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Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 5: Raubtiere. Schleichkatzen. Marder. Bären

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 5: Raubtiere. Schleichkatzen. Marder. Bären - Kapitel 4
Quellenangabe
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authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Säugetiere. Band 5: Raubtiere. Schleichkatzen. Marder. Bären
publisherGutenberg-Verlag
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 5
editorAdolf Meyer
year1927
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Bären

Die letzte Familie unserer Ordnung führt uns bekannte und befreundete Gestalten aus der Kinderzeit vor. Die Bären (Ursidae) sind so ausgezeichnete Tiere, daß wohl jeder sie auge nblicklich erkennt; seltener zu uns kommende Arten weichen jedoch in mancher Hinsicht von dem allgemeinen Gepräge ab, und bei einzelnen Sippen muß man schon einiges Verständnis der tierischen Verwandtschaften besitzen, wenn man zurechtkommen will.

Der Leib der Bären ist gedrungen oder selbst plump, der Kopf länglichrund, mäßig gestreckt, mit zugespitzter, aber gewöhnlich gerade abgeschnittener Schnauze, der Hals verhältnismäßig kurz und dick; die Ohren sind kurz und die Augen beziehentlich klein; die Beine sind mäßig lang, die Vorder- und Hinterfüße fünfzehig und mit großen, gebogenen, unbeweglichen, d. h. nicht einziehbaren, deshalb an der Spitze oft sehr stark abgenutzten Krallen bewaffnet, die Fußsohlen, die beim Gehen den Boden ihrer vollen Länge nach berühren, fast ganz nackt. Das Gebiß besteht aus 36 bis 40 Zähnen, und zwar oben und unten sechs Schneidezähnen, den Eckzähnen, oben und unten zwei bis vier Lückzähnen oder zwei Lückzähnen oben, drei unten, sowie endlich zwei bis drei Backenzähnen. Die Schneidezähne sind verhältnismäßig groß, haben oft gelappte Kronen und stehen im Einklänge mit den starken, meist mit Kanten oder Leisten versehenen Eckzähnen; die Lückzähne dagegen sind einfach kegelförmig oder nur mit unbedeutenden Nebenhöckern versehen; der Fleisch- oder Reißzahn ist sehr schwach, fehlt sogar einigen Sippen vollständig und ist bei andern nur ein starker Lückzahn mit innerem Höcker; die Kauzähne sind stumpf und die des Unterkiefers stets länger als breit. Am Schädel ist der Hirnteil gestreckt und durch starke Kämme ausgezeichnet: die Halswirbel sind kurz und stark, ebenso auch die 19 bis 21 Rückenwirbel, von denen 14 oder 15 Rippenpaare tragen. Das Kreuzbein besteht aus 3 bis 5 und der Schwanz aus 7 bis 34 Wirbeln. Die Zunge ist glatt, der Magen ein schlichter Schlauch, der Dünn- und Dickdarm wenig geschieden; der Blinddarm fehlt gänzlich.

Soweit die Vorwesenkunde uns Ausschluß gewähren kann, läßt sich feststellen, daß die Bären schon in der Vorzeit vertreten waren, wie es scheint, sich aber allgemach vermehrt haben. Gegenwärtig verbreiten sie sich über ganz Europa, Asien und Amerika, ebenso auch über einen Teil von Nordwestafrika. Sie bewohnen ebensogut du wärmsten wie die kältesten Länder, die Hochgebirge wie die von dem eisigen Meere eingeschlossenen Küsten. Fast sämtliche Arten hausen in dichten, ausgedehnten Wäldern oder in Felsengegenden, zumeist in der Einsamkeit. Die einen lieben mehr wasserreiche oder feuchte Gegenden, Flüsse, Bäche, Seen und Sümpfe und das Meer, während die andern trockenen Landstrichen den Vorzug geben. Eine einzige Art ist an die Küsten des Meeres gebunden und geht niemals tiefer in das Land hinein, unternimmt dagegen, auf Eisschollen fahrend, weitere Reise als alle übrigen, durchschifft das nördliche Eismeer und wandert von einem Erdteile zum andern. Alle übrigen Arten schweifen innerhalb eines weniger ausgedehnten Kreises umher. Die meisten Bären leben einzeln, d. h. höchstens zur Paarungszeit mit einem Weibchen zusammen; einige sind gesellig und vereinigen sich zu Gesellschaften. Diese graben sich Höhlen in der Erde oder im Sande, um dort ihr Lager aufzuschlagen, jene suchen in hohlen Bäumen oder in Felsklüften Schutz. Die meisten Arten sind nächtliche oder halbnächtliche Tiere, ziehen nach Untergang der Sonne auf Raub aus und bringen den ganzen Tag über schlafend in ihren Verstecken zu.

Mehr als die übrigen Raubtiere scheinen die Bären Allesfresser im vollsten Sinne des Wortes, befähigt zu sein, lange Zeit allein aus dem Pflanzenreiche sich zu ernähren. Nicht nur eßbare Früchte und Beeren werden von ihnen verzehrt, sondern auch Körner, Getreide im reifen und halbreifen Zustande, Wurzeln, saftige Gräser, Baumknospen, Blütenkätzchen usw. Gefangene hat man längere Zeit bloß mit Hafer gefüttert, ohne eine Abnahme ihres Wohlbefindens zu bemerken. In der Jugend dürften sie ihre Nahrung ausschließlich aus dem Pflanzenreiche wählen, und auch später ziehen sie Pflanzennahrung dem Fleische vor. Sie sind keine Kostverächter; denn sie fressen fast alles, was genießbar ist: außer den angeführten Pflanzen auch Tiere, und zwar Krebse und Muscheln, Würmer, Kerbtiere und deren Larven, Fische, Vögel und deren Eier, Säugetiere und Aas. In der Nähe menschlicher Wohnsitze fügen sie dem Haushalte Schaden zu, und die stärkeren Arten werden zuweilen zu höchst gefährlichen Raubtieren, die, wenn der Hunger sie quält, größere Tiere anfallen und namentlich unter unserm Viehstande bedeutende Verwüstungen anrichten können. Einzelne sind dabei so dreist, daß sie bis in die Dörfer hineinkommen, um Hausgeflügel zu würgen und Eier zu verzehren oder Ställe auszubrechen und dort sich mit leichter Mühe Beute zu holen. Dem Menschen werden die größten bloß dann gefährlich, wenn er sich mit ihnen in Kampf einläßt und ihren Zorn reizt.

Man irrt, wenn man die Bewegungen der Bären für plump und langsam hält. Die großen Arten sind zwar nicht besonders schnell und auch nicht geschickt, aber im hohen Grade ausdauernd und demnach fähig, den Mangel an Beweglichkeit zu ersetzen; auf die kleinen Arten aber leidet jene Meinung gar keine Anwendung, denn diese bewegen sich außerordentlich behend und rasch. Der Gang auf der Erde ist fast immer langsam. Die Bären treten mit ganzer Sohle auf und setzen bedächtig ein Bein vor das andere; geraten sie aber in Aufregung, so können sie tüchtig laufen, indem sie einen absonderlichen, jedoch fördernden Galopp einschlagen. Die plumperen Arten vermögen außerdem auf den Hinterbeinen sich aufzurichten und, schwankenden Ganges zwar, aber doch nicht ungeschickt, in dieser Stellung eine gewisse Strecke zu durchmessen. Das Klettern verstehen fast alle ziemlich gut, wenn sie ihrer Schwere wegen es auch nur in untergeordneter Weise ausüben können. Einige meiden das Wasser, wahrend die übrigen vortrefflich schwimmen und einige tief und anhaltend tauchen können. Die Eisbären trifft man oft viele Meilen weit vom Lande entfernt, mitten im Meere schwimmend, und hat dann Gelegenheit, ihre Fertigkeit und erstaunliche Ausdauer zu beobachten. Eine große Kraft erleichtert den Bären die Bewegungen, läßt sie Hindernisse überwinden, die andern Tieren im höchsten Grade störend sein würden, und kommt ihnen auch bei ihren Räubereien sehr wohl zustatten: sie sind imstande, eine geraubte Kuh oder ein Pferd mit Leichtigkeit fortzuschleppen oder aber einem andern Tiere durch eine kräftige Umarmung alle Rippen im Leibe zu zerbrechen. Unter ihren Sinnen steht der Geruch obenan; das Gehör ist gut, das Gesicht mittelmäßig, der Geschmack nicht besonders und das Gefühl ziemlich unentwickelt, obwohl einige in ihrer verlängerten Schnauze ein förmliches Tastwerkzeug besitzen. Einige Arten sind verständig und klug; doch fehlt ihnen die Gabe, listig etwas zu berechnen und das einmal Beschlossene schlau auszuführen. Sie lassen in gewissem Grade sich abrichten, erreichen jedoch nicht entfernt die geistige Ausbildung, die wir bei unserm klügsten Haustier, dem Hunde, zu bewundern gelernt haben. Einzelne werden leicht zahm, zeigen jedoch keine besondere Anhänglichkeit an den Herrn und Pfleger. Dazu kommt, daß das Vieh im Alter immer mehr sich herauskehrt, d. h. daß sie tückisch und reizbar, zornig und boshaft und dann äußerst gefährlich werden. Die unbedeutenden Kunststücke, zu denen sich die eine oder die andere Art abrichten läßt, kommen kaum in Betracht, und bei vielen ist von einer Abrichtung überhaupt keine Rede. Gemütsstimmungen geben die Bären durch verschiedene Betonung ihrer an und für sich merkwürdigen, aus dumpfem Brummen, Schnauben und Murmeln oder grunzenden und pfeifenden, zuweilen auch bellenden Tönen bestehenden Stimme zu erkennen.

Alle nördlich wohnenden größeren Bärenarten schweifen bloß während des Sommers umher und graben sich vor dem Eintritt des Winters eine Höhle in den Boden oder benutzen günstig gestaltete Felsenspalten und andere natürliche Höhlungen, um dort den Winter zuzubringen. Immer bereiten sie sich im Hintergrunde ihrer Wohnung aus Zweigen und Blättern, Moos, Laub und Gras ein weiches Lager und verschlafen hier in Absätzen die kälteste Zeit des Jahres. In einen ununterbrochenen Winterschlaf fallen die Büren nicht, sie schlafen vielmehr in großen Zeiträumen, ohne jedoch eigentlich auszugehen. Dabei erscheint es auffallend, daß bloß die eigentlichen Landbären Winterschlaf halten, während die Eis- oder Seebären auch bei der strengsten Kälte noch umherschweifen oder sich höchstens bei dem tollsten Schneegestöber ruhig niedertun und sich hier durch den Schnee selbst ein Obdach bauen, d. h. einfach einschneien lassen.

Das trächtige Weibchen zieht sich in eine Höhlung zurück und wirft in ihr, gewöhnlich frühzeitig im Jahr, ein bis sechs Junge, welche blind geboren und von der Mutter mit aller Sorgfalt genährt, gepflegt, geschützt und verteidigt werden. Sie gelten, nachdem sie einigermaßen beweglich geworden sind, als überaus gemütliche, possierliche und spiellustige Tierchen.

Der Schaden, den die Bären bringen, wird durch den Nutzen, den sie uns gewähren, ungefähr aufgehoben, zumal sie teilweise nur in dünn bevölkerten Gegenden sich aufhalten, wo sie den Menschen ohnehin nicht viel Schaden zufügen können. Von fast allen Arten wird das Fell benutzt und als vorzügliches Pelzwerk hoch geschätzt. Außerdem genießt man das Fleisch und verwendet selbst die Knochen, Sehnen und Gedärme.

*

Während jedermann den Bären zu kennen vermeint, muß der Tierkundige sagen, daß es noch fraglich ist, ob man in den verschiedenen Formen, die man bald vereinigt, bald getrennt hat, Spielarten eines und desselben Geschöpfes oder selbständige Arten zu erkennen hat. Ständige Rassen darf man, wie auch alle erfahrenen Bärenjäger tun, gewiß annehmen, andererseits aber ebensowenig außer acht lassen, daß ein weit verbreitetes Tier innerhalb seines mannigfach abwechselnden Wohngebietes ebenfalls abändern müsse und werde.

Nehmen wir nur eine Bärenart an, so haben wir festzuhalten, daß diese, der Landbär, gemeine oder Aasbär ( Ursus arctos), ungemein abändert, nicht allein, was die Behaarung und Färbung, sondern auch was die Gestalt und zumal die Form des Schädels anlangt. Der im allgemeinen dichte Pelz, der um das Gesicht, an dem Bauche und hinter den Beinen länger als am übrigen Körper ist, kann aus längeren oder kürzeren, aus schlichten oder gekräuselten Haaren bestehen; seine Färbung durchläuft alle Schattierungen von Schwarzbraun bis zu Dunkelrot und Gelbbraun, oder von Schwärzlichgrau und Silbergrau bis zum Isabellfahl; das bei jungen Tieren oft vorhandene weiße Halsband erhält sich bis ins hohe Alter usw. Die Schnauze ist mehr oder minder gestreckt, die Stirne mehr oder weniger abgeplattet, der Rumpf bald sehr gedrungen, bald etwas verschmächtigt, die Beine sind höher oder niedriger.

An Länge kann der Bär, bei 1 bis 1,25 Meter Höhe am Widerrist, 2 bis 2,2 Meter erreichen, wovon 8 Zentimeter auf das Stumpfschwänzchen kommen. Das Gewicht schwankt zwischen 150 bis 250 Kilogramm.

In der Weidmannssprache unterscheidet man Haupt-, Mittel- und Jungbären; die Füße heißen Branten oder Tatzen, das Fell Decke oder Haut, das Fett Feist, die Augen Seher, die Ohren Gehör, der Schwanz Pürzel. Ferner sagt man: der Bär geht von oder zu Holze, verläßt oder sucht sein Lager oder Loch, erhebt sich, wenn er sein Lager verläßt oder sich aufrichtet, erniedrigt sich, wenn er aus seiner aufrechten Stellung niederfällt oder sich zur Ruhe begibt, schlägt seine Feinde, schlägt sich ein, indem er sich im Winterlager niederlegt, bäret, setzt oder bringt Junge, wird erlegt, aufgeschärft, seine Haut abgeschärft usw. Übrigens gebraucht man dieselben Ausdrücke wie bei Erwähnung anderer großer Raubtiere.

Sieht man in den genannten Formen nur Spielarten des Landbären, so hat man dessen Verbreitungsgebiet von Spanien bis Kamtschatka und von Lappland und Sibirien bis zum Atlas, Libanon und dem nördlichen Himalaja auszudehnen. In Europa bewohnt er noch gegenwärtig alle Hochgebirge: die Pyrenäen, Alpen, Karpathen, transsylvanischen Alpen, den Balkan, die skandinavischen Alpen, den Kaukasus und Ural nebst den Ausläufern und einem Teile der Umgebung dieser Gebirge, ebenso ganz Rußland, ganz Nord- und Mittelasien, mit Ausnahme der kahlen Steppen, Kaukasien, Syrien, Palästina, Persien, Tibet und endlich den Atlas. Er ist häufig in Rußland, Schweden und Norwegen, Siebenbürgen und den Donautiefländern, der Türkei und Griechenland, nicht selten in Krain und Kroatien, in dem gebirgigen Spanien und Italien, schon sehr selten geworden in der Schweiz und Tirol, fast gänzlich ausgerottet in Frankreich wie in den österreichisch-deutschen Ländern und gänzlich vertilgt in Deutschland. Belgien, Holland, Dänemark und Großbritannien. Einzelne Überläufer erscheinen dann und wann im bayrischen Hochgebirge, in Kärnten, Steiermark, Mähren und vielleicht noch im Böhmerwalde. Bedingung für seinen Aufenthalt sind große, zusammenhängende, schwer zugängliche oder doch wenig besuchte, an Beeren und sonstigen Früchten reiche Waldungen. Höhlen unter Baumwurzeln oder in Baumstämmen und im Felsengeklüfte, dunkle, undurchdringliche Dickichte und Brüche mit trockenen Inseln bieten hier ihm Obdach und Ruhe vor seinem Erzfeinde, dem Menschen.

siehe Bildunterschrift

Junger Braunbär ( Ursus arctos)

Der Bär, das plumpeste und schwerste Raubtier Europas, ist wie die meisten seiner engeren Verwandten ein tölpelhafter und geistloser Gesell. Doch sehen seine Bewegungen ungeschickter aus, als sie wirklich sind; denn er läuft, trotz seines gemächlichen Ganges, auf Streifzügen sehr schnell, sofern er beunruhigt wird, und ist jedenfalls imstande, einen Menschen bald einzuholen, wie er ja auch ein langsameres Wild oft erst nach längerer Verfolgung erbeutet. Bergauf geht sein Lauf verhältnismäßig noch schneller als auf der Ebene, weil ihm seine langen Hinterbeine hier trefflich zustattenkommen; bergunter dagegen kann er nur langsam laufen, weil er sich sonst leicht überschlagen würde. Bloß im Februar, in welcher Zeit sich seine Sohlen häuten, geht er nicht gut. Außerdem versteht er vortrefflich zu schwimmen und geschickt zu klettern. Schon ganz junge Bären werden von ihren Müttern gelehrt, die Bäume zu besteigen; sie lernen diese Fertigkeit aber auch ganz von selbst, wie ich an Gefangenen vielfach beobachten konnte. Es ist spaßhaft anzusehen, wie sie von Bäumen rücklings wieder herunterkommen: sie klammern sich beim Klettern mit wahrer Angst an die Äste und zeigen eine lebhafte Furcht vor dem Herunterfallen. Die gewaltige Kraft und die starken, harten Nägel erleichtern dem Bären das Klettern ungemein; er vermag selbst an steilen Felsenwänden emporzusteigen, falls er nur irgendeinen Anhaltspunkt an denselben findet. Vor dem Wasser scheut er sich gar nicht; er sucht es häufig im Sommer auf, um sich zu kühlen, und verweilt dann lange Zeit und gern darin. Bei Verfolgung wirft er sich dreist in einen Strom und setzt schnurgerade über. Unter seinen Sinnen scheint der Geruch am vorzüglichsten zu sein; wahrscheinlich dient dieser ihm auch am besten beim Aufsuchen der Beute. Einen sich ihm nähernden Menschen soll er auf zwei- bis dreihundert Schritte Entfernung wittern und eine Fährte sicher verfolgen können. Auch das Gehör ist trotz der kurzen Lauscher scharf, das Gesicht dagegen ziemlich schlecht, obschon die Augen nicht blöde genannt werden dürfen; der Geschmack endlich scheint recht gut ausgebildet zu sein.

