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Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 4: Raubtiere: Hundeartige. Hyänen

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 4: Raubtiere: Hundeartige. Hyänen - Kapitel 5
Quellenangabe
typereport
authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Säugetiere. Band 4: Raubtiere: Hundeartige. Hyänen
publisherGutenberg-Verlag
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 4
editorAdolf Meyer
year1927
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Hyänen.

Unter den Tieren der Schaubuden finden sich regelmäßig einige, denen sich, dank den Erläuterungen des trinkgeldheischenden Tierwärters, die besondere Aufmerksamkeit der Schaulustigen zuzuwenden pflegt. Der Erklärer verfehlt nie, diese Tiere als wahre Scheusale darzustellen, und dichtet ihnen die fürchterlichsten Eigenschaften an. Mordlust, Raublust, Grausamkeit, Blutdurst, Hinterlist und Tücke ist gewöhnlich das geringste, was der Mann ihnen, den Hyänen, zuschreibt; er lehrt sie regelmäßig auch noch als Leichenschänder und Totengräber kennen und erweckt sicherlich ein gerechtes Entsetzen in den Gemütern aller naturkundigen Zuschauer. Die Wissenschaft hat es bis jetzt noch nicht vermocht, solchen Unwahrheiten zu steuern, diese haben sich vielmehr, allen Belehrungen zum Trotze, seit uralter Zeit frisch und lebendig erhalten.

Es gibt wenige Tiere, deren Kunde mit so vielen Fabeln und abenteuerlichen Sagen ausgeschmückt worden wäre wie die Geschichte der Hyänen. Schon die Alten haben die unglaublichsten Sachen von ihnen erzählt. Man behauptete, daß die Hunde Stimme und Sinne verlören, sobald sie der Schatten einer Hyäne träfe; man versicherte, daß die scheußlichen Raubtiere die Stimme des Menschen nachahmen sollten, um ihn herbeizulocken, dann plötzlich zu überfallen und zu ermorden; man glaubte, daß ein und dasselbe Tier beide Geschlechter in sich vereinige, ja selbst nach Belieben das Geschlecht ändern und sich bald als männliches, bald als weibliches Wesen zeigen könne. Das Merkwürdigste bei der Sache ist, daß diese Fabelei Widerklang findet bei allen Völkerschaften, die die Hyänen kennenlernten. Namentlich die Araber sind reich an Sagen über diese Tiere. Man glaubt steif und fest, daß Menschen von dem Genusse des Hyänengehirns rasend werden, und vergräbt den Kopf des erlegten Raubtieres, um bösen Zauberern die Gelegenheit zu übernatürlichen Beschwörungen zu nehmen. Ja, man ist sogar fest überzeugt, daß die Hyänen selbst nichts anderes sind als verkappte Zauberer, die bei Tage in Menschengestalt umherwandeln, bei Nacht aber die Hyänenmaske annehmen, allen Gerechten zum Verderben. Ich selbst bin mehrere Male von meinen arabischen Dienern herzlich und dringend gewarnt worden, auf Hyänen zu schießen, und schauerliche Geschichten wurden mir über die Gewalt der verlarvten, höllischen Geister mitgeteilt.

»Diese verzauberten Menschen, die von Allah, dem Erhabenen, Verdammten«, so sagte mir mein Diener Ali, »können durch den bloßen Blick ihres bösen Auges das Blut in den Adern des Gottseligen zum Stocken und das Herz zum Stillstehen bringen, die Eingeweide austrocknen und den Verstand verwirren. Einer unserer Herrscher, Curschid Pascha, ließ viele von den Dörfern verbrennen   Gott segne ihn dafür!  , in denen sich solche Zauberer befanden, und dennoch ist ihre Anzahl immer noch groß genug, und sie sind übermächtig, zum Schaden der Gläubigen. Zwar wird sie Allah in den tiefsten Pfuhl der Hölle schleudern, allein während sie leben, tut der Gläubige wohl, ihnen aus dem Wege zu gehen und den Bewahrer zu bitten, daß er ihn vor den aus seinem Himmel herabgeschleuderten Teufeln in Gnaden bewahre. Jener Fürst starb eines frühen Todes, denn er verfuhr hart gegen alle Zauberer, und wahrlich!   nur der Blick des bösen Auges hat ihn unter die Erde gebracht. So glaube auch du mir, daß du Übles tust, wenn du dein Gewehr auf jene abfeuerst, die du für Tiere hältst. Zwar sind sie, die höllischen Zauberer, verflucht und die Söhne des Verfluchten; ihnen wird nie das Glück blühen: sie werden nimmermehr die Freuden des Vaters genießen und besäßen sie einen Harem gleich dem des Sultans; sie werden das Paradies nie zu sehen bekommen, sondern in der tiefsten Nacht der Hölle wimmern und ewig verloren sein: aber dem Frommen ist es nicht zuträglich, sie aufzusuchen, und dich, o Herr, habe ich als gerechten Mann erkannt, darum vernimm denn meine Warnung!«

