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Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band

Alfred Brehm: Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band - Kapitel 68
Quellenangabe
authorAlfred Brehm
titleBrehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
year1876
illustratorGustav Mützel,Ludwig Beckmann, C. F. Deiker, Robert Kretschmer
firstpub1876
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180726
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Katzen ( Felis).

Katzen im engeren Sinne ( Felis) heißen die kleineren Arten der Familie, welche im allgemeinen unserer Hauskatze ähneln. Ihr Leib ist mehr oder weniger schlank, der Kopf rundlich, das Ohr länglichrund, der Augenstern länglicheirund oder spaltförmig, der Schwanz mehr oder weniger lang und zugespitzt, das Fell ziemlich dicht, einfarbig, gefleckt oder gestreift. Ohrbüschel, Bart und Mähne fehlen den Gliedern dieser Gruppe oder Sippe, welche in mehrere Unterabtheilungen zerfällt worden ist.

An die Leoparden schließen sich die Pardelkatzen an, deren bekanntestes Mitglied der Ozelot oder die Pardelkatze ( Felis pardalis, Leopardus pardalis) ist. Seine Länge beträgt 1,30 bis 1,40 Meter, wovon der Schwanz 40 bis 45 Centim. wegnimmt, die Höhe am Widerrist etwa 50 Centim.; das Thier kommt also unserem Luchs an Leibesumfang annähernd gleich, steht jedoch an Höhe weit hinter diesem zurück. Der Leib ist verhältnismäßig kräftig, der Kopf ziemlich groß, der gegen die Spitze verdünnte Schwanz mäßig lang, das Ohr kurz, breit und abgerundet, der Augenstern länglich eiförmig, der Pelz dicht, glänzend weich und dabei ebenso bunt wie geschmackvoll gezeichnet. Seine Grundfärbung ist auf der Oberseite ein bräunliches Grau oder Röthlichgelbgrau, auf der Unterseite ein gilbliches Weiß. Von den Augen zieht sich jederseits ein schwarzer Längsstreifen zu den Ohren. Die Oberseite des Kopfes zeigt kleine Tüpfel; auf den Wangen verlaufen Querstreifen und von diesen aus ein Kehlstreif, über den Rücken mehrere Längsstreifen, meist vier, längs des Rückens eine Reihe schmaler schwarzer Flecken, unter denen größere hervortreten, an den Seiten gekrümmte Längsreihen breiter bandförmiger Längsstreifen, welche von den Schultern bis zum Hintertheile reichen und lebhafter als die Grundfarbe, schwarz gesäumt, oft auch in der Mitte dunkel punktirt sind. Den Unterleib und die Beine zeichnen volle Flecken, welche auf dem Schwanze in Ringe übergehen. Diese Färbung ändert übigens sehr ab: oft sind die schwarzen Längsstreifen des Rückens durch breitere fahle Streifen in acht getheilt, und breite ununterbrochene Streifen ziehen sich längs der Seiten entlang; bei anderen zertheilen sich die Streifen in Flecke und auf den Wangen finden sich breite schwarze Tüpfel; noch andere sind am ganzen Unterleibe schwarz gestreift, der Schwanz ist vollständig geringelt etc. Die Weibchen unterscheiden sich von den Männchen durch schwächere Färbung der Flecken und kreisförmig gestellte Punkte auf den Schultern und dem Kreuze.

Der Ozelot ist weit verbreitet. Er findet sich durch ganz Mittelamerika bis in das nördliche Brasilien und anderseits bis Mejiko und Tejas und den südlichen Theil der Vereinigten Staaten. Hier lebt er mehr in den tieferen und menschenleeren Wäldern als in der Nähe von Ortschaften, obgleich er auch da vorkommt. Auf freiem Felde findet man ihn nie, wohl aber in Wäldern, in felsigen und sumpfigen Gegenden. An manchen Orten ist er häufig. Er scheint kein bestimmtes Lager zu haben. Den Tag über schläft er im dunkelsten Theile des Waldes, zuweilen in hohlen Bäumen oder auch zwischen undurchdringlichen Bromelien, welche von dichtem Strauchwerke beschattet sind; in der Morgen- und Abenddämmerung, besonders aber bei Nacht, geht er auf Raub aus und zwar ebenso gut in hellen, sternenklaren, wie in dunkeln, stürmischen Nächten. Letztere sind ihm sogar angenehm, weil er dann, unbemerkt von den Hunden, an die Bauernhöfe herankommen und dort nach Belieben würgen kann. In dunkeln Nächten hat der Hofbesitzer es nöthig, das Hühnerhaus wohl zu verschließen; denn wenn der Ozelot unter die Hühner kommt, richtet er dort ein arges Blutbad an.