Das geistige Wesen des Bären ist von jeher sehr günstig beurteilt worden. Ich vermag mich einem solchen Urteil nicht anzuschließen. Der Bär erscheint allerdings komisch, ist aber nichts weniger als gutmütig oder liebenswürdig, auch nur dann mutig, wenn er keinen andern Ausweg sieht, vielmehr geistig wenig begabt, ziemlich dumm, gleichgültig und träge. Alle Katzen und Hunde sind gescheiter als er. Seine Gutmütigkeit ist einzig und allein in seiner geringen Raubfertigkeit begründet, sein drolliges Wesen vorzugsweise durch seine Gestalt bedingt. Die Katze ist mutig, der Hund listig fein, der Bär dumm, grob und ungeschliffen. Sein Gebiß weist ihm beschränkte Nahrung an; er raubt daher nur selten und bloß in beschränktem Grade. Dieses Verdienst ist gering und nicht ihm zuzurechnen. Lehre und Unterricht nimmt er nur in geringem Maße an; wirklicher Freundschaft zu dem Menschen ist er nicht fähig. Den Fraß liebt er mehr als seinen Pfleger. Er bleibt auch diesem gegenüber immer grob und gefährlich.

siehe Bildunterschrift

Brauner Bär ( Ursus arctos)

Ein einziger Blick auf das Gebiß des Bären lehrt, daß er Allesfresser und mehr auf pflanzliche als auf tierische Nahrung angewiesen ist. Am besten läßt er sich mit dem Schweine vergleichen: wie diesem ist ihm alles Genießbare recht. Für gewöhnlich bilden Pflanzenstoffe seine Hauptmahlzeit, kleine Tiere, namentlich Kerfe, Schnecken und dergleichen die Zukost. Monatelang begnügt er sich mit solcher Nahrung, äst wie ein Rind von jung aufkeimendem Roggen oder von fettem Grase, frißt reifendes Getreide, Knospen, Obst, Waldbeeren, Schwämme und dergleichen, wühlt nebenbei Ameisenhaufen auf und erlabt sich an den Larven wie an den Alten, deren eigentümliche Säure seinem Gaumen behagen mag, oder wittert, zumal im Süden, einen Bienenstock aus, der ihm dann leckere und höchst willkommene Kost gewährt. Im südlichen Kärnten trägt man die Bienenstöcke im Sommer ins Gebirge, um sie, je nachdem die Blüte der Alpenpflanzen eintritt, niedriger oder höher an den Bergen aufzustellen. Hier findet sich zuweilen ein aus Krain herübergekommener Bär ein und tut dann großen Schaden, indem er die Stöcke zerbricht und ihres Inhalts entleert. Sobald die Reife der Beeren beginnt, zieht er diesen nach, biegt auch junge, beerentragende Bäume, namentlich Traubenkirschenstämme, zum Boden herab, um zu deren Früchten zu gelangen; wenn das Getreide, insbesondere Hafer und Mais, Körner ansetzt, findet er sich in den Feldern ein, läßt sich nieder und rutscht, in einer einzigen Nacht manchmal einen ganzen Acker verwüstend, sitzend auf und ab, um in aller Bequemlichkeit die Ähren und Rispen zum Maule führen zu können; in den Herbstmonaten geht er den abfallenden Bücheln oder in den Waldungen Sibiriens den Zirbelnüssen nach, soll auch, nach Radde gewordenen Mitteilungen, die Zirbelfichten besteigen und deren Wipfel abbrechen, um zu den körnerreichen Zapfen zu gelangen. In den ostsibirischen Gebirgen unternimmt er weite Wanderungen von einem Waldteile zum andern oder von der Höhe zur Tiefe, einzig und allein der schonenden Alpenpflanzen, reifenden Beeren und Wildäpfel halber. Solange er Pflanzenkost in reichlicher Menge zur Verfügung hat, hält er sich an diese; wenn die Not ihn treibt oder wenn er sich an tierische Nahrung gewöhnt hat, wird er zum Raubtier in der eigentlichen Bedeutung des Wortes. Nunmehr stellt er allen größeren Tieren, am liebsten Schafen, doch auch Ochsen, Pferden und verschiedenem Wilde nach. Größeres Vieh greift er von hinten an, nachdem er es durch Umherjagen ermüdet hat, oder sucht dasselbe, zumal wenn es auf höheren Bergen weidet, durch das schreckerregende Brüllen zu versprengen und es zu vermögen, sich freiwillig in den Abgrund zu stürzen, klettert sodann behutsam nach und frißt sich unten satt. Glückliche Erfolge mehren seinen Mut oder seine Dreistigkeit. Er unternimmt größere und immer weitere Streifzüge und kommt nachts kühn selbst bis an die Dörfer oder einzelne Ställe heran, um dort mit noch größerer Bequemlichkeit zu rauben. Einzelne Alpenbären sollen mit bemerkenswertem Geschick einen Ort zum Hinterhalte wählen, von dem aus sie eine Weide überblicken und den günstigsten Zeitpunkt wahrnehmen können, auf sie herunterzustürzen. Hat sich ein Herdentier von den übrigen getrennt, so wird es gewöhnlich die Beute des lauernden Bären, der plötzlich hervorkommt und das Tier, es mag so behend sein als es will, so lange umherjagt, bis es ermüdet ihm sich hingibt oder in den Abgrund springt.

siehe Bildunterschrift

Land- oder Braunbär ( Ursus aretos)

Ist Meister Braun einmal dreist geworden, so kommt er auch an Ställe heran und versucht, deren Türen zu erbrechen oder, wie in Skandinavien mehrmals geschehen sein soll, deren Dächer abzudecken. Gelangt er glücklich in den Viehstall, so schlachtet er hier eine Kuh ab, reißt sie vom Stricke los, umklammert sie mit einem Vorderlaufe, faßt mit der andern Tatze in das Dachgebälk hinein und ist stark genug, um auf diese Weise die Kuh durch die Öffnung zu ziehen. Dann wird das Opfer mit Leichtigkeit weitergeschafft. Hierbei überwindet er Hindernisse aller Art, überklettert, wie man vielfach beobachtet hat, mit einem erwürgten Pferde oder Rinde im Arme sogar jene gefährlichen Alpenstege, zwei nebeneinander liegende Baumstämme, die über einen Abgrund führen. In den Alpen wird er, namentlich an nebeligen Tagen, sehr gefährlich, weil er sich dann der Herde unbemerkt nähern und, ohne daß es die andern Tiere merken, einer Kuh auf den Rücken springen kann. Hat er ein Rind gepackt und wird er von den andern bemerkt, so sammelt sich die ganze Herde schnaubend und brüllend um ihn her, und die mutigen Stiere gehen mit niedergebeugten Hörnern wohl auf ihn los und schlagen ihn in die Flucht.

Hirsche, Rehe oder Gemsen entgehen ihm, dank ihrer Schnelligkeit, fast regelmäßig; gleichwohl jagt er auch im Norden Skandinaviens den Renntieren längere Zeit eifrig nach. Selbst den Fischen stellt er nach und verfolgt, ihnen zu gefallen, den Lauf der Flüsse auf weite Strecken.

In der Regel frißt der Bär nicht sogleich von einer größeren Beute, die er schlug, läßt das Opfer vielmehr erst einige Zeit liegen und umgeht es, schnüffelnd und leise brummend, mehrere Male, deckt es wohl mit ausgerafftem Moose zu und kehrt später zu ihm zurück, um sein Mahl zu halten. In den Wäldern des Ural findet man nicht selten Pferde, deren Kopf, Hals, Schenkel und Schwanz in dieser Weise verhüllt sind, vergräbt hier auch, um Bären anzulocken, verendete Pferde bis auf ein Bein und setzt sich, oft mit gutem Erfolge, nebenbei auf den Anstand. Daß der Bär unter Umständen Aas angeht, ist durch die reichen Erfahrungen russischer Jäger hinlänglich verbürgt. Wenn Viehseuchen wüten und die sibirischen Bauern zwingen, die gefallenen Stücke einzugraben, wühlen Bären diese wieder hervor, um sich an ihnen zu sättigen; es erscheint deshalb auch glaublich, daß Meister Braun zuweilen zum Leichenräuber wird. So erlegte man in dem sibirischen Dorfe Makaro einen Bären auf dem Friedhofe, als er gerade beschäftigt war, einen kurz vorher beerdigten Leichnam auszugraben.

Mit der hier oder da bevorzugten Nahrung steht, wie erklärlich, das Wesen des Tieres vollständig im Einklang: der pflanzenfressende Bär ist ein feiger und furchtsamer Gesell, der räuberisch auftretende wird zu einem gefährlichen Gegner der Menschen und der von ihm bedrohten Tiere. »Auf Kamtschatka«, erzählt Steller, »gibt es Bären in unbeschreiblicher Menge, und man sieht solche herdenweise auf den Feldern umherschweifen. Ohne Zweifel würden sie längst ganz Kamtschatka aufgerieben haben, wären sie nicht so zahm und friedfertig und leutseliger als irgendwo in der Welt. Im Frühjahr kommen sie haufenweise von den Quellen der Flüsse aus den Bergen, wohin sie sich im Herbst der Nahrung wegen begeben, um daselbst zu überwintern. Sie erscheinen an der Mündung der Flüsse, stehen an den Ufern, fangen Fische, werfen sie nach dem Ufer und fressen zu der Zeit, wenn die Fische im Überfluß sind, nach Art der Hunde nichts mehr von ihnen als den Kopf. Finden sie irgendein stehendes Netz, so ziehen sie solches aus dem Wasser und nehmen die Fische heraus. Gegen den Herbst, wenn die Fische weiter in dem Strome aufwärts steigen, gehen sie allmählich mit denselben nach den Gebirgen.«

Vor dem Eintritt des Winters bereitet sich der Bär eine Schlafstätte, entweder zwischen Felsen oder in Höhlen, die er vorfindet, sich selbst gräbt, beziehentlich erweitert, oder in einem hohlen Baume, oft auch in einer dunklen Dickung, wo er entweder unter einem Windbruche sich verbirgt oder die um das zu erwählende Lager stehenden Stämme abbricht, auf sich herabzieht und so ein Obdach bildet, unter dem er sich einschneien läßt. Das Lager der Bärin wird sorgfältig mit Moos, Laub, Gras und Zweigen ausgepolstert und ist in der Tat ein sehr bequemes, hübsches Bett. In den galizischen Karpathen, woselbst man diese Winterwohnung »Gaura« nennt, zieht die Bärin, laut Knaur, Höhlen in sehr starken Bäumen andern Lagerstätten vor, falls das »Tor«, das heißt die Eingangsöffnung, nicht zu groß ist. Noch vor dem ersten Schneefall ordnet sie ihr Winterlager, indem sie die Gaura von Erdteilen, faulem Holz und andern unsaubern Stoffen reinigt und sodann das Innere mit Reisig auspolstert, das sie, unter sorgsamer Auswahl der Zweigspitzen, von dem Unterwuchs der nächsten Umgebung abbricht. Mit Eintritt strengerer Kälte bezieht der Bär seinen Schlupfwinkel und hält hier während der kalten Jahreszeit Winterschlaf. Die Zeit des »Einschlagens« oder Beziehens der Wohnung richtet sich wesentlich nach dem Klima der betreffenden Gegend und nach der Witterung. Während die Bärin meist schon anfangs November sich zurückzieht, schweift der Bär, wie ich in Kroatien durch Abspüren einer Fährte selbst erfuhr, noch Mitte Dezember umher, gleichviel ob Schnee liegt und strenge Kälte herrscht oder nicht. Nach Versicherung russischer Bärenjäger soll er vor dem Schlafengehen die Umgebung seines Lagers genau untersuchen und dasselbe mit einem andern vertauschen, wenn er nach verschiedenen Seiten hin auf menschliche Spuren stößt. Tritt mitten im Winter Tauwetter ein, so verläßt er sogar in Rußland und Sibirien zuweilen sein Lager, um zu trinken oder auch Nahrung zu nehmen. Gleichmäßige Kälte und tiefer Schnee fesseln ihn an das Lager, und er kann so fest und tief schlafen, daß ihn selbst das Fällen von Bäumen in der Nähe seines Lagers nicht stört. Bei gelinder Witterung dagegen währt seine Winterruhe vielleicht nur wenige Wochen und unter milderen Himmelsstrichen denkt er wahrscheinlich gar nicht an einen derartigen Rückzug. Hierauf deuten Beobachtungen, die ich und andere an gefangenen Bären angestellt haben. Sie halten keinen Winterschlaf, benehmen sich im Winter überhaupt kaum anders als im Sommer. Solange ihnen regelmäßig Nahrung gereicht wird, fressen sie fast ebensoviel wie sonst, und in milden Wintern schlafen sie wenig mehr als im Sommer. Die Bärin ist, wenn die Zeit des Gebärens herannaht, vollständig wach und munter, schläft aber im Freien vor und nach der Geburt der Jungen ebenso tief und fest wie der Bär und frißt, wie ich durch eigene Beobachtungen mich überzeugt habe, während der eben angegebenen Zeit, selbst in der Gefangenschaft, nicht das geringste. Da der Bär im Laufe des Sommers und Herbstes gewöhnlich sich gut genährt hat, ist er, wenn er sein Winterlager bezieht, regelmäßig sehr feist, und von diesem Fett zehrt er zum Teil während des Winters. Im Frühjahr kommt er, wie die meisten andern Winterschläfer, in sehr abgemagertem Zustande zum Vorschein. Die Alten, denen dies bekannt war, bemerkten auch, daß der ruhende Bär, wie es seine Gewohnheit überhaupt ist, zuweilen seine Pfoten beleckt, und glaubten deshalb annehmen zu müssen, daß er das Fett aus seinen Tatzen sauge. Daß letzteres unwahr ist, sieht jedes Kind ein; gleichwohl werden selbst heutigen Tages noch diese Märchen gläubig weitererzählt. Zum endlichen Verlassen seines Winterlagers zwingt ihn immer und überall das Tauwetter, das sein Bett mit Wasser füllt und dadurch ihn aus dem Schlafe schreckt.

Über die Fortpflanzungsgeschichte des Bären gibt es eine Reihe von Beobachtungen, die allerdings sämtlich an gefangenen Bären angestellt wurden, aber unter sich so übereinstimmend sind, daß sie es rechtfertigen, wenn man von ihnen auf das Freileben schließt. Die Bärzeit ist der Mai und der Anfang des Juni; denn die Aufregung der Geschlechter währt einen ganzen Monat lang. Von mir gepflegte Bären begatteten sich zum ersten Male anfangs Mai, von nun ab aber täglich zu wiederholten Malen bis Mitte Juni; andere Beobachter erfuhren genau dasselbe. Die Paarung geschieht nach Hundeart. Gänzlich falsch ist es, wenn gesagt wird, daß der Bär in strenger Ehe lebe und eine Untreue gegen die einmal gewählte Bärin sich nicht zuschulden kommen lasse.

Linné gab die Tragzeit der Bärin zu hundertundzwölf Tagen an, weil er den Oktober für die Bärzeit annahm. In Wirklichkeit beträgt die Trächtigkeitsdauer mindestens sechs Monate, wahrscheinlich noch etwas mehr. Pietruvsky beobachtete an seinen gefangenen Bären, daß die Mutter in den ersten zwei Wochen nach der Geburt ihrer Jungen diese gar nicht verließ, nicht einmal, wenn der Hunger oder Durst sie quälte. Erst nach vierzehn Tagen trank sie etwas Milch, die ihr jedoch sehr nahe gestellt werden mußte. Sie legte ihre vier Tatzen um die kleinen Bären, deckte sie auch mit der Schnauze zu und bildete ihnen so eine sehr warme Wiege. Drei Wochen nach der Geburt richtete sie sich öfters auf, und von nun an ging sie auch einige Schritte von den Jungen weg. Diese blieben vier Wochen lang blind und begannen erst nach Verlauf von zwei Monaten langsam umherzugehen. Im April spielten sie auf dem Hofe, im Mai hatten sie die Größe eines jungen Pudels erreicht und sprangen hurtig umher.

Auch eine von mir gepflegte Bärin brachte in der vorletzten Woche des Januar zwei Junge. Schon etwa drei Wochen vor der Geburt zog sie sich in ihre Zelle zurück, ordnete das Stroh zu einem Lager, war träge und unlustig und fraß kaum noch. Einige Tage später nahm sie keine Nahrung mehr zu sich und ließ selbst das ihr gereichte Wasser unberührt. Die neugeborenen Jungen schützte sie in der angegebenen Weise, legte sich jedoch manchmal auf die andere Seite, immer so, daß sie den Rücken der Türe ihrer Zelle zukehrte. Um den Bären im benachbarten Raum bekümmerte sie sich nicht, beschäftigte sich überhaupt nur mit ihren Jungen. Am 17. Februar verließ sie, so viel beobachtet werden konnte, zum ersten Male ihr Lager, um zu trinken; gefressen hatte sie bis dahin nicht, nahm von nun an aber wieder etwas Nahrung an. Ein Junges war gestorben: das überlebende hatte um diese Zeit die Größe eines halbwüchsigen Kaninchens erreicht. Im Alter von etwa fünf Wochen öffneten sich seine Augen; Ende Februar begann es sich zu bewegen, war aber noch ungemein täppisch und ungeschickt, Ende März spazierte es in der Zelle auf und ab, im April versuchte es weitere Ausflüge zu machen. Die Alte hielt den Sprößling in strenger Zucht, achtete auf jeden seiner Schritte und holte ihn mit der Brante gewaltsam herbei, wenn er sich entfernen wollte; für seine Reinigung sorgte sie dadurch, daß sie ihn zuweilen in das Wasserbecken warf und, nachdem er sich gebadet, wieder mit der Brante herauszog. Der erste gegen den Willen der Mutter gelungene Ausflug kostete dem niedlichen Geschöpfe das Leben: es verirrte sich beim Zurückkehren in den Zwinger der Eisbären und wurde von diesen sofort zerrissen. Die Alte bekundete wenig Kummer über den Verlust des Jungen, benahm sich wenigstens gegen den Bären, zu dem sie gebracht worden war, ebenso zärtlich oder hingebend wie je.