Das Märchen und die Sage sucht sich immer seine Gestalten. Ein Tier, von dem so viel Wunderbares berichtet oder geglaubt wird, muß irgend etwas Absonderliches in seiner Gestalt zeigen. Dies finden wir denn auch bei den Hyänen (Hyaenidae) bestätigt. Sie ähneln den Hunden und unterscheiden sich gleichwohl in jedem Stücke von ihnen; sie reihen sich an jene Familie an und stehen vereinzelt für sich da. Ihr Anblick ist keineswegs anmutig, sondern entschieden abstoßend. Alle Hyänen sind häßlich, weil sie bloß Andeutungen von einer Gestalt sind, die wir in vollendeterer Weise kennen. Der Leib ist gedrungen, der Hals dick, der Kopf stark und die Schnauze kräftig und unschön. Die krummen, vorderen Läufe sind länger als die Hinteren, wodurch der Rücken abschüssig wird, die Füße vierzehig. Die Lauscher sind nur spärlich behaart und unedel geformt; die Seher liegen schief, funkeln unheimlich, unstet, und zeigen einen abstoßenden Ausdruck. Der dicke, scheinbar steife Hals, die buschig behaarte Lunte, die nicht über das Fersengelenk hinabreicht, und der lange, lockere, rauhe Pelz, der sich längs des Rückens in eine schweinsborstenähnliche Mähne verlängert, die düstere, nächtige Färbung der Haare endlich: dies alles vereinigt sich, den ganzen Eindruck zu einem unangenehmen zu machen. Zudem sind alle Hyänen Nachttiere, besitzen eine widerwärtige, mißtönende, kreischende oder wirklich gräßlich lachende Stimme, zeigen sich gierig, gefräßig, verbreiten einen üblen Geruch und haben nur unedle, fast hinkende Bewegungen, offenbaren auch gewöhnlich etwas ganz Absonderliches in ihrem Wesen: kurz, man kann sie unmöglich schön nennen. Die vergleichende Forschung findet noch andere ihnen eigentümliche Merkmale auf. Das Gebiß kennzeichnet den ausschließlichen Fleischfresser. Die außerordentliche Stärke der plumpen Zähne setzt das Tier in den Stand, die Überbleibsel der Nahrung anderer Fleischfresser noch für nutzbar zu machen und die stärksten Knochen zu zerbrechen. Beim Hunde bilden die Schneidezähne in ihrer Reihe einen Kreisabschnitt, bei den Hyänen stehen sie in einer geraden Linie und werden dadurch Ursache zu der vorn breiten, abgeplatteten Schnauze. Die Schneidezähne sind sehr entwickelt, die Eckzähne stumpfkegelig, die Lückzähne durch ihre stark eingedrückten Kronen, die Backenzähne durch ihre Massigkeit ausgezeichnet. Vierunddreißig Zähne bilden das Gebiß; es stehen, wie beim Hunde und anderen Raubtieren, drei Schneidezähne und ein Eckzahn in jeder Kieferhälfte; dagegen trägt der Oberkiefer jederseits nur fünf, der Unterkiefer nur vier Backenzähne. Von diesen wird oben wie unten bloß der letzte nicht gewechselt, ist demnach als der einzige wahre Backenzahn aufzufassen und erscheint im Oberkiefer als kleiner Höckerzahn, während der letzte Zahn des Unterkiefers als Fleischzahn ausgebildet ist. Das Milchgebiß enthält in jeder Kieferhälfte nur drei Backenzähne. Am Schädel sind bemerkenswert: der breite und stumpfe Schnauzenteil, der enge Hirnkasten, die starken und abstehenden Jochbögen und Leisten, im übrigen Gerippe die sehr kräftigen Halswirbel, von denen die Alten glaubten, daß sie zu einem einzigen Stücke verschmölzen, die breiten Rippen usw. Mächtige Kaumuskeln, große Speicheldrüsen, die hornigbewarzte Zunge, eine weite Speiseröhre und eigentümliche Drüsen in der Aftergegend kennzeichnen die Tiere noch anderweitig.

Der Verbreitungskreis der Hyänen ist ein sehr ausgedehnter. Sie finden sich in dem größten Teile Süd- und Westasiens bis zum Altai; besonders häufig sind sie jedoch in ganz Afrika, der Erdteil deshalb auch als ihr eigentliches Vaterland angesehen werden muß. Bei Tage sieht man sie nur, wenn sie durch einen Zufall aufgescheucht wurden; freiwillig verläßt keine Hyäne ihren Schlupfwinkel. Die Nacht muß schon vollständig hereingebrochen sein, ehe sie daran denken, ihre Raubzüge zu beginnen. In stark bewohnten Gegenden wagen sie sich selten bis in die Nähe der Menschen heran; in dünner bevölkerten Landstrichen aber kommen sie auf ihren nächtlichen Wanderungen dreist bis in das Innere der Ortschaften herein. Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang vernimmt man in den einsamsten Gebirgs- und Waldgegenden, in der Steppe oder selbst in der Wüste das Geheul der einzeln oder in kleinen Gesellschaften umherschweifenden Tiere. In den Urwäldern Mittelafrikas und namentlich in den Uferwaldungen des Blauen Flusses bilden diese Heuler einen förmlichen Chor; denn sobald die eine mit ihrem abscheulichen Nachtgesange beginnt, stimmen die anderen augenblicklich ein. Das Geheul der gewöhnlichen (gestreiften) Hyäne ist sehr mißtönend, aber nicht so widerlich, als man gesagt hat. Ich und meine ganze Reisegesellschaft sind durch dasselbe stets in hohem Grade belustigt worden. Es ist sehr verschieden. Heisere Laute wechseln mit hochtönenden, kreischende mit murmelnden oder knurrenden ab. Dagegen zeichnet sich das Geheul der gefleckten Art durch ein wahrhaft fürchterliches Gelächter aus, ein Lachen, wie es die gläubige Seele und die rege Phantasie etwa dem Teufel und seinen höllischen Gesellen zuschreibt, scheinbar ein Hohnlachen der Hölle selbst. Wer diese Töne zum ersten Male vernimmt, kann sich eines gelinden Schauers kaum entwehren, und der unbefangene Verstand erkennt in ihnen sofort einen der hauptsächlichsten Gründe für die Entstehung der verschiedenen Sagen über unsere Tiere. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich die Hyänen mit ihren Nachtgesängen gegenseitig zusammenheulen, und soviel ist sicher, daß die Musik augenblicklich in einer Gegend verstummt, sobald der Heuler irgendwelchen Fraß gesunden hat. Besondere Erscheinungen, die Verwunderung erregen oder Schrecken verursachen, werden von der gestreiften Hyäne immer mit Geheul, von der gefleckten mit Gelächter begrüßt. So erschien, als wir in der Neujahrsnacht von 1850 zu 1851 mitten im Urwalde am Blauen Flusse ein großes Feuer angezündet hatten, um nach unserer Weise das Fest zu feiern, auf der Höhe des steilen Uferrandes eine gestreifte Hyäne, trat so weit vor, daß sie grell von den Flammen beleuchtet und hierdurch allen sichtbar wurde, begann ein jämmerliches Geheul, blieb aber ganz fest stehen und starrte in das Feuer. Erst die Antwort, die wir ihr durch ein schallendes Gelächter gaben, vertrieb sie von ihrem Schauplatze und jagte sie in das Dunkel der Wälder zurück. Das Hyänengeheul ist geradezu unzertrennlich von einer Nacht im Urwalde, weil immer das tonangebende, das die einzelnen anderen Stimmen gleichsam begleitet; denn die übrigen Raub- oder Nachttiere des Waldes, wie Löwe, Panther, Elefant, Wolf und Nachteule, stimmen bloß zuweilen in das endlose Nachtlied der Hyänen ein.