Ozelot ( Felis pardalis).

Im Freien besteht die Nahrung unserer Pardelkatze aus Vögeln, welche sie entweder auf dem Baume, oder auf der Erde in ihren Nestern beschleicht, sowie aus allen kleineren Säugethieren, jungen Rehen, Schweinen, Affen, Agutis, Pakas, Ratten, Mäusen etc. Man glaubt, daß der Ozelot die Schuld von der Verödung der Wälder an Hühnern und Vögeln trägt, und jedenfalls ist es begründet, daß er diesen Thieren großen Schaden thut. Auch den Affen soll er in ihrem laubigen Gebiete eifrig nachstellen. Man hat auch hierüber das alte Märchen in Umlauf gesetzt, daß er bei seiner Jagd sich platt auf einen Ast lege und todt stelle, worauf dann die Affen erfreut herbeikämen, um sich an der Leiche ihres Todtfeindes zu weiden, plötzlich aber sehen müßten, wie bitter sie sich geirrt hätten.

»Diese sehr schön gezeichneten Thiere«, bemerkt Armand, ein eifriger Jäger, welcher den Südwesten Nordamerikas jahrelang durchstreifte und Glaubwürdigkeit verdient, »sind dem Wildpret äußerst gefährlich; sie rauben, selbst wenn sie vollkommen gesättigt sind, nur des Blutes halber, und lassen nie eine Gelegenheit unbenutzt, um eine Beute zu erhaschen. Mit unglaublicher Gewandtheit und Ueberlegung sowie mit unendlicher Geduld schleichen sie sich an das Wild, springen mit Blitzesschnelle auf dasselbe und lassen es nicht eher wieder los, als bis es ihnen sein Blut gegeben hat.« Rengger spricht sich günstiger über das Thier aus. »Da diese Katze meist nur des Nachts auf Raub ausgeht«, sagt er, »habe ich sie niemals auf ihren Jagden beobachten können; sie scheint aber große Streifzüge zu machen. Ich habe in den sogenannten Urwäldern ihre Fährte oft stundenlang verfolgt. Höchst selten stößt man auf Ueberreste ihrer Mahlzeit; gewöhnlich sind es nur die Federn eines erlegten Vogels. Ich halte sie daher nicht für blutdürstig und glaube, daß sie nicht mehr Thiere auf einmal tödtet, als sie zu ihrer Sättigung bedarf; diese Meinung hat sich auch an Gefangenen, welche ich gehalten habe, bestätigt. Sie klettert gut und springt, wo die Bäume dicht stehen, wenn sie gejagt wird, mit Leichtigkeit von einem Baume zum anderen, obwohl sie im Klettern noch immer nicht die Fertigkeit des Kuguars besitzt. Nur durch die Noth gezwungen, wagt sie sich durchs Wasser, z. B., wenn sie durch Ueberschwemmung vom festen Lande abgeschnitten wird und das nächste Ufer zu gewinnen suchen muß; allein sie ist ein vortrefflicher Schwimmer. Nicht selten kommt es vor, daß ein durch Ueberschwemmung aus den Wäldern vertriebener Ozelot mitten in einer Stadt ans Land steigt. Ich selbst sah einen, welcher über einen Theil des Paragaystromes geschwommen war, bei seiner Landung im Hafen von Assuncion erschießen.