Junge, etwa fünf bis sechs Monate alte Bären sind höchst ergötzliche Tiere. Ihre Beweglichkeit ist groß, ihre Tölpelhaftigkeit nicht geringer, und so erklärt es sich, daß sie fortwährend die drolligsten Streiche ausführen. Ihr kindisches Wesen zeigt sich in jeder Handlung. Sie sind spiellustig im hohen Grade, klettern aus reinem Übermut oft an den Bäumen empor, balgen sich wie muntere Buben, springen ins Wasser, rennen zweck- und ziellos umher und treiben hunderterlei Possen. Ihrem Wärter beweisen sie keine besondere Zärtlichkeit, sind vielmehr gegen jedermann gleich freundlich und unterscheiden nicht zwischen dem einen oder dem andern. Wer ihnen etwas zu fressen gibt, ist der rechte Mann; wer sie irgendwie erzürnt, wird als Feind angesehen und womöglich feindlich behandelt. Sie sind reizbar wie Kinder; ihre Liebe ist augenblicklich gewonnen, ebenso rasch aber auch verscherzt. Grob und ungeschickt, vergeßlich, unachtsam, täppisch, albern, wie ihre Eltern, sind auch sie; nur treten bei ihnen alle diese Eigenschaften schärfer hervor. Wenn sie allein gelassen werden, können sie sich stundenlang damit beschäftigen, unter sonderbarem Gebrumme und Geschmatze ihre Tatzen zu belecken. Jedes ungewohnte Ereignis, jedes fremde Tier erschreckt sie; entsetzt richten sie sich auf und schlagen ihre Kinnladen klappend aufeinander. Schon im zweiten Halbjahr ihres Lebens nehmen sie das Wesen der Alten an, werden roh und bissig, mißhandeln, so feig sie sind, schwächere Haustiere, beißen oder kratzen selbst den Gebieter und können nur durch Prügel in Ordnung gehalten werden. Mit zunehmendem Alter werden sie ungeschickter, roher, freßgieriger, raublustiger und gefährlicher. Man kann auch sie lehren, ihnen etwas beibringen, sie zu einfachen Kunststücken abrichten, darf ihnen jedoch niemals trauen; denn sie sind, wie alle geistlosen Geschöpfe, unberechenbar und ihre gewaltige Stärke, Bosheit und Tücke stets zu fürchten.

Die Bärenjagd gehört zu dem gefährlichen Weidwerke; doch werden gerade neuerdings von geübten Bärenjägern die schauerlichen Geschichten, die man früher erzählt hat, in Abrede gestellt. Ruhige und kalte Jäger behaupten, daß für sichere Schützen die Jagd fast gefahrlos ist.

Gute Hunde bleiben unter allen Umständen die besten Gehilfen des Jägers. Sie suchen den Bären nicht bloß auf, sondern stellen ihn auch so fest, daß er gar nicht Zeit gewinnt, sich mit dem Jäger zu beschäftigen. Nur, wenn er in die Enge getrieben ist, wird er zum furchtbaren Gegner der Menschen; sonst trabt er, selbst verwundet, eilig seines Wegs. Anders verhält es sich, wenn man die Jungen einer Bärin angreift; denn angesichts der letzteren zeigt sie wirklich erhabenen Mut.

Im südöstlichen Europa erlegt man den Bären hauptsächlich während der Feistzeit auf Treibjagden, seltener auf dem Anstande und nur ausnahmsweise in oder vor seinem Winterlager; in Rußland dagegen sucht man ihn gerade hier mit Vorliebe auf. Da der Bär sich treiben läßt und seinen Wechsel einhält, kann man, nachdem er durch kundige Jäger bestätigt worden ist, bei Treibjagden ebensowohl wie auf dem Anstande mit ziemlicher Sicherheit auf Erfolg rechnen, vorausgesetzt natürlich, daß man die Wechsel kennt. Kühles Blut und sichere Hand sind unerläßliche Eigenschaften, gute und erprobte Waffen unerläßliche Erfordernisse eines Bärenjägers; denn Meister Petz verlangt einen wohlgezielten, sofort und unbedingt tödlich wirkenden Schuß und kämpft, wenn er nicht anders kann und vielleicht schmerzhaft verwundet wurde, mit Todesverachtung um sein gefährdetes Leben, läßt sich auch, nachdem er einmal den Schützen angenommen hat, durch die mutigsten und bissigsten Hunde, die ihn sonst sehr behelligen, nicht beirren, sondern erhebt sich auf die Hinterbeine, geht wackelnden Ganges auf den Gegner zu und versucht, ihn durch Umarmen zu erdrücken oder mittels einiger Tatzenschläge zu fällen. Oft ist unter solchen Umständen das Weidmesser die einzige Rettung des Jägers, nicht allzu selten aber gibt es für diesen überhaupt keine Rettung mehr. Aus diesem Grunde zieht man ebensowenig oder doch ebensoselten allein zur Bärenjagd aus, wie man ohne erprobte Jagdgenossen eine Löwen- oder Tigerjagd unternimmt, während man in Gesellschaft solcher wenig zu fürchten hat.

Vor oder in seinem Winterlager erlegen die Russen den Bären entweder kurz, nachdem er sich eingeschlagen hat, oder im Spätwinter, wenn eine harte Schneekruste das Eindringen in die Wälder gestattet. Der Bauer, der ein Winterlager aufgefunden hat, verkauft den in ihm schlafenden Bären zum Preise von zwanzig bis hundert Rubel an ihm bekannte Jäger. An einem bestimmten Tage begeben sich diese an Ort und Stelle, verwahren zwei oder drei Seiten des Dickichtes durch Treiber, besetzen eine Linie und senden sodann den »Besitzer« des Bären nebst mehreren Hunden zu dem Lager, um den Schläfer zu wecken und aufzutreiben. Zuweilen liegt der Bär so fest, daß man ihn nur mit Hilfe von Stangen oder mittels eines in das Lager geworfenen und hier sich entladenden Kanonenschlages zum Aufstehen zwingen kann. Ist er minder hartnäckig, so verläßt er bei Ankunft der Hunde sofort das Lager, schleicht im Dickichte hin und her, versucht hier und da durchzubrechen, wird, durch lautes Geschrei überall zurückgescheucht, furchtsam, entleert sich vor Angst und läuft satzweise von einer Stelle zur andern, gerät auch wohl in Wut, hebt sich, um Umschau zu halten, rennt, nachdem er wiederum sich erniedrigt, auf einen Treiber zu, um diesen anzugreifen, kommt endlich aber doch einem der Jäger zum Schusse und endet sein Leben, bevor es ihm gelang, Unheil zu verüben.

Neben weidgerechter Jagd betreibt man überall noch andere, wendet überhaupt alle Mittel an, um des Raubtieres da, wo es lästig wird, sich zu entledigen. Kühner Mannesmut und Hinterlist vereinigen sich zur Erreichung dieses Zieles. In Galizien und Siebenbürgen legt man schwere Schlageisen auf seine Wechsel, befestigt an ihnen eine Kette, und an dieser mittels eines längeren, festen Strickes einen schweren Klotz. Der Bär tritt gelegentlich in eines der Eisen, versucht vergeblich, von ihm sich zu befreien oder die Kette zu zerbeißen, hängt sich schließlich an einem Baume fest, mattet sich ab und geht elendiglich zugrunde. Dem Jäger, der alle zwei Tage die Wechsel begeht, zeigt das geschleppte Eisen, die Kette oder der Klotz den von dem gefangenen Bären genommenen Weg deutlich genug an, um ihn sicher aufzufinden. »Die Asiaten«, erzählt Steller, »machen ein Gebäude von vielen aufeinander liegenden Balken, die alle zusammenstürzen und die Bären erschlagen, sobald sie auf die vor ihnen leise aufgestellten Fallen kommen. Sie graben eine Grube, befestigen darin einen spitzen, geglätteten und gebrannten Pfahl, der einen Fuß hoch aus der Erde emporsteht, die Grube aber bedecken sie mit Gras. Vermittels eines Strickes stellen sie jetzt ein biegsames Schreckholz auf, das, wenn der Bär mit dem Fuße auf den Strick tritt, losschlägt und das Tier dergestalt erschreckt, daß es heftig zu laufen anfängt, unvorsichtigerweise in die Grube fällt, sich auf den Pfahl spießt und selbst tötet. Noch einfacher fangen ihn die Bauern an der Lena und dem Ilmflusse. Sie befestigen an einen sehr schweren Klotz einen Strick, dessen anderes Ende mit einer Schlinge versehen ist. Dies wird nahe an einem hohen Ufer an den Weg gestellt. Sobald nun der Bär die Schlinge um den Hals hat und im Fortgehen bemerkt, daß ihn der Klotz hindere und zurückhalte, ist er doch nicht so klug, daß er die Schlinge vom Kopfe nehmen sollte, sondern ergrimmt dergestalt über den Klotz, daß er hinzuläuft, denselben von der Erde aufhebt und, um sich davon zu entledigen, mit der größten Gewalt den Berg hinunterwirft, zugleich aber durch das andere Ende, das an seinem Halse befestigt ist, mit heruntergerissen wird und sich zu Tode fällt.«

Der Nutzen, den eine glückliche Bärenjagd abwirft, ist nicht unbeträchtlich. Die zweihundert Kilogramm Fleisch geben einen hübschen Ertrag; die Decke ist ihre dreißig bis hundert Mark wert; das Bärenfett wird sehr gesucht und gut bezahlt. Dieses Fett ist weiß, wird nie hart, in verschlossenen Gefäßen selten ranzig, und sein in frischem Zustande widerlicher Geschmack verliert sich, wenn man es vorher mit Zwiebeln abgedämpft hat. Das Wildbret eines jungen Bären hat einen feinen, angenehmen Geschmack; die Keulen alter, feister Bären gelten, gebraten oder geräuchert, als Leckerbissen. Am meisten werden die Branten von den Feinschmeckern gesucht: doch muß man sich erst an den Anblick derselben gewöhnen, weil sie, abgehärt und zur Bereitung fertig gemacht, einem auffallend großen Menschenfuße in widerlicher Weise ähneln. Ein mit Champignons zubereiteter Bärenkopf endlich gilt als ein vortreffliches Gericht.

Noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts galt es als ein fürstliches Vergnügen, gefangene Bären mit großen Hunden kämpfen zu lassen. Die deutschen Fürsten fütterten jene bloß zu diesem Zwecke in eigenen Gärten. » August der Starke«, so erzählt von Flemming, »hatte deren zwei, und es ereignete sich, daß einstmals aus dem Garten zu Augustenburg ein Bär entsprang, bei einem Fleischer ein Kalbsviertel herunterriß und, da ihn die Frau verjagen wollte, diese samt ihren Kindern erwürgte, worauf Leute herbeieilten und ihn totschossen.« Auf den Platz wurde der für den Kampf bestimmte Bär in einem Kasten gefahren, der durch einen Zug aus der Ferne so geöffnet werden konnte, daß er sich nach allen Seiten niederlegte und den Bären dann plötzlich befreite. Hierauf ließ man große, schwere Hunde gegen ihn los. Packten ihn diese fest, so konnte er ohne besondere Schwierigkeiten von einem Manne abgefangen werden. Im Dresdener Schloßhofe wurden im Jahre 1630 binnen acht Tagen drei Bärenhetzen abgehalten. In den beiden ersten mußten sieben Bären mit Hunden, im dritten aber mit großen Keulern kämpfen, von denen fünf auf dem Platze blieben; unter den Bären war nur einer von acht Zentner Gewicht. Die Bären wurden noch außerdem durch Schwärmer gereizt und vermittels eines ausgestopften roten Männchens genarrt. Gewöhnlich fingen die großen Herren selbst die von den Hunden festgemachten Bären ab; August der Starke aber pflegte ihnen den Kopf abzuschlagen.

Die Römer erhielten ihre Bären hauptsächlich vom Libanon, erzählen aber, daß sie solche auch aus Nordafrika und Libien bezogen. Ihre Beschreibungen der Lebensgeschichte des Tieres sind mit Fabeln gemischt. Aristoteles schildert, wie gewöhnlich, am richtigsten; Plinius schreibt ihm nach, fügt aber bereits einige Fabeln hinzu: Oppian gibt einen trefflichen Bericht über die herrlichen Bärenjagden der Armenier am Tigris, Julius Capitolinus endlich einen solchen über die Kampsspiele im Zirkus, gelegentlich deren er erwähnt, daß Gordian der Erste an einem Tage eintausend Bären auf den Kampfplatz brachte.

 

Der nächste Verwandte des Landbären ist der über ganz Nordwestamerika verbreitete Grau- oder Grislibär ( Ursus cinereus). Im Leibesbau und Aussehen ähnelt er unserm Bären, ist aber größer, schwerer, plumper und stärker als dieser. Dunkelbraune, an der Spitze blasse Haare, die an den Schultern, der Kehle und dem Bauche, überhaupt am ganzen Rumpfe länger, zottiger und verworrener als bei den Landbären sind, hüllen den Leib ein, kurze und sehr blasse bekleiden den Kopf. Die Iris ist rötlichbraun. Lichtgraue und schwärzlichbraune Spielarten kommen ebenfalls vor. Von den europäischen Bären unterscheidet sich das Tier sicher durch die Kürze seines Schädels und durch die Wölbung der Nasenbeine, die breite, flache Stirn, die Kürze der Ohren und des Schwanzes, und vor allem durch die riesigen, bis 13 Zentimeter langen, sehr stark gekrümmten nach der Spitze zu wenig verschmälerten, weißlichen Nägel. Auch die bedeutende Größe ist ein Merkmal, das Verwechselungen zwischen den beiden Arten nicht leicht zuläßt; denn während unser Bär nur in seltenen Fällen 2,2 Meter an Länge erreicht, wird der graue Bär oder, wie ihn die Jäger scherzhafterweise nennen, der » Ephraim«, regelmäßig 2,3, nicht selten sogar 2,5 Meter lang und erreicht ein Gewicht von sieben bis neun Zentnern.

In seiner Lebensweise ähnelt der Graubär so ziemlich dem unsern; sein Gang ist jedoch schwankender oder wiegender, und alle seine Bewegungen sind plumper. Nur in der Jugend soll er imstande sein, Bäume zu ersteigen und von dieser Fähigkeit Gebrauch machen, um Eicheln, sein Lieblingsfutter, abzustreifen, im Alter dagegen solche Künste nicht mehr auszuführen vermögen: wenigstens wollen sich mehr als einmal die von ihm gefährdeten Jäger durch rasches Ersteigen von Bäumen gerettet und dabei bemerkt haben, daß er trotz der höchsten Wut niemals gewagt hat, sie dahin zu verfolgen. Dagegen schwimmt er mit Leichtigkeit selbst über breite Ströme und verfolgt im Zorne auch im Wasser seinen Feind. Er soll ein furchtbarer Räuber und mehr als stark genug sein, jedes Geschöpf seiner Heimat zu bewältigen. Sogar der starke Bison, dessen Vetter Wisent unser Bär behutsam aus dem Wege geht, soll ihm zur Beute fallen, und von ihm abwärts jedes Säugetier. Vor dem Menschen soll er keine Furcht zeigen.

In jüngeren Jahren ist auch der Grislibär ein gemütliches Tier. Sein Fell ist, trotz seiner Länge und Dicke, so fein und so schmuck von Farbe, daß es den kleinen Gesellen sehr ziert. Wenn man einen jungen Graubären einfängt, kann er leidlich gezähmt werden. Palliser, der einen Grislibären mit nach Europa gebracht hatte, rühmt seinen Gefangenen sehr. Er aß, trank und spielte mit den Matrosen und erheiterte alle Reisenden, so daß der Kapitän des Schiffes später unserm Jäger versicherte, er würde sehr erfreut sein, wenn er für jede Reise einen jungen Bären bekommen könnte. »Eines Tages«, erzählt dieser Gewährsmann, »trieb ein Regenschauer alle Reisenden einschließlich des Bären unter Deck. Da wurde meine Aufmerksamkeit durch ein lautes Gelächter auf dem Deck rege. Als ich nach oben eilte, sah ich, daß der Bär die Ursache desselben war. Er hatte sich aus dem geschlossenen Raume durch Zerbrechen seiner Kette befreit und war weggegangen. Immer noch konnte ich mir die Ursache des Gelächters nicht erklären. Die Leute standen um die Kajüte des Steuermanns herum und beschäftigten sich mit einem Gegenstände, der auf des Steuermanns Bett lag und sich sorgfältig in die Laken gehüllt hatte. Ihre Scherze wurden plötzlich mit einem unwilligen Geheule beantwortet, und siehe da, mein Freund Ephraim war es, der, ärgerlich über den Regen, sich losgemacht, zufällig den Weg nach des Steuermanns Bett gefunden, dasselbe bestiegen und sich dort höchst sorgsam in die Decken gehüllt hatte. Der gut gelaunte Steuermann war nicht im geringsten erzürnt darüber, sondern im Gegenteil auf das äußerste erfreut.«

 

Der bekannteste Bär Amerikas ist der Baribal oder Schwarzbär ( Ursus americanus), ein weit verbreitetes und verhältnismäßig gutmütiges, wenigstens ungleich harmloseres Tier als der Grau- und Landbär, erreicht eine Länge von höchstens zwei Meter bei einer Schulterhöhe von etwas über einem Meter. Vom Landbären unterscheidet er sich hauptsächlich durch den schmaleren Kopf, die spitzere, von der Stirn nicht abgesetzte Schnauze, die sehr kurzen Sohlen und durch die Beschaffenheit und Färbung des Pelzes. Dieser besteht aus langen, straffen und glatten Haaren, die nur an der Stirn und um die Schnauze sich verkürzen. Ihre Färbung ist ein glänzendes Schwarz, das jedoch zu beiden Seiten der Schnauze in Fahlgelb übergeht. Ein ebenso gefärbter Flecken findet sich oft auch vor den Augen. Seltener sieht man Baribals mit weißen Lippenrändern und weißen Streifen auf Brust und Scheitel. Die Jungen, die lichtgrau aussehen, legen mit Beginn ihres zweiten Lebensjahres das dunkle Kleid ihrer Eltern an, erhalten jedoch erst später die langhaarige Decke ihrer Eltern.

Der Baribal ist über ganz Nordamerika verbreitet. Man hat ihn in allen waldigen Gegenden von der Ostküste bis zur Grenze Kaliforniens und von den Pelzländern bis nach Mexiko gefunden. Der Wald bietet ihm alles, was er bedarf; er wechselt seinen Aufenthalt aber nach den Jahreszeiten, wie es deren verschiedene Erzeugnisse bedingen. Während des Frühlings pflegt er seine Nahrung in den reichen Flußniederungen zu suchen und deshalb in jenen Dickichten sich umherzutreiben, die die Ufer der Ströme und Seen umsäumen; im Sommer zieht er sich in den tiefen, an Baumfrüchten mancherlei Art so reichen Wald zurück; im Winter endlich wühlt er sich an einer den Blicken möglichst verborgenen Stelle ein passendes Lager, in dem er zeitweilig schläft oder wirklichen Winterschlaf hält, über letzteren lauten die Angaben verschieden. Einige sagen, daß nur manche Bären wochenlang im Lager sich verbergen und schlafen, während die übrigen auch im Winter von einem Orte zum andern streifen, ja sogar von nördlichen Gegenden her nach südlichen wandern; andere glauben, daß dies bloß in gelinderen Wintern geschieht und in strengeren sämtliche Schwarzbären Winterschlaf halten. Sicher ist, daß man gerade im Winter oft zur Jagd des Baribal auszieht und ihn in seinem Lager aufsucht. Laut Richardson wählt das Tier gewöhnlich einen Platz an einem umgefallenen Baume, scharrt dort eine Vertiefung aus und zieht sich dahin bei Beginn eines Schneesturmes zurück. Der fallende Schnee deckt dann Baum und Bär zu; doch erkennt man das Lager an einer kleinen Öffnung, die durch den Atem des Tieres aufgetaut wird, und an einer gewissen Menge von Reif, der sich nach und nach um diese Öffnung niederschlägt. In den südlicheren Gegenden mit höherem Baumwuchse kriecht der Bär oft in hohle Bäume, um hier zu schlafen. In diesem Winterlager verweilt er, solange Schnee fällt. Auch im Sommer pflegt er sich ein Bett zurechtzumachen und dasselbe mit trockenen Blättern und Gras auszupolstern. Dieses Lager ist aber schwer zu finden, weil es gewöhnlich an den einsamsten Stellen des Waldes in Felsspalten, niederen Höhlungen und unter Bäumen, deren Zweige bis zur Erde herabhängen, angelegt wird. Nach Audubon soll es dem Lager des Wildschweines am meisten ähneln.