Solange die Nacht währt, sind die umherstreifenden Tiere in steter Bewegung, und erst gegen Morgen hin ziehen sie sich wieder nach ihren Ruheplätzen zurück. In die Städte und Dörfer kommen sie, nach meinen Beobachtungen, selten vor zehn Uhr nachts, dann aber auch ohne Scheu, selbst ohne sich durch die Hunde beirren zu lassen. In der Stadt Sennar am Blauen Flusse traf ich, von einem Gastmahle heimkehrend, um Mitternacht eine sehr zahlreiche Gesellschaft von Hyänen an und hielt sie, weil mich die Tiere sehr nahe an sich herankommen ließen, zuerst für Hunde, bis mich der kreischende, heisere Laut, den die eine ausstieß, belehrte, mit welchen Gästen ich es zu tun hatte. Ein einziger Steinwurf verjagte sie augenblicklich, und sie stoben nun wie dunkle Geister nach allen Seiten hin durch die Straßen der Stadt.

Bei ihren Wanderungen werden die Hyänen ebensowohl durch den Geruch wie durch das Gehör und Gesicht geleitet. Ein stinkendes Aas versammelt regelmäßig zwei oder mehrere von ihnen. Ebenso werden die häßlichen Gesellen durch eine eingezäunte Herde von Schafen, Ziegen oder Rindern herbeigelockt und umschleichen dann mit lüsternen Blicken, bezüglich mit unheimlich grünlichfunkelnden Augen ärgerlich die Umzäunung, die sie nicht zu durchdringen vermögen, und setzen durch ihr Geheul die eingeschlossenen Haustiere in gewaltigen Schrecken. Die wachsamen Hunde jener Gegenden treiben sie stets ohne große Mühe zurück; sie sind trefflich eingeschult, augenblicklich nach der Seite hinzustürzen, von der ihren Schutzbefohlenen eine Gefahr drohen könnte. Es kommt niemals vor, daß eine Hyäne den mutigen Wächtern standhielte! sie ergreift vielmehr immer die Flucht vor der Meute, kommt aber nach sehr kurzer Zeit wieder zurück. Sobald sie eine Beute gewittert hat, verstummt sie und trottet nun, so leise sie kann   denn zum Schleichen bringt sie es nicht   in kurzen Abständen näher und näher, äugt, lauscht und wittert, so oft sie stillsteht, und ist jeden Augenblick bereit, die Flucht wieder zu ergreifen. Die gefleckte Art ist etwas mutiger als die gestreifte, verhältnismäßig zu ihrer Größe aber immer noch erbärmlich feig und furchtsam. Alle Hyänen greifen nur Tiere an, die sich gar nicht wehren, namentlich Schafe, Ziegen, Antilopen, junge Schweine und dergleichen, und auch diese regelmäßig von der Seite. Einen Ochsen oder ein Pferd zerreißen sie äußerst selten, und häufig genug sind Fälle vorgekommen, daß sogar ein mutiger Esel sie in die Flucht geschlagen hat. Sie richten also bloß unter den schwächeren Haustieren Schaden an. In diesem Kreise aber sind die Verwüstungen, die sie verursachen, sehr bedeutend. Auf eine wirkliche Jagd lassen sie sich da, wo der Eingeborene Viehzucht betreibt, nicht ein. Sie erscheinen inmitten der nicht genügend geschützten Herde, würgen ein Tier nieder und fressen es auf, verfahren so aber auch nur dann, wenn sie kein Aas finden. Anders ist es in allen Ländern Afrikas, in denen der halbwilde Mensch noch als Jäger auftritt. Hier werden sie, wie Schweinfurth im Lande der Njamnjam erfuhr, zu wirklichen Jagdtieren, verfolgen und Hetzen des Nachts Antilopen, reißen sie nieder, wie Wölfe ihre Beute, würgen sie ab und fressen sie auf. Solche Jagden müssen jedoch als Ausnahmen angesehen werden. Am liebsten ist es ihnen unter allen Umständen, wenn sie ein Aas finden. Um dieses herum beginnt regelmäßig ein Gewimmel, das kaum zu schildern ist. Sie sind die Geier unter den Säugetieren, und ihre Gefräßigkeit ist wahrhaft großartig. Dabei vergessen sie alle Rücksichten und auch die Gleichgültigkeit, die sie sonst zeigen. Man hört es sehr oft, daß die Fressenden in harte Kämpfe geraten; es beginnt dann ein Krächzen, Kreischen und Gelächter, daß Abergläubische wirklich glauben können, alle Teufel der Hölle seien los und ledig. Durch die Aufräumung des Aases werden sie nützlich; der Schaden, den sie den Herden zufügen, übertrifft jedoch jenen geringen Nutzen weit, weil das Aas auch durch andere, viel bessere Arbeiter aus der Klasse der Vögel und der Kerbtiere weggeschafft werden würde. Den Reisezügen durch Steppen und Wüsten folgen sie in größerer oder geringerer Zahl, gleichsam, als ob sie wüßten, daß ihnen aus solchen Zügen doch ein Opfer werden müsse. Im Notfalle begnügen sie sich mit tierischen Überresten aller Art, selbst mit trockenem Leder und dergleichen. Auf den Schlachtplätzen, die im Innern Afrikas immer vor der Ortschaft liegen, raffen sie das am Boden vertrocknete stinkende Blut gierig auf und verschlingen dabei häufig eine Menge von Erde oder Straßenschmutz; um die Kothaufen der Dorfbewohner sieht man sie regelmäßig beschäftigt.

 

Von der Beute, die eine Hyäne gefaßt hat, läßt sie sich nicht wieder abtreiben. Was sie einmal im Rachen trägt, gibt sie nicht wieder her. Vielfach ist hin- und hergestritten worden, ob die Hyänen auch den Menschen angreifen oder nicht. Die gestreifte tut es ganz entschieden nicht, die gefleckte aber greift Kinder oder schlafende Erwachsene wirklich an und schleppt sie mit sich weg; denn ihre Kraft ist so groß, daß sie bequem einen Menschen forttragen kann. An erwachsene Männer wagt aber auch sie sich wohl nur äußerst selten, und deshalb fürchtet niemand die leibliche Stärke des Tieres.

