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Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 5: Raubtiere. Schleichkatzen. Marder. Bären

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 5: Raubtiere. Schleichkatzen. Marder. Bären - Kapitel 2
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authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Säugetiere. Band 5: Raubtiere. Schleichkatzen. Marder. Bären
publisherGutenberg-Verlag
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 5
editorAdolf Meyer
year1927
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Schleichkatzen

Die Familie der Schleichkatzen ( Viverridae), zu der der Erdwolf uns führt, unterscheidet sich von allen bisher genannten Raubtieren durch ihren langgestreckten, dünnen, runden Leib, der auf niedrigen Beinen ruht, durch den langen, dünnen Hals und verlängerten Kopf sowie durch den langen, meist hängenden Schwanz. Die Augen sind gewöhnlich klein, die Ohren bald größer, bald kleiner, die Füße vier- oder fünfzehig und die Krallen bei vielen zurückziehbar. Neben dem After befinden sich zwei oder mehrere Drüsen, die besondere, aber selten wohlriechende Flüssigkeiten absondern und diese zuweilen in einer eigentümlichen Drüsentasche aufspeichern.

Im allgemeinen ähneln die Schleichkatzen unsern Mardern, die sie in den südlichen Ländern der alten Welt vertreten. Andererseits erinnern sie oder doch viele von ihnen an die Katzen, und man darf wohl sagen, daß sie Verbindungsglieder zwischen beiden Gruppen darstellen. Von den Mardern unterscheidet sie hauptsächlich das Gebiß, das schärfer und spitzzackiger ist und zwei Kauzähne im Oberkiefer enthält, während bei den Mardern bloß einer vorhanden ist. Der Schädel ist gestreckt, die Brauenfortsätze des Stirnbeins sind stark entwickelt, die Jochbogen wenig abstehend. Die Wirbelsäule besteht aus 31 Wirbeln, von denen 13 oder 15 Rippen tragen; der Schwanz enthält außerdem 20 bis 34 Wirbel.

Die Schleichkatzen sind in ihrer Verbreitung ziemlich beschränkt. Sie bewohnen, mit Ausnahme einer einzigen amerikanischen Art, den Süden der alten Welt, also vorzugsweise Afrika und Asien. In Europa finden sich zwei Arten der Familie, und zwar ausschließlich in den Ländern des Mittelmeeres, die eine nur in Spanien. Die Sippen erschienen bereits in der Vorzeit auf der Erdoberfläche. In der gegenwärtigen Schöpfung zeichnen sie sich, wie die Marder, durch großen Formenreichtum aus, und zwar auf weit beschränkterem Gebiete als diese. Ihre Aufenthaltsorte sind so verschieden wie sie selbst. Manche wohnen in unfruchtbaren, hohen, trockenen Gegenden, in Wüsten, Steppen, auf Gebirgen oder in den dünn bestandenen Waldungen des wasserarmen Afrikas und Hochasiens, andere bevorzugen die fruchtbarsten Niederungen, zumal die Ufer von Flüssen oder Rohrdickichte, allen übrigen Orten; diese nähern sich den menschlichen Ansiedelungen, jene ziehen sich scheu in das Dunkel der dichtesten Wälder zurück; die einen führen ein Baumleben, die andern halten sich bloß auf der Erde auf. Felsspalten und Klüfte, hohle Bäume und Erdlöcher, die sie sich selbst graben oder in Besitz nehmen, dichte Gebüsche usw. bilden ihre Behausung und Ruheorte während derjenigen Tageszeit, die sie der Erholung widmen.

Um das Wesen der Schleichkatzen zu schildern, will ich Beobachtungen wiederholen, die ich vor einigen Jahren in Gemeinschaft mit meinem Bruder veröffentlicht habe. Die meisten Schleichkatzen sind Nachttiere, viele aber rechte Tagtiere, die, mit Ausschluß der Mittagszeit, solange die Sonne am Himmel steht, jagend sich umhertreiben, nach Sonnenuntergang aber in ihre Schlupfwinkel sich zurückziehen. Nur höchst wenige dürfen als träge, langsam und etwas schwerfällig bezeichnet werden; die größere Anzahl steht an Behendigkeit und Lebhaftigkeit hinter den gewandtesten Raubtieren nicht zurück. Einige Gruppen geben sich als echte Zehengänger kund, während andere beim Gehen mit der ganzen Sohle auftreten; einzelne Arten klettern, die meisten dagegen sind auf den Boden gebannt. Dem Wasser gehört keine einzige Schleichkatze an. Ihr Tagleben unter vorzugsweisem Aufenthalt auf dem Boden unterscheidet die Schleichkatzen von den Mardern, denen sie in mehr als einer Hinsicht ähneln; mehr noch aber weichen beide Tiergruppen hinsichtlich ihres Wesens voneinander ab. Die Marder sind, wie bekannt, unruhige, unstete Tiere, die, einmal in Bewegung, kaum eine Minute lang in einer und derselben Stellung, ja kaum an demselben Orte verweilen können, vielmehr unablässig hin und her laufen, rennen, klettern, schwimmen, scheinbar zwecklos sich bewegen, und alles, was sie tun, mit einer fast unverständigen Hast ausführen: die Schleichkatzen sind beweglich wie sie, viele von ihnen mindestens ebenso gewandt; allein ihr Auftreten ist doch ein ganz anderes. Eine gewisse Bedachtsamkeit macht sich bei ihnen unter allen Umständen bemerkbar. Ungeachtet aller Behendigkeit erscheinen ihre Bewegungen gleichmäßiger, einhelliger, überlegter und deshalb anmutiger als die der Marder. Den Ginsterkatzen gebührt hinsichtlich der Beweglichkeit die Krone. Es gibt kaum Säugetiere weiter, die wie die kleineren schlanken Arten dieser Gruppe in förmlich schlangenhafter Weise über den Boden dahingleiten. Geschmeidig wie sie, wenn es sein muß, flüchtig und ebenfalls behend, treten die Rollmarder doch sehr verschieden auf. Sie verdienen den von mir der Gruppe gegebenen Namen Schleichkatzen am meisten; denn kein mir bekanntes Mitglied ihrer Ordnung schleicht so bedachtsam und so vorsichtig dahin wie sie. Die Schnelligkeit, mit der sie auf ihre Beute springen, steht mit der Langsamkeit ihres gewöhnlichen Ganges im sonderbarsten Widerspruch. Anders wiederum bewegen sich die Tagtiere der Familie: die Mangusten. Sie haben die niedrigsten Beine unter allen Verwandten; ihr Leib schleppt beim Gehen fast auf dem Boden, und die Seitenhaare des Bauches berühren diesen wirklich; sie schleichen aber nicht, sondern trippeln mit ungemein raschen Schritten eilfertig dahin. Auch sie sind rastlos, jedoch nicht unstet. Auf ihrem Gange untersuchen sie alles; dies aber geschieht mit einer gewissen Folgerichtigkeit: sie gehen ihren Weg fort und schweifen wenig von der einmal angenommenen Richtung ab. Ihre Bewegungen sind mehr sonderbar als anmutig, reißen nicht zur Bewunderung hin, fallen aber auf, weil man ähnliches bei andern Säugetieren nicht bemerkt. Erforderlichenfalls legen übrigens auch die Mangusten eine Gewandtheit an den Tag, die höchlichst in Erstaunen setzt.

Unter den Sinnen steht wahrscheinlich bei allen Schleichkatzen der Geruch obenan. Sie spüren wie Hunde, beschnüffeln jeden Gegenstand, der ihnen im Wege liegt, und vergewissern sich durch ihre Nase über das, was ihnen aufstößt. Als der zweitschärfste Sinn dürfte das Gesicht zu bezeichnen sein. Das Auge ist bei den verschiedenen Gruppen abweichend gebildet, der Stern bei der einen kreisrund, bei andern geschlitzt. Am hellsten und klügsten sehen die Mangusten in die Welt; das blödeste Auge haben die Palmenroller oder Rollmarder. Bei ihnen zieht sich der Stern im Lichte des Tages bis auf einen haarfeinen Spalt zusammen, der in der Mitte eine rundliche Öffnung von kaum Hirsekorngröße zeigt; bei den Mangusten ist er fast kreisrund, bei den Zibetkatzen länglichrund. Erstere bekunden sich als vollständige Nachttiere, und gerade ihr langsames Schleichen bei Tage beweist, daß sie wie blind im Dunkeln tappen und in grellem Lichte sich mehr nach Geruch und Gehör als nach ihrem Gesichte richten müssen. Die Zibetkatzen sehen wahrscheinlich bei Tage ebensogut wie bei Nacht, die Mangusten unzweifelhaft bei Tage am besten, erfahrungsgemäß auch in weite Ferne. Das Gehör scheint bei den verschiedenen Gruppen ziemlich gleichmäßig entwickelt, aber doch merklich stumpfer zu sein als die beiden erst erwähnten Sinne. Ob im übrigen der Geschmack das Gefühl oder dieses den Geschmack überwiegt, mag dahingestellt bleiben. Gefühl, und zwar ebensowohl Tastsinn als Empfindungsvermögen bekunden alle, nicht minder aber auch Geschmack, denn sie sind wahre Leckermäuler, denen Süßigkeiten aller Art höchst willkommen zu sein pflegen.