»Der Ozelot lebt paarweise in einem bestimmten Gebiete. Der Jäger kann gewiß sein, nachdem er einen aufgescheucht hat, den anderen in nächster Nähe zu treffen. Mehr als ein Paar trifft man jedoch niemals in dem nämlichen Walde an. Männchen und Weibchen gehen nicht zusammen auf den Raub aus, sondern jedes jagt für sich; auch helfen sie einander nicht bei der Jagd oder bei feindlichen Angriffen. Die Begattungszeit tritt bei ihnen im Oktober ein und dauert bis in den Januar; ihre Tragzeit ist unbekannt. Selten übersteigt die Anzahl der Jungen zwei. Die Mutter versteckt ihre Sprößlinge in einem hohlen Baume oder in dem Dickichte des Waldes und trägt ihnen, sobald sie fressen können, kleine Säugethiere und Vögel zu.«

Dem Menschen schadet der Ozelot verhältnismäßig wenig: er fürchtet ihn und die Hunde zu sehr, als daß er bevölkerten Gegenden sich nähern sollte. Bloß Wohnungen, welche nahe an Wäldern liegen, werden hin und wieder von ihm heimgesucht; doch auch dann nimmt er höchstens zwei Hühner oder eine Bisamente weg, trägt dieselben ins nächste Gebüsch und verzehrt sie sofort. Wenn ihm seine erste Unternehmung gelingt, kommt er gewöhnlich die nächsten Nächte wieder, bis er gefangen oder verscheucht wird. Man jagt ihn in Paragay mit Hunden oder fängt ihn in Fallen. Er ist sehr scheu und flüchtig und sieht den Jäger bei mondhellen Nächten, noch ehe derselbe ihn gewahr wird. Vor dem Hunde flieht er in größter Eile auf Bäume und versteckt sich hier im dichtesten Laube der Krone. Doch gelingt es dann zuweilen, ihn zum Schusse zu bekommen, da ihn das Leuchten seiner Augen verräth. Am leichtesten fängt man ihn vermittels Fallen, in deren Hintergrund ein Käfig mit einem eingesperrten Huhne gestellt oder auch Rindfleisch als Köder angebracht wird. Azara versichert, daß man dasselbe Thier in derselben Falle und an der nämlichen Stelle wiederfangen könne; denn seine Begierde nach dem Huhne ist so groß, daß es die schon erprobte Gefahr gänzlich vergißt.

Ein angeschossener Ozelot vertheidigt sich herzhaft mit seinen Krallen gegen die Hunde und kann auch wohl dem Menschen gefährlich werden. »Verwundet oder stark bedrängt«, sagt Armand, »greift er seinen Verfolger mit Wuth und viel Entschlossenheit an, und schon mancher Indianer ist von ihm unter solchen Umständen übel zugerichtet worden.« Man jagt ihn übrigens weniger des Schadens wegen, den er anrichtet, als seines schönen Felles halber, aus welchem die Einwohner sich Winterstiefeln verfertigen.

