsam, mit schwarzgrauen Dunen bekleidet, ihr Kopf erscheint sehr groß und ihr Schnabel unverhältnismäßig dick. »Jagt man das sie erwärmende alte Männchen oder Weibchen von ihnen, so geben sie einen ganz eigenen, schwirrenden Ton von sich, der mit keinem andern Vogellaut Ähnlichkeit hat und nicht genau beschrieben werden kann. Sind sie etwas größer, so hört man dieses Schwirren nicht mehr von ihnen.« Die Alten gebärden sich sehr besorgt, wenn man der Brut naht, und stoßen eigentümlich klagende Töne aus. Sie sind, wie fast alle Vögel, in der Nähe des Nestes weit weniger scheu als sonst und setzen, der Brut zuliebe, ihre eigene Sicherheit aus den Augen, was sie zu andern Zeiten niemals tun. Die Jungen werden, nach meines Vaters Beobachtungen, mit den Puppen der Roß- und braunroten Ameise von beiden Eltern, und zwar aus dem Kropf, gefüttert. »Ich habe alte, beim Neste geschossene Schwarzspechte untersucht, die den ganzen Schlund bis in den Schnabel voll solcher Ameisenpuppen hatten. Stört man die Jungen nicht, so bleiben sie im Nest, bis sie völlig fliegen können, klettern aber innen an den Wänden der Höhle auf und nieder und gucken oft mit dem Kopf zum Nestloch heraus. Das Weibchen übernachtet mit ihnen, das Männchen in der vorjährigen Bruthöhle.«

Bei geeigneter Pflege gelingt es, jung aus dem Nest genommene Schwarzspechte längere Zeit am Leben zu erhalten und bis zu einem gewissen Grad zu zähmen. Ich erhielt vor nunmehr zwölf Jahren drei dieser immer seltener werdenden Vögel, die schon fast ausgefiedert waren. Der eine von ihnen starb kurz nach seiner Ankunft, noch ehe er gelernt hatte, selbständig zu fressen; die beiden andern wurden anfänglich gestopft, gingen aber dann selbst an das Futter. Um sie zu gewöhnen, wurden ihnen Ameisenpuppen auf ein dünnes Drahtnetz gelegt, das die Decke ihres einstweiligen Käfigs bildete. Sie lernten bald, diese Puppen aufzuspießen, und man konnte dabei die wunderbare Beweglichkeit ihrer Zunge genau beobachten. Wenn sie eine Stelle von Nahrung gesäubert hatten, tasteten sie mit diesem überaus biegsamen Werkzeuge nach allen Seiten hin auf dem Drahtnetz umher und bewegten dabei die Zunge so rasch und in so mannigfachen Windungen, daß man unwillkürlich an die Krümmungen eines beweglichen Wurmes erinnert wurde. Hatten sie eine Ameisenpuppe entdeckt, so krümmten sie die Zunge, richteten die Spitze gegen die Puppe, streckten die Zunge aus und hatten regelmäßig die Beute fest angespießt.

Nachdem meine Gefangenen ordentlich fressen gelernt hatten, wurden sie in einen großen, eigens für Spechte hergerichteten Käfig gebracht. In diesem befanden sich bereits Gold- und Buntspechte, und ich war ihrethalben nicht ganz ohne Sorgen. Die Schwarzspechte zeigten sich jedoch höchst verträglich. Sie suchten keine Freundschaft mit ihren Verwandten anzuknüpfen, mißhandelten oder belästigten sie aber auch nicht, sondern betrachteten sie höchstens gleichgültig. Jeder der Vögel ging seinen eigenen Weg und schien sich um den andern nicht zu kümmern. Der einzige Übergriff, den die Schwarzspechte sich erlaubten, bestand darin, daß sie den Schlafkasten, den die Goldspechte bis dahin unbestritten innegehabt hatten, in ihren Besitz nahmen und fortan behaupteten. Der Eingang zu diesem Kasten war für sie zu eng; dies aber verursachte ihnen durchaus keinen Kummer; denn sie arbeiteten sich binnen wenigen Tagen die Höhlung so zurecht, daß sie eben für sie passend war. Gegen Abend schlüpften sie regelmäßig in das Innere, wie vorher der Goldspecht es getan, und jeder von ihnen hing sich an einer der senkrechten Wände des Kastens zum Schlafen auf. Ich hatte früher beobachtet, daß die Spechte niemals in anderer Stellung schlafen, und deshalb die Wände des Kastens mit Borke benageln lassen; somit waren sie ihnen ganz bequem, und sie schienen dies auch dankbar anzuerkennen; denn während sie im übrigen alles Holzwerk zerstörten, die an die Außenwände des Käfigs angenagelte Borke rücksichtslos abschälten, fortwährend an den ihnen zur Unterhaltung gegebenen Weidenstämmen hämmerten und selbst das Balkenwerk des Käfigs bearbeiteten, so daß es geschützt werden mußte, ließen sie das Innere ihres Schlafraumes unversehrt.

Im Anfang ihrer Gefangenschaft waren sie still; gegen den Herbst hin aber vernahm man sehr oft ihre wohlklingende, weit schallende Stimme. Leider entsprach der Käfig doch nicht allen Anforderungen. Er lag nicht geschützt genug, und so waren die Vögel dem Zug zu sehr ausgesetzt. Sie erkälteten sich, bekamen Krämpfe, fielen vom Stamm herab zum Boden, lagen minutenlang starr und regungslos unten und verschieden endlich unter derartigen Anfällen. Der zuletzt verendete war sieben Monate in der Gefangenschaft gewesen.

 

Unter den Riesenspechten ist die größte Art der Kaiserspecht ( Picus imperialis), ein wirklich riesiger Vogel, die bekannteste der Herrenspecht oder Elfenbeinschnabel der Nordamerikaner ( Picus principalis). Auch er ist noch bedeutend größer als unser Schwarzspecht; seine Länge beträgt fünfundzwanzig, die Breite achtzig, die Fittichlänge achtundzwanzig, die Schwanzlänge neunzehn Zentimeter. Das Gefieder ist glänzendschwarz, einige Federchen über den Nasenlöchern und ein schmaler Streifen, der auf der Backenmitte beginnt und, sich merklich verbreiternd, an den Hals- und Schulterseiten herabzieht, sowie die hintersten Hand- und Armschwingen dagegen sind weiß, die Schläfe und die spitzige, lange Hinterhauptshaube nebst Nacken brennend scharlachrot. Die Iris hat gelbe, der Schnabel hornweiße, der Fuß dunkelbleigraue Färbung. Das Weibchen unterscheidet sich durch die schwarze Haube vom Männchen. Das Verbreitungsgebiet des Herrenspechtes beschränkt sich auf die südlichen Vereinigten Staaten und die Insel Kuba.

Dank den Forschungen amerikanischer Vogelkundigen, insbesondere Audubons, sind wir über das Freileben, dank Wilson auch über das Gefangenenleben des Herrenspechtes trefflich unterrichtet. »Ich habe mir immer eingebildet«, sagt der erstgenannte, »daß in dem Gefieder des prachtvollen Elfenbeinschnabels etwas ist, was an Stil und Farbengebung van Dycks erinnert. Das dunkle Schwarz des Leibes, der große und wohl umschriebene weiße Fleck auf den Flügeln und Nacken, der elfenbeinerne Schnabel, das reiche Karminrot der Holle und das glänzende Gelb des Auges hat mir stets eine oder die andere jener kühnen und großartigen Schöpfungen des Pinsels dieses unnachahmlichen Künstlers vor mein geistiges Auge zurückgeführt, und meine Ansicht hat sich so tief in mir befestigt, daß ich stets, sooft ich einen Elfenbeinschnabel von einem Baum zum andern fliegen sah, zu mir sagte: dort geht ein van Dyck.

Der Flug dieses Vogels ist äußerst anmutig, obgleich er selten mehr als auf wenige hundert Meter ausgedehnt wird, es sei denn, daß der Herrenspecht einen breiten Fluß zu überfliegen habe. Dann streicht er in tiefen Wellenlinien dahin, indem er die Schwingen bald voll ausbreitet, bald wieder flatternd bewegt, um sich von neuem weiter zu treiben. Der Übergang von einem Baum zum andern, selbst wenn die Entfernung mehrere hundert Meter betragen sollte, wird vermöge eines einzigen Schwunges ausgeführt, während welches der von der höchsten Spitze herabkommende Vogel eine zierliche Bogenlinie beschreibt. In diesem Augenblick entfaltet er die volle Schönheit seines Gefieders und erfüllt jeden Beschauer mit Vergnügen. Niemals stößt er einen Laut aus, solange er fliegt, es sei denn, daß die Zeit seiner Liebe gekommen; sobald er sich aber an den Unterteil des Stammes angehängt hat, und während er zu den oberen Teilen emporsteigt, vernimmt man seine bemerkenswerte, klare, laute und angenehme Stimme, und zwar auf beträchtliche Entfernung, ungefähr eine halbe englische Meile weit. Diese Stimme oder der Lockton, der durch die Silbe ›Pät‹ ausgedrückt werden kann, wird gewöhnlich dreimal wiederholt; aber der Vogel läßt sie so oft vernehmen, daß man sagen kann, er schreit während des ganzen Tages und nur wenige Minuten nicht. Leider begünstigt solche Eigenheit seine Verfolgung ungemein, und zu dieser gibt die irrige Meinung, daß er ein Zerstörer des Waldes sei, nur zu viel Veranlassung. Dazu kommt, daß seine schönen Haubenfedern einen beliebten Kriegsschmuck der Indianer bilden, und daß er deshalb auch von den Rothäuten eifrig verfolgt wird. Die Reisenden aller Völker sind erpicht auf diesen Schmuck und kaufen von den Jägern zur Erinnerung die Köpfe des prächtigen Vogels. Ich traf Häuptlinge der Indianer, deren ganzer Gürtel dicht mit den Schnäbeln und Hauben des Elfenbeinschnabels bedeckt war.

Wie andere seiner Familie lebt auch dieser Specht gewöhnlich paarweise, und wahrscheinlich währt seine Ehe die ganze Lebenszeit. Man sieht beide Gatten stets zusammen. Das Weibchen erkennt man daran, daß es schreilustiger und vorsichtiger als das Männchen ist. Die Fortpflanzung beginnt früher als bei andern Spechten, schon im März. Das Nest wird, wie ich glaube, immer in dem Stamme eines lebenden Baumes angelegt, am liebsten in einer Esche, regelmäßig in bedeutender Höhe. Die Vögel sind sehr vorsichtig in der Wahl des Baumes und des Anlagepunktes der Höhle, weil sie Zurückgezogenheit lieben und ihre Nester vor dem Regen geschützt wissen wollen. Deshalb ist der Eingang gewöhnlich unmittelbar unter der Verbindungsstelle eines starken Astes in den Stamm gemeißelt, die Höhlung, je nach den Umständen, mehr oder weniger tief, manchmal nicht tiefer als fünfundzwanzig Zentimeter, zuweilen aber auch bis einen Meter und mehr. Der Durchmesser der Nesthöhle, die ich untersuchte, betrug etwa fünfzehn Zentimeter; das Eingangsloch ist jedoch nie größer, als daß der Vogel gerade einschlüpfen kann. Beide Gatten des Paares arbeiten an der Aushöhlung und lösen sich wechselseitig ab. Während der eine meißelt, wartet der andere außen und feuert ihn an. Ich habe mich an Bäume herangeschlichen, während die Spechte gerade mit dem Bau ihres Nestes beschäftigt waren, und wenn ich mein Ohr gegen die Rinde legte, konnte ich deutlich jeden Schlag, den sie ausführten, vernehmen. Zweimal habe ich beobachtet, daß die Elfenbeinschnäbel, nachdem sie mich am Fuße des Baumes gesehen hatten, das Nest verließen. In Kentucky und Indiana brüten sie selten mehr als einmal im Jahre, in den südlichen Staaten zweimal. Das erste Gelege besteht gewöhnlich aus sechs Eiern von reinweißer Färbung, die auf einige Späne am Grunde der Höhle gelegt werden. Die Jungen sieht man schon vierzehn Tage vor ihrem Ausfliegen zum Eingangsloch herausschauen. Ihr Jugendkleid ähnelt dem des Weibchens, doch fehlt ihnen noch die Holle; diese aber wächst rasch heran, und gegen den Herbst hin gleichen sie ihrer Mutter schon sehr. Die Männchen erhalten die Schönheit ihres Gefieders erst im nächsten Frühjahr.

Die Nahrung besteht hauptsächlich in Käfern, Larven und großen Würmern; sobald aber die Beeren in den Wäldern reifen, frißt der Vogel gierig von diesen. Ich habe gesehen, daß er sich in derselben Stellung wie unsere Meisen mit den Nägeln an die Weinreben hängt. Auch Persimonpflaumen sucht er sich zusammen, wenn diese Frucht gereift ist; niemals aber geht er Korn oder Gartenfrüchte an, obgleich man ihn zuweilen auf den in den Getreidefeldern stehenden Bäumen arbeiten sieht. Seine Kraft ist so groß, daß er Rindenstückchen von fünfzehn bis achtzehn Zentimeter Länge mit einem einzigen Schlage des mächtigen Schnabels abspalten kann, und wenn er einmal bei einem dürren Baume begonnen hat, schält er oft die Rinde auf sechs bis zehn Meter Fläche in wenigen Stunden ab.

Wenn er verwundet wird und zu Boden fällt, sucht er so schnell als möglich einen nahestehenden Baum zu erreichen und steigt an ihm mit der größten Schnelligkeit bis zu den Wipfelzweigen empor, duckt sich nieder und versteckt sich hier. Während er aufsteigt, bewegt er sich in Schraubenlinien rund um den Baum und stößt fast bei jedem Sprunge sein ›Pät, pät, pät‹ aus, schweigt aber, sobald er einen sicheren Platz erreicht. Tödlich verwundet, krallt er sich oft so fest in die Rinde, daß er noch mehrere Stunden nach seinem Tode hängen bleibt. Wenn man ihn mit der Hand faßt, solange er noch lebt, verwundet er heftig mit dem Schnabel und den Klauen, stößt aber dabei traurige und klägliche Schreie aus.«

Zur Untersippe der Häherspechte gehört der in Kalifornien und Mexiko lebende Sammelspecht ( Picus formicivorus). Der Vogel kommt unserm Buntspecht an Größe gleich; seine Länge beträgt fünfundzwanzig, die Fittichlänge sechzehn, die Schwanzlänge zehn Zentimeter. Stirnrand, Zügel, Kinn und Oberteile, ein schmaler Augenrand, Schläfen, Ohrgegend und ein breiter Streifen an den Halsseiten sowie die ganze Oberseite sind schwarz; der Vorderkopf hat weiße, gelblich getrübte Färbung, Scheitel und Hinterkopf sind wie üblich scharlachrot, die Backen bis unter die Ohrgegend und die Halsseiten nebst der Unterkehle weiß, letztere strohgelb überflogen, Kropf und Brust schwarz, durch weiße Längsflecke gezeichnet, die übrigen Unterteile weiß, an den Seiten und auf den unteren Schwanzdecken mit schmalen, schwarzen Schaftstrichen gezeichnet, Bürzel und obere Schwanzdecken und die Handschwingen von der zweiten an bis zur Wurzel ebenfalls weiß. Das Auge ist braun, der Schnabel hornschwarz, der Fuß graugelblich. Beim Weibchen zeigt der Hinterkopf nur eine breite, scharlachrote Querbinde.