Auch der Baribal ist, so dumm, plump und ungeschickt er aussieht, ein wachsames, reges, kräftiges, bewegungsfähiges, geschicktes und ausdauerndes Tier. Sein Lauf ist so schnell, daß ihn ein Mann nicht einzuholen vermag; das Schwimmen versteht er vortrefflich, und im Klettern ist er Meister. Jedenfalls ist er in allen Leibesübungen gewandter als unser brauner Bär, dessen Eigenschaften er im übrigen besitzt. Nur höchst selten greift er den Menschen an, flieht vielmehr beim Erscheinen seines ärgsten Feindes so schnell als möglich dem Walde zu, und nimmt selbst verwundet nicht immer seinen Gegner an, während auch er, wenn er keinen Ausweg mehr sieht, ohne Besinnen der offenbarsten Übermacht sich entgegenwirft und dann gefährlich werden kann.

Seine Nahrung besteht hauptsächlich in Pflanzenstoffen, und zwar in Gräsern, Blättern, halbreifem und reifem Getreide, in Beeren und Baumfrüchten der verschiedensten Art. Doch verfolgt auch er das Herdenvieh der Bauern und wagt sich, wie Meister Braun, selbst an die bewehrten Rinder. Dem Landwirt schadet er immer, gleichviel, ob er in die Pflanzung einfällt oder die Herden beunruhigt, und deshalb ergeht es ihm wie unserm Bären: er wird ohne Unterlaß verfolgt und durch alle Mittel ausgerottet, sobald er sich in der Nähe des Menschen zu zeigen wagt.

Über die Bärzeit des Baribal scheinen die amerikanischen Naturforscher nicht genau unterrichtet zu sein. Richardson gibt die Dauer der Trächtigkeit des schwarzen Bären zu ungefähr fünfzehn bis sechzehn Wochen an, und Audubon scheint dies ihm nachgeschrieben zu haben. Als Wurfzeit setzen beide übereinstimmend den Januar. Die Anzahl der Jungen soll nach Richardson zwischen eins und fünf schwanken, nach Audubon dagegen nur zwei betragen. Ich glaube, daß Beobachtungen an gefangenen Baribals auch hier entscheidend sein dürften. Ein mir bekanntes Paar dieser Bären hat sich zweimal in der Gefangenschaft fortgepflanzt, und die Jungen sind schon im Januar geworfen worden. Von mir gepflegte Baribals bärten am 16. Juni zum ersten Male und sodann wie der braune Bär beinahe einen ganzen Monat lang alltäglich. Daß die wildlebenden Bären hohle Bäume zu ihrem Wochenbette auswählen, wie dies Richardson angibt, ist wahrscheinlich. Über die erste Jugendzeit der neugeborenen Jungen scheinen Beobachtungen zu fehlen. Von größer gewordenen weiß man, daß die Alte sie mit warmer Zärtlichkeit liebt, längere Zeit mit sich umherführt, in allem unterrichtet und bei Gefahr mutvoll verteidigt.

Die Jagd des Baribal soll, hauptsächlich wegen der merkwürdigen Lebenszähigkeit des Tieres, nicht gefahrlos sein. Man wendet die verschiedensten Mittel an, seiner sich zu bemächtigen. Viele werden in großen Schlagfallen gefangen, die meisten aber mit der Birschbüchse erlegt. Gute Hunde leisten dabei vortreffliche Dienste, indem sie den Bären verbellen oder zu Baum treiben und dem Jäger Gelegenheit geben, ihn mit aller Ruhe aufs Korn zu nehmen und ihm eine Kugel auf die rechte Stelle zu schießen. Audubon beschreibt in seiner lebendigen Weise eine derartige Jagd, bei der mehrere Bären erlegt, aber auch mehrere Hunde verloren und die Jäger selbst gefährdet wurden. Hunde allein können den Baribal nicht bewältigen, und auch die besten Beißer unterliegen oft seinen furchtbaren Brantenschlägen. In vielen Gegenden legt man mit Erfolg Selbstschüsse, die der Bär durch Wegnahme eines vorgehängten Köders entladet. Auf den Strömen und Seen jagt man ihm nach, wenn er von einem Ufer zu dem andern schwimmt oder von den Jagdgehilfen in das Wasser getrieben wurde.

Sehr eigentümlich sind manche Jagdweisen der Indianer, noch eigentümlicher die feierlichen Gebräuche zur Versöhnung des abgeschiedenen Bärengeistes, die einer gottesdienstlichen Verehrung gleichkommen. Alexander Henry, der erste Engländer, der in den eigentlichen Pelzgegenden reiste, erzählt folgendes: »Im Januar hatte ich das Glück, einen sehr starken Kieferbaum aufzufinden, dessen Rinde von den Bärenklauen arg zerkratzt war. Bei fernerer Prüfung entdeckte ich ein großes Loch in dem oberen Teile, das in das hohle Innere führte, und schloß aus allem, daß hier ein Bär sein Winterlager aufgeschlagen haben möchte. Ich teilte die Beobachtungen meinen indianischen Wirten mit, und diese beschlossen sofort, den Baum zu fällen, obgleich er nicht weniger als drei Klafter im Umfange hielt. Am nächsten Morgen machte man sich über die Arbeit, und am Abend hatte man das schwere Werk zur Hälfte beendet. Am Nachmittag des folgenden Tages fiel der Baum, wenige Minuten später kam zur größten Befriedigung aller ein Bär von außergewöhnlicher Größe durch die gedachte Öffnung hervor. Ich erlegte ihn, ehe er noch einige Schritte gemacht hatte. Sofort nach seinem Tode näherten sich ihm alle Indianer und namentlich die »Alte Mutter«, wie wir sie nannten. Sie nahm den Kopf des Tieres in ihre Hände, streichelte und küßte ihn wiederholt und bat den Bären tausendmal um Verzeihung, daß man ihm das Leben genommen habe, versicherte auch, daß nicht die Indianer dies verübt hätten, sondern daß es gewiß ein Engländer gewesen wäre, der den Frevel begangen. Diese Geschichte währte nicht eben lange; denn es begann bald das Abhäuten und Zerteilen des Bären. Alle beluden sich mit der Haut, dem Fleisch und Fett und traten darauf den Heimweg an.

Sobald man zu Hause angekommen war, wurde das Bärenhaupt mit silbernen Armbändern und allem Flitterwerk, das die Familie besaß, geschmückt. Dann legte man es auf ein Gerüst und vor die Nase eine Menge von Tabak. Am nächsten Morgen traf man Vorbereitungen zu einem Feste. Die Hütte wurde gereinigt und gefegt, das Haupt des Bären erhoben und ein neues Tuch, das noch nicht gebraucht worden war, darüber gebreitet. Nachdem man die Pfeifen zurechtgemacht hatte, blies der Indianer Tabaksrauch in die Nasenlöcher des Bären. Er bat mich, dasselbe zu tun, weil ich, der ich das Tier getötet habe, dadurch sicher dessen Zorn besänftigen werde. Ich versuchte, meinen wohlwollenden und freundlichen Wirt zu überzeugen, daß der Bär kein Leben mehr habe, meine Worte fanden aber keinen Glauben. Zuletzt hielt mein Wirt eine Rede, in der er den Bären zu verherrlichen suchte, und nach dieser endlich begann man von dem Bärenfleische zu schmausen.«

Alle von mir beobachteten Baribals unterschieden sich durch ihre Sanftmut und Gutartigkeit wesentlich von ihren Verwandten. Sie machen ihren Wärtern gegenüber niemals von ihrer Kraft Gebrauch, erkennen vielmehr die Oberherrlichkeit des Menschen vollkommen an und lassen sich mit größter Leichtigkeit behandeln. Durch Freigebigkeit wohlwollender Freunde können Baribals sehr verwöhnt werden. Sie wissen, daß sie gefüttert werden, und erinnern denjenigen, der vergessen sollte, ihnen etwas zu reichen, durch klägliches Bitten an die Güte anderer. So gewöhnen sie sich eine Bettelei an, der niemand widerstehen kann; denn ihre Stellungen mit den ausgebreiteten Armen sind so drollig und ihr Gewinsel so beweglich, daß es jedermanns Herz rühren muß.

Als asiatischen Vertreter des Baribal darf man den Kragenbären oder Kuma der Japanesen ( Ursus torquatus) betrachten. Er kommt zwar jenen in der Größe nicht ganz gleich, ähnelt ihm aber sehr in der Färbung. Seine Gestalt ist verhältnismäßig schlank, der Kopf spitzschnäuzig, auf Stirn und Nasenrücken fast geradlinig, die Ohren sind rund und verhältnismäßig groß, die Beine mittellang, die Füße kurz, die Zehen mit kurzen, aber kräftigen Nägeln bewehrt. Behaarung und Färbung scheinen ziemlichen Abänderungen unterworfen zu sein, falls sich die Angaben wirklich auf ein und dasselbe Tier und nicht auf zwei verschiedene Arten beziehen. Cuvier, der den von Duvaucel in Silhet entdeckten Bär zuerst beschrieb, gibt an, daß der Pelz, mit Ausnahme einer zottigen Mähne am Halse, glatt und bis auf die weißliche Unterlippe und die weiße Brustzeichnung sowie die rötlichen Schnauzenseiten gleichmäßig schwarz sei. Die Brustzeichnung wird mit einem gewöhnlichen Y verglichen; sie bildet ein Querband in der Schlüsselbeingegend, von der sich in der Mitte nach der Brust zu ein Stiel oder Streifen abzweigt.

Über Lebensweise und Betragen verdanken wir Adams und Radde Mitteilungen. In Nordindien und Kaschmir bewohnt der Kragenbär am liebsten Walddickichte in der Nähe von Feldern und Weinbergen, in Südostsibirien dagegen die hochstämmigen Waldungen. Als vorzüglicher Kletterer erklimmt er mit Leichtigkeit die höchsten Bäume; die Birar-Tungusen versicherten Radde, daß er überhaupt selten zum Boden herabkomme und im Winter in sitzender Stellung in hohlen Bäumen schlafe. Wenn in Kaschmir die Walnüsse und Maulbeeren reifen, besteigt er die höchsten Bäume, um diese Früchte zu plündern. Außerdem erscheint er als unliebsamer Besucher in Maisfeldern und Weingärten und tut hier oft so großen Schaden, daß die Feldbesitzer sich genötigt sehen, Wachtgerüste zu errichten und diese mit Leuten zu besetzen, die durch lautes Schreien die sich einstellenden Bären in die Flucht zu scheuchen versuchen. Das Fleisch gilt bei den Japanern wie bei den Birar-Tungusen für wohlschmeckender als das des Landbären.

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Ein von den bisher erwähnten Arten der Familie merklich abweichender, zwar gestreckt, aber doch plump gebauter, dickköpfiger Bär, mit breiter Schnauze, kleinen Ohren, sehr kleinen blöden Augen, verhältnismäßig ungeheueren Tatzen, langen und starken Krallen und kurzhaarigem Fell ist der Bruan oder der Malaienbär ( Ursus malayanus). Seine Länge beträgt etwa 1,4 Meter, die Höhe am Widerrist ungefähr 70 Zentimeter. Der kurzhaarige, aber dichte Pelz ist mit Ausnahme der fahlgelben Schnauzenseiten und eines hufeisenförmigen Brustfleckens von gelber oder lichter Grundfärbung, glänzend schwarz.

Der Bruan, ein Bewohner Nepals, Hinterindiens und der Sundainseln ist mehr noch als die verwandten Pflanzenfresser; Vor allem liebt er süße Früchte. In den Kakaopflanzungen richtet er oft bedeutenden Schaden an; zuweilen macht er sie unmöglich. Er lebt ebensoviel auf den Bäumen wie auf dem Boden. Unter allen eigentlichen Bären klettert er am geschicktesten, über Fortpflanzung und Jugendleben fehlen Berichte.

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In Gestalt und Wesen auffallender noch als der Sonnenbär erscheint der Lippenbär ( Ursus labiatus). Ihn kennzeichnen ein kurzer, dicker Leib, niedere Beine, ziemlich große Füße, deren Zehen mit ungeheuren Sichelkrallen bewehrt sind, eine vorgezogene, stumpfspitzige Schnauze mit weit vorstreckbaren Lippen und langes zottiges Haar, das im Nacken eine Mähne bildet und auch seitlich tief herabfällt. Die Länge des Lippenbären beträgt einschließlich des etwa zehn Zentimeter langen Schwanzstumpfes 1,8 Meter, die Höhe am Widerrist ungefähr 85 Zentimeter. Unser Tier kann kaum verkannt werden. Der flache, breit- und plattstirnige Kopf verlängert sich in eine lange, schmale, zugespitzte und rüsselartige Schnauze von höchst eigentümlicher Bildung. Der Nasenknorpel nämlich breitet sich in eine flache und leicht bewegbare Platte aus, auf der die beiden in die Quere gezogenen und durch eine schmale Scheidewand voneinander getrennten Nasenlöcher münden. Die Nasenflügel, die sie seitlich begrenzen, sind im höchsten Grade beweglich, und die langen, äußerst dehnbaren Lippen übertreffen sie noch hierin. Sie reichen schon im Stande der Ruhe ziemlich weit über den Kiefer hinaus, können aber unter Umständen so verlängert, vorgeschoben, zusammengelegt und umgeschlagen werden, daß sie eine Art Röhre bilden, die fast vollständig die Fähigkeiten eines Rüssels besitzt. Die lange, schmale und platte, vorn abgestutzte Zunge hilft diese Röhre mit herstellen und verwenden, und so ist das Tier imstande, nicht bloß Gegenstände aller Art zu ergreifen und an sich zu ziehen, sondern förmlich an sich zu saugen. Die Färbung der groben Haare ist ein glänzendes Schwarz; die Schnauze sieht grau oder schmutzigweiß, ein fast herzförmig oder hufeisenförmig gestalteter Brustflecken dagegen weiß aus.

Die Heimat des Lippenbären oder Aswail ist das Festland Südostens, ebensowohl Bengalen wie die östlich und westlich daran grenzenden Gebirge, nebst der Insel Ceylon. Besonders häufig soll er in den Gebirgen von Tetan und Nepal gefunden werden. Als echtes Gebirgstier steigt er nur zuweilen in die Ebenen herab, in den Gebirgen jedoch findet er sich überall ziemlich häufig, und zwar nicht bloß in einsamen Wäldern, sondern auch in der Nähe von bewohnten Orten; auf Ceylon dagegen verbirgt er sich, wie Tennent berichtet, in den dichtesten Wäldern der hügeligen und trockenen Landschaften an der nördlichen und südöstlichen Küste und wird ebenso selten in größeren Höhen wie in den feuchten Niederungen angetroffen.

In der Gefangenschaft hat man den Lippenbären öfters beobachten können, und zwar ebensowohl in Indien wie in Europa. In seinem Vaterlande wird seine Gelehrigkeit von Gauklern und Tierführern benutzt und er gleich unserm Meister Petz zu allerlei Kunststückchen abgerichtet. Die Leute ziehen mit ihm in derselben Weise durch das Land, wie früher unsere Bärenführer, und gewinnen durch ihn dürftig genug ihren Lebensunterhalt.

Der erlegte Aswail wird in seinem Vaterlande ungefähr in derselben Weise benutzt wie die im Norden lebenden Bären von den Europäern, Asiaten und Amerikanern. Das Fleisch wird sehr geschätzt und gilt auch in den Augen der Engländer für besonders wohlschmeckend. Noch höher achtet man das Fett. Die Europäer verwenden es zum Einschmieren ihrer Waffen, die Indier halten es für ein untrügliches Mittel gegen gichtische Schmerzen aller Art.

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Wenn nach der Ansicht einiger Naturforscher die ziemlich geringen Unterschiede in der Gestalt und Lebensweise der letzterwähnten Bären schon hinreichend erscheinen, um sie eigenen Gruppen einzureihen, erklärt es sich, daß man gegenwärtig den Eisbären ( Ursus maritimus) ebenfalls als Vertreter einer selbständigen Sippe betrachtet. Die ersten Seefahrer, die von ihm sprechen, glaubten in ihm freilich bloß eine Abart unseres Meister Petz zu entdecken, dessen Fell der kalte Norden mit seiner ihm eigentümlichen Schneefarbe begabt habe; dieser Irrtum währte jedoch nicht lange, weil man sehr bald die wesentlichen Unterschiede wahrnahm, die zwischen dem Land- und dem Eisbären bestehen. Letzterer unterscheidet sich von den bis jetzt genannten Arten der Familie durch den gestreckten Leib mit langem Halse und kurzen, starken und kräftigen Beinen, deren Füße weit länger und breiter sind als bei den andern Bären, und deren Zehen starke Spannhäute fast bis zur Hälfte ihrer Länge miteinander verbinden. Er übertrifft selbst den Grislibär etwas an Größe; denn die durchschnittliche Länge des Männchens beträgt 2,5 Meter, nicht selten noch 15 bis 20 Zentimeter mehr, das Gewicht aber steigt von neun auf elf, ja sogar auf sechzehn Zentner an. Roß wog ein Männchen, das, nachdem es gegen dreißig Pfund Blut verloren hatte, noch immer ein Gewicht von 1131½ Pfund zeigte; Lyon, der Begleiter von Parry, berichtet von einem 2,65 Meter langen Eisbären, der sechzehn volle Zentner wog.

siehe Bildunterschrift

Eisbären ( Ursus maritimus)

Der Leib des Eisbären ist weit plumper, aber dennoch gestreckter, der Hals bedeutend dünner und länger als bei dem gemeinen Bären, der Kopf länglich, niedergedrückt und verhältnismäßig schmal, das Hinterhaupt sehr verlängert, die Stirn platt, die hinten dicke Schnauze vorn spitz; die Ohren sind klein, kurz und sehr gerundet, die Nasenlöcher weit geöffnet und die Rachenhöhle minder tief gespalten als bei dem Landbären. An den Beinen sitzen bloß mittellange, dicke und krumme Krallen; der Schwanz ist sehr kurz, dick und stumpf, kaum aus dem Pelze hervorragend. Die lange, zottige, reiche und dichte Behaarung besteht aus kurzer Wolle und aus schlichten, feinen, glänzenden, weichen und fast wolligen Grannen, die am Kopfe, Halse und Rücken am kürzesten, am Hinterteile, dem Bauche und an den Beinen am längsten sind und auch die Sohlen bekleiden. Auf den Lippen und über den Augen befinden sich wenige Borstenhaare; den Augenlidern fehlen die Wimpern. Mit Ausnahme eines dunklen Ringes um die Augen, des nackten Nasenendes, der Lippenränder und der Krallen, trägt der Eisbär ein Schneekleid, das bei den jungen Tieren von reinem Silberweiß ist, bei älteren aber einen gelblichen Anflug bekommt. Die Jahreszeit übt nicht den geringsten Einfluß auf die Färbung aus.