Die geistigen Fähigkeiten der Schleichkatzen können nicht unterschätzt werden. Alle Arten der Familie, die ich im Freileben oder als Gefangene kennengelernt, bekunden viel Verstand und einen in hohem Grade bildsamen Geist. Sie erkennen bald ihnen gespendete Freundlichkeiten an, unterscheiden schon nach wenigen Tagen ihren Wärter von andern Leuten und beweisen durch ihr Benehmen ihre Dankbarkeit für die ihnen gespendete Pflege. Demgemäß ändern sie ihr Betragen nach den Umständen, und auch diejenigen unter ihnen, die anfänglich wild und unbändig sich zeigten, werden binnen kurzem zahm und fügsam, lernen den ihnen gegebenen Namen kennen, achten auf den Anruf und nehmen ihren Freunden schon in den ersten Wochen ihrer Gefangenschaft vorgehaltenes Futter vertrauensvoll aus der Hand. Wenige Tiere lassen sich leichter behandeln, schneller zähmen als sie, und zwar kann man keineswegs sagen, daß die Zähmung nur eine scheinbare, mehr auf Gleichgültigkeit als auf Verständnis beruhende sei; denn gerade die Gefangenen zeigen, wie gut sie zwischen Leuten, die ihnen wohlwollen oder nicht, zu unterscheiden wissen. Sie bekunden Zu- und Abneigung, kommen denen, die sie gut behandeln, freundlich und ohne Mißtrauen entgegen, weichen aber andern, von denen sie irgendeine Unbill zu erdulden hatten, entweder scheu aus oder suchen sich gelegentlich nach besten Kräften und Vermögen zu rächen. Andern Tieren gegenüber betragen sie sich sehr verschieden. Gleichartige leben meist im tiefsten Frieden zusammen, verschiedenartige fallen sich gegenseitig wütend an und kämpfen erbittert auf Tod und Leben miteinander. Auch fremde der gleichen Art, die zu zusammengewöhnten Stücken gebracht werden, haben im Anfang viel zu leiden, und nicht einmal Geschlechtsunterschiede werden jederzeit berücksichtigt. Funkelnden Auges betrachten die Eingesessenen den Eindringling; gesträubten Haares und unter wütendem Fauchen greifen sie sich an. Dann gelten alle Vorteile, die eines der Tiere über das andere erringen kann. Zum Knäuel geballt, rollen und wälzen sich die Streiter in rasender Eile durch den Käfig; der eine ist bald oben, bald unten, bald in der Schlupfkammer, bald außerhalb derselben. Bei Gleichstarken macht ein solcher Kampf nicht viel aus, denn schließlich tritt, namentlich wenn die geschlechtliche Liebe ins Spiel kommt, doch der Frieden ein; ein Schwächerer aber schwebt dem Stärkeren gegenüber stets in Todesgefahr. Wirkliche Freundschaftsverhältnisse sind selten, obschon auch sie vorkommen. So habe ich Rollmarder gepflegt, die wahre Musterbilder zärtlicher Gatten waren, alles gemeinschaftlich taten, zu gleicher Zeit außerhalb ihres Schlafkastens erschienen, gleichzeitig und fast ohne neidische Regungen fraßen, hübsch miteinander spielten und große Sehnsucht an den Tag legten, wenn sie getrennt wurden, auch niemals mit den andern in Streit und Hader gerieten, während solcher bei sich sonst gut vertragenden Mangusten selten gänzlich ausbleibt.

Nur die Zibetkatzen und die Palmenroller verbreiten einen merklichen Moschus- oder Bisamgeruch. Die oben erwähnten Drüsen sondern eine ölige oder fettige, schmierige und stark riechende Masse ab, die sich in dem Drüsenbeutel absetzt, gelegentlich entleert wird, und wie es scheint mit der geschlechtlichen Tätigkeit zusammenhängt. Es ist behauptet worden, daß der Geruch in geschlossenen Räumen unleidlich werden, Kopfschmerz und Ekel erregen könne; an den von mir gepflegten Gefangenen habe ich solche Erfahrungen nicht gemacht. Der Gestank, der von Mardern, oder die kaum minder unangenehme Ausdünstung, die von Wildhunden herrührt, ist weit unerträglicher als der Geruch, den die Zibetkatzen erzeugen. Ein im Freien stehender Käfig, in dem sich mehrere dieser Tiere befinden, verbreitet einen wirklichen Wohlgeruch, weil hier der Bisamduft sich rascher verflüchtigt. Zu- und Abnahme des Geruches ist von mir nicht beobachtet worden.

Wie bei den übrigen Raubtieren schwankt auch unter den Schleichkatzen die Zahl der Jungen ziemlich erheblich, soviel man etwa weiß, zwischen eins und sechs. Die Mütter lieben ihre Brut überaus zärtlich; aber bei einer oder einigen Arten nimmt auch der Vater wenigstens am Erziehungsgeschäfte teil. Die Jungen können durchschnittlich leicht gezähmt werden und zeigen sich dann ebenso zutraulich und gutmütig, wie die Alten bissig, wild und störrisch. Sie dauern in Gefangenschaft gut aus, und manche Arten werden deshalb in gewissen Gegenden in Menge zahm gehalten, damit ihre kostbare Drüsenabsonderung leichter gewonnen werden kann. Andere verwendet man mit Erfolg zur Kammerjagd. Die Gefangenenkost aller Arten besteht in rohem Fleische, Milchbrot und Früchten. Letztere fressen sie gleich den meisten übrigen Raubtieren mit Ausschluß der Katzen sehr begierig, und sie sind ihnen zur Erhaltung ihrer Gesundheit auch gewiß sehr zuträglich. Beachtenswert scheint mir zu sein, daß sie hinsichtlich der Kerne einen Unterschied machen: die Palmenroller, die in Indien und auf den Sundainseln als unliebsame Besucher der Gärten und Kaffeepflanzungen gehaßt werden, fressen von unsern Kirschen die Steine regelmäßig mit, während alle übrigen Sippen bloß das Fleisch verzehren.

Gegen Witterungseinflüsse zeigen die Schleichkatzen sich empfindlich, wenn auch nicht in dem Grade wie andere südliche Tiere. Im Winter müssen sie selbstverständlich in einen geheizten, wenigstens bedeckten Raum gebracht werden, weil sie sich in freistehenden Käfigen, zumal wenn hier Schnee auf den Boden fällt, leicht die Füße erfrieren. Im übrigen verlangen sie keine besondere Pflege. Ein weiches Heulager, auf dem sie sich während der Ruhe zusammengerollt niederlegen, und ein ihnen passender Kletterbaum ist alles, was sie beanspruchen.

Im ganzen mag der Nutzen, den die Schleichkatzen bringen, den durch sie verursachten Schaden aufwiegen. In ihrer Heimat fallen ihre Räubereien nicht so ins Gewicht; der Nutzen aber, den sie auch freilebend durch Wegfangen schädlichen Ungeziefers bringen, wird um so mehr anerkannt, und dieser Nutzen war denn auch Ursache, daß eines unserer Tiere im hohen Altertum von dem merkwürdigen Volke Ägyptens für heilig erklärt und von jedermann hoch geachtet wurde.

Fell und Fleisch werden hier und da ebenfalls verwendet. Von der Ginsterkatze gelangen zwar nicht viele, immerhin aber regelmäßig eine gewisse Anzahl in den Handel; das Fleisch wird, laut Dohrn, wenigstens von den Negern der Prinzeninsel, auf der die Zibetkatze eingeführt worden ist, gern gegessen.

*

Die Zibetkatze oder Civette ( Viverra Civetta) hat ungefähr die Größe eines mittelgroßen Hundes, aber ein mehr katzenartiges Aussehen und steht in ihrem gesamten Bau zwischen einem Marder und einer Katze mitten inne. Der gewölbte, breite Kopf hat eine etwas spitzige Schnauze, kurz zugespitzte Ohren und schiefgestellte Augen mit rundem Stern. Der Leib ist gestreckt, aber nicht besonders schmächtig, sondern einer der kräftigsten in der ganzen Familie; der Schwanz mittellang oder etwa von halber Körperlänge; die Beine sind mittelhoch und die Sohlen ganz behaart. Der dichte, grobe und lockere, doch nicht besonders lange Pelz zeichnet sich durch eine aufrichtbare, ziemlich lange Mähne aus, die sich über die ganze Firste des Halses und Rückens zieht und selbst auf dem Schwanze noch bemerklich ist. Von der schönen aschgrauen, bisweilen ins Gelbliche fallenden Grundfarbe zeichnen sich zahlreiche runde und eckige, schwarzbraune Flecken ab, die die allerverschiedenste Stellung und Größe haben, auf den Seiten des Körpers, bald der Länge nach, bald der Quere aneinandergereiht sind und auf den Hinterschenkeln deutliche Querstreifen bilden. Die Rückenmähne ist schwarzbraun, der Bauch heller als die Oberseite, und die schwarzen Flecken sind hier weniger deutlich begrenzt. Der Schwanz, der an der Wurzel noch ziemlich dick behaart ist, hat etwa sechs bis sieben Ringe und endigt in eine schwarzbraune Spitze. An jeder Seite des Halses befindet sich ein langer, viereckiger, schräg von oben nach hinten laufender, weißer Flecken, der oben und hinten durch eine schwarzbraune Binde begrenzt und oft durch einen schwarzbraunen Streifen in zwei gleiche Teile getrennt wird. Die Nase ist schwarz, die Schnauze an der Spitze weiß und in der Mitte vor den Augen hellbraun, während Stirn- und Ohrengegend mehr gelblichbraune und das Genick hinter den Ohren noch hellere Färbung zeigen. Ein großer schwarzbrauner Flecken befindet sich unter jedem Auge und läuft über die Wangen nach der Kehle hin, die er fast ganz einnimmt. Der Leib des Tieres hat etwa 70, der Schwanz 35 Zentimeter Länge; die Höhe am Widerrist beträgt 30 Zentimeter.

Die Heimat der Civette ist Afrika, und zwar hauptsächlich der westliche Teil desselben, nämlich Ober- und Niederguinea. Auch im Osten Afrikas kommt sie, obgleich einzeln, vor; wenigstens ist sie den Sudanesen unter dem Namen »Sobât« recht gut bekannt. In Guinea soll sie trockene, sandige und unfruchtbare Hochebenen und Gebirge bewohnen, die mit Bäumen und Sträuchern bewachsen sind. Wie die meisten Arten ihrer ganzen Familie, ist sie mehr Nacht- als Tagtier. Den Tag verschläft sie; abends geht sie auf Raub aus, und sucht kleine Säugetiere und Vögel, die sie bewältigen kann, zu beschleichen oder zu überraschen. Namentlich die Eier der Vögel sollen ihre Leibspeise bilden, und man behauptet, daß sie im Aufsuchen der Nester großes Geschick zeige und dieser Lieblingsnahrung wegen selbst die Bäume besteige. Im Notfalle frißt sie auch Lurche, ja selbst Früchte und Wurzeln.