Der junge Ozelot wird häufig eingefangen und gezähmt. Gewöhnlich verrathen die Jungen ihren Aufenthalt durch Miauen und werden somit, auch ohne Hülfe der Hunde, ziemlich leicht aufgefunden. Man zieht sie mit Milch auf und nährt sie späterhin größtentheils mit gekochtem Fleische; bloße Pflanzennahrung macht sie krank. Füttert man sie aber nur mit rohem Fleische, so werden sie größer und schöner, als wenn man ihnen das Fleisch gekocht gibt. Auch alte Ozelots werden nach einiger Zeit zahm, wenngleich nur bis zu einem gewissen Grade; denn sie richten im Hofe immer noch allerlei Unheil an. Können sie sich eines kleinen Hundes oder einer Katze bemächtigen, so ergreifen sie das Thier beim Nacken, werfen es nieder, halten mit den Vorderpranken seine Vorderbeine, mit den Hinterpranken seine Hinterbeine fest und reißen ihm den Hals auf. Bei fortgesetztem Genusse von Katzenfleisch werden sie krätzig, stoßen während der Krankheit eigenthümliche Klagelaute aus und sterben endlich. Dieselben Klagelaute hört man von ihnen, wenn sie irgendwie ihr Misbehagen ausdrücken wollen. So miauen sie z. B. auf klägliche Weise, wenn man sie durch Hunger gezwungen hat, Kröten oder Schlangen zu fressen. Diese Thiere verursachen ihnen heftiges Erbrechen und schwächen ihre Verdauungskraft derartig, daß sie jede andere Speise wieder herausbrechen, allmählich abmagern und endlich auch sterben. Hausgeflügel können die gezähmten Ozelots nicht ersehen, ergreifen es, sobald sie es erreichen können, beim Kopfe oder beim Halse und tödten es durch den ersten Biß. Dann rupfen sie vor dem Genusse mit dem Maule den größten Theil der Federn aus und verspeisen es. Nach der Sättigung belecken sie sich das Maul, die Pfoten und den übrigen Körper und legen sich schlafen. Ihren Koth verscharren sie nie, häufig aber legen sie denselben in ihrem Trinkgefäße ab, sie mögen nun in einem Käfige eingeschlossen sein oder frei im Hause umhergehen.

Den größten Theil des Tages bringt der gefangene Ozelot schlafend zu. Dabei liegt er in sich zusammengerollt, wie unsere Hauskatzen es auch thun. Gegen Abend wird er unruhig und bleibt nun die ganze Nacht hindurch wach. Solange er jung ist, läßt er öfters einen miauenden Ton hören, besonders wenn er Hunger, Durst oder Langeweile verspürt; später vernimmt man diesen Ton nur bei krankem Zustande. Wird er im Fressen gestört, so knurrt er. Seine Zufriedenheit legt er durch Schnurren, seine Furcht oder seinen Zorn durch ein Schnäuzen an den Tag. Alt eingefangene Ozelots unterwerfen sich wohl dem Menschen, schließen sich ihm aber niemals an. Der Verlust der Freiheit macht sie niedergeschlagen und gleichgültig gegen gute oder schlechte Behandlung. Sie lassen sich schlagen, ohne sich zu vertheidigen, machen keinen Unterschied zwischen ihrem Wärter und anderen Menschen und bezeigen ihm weder Zutrauen noch Freude, wenn sie ihn sehen. Ganz jung und mit Sorgfalt aufgezogene hingegen werden in hohem Grade zahm. Gleich jungen Hauskatzen gaukeln sie mit einander, spielen mit einem Stück Papier, mit einer kleinen Pomeranze und dergleichen. Ihren Wärter lernen sie bald kennen, springen ihm nach, belecken ihm die Hand, legen sich ihm zu Füßen nieder oder klettern an ihm empor. Gegen Liebkosungen sind sie sehr empfänglich und beginnen augenblicklich zu spinnen, wenn man ihnen schmeichelt. Niemals zeigen sie Falschheit. Mit den Hunden und Katzen, in deren Gesellschaft sie leben, vertragen sie sich sehr gut; dem Geflügel stellen sie aber doch noch nach. Früherer Strafen uneingedenk, springen sie, sobald ihnen die Lust ankommt, auf eine Henne und lassen sich im Augenblicke des Raubes durch keine Züchtigung abschrecken, das Thier zu ermorden. Ihrer unvertilgbaren Raubsucht wegen hält man sie gewöhnlich in einem Käfige oder an einem Stricke angebunden.

In den Käfigen unserer Thiergärten spielt der Ozelot keine hervorragende Rolle. Er ist träge oder doch wenig lebhaft, sieht sich die Welt anscheinend mit unzerstörbarem Gleichmuthe an, begnügt sich mit jedem Raume und verlangt nichts weiter, als daß derselbe rein und warm sei und es an der erforderlichen Nahrung ihm nicht fehle. Die meisten Ozelots, welche nach Europa gelangen, kommen in bereits gezähmtem Zustande an und entsprechen dem vorstehenden Bilde; alt eingefangene, welche Wuthausbrüche gezeigt hätten, wie sie bei Leoparden an der Tagesordnung sind, habe ich nicht gesehen. Zu den häufigen Erscheinungen zählt der Ozelot übrigens nicht, und deshalb hält es schwer, Paare zusammenzubringen und Junge zu erzielen, wie es, so viel mir bekannt, einzig und allein im Londoner Thiergarten der Fall gewesen ist.