 

Um die Zeit, in der es die meiste Beute gibt, im Innern Afrikas, also zu Anfang der Regenzeit und im Norden im Frühling, wölft die Hyäne in einer selbstgegrabenen kunstlosen Röhre oder Felsenhöhle auf den nackten Boden drei bis sieben Junge, die sie, solange diese klein und schwach sind, zärtlich liebt und mit vielem Mute verteidigt, später aber, nachdem die Jungen größer geworden, feig verläßt, sobald Gefahr droht. Die Jungen haben eine dichte, feine, aschgraue Behaarung mit einem schwarzen Streifen auf dem Firste des Rückens, von der gleichgefärbte auf die Seite herablaufen, und zwischen denen sich zerstreutstehende Flecken befinden. In frühester Kindheit eingefangene Hyänen kann man sehr leicht zähmen; sie halten auch die Gefangenschaft sehr gut und dauernd aus.

Des Schadens wegen, den diese Raubtiere anrichten, werden sie von den europäischen Ansiedlern und auch von einigen andern Völkerschaften ziemlich regelmäßig und lebhaft verfolgt. Man schießt sie, fängt sie in Fallen oder Fallgruben, vergiftet sie und greift sie lebendig. Letztere Fangart wird namentlich in Ägypten angewandt, und ich kann sie den übereinstimmendsten Nachrichten vieler glaubwürdigen Männer zufolge verbürgen. Der Hyänenfänger begibt sich mit einem wollenen Teppich an einen Felsspalt des Gebirges, in dem er Hyänen zu finden hoffen darf. Vorsichtig weiterschreitend oder, wenn es eine Höhle ist, kriechend, dringt er nach dem Lager des Tieres vor, bis die grünlichfunkelnden Augen ihm seine Beute verraten. Sobald er sich nähert, zieht sich die Hyäne zornig kreischend zurück, soweit sie kann. Am hinteren Ende der Höhle endlich macht sie halt; der Fänger nähert sich ihr, wirft ihr den Teppich über den Kopf und dann sich selbst auf ihn und die Hyäne, sucht das Tier soviel als möglich in denselben zu verwickeln und bringt es dahin, daß der wütende Nächtling sich im Teppich festbeißt. Dann hat jener leichtes Spiel: er bindet die Beine zusammen und wirft schließlich eine Schlinge über den Hals, um daran die Hyäne zu erdrosseln, oder auch bloß auf die Schnauze, um diese zuzuschnüren. Ist dies einmal geschehen, so wird die Hyäne, so sehr sie sich auch sträubt, leicht wehrlos gemacht. Die Mohammedaner benutzen keinen einzigen Teil einer Hyäne, weil das ganze Tier als unrein gilt. Bei den kriegerischen Stämmen der Wüste hält man es sogar für entehrend, sich mit einer Hyäne in Kampf einzulassen, und jede Waffe, die gebraucht worden ist, ein solches Tier zu töten, hat damit in der Meinung der Krieger eine Scharte erhalten, die niemals wieder ausgewetzt werden kann, sie gilt wenigstens zum ferneren Gebrauch der Krieger für unfähig. Deshalb benutzen die Araber des Westens, wie Jules Gerard erzählt, eine ganz eigentümliche Waffe gegen die Hyänen, die wohl sonst niemals mehr angewendet werden dürfte. Sie fassen nämlich eine Hand voll feuchten Schlamm oder einen ähnlichen Stoff und stellen sich damit vor die liegende Hyäne, strecken ihre Hand aus und sagen spottend: »Sieh, mein Tierchen, wie schön ich dich schmücken will mit dieser Henna!« Sobald dann die Hyäne sich erhebt, werfen sie ihr geschickt die Salbe in die Augen, hüllen sie in den Teppich, fesseln sie, bevor sie wieder vollkommen zu Sinnen gekommen ist, bringen sie in ihre Dörfer und überantworten sie hier den Frauen und Kindern, die sie zu Tode steinigen. In der Vorwelt waren die Hyänen über einen weit größeren Teil der Erde verbreitet als gegenwärtig und fanden sich auch in Deutschland ziemlich häufig, wie die vielfach aufgefundenen Knochen der Höhlen- und Vorweltshyänen hinlänglich beweisen.

 

Die Tüpfel- oder gefleckte Hyäne, Tigerwolf der Kapländer (Hyaena crocuta) unterscheidet sich durch ihren kräftigen Körperbau und den gefleckten Pelz von der viel häufiger als sie zu uns kommenden Streifenhyäne und dem einfarbigen Strandwolf. Auf weißlichgrauem, etwas mehr oder weniger ins Fahlgelbe ziehendem Grunde stehen an den Seiten und an den Schenkeln braune Flecken. Der Kopf ist braun, auf den Wangen und auf dem Scheitel rötlich, die Standarte braun geringelt und ihre Blume schwarz; die Pranken sind weißlich. Diese Färbung ändert nicht unbedeutend ab: man findet bald dunklere, bald hellere. Die Leibeslänge des Tieres beträgt etwa 1,30 Meter, ihre Höhe am Widerrist ungefähr 80 Zentimeter.

Die Tüpfelhyäne bewohnt das südliche und östliche Afrika vom Vorgebirge der guten Hoffnung an bis zum 17. Grad nördlicher Breite und verdrängt, wo sie häufig vorkommt, die Streifenhyäne fast gänzlich. In Abessinien und Ostsudan lebt sie mit dieser an gleichen Orten, wird aber nach Süden hin immer häufiger und schließlich die einzig vorkommende. In Abessinien ist sie gemein und steigt in den Gebirgen sogar bis 4000 Meter über die Meereshöhe hinauf. Ihre ganze Lebensweise ähnelt der ihrer Verwandten; sie wird aber ihrer Größe und Stärke halber weit mehr gefürchtet als diese und wohl deshalb auch hauptsächlich als unheilvolles, verzaubertes Wesen betrachtet. Die Araber nennen sie Marafil. Viele Beobachter versichern einstimmig, daß sie wirklich Menschen angreife, namentlich über Schlafende und Ermattete herfalle. Dasselbe behaupten, wie wir von Rüppell erfahren, die Abessinier. »Die gefleckten Hyänen«, sagt genannter Forscher, »sind von Natur sehr feige, haben aber, wenn sie der Hunger quält, eine unglaubliche Kühnheit. Sie besuchen dann selbst zur Tageszeit die Häuser und schleppen kleine Kinder fort, wogegen sie jedoch nie einen erwachsenen Menschen angreifen. Oft wissen sie, wenn abends die Herde heimkehrt, eines der letzten Schafe derselben durch einen Sprung zu erhaschen, und meist gelingt es ihnen, trotz der Verfolgung der Hirten, ihre Beute fortzuschleppen. Hunde werden hier nicht gehalten. Die Einwohner fingen für uns mehrere große Hyänen lebendig in Gruben, die in einem von Dornbüschen umgebenen Gang angebracht werden, an dessen Ende eine nach ihrer Mutter blökende Ziege angebunden wird. Man muß sie möglichst bald töten, weil sie sich sonst einen Ausweg aus dem Gefängnis wühlen.« Ich habe die Tüpfelhyäne in den von mir durchreisten Gegenden überall nur als feiges Tier kennengelernt, das dem Menschen scheu aus dem Wege geht.

