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Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 7: Zahnarme - Beuteltiere - Gabeltiere - Einhufer

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 7: Zahnarme - Beuteltiere - Gabeltiere - Einhufer - Kapitel 4
Quellenangabe
typereport
authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Säugetiere. Band 7: Zahnarme - Beuteltiere - Gabeltiere - Einhufer
publisherGutenberg-Verlag
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 7
editorAdolf Meyer
year1927
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140112
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Neunte Ordnung: Die Gabeltiere ( Monotremata).

Die Gabeltiere haben mit den Säugetieren bloß das Fell gemein, das Schnabeltier seinen Pelz, der Ameisenigel sein Stachelkleid; im übrigen unterscheiden sich beide wesentlich von den anderen bekannten Formen der höheren Tiere. Ein trockener Schnabel, an den eines Schwimmvogels erinnernd, vertritt bei ihnen die Stelle des Maules, und die Harn- und Geschlechtswerkzeuge liegen vereinigt in der Kloake. Dies ist eine Bildung, die wir bei den Vögeln wiederfinden; die ganze äußere Erscheinung und der Knochenbau der Schnabeltiere widersprechen der Vogelnatur jedoch auf das entschiedenste. Nun teilen sie aber den trockenen Kieferüberzug, die Kloake und das doppelte Schlüsselbein auch mit den Schildkröten, und somit wird ihre eigentümliche Mittelstellung zwischen den Säugetieren und Reptilien nur noch auffallender. Mit den Beuteltieren stehen sie in Beziehung wegen der Eigentümlichkeiten der Knochen am Becken. Die eigenartige Mittelstellung der Gabeltiere zwischen den Säugetieren und Reptilien erhellt am deutlichsten aus der Tatsache, daß sie ebenso wie die Reptilien und Vögel beschalte Eier legen. Diese Tatsache wurde ein Jahr nach Erscheinen der Brehmschen Schilderung (1887) von dem hervorragenden deutschen Naturforscher Wilhelm Haacke ermittelt. »Eierlegende Säugetiere«, das war eine damals allerdings unerhörte Entdeckung, und so verstehen wir die Bestürzung und Überraschung Haackes, wenn er schreibt: »Wie erstaunte ich, als ich... am Bauche des Tieres eine große tiefe Tasche fand, von der bis dahin nicht das Allergeringste bekannt war, einen Brutbeutel, ähnlich dem der Beuteltiere und groß genug, eine Herrentaschenuhr aufzunehmen. Es war selbstverständlich, daß ich in der Tiefe dieses Brutbeutels mit meinen Fingern nach etwaigem Inhalte forschte, und meine Hoffnung, daß ich einen kleinen Ameisenigel ans Tageslicht befördern würde, schien sich bestätigen zu wollen, denn am Grunde des Beutels fühlte ich einen kleinen rundlichen Klumpen, der wohl so etwas vorstellen konnte. War meine Überraschung darüber, daß dem Ameisenigel gleich den Beuteltieren ein Brutbeutel zukommt, schon groß gewesen, so war sie unbeschreiblich, als ich nunmehr das, was ich am Grunde des Beutels fühlte, herauszog. Nicht einen neugeborenen Ameisenigel hielt ich zwischen den Fingern, sondern ein veritables Ei, das erste Ei eines eierlegenden Säugetieres, das jemals einer wissenschaftlichen Gesellschaft vorgelegt worden ist. Meine Verblüffung war so groß, daß ich im ersten Augenblick nicht recht wußte, was ich tun sollte. Ich drückte das Ei, das mich eine Weile an der Richtigkeit aller meiner zoologischen Kenntnisse zweifeln ließ, so stark zwischen Daumen und Zeigefinger, daß es einen Riß bekam. Glücklicherweise nahm es dadurch keinen allzu großen Schaden. Ich konnte, als ich mich einigermaßen von meiner Überraschung erholt hatte, feststellen, daß es ungefähr 15 Millimeter lang und 13 Millimeter breit und dabei von elliptischer Form war. Die Schale dieses Eies war nicht hart wie die der Vögel, sondern glich in Konsistenz den Schalen mancher Reptilieneier. Die Eierschalen der Gabeltiere sind pergamentartige Gebilde, worin allerdings auch etwas Kalk abgelagert ist.« Herausgeber.