Der Eisbär bewohnt den höchsten Norden der Erde, den eigentlichen Eisgürtel des Pols, und findet sich bloß da, wo das Wasser einen großen Teil des Jahres hindurch oder beständig, wenigstens teilweise, zu Eis erstarrt. Wie weit er nach Norden hinaufgeht, konnte bisher noch nicht ermittelt werden: soweit der Mensch aber in jenen unwirtlichen Gegenden vordrang, hat er ihn als lebensfrischen Bewohner des lebensfeindlichen Erdgürtels gefunden, während er nach Süden hin bloß ausnahmsweise noch unter dem 55. Grade nördlicher Breite bemerkt worden ist. Er gehört keinem der drei nördlichen Erdteile ausschließlich, sondern allen nördlichen Erdteilen gemeinschaftlich an. Von keinem andern Wesen beirrt oder gefährdet, der eifrigsten Kälte und den fürchterlichsten, uns schier undenkbaren Unwettern sorglos trotzend, streift er dort durch Land und Meere über die eisige Decke des Wassers oder durch die offenen Wogen, und im Notfalle muß ihm der Schnee selbst zur Decke, zum Schutze, zum Lager werden. An der Ostküste von ganz Amerika, um die Bassins- und Hudsonsbay herum, in Grönland und Labrador ist er gemein und ebensowohl auf dem festen Lande wie auf dem Treibeise zu erblicken, oft sogar in Scharen vereinigt, die durch ihre Anzahl an Schafherden erinnern. Scoresby berichtet, daß er einstmals an der Küste von Grönland hundert Eisbären beisammentraf, von denen zwanzig getötet werden konnten. In Europa ist es die Insel Spitzbergen, die seinen ständigen Heimatsort bildet! und er bewohnt dieses Eiland auch noch im höchsten Norden, da wo Nordpolforscher, wie Nordenskjiöld, weder Seehundslöcher noch Spuren anderer lebenden Tiere bemerken und sich nicht erklären konnten, welche Beute oder Nahrung überhaupt der Eisbär hier zu gewinnen vermöge. Auf den kristallenen Fahrzeugen, die ihm das Meer selbst bietet, auf Eisschollen nämlich, kommt er nicht selten auch an der Nordküste Islands angeschwommen und würde, wäre der Norwegens Küste umflutende und das Eis dort schmelzende Golfstrom nicht, wohl auch öfters in Lappland oder Nordland sich zeigen. »Eigentümlich«, sagt Nordenskjiöld, »ist die Sorgfalt, mit der der Eisbär sich seine Wege wählt. Immer sind es die bequemsten; er vermeidet stets große und tiefe Schneemassen, wenn der Schnee nicht fest genug ist, ihn zu tragen. Während unserer Reise im Norden von Spitzbergen hinderten uns oft dichte Eisnebel, die besten Wege zu suchen: wir erkannten jedoch bald, daß letztere durch die Bärenspuren angezeigt wurden, folgten diesen auf lange Strecken und standen uns gut dabei.« In Asien ist die Insel Nowaja Semlja sein Hauptsitz: aber auch aus Neusibirien, selbst auf dem Festlande bemerkt man ihn, obgleich bloß dann, wenn er auf Eisschollen angetrieben wird. In den endlosen Winternächten des Nordens schlägt er, wenn er bei Nebel und Schneegestöber seine Richtung verliert oder durch die Aufsuchung der Nahrung weiter, als er beabsichtigt, vom Meere ab, beispielsweise nach Sibirien geführt wird, auf dem mit Moos und Flechten überzogenen und gefrorenen Boden sein Winterlager auf und kehrt erst, wenn der beginnende kurze Frühling von neuem ein regeres Leben ihm ermöglicht, zu seiner Heimat zurück. Dennoch sieht man ihn nur höchst selten auf dem festen Lande zwischen der Lena und der Mündung des Jenisei und noch seltener zwischen dem Ob und dem Weißen Meere, weil ihm die weit nach Norden auflaufenden Gebirge und Nowaja Semlja weit bessere Aufenthaltsorte gewähren. In Amerika zeigt er sich da am häufigsten, wo der Mensch ihm am wenigsten nachstellt. Zwar ist es nur der kleine, unscheinbare, verachtete Eskimo, der dort als Gebieter der Erde auftritt, aber dieser ist noch immer mächtig genug, den gewaltigen Meeresbeherrscher zu verdrängen. Nach Aussagen der Eskimos, seiner hauptsächlichsten Feinde, erscheint er nur in höchst seltenen Fällen jenseits des Mackenzieflusses, verbreitet sich somit weit weniger im Westen Amerikas als im Osten. Nach Süden hinab geht er bloß unfreiwillig, wenn ihn große Eisschollen dahintragen. Man hat häufig Eisbären gesehen, die auf diese Weise mitten im sonst eisfreien Wasser und weit von den Küsten entfernt dahintrieben. Obgleich er nun den größten Teil seines Lebens auf dem Eise zubringt und im Meere ebensosehr oder noch heimischer ist als auf dem Lande, sind ihm derartige Reisen doch wohl nicht lieb, führen auch, wenn sie ihn weit nach Süden und zu gebildeteren Menschen tragen, regelmäßig sein Verderben herbei.

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Eisbären ( Ursus Maritimus)

Die Bewegungen des Eisbären sind im ganzen plump, aber ausdauernd im höchsten Grade. Dies zeigt sich zumal beim Schwimmen, in dem der Eisbär seine Meisterschaft an den Tag legt. Die Geschwindigkeit, mit der er sich stundenlang gleichmäßig und ohne Beschwerde im Wasser bewegt, schätzt Scoresby auf drei englische Meilen in der Stunde. Die große Masse seines Fettes kommt ihm vortrefflich zustatten, da sie das Eigengewicht seines Leibes so ziemlich dem des Wassers gleichstellt. Man sah ihn schon vierzig Meilen weit von jedem Lande entfernt im freien Wasser schwimmen und darf deshalb vermuten, daß er Sunde oder Straßen von mehreren hundert Meilen ohne Gefahr zu übersetzen vermag. Ebenso ausgezeichnet, wie er sich auf der Oberfläche des Wassers bewegt, versteht er zu tauchen. Man hat beobachtet, daß er Lachse aus der See geholt hat und muß nach diesem seine Tauchfähigkeit allerdings im höchsten Grade bewundern. Daß er oft lange Zeit nur auf Fischnahrung angewiesen ist, unterliegt gar keinem Zweifel, und hieraus geht also hervor, daß er mit mindestens derselben Schnelligkeit schwimmt wie der behende, gewandte Fischotter. Auch auf dem Lande ist er keineswegs so unbehilflich, ungeschickt oder plump, als es den Anschein hat. Sein gewöhnlicher Gang ist zwar langsam und bedächtig, allein wenn er von Gefahr gedrängt oder von Hunger angetrieben wird, läuft er sprungweise sehr rasch und kommt jedem andern Säugetier, das sich auf dem Eise bewegt, und somit auch dem Menschen, leicht zuvor. Dabei sind seine Sinne ausnehmend scharf, besonders das Gesicht und der Geruch. Wenn er über große Eisfelder geht, steigt er, nach Scoresby, auf die Eisblöcke und sieht nach Beute umher. Tote Walfische oder ein in das Feuer geworfenes Stück Speck wittert er auf unglaubliche Entfernungen.

Die Nahrung des Eisbären besteht aus fast allen Tieren, die das Meer oder die armen Küsten seiner Heimat bieten. Seine furchtbare Stärke, die die aller übrigen bärenartigen Raubtiere noch erheblich übertrifft, und die erwähnte Gewandtheit im Wasser machen es ihm ziemlich leicht, sich zu versorgen. Ohne Mühe bricht er mit seinen starken Krallen große Löcher durch das dicke Eis, um an Stellen, die ihm sonst unzugänglich sein würden, in die Tiefe gelangen zu können; ohne Beschwerde trägt er ein großes und schweres Meertier, unter Umständen meilenweit, mit sich fort. Seehunde verschiedener Art bilden sein bevorzugtes Jagdwild, und er ist schlau und geschickt genug, diese klugen und behenden Tiere zu erlangen. Wenn er eine Robbe von fern erblickt, senkt er sich still und geräuschlos ins Meer, schwimmt gegen den Wind ihr zu, nähert sich ihr mit der größten Stille und taucht plötzlich von unten nach dem Tier empor, das nun regelmäßig seine Beute wird. Die Robben pflegen in jenen eisigen Gegenden nahe an Löchern zu liegen, die ihren Weg nach dem Wasser vermitteln. Diese Löcher findet der unter der Oberfläche des Meeres dahinschwimmende Eisbär mit außerordentlicher Sicherheit auf, und plötzlich erscheint der gefürchtete Kopf des entsetzlichsten Feindes der unbehilflichen Meereshunde sozusagen in deren eigenem Hause oder in dem einzigen Fluchtgange, der sie möglicherweise retten könnte. »Ich habe ihn«, bemerkt Brown, »einen vollen halben Tag auf einen Seehund lauern sehen. Jedesmal, wenn er sich anschickte, die in ihrem Atemloch zeitweilig auftauchende Robbe mit der Brante zu töten, entschlüpfte diese, und der Eisbär sah sich schließlich genötigt, zu einer andern Jagdweise überzugehen. Er verließ seinen Stand, warf sich auf einige Entfernung davon ins Wasser und schwamm, als der Seehund in seinem Loch halb im Schlafe lag, unter dem Eise gegen ihn hin, um ihm den Weg abzuschneiden. Auch dieser Versuch mißlang. Die Wut des Räubers war grenzenlos. Ingrimmig brüllend und Schnee in die Luft werfend ging er von dannen, sicherlich in der allerschlechtesten Laune.« Fische weiß der Eisbär zu erbeuten, indem er tauchend ihnen nachschwimmt oder sie in Spalten zwischen dem Eise treibt und hier herausfängt. Die Samojeden und Jakuten versichern, daß er auf dem Lande sogar junge Walrosse tötet, die er im Meere unbehelligt läßt. Landtiere überfällt er bloß dann, wenn ihm andere Nahrung mangelt; Renntiere, Eisfüchse und Vögel sind jedoch keineswegs vor ihm sicher. Osborne sah einer alten Bärenmutter zu, die Steinblöcke umwälzte, um ihre Jungen mit Lemmingen zu versorgen, und Brown bemerkt, daß er auf den Brutplätzen der Eiderenten öfters binnen wenigen Stunden alle Eier auffrißt. An die Haustiere wagt er sich selten. Abweichend von andern Bären schlägt er nicht mit den Branten, sondern tötet durch Bisse, spielt mit der Beute wie die Katze mit der Maus und frißt erst, wenn sie sich nicht mehr regt. Aas frißt er ebenso gern wie frisches Fleisch, soll auch nicht einmal den Leichnam eines andern Eisbären verschmähen. In den Meeren, die von Robbenschlägern und Walfischfängern besucht werden, bilden die toten Seehunde und Wale ein vorzügliches Nahrungsmittel für ihn, und man sieht ihn immer bald bei jedem Aase sich einfinden. Einem Menschen geht er, solange er nicht gereizt oder von wütendem Hunger gepeinigt wird, in der Regel aus dem Wege; doch ist auf diese vermeintliche Ehrfurcht des Tieres vor dem Herrn der Erde nicht viel zu geben. »Ich habe«, versichert Brown, viele Grönländer kennengelernt, denen er, während sie auf Seehunde lauerten oder solche abstreiften, plötzlich seine rauhe Brante auf die Schulter legte. Die Leute retteten sich dadurch, daß sie sich tot stellten und dem Eisbären, während er zunächst noch sein erträumtes Opfer betrachtete, einen tödlichen Schuß beibrachten.« »Wenn man den Bären im Wasser antrifft,« sagt Scoresby, »kann man ihn gewöhnlich mit Vorteil angreifen; wenn er aber am Ufer oder auf beschneitem oder glattem Eise, wo er mit seinen breiten Tatzen noch einmal so schnell fortzukommen vermag als ein Mensch, sich befindet, kann er selten mit Sicherheit oder gutem Erfolge bekämpft werden. Bei weitem die meisten Unglücksfälle wurden durch die Unvorsichtigkeit solcher Angriffe herbeigeführt. Ein trauriger Vorfall ereignete sich mit einem Matrosen eines Schiffes, das in der Davisstraße vom Eise eingeschlossen war. Wahrscheinlich durch den Geruch der Lebensmittel angelockt, kam ein dreister Bär endlich bis dicht an das Schiff heran. Die Leute waren gerade mit ihrer Mahlzeit beschäftigt, und selbst die Deckwachen nahmen daran teil. Da bemerkte ein verwegener Bursche zufällig den Bären, bewaffnete sich rasch mit einer Stange und sprang in der Absicht auf das Eis hinaus, die Ehre davonzutragen, einen so übermütigen Gast zu demütigen. Aber der Bär achtete wenig auf das elende Gewehr, packte, wohl durch Hunger gereizt, seinen Gegner sofort mit den furchtbaren Zähnen im Rücken und trug ihn mit solcher Schnelligkeit davon, daß Raubtier und Matrose schon weit entfernt waren, als die Gefährten des Unglücklichen, von seinem Geschrei herbeigezogen, aufsprangen und sich umsahen.«

Es ist höchst wahrscheinlich, daß die meisten Eisbären keinen Winterschlaf halten. Ein geringerer oder größerer Kältegrad ist ihnen gleichgültig; es handelt sich für sie im Winter bloß darum, ob das Wasser dort, wo sie sich befinden, offen bleibt oder nicht. Einige Beobachter sagen, daß die alten Männchen und jüngeren oder nichtträchtigen Weibchen niemals Winterschlaf halten, sondern beständig umherschweifen. Soviel ist sicher, daß die Eskimos den ganzen Winter hindurch auf Eisbären jagen. Allerdings leben die Tiere während des Winters nur in der See, meistens auf dem Treibeise, wo sie stets hinlängliche Löcher finden, um jederzeit in die Tiefe hinabtauchen und Robben und Fischen nachstellen zu können. Die trächtigen Bärinnen dagegen ziehen sich gerade im Winter zurück und bringen in den kältesten Monaten ihre Jungen zur Welt. Bald nach der Paarung, die in den Juli fallen soll, bereitet sich die Bärin ein Lager unter Felsen oder überhängenden Eisblöcken oder gräbt sich wohl auch eine seichte Höhlung in dem gefrorenen Schnee aus, taut durch ihre Körperwärme dieses Lager ringsum auf, bildet durch den warmen Hauch eine Art Stollen nach oben und läßt sich hier einschneien. Bei der Menge von Schnee, die in jenen Breiten fällt, währt es nicht lange, bis ihre Winterwohnung eine dicke und ziemlich warme Decke erhalten hat. Ehe sie das Lager bezog, hatte sie sich eine tüchtige Menge von Fett gesammelt, und von ihm zehrt sie während des ganzen Winters; denn sie verläßt ihr Lager nicht eher wieder, als bis die Frühlingssonne bereits ziemlich hoch steht. Mittlerweile hat sie ihre Jungen geworfen. Man weiß, daß dieselben nach sechs bis sieben Monaten ausgetragen sind und daß ihre Anzahl zwischen eins und drei schwankt; genauere Beobachtungen sind nicht gemacht worden. Nach Aussage der nördlichen Völkerschaften sollen die jungen Eisbären kaum größer oder nicht einmal so groß wie die Kaninchen sein, Ende März oder Anfang April aber bereits die Größe kleiner Pudel erlangt haben. Weit eher als die Kinder des Landbären begleiten sie ihre Alte auf deren Zügen. Sie werden von ihr auf das sorgfältigste und zärtlichste gepflegt, genährt und geschützt. Die Mutter teilt auch dann noch, wenn sie schon halb oder fast ganz erwachsen sind, alle Gefahren mit ihnen und wird dem Menschen, solange sie Junge bei sich hat, doppelt furchtbar. Schon in der ersten Zeit der Jugend lehrt sie sie das Gewerbe betreiben, nämlich schwimmen und Fischen nachstellen. Die kleinen, niedlichen Gesellen begreifen das eine wie das andere bald, machen sich die Sache aber so bequem wie möglich und ruhen z. B. auch dann noch, wenn sie bereits ziemlich groß geworden sind, bei Ermüdung behaglich auf dem Rücken ihrer Mutter aus.

Walfisch- und Grönlandfahrer haben uns rührende Geschichten von der Aufopferung und Liebe der Eisbärenmutter mitgeteilt. »Eine Bärin«, erzählt Scoresby, »die zwei Junge bei sich hatte, wurde von einigen bewaffneten Matrosen auf einem Eisfelde verfolgt. Anfangs schien sie die Jungen dadurch zu größerer Eile anzureizen, daß sie voranlief und sich immer umsah, auch durch eigentümliche Gebärden und einen besonderen, ängstlichen Ton der Stimme die Gefahr ihnen mitzuteilen suchte; als sie aber sah, daß ihre Verfolger ihr zu nahe kamen, mühte sie sich, jene vorwärts zu treiben, zu schieben und zu stoßen, entkam auch wirklich glücklich mit ihnen.« Eine andere Bärin, die von Kanes Leuten und deren Hunden aufgefunden wurde, schob ihr Junges immer etwas weiter, indem sie es mit dem Kopfe zwischen Hals und Brust klemmte oder von oben mit den Zähnen packte und fortschleppte. Abwechselnd hiermit trieb sie die sie verfolgenden Hunde zurück. Als sie erlegt worden war, trat das Junge auf ihre Leiche und kämpfte gegen die Hunde, bis es, durch einen Schuß in den Kopf getroffen, von seinem Standpunkte herabfiel und nach kurzem Todeskampfe verendete.