 

Am Kap bezeichnet man diese Art mit dem Namen Tigerwolf. »Sie ist dort«, sagt Lichtenstein, »bei weitem das häufigste unter allen Raubtieren und findet sich selbst noch in den Schluchten des Tafelberges, so daß die Pächtereien ganz in der Nähe der Kapstadt nicht selten von ihr beunruhigt werden. Im Winter hält sie sich auf den Berghöhen, im Sommer aber in den ausgetrockneten Stellen großer Ebenen auf, wo sie in dem hohen Schilf den Hasen, Schleichkatzen und Springmäusen auflauert, die an solchen Stellen Wasser, Kühlung oder Nahrung suchen. Die Güterbesitzer in der Nähe der Kapstadt stellen fast jährlich Jagden an. Es gibt dort mehrere solche mit Schilfrohr bewachsene Niederungen; eine jede derselben wird umzingelt und an mehreren Stellen unter dem Winde in Brand gesteckt. Sobald die Hitze das Tier zwingt, seinen Hinterhalt zu verlassen, fallen es die ringsum aufgestellten Hunde an, und der Anblick dieses Kampfes ist der Hauptzweck der ganzen Unternehmung. Inzwischen bringen die Hyänen in der Nähe der Stadt weniger Schaden als Nutzen; sie verzehren manches Aas und vermindern die Anzahl der diebischen Paviane und der listigen Ginsterkatzen. Man hört es selten, daß die Hyäne in diesen dichter bewohnten Gegenden ein Schaf gestohlen; denn sie ist scheu von Natur und flieht vor dem Menschen, und man weiß kein Beispiel, daß sie jemanden angefallen hätte. Den Kopf trägt sie niedrig mit gebogenem Nacken; der Blick ist boshaft und scheu. Fast in jeder Pächterei findet man in einiger Entfernung von dem Wohnhause eine Hyänenfalle, ein von Stein roh ausgeführtes Gebäude von zwei bis drei Meter im Geviert mit einer schweren Falltür versehen, die von innen ganz nach Art einer Mausefalle mit der Lockspeise in Verbindung steht und zuschlägt, sobald das Raubtier das hineingelegte Aas von der Stelle bewegt.«

 

Noch zu Sparrmanns Zeiten (1780) kamen sie, wie gegenwärtig im Sudan, in das Innere der Städte und verzehrten hier alle tierischen Abfälle, die auf den Straßen lagen. Wahrhaft schrecklich sind die Erzählungen, die Strodtmann in seinen südafrikanischen Wanderungen gibt. Er erfuhr, daß die nächtlichen Angriffe dieser Tiere vielen Kindern und Halberwachsenen das Leben kosteten, und seine Berichterstatter hörten in wenigen Monaten von vierzig solchen verderblichen Überfällen erzählen. Die Mambukis, ein Kafferstamm, behaupten, daß die Hyäne Menschenfleisch jeder andern Nahrung vorziehe. Ihre Häuser haben die Gestalt eines Bienenkorbes von sechs bis sieben Meter im Durchmesser. Der Eingang ist ein enges Loch und führt zunächst in eine rinnenförmige Abteilung, die des Nachts zur Bewahrung der Kälber dient, und erst innerhalb dieser Abteilung befindet sich ein erhöhter Raum, auf dem die Familie zu ruhen pflegt. Hier schlafen die Mambukis, im Kreise um ein Feuer gelagert. Die eingedrungenen Hyänen sind nun, wie man versichert, immer zwischen den Kälbern hindurchgegangen, haben das Feuer umkreist und die Kinder unter der Decke der Mütter so leise herausgezogen, daß die unglücklichen Eltern ihren Verlust erst dann erfahren, als das Wimmern des von dem Untier gepackten Kindes aus einer Ferne zu ihnen gelangte, wo Rettung nicht mehr möglich war. Shepton, der diese Geschichten verbürgt, bekam ein Paar Kinder zur Heilung, die von dem Raubtiere fortgeschleppt und fürchterlich zugerichtet, glücklicherweise aber ihm dennoch wieder abgejagt worden waren. Das eine der Kinder war ein zehnjähriger Knabe, das andere ein achtjähriges Mädchen. Schlingen, Gruben und Selbstschüsse werden nach diesem Berichterstatter nur mit geringem Erfolge angewendet, weil die listigen Hyänen die Fallen merken und ihnen ausweichen.

Manches im vorstehenden Berichte mag übertrieben sein; in der Hauptsache werden wir ihn als richtig gelten lassen müssen. Ein und dasselbe Tier tritt unter veränderten Verhältnissen in verschiedener Weise aus. In Nordafrika bieten die zahlreichen Herden der Tüpfelhyäne soviel Nahrung, daß sie sich nicht viel auf Räubereien zu legen braucht; in Südafrika wird es anders sein. Dort fehlt es ihr selten an Aas, hier wird sie oft vergeblich nach solchem suchen müssen; Hunger aber tut weh und ermutigt auch Feiglinge. Ein Diener von Fritsch wagte sich aus Furcht vor den Hyänen niemals in dichte Gebüsche, und seine Furcht war, wie genannter Naturforscher, ein durchaus zuverlässiger Beobachter und tüchtiger Jäger, bemerkt, nicht ganz unbegründet. Als jener Diener einstmals des Nachts allein die Steppe durchreisen mußte, wurde er von Hyänen verfolgt und verbrannte einen Teil seiner Decke und Lumpen, um sie fernzuhalten, bis er endlich ein Haus erreicht hatte. »Die Dreistigkeit dieser Tiere«, versichert Fritsch, »ist in der Nacht außerordentlich; und wenn auch wenig Beispiele bekannt sind, daß sie erwachsene Menschen angefallen haben, so vergreifen sie sich doch an Kindern und ebenso an Pferden, wovon mir damals mehrere Beispiele vorkamen.« Raubsucht und Mut dürfte ihnen also nicht gänzlich abgesprochen werden können.