Die Gabeltiere sind kleine Säugetiere mit gedrungenem, etwas plattgedrücktem Körper, sehr niederen Beinen, schnabelförmigen Kiefern, die von einer trockenen Haut bedeckt werden, kleinen Augen, kurzem und flachem Schwanze, auswärts gestellten Füßen mit fünf langen Zehen und kräftigen Krallen sowie einem durchbohrten Hornsporn an der Ferse der Männchen, der mit einer besonderen Drüse in Verbindung steht. Die äußere Ohrmuschel fehlt gänzlich; die Zähne bestehen bei den einen in hornigen Platten, die den Kiefern aufliegen, und fehlen bei den anderen gänzlich. Sechzehn bis siebzehn Wirbel tragen Rippen, zwei bis drei sind rippenlos, dreizehn bis einundzwanzig bilden den Schwanz. Am Schädel verschwinden viele Nähte sehr früh, wie auch die Rippenknorpel vollständig verknöchern. Das Schlüsselbein ist doppelt, die Unterarm- und Schenkelknochen sind völlig ausgebildet. Die Speicheldrüsen sind groß, der Magen ist einfach, der Blinddarm sehr kurz.

Diese eigentümliche Ordnung ist auf die zwei Familien der Ameisenigel und der Schnabeltiere beschränkt. Von diesen Familien enthält die letztere wiederum nur eine, die erstere nur zwei bekannte Arten.

*

Der Ameisenigel ( Echidna hystrix) kennzeichnet sich durch seinen plumpen, größtenteils mit Stacheln oder Borsten bedeckten Leib, den walzenförmigen, nur am untern Ende gespaltenen Schnabel, den kurzen Schwanz, die freien, unvollkommen beweglichen Zehen und die langgestreckte, dünne, wurmartige Zunge, die, wie bei den Ameisenfressern, weit aus dem Munde hervorgestoßen werden kann. In seiner äußern Erscheinung weicht er viel mehr von dem Schnabeltiere ab als im innern Leibesbaue. Sein deutscher Name, der der ihm von den Ansiedlern gegebenen Benennung entspricht, ist für ihn bezeichnend. Der kurze Hals geht allmählich in den gedrungenen, etwas flachgedrückten schwerfälligen Leib und auf der andern Seite in den länglich runden, verhältnismäßig kleinen Kopf über, an dem sich plötzlich die langgestreckte, dünne, walzen- oder röhrenförmige Schnauze ansetzt. Diese ist auf der Oberseite gewölbt, unten flach, an der Wurzel noch ziemlich breit, verschmälert sich aber gegen das Ende hin und endigt in eine abgestumpfte Spitze, an der sich die sehr kleine und enge Mundspalte befindet. Die Gliedmaßen sind verhältnismäßig kurz, stark, dick, etwas plump und gleich lang. Der stummelartige Schwanz, der äußerlich bloß durch die an ihm sitzenden Stacheln unterschieden werden kann, ist dick und an der Spitze stark abgestumpft. Die Zunge, die an ihrer Wurzel mit kleinen, spitzigen, nach rückwärts gerichteten, stachelartigen Warzen bedeckt ist, kann etwa 5 Zentimeter weit über die Kiefern hervorgestreckt werden und empfängt von großen Speicheldrüsen einen klebrigen Schleim, der zur Anleimung der Nahrung geeignet ist. Von Zähnen findet sich keine Spur; im Gaumen aber stehen sieben Querreihen kleiner, derber, spitziger, rückwärts gerichteter, hornartiger Stacheln, die den Warzen der Zunge entsprechend gelegen sind und die Stelle der Zähne vertreten. Die Milchdrüsen haben ungefähr sechshundert Ausführungsgänge. Bei vollkommen erwachsenen Tieren beträgt die Leibeslänge etwa 45 Zentimeter, wovon etwas mehr als ein Zentimeter auf den Schwanz kommt. Beide Geschlechter sind sich bis auf einen Sporn an der Ferse des Männchens vollkommen gleich.