Die Jagd der Eisbären wird mit Leidenschaft betrieben. Eskimos, Jakuten und Samojeden bauen sich besondere Holzhütten, in denen sie den Bären auflauern, oder bedienen sich, wie Seemann berichtet, folgender List. Sie biegen ein vier Zoll breites, zwei Fuß langes Stück Fischbein kreisförmig zusammen, umwickeln es mit Seehundsfett und lassen dieses gefrieren. Dann suchen sie den Bären aus, necken ihn durch einen Pfeilschuß, werfen den Fettklumpen hin und flüchten. Der Bär beriecht den Ball, findet, daß er verzehrt werden kann, verschluckt ihn und holt sich damit seinen Tod; denn in dem warmen Magen taut das Fett auf, das Fischbein schnellt auseinander und zerreißt ihm die Eingeweide. Daß derartige Ballen von den Eisbären wirklich gefressen werden, unterliegt kaum einem Zweifel; Kane erzählt, daß die Tiere in seinen Vorratshäusern alles Denkbare fraßen, außer dem dort befindlichen Fleisch und Brot auch Kaffee, Segel und die amerikanische Flagge, daß sie überhaupt nur die ganz eisernen Fässer nicht berührten. Nordenskjiölds Leute jagten anfangs meist vergeblich auf die Eisbären, deren Fleisch und Speck für die ganze Gesellschaft von höchster Wichtigkeit war. Sie schlichen ohne besondere Vorsicht den Bären nach, die sich zeigten, und erzielten damit nur, daß die wachsamen Tiere zurückwichen. Infolge dieser Erfahrungen änderten sie die Jagdweise. »Sobald ein Bär in Sicht kam und wir Zeit hatten, uns ihm zu widmen,« schildert Nordenskjiöld, »erhielten sämtliche Leute Befehl, sich im Zelt oder hinter dem Schlitten zu verstecken. Nun kam der Bär neugierig und voll Eifers, zu sehen, welche Gegenstände – vielleicht Seehunde! – aus dem Eise sich bewegten, herangetrabt, und wenn er so nahe war, daß er die fremdartigen Gegenstände beschnuppern konnte, empfing er die wohlgezielte Kugel.«

Der Eisbär verteidigt sich mit ebensoviel Mut als Kraft besonders im Wasser, obgleich dieses noch das beste Jagdgebiet für den Menschen ist. Man kennt unzählige Beispiele, daß die Bärenjagden unglücklich ausfielen, und mehr als einmal hat ein verwundeter und dadurch gereizter Bär einen seiner Angreifer ruhig aus der Mitte der andern geholt und mit sich fortgeschleppt. So wurde ein Schiffskapitän, der einen großen schwimmenden Eisbären mit seinem stark bemannten Boote verfolgte, von dem bereits schwer verwundeten Tiere in demselben Augenblicke über Bord gerissen, als er die ihm zum dritten Male tief in die Brust gestoßene Lanze wieder herausziehen wollte, und nur durch das gleichzeitige Einschreiten der gesamten Mannschaft gelang es, den Gefährdeten zu retten.

Gestellte Fallen weiß der Eisbär mit Klugheit und Geschick zu vermeiden. »Der Kapitän eines Walfischfängers«, erzählt Scoresby, »der sich gern einen Bären verschaffen wollte, ohne die Haut desselben zu verletzen, machte den Versuch, ihn in einer Schlinge zu fangen, die er mit Schnee bedeckt und vermittels eines Stück Walfischspeck geködert hatte. Ein Bär wurde durch den Geruch des angebrannten Speckes bald herbeigezogen, sah die Lockspeise, ging hinzu und faßte sie mit dem Maule, bemerkte aber, daß sein Fuß in die ihm gelegte Schlinge geraten war. Deshalb warf er das Fleisch wieder ruhig hin, streifte mit dem andern Fuße bedächtig die Schlinge ab und ging mit seiner Beute davon. Sobald er das erste Stückchen in Ruhe verzehrt hatte, kam er wieder. Man hatte inzwischen die Schlinge durch ein anderes Stück Walfischfett geködert; der Bär war aber vorsichtig geworden, schob den bedenklichen Strick sorgfältig beiseite und schleppte den Köder zum zweiten Male weg. Jetzt legte man die Schlinge tiefer und die Lockspeise in eine Höhlung ganz innerlich der Schlinge. Der Bär ging wieder hin, beroch erst den Platz ringsumher, kratzte den Schnee mit seinen Tatzen weg, schob den Strick zum dritten Male auf die Seite und bemächtigte sich nochmals der dargebotenen Mahlzeit, ohne sich in Verlegenheit zu setzen.«

Ganz jung eingefangene Eisbären lassen sich zähmen und bis zu einem gewissen Grade abrichten. Sie erlauben ihrem Herrn, sie in ihrem Käfig zu besuchen, balgen sich auch wohl mit ihm herum. Dies sind gewöhnlich Eisbären, die von den Eskimos im Frühjahr samt ihrer Mutter aus dem Schneelager ausgegraben und in ihrer zartesten Jugend an die Gesellschaft des Menschen gewöhnt worden sind. In größeren Räumen mit tiefen und weiten Wasserbecken, wie solche jetzt in Tiergärten für ihn hergerichtet werden, befindet er sich ziemlich wohl und spielt stundenlang im Wasser mit seinen Mitgefangenen oder auch mit Klötzen, Kugeln und dergleichen. Hinsichtlich der Nahrung hat man keine Not mit ihm. In der Jugend gibt man ihm Milch und Brot und im Alter Fleisch, Fische oder auch Brot allein, von welchem drei Kilogramm täglich vollkommen hinreichen, um ihn zu erhalten. Er schläft bei uns in der Nacht und ist bei Tage munter, ruht jedoch ab und zu, ausgestreckt auf dem Bauche liegend oder wie ein Hund auf dem Hintern sitzend. Mit zunehmendem Alter wird er reizbar und heftig. Gegen andre seiner Art zeigt er sich, sobald das Fressen in Frage kommt, unverträglich und übellaunig, obwohl nur selten ein wirklicher Streit zwischen zwei gleichstarken Eisbären ausbricht, der gegenseitige Zorn vielmehr durch wütendes Anbrüllen bekundet wird. Bei sehr guter Pflege ist es möglich, Eisbären mehrere Jahre lang zu erhalten; man kennt ein Beispiel, daß ein jung eingefangener und im mittleren Europa aufgezogener zweiundzwanzig Jahre in der Gefangenschaft gelebt hat. Zur Fortpflanzung im Käfig schreitet er seltener als der Landbär und wohl auch nur dann, wenn er alle Bequemlichkeiten zur Verfügung hat. Im Laufe von zwanzig Jahren haben die Eisbären des Londoner Tiergartens dreimal Junge gebracht. An Krankheiten leiden die Gefangenen wenig.

Der getötete Eisbär wird vielfach benutzt und ist für die nordischen Völker eines ihrer gewinnbringendsten Jagdtiere. Man verwertet ebensowohl das Fell wie das Fett und das Fleisch. Ersteres liefert herrliche Decken zu Lagerstätten, außerdem warme Stiefel und Handschuhe, ja selbst Sohlenleder. In den kleinen Holzkirchen Islands sieht man vor den Altären gewöhnlich Eisbärenfelle liegen, die die Fischer ihren Geistlichen verehrten, um sie bei Amtshandlungen im Winter etwas vor der Kälte zu schützen. Fleisch und Speck werden von allen Bewohnern des hohen Nordens gern gegessen. Auch die Walfischfahrer genießen es, nachdem sie es vom Fett gereinigt haben, und finden es nicht unangenehm, namentlich wenn es vorher geräuchert worden ist. Doch behaupten alle Walfischfahrer einstimmig, daß der Genuß des Eisbärenfleisches im Anfang Unwohlsein errege; zumal die Leber des Tieres soll sehr schädlich wirken. »Wenn Schiffer«, sagt Scoresby, »unvorsichtigerweise von der Leber des Eisbären gegessen haben, sind sie fast immer krank geworden und zuweilen gar gestorben; bei andern hat der Genuß die Wirkung gehabt, daß sich die Haut von ihrem Körper schälte.« Das Fett benutzt man zum Brennen; es hat vor dem Walfischtran den großen Vorzug, daß es keinen üblen Geruch verbreitet. Aus dem Fett der Sohlen bereiten die Nordländer sehr geschätzte Heilmittel, aus den Sehnen verfertigen sie Zwirn und Bindfaden.

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In der zweiten Unterfamilie vereinigen wir die Kleinbären ( Subursina), mittelgroße Glieder der Familie, mit mehr oder weniger gedrungenem Leibe, mittellangen Gliedmaßen, geraden Zehen, nicht einziehbaren Nägeln und langem Schwänze. Die Sippe der Waschbären ( Procyon) kennzeichnet sich durch folgende Merkmale. Der Leib ist gedrungen gebaut, der Kopf hinten sehr verbreitert, die Schnauze kurz; die großen Augen liegen nahe aneinander, die großen abgerundeten Ohren ganz an den Kopfseiten; die Beine sind verhältnismäßig hoch und dünn; die nacktsohligen Füße haben mittellange, schlanke Zehen und mäßig starke, seitlich zusammengedrückte Nägel; der Schwanz ist lang, der Pelz reich-, lang- und schlichthaarig.

 

Der Waschbär oder Schupp ( Procyon Lotor) erreicht bei 65 Zentimeter Leibes- und 25 Zentimeter Schwanz- oder 90 Zentimeter bis 1 Meter Gesamtlänge 30 bis 35 Zentimeter Höhe am Widerrist. Der Pelz ist gelblichgrau, schwarz gemischt, weil die Grannen am Grunde braun, in der Mitte bräunlichgelb und darüber schwarz gefärbt sind, somit eine höchst eigentümliche Gesamtfärbung zustande bringen. Diese wird, schon aus einer geringen Entfernung betrachtet, zu einem schwer zu bestimmenden und bezeichnenden Grau, das sich der Rindenfärbung ebenso vortrefflich anschließt wie dem mit frischem oder trockenem Grase bewachsenen Boden. Anomalien des Waschbären sind selten, kommen jedoch vor. So steht im Britischen Museum ein Weißling, dessen Behaarung mit dem blendenden Fell des Hermelins wetteifern kann.

Die Heimat des Waschbären ist Nordamerika, und zwar der Süden des Landes ebensowohl wie der Norden, wo er wenigstens in den südlichen Pelzgegenden vorkommt. Heutigentags ist er in den bewohnteren Gegenden infolge der unaufhörlichen Nachstellungen, die er erleiden mußte, weit seltener geworden, als er es früher war; doch konnte man ihn immerhin auch hier nicht gänzlich vertreiben. Im Innern des Landes, namentlich in den Waldgegenden, findet er sich noch in Menge. Wälder mit Flüssen, Seen und Bächen sind seine Lieblingsplätze; hier treibt er so ziemlich ungestört sein Wesen bei Tag und bei Nacht. In der Regel pflegt er seine Jagden erst mit Einbruch der Dämmerung zu beginnen und den hellen Sonnentag in hohlen Bäumen oder auf dicken, belaubten Baumästen zu verschlafen; wo er aber ganz ungestört ist, hat er eigentlich keine besondere Zeit zur Jagd, sondern lustwandelt ebensowohl bei Tag wie bei Nacht durch sein weites Gebiet.

Er ist ein munterer, schmucker Bursche, der durch große Regsamkeit und Beweglichkeit sehr erfreut. Bei gleichgültigem Dahinschlendern senkt er den Kopf, wölbt den Rücken, läßt den Schwanz hängen und schleicht schiefen Ganges ziemlich langsam seines Weges fort; sowie er jedoch eine der Teilnahme würdige Entdeckung macht, z. B. eine Fährte auffindet oder ein unbesorgtes Tierchen in großer Nähe spielen sieht, verändert sich sein Wesen gänzlich. Das gestruppte Fell glättet sich, die breiten Lauscher werden gespitzt, er stellt sich spähend auf die Hinterbeine und hüpft und läuft nun leicht und behend weiter oder klettert mit einer Geschicklichkeit, die man schwerlich vermutet hätte, nicht bloß an schiefen und senkrechten Stämmen hinan, sondern auch auf wagerechten Zweigen fort, und zwar von oben oder unten. Oft sieht man ihn wie ein Faultier oder einen Affen mit gänzlich nach unten hängendem Leibe rasch an den wagerechten Zweigen fortlaufen, oft und mit unfehlbarer Sicherheit Sprünge von einem Aste zum andern ausführen, die eine nicht gewöhnliche Meisterschaft im Klettern bekunden. Auch auf der Erde ist er vollkommen heimisch und weiß sich durch satzweise Sprünge, bei denen er auf alle vier Pfoten zugleich tritt, schnell genug fortzubewegen. In seinem geistigen Wesen hat er etwas Affenartiges. Er ist heiter, munter, neugierig, neckisch und zu lustigen Streichen aller Art geneigt, aber auch mutig, wenn es sein muß, und beim Beschleichen seiner Beute listig wie der Fuchs. Mit seinesgleichen verträgt er sich ausgezeichnet und spielt selbst im Alter noch stundenlang mit andern Gesinnungsgenossen oder, in der Gefangenschaft z. B., mit jedem Tiere, das sich überhaupt zum Spielen mit ihm einläßt.

Der Schupp frißt alles, was genießbar ist, scheint aber ein Leckermaul zu sein, das sich, wenn es nur angeht, immer die besten Bissen auszusuchen weiß. Obst aller Art, Kastanien, wilde Trauben, Mais, solange die Kolben noch weich sind, liefern ihm schätzbare Nahrungsmittel; aber er stellt auch den Vögeln und ihren Nestern nach, weiß listig ein Hühnchen oder eine Taube zu beschleichen, versteht es meisterhaft, selbst das verborgenste Nest aufzuspüren, und labt sich dann an den Eiern, die er erstaunlich geschickt zu öffnen und zu leeren weiß, ohne daß irgend etwas von dem Inhalte verlorengeht. Nicht selten kommt er bloß deshalb in die Gärten oder in die Wohnungen herein, um Hühner zu rauben und Hühnernester zu plündern, steht auch aus diesem Grunde bei den Farmern nicht eben in gutem Ansehen. Selbst die Gewässer müssen ihm Tribut zollen. Gewandt fängt er Fische, Krebse und Schaltiere und wagt sich bei der Ebbe, solchem Schmause zuliebe, oft weit in das Meer hinaus. Die dicken Larven mancher Käfer scheinen wahre Leckerbissen für ihn zu sein, die Heuschrecken fängt er mit großer Geschicklichkeit, und den maikäferartigen Kerfen zu Gefallen klettert er bis in die höchsten Baumkronen hinauf. Er hat die Eigentümlichkeit, seine Nahrung vorher in das Wasser zu tauchen und hier zwischen seinen Vorderpfoten zu reiben, sie gleichsam zu waschen. Das tut er jedoch nur dann, wenn er nicht besonders hungrig ist; in letzterem Falle lassen ihm die Anforderungen des Magens wahrscheinlich keine Zeit zu der ihm sonst so lieben, spielenden Beschäftigung, der er seinen Namen verdankt, übrigens geht er bloß bei gutem Wetter auf Nahrungserwerb aus; wenn es stürmt, regnet oder schneit, liegt er oft mehrere Tage lang ruhig in seinem geschützten Lager, ohne das Geringste zu verzehren.

Im Mai wirft das Weibchen seine vier bis sechs kleinen Jungen auf ein ziemlich sorgfältig hergerichtetes Lager in einem hohlen Baume; Ausführlicheres über das Jugendleben des freigeborenen Waschbären scheint nicht bekannt zu sein. Im Berliner Tiergarten brachte eine Waschbärin im Frühjahr 1871 fünf Junge zur Welt. Zum Wochenbett hatte sie ein wagerechtes Brett erwählt, ohne daran zu denken, dasselbe mit einem weichen Lager zu versehen. Hier lag sie, die kleinen Jungen anfänglich sorgsam zwischen den Beinen verdeckend, wochenlang fast auf einer Stelle. Als die Jungen etwas größer wurden und umherzukriechen begannen, holte sie dieselben fortwährend mit den handartigen Füßen wieder herbei und bedeckte sie nach wie vor. Schließlich wuchsen ihr die Sprossen über den Kopf, ließen sich nicht mehr wie Unmündige behandeln, kletterten auf ihr, bald auch mit ihr auf den Bäumen umher, nahmen alle ihrem Geschlechte geläufigen Stellungen an und trieben es im Alter von drei Monaten schon ganz wie die Alten. Im sechsten Monate ihres Alters waren sie halbwüchsig, nach Jahresfrist erwachsen.