»Der Sammelspecht«, sagt Heermann, »ist der häufigste und lärmendste aller Spechte Kaliforniens. Vom höchsten Zweige eines Baumes aus, auf dem er zu sitzen pflegt, schwingt er sich plötzlich nach unten herab, ein Kerbtier verfolgend, kehrt, nachdem er es ergriffen, zu seinem früheren Platze zurück und beginnt wenige Augenblicke später ähnliche Jagd. Im Herbst aber beschäftigt er sich sehr eifrig damit, kleine Löcher in die Rinde der Eichen und Fichten zu bohren und in ihnen Eicheln aufzuspeichern. In jedes Loch kommt eine Eichel, und sie wird so fest eingezwängt, daß sie nur mit Mühe herausgezogen werden kann. Zuweilen gewinnt die Rinde eines riesigen Nadelbaumes den Anschein, als sei sie dicht mit Bronzenägeln beschlagen. Diese Eicheln werden in sehr großer Menge aufgespeichert und ernähren während des Winters nicht nur den Specht, sondern auch Eichhörnchen, Mäuse, Häher usw., die diese Vorräte sehr stark mitnehmen.«

Kelly vervollständigt diese Angaben. »Beim Abschälen der Rinde eines Baumes«, sagt er, »bemerkte ich, daß sie gänzlich durchlöchert war. Die Löcher waren größer als die, die eine Büchsenkugel hervorbringt, und so regelmäßig, als hätte man sie mit Hilfe von Lineal und Zirkel eingebohrt. Viele von ihnen waren auf die netteste Weise mit Eicheln angefüllt. Ich hatte schon früher dergleichen Löcher in den meisten weicheren Bäumen wahrgenommen, jedoch geglaubt, daß sie von Kerbtieren herrührten, und mir nicht die Mühe gegeben, sie genauer zu untersuchen. Da ich sie nun aber mit fest darinsteckenden Eicheln, die der Wind nicht hatte hineinwehen können, wie beschlagen fand, so suchte ich den Ursprung zu erforschen. Die Erklärung wurde mir von einem Freunde gegeben, der auf einen Flug von Spechten, der mit dem Einbringen seiner Wintervorräte emsig beschäftigt war, hinwies. Ich folgerte nunmehr, daß der kluge Vogel nicht immer zwecklos arbeitet, sondern den Sommer damit hinbringt, die Löcher zu bohren, in denen er Speisevorräte für den Winter sammelt. Dort kann das Wetter diesen weder etwas anhaben, noch sie dem Specht unzugänglich machen. Oft habe ich die Vögel in der Nähe belauscht, wie sie mit Eicheln im Schnabel, halb sich anklammernd, halb fliegend, einen Baum umkreisten, und ich habe die Geschicklichkeit bewundert, mit der sie versuchten, ihre Eicheln in ein Loch nach dem andern einzuklemmen, bis sie eines von passendem Umfange gefunden hatten. Sie steckten die Eichel mit dem spitzen Ende zuerst hinein und klopften sie dann kunstgerecht mit dem Schnabel fest. Hierauf flogen sie weg, um eine andere zu holen. Aber das Geschäft dieses Vogels erscheint noch merkwürdiger, wenn man berücksichtigt, daß er nur solche Eicheln wählt, die gesund und vollkernig sind. Derjenige, der solche Früchte zum Rösten sammelt, liest immer eine bedeutende Menge hohler und untauglicher mit auf, weil die glattesten und schönsten häufig eine in ihnen erzeugte große Made enthalten; sogar der pfiffigste Indianer täuscht sich bei der Auswahl, all seiner Schlauheit und Erfahrung ungeachtet, wogegen unter denjenigen, die wir aus der Rinde unseres Bauholzes hervorzogen, auch nicht eine war, die irgendwelchen Keim der Zerstörung in sich getragen hätte. Es wird für eine sichere Vorbedeutung eines baldigen Schneefalles erachtet, wenn man diese Spechte mit dem Einheimsen der Eicheln beschäftigt sieht. Solange noch kein Schnee liegt, gehen sie ihre gesammelten Vorräte nicht an; dies tun sie erst, wenn die auf dem Boden liegenden Nüsse vom Schnee bedeckt sind. Dann begeben sie sich zu ihren Vorratskammern und picken sie von ihrem Inhalt leer, ohne die Nußschale aus der Öffnung hervorzuziehen. Die Rinde des Fichtenbaumes wird ihrer Dicke und geringen Widerstandsfähigkeit halber am liebsten zum Speicher benutzt.«

Saussure berichtet über unsern Sammelspecht, den er aber mit dem dem Goldspecht nahestehenden Kupferspecht verwechselt hat, folgende merkwürdige Tatsachen. »Nachdem ich«, so erzählt der uns als trefflicher Beobachter bereits bekannte Reisende, »von dem Coffre de Perote herabgestiegen war, besuchte ich den früheren Vulkan Pizarro. Dieser eigentümliche, zuckerhutförmige Berg, der über der Ebene von Perote wie eine Insel aus dem Meeresgrunde emporsteigt, erweckt das Staunen aller Reisenden durch die Regelmäßigkeit und Schönheit seiner Umrisse. Aber wenn man sich ihm nähert und die steilen Seiten dieses Lavakegels zu erklimmen anfängt, so wird man auf das unerwartetste überrascht durch den Anblick der seltsamen Pflanzenwelt, die seinen Schlackenboden bedeckt. Jenes bleiche Grün, das man von weitem für Wälder gehalten hatte, verdankt seinen Ursprung nichts anderem als einer Anzahl kleiner Agaven, deren Blattrosetten etwa einen Meter Breite haben, während der Durchmesser ihrer Blütenschäfte fünf bis acht Zentimeter beträgt. Zwischen den Artischockenarten, die dem weißen Sande außerdem noch entsprießen, wirft eine große Yucca ihren spärlichen Schatten auf blaugraue Trachytmassen, und sie allein vertritt hier, wo Bäume für eine wunderbare Erscheinung gelten können, die Stelle derselben.

Diese dürre Einöde, die, wie es schien, durch kein lebendes Wesen erheitert wurde, begann einen tiefen Eindruck auf mich auszuüben; da ward meine Aufmerksamkeit plötzlich durch eine große Menge von Spechten, die einzigen Bewohner dieser öden Striche, in Anspruch genommen. Nie stößt man ohne eine gewisse Freude, nachdem man tote Wüsten durchwandert, wieder auf Leben, und mir war es in dieser Hinsicht seit lange nicht so wohl geworden. Ich ward bald inne, daß der Kupferspecht der König dieser Örtlichkeit sei; denn obwohl noch andere Arten sich daselbst versammelt hatten, so behauptete er doch unbestreitbar das Übergewicht. Alle diese Vögel, groß wie klein, waren in außerordentlich lebhafter Bewegung, und in dem ganzen Aloewalde herrschte eine fast unnatürliche Regsamkeit, eine ungewohnte Tätigkeit. Dazu hatte die Vereinigung so vieler Spechte an einer und derselben Stelle schon für sich allein etwas Auffallendes, weil die Natur diesen Vögeln weit eher Liebe zur Einsamkeit und eine Lebensweise zum Erbteil gegeben hat, die ihnen, bei Strafe des Mangels, geselliges Beisammenwohnen untersagt. Weit entfernt daher, die Bewohner der Steppe durch unzeitiges Schießen zu erschrecken, verbarg ich mich in dem wenig gastlichen Schatten einer Yucca und versuchte zu beobachten, was hier vorgehen würde.

Es dauerte nicht lange, so löste sich vor meinen Augen das Rätsel. Die Spechte flogen hin und her, klammerten sich an jede Pflanze und entfernten sich darauf fast augenblicklich. Am häufigsten sah man sie an den Blütenschäften der Aloen. An diesen hämmerten sie einen Augenblick, indem sie mit ihren spitzen Schnäbeln wiederholt an dem Holze klopften; gleich darauf flogen sie an die Yuccastämme, wo sie dieselbe Arbeit aufs neue vornahmen; dann kehrten sie schnell wieder zu den Aloen zurück, und so fort. Ich näherte mich daher den Agaven, betrachtete ihre Stengel und fand sie siebförmig durchbohrt, und zwar so, daß die Löcher unregelmäßig eins über dem andern sich befanden. Diese Öffnungen standen offenbar mit Höhlungen im Innern in Verbindung; ich beeilte mich daher, einen Blütenschaft abzuhauen und ihn auseinanderzuschneiden, um seinen Mittelraum zu betrachten. Wie groß war mein Erstaunen, als ich darin ein wahres Vorratshaus von Nahrungsstoffen entdeckte! Die weise Vorsicht, die der kunstfertige Vogel durch die Wahl dieser Vorratskammer an den Tag legt, und die Geschicklichkeit, mit der er sie zu füllen versteht, verdienen beide in gleichem Maße beschrieben zu werden.

Die Agavepflanze stirbt, nachdem sie geblüht hat, ab und vertrocknet; aber noch lange nachher bleibt sie aufrecht stehen, und ihr Schaft bildet gleichsam einen senkrechten Pfahl, dessen äußere Schicht beim Abtrocknen erhärtet, während das Mark des Innern nach und nach verschwindet und so im Mittelpunkte des Stengels eine Röhre freiläßt, die dessen ganze Länge einnimmt. Diese Röhre hat der Specht dazu ersehen, seine Lebensmittel darin aufzuspeichern. Die Lebensmittel aber sind Eicheln, die von unsern Vögeln für den Winter in jenen natürlichen Speichern aufgehäuft werden. Die Mittelröhre des Schaftes der Agaven hat einen Durchmesser, gerade groß genug, Eicheln einzeln durchzulassen, so daß sie der Reihe nach, eine über der andern, wie die Kügelchen eines Rosenkranzes zu liegen kommen; wenn man die Röhre der Länge nach spaltet, so findet man sie gleichsam mit einer Säule von Eicheln angefüllt. Indes ist ihr Aufeinanderliegen nicht immer so regelmäßig. In den stärksten Agaven ist die Mittelröhre weiter, und in einer solchen häufen sich dann die Eicheln unregelmäßiger an. Aber wie stellt es der Vogel an, um seine Vorratskammer, die die Natur ringsum verschlossen hat, zu füllen?

Mit Schnabelhieben bohrt er am untersten Teile des Schaftes ein kleines, rundes Loch durch das Holz. Dieses Loch erstreckt sich bis zur mittleren Röhre. Er benutzt dann diese Öffnung, um Eicheln hineinzustopfen, bis er damit den Teil der Röhre gefüllt hat, der unterhalb des Loches liegt. Hierauf bohrt er ein zweites Loch an einem höhergelegenen Punkte des Schaftes, durch das er den inneren Raum der Mittelröhre, zwischen den beiden Öffnungen, anfüllt. Gleich darauf bringt er ein drittes Loch noch höher hinauf an, und so fährt er fort, bis er so hoch hinaufgestiegen ist, daß er den Punkt des Schaftes erreicht, wo die Röhre so eng wird, daß sie keine Eicheln mehr durchläßt. Man beachte jedoch, daß diese Schaftröhre weder weit noch rein genug ist, als daß die Eicheln vermöge ihrer Schwere nach unten gezogen würden; der Vogel ist im Gegenteil gezwungen, sie hineinzustoßen, und trotz seines großen Geschickes bei dieser Arbeit gelingt es ihm doch meist nur, sie zwei bis fünf Zentimeter tief in die Röhre hinabzuschieben; er ist daher in die Notwendigkeit versetzt, die Löcher sehr nahe übereinanderzustellen, wenn er vom Grunde bis zum Gipfel ein vollständiges Füllen des Schaftes bewerkstelligen will. Auch diese Arbeit verrichtet er nicht immer mit gleicher Regelmäßigkeit. Es gibt viele Agavenschäfte, deren Mark noch fast unversehrt geblieben ist und kaum irgendeine Röhre bildet. In diesem Falle muß der Specht andere Kunstgriffe anwenden, um seine Eichelvorräte niederzulegen. Wo er keine Höhlungen findet, muß er selbst welche meißeln. Zu diesem Behufe bohrt er für jede Eichel, die er Verstecken will, ein besonderes Loch und legt dieselbe dann in dem Mark selbst nieder, indem er hier ein Loch bohrt, weit genug, eine Eichel aufzunehmen. So findet man viele Stengel, in denen die Eicheln nicht in einer Röhre angehäuft sind, sondern jede für sich am Ende eines der Löcher liegt, mit dem die Oberfläche des Schaftes übersät ist. Das ist eine harte Arbeit und verursacht dem Vogel viel Schweiß. Er muß sehr fleißig sein, um eine solche Vorratskammer anzulegen. Um so leichter wird es ihm nachher, sie zu benutzen. Er hat dann nicht mehr nötig, seine Nahrung unter einer mühsam zu durchbrechenden Holzschicht zu suchen; er braucht nur seinen spitzen Schnabel in eine jener schon fertigen Öffnungen zu stecken, um eine Mahlzeit daraus hervorzulangen.

Die Geduld, die die Spechte beim Füllen ihrer Vorratskammern zeigen, ist nicht das einzig Bemerkenswerte an ihnen; die Beharrlichkeit, die sie anwenden müssen, sich die Eicheln zu verschaffen, ist noch staunenswerter. Der Pizarro erhebt sich inmitten einer Wüste von Sand und Laven, auf denen kein Eichbaum wächst. Es ist mir unbegreiflich, von woher sie Lebensmittel geholt hatten. Sie müssen viele Kilometer weit danach geflogen sein, vielleicht bis zum Abhange der Kordilleren.

Durch ein so kunstvolles Verfahren schützt die Natur diese Spechte gegen die Schrecken des Hungers in einem öden Lande, während eines sechsmonatlichen Winters, wo ein stets heiterer Himmel alles aufs höchste ausdorrt. Die Trockenheit verursacht dann den Tod des Pflanzenlebens, wie bei uns die Kälte, und die allein ihr widerstehenden, überaus dürren, lederartigen Gewächse der Savanne ernähren keine von den Kerbtieren mehr, die der Specht zu seinem Unterhalt bedarf. Ohne die geschilderte Hilfsquelle bliebe unsern Vögeln nur übrig, entweder fortzuziehen oder Hungers zu sterben.

Wir waren damals im April, das heißt im fünften oder sechsten Monat der rauhen Jahreszeit, und die Spechte beschäftigten sich damit, Eicheln aus ihren Vorratskammern hervorzulangen. Alles veranlaßt zu dem Glauben, daß es wirklich die Eicheln sind, die ihnen zur Speise dienen, und nicht etwa kleine Larven, die jene enthalten können. Die Art und Weise, wie sie die Eicheln genießen, ist ebenso merkwürdig als das oben Angedeutete. Die platte, rundliche Eichel kann von den zu großen Füßen des Spechtes schwer gefaßt werden. Um ihr einen Halt zu geben und um sie mit dem Schnabel spalten zu können, nimmt der Vogel wieder seine Zuflucht zu einem sehr geschickten Kunstgriff. Er bohrt in die Rinde, die die verdorrten Yuccastämme umgibt, ein Loch, gerade groß genug, um die Eichel mit ihrem dünnen Ende hineinzustecken, aber nicht groß genug, um sie ganz hineingehen zu lassen, klemmt sie in dies Loch und stößt sie mit seinem Schnabel hinein wie einen Zapfen in ein Spundloch. Die so festgehaltene Frucht wird dann mit Schnabelhieben angegriffen und mit der größten Leichtigkeit zerstückt; denn mit jedem Streiche stößt der Specht sie tiefer und fester hinein. Aus diesem Grunde sind die Stämme vieler Yuccas ebenso durchlöchert wie die Agavenschäfte.

Das im vorstehenden geschilderte Verfahren ist merkwürdig. Hier haben wir einen Vogel, der Wintervorrat sammelt. Aus weiter Ferne holt er eine Nahrung, die seiner Gattung sonst nicht eigen ist, und trägt sie in andere Gegenden, dahin, wo die Pflanze wächst, die ihm zur Vorratskammer dient. Er verbirgt sie nicht in hohlen Bäumen, nicht in Felsenspalten oder Erdhöhlen, kurz an keinem jener Orte, die sich naturgemäß seinem Suchen darzubieten scheinen, vielmehr in schmalen, im Mittelpunkt eines Pflanzenstengels verborgenen Röhren, von deren Vorhandensein er weiß. Zu diesen Röhren bahnt er sich einen Weg, indem er das sie rings umschließende Holz zertrümmert; in ihnen häuft er seinen Vorrat in strengster Ordnung auf und bewahrt ihn so, sicher vor der Feuchtigkeit, in einem Zustande, der höchst günstig auf seine Erhaltung einwirkt, geschützt zugleich vor Ratten und samenfressenden Vögeln, die nicht imstande sind, durch das ihn schützende Holz zu dringen.«

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Die Buntspechte ( Dendrocopus) gelten als die vollendetsten Mitglieder der Gesamtheit, weil sie fast ausschließlich stammlebig sind und nur ausnahmsweise zum Boden herabkommen. Sie gehören zu den mittelgroßen und kleinen Arten und sind verhältnismäßig gedrungen gebaut. Der Schnabel ist etwa kopflang, gerade, am Grunde ebenso hoch als breit, auf der Firste scharfkantig, der Fuß kurzzehig, der Fittich mittellang, in ihm die dritte Schwinge die längste, der Schwanz lang und keilförmig, das Gefieder endlich regelmäßig auf schwarzem Grunde weiß gezeichnet und an gewissen Stellen durch Rot oder Gelb geziert. Die hierher gehörigen Arten bewohnen fast alle Verbreitungsgebiete der Spechte überhaupt, ausschließlich Mittel- und Südafrika.

 

Unser Buntspecht ( Dendrocopus major) darf als das bekannteste Mitglied dieser Sippe betrachtet werden. Er entspricht seinem Namen; denn sein Gefieder ist wirklich außerordentlich bunt. Oberkopf und Oberseite sowie ein schmaler Zügelstreifen, der sich vom Schnabelspalt nach hinten zieht und an den Halsseiten, gegen die Brust hin sich erweiternd, verläuft, aber nicht mit dem jener Seite verschmilzt, sind schwarz, Zügel- und Kopfseiten bis auf die Schläfe, ein länglicher Querfleck auf den Halsseiten hinter den eben genannten Teilen sowie ein breites Längsfeld auf den Schultern weiß, die Unterteile ebenso, meist jedoch durch Schmutz getrübt, ein breiter Hinterhauptsfleck, die Aftergegend und unteren Schwanzdecken hoch scharlachrot, die Handschwingen gezeichnet mit fünf, die Armschwingen mit drei weißen Querflecken, die bei zusammengelegtem Flügel fünf Querbinden bilden, die äußeren beiden Schwanzfedern in der weißen Endhälfte mit zwei schwarzen Querbinden, wogegen die dritte jederseits nur einen schwarzen Querfleck zeigt. Dem Weibchen fehlt das Rot des Hinterkopfes. Bei den Jungen ist der Oberkopf karminrot. Das Auge ist braunrot, der Schnabel licht bleifarben, der Fuß grünlichgrau. Die Länge beträgt 23 bis 25, die Breite 46 bis 48, die Fittichlänge 16, die Schwanzlänge 8,5 Zentimeter.

 

In Nordwestafrika wird unser Buntspecht durch den Maurenspecht, in Syrien und Palästina, Persien, China und am Himalaja durch andere Verwandte vertreten, die die verschiedenen Forscher bald als selbständige Arten, bald nur als Abarten erklären. Der Maurenspecht ( Dendrocopus numidicus) verdient aus dem Grunde Erwähnung, weil er nach eigenem Befunde in Spanien und ein ihm wenigstens sehr nahestehender Vogel, nach Altum, einmal im Münsterlande vorgekommen ist. Er unterscheidet sich vom Buntspecht durch beträchtlich geringere Größe und außerdem dadurch, daß die schwarzen Streifen der Halsseiten weniger entwickelt sind, dafür aber beide durch ein quer über die Unterkehle ziehendes, prächtig hochrotes, bei alten Vögeln schwarz gesäumtes, bei jüngeren durch schwarze Flecke getüpfeltes Querband vereinigt werden.