Das Vaterland des Ameisenigels beschränkt sich auf die gebirgigen Gegenden des südöstlichen Neuholland. Neusüdwales ist als seine wahre Heimat anzusehen. Er bewohnt mehr die gebirgigen Gegenden als die Ebenen und steigt hier und da bis zu tausend Meter über den Meeresspiegel hinauf. Trockene Wälder, wo er sich unter den Wurzeln der Bäume Höhlen und Gänge graben kann, sagen ihm besonders zu. Hier verbirgt er sich bei Tage; nachts kommt er hervor und geht schnüffelnd und grabend der Nahrung nach. Seine Bewegungen sind lebhaft, zumal beim Scharren, welche Kunst er meisterhaft versteht. Beim Gehen, das sehr langsam geschieht, senkt er den Kopf zur Erde und hält den Körper ganz niedrig; beim Graben setzt er alle vier Beine gleichzeitig in Bewegung und vermag, wie die Gürteltiere, sich geradezu vor sichtlichen Augen in die Erde zu versenken. Es ist nicht eben leicht, in der Dämmerung dieses erdfarbige Tier wahrzunehmen, und man findet es eigentlich bloß zufällig auf, wenn es in seiner ruhelosen Weise von einem Orte zum andern läuft. Dabei untersucht es jede Höhle, jede Ritze, und wenn es etwas Genießbares in ihr wittert, setzt es augenblicklich die kräftigen Füße in Bewegung, um die Höhle zu erweitern. Kerbtiere und Würmer, hauptsächlich aber Ameisen und Termiten, bilden seine Hauptnahrung. Diese sucht er mit Hilfe der sehr empfindlichen Schnauzenspitze auf, die weniger zum Wittern als zum Tasten geeignet scheint. Er frißt nach Art der Wurmzüngler, indem er die Zunge ausstreckt und, wenn sie sich mit Ameisen gefüllt hat, schnell wieder zurückzieht. Wie alle übrigen Ameisenfresser mischt er viel Sand oder Staub, auch trockenes Holz unter diese Nahrung; man findet seinen Magen stets damit angefüllt.

Wenn man einen Ameisenigel ergreift, rollt er sich augenblicklich in eine Kugel zusammen, und es ist dann sehr schwer, ihn festzuhalten, weil die scharfen Stacheln bei der heftigen Bewegung des Zusammenkugelns gewöhnlich empfindlich verwunden. Ein zusammengerollter Ameisenigel läßt sich nicht leicht fortschaffen, am besten noch, wenn man ihn an den Hinterbeinen packt und sich um alle Anstrengungen und Bewegungen nicht weiter kümmert. Hat er einmal eine Grube von wenigen Zentimetern fertiggebracht, so hält es außerordentlich schwer, ihn fortzuziehen. Nach Art der Gürteltiere spreizt er sich aus und drückt seine Stacheln so fest gegen die Wände, daß er an ihnen förmlich zu kleben scheint. Die starken Klauen seiner Füße werden hierbei selbstverständlich auch mit angewendet, um sich soviel als möglich zu befestigen. An anderen Gegenständen weiß er sich ebenfalls anzuklammern. Gegen die vierfüßigen Feinde verteidigt er sich wie der Igel durch Zusammenrollen, und wenn er Zeit hat, gräbt er sich so schleunig als möglich in die Erde ein. Dennoch wird der Beutelwolf seiner Meister und frißt ihn mit Haut und Stacheln.