In der Gefangenschaft hält man sie in besonderen Ställen oder Käfigen und füttert sie mit Fleisch, besonders aber mit Geflügel. Wenn sie jung eingefangen wird, erträgt sie nicht nur den Verlust ihrer Freiheit weit besser, als wenn sie alt erbeutet wurde, sondern zeigt sich bald sehr zahm und zutraulich. Schon Belon erzählt, daß der florentinische Gesandte in Alexandrien ein zahmes Zibettier besessen habe, das mit den Leuten spielte und dieselben in die Nase, Ohren und Lippen kniff, ohne zu beißen, fügt aber hinzu, daß dies eine sehr große Seltenheit sei und bloß möglich wäre, wenn man ein solches Tier sehr jung erlange. Alt eingefangene lassen sich nicht leicht zähmen, sondern bleiben immer wild und bissig. Sie sind sehr reizbar und heben sich im Zorne nach Art der Katzen empor, sträuben ihre Mähne und stoßen einen heiseren Ton aus, der einige Ähnlichkeit mit dem Knurren des Hundes hat. Der heftige Moschusgeruch, den gefangene Civetten verbreiten, macht sie für nervenschwache Menschen kaum erträglich.

siehe Bildunterschrift

Afrikanische Zibetkatze ( Viverra civetta)

Um den Zibet zu erhalten, bindet man das Tier mit einem Stricke an den Stäben des Käfigs fest, stülpt mit den Fingern die Aftertasche um und drückt die Absonderung der Drüsen aus den vielen Abführungsgängen heraus, die in jene Tasche münden. Den an den Fingern klebenden, schmierigen Saft streift man mittels eines Löffels ab und bestreicht den Drüsensack mit Milch von Kokosnüssen oder auch mit Milch von Tieren, um den Schmerz zu stillen, den das Tier beim Ausdrücken erleiden mußte. In der Regel nimmt man zweimal in der Woche Zibet ab und gewinnt dabei jedesmal etwa ein Quentchen. Im frischen Zustande ist es ein weißer Schaum, der dann braun wird und etwas von seinem Geruche verliert. Der meiste kommt verfälscht in den Handel, und auch der echte muß noch mancherlei Bearbeitung durchmachen, ehe er sich zum Gebrauche eignet. Anfänglich ist er mit Haaren gemengt und sein Geruch so stark, daß man Übelkeiten bekommt, wenn man nur geringe Zeit sich damit zu schaffen macht. Um ihn zu reinigen, streicht man ihn auf Blätter des Betelpfeffers, zieht die feinen beigemengten Haare aus, spült ihn mit Wasser ab, wäscht ihn hierauf mit Zitronensaft und läßt ihn endlich an der Sonne trocknen. Dann wird er in Zinn- oder Blechbüchsen verwahrt und so versendet. Die beste Sorte kommt von der asiatischen Zibetkatze, und zwar von Buro, einer der Mollucken. Auch der javanesische Zibet soll besser sein als der bengalische und afrikanische. Doch beruht wohl dies alles auf dem Grade der Reinigung, den der Stoff erhalten hat. Gewöhnlich liefern die Männchen weniger, aber bessern Zibet als die Weibchen. Gegenwärtig hat der Handel bedeutend abgenommen, weil der Moschus mehr und mehr dem Zibet vorgezogen wird.

Fast genau dasselbe, was ich über die Civette sagen konnte, gilt auch für die Zibete, echte oder asiatische Zibetkatze ( Viverra Zibetha), die längere Zeit für eine Abart der afrikanischen Art gehalten wurde. Sie ist jedoch von dieser nicht bloß durch die Färbung und Zeichnung zu unterscheiden, sondern zeigt auch mancherlei Abweichungen in bezug auf die Gestalt. Ihr Kopf ist spitzer, der Leib schmächtiger, die Ohren sind länger als bei der Civette, und die Behaarung bildet nirgends eine Mähne. Ihre Grundfärbung ist ein düsteres Bräunlichgelb, von welchem sich eine große Anzahl dichtstehender, verschiedenartig gestalteter und einigermaßen in Querreihen geordneter dunkelrostroter Flecken abheben. Ein ausgewachsenes Tier hat 75 Zentimeter Leibes- und 40 Zentimeter Schwanzlänge, bei 30 Zentimeter Höhe am Widerrist. Die asiatische Zibetkatze bewohnt hauptsächlich Ostindien und seine Inseln und wurde durch die Malaien weit verbreitet. Sie lebt im Freien sowohl wie in der Gefangenschaft genau wie die vorige, zeigt sich wie diese bei Tage schläfrig, bei Nacht aber munter.

 

Eine Schleichkatze, die man in der Neuzeit öfters in Tiergärten zu sehen bekommt, ist die Rasse ( Viverra indica). Sie ist bedeutend kleiner, aber langschwänziger als die vorstehend beschriebenen; ihre Leibeslänge beträgt etwa 60 Zentimeter, die Schwanzlänge nicht viel weniger. Ihr sehr schmaler Kopf mit den verhältnismäßig großen Ohren zeichnen sie aus. Der rauhe Pelz ist graugelbbräunlich und schwarz gewässert, reihenweise dunkel gefleckt, der Schwanz mehrfach geringelt. Die Rasse bewohnt einen großen Teil Indiens und der indischen Inseln.

 

Der Linsang ( Viverra gracilis) hat einen sehr spitzen Kopf, einen ungemein langgestreckten, auf niederen Beinen ruhenden Leib, einen beinahe leibeslangen Schwanz und mähnenloses, glattanliegendes Fell. Seine Gesamtlänge beträgt etwa 70 Zentimeter, wovon 30 bis 32 Zentimeter auf den Schwanz kommen. Ein lichtes Grau oder Gelblichweiß bildet die Grundfärbung des feinen und weichen Pelzes; die Zeichnung besteht in schwarzbraunen Flecken und Binden. Die Beine zeichnen dunkle Flecken, den Schwanz sieben breite, dunkle Ringe und das lichte Ende.

 

Die Ginster- oder Genettkatze ( Viverra Genetta) ist die einzige in Europa vorkommende Zibetkatze, und hier mit einer Manguste Vertreter ihrer ganzen Familie. Sie hat im allgemeinen noch ziemlich viel Ähnlichkeit mit den geschilderten Verwandten, und auch die Färbung ist fast dieselbe. Ihr Körper erreicht eine Länge von 50, der Schwanz mißt 40, die Höhe am Widerrist beträgt 15 bis 17 Zentimeter. Der auf sehr niederen Beinen ruhende Leib ist außerordentlich schlank, der Kopf klein, hinten breit und durch die lange Schnauze sowie die kurzen, breiten und stumpf zugespitzten Ohren ausgezeichnet. Die Seher haben einen Katzenaugenstern, der bei Tage wie ein Spalt erscheint. Die Afterdrüse ist seicht und sondert nur in geringer Menge eine fette, nach Moschus riechende Feuchtigkeit ab. Die Grundfärbung des kurzen, dichten und glatten Pelzes ist ein ins Gelbliche ziehendes Hellgrau; längs der Leibesseiten verlaufen jederseits vier bis fünf Längsreihen verschiedenartig gestalteter Flecken von schwarzer, selten rötlichgelb gemischter Färbung, über die obere Seite des Halses vier nicht unterbrochene, in ihrem Verlaufe sehr veränderliche Längsstreifen. Kehle und Unterhals sind lichtgrau; die dunkelbraune Schnauze hat einen lichten Streifen über dem Nasenrücken, einen Fleck vor und einen kleinen über den Augen; die Spitzen des Oberkiefers sind weiß. Der Schwanz ist sieben- bis achtmal weiß geringelt und endet in eine schwarze Spitze.

Das eigentliche Vaterland des äußerst zierlichen und doch dabei so raub- und mordlustigen, bissigen und mutigen Tierchens bilden die Länder des Atlas. Allein es kommt auch in Europa, und zwar vorzugsweise in Spanien und im südlichen Frankreich vor. Schon in Spanien ist die Ginsterkatze ständiger Bewohner geeigneter Aufenthaltsorte, obgleich man ihr nur höchst selten begegnet. Sie findet sich ebensowohl in wald- und baumlosen wie in bewaldeten Gebirgen, kommt jedoch auch in die Ebenen herab. Feuchte Orte in der Nähe der Quellen und Bäche, buschreiche Gegenden, sehr zerklüftete Bergwände und dergleichen bilden bevorzugte Aufenthaltsorte. Hier stöbert sie der einsame Jäger zuweilen auch bei Tage auf; gewöhnlich aber ist sie wegen der Gleichfarbigkeit ihres Felles mit dem Geklüfte oder auch mit der bloßen Erde selbst so rasch verschwunden, daß er nicht zum Schusse kommt. Sie schlängelt sich wie ein Aal, aber mit der Gewandtheit eines Fuchses zwischen den Steinen, Pflanzen, Gräsern und Büschen hin und ist in wenigen Minuten durch diese vollständig verborgen.

*

Als einziger Vertreter der Zibettiere in Amerika kann man das Katzenfrett oder den Cacamizli der Mexikaner ( Bassaris astuta) ansehen. Die Sippe, die einzig und allein von diesem Tiere gebildet wird, reiht sich aufs engste den Zibetkatzen an, ähnelt aber auch wieder in anderer Hinsicht den Mardern. Das erwachsene Männchen erreicht eine Gesamtlänge von etwa 95 Zentimeter, wovon zwei Fünftel auf den Schwanz zu rechnen sind. In der Gestalt erinnert das Tier an einen kleinen Fuchs, in der Färbung an die Nasenbären. »Es sieht aus«, sagt Bird, »als ob es ein Blendling des Fuchses und des Waschbären wäre. Von dem einen hat es die Gestalt und den listigen Blick, von dem andern den geringelten Schwanz. Der Leib ist schlanker als der des Fuchses, aber gedrungener als der des Wiesels. Das ziemlich weiche, mit einigen längeren Grannen untermengte Haar ist fast so lang wie das eines Fuchsbalgs, der Kopf zugespitzt, die nackte Schnauze lang, das Auge groß, die außen nackten, innen kurz behaarten, gut entwickelten, zugespitzten Ohren stehen aufrecht.« Die Oberseite deckt ein dunkles Braungrau, in das sich schwarze Haare mischen; Wangen und Unterbauch sind gelblich oder roströtlich, die Augen von derselben Färbung und hieraus dunkler umrandet, die Seiten lichter. Längs des Halses herab und über die Beine verlaufen einige verwaschene Binden; der Schwanz ist weiß, achtmal schwarzgeringelt.