Der Waschbär wird nicht bloß seines guten Pelzes wegen verfolgt, sondern auch aus reiner Jagdlust aufgesucht und getötet. Wenn man bloß seinem Felle nachstrebt, fängt man ihn leicht in Schlageisen und Fallen aller Art, die mit einem Fische oder einem Fleischstückchen geködert werden. Weniger einfach ist seine Jagd. Die Amerikaner üben sie mit wahrer Leidenschaft aus, und dies wird begreiflich, wenn man ihre Schilderungen liest. Man jagt nämlich nicht bei Tage, sondern bei Nacht, mit Hilfe der Hunde und unter Fackelbeleuchtung. Wenn der Waschbär sein einsames Lager verlassen hat und mit leisen unhörbaren Schritten durch das Unterholz gleitet, wenn es im Walde sonst sehr still geworden ist unter dem Einflusse der Nacht, macht man sich auf, um sich des Schupp zu bemächtigen. Ein guter, erfahrener Hund nimmt die Fährte auf, und die ganze Meute stürzt jetzt dem sich flüchtenden, behenden Bären nach, der zuletzt mit Affengeschwindigkeit einen Baum ersteigt und sich hier im dunkelsten Gezweige zu verbergen sucht. Ringsum unten bilden die Hunde einen Kreis, bellend und heulend; oben liegt das gehetzte Tier in behaglicher Ruhe, gedeckt von dem dunklen Mantel der Nacht. Da nahen sich die Jäger. Die Fackeln werden auf einen Haufen geworfen, trockenes Holz, Kienspäne, Fichtenzapfen aufgelesen, zusammengetragen, und plötzlich flammt, die Umgebung zauberisch beleuchtend, unter dem Baume ein gewaltiges Feuer auf. Nunmehr ersteigt ein guter Kletterer den Baum und übernimmt das Amt der Hunde oben im Gezweige. Mensch und Affenbär jagen sich wechselseitig in der Baumkrone umher, bis endlich der Schupp auf einem schwankenden Zweige hinausgeht, in der Hoffnung, sich dadurch auf einen andern Baum flüchten zu können. Sein Verfolger eilt ihm nach, soweit als er es vermag, und beginnt plötzlich den betreffenden Ast mit Macht zu schütteln. Der beklagenswerte Gesell muß sich nun gewaltsam festhalten, um nicht zur Erde geschleudert zu werden. Doch dies hilft ihm nichts. Näher und näher kommt ihm sein Feind, gewaltsamer werden die Anstrengungen, sich zu halten, – ein Fehlgriff, und er stürzt sausend zu Boden. Jauchzendes Gebell der Hunde begleitet seinen Fall, und wiederum beginnt die Jagd mit erneuter Heftigkeit. Zwar sucht sich der Waschbär noch ein- oder zweimal vor den Hunden zu retten und erklettert also nochmals einen Baum, endlich aber muß er doch die Beute seiner eifrigen vierfüßigen Gegner werden und unter deren Bissen sein Leben verhauchen.

siehe Bildunterschrift

Gemeiner Waschbär ( Procyon lotor)

Ein jung eingefangener Waschbär wird gewöhnlich sehr bald und im hohen Grade zahm. Seine Zutraulichkeit, Heiterkeit, die ihm eigene Unruhe, die niemals endende Lust an der Bewegung sowie sein komisches, affenartiges Wesen machen ihn den Leuten angenehm. Er liebt es sehr, wenn man ihm schmeichelt, zeigt jedoch niemals große Anhänglichkeit. Auf Scherz und Spiel geht er sofort mit Vergnügen ein und knurrt dabei leise vor Behagen, ganz so, wie junge Hunde dies zu tun pflegen. Sein Benehmen erinnert in jeder Hinsicht an das Gebaren der Affen. Er weiß sich immer mit etwas zu beschäftigen und ist auf alles, was um ihn her vorgeht, sehr achtsam. Bei seinen Spaziergängen in Haus und Hof stiftet er viel Unfug an. Er untersucht und benascht alles, in der Speisekammer sowohl, wie im Hof und Garten. Der Hausfrau guckt er in die Töpfe, und wenn diese mit Deckeln versehen sind, versucht er, dieselben auf irgendeine Weise zu öffnen, um sich des verbotenen Inhalts zu bemächtigen. Eingemachte Früchte sind besondere Leckerbissen für ihn; er verschmäht aber auch Zucker, Brot und Fleisch im verschiedensten Zustande nicht. Im Garten besteigt er die Kirsch- und Pflaumenbäume und frißt sich da oben an den süßen Früchten satt oder stiehlt Trauben, Erdbeeren u. dgl.; im Hofe schleicht er zu den Hühnerställen oder Taubenschlägen, und wenn er in sie eindringen kann, würgt er alle Insassen binnen einer einzigen Nacht. Er kann sich wahrhaft marderartig durch sehr enge Ritzen drängen und benutzt seine Pfoten außerordentlich geschickt nach Art der Hände. Bei diesem fortwährenden Kundschaften und Umherschnüffeln durch das Haus und Gehöft wirft er selbstverständlich eine Menge von Gegenständen um, die ihn sonst nicht fesseln konnten, oder zerbricht Geschirre, die nichts Genießbares enthalten. Seine Haltung hat nicht die geringsten Schwierigkeiten; er frißt, was man ihm gibt, rohes und gekochtes Fleisch, Geflügel, Eier, Fische, Kerbtiere, zumal Spinnen, Brot, Zucker, Sirup, Honig, Milch, Wurzeln, Körner usw. Auch in der Gefangenschaft behält der sonderbare Kauz die Gewohnheit bei, alles, was er frißt, vorher ins Wasser einzutauchen und zwischen den Vorderpfoten zu reiben, obgleich ihm dabei manche Leckerbissen geradezu verloren gehen, wie z. B. der Zucker. Das Brot läßt er gerne lange weichen, ehe er es zu sich nimmt. Über das Fleisch fällt er gieriger als über alle andere Nahrung her. Alle festen Nahrungsstoffe bringt er mit beiden Vorderpfoten zum Munde, wie denn überhaupt eine aufrechte Stellung auf den Hinterbeinen ihm nicht die geringsten Schwierigkeiten macht. Mit andern Säugetieren lebt er in Frieden und versucht niemals ihnen etwas zu Leide zu tun, solange jene auch ihn unbehelligt lassen. Falls ihm aber eine schlechte Behandlung wird, sucht er sich die Urheber derselben sobald wie möglich vom Halse zu schaffen, und es kommt ihm dabei auf einen Zweikampf mehr oder weniger nicht an. Bei guter Pflege hält er auch in Europa die Gefangenschaft ziemlich lange aus.

Der auf der Jagd erlegte Waschbär gewährt einen nicht unbedeutenden Nutzen. Sein Fleisch wird nicht nur von den Urbewohnern Amerikas und von den Negern, sondern auch von den Weißen gegessen, und sein Fell findet eine weite Verbreitung: Schuppenpelze sind allgemein beliebt. Die Grannenhaare geben gute Pinsel, aus den Wollhaaren macht man Hüte, die ganzen Schwänze benutzt man zu Halswärmern.

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An den Schupp und Genossen reihen sich naturgemäß die Nasenbären ( Nasua). Ihr gestreckter, schlanker, fast marderähnlicher Leib mit kurzem Halse und langem, spitzem Kopfe, dicht behaartem, körperlangem Schwanze und kurzen, kräftigen, breittatzigen und nacktfohligen Beinen unterscheiden sie leicht. Das bezeichnendste Merkmal ist die Nase. Sie verlängert sich rüsselartig weit über den Mund hinaus und hat scharfkantig aufgeworfene Ränder. Die Ohren sind kurz und abgerundet, die klaren Augen mäßig groß, die fünf fast ganz verwachsenen Zehen mit langen und spitzigen, aber wenig gebogenen Krallen bewehrt.

Die bekannteste Art der Gruppe ist der Coati der Brasilianer, den wir Nasenbär nennen wollen ( Nasua narica), aus Ostbrasilien stammend. Seine Gesamtlänge beträgt 1 bis 1,05 Meter, wovon etwa 45 Zentimeter auf den Schwanz kommen, die Höhe am Widerrist 27 bis 30 Zentimeter. Die dichte und ziemlich lange, jedoch nicht zottige Behaarung besteht aus straffen, groben, glänzenden Grannen, die sich am Schwanze verlängern, und kurzem, weichem, etwas krausem Wollhaar, das namentlich auf dem Rücken und an den Seiten dicht steht. Starke Schnurren und lange Borstenhaare finden sich auf der Lippe und über dem Auge; das Gesicht ist kurz behaart. Die auf dem Rücken zwischen Rot und Graubraun wechselnde Grundfärbung geht auf der Unterseite ins Gelbliche über; Stirn und Scheitel sind gelblichgrau, die Lippen weiß, die Ohren hinten bräunlichschwarz, vorn graulichgelb. Ein runder, weißer Flecken findet sich über jedem Auge, ein anderer am äußersten Winkel desselben, und zwei, oft zusammenfließende, stehen unter dem Auge, ein weißer Streifen läuft längs der Nasenwurzel herab. Der Schwanz ist abwechselnd siebenmal braungelb und siebenmal schwarzbraun geringelt.

Als bestimmt verschiedene Art bezeichnet Hensel, nach Untersuchung der Schädel, den Weißrüsselbären ( Nasua leucorhyncha) aus Nordbrasilien. In der Größe kommt er dem Coati gleich, und auch die allgemeine Färbung erinnert an diesen. Die Oberseite des Pelzes ist mehr oder weniger dunkel, je nachdem die lichte Färbung der Haarspitzen zurücktritt oder sich bemerklich macht. Das einzelne Haar sieht an der Wurzel rötlich- oder fahlbraun, in der Mitte heller oder dunkler braun, an der Spitze fahl- oder braungelb aus; es entsteht daher eine mehr oder minder ausgesprochene Farbenmischung von Braun, Fahlbraun und Gelbbraun. Ein Ring ums Auge, ein über dem Auge beginnender, gegen die Nasenspitze verlaufender Streifen, die Vorderschnauze oben und unten sind gelblichweiß, Halsseiten und Kehle etwas dunkler, die übrigen Unterteile bräunlich, die Füße ausgesprochen braun, die Ohren innen und am Ende hellfahlgelb. Bei den meisten Stücken herrscht die lichtere Färbung vor; einzelne dagegen sehen sehr dunkel aus.

Wir verdanken Azara, Rengger, Wied und Hensel ausführliche Schilderungen der freilebenden Nasenbären. Nach Wied sollen sich der gesellige und einsame Coati dadurch unterscheiden, daß der eine beständig in Gesellschaften von acht bis zwanzig Stück lebt und herumschweift, der zweite aber einzeln in einem bestimmten Gebiete verweilt und nur während der Brunftzeit mit andern seiner Art sich vereinigt, nach geschehener Begattung aber sich wieder trennt. Der einsame Nasenbär soll mehrere bestimmte Lager anlegen und bald in diesem, bald in jenem die Nacht zubringen, je nachdem er den einen oder den andern Teil des Waldes durchstreift, der gesellige dagegen weder ein Lager, noch ein bestimmtes Gebiet haben, sondern ein echtes Zigeunerleben führen, den Tag über im Walde umherlaufen und da, wo ihn die Nacht überfällt, in einem hohlen Baume oder unter Baumwurzeln sich verkriechen, auch wohl in eine von mehreren Ästen gebildete Gabel niederlegen, um hier bis zum nächsten Morgen zu schlafen. Seine Gesellschaften ziehen zerstreut umher und lassen dabei beständig eigentümlich rauhe, halb grunzende, halb pfeifende Töne hören, die man viel eher vernimmt, als man die Bande selbst gewahrt. Dabei wird der mit Laub und Ästen bedeckte Boden gründlich untersucht, jede Spalte, jeder Ritz durchstöbert, eine um die andere Nase schnuppernd in dieses oder jenes Loch gesteckt; aber niemals hält sich die Gesellschaft lange bei einem Gegenstande auf. Der Einsiedler dagegen zieht still und langsam dahin, untersucht ebenfalls jeden Gegenstand, jedoch äußerst bedächtig und nimmt sich ordentlich Zeit zu allen seinen Verrichtungen, jedenfalls deshalb, weil er keine Gewerbsbeeinträchtigung von seiten seiner Artgenossen zu befürchten hat. Zuweilen sieht man die ganze Gesellschaft plötzlich einen Baum besteigen, der dann schnell durchsucht und ebenso schnell verlassen oder aber mit einem andern vertauscht wird. Der Einsiedler ist zu solchen Kletterjagden viel zu faul und bleibt unten auf dem Boden. Bei den gesellig lebenden bemerkt man übrigens niemals eine besondere Übereinstimmung in den Handlungen der verschiedenen Mitglieder einer Bande; jedes handelt für sich und bekümmert sich nur insofern um seine Begleiter, als es bei der Truppe bleibt, die, wie es scheint, von alten Tieren angeführt wird.

Alle diese Angaben werden von Hensel nicht bestritten, die Abweichungen im Betragen der Tiere nur anders gedeutet. »Der Nasenbär«, sagt er, »ist in Brasilien so häufig, daß ich nicht weniger als zweihundert Schädel in meinen Besitz bringen konnte. Aus den Vergleichungen dieser Schädel wie aus vielfältiger Beobachtung des Coati im Freien hat sich ergeben, daß die alten Männchen, die als besondere Art betrachtet worden sind, einsiedlerisch leben. Sie verlassen in einem bestimmten Lebensalter, wenn die langen Eckzähne anfangen abgeschliffen zu werden, den Trupp, den sie bisher mit den Weibchen gebildet hatten, und kehren nur in der Paarungszeit zu ihm zurück. Man bemerkt niemals einsiedlerische Weibchen; wird aber einmal ein einzelnes Coatiweibchen gefunden, so ist es vielleicht durch eine Jagd vom ganzen Trupp versprengt worden, oder der Jäger hat diesen, der ganz in der Nähe war, nicht bemerkt ... Den deutschen Ansiedlern des Urwaldes von Rio Grande do Sul, die mit besonderer Leidenschaft die Jagd auf Coatis betreiben, war die Naturgeschichte dieser Tiere sehr wohl bekannt. Sie alle wußten, daß die Einsiedler nur die Männchen der geselligen Coatis seien, und betrachteten es als eine unzweifelhafte Tatsache, daß man niemals einsiedlerische Weibchen findet.

Die Nasenbären sind Tagtiere. Sie ruhen des Nachts, zeigen dagegen vom Morgen bis zum Abend eine rastlose Tätigkeit. Während des Tages scheinen sie auf einer fortwährenden Wanderung begriffen zu sein, wobei sie keinen ihnen zugänglichen Raum undurchsucht lassen. Ihre Nahrung besteht ohne Zweifel aus allem Genießbaren des Tier- und Pflanzenreiches. Gern gehen sie auch in die Pflanzungen, um den Mais zu plündern, besonders solange die Körner noch weich sind.« Kleine Tiere aller Art werden ihnen zur Beute, Kerbtiere und deren Larven, Würmer und Schnecken scheinen Leckerbissen für sie zu sein. Wenn sie einen Wurm im Boden, eine Käferlarve im faulen Holze ausgewittert haben, geben sie sich die größte Mühe, dieser Beute auch habhaft zu werden, scharren eifrig mit den Vorderpfoten, stecken von Zeit zu Zeit die Nase in das gegrabene Loch und spüren, wie unsere Hunde es tun, wenn sie auf dem Felde den Mäusen nachstellen, bis sie endlich ihren Zweck erreicht haben.

Unter Lärmen und Pfeifen, Scharren und Wühlen, Klettern und Zanken vergeht der Morgen; wird es heißer im Walde, so schickt die Bande sich an, einen passenden Platz zur Mittagsruhe zu finden. Jetzt wird ein gut angelegter Baum oder ein hübsches Gebüsch ausgesucht, und jeder streckt sich hier auf einem Zweige behaglich aus und hält sein Schläfchen. Nachmittags geht die Wanderung weiter, bis gegen Abend die Sorge um einen guten Schlafplatz sie von neuem unterbricht. Bemerken Coatis einen Feind, so geben sie ihren Gefährten sofort durch laute, pfeifende Töne Nachricht und klettern eiligst auf einen Baum; alle übrigen folgen diesem Beispiele, und im Nu ist die ganze Gesellschaft in dem Gezweige des Wipfels verteilt. Steigt man ihnen nach oder schlägt man auch nur heftig mit einer Axt an den Stamm, so begibt sich jeder weiter hinaus auf die Spitze der Zweige, springt von dort herab plötzlich auf den Boden und nimmt Reißaus. Ungestört, steigen die Tiere kopfunterst den Stamm hinab. Sie drehen dabei die Hinterfüße nach außen und rückwärts und klemmen sich mit ihnen fest an den Stamm an. Auf den Zweigen klettern sie vorsichtig weiter, und auf Sätze, wie Affen sie ausführen, etwa von einem Baume zum andern, lassen sie sich nicht ein, obwohl sie es könnten; denn an Gewandtheit geben sie den Affen oder Katzen kaum etwas nach. Auf ebenem Boden sind ihre Bewegungen viel schwerfälliger als im laubigen Geäste der Bäume. Sie gehen hier entweder im Schritte mit senkrecht gehobenem Schwanze oder springen in kurzen Sätzen und berühren dabei immer bloß mit der halben Sohle den Boden. Nur wenn sie stehen oder sich auf die Hinterbeine setzen, ruhen die Füße auf ganzer Sohle. Der Lauf sieht unbehilflich aus, ist aber ein sehr fördernder Galopp. Vor dem Wasser scheinen sie sich zu fürchten und nehmen es nur im höchsten Notfalle an; doch verstehen sie das Schwimmen gut genug, um über Flüsse und Ströme setzen zu können.

Unter den Sinnen steht der Geruch unzweifelhaft obenan, auf ihn folgt das Gehör, während Gesicht, Geschmack und Gefühl verhältnismäßig schwach sind. Bei Nacht sehen sie nicht, bei Tage wenigstens nicht besonders gut, von Geschmack kann man auch nicht viel bei ihnen wahrnehmen, und das Gefühl scheint fast einzig und allein auf die rüsselförmige Nase, zugleich auch das hauptsächlichste Tastwerkzeug, beschränkt zu sein. Gegen Verletzungen sind die Nasenbären ebenso unempfindlich wie gegen Einflüsse der Witterung. Man begegnet zuweilen kranken, die am Bauche mit bösartigen Geschwüren bedeckt sind, weiß auch, daß sie gerade dieser Krankheit häufig unterliegen; dennoch sieht man sie diese Geschwüre mit den Nägeln wütend aufreißen, ohne daß sie dabei irgendein Zeichen des Schmerzes äußern.

Wenn der an eine bestimmte Zeit gebundene Geschlechtstrieb sich regt, kehrt, laut Hensel, der Einsiedler zu seinem Trupp zurück, und es finden nunmehr zwischen den alten Männchen die heftigsten Kämpfe statt. Mit ihren riesenhaften und stets messerscharfen Eckzähnen bringen sie einander gewaltige Wunden bei, so daß die Gerber von ihren Fellen keinen Gebrauch machen können. Erst nachdem ein Männchen als Sieger hervorgegangen ist, genießt es dieser Kämpfe Lohn. Die Begattung geschieht wie bei den Hunden. Wie Rengger angibt, wirft das freilebende Nasenbärweibchen im Oktober, d. h. im südamerikanischen Frühling, drei bis fünf Junge in eine Baum- oder Erdhöhle, einen mit dichtem Gestrüpp bewachsenen Graben oder in einen andern Schlupfwinkel. Hier hält es die Brut so lange versteckt, bis sie ihm auf allen seinen Streifereien folgen kann. Dazu bedarf es nicht viel Zeit; denn man trifft öfters ganz junge Tiere, die kaum ihre Schneidezähne erhalten haben, unter den Trupps der älteren an.

Die weißen Bewohner Südamerikas und Mexikos jagen die Nasenbären hauptsächlich des Vergnügens wegen. Man durchstreift mit einer Meute Hunde die Waldungen und läßt durch diese eine Bande aufsuchen. Beim Anblick der Hunde flüchten die Nasenbären unter Geschrei auf die nächsten Bäume, werden dort verbellt und können nun leicht abgeschossen werden. Doch verlangen sie einen guten Schuß, wenn man sie wirklich in seine Gewalt bekommen will; denn die verwundeten legen sich in eine Gabel der Äste nieder und müssen dann mühselig herabgeholt werden. Zuweilen springen verfolgte Coatis wieder auf den Boden herab und suchen laufend zu entfliehen oder einen andern Baum zu gewinnen, werden hier aber von den Hunden leicht eingeholt und trotz alles Widerstandes getötet. Ein einzelner Hund freilich vermag gegen einen Nasenbären nicht viel auszurichten. Zumal der Einsiedler weiß sich seiner scharfen Zähne gut zu bedienen, dreht sich, wenn ihm der Hund nahe kommt, mutig gegen diesen, schreit wütend und beißt furchtbar um sich. Jedenfalls verkauft er seine Haut teuer genug und macht manchmal fünf bis sechs Hunde kampfunfähig, ehe er der Übermacht erliegt. Das Fleisch wird nicht allein von den Eingeborenen, sondern auch von den Europäern gern gegessen. »Junge Nasenbären«, sagt Hensel, »liefern, namentlich wenn sie fett sind, einen vortrefflichen Braten, und auch das Fleisch der Alten ist immer noch wohlschmeckend.« Aus dem Felle verfertigen die Indianer kleine Beutel.