 

Ganz Europa und Sibirien bis Kamtschatka sowie Japan sind die Heimat des allbekannten Buntspechtes. Er darf als der gemeinste unserer europäischen und ebenso als der häufigste der sibirischen Arten bezeichnet werden. Ich habe ihn in allen Ländern unseres heimatlichen Erdteils, die ich bereiste, gefunden, und zwar, mit alleiniger Ausnahme der Alpen, soweit die Waldungen reichen. Er bewohnt Lappland spärlich, das südliche Skandinavien und Finnland bereits ziemlich häufig und ist im ganzen übrigen Europa wenigstens keine Seltenheit, obwohl er in Spanien, entsprechend der Baumarmut des Landes, viel einzelner auftritt als bei uns. Dasselbe gilt für Griechenland, nicht aber für Italien. Hier begegnet man ihm ebenso häufig wie in Deutschland, und zwar in den verschiedensten Waldungen. In der Türkei und in ganz Rußland, einschließlich des Kaukasus, ist er gemein, in Sibirien wenigstens in allen Waldgegenden, ja nicht selten sogar in den waldlosen Hochsteppen zu finden, obwohl ihm hier nur die Zäune oder die hölzernen Gebäude Gelegenheit zum Klettern geben. Wird in der Steppe eine Baumpflanzung angelegt, so ist er, laut Radde, der erste, der in das ihm sonst unwirtliche Gebiet übersiedelt und sich seßhaft macht.

Der Buntspecht liebt Vorhölzer und tiefe Waldungen, kommt aber auch in Feldhölzern vor und erscheint im Herbst und Winter in den Gärten. Er bevorzugt Kiefer-, Pappel- und Weidenwaldungen. Während des Sommers bewohnt er ein nicht eben ausgedehntes Gebiet; im Herbst und Winter streicht er in einem größeren Bezirk umher und lebt dann gewöhnlich in Gesellschaft von Kleibern, Baumläufern, Meisen und Goldhähnchen. Im Sommer duldet er innerhalb seines Gebietes keinen seinesgleichen. Bei seinen Streifereien folgt er den Bäumen und meidet es, über das freie Feld zu fliegen. Freilich kennt er auch keine Umwege, da seine Streifereien eben nur den einen Zweck haben, sich reichlichere Nahrung zu suchen, als er sie an seinem eigentlichen Standorte findet, und sich dabei zugleich ein wenig in der Welt umzusehen.

Der Buntspecht ist, wie Naumann sagt, ein kräftiger, munterer, gewandter, kecker und dabei schöner Vogel, dessen abstechende Farben in ihrer bunten Abwechslung ihn auch in der Ferne, und besonders wenn er fliegt, im hohen Grade zieren. »Es sieht herrlich aus, wenn bei heiterem Wetter diese Buntspechte sich von Baum zu Baum jagen, im Sonnenschein schnell an den Ästen hinauflaufen oder auch an den oberen Spitzen hoher Bäume sich sonnen oder auf einem dürren Zacken, von der Sonne beschienen, ihr sonderbares Schnurren hervorbringen. Sie sind fast immer in Bewegung, dabei sehr hurtig und beleben den Wald, besonders die düsteren Nadelwaldungen, auf eine angenehme Weise.« Der Flug geschieht ruckweise, ist ziemlich schnell und schnurrend, geht aber gewöhnlich nicht weit in einer Strecke fort. Auf dem Boden hüpft der Buntspecht noch ziemlich geschickt umher, kommt jedoch selten zu ihm herab. Sehr gern setzt er sich auf die höchsten Wipfel der Bäume und läßt dabei sein »Pick Pick« oder »Kik kik« wiederholt vernehmen. Nachtruhe hält er, wie die übrigen Spechte, in hohlen Bäumen; solche Schlupfwinkel sucht er auch auf, wenn er verwundet ist. Gegen seinesgleichen zeigt er sich keineswegs liebenswürdig; man kann auch ihn, trotz seiner Streifereien mit dem Kleingeflügel, nicht gesellig nennen. Gegen Meisen, Goldhähnchen, Baumläufer und Kleiber benimmt er sich ebensowenig freundschaftlich. Er scheint zwar ihr Anführer zu sein, bekümmert sich aber nicht um sie, sondern überläßt es dem Kleingesindel, ihm nachzuleben. Da er in Sibirien jedoch auch in Gesellschaft der wandernden Drosseln gefunden wird und letztere sicherlich nicht ihm zu Gefallen im Walde umherstreifen, muß man annehmen, daß ihm derartige Gesellschafter ungeachtet seiner scheinbaren Gleichgültigkeit doch recht gut behagen. Anders benimmt er sich einem zweiten Buntspecht gegenüber, ob aus Eifersucht oder Futterneid, will ich unentschieden lassen. Er ist einer von den Spechten, die sich durch nachgeahmtes Pochen regelmäßig anlocken lassen. Im Frühling verfehlt er gewiß nie, sich einzustellen, sobald er ein Klopfen nach Art seines Trommelns oder Hämmerns vernimmt, denn dann kommt noch die Eifersucht ins Spiel; aber auch im Sommer und Herbst erscheint er dicht vor dem Jäger, der ihn foppte, und klettert auf allen Zweigen umher, um den vermeintlichen Nebenbuhler oder Beeinträchtiger zu erspähen. Und nicht bloß das Männchen fliegt herbei, sondern auch das Weibchen; ein deutlicher Beweis, daß nicht allein die Eifersucht, sondern auch der Futterneid Ursache dieses Betragens ist.

Mancherlei Kerbtiere und deren Eier, Larven, Puppen, aber auch Nüsse und Beeren bilden die Nahrung des Buntspechtes. Mein Vater und nach ihm Naumann versichern, auf ihre Beobachtungen gestützt, daß er keine Ameisen fresse und ebensowenig seine Jungen mit den Puppen derselben füttere; Gloger hingegen erfuhr, daß ein Buntspecht, den er bei starkem Froste geschossen hatte, seinen Magen »lediglich und beinahe vollständig« mit großen Waldameisen gefüllt hatte. Nach meines Vaters Beobachtungen ist er der Hauptfeind des Borkenkäfers, seiner Larven und Eier. Um zu diesen zu gelangen, spaltet er die Schalenstücke der Fichten ordentlich ab. »Ich habe dies oft mit Vergnügen beobachtet. Er läuft an den Stämmen, deren Rinde zersprungen und locker aufsitzt, herum, steckt den Schnabel und die Zunge unter die Schale und spaltet diese ab, wenn er nicht zu den Kerbtieren gelangen kann. Ich habe die heruntergefallenen Stücke untersucht und immer gefunden, daß sie von Borken- und Fichtenkäfern unterwühlt waren. Auch frißt er allerlei Räupchen, die für die Waldbäume nachteilig sind, und füttert damit seine Jungen groß. Er ist ein wahrer Erhalter der Wälder und sollte auf alle Weise geschont werden.« Hierin stimmen fast alle Beobachter überein. »Wenn er an schwachen Asten hackt« fügt Naumann hinzu, »bemerkt man, daß er oft plötzlich auf die andere Seite derselben läuft und nachsieht, um auch die durch das Pochen hier aufgescheuchten und entfliehenden Kerbtiere wegfangen zu können; denn diese machen es gerade wie die Regenwürmer, wenn der Maulwurf die Erde aufwühlt. Sie kennen die Annäherung ihres Todfeindes so gut wie jene.« Ausnahmsweise geschieht es übrigens doch, daß sich der nützliche Vogel kleine Sünden zuschulden kommen läßt. So wurde nach Wieses Versicherung im Jahre 1844 ein Buntspecht geschossen, um festzustellen, was er in seinem Schnabel zu seinen Jungen tragen wollte, und man fand bei ihm eine junge, noch ganz nackte Meise, auf die er wahrscheinlich zufällig bei seiner Kerbtierjagd gestoßen war. Doch geschehen derartige Übeltaten gewiß sehr selten. Viel häufiger nährt er sich von Sämereien und zumal von Haselnüssen und Kiefernsamen. Erstere bricht er ab, trägt sie in den Spalt eines Baumes, den er dazu vorgerichtet hat, und hackt sie auf. An Fichtenzapfen sieht man ihn oft hängen und arbeiten; häufiger noch beißt er sie ab, schleppt sie auf einen Ast und frißt den Samen heraus. Während der Samenreife unserer Nadelbäume verzehrt er mit Vorliebe Kiefernsamen, obgleich es ihm nicht leicht wird, zu diesem zu gelangen. »Wenn er Kiefernsamen fressen will«, berichtet mein Vater, »hackt er erst auf der oberen Seite eines gespalteten oder dürren Astes ein Loch, so daß ein Kieferzapfen zur Hälfte hineingeht. Einmal habe ich ein solches Loch auch in der dicken Rinde einer Kiefer nahe am Boden gesehen; es wurde aber wenig benutzt. Ist das Loch fertig, so fliegt der Buntspecht nach der Krone des Baumes und von Ast zu Ast, um es bequem zu haben, läuft auch auf einem Zweige vor, faßt ein Zäpfchen mit dem Schnabel am Stiel und beißt es ab, aber so, daß er es mit dem Schnabel noch halten kann, trägt es nun zu dem beschriebenen Loch und legt es so in dasselbe, daß die Spitze nach oben zu stehen kommt. Jetzt faßt er es mit den inneren Vorderzehen und hackt so lange auf die Spitze, bis die Deckelchen zerspalten und der Samen herausgeklaubt werden kann. Ist er mit einem Zapfen fertig, was drei bis vier Minuten Zeit kostet, so holt er einen andern auf dieselbe Art, wirft aber den vorigen nie eher herab, als bis er den zweiten in das Loch legen kann. Es scheint mir dies um deswillen zu geschehen, damit er den alten noch einmal durchsuchen könne, wenn er keinen neuen fände; denn rein ausgefressen, wie von den Kreuzschnäbeln, werden die Zapfen nie. Dies Geschäft setzt er oft den größten Teil des Tages fort und zwar auf einem und demselben Baum. Ich habe in meinem Wald eine Kiefer, auf der ein und derselbe Specht oft viele Wochen lang sein Wesen treibt. Schon Mitte August beginnt er Kiefernsamen zu fressen, obgleich dieser noch nicht vollkörnig, geschweige reif ist, und während des Winters nährt er sich fast lediglich von ihm, während man an den Schnäbeln anderer Spechte oft Erde findet.«

So geschickt der Buntspecht im Aufhacken der Kiefernzapfen ist, so wenig Ausdauer beweist er beim Anlegen seines Nestes. Er beginnt viele Höhlungen auszuarbeiten, bevor er eine einzige vollendet, und wenn irgend möglich, sucht er eine solche wieder auf, in der er oder einer seiner Anverwandten früher schon brütete. Wenn er weiche Baumarten zur Verfügung hat, wie dies beispielsweise in den russischen und steirischen Wäldern fast überall der Fall ist, bevorzugt er diese den hartholzigen so entschieden, daß man fast mit Bestimmtheit darauf rechnen kann, in jeder zwischen Kiefern und Fichten eingesprengten Espe, Pappel oder Weide seine Nesthöhle zu bemerken. Diese befindet sich fast stets in beträchtlicher Höhe, in der Regel zehn Meter und höher, seltener niedriger über dem Boden. Das Eingangsloch zum Nest ist so klein, daß der Vogel eben hinein- und herauskriechen kann, die innere Höhlung, von der unteren Seite des Einganges gemessen, gewöhnlich dreißig Zentimeter tief bei fünfzehn Zentimeter im Durchmesser, ungefähr; die Nestkammer inwendig ebenso glatt ausgearbeitet wie die anderer Spechte und unten ebenfalls mit feinen Spänen belegt. Vor der Paarung geht es sehr lebhaft zu; denn gewöhnlich werben zwei oder mehrere Männchen um ein Weibchen. »Sie schwirren«, erzählt mein Vater, »hoch über den Bäumen weg und fliegen oft im Kreis herum. Hat eines das Fliegen satt, so setzt es sich auf einen dürren Ast und schnurrt jenem zum Possen. Dies bemerkt man deutlich daran, daß, sobald ein Männchen aufgehört hat, das andere anfängt. So währt das Spiel stundenlang fort. Erblickt ein Buntspecht während dieser Zeit das Weibchen, das sich immer in der Nähe aufhält, so verläßt er seinen Platz sogleich und fliegt ihm nach. Beide jagen sich dann herum und schreien sehr stark ›Käck käck käck‹ und ›Kick kick‹. Hört das der andere Specht, so kommt auch er herbei, und dann wird das Geschrei noch ärger; beide verfolgen das Weibchen oder beißen einander. Dieses Spiel dauert bis sieben, höchstens bis acht Uhr morgens und wird solange getrieben, bis ein Männchen den Sieg errungen und das andere vollkommen vertrieben hat.« Das Gelege besteht aus vier bis fünf, selten sechs, kleinen, länglich gestalteten Eiern, die sehr zartschalig, feinkörnig und glänzendweiß von Farbe sind. Beide Gatten brüten abwechselnd, zeitigen die Eier in vierzehn bis sechzehn Tagen und füttern die anfangs höchst unbehilflichen, häßlichen, weil unförmlichen Jungen mit Aufopferung groß. Sie lieben ihre Brut ungemein, schreien ängstlich, wenn sie bedroht wird, und weichen nicht vom Nest. Auch nach dem Ausfliegen führen und füttern sie ihre Kinder lange Zeit, bis diese wirklich selbständig geworden und imstande sind, sich ohne jegliche Anleitung ihre Nahrung zu erwerben.

Gefangene Buntspechte sind höchst unterhaltend. Es ist nicht schwer, sie an ein Ersatzfutter zu gewöhnen. Ich habe sie bei gewöhnlichem Drosselfutter monatelang erhalten. Sie vertragen sich sehr gut mit dem verschiedensten Kleingeflügel, das man zu ihnen bringt, nicht aber mit andern ihrer Art. Denn ihre Unverträglichkeit, ihre Zank- und Raufsucht bekunden sich schon in frühester Jugend. »Geschwister«, so schreibt mir Liebe, »die tags zuvor aus der Nesthöhle genommen sind und noch nicht ordentlich fliegen können, fallen, wenn sie zugleich an den Kleidern ihres Pflegers hängen, schon mit solcher Wut übereinander her, daß man sie kaum schnell genug trennen kann, um schlimme Verwundungen, namentlich am Kopf oder an der Zunge, zu verhüten. Abgesehen von dieser Zanksucht erfreuen sie jeden ihrer wohlwollenden Pfleger durch die Anmut und Rastlosigkeit ihrer Bewegung, durch ihre muntere, helle Stimme und ihr schmuckes Aussehen.«

Wie anhänglich Buntspechte werden können, mag aus nachstehender Mitteilung Girtanners hervorgehen, die zwar ebenfalls bereits in den »Gefangenen Vögeln« veröffentlicht wurde, aber zu bezeichnend für die Spechte ist, als daß ich sie hier weglassen könnte. »Einem meiner Pfleglinge, der durchaus selbständig geworden war und auch Würmer, Maden, Spinnen und dergleichen suchen gelernt hatte, wollte ich die Freiheit schenken, trug ihn tief in den Hochwald und ließ ihn fliegen. Sofort rutschte er vergnügt an einer Tanne empor und schien guter Dinge zu sein, sah sich aber beständig nach mir um. Als ich mich entfernen wollte, begann er zu locken, flog mir nach und hängte sich an mich. So oft und so weit als möglich ich ihn auch fortwarf, immer wußte er mich wiederzufinden, und so blieb mir zuletzt nichts anderes übrig, als ihn wieder mit nach Hause zu nehmen. Ein anderer wurde so außerordentlich zahm, daß er nach Belieben aus- und einfliegen durfte und, weil er niemals ans Entfliehen dachte, auf den Bäumen der städtischen Anlagen öfter als zu Hause zu sehen war. Auf einen Pfiff von mir antwortete er stets, kam herbeigeflogen und erhielt sodann zur Belohnung Maikäferlarven. Wußte er, daß in der von mir geführten Blechbüchse solche noch vorrätig waren, so ließ er sich nicht vertreiben. In einem unweit meines Hauses gelegenen öffentlichen Garten verstand er, mich auch aufzufinden, suchte mich hier regelmäßig auf, erbettelte sich irgendeine Leckerei, Käfer, Nüsse, Früchte und dergleichen, flog damit zum nächsten Baum, klemmte sie in eine vorgerichtete Spalte, zerhackte sie hier und zehrte sie auf.«

Die Buntspechte werden von dem Hühnerhabicht und Sperber zuweilen gefangen, entgehen diesen furchtbaren Feinden im Wald aber oft durch die Gewandtheit, mit der sie Bäume zu umkreisen oder sich in Schlupfwinkel zu bergen wissen. Ihre Brut wird von Wieseln und Eichhörnchen zerstört. Den letzteren sind sie, wie Naumann versichert, sehr abhold und verfolgen sie mit ängstlichem Geschrei, wenn sie in die Nähe ihres Nestes kommen.