Die Stimme, die man von dem sonderbaren Gesellen vernimmt, wenn er sich sehr beunruhigt suhlt, besteht in einem schwachen Grunzen. Unter den Sinnen stehen Gehör und Gesicht obenan; die übrigen sind sehr stumpf. Von geistigen Fähigkeiten ist kaum zu reden, obgleich man solche selbstverständlich als vorhanden annehmen muß.

Manche Australier braten ihn in seinem Felle, wie die Zigeuner unsern Igel, und essen ihn; aber auch die Europäer versichern, daß ein so zubereiteter Ameisenigel vortreffliche Speise gebe. Hierin beruht der einzige Nutzen, den das Tier dem Menschen bringen kann.

 

Das Schnabeltier ( Ornithorhynchus paradoxus) ist der einzige bekannte Vertreter der zweiten Familie unserer Ordnung. Wir verdanken dem englischen Naturforscher Bennett die beste Schilderung dieses in der Tat »auffallenden« Geschöpfes, das noch lange nach seiner Entdeckung Forscher und Laien in Erstaunen setzte. Gestalt und Lebensweise erschienen so seltsam, daß Bennett einzig und allein zu dem Zwecke nach Neuholland reiste, um dieses Tier kennenzulernen. Bis dahin waren bloß unbestimmte Nachrichten zu uns gekommen. Man erfuhr eben nur, daß das Schnabeltier im Wasser lebe und von den Eingeborenen eifrig gejagt werde, weil es einen schmackhaften Braten liefere. »Die Neuholländer«, so erzählt einer der ersten Berichterstatter, »sitzen mit kleinen Speeren bewaffnet am Ufer und lauern, bis ein solches Tier auftaucht. Ersehen sie dann eine Gelegenheit, so werfen sie den Spieß mit großer Geschicklichkeit nach ihrem Wildbret und fangen es ganz geschickt auf diese Weise. Oft sitzt ein Eingeborner eine volle Stunde auf der Lauer, ehe er den Versuch macht, ein Schnabeltier zu spießen; dann aber durchbohrt er immer mit sicherem Wurfe den Körper.«

siehe Bildunterschrift

Schnabeltier (Ornithorhynchus paradoxus)

Nun entstanden allerlei Fabeln, die zum Teil den Berichten der Eingebornen ihre Entstehung verdankten. Man sagte, daß das Schnabeltier Eier lege und diese nach Entenart ausbrüte, sprach von den giftigen Wirkungen des Sporns, den das Männchen am Hinterfuße trägt, wußte aber im übrigen so gut als nichts mitzuteilen: und so hatte jener englische Naturforscher Ursache genug, durch eigene Anschauung die Sache aufzuklären. Er reiste also zuerst im Jahre 1832 und dann noch einmal 1858 nach Australien und teilte seine Erfahrungen zuerst in einer gelehrten englischen Zeitschrift und später (1860) in einem besonderen Werke, seinen » Gatherings of a Naturalist«, sehr ausführlich mit. Seine Arbeit ist bis jetzt die einzige sichere Quelle über die Lebensweise des Schnabeltieres.

Das Schnabeltier trägt in seinem Vaterlande verschiedene Namen. Die Ansiedler nennen es Wassermaulwurf wegen seiner wenn auch nur geringen Ähnlichkeit mit dem europäischen Mull, die Eingebornen je nach den verschiedenen Gegenden Mallangong, Tambriet, Tohumbuk und Mufflengong.