Der Cacamizli ist ein lebendiges, spiellustiges und munteres Geschöpf, das in seinen Bewegungen und Stellungen vielfach an das Eichhörnchen erinnert und deshalb von den Mexikanern »Katzeneichhorn« genannt wird. Wenn man es aus seiner Höhle aufstört, nimmt es ganz die anmutigen Stellungen eines Nagers an, indem es den Schwanz über den Rücken legt, doch kann es nicht wie das Hörnchen sich auf die Hinterfüße setzen. Es klettert vorzüglich, vermag aber nicht, mit der Sicherheit und Gewandtheit des Eichhörnchens von einem Ast zum andern zu springen, sondern läuft, wenn es erschreckt wird, solange als möglich auf einem Ast hin und versucht, von dessen Gezweige aus einen andern zu erreichen, dabei sich mit den Klauen einhäkelnd. Zuweilen sieht man es, auf der Oberseite eines Astes gelagert, sich sonnen. Es liegt dann, halb aufgerollt, bewegungslos da, anscheinend schlafend; bei dem geringsten Zeichen der Gefahr aber schlüpft es so eilig als möglich in seine Höhle und erscheint dann erst nach Sonnenuntergang wieder. Clark stöberte ein Weibchen auf, das in einer Felsspalte seine vier oder fünf Jungen säugte. Diese hingen so fest an den Zitzen der Alten, daß sie losgerissen werden mußten, und zwar geschah dies erst einige Stunden nach dem Tode der Mutter. Bis dahin hatten die Jungen kein Zeichen von Unbehagen gegeben. Die Alte schlief, als sie zuerst bemerkt wurde, bekundete aber bei ihrem Erwachen keine Scheu und Furcht vor den Menschen, sondern verteidigte ihr Haus gegen dieselben mit Zähnen und Krallen.

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An die Zibettiere schließen die Palmenroller oder Rollmarder ( Paradoxurus) sich an. Innerhalb ihrer Familie stellen sie die Katzen dar; denn mit diesen stimmen äußerliche und innerliche Merkmale so wesentlich überein, daß einzelne Forscher ihrethalben alle Schleichkatzen nur als eine Unterfamilie der Katzen betrachtet wissen wollen. Sie sind Halbsohlengänger; der hintere Teil ihrer Fußwurzel ist nackt und warzig aufgetrieben. Der Schwanz, der Veranlassung zu dem Namen gegeben hat, kann bei mehreren Arten eingerollt werden; doch fällt diese Eigentümlichkeit keineswegs in besonderem Grade aus. Vorder- und Hinterfüße haben fünf Zehen mit mehr oder weniger einziehbaren Krallen, die wie von den Katzen zum Ergreifen der Beute und zur Verteidigung benutzt werden. An die Katzen erinnert ferner das Auge, dessen Bildung bereits beschrieben wurde. Alle Roller bewohnen Südasien und die benachbarten Eilande, namentlich also die Sundainseln, gehen als vollendete Nachttiere erst nach Sonnenuntergang auf Raub aus, bewegen sich dann gewandt und behend genug, um kleine Säugetiere und Vögel mit Erfolg zu beschleichen und zu ergreifen, nähren sich jedoch auch, zeitweilig sogar vorzugsweise, von Früchten und können wegen ihrer Diebereien in Gärten und Pflanzungen ebenso unangenehm werden wie durch ihre Überfälle der Geflügelställe. Gefangene kommen oft lebend nach Europa, halten sich bei einfacher Pflege jahrelang, pflanzen sich ohne sonderliche Umstände im Käfige fort, fesseln aber ihrer Schlaftrunkenheit bei Tage halber nur wenige, machen sich wegen der Ausdünstung ihrer Drüsen vielen sogar äußerst widerlich.

Der Palmenroller ( Paradoxurus hermaphroditus) ähnelt in seiner Gestalt und auch hinsichtlich seiner Farbenverteilung den Ginsterkatzen. Seine Größe ist etwa die einer Hauskatze. Der Leib ist gestreckt, obgleich etwas untersetzt; die Füße sind kurz und kräftig; der lange Schwanz kann nach unten und oben zusammengerollt werden. Die Ohren sind mittelgroß; die sehr gewölbten Augen haben braune Iris und großen, äußerst beweglichen Stern, der bis auf eine Haarbreite Spalte oder Ritze zusammengezogen werden kann. Der Pelz besteht aus reichlichen Woll- und dünneren Grannhaaren. Seine Grundfärbung ist gelblich schwarz, erscheint aber nach dem Einfallen des Lichtes verschieden. Drei Längsreihen schwarzer Flecken, die ununterbrochene Längsbinden darstellen, verlaufen zu beiden Seiten des Rückgrats.

 

Auf Java, Sumatra, Borneo und in Siam wird der Palmenroller von dem nahverwandten Musang ( Paradoxurus fasciatus) vertreten. Dieser ist etwas kleiner und hat einen kürzeren, gröberen Pelz. Die Pelzfärbung ändert in hohem Grade ab. Nur ein weißer oder grauer, von der Stirne bis zu den Ohren laufender Streifen scheint allen, die man bis jetzt erhielt, gemeinschaftlich zu sein.

Über das Auftreten des Tieres in den Kaffeepflanzungen Javas und sein Freileben berichtet Junghuhn. Wenn die Früchte der Kaffeebäume heranreifen und sich immer stärker mit Karmesinrot färben, wenn Erwachsene und Kinder beiderlei Geschlechts die roten Beeren von den Ästen streifen und mit gefüllten Körben den abwärts liegenden Trockenplätzen zueilen, »sieht man oft auf dem Boden der Wege, von denen der Kaffeegarten geradlinig und kreuzweise durchschnitten wird, sonderbare, weißliche Kotklumpen eines Tieres liegen, die ganz und gar aus zusammengebackenen, übrigens aber unbeschädigten Kaffeebohnen bestehen. Sie sind die Losung der Musang, der bei den Bergbewohnern als Hühnerdieb berüchtigt ist, aber ebenso von Früchten, besonders von solchen verschiedenartiger wilder Palmen, lebt und vor allem gern die Kaffeegärten während der Fruchtreife besucht, hier auch am häufigsten von den Javanen gefangen wird. Er genießt die fleischige, saftige Hülle der Früchte und gibt dann die unverdauten Kerne wieder von sich. Nach Versicherung der Javanen liefern diese, weil dasTier wahrscheinlich die reifsten Früchte fraß, den allerbesten Kaffee. Außerdem lebt der Musang von Vögeln und Kerbtieren, fängt viele Wildhühner, saugt zahmem und wildem Geflügel die Eier aus und scheint auf letztere besonders erpicht zu sein. Geht man des Abends spät in dem immer stiller werdenden Kaffeewalde spazieren, so trifft man ihn zuweilen an, wie er zwischen den Bäumen dahinspringt. Er ist fröhlich, besonders in der Jugend sehr flüchtig, geschmeidig in seinen Bewegungen und leicht zu zähmen. In der Gefangenschaft begnügt er sich wochenlang mit Pisang und wird bald so anhänglich an das Haus, daß man ihn frei umherlaufen lassen kann. Dem Pfleger, der ihn füttert und ihm zuweilen ein Hühnerei reicht, läuft er auf Spaziergängen nach wie ein Hund und läßt sich von ihm greifen und streicheln.«

 

Eine in China und auf Formosa lebende Art, der Larvenroller ( Paradoxurus larvatus) kommt in der Größe seinen Verwandten etwa gleich. Die Färbung seines dichten und reichlichen Haarkleides ist am Kopfe größtenteils schwarz, an den Wangen, den Unterkiefern, der Kehle und dem Halse aber grau, am Oberkörper gelblichgrau. Von der nackten Nasenspitze an läuft ein weißlicher Streifen über die Stirn zum Hinterkopfe, ein anderer zieht sich unter den Augen und ein dritter über denselben dahin. Die Ohren, die Schwanzspitze und die Füße sind schwarz. »Ich hielt«, sagt Swinhoe, »eine dieser Schleichkatzen mehrere Monate lang angekettet unter meiner Veranda. Sie zog gekochtes Fleisch dem rohen vor, schien sich auch aus Hühnereiern und kleinen Vögeln wenig zu machen. Eine ausgestopfte Schlange erregte sofort ihre Aufmerksamkeit; mit einem Satze sprang sie auf dieselbe los und ergriff und schüttelte sie. Als ich ihr einen Krebs vorlegte, beroch sie ihn und rieb sich dann das Gesicht ab, wie Hunde am Aase zu tun pflegen, fraß ihn jedoch nicht. Frei gelassen, kletterte sie an Türen, Stühlen und Tischen empor, jederseits mit einem Vorderfuße sich festhaltend und mit dem andern nachschiebend. Sie lief der Länge ihrer Kette nach vor- und rückwärts, erhob sich plötzlich auf die Hinterfüße und stieß einen trillernden Schrei aus. Vorübergehende Hunde wußte sie, indem sie nach ihnen schnappte, in gebührender Entfernung zu halten. Während des Tages schlief sie; den größten Teil der Nacht brachte sie wachend zu. Hitze war ihr sehr unangenehm und veranlaßte sie zu beständigem Keuchen.«

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Zu den nächsten Verwandten der Rollmarder zählt ein sonderbares, plumpes Raubtier, der Mampalon ( Cynogale Bennettii). Der Leib dieses merkwürdigen Geschöpfes ist gedrungen und dick, der Kopf lang, die Schnauze ziemlich spitz; Beine und Schwanz sind sehr kurz, die Sohlen nackt, die fünf zur Hälfte verbundenen Zehen mit starkgebogenen Krallen bewehrt. Besonders auffallend ist der starke, aus langen, gelblichweißen Borsten bestehende Bart, hinter und über dem dünnere, braune Borstenhaare stehen, wie sich auch an den Wangen zwei Bündel langer und starker, weißlicher Borsten befinden. Die Färbung des Pelzes ist gelblichbraun. Die Körperlänge beträgt 60 bis 65 Zentimeter, die des Schwanzes 15 Zentimeter. Das Tier lebt an Gewässern auf Sumatra und Borneo, klettert aber auch mit ziemlichem Geschick auf schrägstehenden Bäumen und starken Ästen umher und nährt sich von Fischen, Vögeln und Früchten.