 

Bestimmt unterschiedene Verwandte sind zwei andere Katzen Amerikas: der Marguay und die Mbaracaya. Man hat beide oft als Spielarten von jenem angesehen; sie unterscheiden sich aber hinlänglich durch ihre Größe. Erstgenannter, die Tigerkatze der Naturforscher, Thiergärtner und Händler ( Felis tigrina, F. Margay und Guigna, Leopardus tigrinus), erreicht höchstens die Größe unserer Hauskatze. Ihre Körperlänge beträgt 50, die des Schwanzes 30 Centim.

Tigerkatze ( Felis tigrina).

Der weiche und schöne Katzenpelz hat oben und an den Seiten eine fahlgelbe Grundfarbe und ist unten, wie bei den meisten übrigen Katzen, weiß. Ueber die Wangen laufen zwei Streifen, zwei andere vom Augenwinkel über den Kopf bis ins Genick. Hier schieben sich nun noch andere ein, und so ziehen sich über den Nacken sechs derselben, welche weiter hinten in breitere Flecken sich auflösen. An der Kehle stehen zwei schwarze Tupfflecke, vor der Brust breite Halbringe. In der Mitte des Rückens verläuft ein ununterbrochener Streifen und jederseits daneben mehrere Reihen Vollflecken, von denen viele einen helleren Hof umschließen. Die Beine und der Unterleib sind gefleckt, die Ohren schwarz mit weißen Flecken. Der Schwanz ist an der Spitze buschiger als an der Wurzel.

In ihrer Lebensweise ähnelt diese Katze dem Ozelot fast in allen Stücken. Jung eingefangen und ordentlich gehalten, wird sie zu einem höchst gelehrigen und anhänglichen Thiere; alt eingefangen, beträgt sie sich allerdings sehr wild und ungestüm, nimmt jedoch nach einiger Zeit auch einen gewissen Grad von Zähmung an. Waterson hatte in Guiana einen jungen Marguay mit großer Sorgfalt aufgezogen, welcher in kurzer Zeit mit ihm auf das innigste befreundet wurde und ihm später wie ein Hund folgte. Gegen die Ratten und Mäuse, welche das Haus in Masse bevölkerten, lag er in einem ewigen Streite und wußte das von den verderblichen Nagern wahrhaft gepeinigte Haus in kurzer Zeit nach Möglichkeit zu reinigen. Er ging von Anfang an mit angeerbter Kenntnis der Ratten und ihrer Sitten zu Werke. Während der letzten Stunden des Tages, seiner besten Jagdzeit, schlich er im ganzen Hause umher, vor jeder Oeffnung lauschend und jeden Winkel untersuchend. Seine Hülfe wurde außerordentlich werthvoll; denn die Ratten hatten vor seiner Zeit nicht weniger als zweiunddreißig Thüren zerfressen, und lustwandelten im ganzen Hause nach Belieben umher. Diesem Vergnügen that die Tigerkatze den gründlichsten Eintrag und gewann sich auch aus diesem Grunde immer mehr die Liebe ihres Erziehers.

Gefangene Marguays gelangen zuweilen auch nach Europa, gehören jedoch in den Käfigen unserer Thiergärten immer zu den Seltenheiten. Diejenigen, welche ich sah und beziehentlich pflegte, waren stille, anscheinend friedliche Geschöpfe, als entschiedene Nachtthiere übertages aber auch langweilig, weil sie die meiste Zeit in sich zusammengerollt auf ihrem Lager liegen, ohne sich um die Außenwelt viel zu kümmern. Ihr sanftes Wesen, die Anmuth ihrer Bewegungen und die Schönheit ihres Felles machen sie übrigens doch dem Pfleger lieb und werth.