 

In Laubwaldungen der Ebene gesellt sich zum Buntspecht der etwas kleinere und schönere Mittelspecht ( Dendrocopus medius), ein Vogel von einundzwanzig Zentimeter Länge, vierzig Zentimeter Breite, dreizehn Zentimeter Fittich-, acht Zentimeter Schwanzlänge und sehr ansprechender Färbung und Zeichnung. Stirn und Vorderkopf sind schwach rostweißlich, Scheitel und Hinterkopf scharlachrot, Nacken, Hinterhals und übrige Oberteile schwarz, Kopf» und Halsseiten, Schläfen und Unterseite bis zum Bauch weiß, auf der Brustmitte schwach rostgelb verwaschen, Bauch, After und untere Schwanzdecken licht scharlachrot, Schenkelseiten rosenrot und wie die Brustseiten mit schmalen, schwarzen Schaftstrichen gezeichnet. Unter dem Ohr steht ein schwarzer Längsfleck, der sich mit einem schmäleren Streifen verbindet und bis zur Brust herabzieht; die weißen Schulterflecke bilden ein großes Feld. Die schwarzen Handschwingen zeigen fünf, die Armschwingen drei breite weiße Querflecke, die Armdecken weiße Spitzen, und es entstehen dadurch am zusammengelegten Flügel sechs weiße Querbinden. Die äußeren beiden Schwanzfederpaare sind in der Endhälfte weiß, mit zwei dunklen Querbinden, die auf der Innenfahne der zweiten Steuerfeder bis auf eine sich verringern, gezeichnet. Das Auge ist rot, der Schnabel bläulich hornschwarz, der Fuß grauschwärzlich. Das Weibchen ähnelt dem Männchen, doch ist das Rot des Oberkopfes und Unterleibes heller und der Kopf wie die Brust deutlicher rostgelb verwaschen. Den jungen Vogel erkennt man an seinem schmutzigrot verwaschenen Oberkopf und den blaßroten Unterschwanzfedern. Der Mittelspecht gehört zu den wenigen Vögeln, die die Grenzen unseres heimischen Erdteiles nur an einzelnen Stellen überschreiten. Sein Verbreitungsgebiet reicht nach Norden hin bis ins mittlere Schweden, nach Südosten bis Kleinasien, nach Osten bis Bessarabien, nach Süden bis Griechenland, Italien und Spanien, nach Westen hin bis zur Küste des Atlantischen Meeres. In Deutschland und Frankreich tritt er keineswegs überall, sondern immer nur an einzelnen Stellen und zwar vorzugsweise in Laubwaldungen auf.

Wir verdanken Naumann, der vielfache Gelegenheit hatte, den Vogel zu beobachten, die eingehendste Schilderung seines Lebens und Treibens, und diese ist es, die ich dem Nachfolgenden zugrunde lege. Wie die meisten verwandten Stand- und Strichvögel, verläßt der Mittelspecht schon im August oder doch im September sein Wohngebiet, wandert von einem Gehölz zum andern und kehrt im März wieder nach demselben zurück. In der Zwischenzeit, besonders aber im Oktober, findet man ihn dann überall in Gehölzen, in denen er nicht brütet. Viele bleiben während des ganzen Winters in Deutschland, manche auch in unmittelbarer Nähe ihres Nistbezirkes, andere mögen südlichere Gegenden zu ihrem Winteraufenthalt wählen. Sie reisen einzeln, die Jungen anfänglich vielleicht mit den Eltern, jedoch niemals ihrer mehr als drei zusammen, selbstverständlich nur bei Tage, vorzüglich in der Morgendämmerung, folgen dabei in der Regel dem Zug der Wälder und selbst einzelnen, diese verbindenden Baumreihen, scheuen sich jedoch nicht, auch weit über freies Feld zu fliegen. Treffen sie auf ihren Streifereien längere Zeit nicht auf Laubwald, so verweilen sie zeitweilig wohl auch im Schwarzwald, bevorzugen aber unter allen Umständen den reinen Laubholzwald oder verlangen wenigstens gemischte Holzungen, wenn es ihnen gefallen soll. Die Auwaldungen an der Elbe, die zwar vorzugsweise aus Eichen bestehen, jedoch auch viele Ulmen, Espen, Weißbuchen, Ellern und andere Holzarten enthalten, auch mit Wiesen und Viehtriften abwechseln, beherbergen ihn im Sommer und Winter in Menge, und von hier aus streicht er dann, zumal im Herbst, nach kleineren Gehölzen, Kopfweidenpflanzungen, besucht ebenso Baum- und Ostgärten und läßt sich unter Umständen wochenlang hier fesseln. Man sieht ihn an den Stämmen, bald nahe über dem Boden, bald hoch oben in den Ästen, und selbst in den Wipfeln klettern, gleichviel ob es sich um alte oder junge Bäume handelt, sowie er auch auf die dünnsten Äste hinaussteigt. Zum Boden herab kommt er wie alle Buntspechte bloß ausnahmsweise, verweilt hier auch stets nur kurze Zeit. Hält er sich während des Winters länger in einer Gegend auf, und fehlt es hier an einer Baumhöhlung, in der er die Nacht zubringen kann, so bereitet er sich zu diesem Behuf eine neue, und man sieht ihn solche, oft mühsam genug, meist auf der unteren Seite eines wagerechten morschen Astes anlegen.

siehe Bildunterschrift

Großer Buntspecht (Dendrocopus major)

Auch unter seinen Verwandten fällt der Mittelspecht durch seine bunte Schönheit angenehm auf und das abstechende Schwarz und Weiß mit dem leuchtenden Rot herrlich in die Augen. An Munterkeit übertrifft er fast alle andern Arten. Seine Bewegungen sind hurtiger und gewandter als die des Rotspechtes; wenn er mit diesem in Streit gerät, so weiß er sich durch geschickte Wendungen recht gut vor Tätlichkeiten desselben zu sichern. Wenig gesellig und unverträglich wie alle Spechte, hadert er auch mit seinesgleichen beständig, und nicht selten sieht man ihrer zwei sich packen und unter vielem Schreien ein Stück herunter-, zuweilen selbst bis zum Boden herabfallen. Anlaß zu solchen Streitigkeiten findet sich, sobald ein anderer gleichzeitig denselben Baum beklettert; denn aller Streitlust ungeachtet streichen doch oft mehrere gemeinschaftlich in einem Gehölz umher. Ebenso wie der Buntspecht gesellt er sich zu Meisen, Goldhähnchen, Kleibern und Baumläufern, ja der streichende Mittelspecht erscheint so regelmäßig mit solchem Gefolge, daß es zu den Ausnahmen gehört, wenn man einmal einen ohne das kleinere Volk bemerkt. Mit den andern Arten seiner Familie teilt er beständige Unruhe und Hast. Nur wenn es sich darum handelt, erkundete Beute aus dem Holz zu ziehen, verweilt er kurze Zeit auf einer und derselben Stelle; im übrigen ist er fortwährend in Bewegung. Seine Gewandtheit zeigt auch er nur im Klettern und Fliegen. Auf dem Boden hüpft er mit stark gebogenen Fersen, wenn auch nicht gerade schwerfällig, umher; im Klettern zeigt er sich so überaus gewandt, daß er von keinem andern einheimischen Specht übertroffen werden dürfte. Sein Flug bewegt sich in einer großen Bogenlinie und ist leichter und schneller noch als der des Buntspechtes. Diesem ähnelt er auch hinsichtlich seiner Stimme; sein »Kick« oder »Kjick« liegt jedoch höher und folgt schneller und hastiger aufeinander als bei dem letztgenannten. Im Frühjahre schreien die Mittelspechte viel, und wenn die Männchen um ihre Weibchen werben, setzen sie sich dabei oft auf die Spitze eines hohen Baumes und wiederholen die Silbe »Kick« unzählige Male und gegen den Schluß hin gewöhnlich so schnell nacheinander, daß man das ganze eine Schäkerei nennen möchte. Der Ruf gilt dem Weibchen, lockt jedoch auch andere Männchen herbei und wird dann Aufforderung zum Kampf. Denn nicht selten sieht man bald darauf ein anderes Männchen mit dem ersteren in dem heftigsten Streit von einem Baum zum andern jagen und auf den Ästen entlang sich verfolgen. Auch kommt es dann wohl zu wirklichen Angriffen, und erst wenn beide des Jagens müde sind, hängen sie sich nebeneinander an einen Baum und schreien gewaltig, unter diesen Umständen aber kreischend und quäkend, also ganz anders als gewöhnlich. Hierbei sträuben sie die schön gefärbten Kopffedern hoch auf, verharren ein Weilchen in drohender Stellung, fahren meist plötzlich wieder aufeinander los und packen sich nicht selten so, wie vorstehend geschildert. Das verliebte Männchen jagt während der Paarungszeit in ähnlicher Weise hinter dem Weibchen her, bis dieses sich ihm ergibt. Außerdem gefallen sich die Männchen während der Begattungszeit auch darin, an dürren Zacken nach Art der Buntspechte zu trommeln und beleben dadurch die Eichenwälder in höchst anmutiger Weise.

Die Nahrung des Mittelspechtes ist fast dieselbe, die wir beim Buntspecht kennengelernt haben; doch hält er sich mehr an Kerbtiere als dieser und frißt mancherlei Baumsämereien nur nebenbei. Um sein tägliches Brot zu gewinnen, erklettert auch er die Bäume vom Stamm an, hämmert und pocht ununterbrochen an ihnen und nimmt alle Kerfe weg, die in den Rissen der Borke unter der Schale oder in dem vermorschten Holz sitzen. Borken-, Zangen- und Rüsselkäfer in allen Lebenszuständen, die Larven der Borkenkäfer und Holzwespen, Spinnen, Kerbtiereier und Raupen beschicken seinen Tisch, und da seine rege Tätigkeit raschen Stoffwechsel bedingt, sieht man ihn vom frühen Morgen an bis zur Abenddämmerung in Arbeit. Reifen die Nüsse, so besucht er die Haselbüsche, bricht eine Nuß ab, klemmt sie wie der Buntspecht in einen bequem und dazu eingerichteten Spalt oder in eine Zweiggabel, öffnet sie und verzehrt den Kern. Ebenso verfährt er mit Eicheln und Bücheln, die er ebenfalls gern genießt. Wie der Buntspecht, nicht selten in dessen Gesellschaft, besucht er Kirschpflanzungen, um die dort gereiften Früchte abzupflücken, den Kern zu spalten und dessen Inhalt zu genießen. Auch er frißt Nadelbaumsämereien und öffnet wie der Buntspecht Kiefernzapfen, scheint dies jedoch nur dann zu tun, wenn ihm beliebtere Speise mangelt.

Schon zu Ende des März oder im April regt sich der Fortpflanzungstrieb. Jetzt erschallt der Wald wieder von dem Geschrei unseres Spechtes. Unter fortwährenden Kämpfen mit andern Nebenbuhlern erwirbt er sich endlich ein Weibchen und schreitet nunmehr zur Herstellung des Nistraumes, falls sich ein solcher nicht schon in dem von ihm bewohnten Gebiete findet. Die Nisthöhlung wird nicht leicht tiefer als sechs, oft bis zwanzig Meter über dem Boden, bald im Schaft eines Baumes, bald in einem dicken Aste angelegt. Das runde Eingangsloch ist so eng, daß es den Vogel eben durchläßt, die kesselförmig erweiterte Nisthöhlung achtzehn bis fünfundzwanzig Zentimeter tief, selten tiefer. Die fünf bis sieben kurzeiförmigen, rein weißen, glänzenden, glatten und feinkörnigen Eier liegen auf wenigen feinen Holzspänen am Boden der an den Wänden glatt gearbeiteten Höhle und werden in fünfzehn Tagen abwechselnd von beiden Eltern bebrütet. Die Jungen sind, solange ihr Federkleid noch nicht entwickelt ist, ebenso häßliche, unbehilfliche, dickköpfige Gestalten wie die andern Spechtarten, wachsen verhältnismäßig langsam und verlassen erst, wenn sie völlig flugbar sind, das Nest. Beide Eltern lieben ihre Brut innig, lassen sich auf den Eiern ergreifen und setzen sich auch später rückhaltslos Gefahren aus, die sie sonst meiden.

Marder, Wiesel, Hühnerhabicht und Sperber verfolgen und fangen auch den Mittelspecht, Wiesel und andere kleine Raubtiere gefährden die Brut, der unverständige Mensch endlich Alte, Junge und die Eier. Da der Mittelspecht nicht scheu ist, läßt er sich leicht beschleichen und durch nachgeahmtes Klopfen herbeilocken, auch auf dem Vogelherde, dem Meisentanz, auf Leimstangen oder Kloben fangen und bei geeigneter Pflege wahrscheinlich ebensogut wie der Buntspecht im Käfig erhalten. Ich selbst habe ihn zu meinem Bedauern noch niemals gepflegt, auch nirgends in Gefangenschaft gesehen, zweifle jedoch nicht, daß seine Behandlung eben nicht größere Schwierigkeiten verursacht als die des Bunt- oder Kleinspechtes.

 

Der dritte in ganz Deutschland, wenn auch nicht allerorten, regelmäßig vorkommende Buntspecht ist der Kleinspecht oder Gras-, Sperlings- oder Harlekinspecht, kleiner Baumhacker, Baumpicker, Schild-, Bunt- oder Rotspecht ( Dendrocopus minor), der Zwerg unter unsern europäischen Spechten und eines der kleinsten Mitglieder seiner Familie überhaupt. Der Vorderkopf ist rostweißlich, der Scheitel hochscharlachrot; Hinterkopf, ein schmaler Längsstrich am Hinterhals, ein vom Schnabel bis hinter und unter die Ohrgegend verlaufender, nach rückwärts sich verbreiternder Streifen und alle übrigen Oberteile haben schwarze, die hinteren Mantelteile, Schultern und die obere Bürzelgegend weiße Grundfärbung, werden aber durch drei bis vier schwarze Querbinden gezeichnet; die größten oberen Flügeldecken und Armschwingen sind am Ende mit breiten weißen Spitzen geziert, so daß sich auf dem zusammengelegten Flügel fünf weiße Querbinden darstellen, die äußersten Schwanzfedern endlich sind auf weißem Grunde mit drei schwarzen Querbinden gezeichnet. Das Auge ist rot, der Schnabel bläulichhornschwarz, der Fuß bleigrau. Dem Weibchen fehlt das Rot auf dem Scheitel, der wie der Vorderkopf bräunlichweiß ist. Junge Vögel unterscheiden sich von der Mutter durch die schmutzigrostbräunlich weiße Unterseite und zeichnen sich dadurch besonders aus, daß nicht allein die Männchen, sondern auch die Weibchen eine rote Kopfplatte zeigen. Bei dem jungen Männchen ist der karminrote Fleck größer als bei dem jungen Weibchen, bei letzterem auch weniger leuchtend. Von Woche zu Woche wird bei diesem das Rot kleiner, und in ungefähr vier Wochen ist es gänzlich verschwunden; bei dem jungen Männchen dagegen bleibt es unverändert. Die Länge beträgt sechzehn, die Breite dreißig, die Fittichlänge sieben, die Schwanzlänge sechs Zentimeter.

Das Verbreitungsgebiet des Kleinspechtes dehnt sich mindestens ebensoweit aus wie das des Buntspechtes. Denn jener bewohnt ganz Europa von Lappland an bis zum äußersten Süden und ebenso Mittelasien bis ins Amurland, findet sich auch, abweichend vom Buntspecht, noch in den Waldungen Nordwestafrikas. Einzelne Naturforscher sehen zwar den in Ostsibirien lebenden Kleinspecht als besondere Art an, weil das Weiß auf dem Rücken ausgedehnter zu sein pflegt als bei den bei uns lebenden Stücken; dies aber bezieht sich auf alle sibirischen Vögel insgemein und berechtigt schwerlich zu einer Trennung dieser und jener Kleinspechte. Der beliebteste Wohnbaum des Vogels ist die Weide. Da, wo der gewaltige Ob sich in unendliche Arme teilt und mit diesen mehr oder minder große, mit älteren und jungen Weiden bestandene Inseln bildet, tritt der Kleinspecht häufiger als jeder andere auf und darf stellenweise tatsächlich zu den gemeinen Vögeln gezählt werden. In der Tat entsprechen Weiden und sonstige weichholzige Bäume am besten seinen schwachen Kräften, und wenn er auch in andern, namentlich Buchen, ebenfalls seine Nisthöhle anlegt, geschieht dies doch nur dann, wenn stark vermorschte Stämme oder Äste ihm solches gestatten. Hierdurch erklärt sich sein vereinzeltes Vorkommen in Europa. In Deutschland ist er in ebenen Gegenden, die reich an Weiden und Buchen sind, eine gewöhnliche Erscheinung, entzieht sich aber meist dem Auge des Beobachters. Unser Vogel ist mehr Stand- als Strichvogel. Da, wo er überhaupt brütend gefunden wird, trifft man ihn während des ganzen Jahres an; aber es kommt doch vor, daß er von den Ebenen aus den Fuß der Mittelgebirge zeitweilig besucht, also streicht. Dies geschieht regelmäßig in den Herbst- und Frühlingsmonaten, vom September und Oktober an bis zum April. Den reinen Nadelwald verschmäht er gänzlich; auch bei seinen Streifereien sucht er immer die Laubbäume auf. Er erwirbt sich ein bestimmtes Gebiet und durchstreift dasselbe täglich mehrere Male; dies wird namentlich im Winter bemerklich, wenn das Laub ihn weniger versteckt als sonst. Der Mittelpunkt seines Gebietes wird durch eine passende Höhlung bestimmt, weil auch er in einer solchen die Nacht zubringt. Deshalb meidet er auf seinem Zug gänzlich diejenigen Gegenden, denen es an geeigneten Schlupfwinkeln fehlt. Nach Naumann sieht er sich oft genötigt, Meisen und Feldsperlinge, die derartige Nachtherbergen ebenso bequem finden als er, mit Gewalt aus dem Kämmerchen zu vertreiben; denn da er später zu Bette geht als jene, findet er das Schlafkämmerchen oft schon besetzt und erringt sich dann niemals ohne Kampf den Einlaß. Es scheint, daß er, des heftigen Streites der Höhlen wegen, zuweilen sogar genötigt ist, den Besitz derselben aufzugeben und sich neue anzulegen.