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In der zweiten Hauptgruppe vereinigt Gray unter dem Namen » Hundefüßige« ( Cynopoda) die Arten mit verlängertem Leibe mehr oder minder kurzen Beinen, schwachen Hinterfüßen, geraden, schlanken, freien, seitlich etwas zusammengedrückten, durch vorstehende und stumpfe, nicht zurückziehbare Krallen bewehrten Zehen und nackten oder dünn behaarten Sohlen, meist harschem, aus starken und steifen, geringelten Haaren bestehendem, ungemähntem Pelz und stark behaartem, ungeringeltem Schwanz. Ihr Augenbrauenring pflegt vollständig zu sein oder ist dies nur in der Hinteren Ecke nicht; die Aftertaschen sind eng oder fehlen vollständig.

Unter den hierher zu zählenden Tieren stehen die seit den ältesten Zeiten hochberühmten Mangusten oder Ichneumonen obenan, weil sie nicht allein die Gruppe am vollkommensten darstellen, sondern auch die allgemeine Beachtung am meisten verdienen.

Die Mangusten ( Herpestes) kennzeichnen sich außer durch die vorstehend angegebenen noch durch folgende Merkmale: Ihr regelmäßig auf niederen Beinen ruhender Leib ist gestreckt und walzenförmig, der Kopf klein oder doch nur mittelgroß, die Schnauze zugespitzt, das Auge ziemlich klein, der Augenstern kreis- oder länglichrund, das Ohr kurz und rundlich, die Nase kurz, nackt, unten glatt, in der Mitte gefurcht, der Hinterfuß wie der Vorderfuß fünfzehig, der Schwanz kegelförmig, das Fell rauh und langhaarig. Vierzig meist große, kräftige Zähne mit wohlentwickelten Nebenhöckern, deren erster Lückzahn oft verkümmert, bilden das Gebiß; 7 Hals-, 10 Rücken-, 9 Lenden- und 22 bis 29 Schwanzwirbel setzen die Wirbelsäule zusammen; 13 bis 15 Wirbel tragen breite und starke Rippen. Das übrige Geripp ähnelt dem anderer Schleich-, zumal der Zibetkatzen.

 

Wie billig, wenden wir unsere Aufmerksamkeit zunächst dem Ichneumon zu, der » Ratte der Pharaonen«, dem heiligen Tiere der alten Ägypter ( Herpestes Ichneumon), eingedenk seines aus den ältesten Zeiten auf die unseligen herübergetragenen Ruhmes und der Achtung, die er früher genoß. Schon Herodot sagt, daß man die Ichneumonen in jeder Stadt an heiligen Orten einbalsamiere und begrabe. Strabo berichtet, daß jenes vortreffliche Tier niemals große Schlangen angreife, ohne einige seiner Gefährten zu Hilfe zu rufen, dann aber auch die giftigsten Würmer leicht bewältige. Sein Bild diene deshalb in der heiligen Bilderschrift zur Bezeichnung eines schwachen Menschen, der den Beistand seiner Mitmenschen nicht entbehren kann. Aelian dagegen behauptet, daß es allein auf die Schlangenjagd ausgehe, jedoch mit großer List und Vorsicht sich im Schlamme wälze und diesen an der Sonne trockne, um so einen Panzer zu erhalten, der den Leib vor seinem Gegner schütze, während es die Schnauze dadurch vor Bissen sichere, daß es seinen Schwanz über dieselbe schlage. Aber die Sage ist hiermit noch nicht zufrieden, sondern teilt dem mutigen Kämpfer für das öffentliche Wohl noch ganz andere Dinge zu, wie Plinius mitteilt. Das Krokodil nämlich legt sich, wenn es sich satt gefressen hat, gemütlich auf eine Sandbank und sperrt dabei den zähnestarrenden Rachen weit auf, jeglichem Verderben drohend, der es wagen wollte, sich ihm zu nähern. Nur einem kleinen Vogel ist dies gestattet – und zwar, wie ich selbst beobachtet habe, in der Tat und Wahrheit! – er ist so frech, zwischen den Zähnen heraus sich die Speise abzupicken, die dort hängen geblieben ist. Außer ihm fürchtet aber jedes andere Tier die Nähe des Ungeheuers, nur der Ichneumon nicht. Er naht sich leise, springt mit kühnem Satze in den Rachen, beißt und wühlt sich die Kehle hindurch, zerfleischt dem schlafenden Krokodil das Herz, tötet es auf diese Weise und öffnet sich nun, blutbefleckt, vermittels seiner scharfen Zähne einen Ausweg aus dem Leibe des Ungetüms. Oder aber, er schleicht umher und spürt die Stellen aus, wo das gefürchtete Kriechtier seine zahlreichen Eier abgelegt hat, und scharrt und wühlt hier, bis er zu dem verborgenen Schatze in der Tiefe gelangt ist; dann macht er sich darüber her und frißt in kurzer Zeit, der Wachsamkeit der Mutter ungeachtet, das ganze Nest aus und wird hierdurch zu einem unschätzbaren Wohltäter der Menschheit. Daß auch die Ägypter solche Sagen geglaubt haben, daß sie von ihnen aus erst jenen Schriftstellern berichtet wurden, ist unzweifelhaft; aber die sonst so genauen Naturbeobachter haben sich hierbei doch einer großen Täuschung hingegeben. Denn alle die schönen Sagen über unser Tier sind falsch. Allerdings ist es erst der Neuzeit vorbehalten gewesen, Genaues über die Sitten und Lebensweise des Ichneumon zu erforschen; aber schon seit einigen Jahrhunderten haben mehrere Reisebeschreiber ihren Zweifel über den überwiegenden Nutzen des Ichneumon ausgesprochen, und die Sagen könnten somit als erledigt gelten.

Und doch ist dies nicht der Fall. Kurz, nachdem ich von Afrika zurückgekehrt war, teilte ich einige meiner Beobachtungen über das Krokodil einer großen Gesellschaft mit, konnte aber einzelne Mitglieder derselben keineswegs befriedigen, weil ich eben von dem mutvollen, klugen Tiere, das dem Krokodil, »dieweil es eben schläft«, in den Rachen kriecht, kein Wort gesagt hatte. Das kam daher, weil ich bei den heutigen Bewohnern des Niltals niemals eine Spur jener Achtung, die ein so nützliches Tier genießen müßte, bemerken konnte, vielmehr die unzweifelhaftesten Beweise einer Mißachtung, sogar eines gewissen Grolles, die dem menschenfreundlichen und krokodilfeindlichen Ichneumon galten, in Erfahrung brachte. Auch ich will gar nicht leugnen, daß ich selbst vor meiner Reise nach Afrika eine große Achtung vor unserm Tiere hatte; als ich dasselbe aber kennengelernt und die unzählbaren Verwünschungen gegen seine in der Tat vielseitigen Unternehmungen vernommen hatte, änderte sich meine Anschauung und mein Urteil. Ich lernte in dem Ichneumon ein ganz anderes Tier kennen, als ich erwarten durfte; doch hat dieses dabei keineswegs verloren, sondern nur gewonnen.

Der Ichneumon übertrifft, wenn er ausgewachsen ist, an Größe unsere Hauskatze bedeutend; denn die Länge seines Leibes beträgt ungefähr 65 Zentimeter und die des Schwanzes wenigstens 45 Zentimeter. Er erscheint aber wegen seiner niederen Beine kleiner, als er ist. Nur selten findet man ausgewachsene Männchen, die am Widerrist höher als 20 Zentimeter sind. Der Körper ist schlank wie bei allen Schleichkatzen, keineswegs aber so zierlich wie bei den Ginsterkatzen, sondern im Vergleiche zu den meisten seiner Familienverwandten sogar sehr kräftig. Dies zeigt am besten das Gewicht, das ein starker Ichneumon erreichen kann: es beträgt sieben, ja selbst neun Kilogramm. Die Beine sind kurz, die Sohlen nackt und die Zehen fast bis zur Hälfte mit kurzen Spannhäuten verbunden. Der lange Schwanz erscheint durch die lange Behaarung an der Wurzel sehr dick, fast als ob er allmählich in den Körper überginge, und endet mit einer pinselartigen Quaste. Die Augengegend ist nackt, und deshalb treten die kleinen, feurigen, rundsternigen Augen um so mehr hervor. Die Ohren sind kurz, breit und abgerundet. Der After wird von einer flachen Tasche umgeben, in deren Mitte er sich öffnet. Ganz eigentümlich ist der Pelz. Er besteht aus dichten Wollhaaren von rostgelblicher Farbe, die aber überall von den 6 bis 7 Zentimeter langen Haaren überdeckt werden. Diese sind schwarz und gelblichweiß geringelt und enden mit einer fahlgelben Spitze. Hierdurch erhält der ganze Balg eine grünlichgraue Färbung, die zu den Aufenthaltsorten des Tieres vortrefflich paßt. Am Kopfe und auf dem Rücken wird die Färbung dunkler, an den Seiten und dem Bauche fahler; die Beine und die Schwanzquaste sind dunkelschwarz oder ganz schwarz; doch kommen auch Abänderungen vor.

Die Ratte der Pharaonen ist über das ganze nördliche Afrika sowie Nordwestasien verbreitet: sie wird sowohl in Palästina wie in Ägypten und in der Berberei gefunden. Niemals entfernt sie sich weit von Niederungen. Ihre eigentlichen Wohnplätze sind die dicht mit Rohr bewachsenen Ufer der Flüsse und die Rohrdickichte, die manche Felder umgeben. Hier hält sich das Tier bei Tage auf und bildet sich zwischen den Rohrstengeln schmale, aber höchst sorgfältig gesäuberte Gangstraßen, die nach tiefen, jedoch nicht besonders ausgedehnten Bauen führen. In diesen wirft auch das Weibchen in den Frühlings- oder ersten Sommermonaten zwei bis vier Junge, die sehr lange gesäugt und noch viel länger von beiden Alten geführt werden.