Die gefleckte Hyäne ist diejenige Art, mit der sich die Sage am meisten beschäftigt. Viele Sudanesen behaupten, daß die Zauberer bloß deshalb ihre Gestalt annehmen, um ihre nächtlichen Wanderungen zum Verderben aller Gläubigen auszuführen. Die häßliche Gestalt und die schauderhaft lachende Stimme der gefleckten Hyäne wird die Ursache dieser Meinung gewesen sein. Auch wir müssen dieser Hyäne den Preis der Häßlichkeit zugestehen. Unter sämtlichen Raubtieren ist sie unzweifelhaft die mißgestaltetste, garstigste Erscheinung; zu dieser aber kommen nun noch die geistigen Eigenschaften; um das Tier verhaßt zu machen. Sie ist dümmer, böswilliger und roher als ihre gestreifte Verwandte, obwohl sie sich vermittels der Peitsche bald bis zu einem gewissen Grade zähmen läßt. Stundenlang liegt sie auf einer und derselben Stelle wie ein Klotz; dann springt sie empor, schaut unglaublich dumm in die Welt hinaus, reibt sich an dem Gitterwerke und stößt von Zeit zu Zeit ihr abscheuliches Gelächter aus, das, wie man zu sagen pflegt, durch Mark und Bein dringt. Mir hat es immer scheinen wollen, als wenn dieses eigentümliche und im höchsten Grade widerwärtige Geschrei eine gewisse Wollust des Tieres ausdrücken sollte; wenigstens benahm sich die lachende Hyäne dann auch in anderer Weise so, daß man dies annehmen konnte.

 

Die Schabrakenhyäne oder der Strandwolf (Hyaena brunnea) zeichnet sich besonders durch die lange, rauhe, breit zu beiden Seiten herabhängende Rückenmähne vor den übrigen Verwandten aus. Die Färbung der überhaupt langen Behaarung ist einförmig dunkelbraun bis auf wenige braun und weiß gewässerte Stellen an den Beinen, der Kopf dunkelbraun und grau, die Stirn schwarz mit weißer und rötlichbrauner Sprenkelung. Die Haare der Rückenmähne sind im Grunde weißlichgrau, übrigens schwärzlichbraun gefärbt. Die Art ist bedeutend kleiner als die gefleckte Hyäne, und wird höchstens so groß wie die gestreifte Art.

Das Tier bewohnt den Süden von Afrika, und zwar gewöhnlich die Nähe des Meeres. Es ist überall weit weniger häufig als die gefleckte Hyäne, lebt so ziemlich wie diese, jedoch hauptsächlich von Aas, zumal von solchem, das vom Meere an den Strand geworfen wird. Wenn den Strandwolf der Hunger quält, fällt er auch die Herden an und wird deshalb ebenso gefürchtet wie die andern Arten seiner Sippe. Man glaubt, daß er weit listiger sei als alle übrigen Hyänen, und versichert, daß er sich nach jedem Raube weit entferne, um fernen Aufenthalt nicht zu verraten.

 

Die Streifenhyäne (Hyaena striata) endlich ist das uns wohlbekannte Mitglied der Tierschaubuden. Sie kommt, weil sie uns am nächsten wohnt und überall gemein ist, auch am häufigsten zu uns und wird gewöhnlich zu den beliebten Kunststücken abgerichtet, die man in Tierbuden zu sehen bekommt. Eine Beschreibung des Tieres erscheint seiner Allbekanntheit halber kaum nötig, läßt sich mindestens auf wenige Worte beschränken. Der Pelz ist rauh, straff und ziemlich langhaarig, seine Färbung ein gelbliches Weißgrau, von dem sich schwarze Querstreifen abheben. Die Mähnenhaare haben ebenfalls schwarze Spitzen, und der Vorderhals ist nicht selten ganz schwarz, die Standarte bald einfarbig, bald gestreift. Der Kopf ist dick, die Schnauze verhältnismäßig dünn, obgleich immer noch plump genug; die aufrecht stehenden Lauscher sind groß und ganz nackt. Die Jungen ähneln den Alten. Ein Meter, etwas mehr oder weniger, ist das gewöhnliche Maß der Leibeslänge.

Das Verbreitungsgebiet der Streifenhyäne erstreckt sich von der Sierra Leone an quer durch Afrika und fast ganz Asien, östlich bis zum Altai. Sie bewohnt Nordafrika, Palästina, Syrien, Persien und Indien, ebenso die meisten Länder Südafrikas, tritt nirgends selten, an menschenleeren Orten sogar außerordentlich häufig auf; aber sie ist auch die am wenigsten schädliche unter allen und wird deshalb wohl nirgends besonders gefürchtet. In ihrer Heimat gibt es gemeiniglich soviel Aas oder wenigstens Knochen, daß sie nur selten durch den Hunger zu kühnen Angriffen auf lebendige Tiere gezwungen wird. Ihre Feigheit übersteigt alle Grenzen; doch kommt auch sie in das Innere der Dörfer herein und in Ägypten wenigstens ganz nahe an dieselben heran. Auf dem Aase, das wir auslegten, um später Geier auf ihm zu schießen, erschienen des Nachts regelmäßig Hyänen und wurden uns deshalb lästig. Wenn wir im Freien rasteten, kamen sie häufig bis an das Lager geschlichen, und mehrmals haben wir von unserer Lagerstätte aus, ohne aufzustehen, auf sie feuern können. Bei einem Ausfluge nach dem Sinai erlegte mein Freund Heuglin eine gestreifte Hyäne vom Lager aus mit Hühnerschroten. Trotz ihrer Zudringlichkeit fürchtet sich kein Mensch vor ihr, und sie wagt wirklich niemals auch nur Schlafende anzugreifen. Ebensowenig gräbt sie Leichen aus, es sei denn, daß diese eben nur mit ein wenig Sand oder Erde überdeckt seien; an den schauerlichen Erzählungen also, die man in Schaubuden von ihr hört, ist sie unschuldig. In ihrer Lebensweise ähnelt sie übrigens den vorhin genannten Arten vollständig und bedarf deshalb einer besonderen Schilderung nicht; dagegen kann ich aus eigener Erfahrung einiges über gezähmte mitteilen, die ich in Afrika längere Zeit besaß.