Dieser niedliche Specht ist, wie Naumann sehr richtig sagt, einer der muntersten und gewandtesten seiner Gattung. Mit großer Leichtigkeit hüpft er an den Baumschäften hinan, umkreist sie, klettert auch kleine Strecken rückwärts, doch den Kopf stets nach oben und läuft selbst bis auf die fingerstarke Spitze der Zweige hinaus oder sogar auf der unteren Seite fast wagerechter Zacken entlang. Er pickt und hämmert viel an den Bäumen und ist im Zimmern der Löcher zu Schlafstellen oder Nestern ebenso geschickt wie die größeren Arten, sucht sich dazu jedoch immer weiche Stellen aus. Auf alten Eichen legt er solche nicht selten auf der unteren Seite sehr schiefer oder beinahe wagerechter Hornzacken an. Zuweilen setzt er sich auf dünne Zweige in die Quere wie andere Vögel, hält sich aber dann nicht so aufrecht und zieht dabei die Füße an den Leib. Gegen seinesgleichen ist er ebenso futterneidisch und zänkisch wie die übrigen Spechte, weshalb man ihn außer der Fortpflanzungszeit auch immer nur einzeln antrifft. In seinem Gefolge sieht man ebenfalls sehr oft Kleiber, Meisen, Baumläufer und Goldhähnchen, die mit ihm herumziehen, aber nicht weiter von ihm beachtet werden. Gegen den Menschen zeigt er sich zutraulich, läßt diesen wenigstens nahe an sich herankommen, bevor er weiterhüpft oder wegfliegt. Seine Stimme läßt sich durch die Silbe »Kik« oder »Kgiik« ausdrücken; der Ton ist hoch, schwach und fein und wird lang gezogen. Zuweilen wiederholt er den einen Laut mehrmals nacheinander; namentlich geschieht dies beim Anhängen an einen Baum, nachdem er eine Strecke fliegend zurückgelegt hat. Er schreit viel, besonders bei heiterem Wetter, am meisten natürlich im Frühling während der Paarungszeit. Das Männchen schnurrt wie andere Spechte, aber viel schwächer und in höherem Ton als die größeren Verwandten.

Während der Begattungszeit, die Anfang Mai beginnt, macht sich der Kleinspecht durch Unruhe, beständiges Rufen und Schnurren sehr bemerklich, und da, wo er häufig ist, gibt es auch lebhaften Streit zwischen Nebenbuhlern, die um die Gunst eines Weibchens werben, oder zwischen zwei Paaren, die um die Nisthöhle kämpfen. Diese wird regelmäßig in bedeutender Höhe über dem Boden angelegt, am liebsten in alten, hohen Weiden, Espen, Pappeln, Buchen, im Notfall auch Eichen, sonst noch in Garten- und Obstbäumen; in Pommern, laut Eugen von Homeyer, stets in Buchen, die am Rand von Lichtungen stehen und, zum Teil wenigstens, nicht allein dürr, sondern auch vermorscht und vermulmt sind. Ihr Bau mag dem kleinen schwachen Gesellen viel Mühe verursachen, und deshalb wählt er vorzugsweise Stellen, wo ein alter Ast ausgebrochen und das Innere, infolge der eindringenden Feuchtigkeit, faul geworden ist. Der Eingang befindet sich meist in einer Höhe von fünfzehn bis zwanzig und nur ausnahmsweise in einer solchen von anderthalb bis zehn Meter über dem Boden, ist zirkelrund, als ob er mit einem Bohrer ausgedreht worden wäre, hat höchstens vier Zentimeter im Durchmesser und führt in einen Brutraum von zehn bis zwölf Zentimeter Weite und fünfzehn bis achtzehn Zentimeter Tiefe. Auch der Kleinspecht fängt viele Nistlöcher an, ohne sie zu vollenden, und erschwert dadurch das Auffinden derjenigen, die wirklich zum Brüten benutzt werden. Um diese kennenzulernen, muß man, nach Päßlers Erfahrungen, beobachten, wohin das sorgsame Männchen fliegt, um sein brütendes Weibchen zu füttern. Das Gelege besteht aus fünf bis sieben kleinen, glänzend weißen, zuweilen auch mit äußerst feinen, roten Pünktchen spärlich gezeichneten Eiern. Beide Gatten brüten wechselweise, zeitigen die Eier innerhalb vierzehn Tagen und übernehmen gemeinschaftlich die Aufzucht der Jungen.

Die Nahrung des Kleinspechtes scheint bloß aus Kerbtieren zu bestehen; denn man findet auch im Herbst und Winter nichts anderes in seinem Magen. Glücklicherweise ist er der Verfolgungswut weit weniger ausgesetzt als andere Spechte, weil er sich dem rohen Menschen nicht so bemerklich macht oder rasch aus dem Auge verschwindet und den, der ihn kennt, ohnehin zum Freunde hat. Andererseits freilich setzt ihn seine Zutraulichkeit mancher Gefahr aus. Auch er läßt sich durch nachgemachtes Pochen oder Klopfen herbeilocken; doch muß man seine Weise, zu hämmern, verstehen, wenn man auf Erfolg rechnen will; denn nur, wenn man sein Klopfen täuschend nachahmt, kommt er herbei.

Gefangene Kleinspechte sind allerliebste Vögel. Harmlos und zutraulich, munter, regsam, behend und gewandt, füllen sie ihren Platz in jedem Gebauer vortrefflich aus, verlangen aber, wenn sie ihre ganze Eigenart kundgeben sollen, einen Raum, in dem sie zimmern und meiseln können nach Herzenslust. Wie ich schon in meinen »Gefangenen Vögeln« erwähnt habe, darf man sie ohne Bedenken in Gesellschaft von Meisen und Goldhähnchen halten; denn die kleinen Wichte sind gewiß nicht diejenigen, die unter eine so gemischte Gesellschaft Unfrieden bringen. Es gewährt einen reizenden Anblick, in solchem Käfige das bekannte Bild aus dem Freileben unserer Waldvögel im kleinen herzustellen. Denn ebenso wie im freien Walde wird hier den niedlichen Gesellen bald die Führung und Leitung der gesamten Mitbewohnerschaft zugestanden.

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Die Grün- oder Ameisenspechte ( Gecinus) kennzeichnen sich durch ziemlich bedeutende Größe, gestreckten Leibesbau, schwach keilförmigen, undeutlich vierseitigen Schnabel, der auf der Firste ein wenig gebogen ist, kurze, kräftige, vierzehige Füße, abgerundete Flügel, in denen die vierte und fünfte Schwinge die übrigen an Länge überragen, und auffallend lange Zunge. Als wichtigstes Kennzeichen der Sippe wird jedoch immer die mehr oder weniger gleichmäßige Färbung des Gefieders anzusehen sein; denn auch die Grünspechte bilden durchaus keine streng nach außen abgeschlossene Sippschaft.

Der bekannteste, weil über ganz Deutschland verbreitete Ameisenspecht ist unser Grünspecht ( Gecinus viridis). Die Oberseite des Kopfes, Nacken und ein breiter, schmal schwarz umsäumter Mundwinkelfleck sind scharlachrot, auf dem Scheitel durch die sichtbar hervortretenden grauen Federwurzeln grau schattiert, die Nasenfederchen und Zügel rauchschwarz, die Oberteile olivengrasgrün, die Flügel mehr bräunlich verwaschen, Bürzel und obere Schwanzdeckfedern glänzend olivengelb, Ohrgegend, Kinn und Kehle weiß, schmutziggrünlich angehaucht, Halsseiten und Unterteile gelbgrünlichweiß, die Schenkelseiten wie die unteren Schwanzdeckfedern mit dunklen Querbinden, die Handschwingen außen mit sechs bis sieben rotweißlichen Querflecken, alle Schwingen innen mit breiten, weißlichen Randflecken, die schwarzen Schwanzfedern endlich mit fünf bis sieben olivenbraun verwaschenen Querbinden gezeichnet. Das Weibchen unterscheidet sich durch breite, schwarze Mundwinkelflecke, der junge Vogel durch die mit schwarzen Querflecken bindenartig gezeichnete Unterseite, den dunkelgrauen, rotgetüpfelten Ober- und Hinterkopf, den nur durch schwarze Endflecke der Federn angedeuteten Bartflecken und die dunkel längsgestrichelten Halsseiten. Das Auge ist bei den Alten bläulichweiß, bei den Jungen dunkelgrau; der Schnabel ist schmutzigbleigrau, an der Spitze schwärzlich, der Fuß grünlichbleigrau. Die Länge beträgt einunddreißig, die Breite zweiundfünfzig, die Fittichlänge achtzehn, die Schwanzlänge zwölf Zentimeter.

Auch der Grünspecht zählt zu den weitverbreiteten Arten. Vielleicht mit Ausnahme Spaniens und des von der Tundra eingenommenen Nordrandes unseres Erdteils kommt er überall, hier häufiger, dort spärlicher, in Europa vor. Blandford fand ihn noch in Persien; in Ägypten dagegen fehlt er, obgleich mein Vater, Naumann, Gloger und andere das Gegenteil behaupten. Nach Norden hin verbreitet er sich bis Lappland. In Spanien wird er durch einen ihm sehr nahestehenden Verwandten ( Picus oder Gecinus Sharpei) vertreten, der sich nur dadurch von ihm unterscheidet, daß Zügel und Augenkreis nicht schwarz, sondern schiefergrau, und der rote Bartstreifen nicht schwarz umrandet wird, dessen Artselbständigkeit daher einstweilen noch fraglich erscheinen muß.

siehe Bildunterschrift

Grünspecht (Gecinus viridis)

In manchen Gegenden Deutschlands ist der Grünspecht ein allbekannter Vogel, wogegen er in andern nicht oder höchstens gelegentlich seiner winterlichen Streifereien angetroffen wird. Weiter nach Osten hin tritt er seltener, in Rußland namentlich viel vereinzelter auf als der Grauspecht. In Gebirgen steigt er regelmäßig bis zu fünfzehnhundert Meter unbedingter Höhe empor; Baldamus traf ihn noch als Brutvogel des Engadin. Während der Brutzeit bewohnt er ein mehr oder weniger ausgedehntes, im allgemeinen nicht auffallend weites Gebiet. Im Herbst verlassen dieses zunächst die von ihm erbrüteten Jungen, bei sehr strenger Kälte und starkem Schneefall aber auch die Alten. Die Streifzüge beginnen, sobald die Jungen selbständig geworden sind, und enden erst im nächsten Frühjahr, wenn die Brutzeit herannaht; sie werden aber weder mit bestimmter Regelmäßigkeit, noch auf gewisse Strecken ausgedehnt; in manchen Wintern streicht der Vogel gar nicht, in andern fliegt er ziemlich weit im Lande umher, wendet sich auch wohl gegen Süden und kann unter Umständen bis an die Grenzen unseres Erdteils reisen, da man beispielsweise in Mazedonien während des Winters mehr Grünspechte beobachtet haben will als während des Sommers. Nach Art der ganzen Verwandtschaft wandern auch unsere Spechte einzeln, gesellen sich jedoch zuweilen zu zahlreicheren Trupps. So beobachtete Schacht einmal um Weihnachten eine Gesellschaft von acht Stück auf einer Wiese, woselbst sie Nahrung suchend in großen Sprüngen herumhüpften, bei Ankunft des Beobachters aber nach allen Richtungen hin auseinanderstoben. Oberndörfer, ein guter Kenner einheimischer Vögel, will, wie Martin mitteilt, sogar einen, zu dreiviertel aus Grün- und zu einviertel aus Grauspechten bestehenden Trupp von weit über hundert Stück beobachtet haben, der in einem Wiesentale auf einer Fläche von einviertel Hektar versammelt gewesen sein soll.

Man kann nicht sagen, daß der Grünspecht ein Waldvogel ist. Im reinen Nadelwalde ist er sehr selten, im Laubwalde trifft man ihn häufiger an; am liebsten aber bewohnt er Gegenden, in denen Baumpflanzungen mit freien Strecken abwechseln. Während der Brutzeit hält er sich in der Nähe seiner Nesthöhle auf; im Winter durchstreift er, auch wenn er nicht die Gegend verläßt, ein größeres Gebiet als im Sommer, pflegt aber allabendlich eine Höhlung aufzusuchen, um in ihr zu schlafen. Dann erscheint er monatelang in den Gärten, unmittelbar neben den Wohnungen, auch selbst in den Gebäuden; einer, den ich lange Jahre beobachtet habe, schlief regelmäßig im Gebälk der Kirche meines Heimatdorfes, ein anderer in einem Starkübel, der in unserm Garten aufgehängt war.

Der Grünspecht betätigt dieselbe Munterkeit und Fröhlichkeit, dieselbe List und Vorsicht und dieselbe Unruhe und Rastlosigkeit wie seine Verwandten. Er klettert ebensogut wie sie, übertrifft die bei uns einheimischen aber im Gehen; denn er bewegt sich sehr viel auf dem Boden und hüpft hier mit großem Geschick umher. Sein Flug ist hart, rauschend, und dadurch von dem anderer Spechte verschieden, daß er sehr tiefe Bogenlinien beschreibt. Die Stimme ist ein helles, weit tönendes »Glück«, das, wenn es oft wiederholt wird, einem durchdringenden Gelächter ähnelt, der Laut der Zärtlichkeit ein wohltönendes »Gück«, »Gäck« oder »Kipp«, der Angstruf ein häßliches Gekreisch. Das so vielen andern Spechten gemeinsame Trommeln scheint der Grünspecht nicht auszuführen; wenigstens habe ich es nie vernommen.

Das tägliche Leben unseres Vogels verläuft etwa folgendermaßen: Sobald der Morgentau einigermaßen abgetrocknet ist, verläßt der Grünspecht seine Nachtherberge, schreit vergnügt in die Welt hinaus und schickt sich an, sein Gebiet zu durchstreifen. Wenn nicht gerade die Liebe sich in ihm regt, bekümmert er sich wenig um seinen Gatten, geht vielmehr selbständig seine Wege und kommt nur gelegentlich mit dem Ehegenossen zusammen. Er streift von einem Baume zum andern, in einer gewissen Reihenfolge zwar, aber doch nicht so regelmäßig, daß man ihn mit Sicherheit an einem bestimmten Orte erwarten könnte. Die Bäume sucht er stets von unten nach oben ab; auf die Äste hinaus versteigt er sich seltener. Nähert man sich einem Baume, auf dem er gerade beschäftigt ist, so rutscht er schnell auf die dem Beobachter abgekehrte Seite, schaut zuweilen, eben den Kopf vorsteckend, hinter dem Stamm hervor, klettert höher aufwärts und verläßt plötzlich unbemerkt den Baum, pflegt dann aber seine Freude über die glücklich gelungene Flucht durch lautes, frohlockendes Geschrei kundzugeben. Bis gegen Mittag ist er in ununterbrochener Tätigkeit. Er untersucht in den Vormittagsstunden gewiß über hundert Bäume und nimmt außerdem jeden Ameisenhaufen mit. An hartholzigen Bäumen hämmert er viel weniger als andere Spechte, dagegen meiselt er nicht selten in das Gebälk der Wohnungen oder in Lehmwände tiefe Löcher. Wenn im Sommer die Wiesen abgemäht sind, läuft er viel auf dem Boden umher und sucht dort Würmer und Larven zusammen; im Winter fliegt er auf die Gehänge, von denen die Sonne den Schnee weggeleckt hat, und späht hier nach verborgenen Kerfen. Er ist kein Kostverächter, zieht aber doch die rote Ameise jeglicher andern Nahrung vor und fliegt ihr zu Gefallen weit auf den Feldern umher. Im Ameisenfange ist er geschickter als alle übrigen Spechte, weil seine Zunge verhältnismäßig länger ist und, dank ihrer Klebrigkeit, in derselben Weise wie beim Ameisenfresser gebraucht werden kann. »Wie erpicht die Grünspechte auf Ameisen und deren Puppen sind«, schreibt mir von Reichenau, »davon habe ich mich in den an Ameisenhaufen reichen Waldungen um Wetzlar oft überzeugt. Die anfangs lockeren Hügel werden durch ihr eigenes Gewicht und die Vermoderung der Holzteile sowohl wie durch die Einwirkung des Regens nach und nach so fest, daß der Grünspecht sich genötigt sieht, mit seinem spitzen Keilschnabel einen Weg zu bahnen, um zu seiner Lieblingsnahrung zu gelangen. Zur Winterszeit nun stecken die Ameisen sehr tief in der Erde, und der hungrige Specht sieht sich dann genötigt, bis zu dreißig Zentimeter tiefe Löcher, ähnlich den in morschen Stämmen und Ästen angelegten Schlupf- und Nisthöhlungen, auszumeiseln, um die in halber Erstarrung liegenden Kerfe zu erhalten. Bei diesem Geschäft ist er natürlich im Sehen und Umschauhalten beschränkt; der Hunger läßt ihn seine ihm sonst eigene Vorsicht vergessen, und es fällt alsdann einem Raubtier gewiß leicht, seiner habhaft zu werden; griff doch mein ehemaliger Jagdgenosse Weber einen völlig gesunden Vogel dieser Art, der in obiger Weise beschäftigt war, mit der Hand.« Dasselbe wird von mehreren andern Beobachtern mitgeteilt, so auffallend es auch erscheinen will, daß der sonst sehr vorsichtige Vogel in so plumper Weise sich übertölpeln läßt. Außer den Ameisen verzehrt der Grünspecht auch mancherlei Käfer- und Schmetterlingslarven, namentlich die des Bockkäfers und des Weidenbohrers, ebenso, nach einer beachtenswerten Mitteilung Hallers, Maulwurfsgrillen, die er wie jene Maden tatsächlich mit seiner Zunge anspießt und aus ihren Höhlen und Winterschlupfwinkeln hervorzieht. Da er sich gewöhnt, im Winter Dörfer und Gehöfte zu besuchen, so kann es geschehen, daß er sich auch wohl Übergriffe in menschliches Besitztum zuschulden kommen läßt. Ganz abgesehen davon, daß er bei seinem Suchen nach versteckten Kerbtieren Lehmwände und Strohdächer zerhackt, zermeiselt er auch dann und wann einmal die Wand eines Bienenstockes und richtet nunmehr unter den im Winterschlaf liegenden Bienen arge Verheerungen an. Auch Pflanzenstoffe verschmäht er nicht gänzlich. Schacht erfuhr, daß er Vogelbeeren verzehrt, und Haller beobachtete einen Grünspecht, der allwinterlich ein mit wilden Reben übersponnenes Gartenhäuschen besuchte und sich hier an den Beeren gütlich tat.