Den Namen Ichneumon, der soviel als »Aufspürer« bedeutet, verdient unser Tier in jeder Hinsicht. In seinen Sitten und im geistigen Wesen ähnelt der Aufspürer den gestaltverwandten Mardern, deren unangenehmen Geruch und deren Listigkeit, Diebesgewandtheit und Mordlust er besitzt. Er ist im höchsten Grade furchtsam, vorsichtig und mißtrauisch. Niemals wagt er sich aufs freie Feld, sondern schleicht immer möglichst gedeckt und mit der größten Vorsicht dahin. Einen Ort, den er nicht kennt, besucht er nicht, ohne die größte Besorgnis zu zeigen; gleichwohl streift er ziemlich weit umher.

Nach meinen Beobachtungen geht der Ichneumon nur bei Tage auf Raub aus. Die groben, grünlichgrauen Haare, mit denen sein Körper bedeckt ist, machen es ihm leicht, ungesehen an seine Beute heranzuschleichen und sich hinlänglich Nahrung zu erwerben. Er frißt alles, was er erlisten kann, die Säugetiere vom Hasen bis zur Maus herab, die Vögel vom Huhn oder der Gans bis zum Riedsänger ( Drymoica). Außerdem verzehrt er Schlangen, Eidechsen, Kerbtiere, Würmer usw., und wahrscheinlich auch Früchte. Seine Diebereien haben ihm den größten Haß und die vollste Verachtung der ägyptischen Bauern zugezogen, weil er deren Hühner- und Taubenställe in der unbarmherzigsten Weise plündert und namentlich den Hühnernestern, die dort von den Hühnern ganz nach freier Vögel Art angelegt werden, sehr gefährlich wird. Wirklichen Nutzen bringt er jetzt soviel als nicht; man müßte ihm denn die Vertilgung der Schlangen besonders hoch anrechnen. Gegenwärtig hat er mit den Krokodilen nichts mehr zu schaffen, weil diese in Unterägypten, wo er sich hauptsächlich befindet, gänzlich ausgerottet sind, und somit kann er die rühmlichen Taten seiner Ahnen weder bekräftigen noch widerlegen. Doch will es allen denen, die ihn kennen, scheinen, daß auch seine Ahnen nicht so dumm gewesen seien, in den zähnestarrenden Rachen eines Krokodiles zu kriechen, und jedenfalls haben allen Ichneumonen die Hühnereier von jeher besser geschmeckt als die Eier der Krokodile, die, wie bekannt, von der Mutter sorgsam bewacht werden. Dann ist der Raub solcher Eier eben keine Kleinigkeit: – eine alte Krokodilmutter kann, zumal einem Ichneumone gegenüber, unter Umständen überaus ungemütlich werden.

Wenn man unsern Aufspürer, ohne von ihm bemerkt zu werden, beobachtet, sieht man ihn langsam und bedächtig durch die Felder oder Rohrdickichte schleichen. Sein Gang ist höchst eigentümlich. Es sieht aus, als ob das Tier auf der Erde dahinkröche, ohne ein Glied zu bewegen; denn die kurzen Beine werden von den langen Haaren seines Balges vollkommen bedeckt, und ihre Bewegung ist kaum sichtbar. Zudem sucht er auch immer Deckung und verläßt deshalb das ihn zum größten Teil verbergende Gras, das Getreide oder das ihn ganz versteckende Rohr niemals ohne Not.

In den Sommermonaten gewahrt man ihn selten allein, sondern stets in Gesellschaft seiner Familie. Das Männchen geht voran, das Weibchen folgt, und hinter der Mutter kommen die Jungen. Immer läuft ein Mitglied dicht hinter dem andern, und so sieht es aus, als ob die ganze Kette von Tieren nur ein einziges Wesen sei, einer merkwürdig langen Schlange etwa vergleichbar. Bisweilen bleibt der Vater stehen, hebt den Kopf und sichert, bewegt dabei die Nasenlöcher nach allen Seiten hin und schnauft wie ein keuchendes Tier. Hat er sich vergewissert, daß er nichts zu fürchten hat, so geht es weiter; hat er eine Beute erspäht, so windet er sich wie eine Schlange geräuschlos zwischen den Halmen hindurch, um an jene heranzukommen, und plötzlich sieht man ihn ein oder zwei Sätze machen, selbst noch nach einem bereits aufgeflogenen Vogel. Die ganze Familie tut ihm jede Bewegung nach, wendet den Kopf, schnüffelt nach derselben Richtung hin, untersucht witternd und scharrend dasselbe Mauseloch wie er, oder sieht ihm wenigstens achtsam zu und bemüht sich jedenfalls nach Kräften, ihm so viel als möglich von seinen Kunstgriffen abzulernen. Er übt seine Sprößlinge aber auch besonders im Fange, bringt ihnen z. B. junge, lebendige Mäuse, die er dann vor den hoffnungsvollen Kindern frei läßt, um ihnen das Vergnügen einer Jagd zu bereiten. Wenn er an das Wasser geht, um zu saufen, schreitet er erst sehr furchtsam aus dem Graben, in dem er sich ungesehen hingeschlichen hat, kriecht langsam auf dem Bauche weiter fort und schreckt bei jedem Schritte etwas zurück, beriecht alle Gegenstände und macht einen plötzlichen Sprung nach dem Wasser zu, gerade so, wie wenn er sich auf seine Beute stürzt. Bei seinen Jagden ist seine Vorsicht außerordentlich groß und für den Beobachter höchst ergötzlich. Er lauert vor einem Mauseloche regungslos und schleicht einer Ratte, einem jungen Vogel mit belustigender Bedachtsamkeit nach.

Wahrscheinlich spürt er ebenso vortrefflich wie der beste Hund; soviel ist sicher, daß ihn hauptsächlich der Geruch bei seinen Jagden leitet. Trifft er auf Eier, so trinkt er sie aus; von Säugetieren und Vögeln saugt er in der Regel nur das Blut und frißt das Gehirn auf. Er mordet weit mehr, als er bewältigen kann, und wird hierdurch dem zahmen Hausgeflügel viel verderblicher als jedes andere Raubtier seiner Heimat.

Seine Stimme hört man bloß dann, wenn er mit einer Kugel angeschossen worden ist, sonst schweigt er, selbst bei der schmerzhaftesten Verwundung. Doch behaupten die Ägypter, daß er auch zur Paarungszeit sein ziemlich scharfes, eintöniges Pfeifen vernehmen lasse.

Man hat, wie von ihm überhaupt, vieles von seinen Feindschaften mit andern Tieren gefabelt und namentlich hervorgehoben, daß er in dem ihn beeinträchtigenden Fuchse, dem Schakale und in der Waraneidechse gefährliche Feinde habe. Ich kann versichern, daß ich niemals etwas hierauf Bezügliches gesehen noch gehört habe, und soviel dürfte wohl feststehen, daß der Fuchs oder Schakal eben nur mit einem jungen Ichneumon anzubinden wagt, weil die alten sich zu verteidigen wissen. Die Nileidechse oder der Waran ist ihm vollkommen gleichgültig; sie wäre auch viel zu schwach, als daß sie sich mit ihm in einen Kampf einlassen könnte. Der Mensch ist sein schlimmster Feind. Außer ihm kann ihm nur der Nil selbst schaden, wenn er ihm seine Lieblingsplätze unter Wasser setzt: doch schwimmt er vortrefflich, wenn es sein muß, und rettet sich noch bei Zeiten auf jene hohen Dämme, die von einem Dorfe zum andern führen oder die Wasserstraßen einfassen und wegen ihrer dichten Rohrbestände ihm gute Aufenthaltsorte bieten.

Die Jagd des Ichneumon gilt in den Augen aller Ägypter als ein höchst gottseliges Werk. Man braucht nur in ein Dorf zu gehen und dort zu verkünden, daß man den Nims, so heißt unser Tier bei den Arabern, jagen wolle: dann ist gewiß jung und alt mit Freuden behilflich. Der Bauer im Felde wirft Hacke und Spaten weg, der Weber steht vom Arbeitsstuhle auf, der Knabe am Schöpfrade gönnt seinen Ochsen Ruhe und läßt das Feld dürsten, der Schäfer kommt mit seinem Hunde, und alle brennen vor Begierde, den schlimmen Schurken und Spitzbuben vernichten zu helfen. Mit Hilfe jener Leute hält es nicht schwer, den Ichneumon zu erlegen. Man zieht nach einem langen Rohrstreifen hinaus, stellt sich dort auf und läßt die Leute langsam treiben. Das Tier merkt sehr wohl, um was es sich handelt, und sucht, sowie der Lärm der Treiber beginnt, in einem seiner Fluchtlöcher Schutz; doch hilft ihm dieses nur sehr wenig, denn die Araber treiben ihn mit ihren langen Stöcken auch aus den Notbauen heraus, und so sieht er sich gezwungen, in einem andern Rohrbestande Zuflucht zu suchen. Mit äußerster Vorsicht schleicht er zwischen den Stengeln dahin, lauscht und wittert von Zeit zu Zeit, hört aber die Verfolger immer näher und näher kommen, und muß sich endlich doch entschließen, über eine Stelle hinwegzulaufen, die ihn nicht vollständig decken kann. Ist sie mit Gras bewachsen, so merkt der dort aufgestellte Jäger gewöhnlich bloß an dem Schwanken der Halme, daß der Ichneumon dahin kriecht, weil dieser sich wohl hütet, durch irgendeine rasche Bewegung sich zu verraten. Man muß mit sehr starkem Blei und aus geringer Entfernung schießen, wenn man ihn töten will; denn er verträgt bei seiner unglaublichen Lebenszähigkeit einen tüchtigen Schuß und entkommt, wenn er bloß verwundet wird, sicher noch.

Bei solchen Jagden kann man unter Umständen sehr überrascht werden, weil in denselben Rohrdickichten, die die Ichneumonen bewohnen, auch andre Tiere während des Tages das sichere Versteck suchen. Mir ist es vorgekommen, daß anstatt des erwarteten Nims ein gewaltiges Wildschwein schnaubend und grunzend hervorbrach und mich, weil ich nur mit dem Schrotgewehr bewaffnet war, in nicht geringe Verlegenheit versetzte. Ein andermal wurde eine Hyäne aufgescheucht, und Schakale kamen bei meinen Jagden ziemlich regelmäßig mit zum Vorschein.