Der Verbreitungskreis des Schnabeltieres beschränkt sich auf die Ostküste von Neuholland, und zwar die Flüsse und stehenden Gewässer von Neusüdwales und des inneren Landes. Es ist nicht größer als der Ameisenigel, durchschnittlich 50 Zentimeter lang, wovon 12 Zentimeter auf den Schwanz kommen. Die Männchen sind regelmäßig größer als die Weibchen. Der platt gedrückte Leib ähnelt in gewisser Beziehung dem des Bibers oder des Fischotters. Die Beine sind sehr kurz, alle Füße fünfzehig und mit Schwimmhäuten versehen. An den Vorderfüßen, die die größte Muskelkraft besitzen und ebensowohl zum Schwimmen wie zum Graben dienen, erstreckt sich die Schwimmhaut etwas über die Krallen, ist dort sehr biegsam und dehnbar und schiebt sich, wenn das Tier gräbt, zurück. Alle Zehen sind sehr stark, stumpf und ganz zum Graben geeignet. Die beiden mittleren sind die längsten. Die kurzen Hinterfüße wenden sich nach rückwärts und erinnern an die des Seehundes, wirken auch hauptsächlich rückwärts und nach außen. Ihre erste Zehe ist sehr kurz; die Nägel sind alle rückwärts gekrümmt und länger und schärfer als die der Vorderfüße; die Schwimmhaut aber geht nur bis an die Zehenwurzel. Beim Männchen sitzt hier, etwas über den Zehen und nach innen gewendet, ein spitziger und beweglicher Sporn, der ziemlich weit gedreht werden kann. Der Schwanz ist platt, breit und am Ende, wo lange Haare den Auslauf bilden, plötzlich abgestutzt, bei älteren Tieren unten entweder ganz nackt oder doch nur von einigen wenigen groben Haaren bedeckt, bei jungen Tieren vollständig behaart, weil diese Haare wahrscheinlich erst im Verlaufe der Zeit abgeschliffen werden. Der Kopf ist ziemlich flach, klein und durch seinen breiten Entenschnabel so ausgezeichnet, daß er unter den Säugetieren einzig in seiner Art dasteht. Beide Kinnladen strecken sich und werden in ihrer ganzen Ausdehnung von einer hornigen Haut umgeben, die sich noch nach hinten in einem eigentümlichen Schilde fortsetzt; beide tragen vier Hornzähne, von denen der Ober- und Vorderzahn lang, schmal und scharf ist, während der Hinterzahn breit und flach, überhaupt wie ein Backenzahn erscheint. Die Nasenlöcher liegen in der Oberfläche des Schnabels, nahe an seinem Ende, die kleinen Augen hoch im Kopfe, die verschließbaren Ohröffnungen nahe am äußern Augenwinkel. Jene Falte, die vom Schnabel aus wie ein Schild über den Vorderkopf und die Kehle fällt, ist dem Tiere von großem Nutzen, weil sie beim Futtersuchen den Schlamm vom anstoßenden Pelze abhält und beim Graben in der Erde schützt. Die Zunge ist fleischig, aber mit hornigen Zähnen besetzt und hinten durch einen eigentümlichen Knollen erhöht, der den Mund vollständig schließt. So wird der Schnabel zu einem vortrefflichen Seiher, der das Tier befähigt, das Wasser durchzuspüren, Genießbares von dem Ungenießbaren abzuscheiden und ersteres vor dem gemächlichen Durchkauen in den geräumigen Backentaschen aufzuspeichern, die sich längs der Kopfseiten erstrecken.

Der Pelz des Schnabeltieres besteht aus dichten, groben Grannen von dunkelbrauner Färbung mit silberweißer Schattierung; darunter liegt ein sehr weiches, dem des Seehundes und des Seeotters ähnliches Wollhaar von graulicher Färbung. An der Kehle, der Brust und dem untern Leibe sind Pelz und Haar viel feiner und seidenartiger. Der obere Pelz ist, namentlich an den äußeren Spitzen, verhältnismäßig hart, denn die Haare sind dort breit und lanzenförmig, bilden auch einen Winkel gegen die dünneren, der Haut zunächst stehenden. Die allgemeine Färbung der Grannenhaare ist rot oder schwarzbraun, auf der untern Seite rostgelblich und an den Leibesseiten, dem Hinterbauche und dem Vorderhalse rost- oder rosenrötlich; ebenso sind ein kleiner Flecken unterhalb des innern Augenwinkels und eine schmale Einfassung um das Ohr gefärbt. Die Füße sind braunrot; der Schnabel ist oben und hinten schmutzig grauschwarz, aber mit unzähligen lichteren Punkten bedeckt, vorn fleischfarben oder blaßrot, unten vorn weiß oder gefleckt, hinten wie der Oberschnabel rötlich. Auch die Querfalte der Haut nimmt an dieser Färbung teil.