Ende Februar stellt er sich auf seinem Brutplatze ein; aber erst im April macht das Weibchen Anstalt zum Nisten. Im März sieht man beide Gatten stets vereinigt, und das Männchen zeigt sich dann sehr erregt. Es setzt sich auf die Spitze eines hohen Baumes, schreit stark und oft und jagt sodann das herbeigekommene Weibchen spielend von Baum zu Baum. Gegen andere Grünspechte benimmt sich das Pärchen sehr unfreundlich; das einmal gewählte Gebiet wird gegen jeden Eindringling und, wenn es an geeigneten Nistbäumen fehlt, auch gegen den Grauspecht hartnäckig verteidigt. Wie üblich, erwählt der Grünspecht zur Ausarbeitung seiner Nisthöhle einen Baum, der im Innern kernfaul oder schon hohl ist. Hier sucht er sich eine Stelle aus, wo ein Ast ausgefault war, und diese Stelle wird nun erweitert. Beide Gatten arbeiten gemeinschaftlich und sehr fleißig, so daß die Höhlung schon innerhalb vierzehn Tagen vollendet ist. Der runde Eingang ist so klein, daß der Vogel eben aus- und einschlüpfen kann, die innere Höhlung fünfundzwanzig bis fünfzig Zentimeter tief und etwa fünfzehn bis zwanzig Zentimeter weit. Trifft der Grünspecht im Innern auf sehr festes Holz, so läßt er die begonnene Arbeit liegen, und lieber noch, als eine neue Höhlung zu zimmern, benutzt er eine alte, die ein anderer seiner Art meiselte, kehrt auch, wenn er nicht gestört wurde, im nächsten Jahre wieder zu derselben zurück. Das Gelege besteht aus sechs bis acht länglichen, glattschaligen, glänzend weißen Eiern. Beide Gatten brüten wechselweise sechzehn bis achtzehn Tage lang, das Männchen von zehn Uhr morgens bis drei oder vier Uhr nachmittags, das Weibchen während der übrigen Zeit des Tages; beide erwärmen die zarten Jungen abwechselnd, und beide tragen denselben eifrig Nahrung zu. Die Jungen sind ebenso häßlich wie anderer Spechte Kinder, entwickeln sich ebenso rasch und schauen schon in der dritten Woche ihres eigentlichen Lebens aus dem Nestloch heraus. Später beklettern sie von hier aus den ganzen Baum, und endlich durchstreifen sie mit ihren Eltern das Wohngebiet, kehren aber noch eine Zeitlang allabendlich zu der Bruthöhle zurück. Die Streifzüge werden nun weiter und weiter ausgedehnt, und schließlich sucht die Familie, die noch immer zusammenhält, nicht mehr die Bruthöhle auf, sondern übernachtet irgendwo in einer andern. Vom Oktober an vereinzelt sich die Gesellschaft; die Jungen sind selbständig geworden, und jeder sucht sich nunmehr, ohne Rücksicht auf die andern, sein tägliches Brot.

Der Grünspecht ist schwer zu fangen. In Sprenkeln oder auf dem Vogelherde wird bloß zufällig einer berückt; eher noch gelingt dies, wenn man seine Schlafhöhlung ausgekundschaftet hat und vor dem Eingange Schlingen anbringt. »In meinem Wäldchen«, erzählt Naumann, »hatte sich einst ein Grünspecht eine Höhle zu seiner Nachtruhe in eine alte, hohe, graue Espe gezimmert. Ich erstieg den Baum mit einer langen Leiter, schlug ein Stiftchen dicht über das zirkelrunde Loch und hing einen dünnen Bügel mit Schlingen lose daran, so daß diese den Eingang bestellten. Aus einer alten Laubhütte beobachtete ich nun ungesehen den schlauen Specht, der erst im Düstern ankam, die Anstalten scheu betrachtete und einigemal vom Baume abflog, ehe er den Mut hatte, sich dem verfänglichen Loch zu nähern. Endlich hing er sich vor dasselbe, guckte ein-, zweimal hinein, fühlte die Schlinge um den Hals, wollte entfliehen, kam aber mit gräßlichem Geschrei, den Bügel am Halse, herabgeflattert und war gefangen. Ich behielt ihn nur einen Tag lang und ließ ihn dann wieder fliegen. Er scheute nun den verhängnisvollen Baum auf lange Zeit, ging aber doch nach Verlauf von mehreren Wochen allabendlich wieder in seiner Höhle zur Ruhe.«

»Der Grünspecht«, bemerkt Naumann noch, »ist ein so stürmischer, unbändiger Vogel, daß man an Zähmung eines alten gar nicht denken darf. Man hat es versucht und ihn an ein Kettchen gelegt; aber der Erfolg war immer ein baldiger Tod des ungestümen Gefangenen. Aus einem hölzernen Vogelbauer helfen ihm seine kräftigen Schnabelhiebe sehr bald, und läßt man ihn in die Stube, so klammert er sich an allem an und zermeißelt das Holzwerk. Daß sie sich, jung aufgezogen, leichter zähmen lassen, mag sein; mir ist aber kein derartiger Fall bekannt geworden.«

Aufgemuntert durch meine Erfolge bei Aufzucht der Schwarzspechte, habe ich auch den Grünspecht zeitweilig gepflegt, kann aber nicht sagen, daß er mir Freude bereitet hätte. Sein Benehmen war im wesentlichen das des Schwarzspechtes, die an den Käfigen von ihm betätigte Zerstörungslust nicht geringer als bei diesem. Zu voller Munterkeit aber gelangten meine Pfleglinge nicht, obgleich ich ihnen Ameisenpuppen bot, soviel sie deren bedurften. Auch Liebe hat dieselbe Erfahrung machen müssen wie ich; die von ihm mit größter Sorgfalt gepflegten Grünspechte sind nicht alt geworden.

Unter unsern Raubvögeln gefährdet wohl nur der Hühnerhabicht den Grünspecht ernstlich. Gegen die Edelfalken, die bekanntlich bloß fliegende Beute aufnehmen, schützen ihn die Baumstämme, zu denen er angesichts eines solchen Räubers sofort flüchtet und die er dann so rasch umklettert, daß ein minder gewandter Vogel als der Habicht ihm nicht beizukommen vermag. Dieser freilich führt im Fluge so kurze Schwenkungen aus, daß er wohl zum Ziele gelangen mag. Daraufhin deutet wenigstens das ängstliche Schreien, das der Grünspecht beim Anblick dieses furchtbaren Räubers wie auch des Sperbers ausstößt. Andere größere Waldvögel, beispielsweise Krähen, stoßen wohl auch einmal neckend auf ihn herab; zu ernstlichen Kämpfen mit ihnen kommt es aber nicht. Dagegen kann es gelegentlich seiner Wühlereien in Ameisenhaufen geschehen, daß er wiederum in Streitigkeiten gerät, die man sonst nicht beobachtet. So sah Adolf Müller einen Nußhäher, nachdem derselbe neugierig die Arbeit eines in beschriebener Weise beschäftigten Grünspechtes beobachtet hatte, allmählich näher kommen und sich plötzlich dem Spechte zum Kampfe stellen. Beide Vögel griffen gegenseitig an und verteidigten sich mit gleicher Geschicklichkeit, bis der Häher Verstärkung herbeiholte und mit fünf andern seiner Art den Grünspecht in die Flucht trieb.

Von den Menschen hat dieser nicht mehr als andere Spechte zu leiden. Verderblicher als alle Feinde wird dem Grünspecht der Winter. Wenn tiefer Schnee den Boden bedeckt, tritt bald Hungersnot ein, und nur da, wo alte, große Bäume wirtlich mit der in ihrem morschen Holze versteckten Kerbtierbevölkerung aushelfen, übersteht er ohne Schaden die unfreundliche Jahreszeit. Bei plötzlich sich einstellender Kälte und tiefem Schneefall begegnet man ihm dann nicht selten in alten Hochwaldungen, zuweilen in zahlreicher Menge. So beobachtete Snell, daß in dem Winter von 1860 zu 1861 ein uralter Eichwald fast alle Spechte der Umgegend in sich versammelte. »Man hörte«, sagt er, »in jenen Tagen vom Morgen bis zum Abend ein Hämmern und Pochen, ein Schwirren und Schreien, daß selbst die stumpfsinnigsten Bauern, die des Weges vorüberzogen, aufmerksam wurden und stehen blieben.« In Gegenden, in denen es solche Waldungen nicht gibt, nimmt man nach harten Wintern ersichtliche Abnahme der Spechte wahr. »Ich selbst habe«, berichtet Liebe, »zu solcher Winterszeit verendete, aus Mangel umgekommene Grün- und Grauspechte im Walde gefunden, und sind mir auch von andern einigemal derlei Leichen ins Haus gebracht worden. Wenn sich im Nachwinter die Ameisen tief in ihre Bauten zurückgezogen haben und Schnee die Wiesen und Grasplätze bedeckt, dann sind die Grünspechte auf Holzmaden und dergleichen angewiesen. Unsere Forstwirtschaft läßt aber in ihren den Gartenbeeten gleichenden Schöpfungen gewiß nicht so leicht einen Baum am Leben, der für jene Vögel Nahrung in sich bergen könnte. Die Grün- und Grauspechte, die kleineren Bunt- und die Schwarzspechte werden bei uns aussterben wie die Indianer infolge der Kultur.«

Der deutsche Verwandte des Grünspechtes ist der Grauspecht oder Graukopf ( Gecinus canus). Er steht an Größe wenig hinter dem Grünspecht zurück; seine Länge beträgt dreißig, seine Breite höchstens fünfzig, die Fittichlänge fünfzehn, die Schwanzlänge elf Zentimeter. Vorderkopf und Scheitelmitte sind scharlachrot, Stirnrand und ein schmaler Strich über dem schwarzen Zügelstreifen dunkelgrau, die Kopfseiten etwas heller, Hinterkopf und Nacken grünlich verwaschen, die übrigen Oberteile olivengrasgrün, Bürzel und obere Schwanzdecken glänzendolivengelb, Kinn und Kehle schmutziggraulich, durch einen schmalen, schwarzen, an der Wurzel des Unterschnabels beginnenden und bis zum Ohr reichenden Streifen von dem Grau der Backen getrennt, die übrigen Unterteile schmutziggraugrünlich, die Handschwingen außen mit sechs bis sieben weißlichen, schmalen, alle Schwingen innen mit großen, weißen Querflecken, die Schwanzfedern schwarzbraun, die beiden mittelsten längs der Schaftmitte bräunlichgrau verwaschen.

Das Verbreitungsgebiet des Grauspechts ist erheblich ausgedehnter als das seines bekannteren Verwandten; denn es erstreckt sich, mit Ausnahme Großbritanniens, über den größten Teil Europas und über ganz Sibirien bis Japan, nach Süden hin bis Persien. In Deutschland tritt er im allgemeinen seltener auf als der Grünspecht, bewohnt aber annähernd dieselben Örtlichkeiten wie dieser. Hier und da fehlt er gänzlich, in andern Gegenden findet man ihn einzeln, wenigstens an allen für ihn geeigneten Stellen. Doch teilt er mit Schwarz- und Grünspecht dasselbe Schicksal; er nimmt von Jahr zu Jahr mehr ab und vermindert sich in demselben Verhältnis, in dem die ausgiebigste Bewirtschaftung des Grundes und Bodens vorschreitet. Noch in meiner Knabenzeit war er in Ostthüringen ebenso häufig wie in dem zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts, das meinem Vater Gelegenheit zu seinen trefflichen Beobachtungen über ihn bot; gegenwärtig sieht man wohl noch den Grünspecht, aber nur selten, ohne daß man eigentlich sagen könnte, weshalb er so ersichtlich abgenommen hat. Wie mein Vater hervorhebt, liebt er die Vor- und Feldhölzer oder mit Laubbäumen besetzte Täler und erwählt ausgedehntere Schwarzhölzer nur dann, wenn sie an das Feld stoßen, findet daher in unsern thüringischen Flußtälern alle Erfordernisse zu behaglichem Leben und gedeihlicher Vermehrung und wird dennoch immer seltener. Dies mag in andern Gegenden Deutschlands nicht so sein; im allgemeinen aber wird sich die eben ausgesprochene Behauptung überall bewahrheiten.

In milden Wintern verweilt ein fest angesiedeltes Paar jahraus jahrein in demselben Brutgebiet, obwohl es auch dann, gelegentlich kleiner Streifzüge, die Grenzen desselben überschreiten kann. Strenge Winter hingegen zwingen den Grauspecht, aus denselben Gründen wie sein größerer Verwandter weite Reisen anzutreten. Diese führen ihn nicht allein bis Süddeutschland, sondern sogar bis jenseit der Alpen und Pyrenäen wie des Balkan, werden jedoch soviel als möglich beschränkt. Erst im Oktober beginnt er zu wandern, und mit den ersten Tagen des März hat er sich sicher in seinem Brutgebiete eingestellt, so schwer es ihm dann auch noch werden mag, sein Leben zu fristen.

In seinem Wesen ähnelt der Grauspecht seinem nächsten Verwandten so sehr, daß schon bedeutende Übung dazu gehört, beide zu unterscheiden. »Er besitzt«, wie mein Vater sagt, »des Grünspechtes Lebhaftigkeit und Munterkeit, seine Geschicklichkeit im Klettern, seine Art, die Nahrung durch weniges Löcherhacken zu suchen, seinen hüpfenden Gang auf der Erde und seinen Flug; doch sind bei diesem die Absätze kleiner, und das Rauschen ist geringer. Gern klettert er unten an den Bäumen herum, fliegt, sobald er aufgejagt wird, auf die Spitze eines hohen Baumes oder auf einen hohen Ast und hängt sich fast immer so an, daß er durch den Stamm oder einen Ast gegen den Schuß gesichert ist. Flieht er vor seinem Verfolger und klammert er sich an einem Baume an, so geschieht es gewiß allemal auf der dem Feinde entgegengesetzten Seite, und nur zuweilen steckt er den Kopf vor, um zu sehen, wie groß die Gefahr noch sei. Auf solche Weise kann man ihn lange herumjagen, ohne ihn zu erlegen. Eine Eigenheit habe ich an ihm bemerkt, die er mit dem Grünspecht gemein hat. Im Herbst und Vorwinter nämlich hat er ein ordentliches Revier, das er alle Tage regelmäßig besucht.« Seine Stimme erinnert an die des Grünspechtes, liegt aber etwas höher und ist merklich heller; der Lockton läßt sich durch die Silben »Geck geck gick gick« ungefähr übertragen. Dann und wann vernimmt man auch ein helles »Pick«, das von beiden Geschlechtern ausgestoßen wird, und zur Paarungs- und Brutzeit von beiden Geschlechtern einen sehr schönen, vollen, starken, pfeifenden Ton, der wie »Kli klii klii klü klü« klingt und von der Höhe zur Tiefe herabsinkt. Nach Naumann setzt sich der in dieser Weise schreiende Grauspecht allemal auf die Spitze eines hohen Baumes, und deshalb schallen die herrlichen Töne weit in den Wald hinein. Sie haben Ähnlichkeit mit denen des Grünspechtes, sind aber gerundeter, nicht so schneidend und durch das allmähliche Sinken so ausgezeichnet, daß sie ein aufmerksames Ohr sogleich erkennt. Unzweifelhaft dienen sie dazu, sich gegenseitig anzulocken, und wenn dann ein Paar sich gefunden hat, beginnt ein gegenseitiges Necken und Jagen ohne Ende.

Auch der Grauspecht nährt sich vorzugsweise von Ameisen und stellt insbesondere der kleinen Gelbameise ( Formica rubra) und der Braunameise ( Formica fusca) nach. Wo die Gelbameise nicht häufig ist, nimmt gewiß kein Grauspecht seinen Sommeraufenthalt. Auch im Winter strebt er dieser Art vorzüglich nach. Kein Wunder daher, daß er auswandern muß, wenn hoher Schnee den Boden so verdeckt, daß er nur schwer oder nicht zu seiner Lieblingsnahrung gelangen kann. Beim Arbeiten an den Bäumen zieht er selbstverständlich alle Kerbtiere und Kerbtierlarven hervor, deren er habhaft werden kann, und wenn er im Sommer auf glatte Raupen stößt, verfallen auch diese seinem Magen. Im Spätherbst und Winter nährt er sich neben tierischen Stoffen auch von pflanzlichen. Mein Vater fand Hollunder-, Snell Vogelbeeren in seinem Magen.

