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Brehms Tierleben. Lurche. Band 23: Froschlurche - Schwanzlurche - Blindwühlen

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Lurche. Band 23: Froschlurche - Schwanzlurche - Blindwühlen - Kapitel 5
Quellenangabe
typereport
authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Lurche. Band 23: Froschlurche - Schwanzlurche - Blindwühlen
publisherGutenberg-Verlag
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 23
editorAdolf Meyer
year1927
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Dritte Ordnung. Die Blindwühlen ( Gymnophiona)

»Wenn es je Lurche verdienen, zur Ordnung erhoben zu werden«, sagt Wagler, »so sind es ganz gewiß die Blindwühlen. Obgleich nach ihrem Äußeren noch Schlangen oder richtiger Wühlen, deuten doch schon ihre inneren Vorkehrungen auf die Natur der Frösche. Alle Blindwühlen haben gleichartige, hohle, an der Innenseite der Kiefer angeheftete, starke, kegelförmige, mit ihrer Spitze etwas zurückgeneigte Zähne und eine mit ihrer ganzen Unterseite am Kinn angeheftete, mithin nicht ausstreckbare Zunge. Die äußeren Nasenlöcher stehen auf den Seiten oder an der Spitze des Kopfes; die Augen fehlen entweder gänzlich oder werden von der Haut des Kopfes so bedeckt, daß sie zum Sehen durchaus unbrauchbar sind. Vor ihnen bemerkt man zuweilen ein kleines Loch oder einen aus- und einziehbaren Taster in der Nähe der Nase. Die Ohren liegen, wie beim Salamander, unter dem Fleische verborgen. Von den Lungen ist nur eine vorhanden.«

Vorstehende, von Wagler, dem Begründer der Ordnung, aufgestellte Merkmale, haben noch heute Geltung. Hinzufügen will ich ihnen, daß die Anzahl der Wirbel außerordentlich bedeutend ist und bis gegen einhundertundfünfzig ansteigen kann, so daß die Verwandlung eine viel unvollständigere sein muß als bei den beiden vorhergehenden Ordnungen. Denn die Jungen haben von Anfang an das Aussehen der Alten, besitzen nur außerordentlich kleine, aus den Öffnungen nicht hervortretende Kiemen, verlieren diese in frühester Zeit und leben wohl niemals im Wasser wie die übrigen Lurche. Nachdem die Kiemen verschwunden sind, bildet sich, wie bei den meisten Lurchen eine Lunge aus, wogegen die andere stets verkümmert zu sein scheint. Die Blindwühlen finden sich in den Gleicherländern Amerikas, Afrikas und Asiens, führen aber eine unterirdische Lebensweise nach Art der Regenwürmer und erschweren deshalb die Beobachtung in hohem Grade. Ihre Bewegungen sind ein langsames Kriechen oder ein schlängelndes Schwimmen. Die Nahrung besteht aus Gewürm und anderem Kleingetier, mit dem auch einzelne Pflanzenteile aufgenommen werden. Einzelne Arten bringen lebende Junge zur Welt.

 

Die Merkmale der Ordnung sind auch die der einzigen Familie, aus der jene besteht, die Unterschiede zwischen den einzelnen Sippen gering. Bei den Lochwühlen ( Siphonops) finden sich eine kleine Grube vor den verkümmerten Augen und kurze Fühler neben der Nase, bei den Blindwühlen im engeren Sinne ( Caecilia) eine Grube unter jedem Nasenloche; außerdem zeichnen sich die hierher gehörigen Arten durch sehr gestreckten Leibesbau aus.

Zur ersten Gruppe gehört die Ringelwühle ( Siphonops annulata) aus Südamerika, ein Lurch, dessen Haut ungefähr neunzig Ringelfurchen zeigt, schwärzlich von Färbung, weißlich in der Tiefe der Furchen, zur letzteren die Wurmwühle ( Caecilia lumbricoidea), ein Tier von sechzig Zentimeter Länge und der Dicke eines starken Wurmes, der nur am hinteren Teile seines Leibes deutlich geringelt erscheint und bräunlich gefärbt ist.

Über die Lebensweise dieser eigentümlichen Geschöpfe ist noch sehr wenig bekannt; man weiß eigentlich nur, daß sie nach Art unserer Regenwürmer unter dem Boden leben und hier mit verhältnismäßig bedeutender Kraft und Schnelligkeit wühlen. Wie der Prinz von Wied erfuhr, sollen sie den Boden über ihren Gängen ein wenig aufwerfen, etwa nach Art unserer Feldmäuse. Die Wurmwühle, die einzige Art, von der der Prinz Kunde erhielt, wurde von ihm südlicher als im Sertong de Bahia nicht gefunden. »Auch mir«, sagt Schomburgk, »gelang es nicht, mehr von den Eingeborenen und Farbigen zu erfahren, als daß sie in der Erde, besonders aber in den Hügeln einer Ameise, leben. Daß letzteres wirklich der Fall, habe ich später selbst beobachtet, und Collins versicherte, daß, wenn er jene lästigen Gäste durch Umgrabungen zu vernichten gesucht, er diesen Lurch häufig unter ihnen gefunden habe. Mag nun die Anziehungskraft in der tierischen Wärme oder in der eigentümlichen Atmosphäre, die in diesem Haufen herrscht, beruhen, oder die Wühle, da sie in der Erde lebt, nur den lockeren Boden dieser Wohnungen aufsuchen: kurz, die Ameisen dulden sie, jene sucht diese auf, und so leben beide in brüderlicher Eintracht beisammen.« Die Ringelwühle hält sich, wie Tschudi bemerkt, hauptsächlich an feuchten Stellen dreißig bis sechzig Zentimeter tief unter der Oberfläche des Bodens auf, wird besonders bei Erdarbeiten, Anlage von Straßen z. B., gefunden und von den Brasilianern mit Unrecht sehr gefürchtet.

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