siehe Bildunterschrift

Gestreifte Hyäne ( Hyaena striata)

Wenige Tage nach unserer ersten Ankunft in Khartum kauften wir zwei junge Hyänen für eine Mark unseres Geldes. Die Tierchen waren etwa so groß wie ein halb erwachsener Dachshund, mit sehr weichem, feinem, dunkelgrauem Wollhaar bedeckt und, obschon sie eine Zeitlang die Gesellschaft der Menschen genossen hatten, noch sehr ungezogen. Wir sperrten sie in einen Stall, und hier besuchte ich sie täglich. Der Stall war dunkel; ich sah deshalb beim Hineintreten gewöhnlich nur vier grünliche Punkte in irgendeiner Ecke leuchten. Sobald ich mich nahte, begann ein eigentümliches Fauchen und Kreischen, und wenn ich unvorsichtig nach einem der Tierchen griff, wurde ich regelmäßig tüchtig in die Hand gebissen. Schläge fruchteten im Anfange wenig; jedoch bekamen die jungen Hyänen mit zunehmendem Alter mehr und mehr Begriffe von der Oberherrschaft, die ich über sie erstrebte, bis ich ihnen eines Tages ihre und meine Stellung vollkommen klarzumachen suchte. Mein Diener hatte sie gefüttert, mit ihnen gespielt und war so heftig von ihnen gebissen worden, daß er seine Hände in den nächsten vier Wochen nicht gebrauchen konnte. Die Hyänen hatten inzwischen das Doppelte ihrer früheren Größe erreicht und konnten deshalb auch eine derbe Lehre vertragen. Ich beschloß, ihnen diese zu geben, und indem ich bedachte, daß es weit besser sei, eines dieser Tiere totzuschlagen, als sich der Gefahr auszusetzen, von ihnen erheblich verletzt zu werden, prügelte ich sie beide so lange, bis keine mehr fauchte oder knurrte, wenn ich mich ihnen wieder näherte. Um zu erproben, ob die Wirkung vollständig gewesen sei, hielt ich ihnen eine halbe Stunde später die Hand vor die Schnauzen. Eine beroch dieselbe ganz ruhig, die andere biß und bekam von neuem ihre Prügel. Denselben Versuch machte ich noch einmal an dem nämlichen Tage, und die stöckische biß zum zweiten Male. Sie bekam also ihre dritten Prügel, und diese schienen denn auch wirklich hinreichend gewesen zu sein. Sie lag elend und regungslos in dem Winkel und blieb so während des ganzen folgenden Tages liegen, ohne Speise anzurühren. Etwa vierundzwanzig Stunden nach der Bestrafung ging ich wieder in den Stall und beschäftigte mich nun längere Zeit mit ihnen. Jetzt ließen sie sich alles gefallen und versuchten gar nicht mehr, nach meiner Hand zu schnappen. Von diesem Augenblicke an war Strenge bei ihnen nicht mehr notwendig; ihr trotziger Sinn war gebrochen, und sie beugten sich vollkommen unter meine Gewalt. Nur ein einziges Mal noch mußte ich das Wasserbad, bekanntlich das beste Zähmungsmittel wilder Tiere überhaupt, bei ihnen anwenden. Wir hatten nämlich eine dritte Hyäne gekauft, und diese mochte ihre schon gezähmten Kameraden wieder verdorben haben; indessen bewiesen sie sich nach dem Bade, und nachdem sie voneinander getrennt worden waren, wieder freundlich und liebenswürdig.

Nach Verlauf eines Vierteljahres, vom Tage der Erwerbung an gerechnet, konnte ich mit ihnen spielen wie mit einem Hunde, ohne befürchten zu müssen, irgendwelche Mißhandlung von ihnen zu erleiden. Sie gewannen mich mit jedem Tage lieber und freuten sich ungemein, wenn ich zu ihnen kam. Dabei benahmen sie sich, nachdem sie mehr als halberwachsen waren, höchst sonderbar. Sobald ich in den Raum trat, fuhren sie unter fröhlichem Geheul auf, sprangen an mir in die Höhe, legten mir ihre Vorderpranken aus beide Schultern, schnüffelten mir im Gesichte herum, hoben endlich ihre Standarte steif und senkrecht empor und schoben dabei den umgestülpten Mastdarm gegen fünf Zentimeter weit aus dem After heraus. Diese Begrüßung wurde mir stets zuteil, und ich konnte bemerken, daß der sonderbarste Teil derselben jedesmal ein Zeichen ihrer freudigsten Erregung war.

Wenn ich sie mit mir auf das Zimmer nehmen wollte, öffnete ich den Stall, und beide folgten mir; die dritte hatte ich infolge eines Anfalles ihrer Raserei totgeschlagen. Wie etwas zudringliche Hunde sprangen sie wohl hundertmal an mir empor, drängten sich zwischen meinen Beinen hindurch und beschnüffelten mir Hände und Gesicht. In unserm Gehöft konnte ich so mit ihnen überall umhergehen, ohne befürchten zu müssen, daß eine oder die andere ihr Heil in der Flucht suchen würde. Später habe ich sie in Kairo an leichten Stricken durch die Straßen geführt zum Entsetzen aller gerechten Bewohner derselben. Sie zeigten sich so anhänglich, daß sie ohne Aufforderung mich zuweilen besuchten, wenn einer meiner Diener es vergessen hatte, die Stalltür hinter sich zu verschließen. Ich bewohnte den zweiten Stock des Gebäudes, der Stall befand sich im Erdgeschoß. Dies hinderte die Hyänen aber gar nicht; sie kannten die Treppen ausgezeichnet und kamen regelmäßig auch ohne mich ins Zimmer, das ich bewohnte. Für Fremde war es ein ebenso überraschender als unheimlicher Anblick, uns beim Teetisch sitzen zu sehen. Jeder von uns hatte eine Hyäne zur Seite, und diese saß so verständig, ruhig auf ihrem Hintern, wie ein wohlerzogener Hund bei Tisch zu sitzen pflegt, wenn er um Nahrung bettelt. Letzteres taten die Hyänen auch, und zwar bestanden ihre zarten Bitten in einem höchst leisen, aber ganz heiserklingenden Kreischen und ihr Dank, wenn sie sich aufrichten konnten, in der vorhin erwähnten Begrüßung oder wenigstens in einem Beschnüffeln der Hände.