 

Der Mbaracaya oder Tschati – Chati – ( Felis mitis, F. Chati und Maracaya, Leopardus Maracaya) ähnelt in seinem Leibesbau mehr dem Jaguar als dem Ozelot, unterscheidet sich aber nicht nur durch seine Zeichnung, sondern ebenso durch seine weit geringere Größe von dem gefürchteten Räuber; auch ist der Kopf verhältnismäßig kleiner und der Schwanz verhältnismäßig kürzer. Der Tschati gehört aber immerhin noch zu den größeren Katzen; denn seine Körperlänge beträgt 80, die des Schwanzes 30 und die Schulterhöhe 40 Centim. Der Grundton der Färbung ist mehr gelblich als röthlich, der Grundfarbe des Leopardenfelles ziemlich ähnlich, die Unterseite rein weiß. Auf dem Kopfe, Rücken, am Schwanze und unten an den Beinen heben sich einfache, schwarze Tüpfel ab, welche ebenso unregelmäßig in ihrer Gestalt wie in ihrer Anordnung, weil bald langgezogen, bald rund, bald in Streifen geordnet, bald wirr durch einander gestreut sind. Ein Flecken über dem Auge und die Backen sind rein weiß, die Ohren innen weiß, außen schwarz mit weißem oder gelbem Fleck. An den Seiten des Kopfes verlaufen zwei schwarze, unter der Kehle zieht ein brauner Streifen hin. Die Endhälfte des Schwanzes zeigt schwarze Binden und einige Ringel vor der Spitze. Die Jungen haben ein struppigeres und streifig geflecktes Haarkleid; aber auch bei den Alten ändert die Grundfarbe und die Beschaffenheit der Flecken und Streifen vielfach ab.

Der Tschati ist ein höchst eifriger Jäger und wagt sich schon an ziemlich große Thiere, beispielsweise kleine Hirsche. Den Hühnerzüchtern, welche in der Nähe der Waldungen wohnen, ist er ein sehr unangenehmer und ungemüthlicher Nachbar, und Jeder, welcher Hühner hat, mag sich vor ihm in Acht nehmen; denn, wie es scheint, zieht er Geflügel allem übrigen Wilde vor und stattet deshalb den Hühnerhäusern häufig Besuche ab. Eine Mauer oder ein Pfahlzaun rings um das Gehöft schützt nicht gegen seine nächtlichen Besuche, weil er es ebenso gut versteht, durch die schmälsten Oeffnungen sich zu drängen, wie über hohe Umfassungen zu klettern. Dabei ist er äußerst vorsichtig bei seinen nächtlichen Ueberfällen, läßt gewöhnlich nicht das geringste Anzeichen von seinen Besuchen zurück und nur am nächsten Morgen durch einige Blutspuren oder zerstreute Federn oder mehr noch durch die fehlenden Hühner erkennen, daß er wieder einmal da gewesen sei. Innerhalb zweier Jahren wurden nicht weniger als achtzehn Tschatis von einem Landeigner um sein Gehöft herum gefangen; hieraus mag hervorgehen, daß sie an manchen Orten häufig genug sind.

Man sagt, daß er in Paaren lebe und jedes derselben einen besonderen Jagdgrund besitze, ohne daß jedoch die beiden Gatten bei der Jagd sich behülflich wären. Während des Tages liegen die Thiere sorgfältig verborgen in dem dunklen Schatten der Wälder und schlafen, bis die Sonne zur Rüste gegangen ist und die Dunkelheit über das Land sich senkt. In Mondscheinnächten verbleiben sie in ihren Wäldern, d. h. scheuen sich, an ein Gehöft heranzuschleichen; je dunkler und stürmischer aber die Nacht ist, umsomehr scheint sie dieser Katze geeignet, einen Ueberfall auf die von den Menschen geschützten Thiere zu versuchen. In solchen Nächten mag der Bauer sich in Acht nehmen und gut nach seinen Thoren und Läden sehen oder aber erwarten, daß er am Morgen einen leeren Hühnerstall findet.