Zur Fortpflanzung schreitet der Grauspecht etwas später als der Grünspecht, nistet jedoch ganz auf ähnliche Art. Er hackt sich sein Loch selbst aus und bekundet dabei ungewöhnliche Ausdauer. Ein Buntspecht, den mein Vater beobachtete, begann an einer Buche zu arbeiten, an der ein verdorrter Ast ausgebrochen war, stand aber, weil ihm die Arbeit zu schwierig wurde, von dieser ab. Im nächsten Frühjahr sah mein Vater Späne unter ihr liegen und hörte in ihr einen Specht pochen. Auf das Anschlagen flog ein Grauspecht heraus, der auch später in der Höhlung brütete, jedoch Eier und Leben durch ein Raubtier verlor. Das Eingangsloch zu der Höhle, die der Grauspecht sich zimmert, ist so eng, daß ein Grünspecht kaum aus- und einfliegen kann, inwendig aber oft dreißig, mindestens fünfundzwanzig Zentimeter tief und fünfzehn bis zwanzig Zentimeter weit und sehr glatt ausgearbeitet. Mein Vater hat sein Nest in Fichten, Linden, Buchen und Espen, Naumann außerdem auch in Kiefern und Eichen, und ich selbst habe es einmal in einem Apfelbaum gefunden. Die fünf bis sechs, seltener sieben oder acht rein weißen, glänzenden, an dem einen Ende ziemlich spitz, an dem andern kurz abgerundeten, feinschaligen, zarten und dünnen Eier ähneln denen des Grünspechtes bis auf die geringere Größe vollkommen, werden ebenso wie bei jenem und den meisten Spechten überhaupt auf feinen Holzspänen, am Boden der Höhlung abgelegt und wechselseitig von beiden Gatten ausgebrütet, die Jungen fast nur mit den Puppen der beiden genannten Ameisenarten ernährt. Letztere verweilen ungestört bis zum völligen Flüggewerden im Nest, klettern ebenfalls innerhalb der Bruthöhle viel früher herum, als sie fliegen können, schauen oft zu ihrem Nestloch heraus und begrüßen die Ankunft der Eltern mit wunderlich zirpendem Geschrei, lassen sich auch, nachdem sie ausgeflogen sind, noch lange von den Eltern füttern. Diese betätigen ihrer Brut gegenüber die größte Zärtlichkeit und Hingebung, sitzen beim Brüten so fest, daß man sie nicht selten über den Eiern ergreifen kann, und verlassen die Brut nicht. Wird eines von ihnen getötet, so übernimmt der andere alle Fürsorge für letztere, insbesondere die Mühwaltung, die die Aufzucht der sehr anspruchsvollen Jungen verursacht.

Abgesehen von dem Menschen stellen dem Grauspecht nur unsere größeren Falkenarten, insbesondere Habicht und Sperber nach.

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Die Sippe der Kuckuckspechte ( Colaptes) umfaßt große Arten mit ziemlich dünnem, deutlich gebogenem, nicht sehr langem Schnabel, dessen Firstenkante zwar scharf, aber nicht selbständig erhöht und dessen Nasenlochleiste völlig verstrichen und kaum noch als feine Linie angedeutet ist. Die Spitze ist stumpf, mehr zugerundet als zugeschärft, der Oberkiefer merklich länger als der untere. Die Füße haben einen starken, hohen Lauf, mäßig lange, fleischige Zehen, aber viel schwächere, feinere Krallen als die anderer Spechte von gleicher Größe. Die Flügel sind kurz und stumpf, weil unter ihren Schwingen die fünfte alle andern überragt, reichen daher, zusammengelegt, nur über den Anfang des Schwanzes herab. Letzterer hat zwar auch spitzige, aber nicht sehr steife Federn und ist weniger abgestuft als bei den Verwandten.

Die bekannteste Art der Sippe ist der Goldspecht, »Flicker« der Nordamerikaner ( Colaptes auratus) ein Vogel, der unserm Grauspecht an Größe etwas nachsteht. Oberkopf und Hinterhals sind aschgrau, Zügel, Augenstreifen, Schläfe, Kopf- und Halsseiten, Kinn und Kehle isabellweinrötlich, die Oberteile, mit Ausnahme des weißen Bürzels isabellbraun mit schwarzen Querbinden, die oberen Schwanzdecken breit schwarz in die Quere gebändert, die Unterteile vom schwarzen Kehlschilde an weiß, auf Brust und Seiten isabellweinrötlich mit großen, runden, schwarzen Tropfenflecken gezeichnet. Ein hufeisenförmiges Nackenfeld prangt in hochroter Färbung. Die schwarzen Schwingen zeigen auf der Außenfahne vier bis fünf isabellbraune Querflecken, die sich zu Querbinden gestalten, innen in der Wurzelhälfte einen breiten gelblichweißen Rand und orangegelbe Schäfte, wogegen diese an den Schwanzfedern nur in der Wurzelhälfte dieselbe, übrigens schwarze Färbung haben. Junge Vögel sind schmutziger gefärbt und auch durch das schmälere blaßrote Nackenband von den Alten unterschieden. Die Länge beträgt zweiunddreißig, die Breite zweiundvierzig, die Fittichlänge sechzehn und die Schwanzlänge zwölf Zentimeter.

Der Goldspecht verbreitet sich von Texas an über den ganzen Osten der Vereinigten Staaten von Nordamerika bis zum äußersten Norden von Neuschottland, soll auch auf Grönland beobachtet worden sein. In den südlichen Staaten ist er ein Stand- oder Strich-, in den nördlichen ein Zugvogel, der je nach der mehr südlichen oder nördlichen Lage seines Brutortes im März oder im April und zwar in außerordentlich zahlreichen Wandergesellschaften eintrifft und hier bis zum September oder Oktober verweilt. Nach Versicherung Audubons geschehen seine Reisen des Nachts, wie man an den allbekannten Stimmlauten, die die wandernden Vögel zeitweilig hören lassen, und ebenso an dem eigentümlichen Geräusch, das sie mit ihren Schwingen hervorbringen, mit genügender Sicherheit zu erkennen vermag. Wo der Goldspecht vorkommt, tritt er in außergewöhnlicher Anzahl auf und darf demgemäß wenn nicht als der häufigste, so doch bestimmt als der verbreitetste aller Spechte Nordamerikas bezeichnet werden.

Die Lebensweise haben Wilson, Audubon und andere geschildert. »Kaum hat der beginnende Frühling«, sagt Audubon, »zu der süßen Pflicht der Paarung gerufen, so vernimmt man die Stimme des Goldspechtes von der Höhe der Wipfel umgefallener Bäume, als ein Zeichen des Vergnügens, daß die willkommene Jahreszeit angebrochen. Diese Stimme ist jetzt die Freude selbst; denn sie ahmt gewissermaßen ein langes, heiteres, auf weithin hörbares Lachen nach. Verschiedene Männchen verfolgen ein Weibchen, nähern sich ihm, neigen ihr Haupt, breiten ihren Schwanz und bewegen sich seitlich, rückwärts und vorwärts, nehmen die verschiedensten Stellungen an und geben sich überhaupt die größte Mühe, der erkorenen Gattin die Stärke und die Innigkeit ihrer Liebe zu beweisen. Das Weibchen fliegt zu einem andern Baum, immer verfolgt von einem, zwei und selbst einem halben Dutzend der verliebten Männchen, die dort dieselben Liebesbewerbungen erneuern. Sie kämpfen nicht miteinander, scheinen auch nicht eifersüchtig zu sein, sondern verlassen, wenn das Weibchen einen von ihnen bevorzugt, ohne Umstände das glückliche Paar und suchen eine andere Gattin auf. So geschieht es, daß alle Goldspechte bald glücklich verehelicht sind. Jedes Paar beginnt nun sofort einen Baumstamm auszuhöhlen, um eine Wohnung zu erbauen, die ihnen und den Jungen genügt. Beide arbeiten mit größtem Eifer und, wie es scheint, mit größtem Vergnügen. Wenn das Männchen beschäftigt ist, hängt sich die Gattin dicht daneben und beglückwünscht es über jeden Span, den sein Schnabel durch die Luft sendet. Wenn er ausruht, scheint er mit ihr auf das zierlichste zu sprechen, und wenn er ermüdet ist, wird er von ihr unterstützt. In dieser Weise, und dank der beiderseitigen Anstrengung wird die Höhle bald ausgemeißelt und vollendet. Nun liebkosen sie sich auf den Zweigen, klettern mit wahrem Vergnügen an den Stämmen der Bäume empor oder um sie herum, trommeln mit dem Schnabel an abgestorbene Zweige, verjagen ihre Vettern, die Rotköpfe, verteidigen das Nest gegen die Purpurstare, kichern und lachen dazwischen, und ehe zwei Wochen verstrichen sind, hat das Weibchen seine vier oder sechs glänzend weißen, etwa sechsundzwanzig bis achtundzwanzig Millimeter langen und zweiundzwanzig bis fünfundzwanzig Millimeter breiten Eier gelegt und erfreut sich ohne Zweifel an ihrer Weiße und Durchsichtigkeit.« Zur Vervollständigung des Berichtes unseres unvergleichlichen Audubon will ich hinzufügen, daß Paine für Randolph den zwanzigsten April, als den Tag der Ankunft unseres Spechtes, und den ersten bis fünfzehnten Mai, als die Zeit des Beginnens seiner Arbeit, behufs Herstellung seiner Bruthöhle, bezeichnet, auch angibt, daß die Anzahl des Geleges, das in den letzten Tagen des Mai oder in den ersten des Juni vollzählig ist, sieben beträgt. Paine hat den Goldspecht niemals in geschlossenen Waldungen, sondern immer nur an den Rändern derselben brütend gefunden, ebensowenig aber bemerkt, daß ein Paar, wie trotzdem mit Bestimmtheit anzunehmen sein dürfte, eine alte Bruthöhle wieder benutzt. Abweichend von den meisten Verwandten ist der so häufige Goldspecht in der Nähe seines Nestes sehr scheu oder naht sich, wie wohl richtiger sein dürfte, demselben so verstohlen, daß man nicht leicht ein Nest entdeckt. Stört man das Paar an einem solchen, so umfliegen beide den Baum unter schrillenden und kreischenden Lauten, die oft mit gurgelnden abwechseln. Die Jungen, die Paine beobachtete, verließen das Nest so langsam nacheinander, daß der jüngste von ihnen ungefähr vierzehn Tage später ausflog als der erste. Ehe einer dem Nest entflog, erschien er stets oben in der Höhle, deren ganzen Raum er ausfüllte und verriet sich durch lautes zischendes Geschrei, wenn jemand dem Nistbaum nahte. Sobald er seine Flügel, wenn auch nur teilweise, gebrauchen konnte, kletterte und flatterte er in die Welt hinaus und wurde sogleich von den Alten nach dem tieferen Walde geleitet, hier aber noch eine Zeitlang gefüttert und im Gewerbe unterrichtet.

Waschbären und schwarze Schlangen sind gefährliche Feinde des Goldspechtes. Der erstere steckt eine seiner Vorderhände in die Nisthöhle, und wenn sie nicht allzutief ist, holt er die Eier gewiß heraus und saugt sie aus; ja, häufig genug nimmt er auch den brütenden Vogel selbst in Beschlag. Die schwarze Schlange begnügt sich mit den Eiern oder Jungen. Das Fleisch unseres Vogels wird auch von vielen Jägern hoch geschätzt und oft gegessen, namentlich in den mittleren Staaten. Dann und wann sieht man den Goldspecht auch auf den Märkten von New York und Philadelphia ausgestellt; ich meinesteils aber muß sagen, daß das Fleisch wegen seines Ameisengeruches mir höchst unangenehm war.«

Kein mir bekannter Specht hält sich so leicht in Gefangenschaft wie der Goldspecht, der keineswegs selten auch in unsere Käfige gelangt. Er stellt durchaus keine besonderen Ansprüche an das Futter, jedenfalls nicht mehr als ein anderer Kerbtierfresser; denn er begnügt sich mit einfachem Drosselfutter, falls dasselbe mit mehr Ameisenpuppen gewürzt ist, als es bei Drosseln notwendig.

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Die letzte Spechtsippe, die wir berücksichtigen können, umfaßt die Stummelspechte ( Picoides), Buntspechte mit dreizehigen Füßen oder, ausführlicher gesagt, mit fast kopflangem, geradem, breitem, auf der Firste kielförmig erhobenem, an den Seiten gegen die Spitze hin hohlkegelig ausgebuchtetem Schnabel und langläufigen Füßen, deren beide Vorderzehen fast gleich lang und etwas kürzer als die einzige Hinterzehe sind.

Der deutsche Vertreter dieser Gruppe ist der Dreizehenspecht ( Picoides tridactylus). Der Vogel, der unserm Buntspecht an Größe ungefähr gleichkommt, ist zwar nicht so lebhaft, aber fast ebenso bunt wie dieser gezeichnet. Die Federchen, die die Nase überdecken, sind weiß, an der Spitze schwarz, die des Vorderkopfes weiß, durch schwarze Schaftstriche gezeichnet, die des Scheitels lebhaft zitronengelb. Der Hinterkopf, ein über das Auge, die Ohrgegend und an den Halsseiten herab verlaufender breiter Streifen sind schwarz, Kinn, Kehle und Mitte der Unterseite weiß, die Oberteile einschließlich der Flügel bis auf einen breiten weißen Längsstreifen, der sich von dem weißen Hinterhals bis zu den oberen Schwanzdecken herabzieht, schwarz, die Flügel wie die Schulterfedern durch weiße Längsflecke geziert, die äußersten beiden Schwanzfedern endlich mit zwei weißen Querbinden und weißer Spitze, die dritte mit nur einer Querbinde geschmückt. Beim Weibchen ist der Scheitel nicht gelb, sondern wie der Vorderkopf weiß und schwarz längs gestrichelt.

Das Verbreitungsgebiet des Dreizehenspechtes verdient insofern besondere Beachtung, als es sich in Mittel- und Südeuropa ausschließlich auf das Hochgebirge und die höchsten Mittelgebirge beschränkt, dagegen über den ganzen Norden unseres Erdteiles und ebenso über Mittelasien bis Kamtschatka und Sachalin, nach Norden hin bis zur Holzgrenze und nach Süden hin bis zum Tianschangebirge ausdehnt. Die Verbreitung unseres Spechtes ist also eine ähnliche wie die des Alpenschneehuhns, das ebenfalls auf unsern Alpen und dann, weit getrennt von diesen, auf den Gebirgen des hohen Nordens gefunden wird. Als echter Gebirgsvogel steigt der Dreizehenspecht nur dann in die Niederung oder Ebene hinab, wo letztere das Gepräge des Hochgebirges angenommen hat, wie dies in den hoch nordischen Waldungen, in denen die Tundra bereits zur Geltung gelangt, der Fall ist. Innerhalb der Grenzen Deutschlands ist er als Brutvogel nur in den Bayerischen Alpen nachgewiesen worden; verschiedene Beobachtungen lassen es jedoch als denkbar erscheinen, daß er im Schlesischen Mittelgebirge wie auf dem Böhmerwald bisweilen oder sehr vereinzelt haust und brütet. Ein Nest hat freilich noch keiner der Beobachter gefunden, die ihn als Bewohner unserer Mittelgebirge aufführen. Mit Bestimmtheit dagegen lebt der Dreizehenspecht jahraus, jahrein in den Alpen, in den Karpathen, woselbst er laut Wodzicki ebenso wie in Kamtschatka der häufigste aller Spechte ist, in den Transsylvanischen Alpen, auf dem Kaukasus und dem ganzen Gebirgszug Skandinaviens, ebenso in Nordrußland und allen Gebirgen Nord- und Mittelasiens innerhalb der angegebenen Grenzen. Wirklich häufig scheint er nirgends zu sein, jedes Pärchen vielmehr ein weit ausgedehntes Gebiet zu bewohnen; jedoch ist hierbei zu bemerken, daß die Waldungen, die er sich erkiest, genaue Durchforschung im höchste Grade erschweren. In unsern Alpen hält er sich ausschließlich an den Nadelwald, im Norden scheint er wenigstens den Birkenwald ebenso gern zu bewohnen.

In seinem Wesen und Gebaren hat der Dreizehenspecht die größte Ähnlichkeit mit dem Buntspecht; ich wenigstens habe an denjenigen, die ich in Lappland und Sibirien beobachtete, keinen Unterschied wahrnehmen können. Er ist ebenso munter, ebenso gewandt, keck, rastlos, hat einen ähnlichen Flug und eine ähnliche, nach Angabe Girtanners nur merklich tiefere Stimme, trommelt in gleicher Weise, ist ebenso futterneidisch und kommt daher auch auf nachgeahmtes Klopfen regelmäßig herbei, kurz ähnelt dem Buntspecht in allen Stücken. Die Nahrung besteht wie bei letzterem aus Kerbtieren und Pflanzenstoffen. Über das Brutgeschäft liegen noch wenige und dürftige Nachrichten vor. Nach Wodzicki ist er in der Zeit des Nistens sehr vorsichtig, zimmert sich an zwanzig bis dreißig Löcher, sitzt bei Nacht bald in diesem, bald in jenem und baut sein Nest doch noch in einem andern. Deshalb entdeckt man seine Bruthöhle gewöhnlich erst, wenn er die Jungen atzt. Die vier bis fünf Eier, deren größter Durchmesser vierundzwanzig bis sechsundzwanzig und deren kleinerer achtzehn bis neunzehn Millimeter beträgt, sind glänzend weiß, werden Anfang Juni gelegt und wahrscheinlich von beiden Eltern abwechselnd bebrütet, wie auch Vater und Mutter gemeinschaftlich die Pflege der Jungen übernehmen.

