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Brehms Tierleben. Band 24: Fische

Alfred Brehm: Brehms Tierleben. Band 24: Fische - Kapitel 13
Quellenangabe
typereport
authorAlfred Brehm
titleBrehms Tierleben. Band 24: Fische
seriesBrehms Tierleben
volumeBand 24
editorAdolf Meyer
year1927
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Elfte Ordnung. Die Schlauchfische ( Cirrostomi)

Fünfte Reihe: Röhrenherzen ( Leptocardii)

Wir stehen vor der tiefsten Stufe des Kreises der Wirbeltiere, vor einem Wesen, das man Fisch nennt, weil man es nur in der fünften Klasse des Tierreiches unterbringen kann, das aber mit allen übrigen Mitgliedern dieser Klasse so wenig Ähnlichkeit hat, daß man es als Vertreter einer Sippe, Familie, Ordnung und Reihe betrachten muß. Wenn man den Inger ein Bindeglied nennen darf zwischen Fischen und Würmern, darf man den Vertreter der Schlauchfische ansehen als ein Mittelding zwischen Fischen und Weichtieren, und zwar ähnelt er den letztgenannten weit mehr als den ersterwähnten.

Kurz zusammengefaßt, besitzt der Lanzettfisch ( Amphioxus 1anceolatus), einziges bekanntes Glied der gleichnamigen Sippe ( Amphioxus) und Familie ( Amphioxidae), folgende Merkmale: Sein etwa fünf Zentimeter langer Leib ist gestreckt, schmal, kantig, nach beiden Enden hin ziemlich gleichmäßig zugespitzt, am hinteren Ende mit einer zarten senkrechten Flosse besetzt, die sich als schmaler Hautsaum oben über einen großen Teil des Rückens, unten bis gegen den After zieht und in der Schwanzgegend lanzettförmig verbreitert. Den am vorderen Leibesende auf der Unterseite gelegenen Mund umgeben knorpelige Spitzen, die zusammengelegt und zum Verschließen der Öffnung benutzt werden können.

Zurzeit ist die Naturgeschichte des Lanzettfisches nicht viel mehr als eine Zergliederungskunde desselben. Über die Lebensweise dieses unter allen am tiefsten stehenden Wirbeltieres weiß man noch sehr wenig. Sein Verbreitungsgebiet umfaßt alle Meere des heißen und beider gemäßigten Gürtel; sein Aufenthalt ist der feine Sand, in dem es sich eingräbt und, dank auch seiner Gleichfarbigkeit mit jenem, so vollständig verbirgt, daß man es nur dann wahrnimmt, wenn man den Sand durch feinmaschige Siebe spült. Wahrscheinlich ist es überall, wo es vorkommt, bei weitem häufiger, als man gewöhnlich annimmt; an geeigneten Stellen hält es mindestens nicht schwer, binnen wenigen Stunden viele seiner Art zu erbeuten. Genötigt, den Sand zu verlassen, schwimmt es huschend unter kurzschlängelnden Bewegungen pfeilschnell durchs Wasser und bettet sich einen Augenblick später wiederum im Sand ein. Couch sagt sehr richtig, daß man beim Schwimmen Kopf und Schwanz kaum oder nicht unterscheiden könne, Wilde, daß gefangene Lanzettfische in einem Glase sich aalartig mit raschen Windungen förderten und ungeachtet des so wenig entwickelten Gesichtssinnes – falls von einem solchen überhaupt zu reden – den ihnen vorgehaltenen Finger oder andere Hindernisse zu vermeiden wußten, beim Herankommen an dieselben stutzten und kehrtmachten. »Die kleinen Tierchen,« bemerkt letztgenannter Beobachter noch, »haben eine besondere Fähigkeit, sich, und zwar in eigentümlicher Weise, aneinander zu kleben. Zuweilen bilden sie dann einen Klumpen, zuweilen wiederum einen Faden von fünfzehn bis zwanzig Zentimeter Länge. Die Gesamtheit bewegt sich gemeinschaftlich, im letzterwähnten Falle in Schlangenwindungen. Immer kleben sie sich mit den Breitseiten aneinander, wenn sie in einer Reihe schwimmen, so daß das Kopfende des einen sich ungefähr im letzten Dritteile der Leibeslänge des Vorgängers befindet.« In diesem sonderbaren Geschöpfe haben wir vor uns: das Endglied aller Wirbeltiere.

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