In der Gefangenschaft ist der Tschati ein sehr liebenswürdiges und anhängliches Wesen, welches seinen Herrn durch sein angenehmes Wesen und die hübschen und anmuthigen Streiche erfreut. Einer, welcher von dem erwähnten Landbesitzer gefangen worden war, wurde so vollständig zahm, daß man ihm zuletzt die Freiheit gab. Doch so liebenswürdig und umgänglich er auch gegen seinen Herrn sich bewiesen hatte, so mord- und raublustig zeigte er sich den Hühnern gegenüber. Seine Mordsucht war viel zu tief in ihm eingewurzelt, als daß sie hätte ausgerottet werden können. Das Thier benutzte jeden Augenblick, um im eigenen Hause oder in der Nachbarschaft einen Ueberfall zu machen, und endete auf einem dieser Streifzüge durch den Speer eines erbosten Pächters sein Leben.

Langschwanzkatze ( Felis macroura).

In Brasilien jagt man den Tschati mit Hülfe der Hunde, vor denen er sofort bäumt, dem Jäger sodann zur leichten Beute werdend. Die Neger und selbst einige Urbewohner essen das Fleisch, obgleich der Tschati, laut Prinz von Wied, einen unangenehmen Geruch von sich gibt. Aus dem schönen Felle, welches für Pferdedecken zu klein ist, bereiteten die brasilianischen Jäger zu Zeiten der Reise des Prinzen Regenkappen für ihre Gewehrschlösser; ob man es auch gegenwärtig noch verwendet, weiß ich nicht.

 

Häufiger als die beiden letztgeschilderten Arten der Familie scheint in den brasilianischen Wäldern die Langschwanzkatze ( Felis macroura, F. Wiedii, Leopardus tigrinoides) zu sein. Ihre Größe kommt der einer starken Hauskatze etwa gleich; ihre Pfoten sind jedoch viel stärker als bei letzterer. Die Gesammtlänge beträgt 90 bis 100 Centim., die Schulterhöhe 25 bis 30 Centim. Vom Tschati unterscheiden sie der längere Schwanz, der kleine Kopf, die großen Augen, die lanzettförmig abgerundeten Ohren und die stark gekrümmten, weißlichen Krallen. Ihre Grundfärbung ist röthlich braungrau, an den Seiten heller, unten weiß. Der ganze Leib ist unregelmäßig graubraun oder schwarzbraun gefleckt; einzelne Flecke umschließen einen lichteren Hof. Auf dem Oberkörper verlaufen fünf dunkle Längsstreifen, an der Stirne zwei schwarze Streifen, dazwischen Punkte, an den Seiten des Kopfes zwei dunkle Längsstreifen, unter der Kehle ein dunkler Querstreifen. Die Fußsohlen sind graubraun.

»Die Langschwanzkatze«, sagt Prinz Neuwied, »lebt in allen von mir bereisten Gegenden. Anfänglich wurde sie von mir für eine Mbaracaya gehalten, bis ich beide Thiere genauer verglich. Von dem Marguay und dem Ozelot ist sie verschieden. Ihre schlanke Gestalt, das bunte Fell, welches übrigens mit dem der Mbaracaya höchst übereinstimmend gezeichnet ist, machen sie zu einem der schönsten Thiere der Katzenfamilie. Meine Jäger fanden sie an verschiedenen Orten, und ich kann deshalb sagen, daß sie fast in allen großen Urwäldern Brasiliens lebt. Bei den Brasilianern trägt sie den Namen der gefleckten Wildkatze und wird von ihnen ihres schönen Felles wegen oft geschossen. Da sie weit leichter und behender ist als die Mbaracaya, steigt sie besonders gern an den Schlinggewächsen auf und ab, durchsucht die Bäume nach mancherlei Thieren und Vogelnestern und erhascht und verzehrt dabei alle kleineren Thiere, welche sie erreichen und bewältigen kann. Wilden und gezähmten Hühnern wird sie ebenfalls sehr gefährlich und kommt deshalb häufig genug an die Wohnungen heran, um Federvieh zu rauben. Ihr Lager schlägt sie in hohlen Stämmen, Felsenklüften oder Erdhöhlen auf und bringt dort auch ganz nach Art unserer Wildkatze ihre Jungen zur Welt.