Kein Nasenbär verlangt in der Gefangenschaft eine sorgfältige Behandlung. Ohne Umstände fügt er sich in jede Lage. »Mein zahmer Coati«, sagt Saussure, »begleitete mich monatelang auf meiner Reise. Er war an einer dünnen Schnur befestigt und versuchte niemals diese zu durchbeißen. Wenn ich ritt, hielt er sich den ganzen Tag lang auf dem Pferde im Gleichgewicht. Zu entfliehen trachtete er nicht und verursachte auch sonst keine Störung. Abends befestigte ich ihn an irgend einem Gegenstände oder ließ ihn auch wohl im Hofe frei umherlaufen. Trotz seiner Sanftheit hatte er doch immer Augenblicke von Zorn und suchte zu beißen: eine einfache Strafe aber brachte ihn zur Ruhe. Ein weibliches Tier, das ich mir in demselben Jahre verschaffte, besaß ein noch sanfteres Wesen als das Männchen. Beide wuchsen außerordentlich schnell heran. Das Männchen zeigte schon vor seiner völligen Ausbildung Neigung zum Beißen. Sei es aus Langeweile oder sei es, daß es scherzen wollte, es suchte die Finger zu erhaschen, die man durch die Luftlöcher steckte, und bei meiner Ausschiffung in Frankreich wurde einem Zollbeamten, der allzu neugierig die an einem der Löcher erscheinende fleischige Nase untersuchen wollte, der Finger blutig gebissen.

Mehrere Monate behielt ich meine Nasenbären auf dem Lande nicht weit von Genf. Sie schienen Gefallen an der Gesellschaft des Menschen zu haben und folgten mir selbst auf Spaziergängen, indem sie sich immer rechts und links wendeten, um auf Bäume zu klettern oder Löcher in die Erde zu graben. Sie hatten ein munteres, scherzhaftes Wesen und liebten Affenstreiche. Sobald sie auf ihrem Wege einem Vorübergehenden begegneten, stürzten sie auf ihn los, kletterten ihm auf den Beinen hinauf, waren in einer Sekunde auf seiner Schulter, sprangen wieder auf die Erde zurück und flohen blitzschnell davon, entzückt, eine Eulenspiegelei ausgeführt zu haben. Da nun aber ein solches Abenteuer den meisten Vorübergehenden mehr lästig als angenehm war, so sah ich mich bald genötigt, meinen Nasenbären das freie Umherlaufen zu versagen. übrigens wurde dies Tag für Tag nötiger; denn je mehr sie die Freiheit kennenlernten, um so weniger schienen sie sich um ihren Herrn zu bekümmern. Sie gingen überaus gern spazieren, aber je weiter sie sich entfernt hatten, desto weniger wollte ihnen die Rückkehr gefallen, und ich war oft genötigt, sie aus einer Entfernung von einer Viertelmeile holen zu lassen.

Man hielt sie nun an langen Schnuren auf einer Wiese, und sie belustigten sich damit, die Erde aufzukratzen und nach Kerfen zu suchen, dachten aber auch jetzt nicht daran, die Schnur zu durchbeißen. Dies war im Sommer, und sie hatten also nichts von der Kälte zu leiden. Leider hörten Kinder und Neugierige nicht auf, sie mit Stöcken zu reizen, und so zerstörten sie in ihnen das wenige Gute, das überhaupt noch vorhanden war. Nachdem die Tiere zwei Monate in freier Luft gelebt hatten, begannen sie, uns erst recht zu schaffen zu machen. Manchmal machten sie sich doch los und liefen ins Weite; nun mußte man sich aufmachen, um sie zu suchen. Am häufigsten fand man sie auf den großen Bäumen der benachbarten Dörfer. Einige Male verwickelte sich die Schnur, die sie nachschleppten, schnürte ihnen den Hals ein, und man fand sie dann halb ohnmächtig oben hängen. Noch immer waren sie gegen ihre Wärter leidlich zahm. So verbrachten sie oft mehrere Stunden mit Schlafen und Spielen auf dem Schoße einer Frau, die vor ihnen keine Furcht hatte und sie auch nicht mit Drohungen erschreckte, ihnen überhaupt sehr gewogen war. Nach und nach nahm das Männchen aber einen immer schlimmeren Charakter an: sowie man es angriff, biß es. Da man nun sah, daß dies gefährlich werden konnte, sperrte man es mit seinem Weibchen in ein leeres und vollkommen abgeschlossenes Zimmer ein. Am nächsten Morgen war kein Coati zu sehen, noch zu hören: sie waren in den Kamin geklettert und vom Dache aus an einem kanadischen Weinstocke heruntergestiegen. Nachdem sie im Dorfe herumgelaufen waren, begegneten sie noch vor Tagesanbruch einer alten Frau, der sie auf den Rücken sprangen. Die Unglückliche, die nicht wußte, wie ihr geschah, stieß sie, indem sie sich von ihnen befreien wollte. Sie sprangen nun zwar weg, brachten ihr aber doch in aller Schnelligkeit noch mehrere bedeutende Bisse bei. Am Morgen fand man sie in einem Gebüsche. Das Männchen, nicht damit zufrieden, auf den Ruf des Wärters nicht gekommen zu sein, leistete sogar beim Fangen noch großen Widerstand. Es wurde nun mit jedem Tage schwieriger, sie frei laufen zu lassen, und ich beschloß klüglich, sie in einen großen Käfig zu setzen, um neuen Unglücksfällen vorzubeugen. Dieser Käfig wurde in den Stall gestellt, aber die Pferde wurden unruhig und schlugen während der ganzen Nacht aus.

Da nun die Winterkälte vor der Tür war und ich meine Coatis nicht im Stalle halten konnte, war ich unentschieden, was ich machen sollte, bis ein neuer Fall mich aus der Unentschlossenheit riß. Das Männchen mißbrauchte eines Tages die Freiheit, die man ihm von Zeit zu Zeit gewährte, und entfloh. Mein Bedienter fand es am Ufer des Sees, gerade damit beschäftigt, die Kiesel umzuwenden. Bei seiner Ankunft sprang der Coati zur Seite und stieß sein gewöhnliches ärgerliches Zwitschern aus. Man war gewöhnt, die Coatis immer am Schwanze zu fangen, weil sie diesen gerade in die Höhe halten und, wenn man sie dann mit ausgestrecktem Arme trägt, nicht imstande sind, sich aufzurichten. So gab man ihnen keine Gelegenheit, ihre Krallen und Zehen zu benutzen, und wenn man sie nachher wieder auf den Boden setzte, zeigten sie gewöhnlich gar keinen Groll. Mein Bedienter, der unsern Flüchtling auf dieselbe Weise gepackt hatte, hielt ihn aber dieses Mal nicht weit genug von seinem Körper ab, und es gelang dem Tiere, diesen zu erreichen und sich emporzuheben. Jetzt zeigte es einen heftigen Zorn. Gegen seine Gewohnheit ließ es sich nicht in den Armen seines Wärters tragen, sondern befreite sich mit Lebhaftigkeit und grub ihm die scharfen Zähne in den Hals ein, wodurch er ihm zwei schreckliche Wunden beibrachte. Einen Augenblick nachher schien es diese Tat zu bereuen und ließ sich ruhig wegtragen. Ein so großer Unfall brachte mich zu dem Entschlusse, mich der Tiere zu entledigen, und da ich nicht wußte, wie ich sie an einen Tiergarten gelangen lassen konnte, beschloß ich ihren Tod.

Aus dem Angegebenen geht die große Beweglichkeit ihres geistigen Wesens hervor. Sie liebten es, sich in der Wonne der Liebkosung zu verlieren, aber sie beschränkten sich darauf, dieselbe zu empfangen, und sie wußten sie nicht anders zurückzugeben, als daß sie den Leuten plump auf Rücken und Schulter sprangen, mehr zum Zeitvertreib als aus Freundschaft.«

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Die dritte Unterfamilie wird gebildet durch die Baumbären ( Cercoleptina), kleine oder höchstens mittelgroße, meist gestreckt gebaute Glieder der Gesamtheit, mit langem, in der Regel greiffähigem Schwanze, kurzen, gekrümmten Zehen und mehr oder weniger einziehbaren Krallen, weshalb die Füße an die der Katzen erinnern.

Es ist noch nicht allzulange her, daß ein Tierführer in Paris mit Fug und Recht erklären konnte, er zeige ein den Naturforschern noch unbekanntes Tier, das er aus Amerika erhalten habe. Um dieselbe Zeit, im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts, kam dasselbe Tier auch nach London und beschäftigte hier die Naturforscher ebenso eifrig wie in Paris. Dieses rätselhafte Geschöpf war ein Wickelbär, den man damals wirklich so gut wie gar nicht kannte. Erst Alexander von Humboldt hat uns genauere Nachrichten gegeben.

 

Der Wickelbär ( Cercoleptes caudivolvulus) erscheint gleichsam als Mittelglied zwischen Bär und Marder, wie der Coati als solches zwischen Bär und Schleichkatze oder der Waschbär als solches zwischen Bär und Affe betrachtet werden kann. Der sehr gestreckte, aber plumpe Leib steht auf niederen Beinen; der Kopf ist ungemein kurz, dick und sehr kurzschnäuzig; die Augen sind mäßig groß, die Ohren klein, die fünf Zehen halb verwachsen und mit starken Krallen bewehrt, die Sohlen nackt. Der mehr als körperlange Schwanz ist ein ebenso vollkommener Wickelschwanz wie der mancher Beuteltiere oder der Brüllaffen. Erwachsen mißt der Wickelbär 90 Zentimeter, wovon 47 Zentimeter auf den Schwanz kommen, bei 17 Zentimeter Schulterhöhe. Die sehr dichte, ziemlich lange, etwas gekrauste, weiche, sammetartig glänzende Behaarung ist auf der Ober- und Außenseite licht graulichgelb mit einem schwachrötlichen Anfluge und schwarzbraunen Wellen, die namentlich am Kopfe und am Rücken deutlich hervortreten, das einzelne Haar an der Wurzel grau, sodann gelblichrötlich und an der Spitze schwarzbraun. Vom Hinterhaupte zieht sich ein breiter und sicher begrenzter, dunkler Streifen längs des Rückgrats bis zur Schwanzwurzel. Die Unterseite ist rötlichbraun, gegen den Bauch hin lichter, die Außenseite der Beine schwarzbraun. Auch über die Mitte des Bauches verläuft ein dunkelrostbrauner Streifen. Der Schwanz ist an der Wurzel braun, in der letzten Hälfte fast schwarz.

Gegenwärtig wissen wir, daß der Wickelbär weit verbreitet ist. Er findet sich im ganzen nördlichen Brasilien, in Neugranada, Peru, Guayana, Mexiko, ja noch im südlichen Luisiana und Florida. Nach Humboldt ist er besonders am Rio Negro und in Neugranada häufig. Er lebt in den Urwäldern, zumal in der Nähe von großen Flüssen, und zwar auf Bäumen. Seine Lebensweise ist eine vollkommen nächtliche; den Tag verschläft er in hohlen Bäumen, des Nachts aber zeigt er sich sehr lebendig und klettert außerordentlich gewandt und geschickt in den hohen Baumkronen umher, seiner Nahrung nachgehend. Dabei leistet ihm sein Wickelschwanz vortreffliche Dienste. Er gibt kaum einem Affen an Klettergewandtheit etwas nach. Alle seine Bewegungen sind äußerst behend und sicher. Er kann sich mit den Hinterfüßen oder mit dem Wickelschwanze an Ästen und Zweigen festhalten und so gut an einen Baum klammern, daß er mit dem Kopfe voran zum Boden herabzusteigen vermag. Beim Gehen tritt er mit der ganzen Sohle auf.

Obwohl vorzugsweise Pflanzenfresser, verschmäht der Wickelbär doch auch kleine Säugetiere, Vögel und deren Eier oder Kerbtiere und deren Larven nicht. Dem Honig soll er mit besonderer Liebhaberei nachstellen und viele wilde Bienenstöcke zerstören; er wird deshalb von den Indianern gehaßt und hat von den Missionaren den Namen Oso melero ( Honigbär) erhalten. Zur Ausbeutung der Bienenstöcke soll er seine merkwürdig lange und vorstreckbare Zunge, mit der er in die schmalste Ritze, in das kleinste Loch greifen und die dort befindlichen Gegenstände herausholen kann, benutzen, sie durch die Fluglöcher der Bienen bis tief in den Stock stecken, mit ihr die Waben zertrümmern und dann den Honig auslecken.

Über die Fortpflanzung des sonderbaren Gesellen wissen wir noch gar nichts; doch schließt man aus seinen zwei Zitzen, daß er höchstens zwei Junge werfen kann. In der Gefangenschaft hat er meines Wissens sich noch nirgends fortgepflanzt.

Alle, die den Wickelbären bis jetzt beobachteten, stimmen darin überein, daß er dem Menschen gegenüber sanft und gutmütig ist und sehr bald sich ebenso zutraulich und schmeichelhaft zeigt wie ein Hund, Liebkosungen gern annimmt, die Stimme seines Herrn erkennt und die Gesellschaft desselben aufsucht. Er fordert seinen Pfleger geradezu auf, mit ihm zu spielen oder sich mit ihm zu unterhalten, und gehört deshalb in Südamerika zu den beliebtesten Haustieren der Eingeborenen. Auch in der Gefangenschaft schläft er fast den ganzen Tag. Er deckt dabei seinen Leib, vor allem aber den Kopf, mit dem Schwanze zu. Legt man ihm Nahrung vor, so erwacht er wohl, bleibt aber bloß so lange munter, als er frißt. Nach Sonnenuntergang wird er wach, tappt anfangs mit lechzender Zunge unsicheren Schrittes umher, späht nach Wasser, trinkt, putzt sich und wird nun lustig und aufgeräumt, springt, klettert, treibt Possen, spielt mit seinem Herrn, läßt das sanfte Pfeifen ertönen, aus welchem seine Stimme besteht, oder knurrt kläffend wie ein junger Hund, wenn er erzürnt wird. Oft sitzt er auf den Hinterbeinen und frißt wie die Affen mit Hilfe der Tatzen, wie er überhaupt in seinem Betragen ein merkwürdiges Gemisch von den Sitten der Bären, Hunde, Affen und Zibettiere zur Schau trägt. Auch seinen Wickelschwanz benutzt er nach Affenart und zieht mit ihm Gegenstände an sich heran, die er mit den Pfoten nicht erreichen kann. Gegen das Licht sehr empfindlich, sucht er schon beim ersten Tagesdämmern einen dunklen Ort auf, und sein Augenstern zieht sich zu einem kleinen Punkt zusammen. Reizt man das Auge durch vorgehaltenes Licht, so gibt er sein Mißbehagen durch eine eigentümliche Unruhe in allen seinen Bewegungen zu erkennen. Er frißt alles, was man ihm reicht: Brot, Fleisch, Obst, gekochte Kartoffeln, Gemüse, Zucker, eingemachte Sachen, trinkt Milch, Kaffee, Wasser, Wein, sogar Branntwein, wird von geistigen Getränken betrunken und mehrere Tage krank. Ab und zu greift er auch einmal Geflügel an, tötet es, saugt ihm das Blut aus und läßt es liegen. Nach recht lebhafter Bewegung niest er zuweilen öfters hintereinander. Im Zorn zischt er wie eine Gans und schreit endlich heftig. So zahm er auch wird, so eifrig ist er bedacht, seine Freiheit wiederzuerlangen. Ein alter Wickelbär, den Humboldt besaß, entfloh während der Nacht in einen Wald, erwürgte aber noch vorher zwei Felsenhühner, die zu der Tiersammlung des großen Forschers gehörten, und nahm sie gleich als Nahrungsmittel für die nächste Zeit mit sich fort.

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Auch das letzte hier zu erwähnende Mitglied der Bärenfamilie, der Panda oder Katzenbär ( Ailurus fulgens), vertritt eine besondere Sippe und nimmt gewissermaßen eine Mittelstellung zwischen Katze und Waschbär ein. Sein Leib erscheint wegen des dichten und weichen Pelzes plumper, als er ist; der langbehaarte Kopf ist sehr kurz und fast katzenartig, die Schnauze kurz und breit, der lange Schwanz schlaff und buschig behaart, daher sehr dick; die Ohren sind klein und gerundet, die Augen klein; die niedern Beine haben dichtbehaarte Sohlen und kurze Zehen mit starkgekrümmten, spitzigen, halbeinziehbaren Krallen. In der Größe kommt der Panda ungefähr einem starken Hauskater gleich: seine Leibeslänge beträgt 50, die des Schwanzes 35 und die Höhe am Widerrist 25 Zentimeter. Die Behaarung ist dicht, weich, glatt und sehr lang, auf der Oberseite lebhaft und glänzend dunkelrot gefärbt, auf dem Rücken lichtgoldgelb angeflogen, weil hier die Haare in gelbe Spitzen enden; die Unterseite und die Beine mit Ausnahme einer dunkelkastanienroten Querbinde über Außen- und Vorderseite sind glänzend schwarz, die Kinn- und die langen Wangenhaare weiß, nach rückwärts rostgelblich; Stirn und Scheitel spielen ins Rostgelbe; eine rostrote Binde verläuft unterhalb der Augen zum Mundwinkel und trennt die weiße Schnauze von den Wangen; die Ohren sind außen mit schwarzroten, innen mit langen weißen Haaren besetzt; der Schwanz ist fuchsrot, mit undeutlichen, lichteren, schmalen Ringen.

Die Heimat des Panda ist das Gebirgsland südlich vom Himalaya, zwischen Nepal und den Schneebergen. Hier lebt er in Wäldern zwischen 2000 bis 3000 Meter über dem Meere, am liebsten auf Bäumen in der Nähe von Flüssen und Alpenbächen. Alle Bergvölker scheinen ihn seines von ihnen vielfach benutzten Felles halber zu verfolgen; vielleicht ißt man auch, trotz des starken Moschusgeruches, den das gereizte Tier verbreitet, sein Fleisch.

Verglichen mit seinen Familiengenossen kommt der Panda dem Wickelbären am nächsten. Ihm ähnelt er in seinen Bewegungen, seinem Gehen, Laufen, Klettern und in der Art und Weise des Fressens.

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