Am liebsten bewohnt das Schnabeltier ruhige Stellen der Flüsse, sogenannte Altwässer, in denen zahlreiche Wasserpflanzen stehen, und deren Ufer laubige Bäume beschatten. Hier legt es sich am Uferrande einen mehr oder weniger künstlichen Bau an. Die erste Höhle, die Bennett sah, lag an einem steilen Ufer zwischen Gras und Kräutern, dicht am Flusse. Ein etwa sechs Meter langer, vielfach gewundener Gang mündete in einen geräumigeren Kessel, der wie der Gang mit trocknen Wasserpflanzen bestreut war. Gewöhnlich hat aber jeder Bau zwei Eingänge, einen unter dem Wasserspiegel, den andern etwa dreißig Zentimeter darüber. Zuweilen kommt es vor, daß der Eingang bis anderthalb Meter vom Rande des Wassers entfernt ist. Die Röhre läuft von unten schief in die Höhe, so daß der Kessel selten dem Eindringen des Hochwassers ausgesetzt ist. Auch scheint sich das Tier hiernach zu richten und, je nachdem höherer oder seichterer Wasserstand, die Röhre von sechs bis zehn, ja sogar bis fünfzehn Meter Länge auszudehnen.

Man sieht die Schnabeltiere zu jeder Zeit in den Flüssen Australiens, am häufigsten jedoch während des Frühlings und der Sommermonate. Sie sind eigentlich Dämmerungstiere, obwohl sie auch während des Tages ihre Verstecke auf kurze Zeit verlassen, um ihrer Nahrung nachzugehen. Wenn das Wasser recht klar ist, kann man den Weg, den das bald tauchende, bald wieder auf der Oberfläche erscheinende Tier nimmt, mit den Augen verfolgen. An so durchsichtige Stellen kommt es aber nur höchst selten, gleichsam als ob es sich seiner Unsicherheit hier bewußt wäre, verläßt sie auch sobald als möglich wieder. Wenn man sich ruhig verhält, dauert es an günstigen Orten nicht lange, bis man an der Oberfläche des Wassers den kleinen, eigentümlich gestalteten Kopf sieht; will man aber das Tier beobachten, so muß man ganz regungslos verweilen, denn nicht die geringste Bewegung entgeht seinem scharfen Auge, nicht das leiseste Geräusch seinem feinen Ohr; und wenn es einmal verscheucht worden ist, kommt es selten wieder. Hält man sich völlig ruhig, so kann man es lange vor sich herumpaddeln sehen. Selten bleibt es länger als eine oder zwei Minuten oben; dann taucht es und erscheint in einer kleinen Entfernung wieder. Wie Bennett an Gefangenen beobachtete, hält sich das Schnabeltier gern am Ufer, dicht über dem Schlamme auf und gründelt hier zwischen den Wurzeln und untersten Blättern der Wassergewächse, die den Hauptaufenthalt von Kerbtieren bilden. Es schwimmt vortrefflich, ebensowohl stromauf- als stromabwärts. Im erstern Falle muß es sich etwas anstrengen, im letztern läßt es sich behaglich von der Strömung treiben. Die Nahrung, die es während seiner Weidegänge aufnimmt, hauptsächlich kleine Wasserkerbtiere und Weichtiere, wird zunächst in den Backentaschen aufbewahrt und dann bei größerer Ruhe verzehrt.

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