Das Gefangenleben des Ichneumon ist schon von Alpinus geschildert worden. Dieser Forscher besaß einen männlichen Nims mehrere Monate lang und hielt ihn in seinem Zimmer. Er schlief mit ihm wie ein Hund und spielte mit ihm wie eine Katze. Seine Nahrung suchte er sich selbst. Wenn er hungrig war, verließ er das Haus, und nach Verlauf einiger Stunden kehrte er gesättigt zurück. Er war sehr reinlich, schlau und mutig, griff ohne Besinnen große Hunde an, tötete Katzen, Wiesel und Mäuse und richtete unter den Hühnern und andern Vögeln mehrmals arge Verwüstungen an. Durch Benagen aller Dinge, namentlich aber der Bücher, wurde er höchst unangenehm. Von andern Gefangenen erzählen französische Naturforscher, daß sie sich leicht zähmen lassen, sanft werden, die Stimme ihres Herrn unterscheiden und diesem wie ein Hund folgen. Sie sind aber niemals in Ruhe, schleppen alles im Hause umher und werden durch Umwerfen der Gegenstände lästig. Dafür machen sie sich in anderer Hinsicht nützlich. Ein Haus, in dem man einen Ichneumon hält, ist in der kürzesten Zeit von Ratten und Mäusen vollständig gesäubert; denn das Raubtier liegt ohne Unterlaß der Jagd dieser Nager ob. Mit der gefangenen Beute läuft es in einen dunkeln Winkel und beweist durch sein Grunzen und Knurren, daß es dieselbe wohl zu verteidigen wisse.

Auch ich habe gefangene Ichneumons längere Zeit beobachten können. Ein schönes, ausgewachsenes Männchen, das ich pflegte, schien sich im Käfige sehr wohl zu befinden. Das Tier sah höchst gutmütig aus, obschon es die entgegengesetzten Eigenschaften mehrmals betätigte. Andere Mangusten pflegen sich mit ihresgleichen und ähnlichen Arten ausgezeichnet zu vertragen, so daß man ohne Furcht zahlreiche Gesellschaften in einen Raum zusammensperren kann; der Ichneumon aber scheint nur in gewissem Sinne gesellig zu sein. Als ich eines Tages einen Mungos zu ihm setzte, sträubte er augenblicklich sein Fell, so daß er förmlich borstig erschien, und fuhr mit einer beispiellosen Wut auf den Ankömmling los. Im Käfige begann eine tolle Jagd. Der Mungos suchte seinem stärkeren Verwandten zu entgehen, und dieser strebte, ihn so schnell als möglich abzuwürgen. Beide Tiere jagten wie rasend im Raume umher und entfalteten dabei Künste der Bewegung, die man gar nicht vermutet hätte. Sie kletterten wie Katzen oder Eichhörnchen auf Baumstämme oder an dem Gitter hinauf und machten Sätze von auffallender Höhe, durchschlüpften Engen mit Wieselgewandtheit, kurz, bewiesen eine wirklich wunderbare Beweglichkeit. Wir mußten den Mungos so schnell wie möglich wieder einfangen, weil ihn der erregte Ichneumon sicher getötet haben würde. Dieser war auch, nachdem wir seinen Gast entfernt hatten, noch den ganzen Tag in der größten Unruhe. Nicht freundlicher zeigte sich derselbe Gefangene gegen einen seiner Nachbarn, mit dem er, wegen der mangelhaften Bauart der Käfige, durch das Gitter hindurch verkehren konnte, mit einer jungen Wildkatze nämlich. Dieses kleine Tier war schon sehr hübsch eingewohnt und begann sich durch allerlei Spiele zu ergötzen. Da fiel es ihr unglücklicherweise ein, auch mit ihrem Nebengefangenen spielen zu wollen. Der Ichneumon aber packte das arme Geschöpf, das unvorsichtig mit der Tatze durch das Gitter gelangt hatte, sofort am Fuße, zog es dicht an das Gitter heran, erwürgte es und fraß ihm beide Vorderläufe ab.

 

Alle Mangusten ähneln sich in ihrem Leibesbaue und die meisten auch in ihrem Betragen. Die zweitberühmteste Art ist der Mungos oder Mungo ( Herpestes griseus), ein Tier, das die Ratte der Pharaonen in Indien vertritt und bis heutigen Tages den Ruhm seiner Verwandten sich gewahrt hat. Der Mungos ist merklich kleiner als der Ichneumon und hat eine lichtgraue Färbung. Nahe verwandt aber merklich kleiner ist die Goldstaubmanguste ( Herpestes javanicus), ein allerliebstes Tier von dunkelbrauner Färbung mit feiner, goldgelber Sprenkelung, als wäre Goldstaub in das Haar gepudert. Die Art vertritt auf Java und Sumatra den Mungos in jeder Beziehung.

Unter allen Mangusten eignet sich der Mungos, der seiner ganzen Sippschaft den Namen verliehen hat, am meisten zur Zähmung, weil er ein überaus sauberes, reinliches, munteres und verhältnismäßig gutmütiges Tier ist. Man findet ihn deshalb in vielen Wohnungen seiner heimatlichen Länder als Haustier, und er vergilt die ihm gewährte Gastfreundschaft durch seine ausgezeichneten Dienste tausendfach. Wie der Ichneumon, versteht auch er es, das Haus von Ratten und Mäusen zu säubern; aber er tritt ebenso dem abscheulichen Ungeziefer südlicher Länder, Giftschlangen und Skorpionen, mit bewunderungswürdigem Mute entgegen. Als echte Manguste ist er nur bei Tage tätig. Wenn man ihn zuerst in eine fremde Wohnung bringt, läuft er behend umher und hat in der kürzesten Zeit alle Löcher, Spalten und andere Schlupfwinkel untersucht und vermittels seines scharfen Geruchs auch bald ausgefunden, in welcher Höhle sich eines seiner Jagdtiere aufhält. Diesem strebt er nun mit unermüdlichem Eifer nach, und selten mißglückt ihm seine Jagd. Bei schlechter Laune zeigt das sonst gemütliche Tier jedem, der sich ihm nähert, wie ein bissiger Hund die Zähne; doch hält sein Zorn nicht lange an. Mit dem Menschen befreundet er sich bald. Seinem Herrn folgt er nach kurzer Zeit, schläft mit ihm, frißt aus seiner Hand und gebärdet sich überhaupt gänzlich als Haustier. Mit verwandten Arten verträgt er sich, wie ich aus eigener Erfahrung versichern kann, vortrefflich: er denkt gar nicht daran, seinen Mitgefangenen etwas zuleide zu tun.

In der ersten Monatssitzung des Jahres 1871 machte Sclater der Londoner tierkundlichen Gesellschaft Mitteilung über einen zwischen ihm und dem Statthalter von Santa Lucia, Des Voeux, geführten Briefwechsel. Letztgenannter hatte bei meinem verehrten Freunde und Berufsgenossen angefragt, ob es zur Vertilgung der furchtbaren Lanzenschlange, dieser Pest der westindischen Inseln, tunlich und ratsam sei, Mungos, Sekretär und Riesenfischer einzuführen. Sclater antwortete, daß unter den obwaltenden Verhältnissen der Mungos den Vorzug verdiene, und daß er anheimgeben wolle, mit diesem einen Versuch zu wagen, daß er jedoch befürchten müsse, die brave Manguste werde unter den Haushühnern größere Verheerungen anrichten als unter den Giftschlangen, und daß er deshalb anrate, anstatt Einführung gedachter Tiere eine hohe Belohnung auf das Töten der Schlangen zu setzen. Gleichzeitig übersandte er übrigens zwei lebende Mungos, damit man erprobe, ob diese überhaupt Lanzenschlangen angreifen.

Bald nach Ankunft der Tiere gab Des Voeux Bericht über einen stattgefundenen Kampf zwischen einem mutigen Mangusten und der gefürchtetsten aller Giftschlangen. Eine mehr als einen halben Meter lange Lanzenschlange, die man in einer großen Glasflasche eingesperrt hatte, wurde dem aus seinem Käfige entlassenen Mungos gezeigt. Beim ersten Anblick des Giftwurmes bekundete er die größte Erregung, sträubte Fell- und Schwanzhaare, rannte kampfbegierig rund um die Flasche und bemühte sich, den Verschluß, einen Leinenfetzen, mit Zähnen und Nägeln herauszuziehen. Nachdem ihm dies gelungen, glitt die Schlange aus dem Glase und bewegte sich einige Schritte weit im Grase vorwärts. Der Mungos stürzte sich auf sie und versuchte, sie mit Zähnen und Klauen im Nacken zu packen; die Schlange aber, anscheinend vorbereitet auf solchen Angriff, wußte demselben dadurch, daß sie den Leib rasch zurückwarf, sich zu entziehen, griff nun plötzlich ihrerseits an, schnellte sich auf ihren kleinen Feind und schien ihn auch mit den Gifthaken getroffen zu haben, weil der Mungos schreiend hoch vom Boden aufsprang. Doch in demselben Augenblick warf dieser sich auf ihren Nacken und biß und zerfleischte ihn voller Wut. Ein kurzes Ringen folgte; die Lage der Schlange gestattete ihr jedoch nicht, die Fänge zu gebrauchen. Beide Kämpfer trennten sich; die Schlange kroch einige Schritte weit weg, und der Mungos rannte währenddem anscheinend ziellos umher. So vergingen etwa drei Minuten. Die Schlange bewegte sich mit Schwierigkeit, schien ängstlich bestrebt, sich zu entfernen und blieb schließlich still liegen; jetzt plötzlich kehrte der Mungos zu ihr zurück, packte sie in der Mitte ihres Leibes, ohne daß sie sich rührte, und schleppte sie in seinen Käfig, dessen Tür offen stand. Hier angekommen, begann er gemächlich mit dem Verzehren seiner Beute, der er zunächst mit einem Bisse seiner scharfen Zähne den Kopf zermalmte. Der Käfig wurde geschlossen, und die Zuschauer verließen den Kampfplatz, jedoch mit wenig Hoffnung, den mutigen Kämpen lebend wieder zu finden.