Jung aus dem Nest genommene Dreizehenspechte, die Girtanner pflegte, nahmen unter beständigem, gegenseitigem Balgen und unaufhörlichem, dem des Kleinspechtes ähnelndem, jedoch etwas tieferem, ungefähr wie »Gigi« klingendem Geschreis die ihnen gereichten Ameisenpuppen ab, entwickelten sich auch sehr schön und fast bis zum Flüggewerden, wurden aber eines Morgens ohne irgendeine erklärliche Ursache tot gefunden, scheinen sich somit nicht leicht in Gefangenschaft erhalten zu lassen.

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Die Wendehälse ( Jyngidae) die als die tiefststehenden aller Spechtvögel anzusehen sind, gehören ausschließlich der Alten Welt an. Sie sind gewissermaßen als Bindeglieder zwischen den Spechten und den Kuckucken oder Bartvögeln anzusehen. Ihr Leib ist gestreckt, der Hals lang, der Kopf ziemlich klein, der Flügel kurz und stumpf, in ihm die dritte Schwinge die längste, der Schwanz mittellang, breit und weichfederig, der Schnabel kurz, gerade, vollkommen kegelförmig, spitzig, seitlich nur wenig zusammengedrückt, der Fuß ziemlich stark, vier- und paarzehig, das Gefieder locker und weich. Der innere Bau ähnelt nach den Untersuchungen von Nitzsch dem der Spechte. Die sehr ausstreckbare Zunge ist fadenförmig, an der Spitze aber nicht mit Widerhaken besetzt.

 

Unser Wendehals ( Jynx torquilla) ist auf der Oberseite licht aschgrau, sein dunkler gewellt und gepunktet, auf der Unterseite weiß, spärlich mit dunklen, dreieckigen Flecken gezeichnet; Kehle und Unterhals sind auf gelbem Grund quer gewellt; ein schwärzlicher Längsstreifen zieht sich vom Scheitel bis zum Unterrücken herab; die übrige Zeichnung des Oberkörpers besteht aus schwärzlichen, rost- und hellbraunen Flecken; die Schwingen sind rotbraun und schwarzbraun gebändert, die Schwanzfedern sein schwarz gesprenkelt und durch fünf schmale Bogenbänder gezeichnet. Das Auge ist gelbbraun, Schnabel und Beine sind grüngelb. Bei den Jungen ist die Färbung blasser, die Zeichnung gröber und das Auge graubraun. Die Länge beträgt 18, die Breite 29 bis 30, die Fittichlänge 9, die Schwanzlänge 6,5 Zentimeter.

Der Wendehals kommt auf der halben Erde vor; heimatberechtigt aber ist er nur im Norden, das heißt in Mitteleuropa und in Mittelasien. In Deutschland findet er sich einzeln allerorten, wenn auch nicht gerade im Hochgebirge oder im düsteren Hochwald. Nach Norden hin dehnt sich sein Verbreitungsgebiet bis ins mittlere Skandinavien und Finnland, nach Osten hin dagegen bis in die Amurländer aus. In Mittel- und Südrußland ist er überall häufig und selbst in den Steppen eine gewöhnliche Erscheinung.

siehe Bildunterschrift

Wendehals (Jynx torquilla)

Bei uns zulande erscheint der Wendehals erst, wenn der Frühling vollständig eingezogen, und er verläßt uns bereits wieder, bevor noch der Sommer vorübergegangen ist. Bei günstigem Frühlingswetter trifft er schon zwischen dem zehnten und fünfzehnten, gewöhnlich aber erst zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten April, zuweilen auch selbst in den ersten Tagen des Mai, bei uns ein und verweilt dann bis Anfang August, selten länger, am Brutort. Dann beginnt er zu streichen, und wenn man später, bis in den September hinein, noch einzelne seiner Art zu sehen bekommt, darf man annehmen, daß es solche sind, die im Norden brüteten und unser Vaterland nur durchwandern. Seine Reisen werden des Nachts ausgeführt, und zwar sammeln sich im Herbst kleine Gesellschaften, die den weiten Weg gemeinschaftlich zurücklegen, während die rückkehrenden vereinzelt ziehen. Doch sieht man auch im Frühling noch in Ägypten oder Spanien an besonders günstigen Plätzen mehrere dieser sonst ungeselligen Vögel beisammen.

Zu seinem Wohngebiet wählt der Wendehals Gegenden, die reich an alten Bäumen, aber doch nicht gänzlich bewaldet sind. Feldgehölze, zusammenhängende Gebüsche oder Obstbaumpflanzungen bilden seine liebsten Wohnsitze. Er scheut den Menschen nicht und siedelt sich gern in unmittelbarer Nähe von Häusern, z. B. in Gärten an, falls hier nur einer der Bäume eine geeignete Höhlung besitzt, die ihm zur Brutstelle dienen kann. Innerhalb seines Gebietes macht er sich wenigstens im Frühling leicht bemerklich; denn seine Stimme ist nicht zu verkennen, und fällt um so mehr auf, als das Weibchen dem rufenden Männchen regelmäßig zu antworten pflegt. Geht man dem oft zwanzigmal nacheinander ausgestoßenen »Wii id wii id« nach, so wird man den sonderbaren Vogel bald bemerken. Er sitzt entweder auf den Zweigen eines Baumes, auch wohl angeklammert am Stamm desselben oder auf dem Boden, hier wie dort ziemlich ruhig, obgleich keineswegs bewegungslos; denn sobald er sich beobachtet sieht, betätigt er zum mindesten seinen Namen. Man kann nicht sagen, daß er schwerfällig oder ungeschickt wäre; er ist aber träge und bewegt sich nur, wenn dies unumgänglich nötig wird. Von der Rastlosigkeit und Hurtigkeit der Spechte oder anderer Klettervögel bekundet er nichts mehr. Seine Kletterfüße dienen ihm nur zum Anklammern, scheinen aber zum Steigen unbrauchbar zu sein. Auf dem Boden hüpft er mit täppischen Sprüngen umher, und wenn er fliegt, wendet er sich so bald als möglich wieder einem Baum zu. Aus der Höhe stürzt er sich bis dicht über den Boden hernieder, fliegt hier mit rasch bewegten Flügeln eine Strecke geradeaus und steigt dann in einem großen, flachen Bogen wieder aufwärts. Nur wenn er größere Strecken durchmessen muß, zieht er in einer sanft wogenden Linie dahin.

Dagegen leistet er Erstaunliches in Verrenkung seines Halses, und diese Fähigkeit ist es, die ihm fast in allen Sprachen den gleichbedeutenden Namen verliehen hat. Jedes Ungewohnte bewegt ihn, Grimassen zu schneiden, und diese werden um so toller, je mehr der Vogel durch irgendeine Erscheinung in Furcht versetzt worden ist. »Er dehnt den Hals oft lang aus«, sagt Naumann, »sträubt die Kopffedern zu einer Holle auf und breitet den Schwanz fächerförmig aus, alles unter wiederholten, langsamen Verbeugungen, oder er dehnt den ganzen Körper und beugt sich, besonders wenn er böse ist, langsam vorwärts, verdreht die Augen und bewegt die Kehle wie ein Laubfrosch unter sonderbarem, dumpfem Gurgeln. In der Angst, z. B. wenn er gefangen ist und man mit der Hand zugreifen will, macht er so sonderbare Grimassen, daß ein Unkundiger darüber, wenn nicht erschrecken, so doch erstaunen muß. Mit aufgesträubten Kopffedern und halb geschlossenen Augen dehnt er den Hals zu besonderer Länge aus und dreht ihn wie eine Schlange ganz langsam, so daß der Kopf währenddem mehrmals im Kreise umgeht und der Schnabel dabei bald rückwärts, bald vorwärts steht.« Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß der Wendehals damit seine Feinde oder Angreifer schrecken will. Wie der Wiedehopf sich beim Anblick eines Raubvogels zu Boden duckt und sich durch das weiter oben beschriebene Gebärdenspiel unkenntlich zu machen sucht, so bemüht sich auch der Wendehals, den Feind zu täuschen und abzuschrecken. Er vertraut auf sein unscheinbares Gefieder, dessen Färbung sich der Baumrinde oder des Bodens innig anschmiegt und ahmt noch außerdem die Bewegungen der Schlange nach, die den meisten Tieren furchtbar erscheint. Daß diese Verteidigungsart nicht angeboren, sondern angelernt ist, beweist der Wendehals schlagend genug; denn nur die älteren Vögel nicht aber die Jungen gebärden sich in solcher Weise. Gefangene beweisen bei jeder Gelegenheit, daß sie ihre absonderlichen Gebärden nur aus dem Grund ausführen, um ihnen fremdartige oder bedenklich erscheinende Wesen zu schrecken.

Außer dem angegebenen »Wii id wii id« vernimmt man vom Wendehals selten einen andern Laut. Im Zorn ruft das Männchen »Wäd wäd«, in der Angst stoßen beide Geschlechter kurz abgebrochen die Silbe »Schäck« aus, bei besonderer Erregung zischt wenigstens das Weibchen wie eine Schlange. Die Jungen schwirren, solange sie im Nest sitzen, nach Art der Heuschrecken.

Die Spanier haben sehr recht, wenn sie den Wendehals » Hormiguero« oder zu deutsch Ameisler nennen, denn diese Kerbtiere, die er ebensowohl vom Boden als von den Bäumen abliest, bilden in der Tat die Hauptmasse seiner Nahrung. Er verzehrt alle kleineren Arten, noch lieber aber die Puppen als die ausgebildeten Kerfe. Gelegentlich frißt er auch wohl Raupen und andere Larven oder Puppen; Ameisen bleiben aber immer die Hauptsache. Seine Zunge, die er soweit vorstrecken kann wie nur irgendeiner der Spechte, leistet ihm bei seinem Nahrungserwerbe höchst ersprießliche Dienste. Nach Art des Ameisenfressers steckt er sie durch Ritzen und Löcher in das Innere der Haufen, wartet, bis sich die erbosten Kerbtiere an dem vermeintlichen Wurm festgebissen haben oder an dem kleberigen Schleim hängen geblieben sind, und zieht dann die ganze Ladung mit einem Ruck in den Schnabel.

Hinsichtlich der Nisthöhle macht der Wendehals geringe Ansprüche. Es genügt ihm, wenn der Eingang zu der Höhlung einigermaßen eng ist, so daß nicht jedes Raubtier ihm oder der Kinderschar gefährlich werden kann. Ob das Loch sich in bedeutender oder geringerer Höhe über dem Boden befindet, scheint ihm ziemlich gleichgültig zu sein. Sind mehrere Höhlen in einem Baum, so überläßt er, wie Naumann bemerkt, die höheren gewöhnlich andern Vögeln, Feldsperlingen, Rotschwänzen und Meisen, mit denen er nicht gern streiten mag, nimmt die unterste in Besitz und lebt dann mit allen übrigen Höhlenbrütern in tiefstem Frieden. Minder verträglich als Naumann geschildert, erweist er sich, wenn er an Wohnungsnot leidet. In Ostthüringen wählt er, laut Liebe, gegenwärtig, weil die alten Bäume sich mehr und mehr verlieren und auch die Spechte, die ihm seine Wohnung herzustellen pflegen, immer seltener werden, Starkasten zu seinem Heim und legt die Eier ohne weiteres auf das alte moderige Nistzeug, das im vorigen Jahr Sperlinge oder Stare eingetragen hatten. Findet er die Starkübel besetzt und dafür andere Brutkasten, so versucht er, gezwungen durch die Not, in diese zu schlüpfen und kann somit zu einem unliebsamen Besucher gepflegter, mit Nistkasten ausgerüsteter Gärten, auch wohl zum Nestzerstörer werden. Im größten Notfall baut er sein Nest oben in einer Vertiefung eines alten Weidenkopfes. Unter regelmäßigen Verhältnissen wird die Nisthöhle von dem alten Wust einigermaßen gereinigt und so auf dem Mulm eine ziemlich ebene Unterlage hergestellt. Darauf legt das Weibchen Mitte Mai seine sieben bis zwölf kleinen, abgestumpften, zartschaligen, reinweißen Eier. Es bebrütet dieselben etwa vierzehn Tage lang, größtenteils allein; denn es läßt sich nur in den Mittagsstunden von dem Männchen ablösen; aber es bebrütet sie mit dem größten Eifer. Nach meinen Beobachtungen gelingt es selten, ein auf den Eiern sitzendes Wendehalsweibchen aus dem Nest zu jagen. Klopfen am Baumstamm, das alle übrigen Höhlenbrüter aufscheucht, stört es nicht, und selbst dann, wenn man oben zum Nistloch hereinschaut, bleibt es noch über den Eiern sitzen. Aber es zischt wie eine Schlange, wiederum in der Absicht, zu schrecken. Die Jungen sind, wenn sie dem Ei entschlüpfen, beinahe nackt oder nur mit wenigen grauen Dunenfasern bekleidet, wachsen jedoch ziemlich rasch heran, weil beide Eltern sich nach Kräften bemühen, ihnen Nahrung in Fülle herbeizuschaffen. Doch verlassen sie das Nest erst, wenn sie vollkommen flugbar geworden sind. So sorgsam die Alten für das Wohl der zahlreichen Kinderschar bedacht sind – eines verstehen auch sie nicht: die Reinigung der Nestkammer. Der Wiedehopf ist wegen dieser Nachlässigkeit bei jedermann verschrien, der Wendehals aber um kein Haar besser als er; denn auch sein Nest wird zuletzt »ein stinkender Pfuhl«. Die ausgeflogenen Jungen werden von den Eltern noch längere Zeit geführt und sorgfältig im Gewerbe unterrichtet. Erst um die Mitte des Juli vereinzeln sich die Familien, die bisher treulich zusammenhielten, und jeder einzelne lebt nun still bis zu dem Tag, der der Beginn seiner Winterreise ist.

Gefangene Wendehälse sind die unterhaltendsten Stubengenossen unter der Sonne. Es hält nicht schwer, sie an ein passendes Stubenfutter zu gewöhnen und lange Zeit zu erhalten. Einige freilich, sogenannte Trotzköpfe, wollen nur Ameisenpuppen genießen. Eine Nestgesellschaft junger Wendehälse, die man aufzieht, verursacht vielleicht noch mehr Vergnügen als die alten Vögel. »Das Hungergeschrei einer derartigen Jugendschar«, erzählt Girtanner, »ist das Merkwürdigste, was an Tonwerken gehört werden kann und überrascht namentlich dann, wenn es, wie bei mir, aus dem Innern eines geschlossenen Kistchens, dessen Inhalt man von außen nicht erkennt, geheimnisvoll hervortönt. Die leiseste Berührung eines solchen, das Nest vertretenden Kästchens ruft ein äußerst sonderbares, ebenmäßig bewegtes, rätschendes Gesumme hervor, das mit einer Handtrommel ziemlich täuschend nachgeahmt werden kann und das Kistchen gleichsam in eine Spieldose verwandelt. Wie staunen dann nicht bewanderte Zuhörer, wenn man die Spieldose öffnet und sich plötzlich die Kasperltheatergesellschaft zeigt, schon jetzt beginnend, ihre Schnurren auszuüben. Die mehr entwickelten Jungen versuchen bereits ihre langen, beweglichen Schlangenzungen, wühlen mit diesen blitzschnell in den Ameisenpuppen herum, um ebenso rasch mit dem an gedachten Greifwerkzeugen hängenden Futter zu verschwinden.« Derartig aufgezogene Junge werden so zahm wie Haustiere und erhalten ihren Pfleger fortwährend in der heitersten Stimmung. Mit andern Vögeln, in deren Gesellschaft sie gebracht werden, vertragen sie sich vortrefflich, dürfen also auch in dieser Beziehung auf das wärmste empfohlen werden.

Der harmlose Wendehals hat in dem Sperber, in Elstern und Hähern, Katzen, Mardern und Wieseln gefährliche Feinde, und gar mancher fällt diesen wachsamen Räubern zum Opfer. Aber auch den Sonntagsschützen bietet er sich leider nur zu oft zum leichten Ziel, und seitdem man neuerdings nun vollends versucht hat, Acht und Bann über ihn zu verhängen, schützt ihn nicht einmal mehr die bisher festgehaltene Ansicht der Kundigen, daß er ein nützlicher Vogel sei. Ich meinesteils vertrete diese Ansicht auch heute noch, und zwar auf das bestimmteste und wärmste. Wohl weiß ich, daß er sich vorzugsweise von Ameisen ernährt und daß diese im allgemeinen uns Nutzen bringen; die von ihm verursachte Schädigung des Ameisenbestandes aber fällt dem massenhaften Auftreten gedachter Kerbtiere gegenüber so wenig ins Gewicht, daß der Wendehals im Ernst von niemand unter die schädlichen Vögel gezählt werden kann. Ebenso ist mir bekannt, daß er beim Suchen nach einer Wohnung den einen und den andern Höhlenbrüter stört, vielleicht sogar aus dem Nest vertreibt; ihn deshalb aber auf die Liste der schadenbringenden Vögel setzen zu wollen, ist einfach widersinnig. Wem der Wendehals hierdurch beschwerlich fällt, braucht nur einige tiefe und weite, aber mit kleinem Eingangsloch versehene und im Innern mit irgendeinem Nest, mindestens Geniste, ausgestattete Brutkästen an solchen Bäumen aufzuhängen, wie der Vogel sie besonders liebt, um derartigen Übergriffen desselben vorzubeugen. Ihn deshalb zu töten, ist ein Unrecht.

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