Sie verzehrten Zucker leidenschaftlich gern, fraßen aber auch Brot, zumal solches, das wir mit Tee getränkt hatten, mit vielem Behagen. Ihre gewöhnliche Nahrung bildeten Hunde, die wir für sie erlegten. Die große Menge der im Morgenlande herrenlos umherschweifenden Hunde machte es uns ziemlich leicht, das nötige Futter für sie aufzutreiben; doch durften wir niemals lange an einem Orte verweilen, weil wir sehr bald von den Kötern bemerkt und von ihnen gemieden wurden. Auch während der dreihundert Meilen langen Reise von Khartum nach Kairo, die wir allen Stromschnellen des Nils zum Trotze in einem Boote zurücklegten, wurden unsere Hyänen mit herrenlosen Hunden gefüttert. Gewöhnlich bekamen sie bloß den dritten oder vierten Tag zu fressen; einmal aber mußten sie freilich auch acht Tage lang fasten, weil es uns ganz unmöglich war, ihnen Nahrung zu schaffen. Da hätte man nun sehen sollen, mit welcher Gier sie über einen ihrer getöteten Verwandten herfielen. Es ging wahrhaft lustig zu: sie jauchzten und lachten laut auf und stürzten sich dann wie rasend auf ihre Beute. Wenige Bisse rissen die Bauch- und Brusthöhle auf, und mit Wollust wühlten die schwarzen Schnauzen in den Eingeweiden herum. Eine Minute später aber erkannte man keinen Hyänenkopf mehr, sondern sah bloß zwei dunkle, unregelmäßig gestaltete und über und über mit Blut und Schleim bekleisterte Klumpen, die sich immer von neuem wieder in das Innere der Leibeshöhle versenkten und frisch mit Blut getränkt auf Augenblicke zum Vorschein kamen. Niemals hat mir die Ähnlichkeit der Hyänen mit den Geiern größer scheinen wollen als während solcher Mahlzeiten. Sie standen dann in keiner Hinsicht hinter den Geiern zurück, sondern übertrafen sie womöglich noch an Freßgier. Eine halbe Stunde nach Beginn ihrer Mahlzeiten fanden wir regelmäßig von den Hunden bloß noch den Schädel und die Lunte, alles übrige, wie Haare und Haut, Fleisch und Knochen, auch die Läufe, waren verzehrt worden. Sie fraßen alle Fleischsorten mit Ausnahme des Geierfleisches. Dieses verschmähten sie hartnäckig, selbst wenn sie sehr hungrig waren, während die Geier selbst es mit größter Seelenruhe verzehrten. Ob sie, wie behauptet wird, auch das Fleisch ihrer eignen Brüder fressen, konnte ich nicht beobachten; Fleisch blieb immer ihre Lieblingsspeise, und Brot schien ihnen nur als Leckerbissen zu gelten.

Unter sich hielten meine Gefangenen gute Freundschaft. Manchmal spielten sie lange Zeit nach Hundeart miteinander, knurrten, kläfften, grunzten, sprangen übereinander weg, warfen sich abwechselnd nieder, balgten, bissen sich usw. War eine von der andern längere Zeit entfernt gewesen, so entstand jedesmal großer Jubel, wenn sie wieder zusammenkamen; kurz, sie bewiesen deutlich genug, daß auch Hyänen heiß und innig lieben können.

siehe Bildunterschrift

Erdwolf ( Proteles Lalandii)

Der Erdwolf oder die Zibethyäne (Proteles Lalandii) stellt sich als Bindeglied zwischen den Hyänen und den Schleichkatzen dar und gilt deshalb mit Recht als Vertreter einer eignen Sippe. In seiner äußeren Erscheinung ähnelt das im ganzen noch wenig beobachtete Tier auffallend der gestreiften Hyäne; denn es hat ebenfalls die abgestutzte Schnauze, hohe Vorderbeine, abschüssigen Rücken, Rückenmähne und buschigen Schwanz; doch sind die Ohren größer, und die Vorderpfoten tragen einen kurzen Daumen nach Art der Afterzehen bei manchen Hunden. Die Zibethyäne hat 15 rippentragende Brust-, 5 Lenden-, 3 Kreuz- und 23 Schwanzwirbel; diese Zahlen stimmen weit mehr mit den entsprechenden der Hyänen als mit denen der Hunde überein. Ihre Gesamtlänge beträgt 1,1 Meter, die des Schwanzes 30 Zentimeter. Der Pelz, der aus weichem Wollhaar und langen starken Grannen besteht, zeigt auf blaßgelblichem Grunde schwarze Seitenstreifen.

Der Erdwolf ist ein Bewohner des Kaplandes. Er wurde schon von früheren Reisenden mehrfach erwähnt, doch erst von Isidor Geoffroy genauer beschrieben. Aus allen Angaben, die sich auf unser Tier beziehen lassen, geht hervor, daß es nächtlich lebt und sich bei Tage in Bauen verbirgt, die mit denen unserer Füchse Ähnlichkeit haben, aber ausgedehnter sind und von mehreren Erdwölfen zugleich bewohnt werden. Verreaux trieb die drei, die von der Gesellschaft erlegt wurden, mit Hilfe seines Hundes aus einem Bau, wenn auch nicht aus derselben Röhre heraus. Sie erschienen mit zornig gesträubter Rückenmähne, Ohren und Schwanz hängend, und liefen sehr schnell davon; einer suchte auch in aller Eile sich wieder einzugraben und bewies dabei eine merkwürdige Fertigkeit. Die Untersuchung des Baues ergab, daß alle Röhren in Verbindung standen und zu einem großen Kessel führten, der wohl zeitweilig die gemeinsame Wohnung für alle bilden mochte. Der genannte Beobachter gibt an, daß die Nahrung unserer Tiere hauptsächlich aus Lämmern besteht, daß sie aber auch ab und zu ein Schaf überwältigten und töten.

siehe Bildunterschrift

Gefleckte Hyäne ( Hyaena crocuta)

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