Nach Verlauf einer Stunde kehrte man zum Käfig zurück, öffnete und sah den Helden des Kampfes kühlen Sinnes herauskommen, ohne zu bemerken, daß er irgendwelchen Schaden genommen hätte. Bei Untersuchung des Käfigs fand man nur ein kleines Stück vom Schwanze der Schlange vor; alles übrige war verzehrt worden.

Vierzehn Tage später war der tapfere Gesell ebenso munter und rauflustig wie vor dem Kampfe. Ob und wie stark er verwundet worden war, konnte nicht festgestellt werden, weil er alle dahin zielenden Untersuchungen abzuwehren wußte.

»Die Schlange«, so schließt Des Voeux seinen Bericht, »war noch nicht ausgewachsen, aber vollkommen groß genug, um Bisse zu versetzen, an deren Folgen ein Mensch binnen wenigen Stunden erlegen sein würde.«

 

Neben diesen Ausländern müssen wir unsere europäische Manguste, den Melon oder Meloncillo ( Herpestes Widdringtonii), wenigstens erwähnen. Das Tier war den spanischen Jägern schon lange bekannt, ehe es einem Naturforscher in die Hände fiel. Seine Jagd galt als lohnend, weil die Schwanzhaare zu Malerpinseln verwendet, sehr gesucht und zu hohen Preisen bezahlt wurden; aber die Jäger erlegten den Meloncillo eben nur dieser Haare wegen und warfen seinen Balg weg, nachdem sie ihn in ihrer Weise ausgenutzt hatten. Erst im Jahre 1842 erfuhren wir durch Gray, daß auch unser heimatlicher Erdteil eine echte Manguste besitzt.

In Spanien lebt er ganz nach Art des Ichneumon in den Flußniederungen, und zwar hauptsächlich in Estremadura und Andalusien. Er bewohnt fast ausschließlich die Rohrwaldungen und Ebenen, die mit einem Riedgrase, dem Esparto, bewachsen sind. Seine Gesamtlänge beträgt 1,1 Meter, die Länge des Schwanzes ungefähr 50 Zentimeter. Der im ganzen kurze Pelz verlängert sich auf der Rückenmitte und verschwindet fast ganz am Vorderhalse und am Unterleibe, welche Teile beinahe nackt sind. Ein dunkles Grau mit lichterer Sprenkelung ist die Gesamtfärbung; Nase, Füße und Schwanzende sind schwarz.

 

Zu den ausgezeichneten Arten der Gruppe gehört auch die Zebramanguste, Sakie der Eingeborenen ( Herpestes taeniotus). Sie ist eines der kleineren Mitglieder der ganzen Sippschaft, ähnelt jedoch in Gestalt, Sein und Wesen ihren Verwandten vollständig. Die Grundfärbung des reichlichen Pelzes der Zebramanguste erscheint fahlgrau, weil die einzelnen Haare schwarz oder braun, weiß und fahl geringelt sind. Auf dem Kopfe und dem Oberhalse endigen die Haare regelmäßig abwechselnd in schwarze oder braune und weiße, auf dem übrigen Oberkörper abwechselnd in dunkle und fahle Spitzen. Hierdurch entstehen neun bis fünfzehn Paare ziemlich regelmäßig verlaufender, dunkler und heller Querbinden. Die Schnauze und die Unterseite sind rostfarben, die Schwanzspitze ist schwarz. Wie es scheint, kommt die Zebramanguste in ganz Ostafrika, vom Kap der guten Hoffnung an bis nach Abbessinien herab in ziemlicher Anzahl vor.

Schließlich will ich noch eine Art unserer Sippe, die Krabbenmanguste oder Urva ( Herpestes cancrivorus), anführen, weil sie als eigentümliches Mittelglied zwischen den wahren Mangusten und den Vielfraßen erscheint. Gestalt und Gebiß der Urva unterscheiden sich von den der übrigen Mangusten nicht wesentlich, erstere erinnert aber noch mehrfach an den Vielfraß. Die Schnauze ist gestreckt und zugespitzt, der Leib fast wurmförmig, die Zehen, die sich dadurch auszeichnen, daß die Innenzehen vorn und hinten hochgestellt sind, haben große Spannhäute, und die Afterdrüsen sind auffallend entwickelt. In der Gesamtfärbung des Pelzes ähnelt die Urva den übrigen Mangusten. Sie ist oben rotgelblich und graubraun gemischt, die Unterseite und Beine sind gleichmäßig dunkelbraun. In der Größe wird die Urva kaum von einer andern Art ihres Geschlechtes übertroffen; erwachsene Männchen werden über einen Meter lang, wovon ungefähr zwei Fünftel auf den Schwanz kommen. Hodgson entdeckte die Urva in den sumpfigen Tälern Nepals und erfuhr, daß sie ein leidenschaftlicher Krebs- und Krabbenjäger sei.

 

An die bisher genannten Mangusten schließen sich aufs engste einige Tiere an, die gleichsam als süd- und westafrikanische Umprägungen von jenen erscheinen. Der Hauptunterschied liegt in der Fußbildung, da die vorderen Füße fünf, die hinteren vier Zehen haben und die Sohlen teilweise behaart sind. Der Leib ist schlank, das Ohr kurz und rund, die Nase abgestumpft, die Behaarung des Schwanzes seitlich verlängert.

Die Fuchsmanguste oder das Hundsfrett ( Herpestes penicillatus) erreicht an Länge gegen 80 Zentimeter, wovon etwa 30 Zentimeter auf den Schwanz kommen. Der Pelz ist glatt, der Schwanz buschig. Die ziemlich gleichmäßige hellrote Färbung dunkelt am Kopfe und an den Gliedmaßen, die Schwanzhaare mischen sich mit Silbergrau und bilden eine weiße Spitze. Lange, schwarze Schnurren stehen über den Augen und auf den Lippen. Sie lebt vom Kap der guten Hoffnung an nördlich, in den Niederungen und Steppen Südafrikas, nährt sich von Mäusen, Vögeln und Kerbtieren, ist wild und bissig, listig und gewandt, wird aber wenig oder nicht gejagt, und hat deshalb noch keine Beobachter gefunden, die uns über ihr Leben und Treiben, ihre Sitten und Gewohnheiten ausführlich berichten konnten.

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Das Scharrtier oder die Surikate ( Rhyzaena tetradactyla), bis jetzt die einzige Art ihres Geschlechts, die den Forschern bekannt wurde, bewohnt das südliche Afrika, vom Tschadsee an bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung. Der rüsselschnäuzige Kopf, die hohen Beine, die vierzehigen Füße, der gleichmäßig dünnbehaarte Schwanz und das Gebiß, in dem der erste Lückzahn fehlt, unterscheiden die Surikate von den ihr ähnlichen Mangusten. Die Füße, das beste Merkmal des Tieres, das nicht umsonst den Namen Scharrtier erhielt, sind mit langen und starken Krallen bewaffnet, und namentlich die Vorderfüße zeigen diese Krallen in einer Ausbildung, wie sie in der ganzen Familie nicht wieder vorkommt. Mit ihrer Hilfe wird es der Surikate leicht, ziemlich tiefe Gänge auszugraben. Das Weibchen hat ein paar Drüsensäcke in der Nähe des Afters.

In seiner äußern Gestaltung erscheint das Scharrtier als ein Mittelglied zwischen den Mangusten und Mardern. Es ist ein kleines, hochbeiniges Geschöpf von nur 50 Zentimeter Länge, wovon der Schwanz ein Drittel wegnimmt. Der ziemlich graue Pelz erscheint im Grunde graubraun, mit gelblichem Anfluge; von dieser Färbung heben sich acht bis zehn dunklere Binden ab. Die Glieder sind lichter, fast silberfarben, die Lippen, das Kinn und die Backen weißlich, die Schnauzenspitze, ein Ring um die Augen, die Ohren und das Schwanzende schwarz.

Im Pariser Pflanzengarten lebte eine Surikate längere Zeit und gab Gelegenheit, sie zu beobachten. Beim Gehen tritt sie fast mit der ganzen Sohle auf, hält sich aber dennoch hoch. Um zu lauschen, richtet sie sich auf den Hinterbeinen auf; manchmal macht sie dann auch ein paar kleine Schritte. Unter den Sinnen scheint der Geruch am meisten ausgebildet zu sein; das Gehör ist schlecht, das Gesicht nicht besonders gut. Ihre Nahrung spürt sie aus und schnüffelt deshalb fortwährend in allen Winkeln und Ecken umher. Findet sie etwas Auffallendes, so wird es mit der Vorderpfote gefaßt, berochen, oftmals herumgedreht, wieder berochen und dann nach Besinnen verzehrt. Dabei erhebt das Tier seine Speise mit der Vorderpfote, macht einen Kegel, d. h. erhebt sich auf den Hinterfüßen und führt die Nahrung zum Munde. Milch, die sie sehr liebt, nimmt sie, wie alle Flüssigkeiten, lappend zu sich.

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Noch weniger weiß man von dem Kusimanse ( Crossarchus obscurus), einem Bewohner Westafrikas, zumal der Sierra Leona, halb Scharrtier, halb Manguste. Die Schnauze und die Aftertasche hat das Tier mit der Surikate, die Anzahl der Zehen aber mit den echten Mangusten gemein. Der Leib ist gedrungen, der runde Kopf spitzschnauzig, der Schwanz mittellang; die Beine sind ziemlich hoch, alle Füße fünfzehig; das Gebiß hat oben zwei, unten drei Lückzähne. Kleine, runde Ohren, rundsternige Augen mit einem dritten, unvollkommenen Lide, eine lange Zunge und eine verschließbare Aftertasche sind weitere Kennzeichen des Tieres.

Der Kusimanse ist die einzige unterschiedene Art ihres Geschlechts. Er ist etwa 55 Zentimeter lang, wovon ungefähr 20 Zentimeter auf den Schwanz kommen. Der rauhe Pelz ist einfarbig braun, am Kopfe blasser, vorn gelblich.

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