»Gewöhnlich fängt man sie in Schlagfallen. Ich erhielt in den großen Urwäldern am Mukuri auf diese Art in vierzehn Tagen drei solche Katzen. Eine vierte schoß einer meiner Jäger von einem Baume herab und wollte sie ergreifen, allein sie entsprang, da sie nur leicht verwundet war. Ein Hund, welcher sie findet, treibt sie augenblicklich auf einen Baum, und dann kann man sie leicht herabschießen. Nur der Zufall bringt den Jäger in Besitz des schönen Thieres, weil man ihm auf seinen Streifzügen, welche es ebenso wohl bei Tage als bei Nacht übernimmt, nicht gut folgen kann.«

Hensel, nach Prinz von Wied unstreitig einer der schärfsten Beobachter des brasilianischen Thierlebens, weiß Vorstehendem wenig hinzuzufügen. »Wie alle Katzen«, bemerkt er, »lebt die Langschwanzkatze stets auf der Erde und besteigt die Bäume nur dann, wenn sie von den Hunden verfolgt wird, oder nach Regenwetter, wenn der Grund des Waldes zu naß geworden ist. Dann liegt sie ausgestreckt auf einem wagerechten Aste, um sich den wärmenden Strahlen der Sonne auszusetzen. Wie man an den Fährten sehen kann, besucht sie jede Nacht die Pflanzungen der Waldbewohner.

In der neueren Zeit kommt eine oder die andere dieser Katzen lebend zu uns herüber, immer selten und einzeln. Von denen, welche ich sah, hatte sich keine mit dem Menschen befreundet; alle waren im Gegentheile äußerst boshafte und wüthende Geschöpfe, welche zischten und fauchten, wenn man sich ihnen nahete. Richtete man den Blick fest auf sie, so knurrten sie ingrimmig und peitschten dabei höchst verständlich mit dem Schwanze; näherte man sich einen Schritt weiter, so fuhren sie fauchend bis an das Gitter heran und stellten sich trotzig zur Wehre, ganz nach Art unserer ebenfalls fast stets übelgelaunten Wildkatze. Im Zustande gemüthlicher Behaglichkeit, wie ihn Beckmann auf unserer Abbildung wiedergegeben, habe ich sie nie gesehen. Demungeachtet bin ich weit entfernt, behaupten zu wollen, daß sie unzähmbar seien.

Verwendet wird die erlegte Langschwanzkatze wie ihre Verwandten.

 

An unsere Wildkatze erinnert die Pampaskatze ( Felis pajeros, Pajeros pampanus, Leopardus pajeros); sie ist jedoch höher gestellt, ihr Kopf kleiner, ihr Schwanz länger, das Haar endlich, zumal auf der Rückenmitte, länger, härter und straffer. Von dem vorherrschend schön silbergrau gefärbten Pelze heben sich blasser oder dunkler rostbraunrothe Streifen, welche über den Rumpf schief von vorn und oben nach hinten und unten verlaufen, lebhaft ab, umsomehr, als sie auch aus Kehle und Brust als Gürtelbänder, auf den Beinen als Ringbänder sich wiederholen. Die einzelnen Haare des Pelzes sind an der Wurzel grau, hierauf lichtgelb und an der Spitze silbergrau, die der Streifen aber hier blaßrostgelb. Aus der Rückenmitte mischen sich schwarze und dunkelrostrothe Haare; auf dem Kopfe sind sie fahlgrau, sodann schwarz und an der Spitze weiß. Ueber die fast einfarbig fahlgelben Wangen verläuft ein schmaler rostrother Streifen. Die Ohren sind außen hell-, am Rande dunkelrostbraun, innen fahlweiß gefärbt. Der Schwanz hat die Farbe des Rückens und zeigt gegen die Spitze hin vier bis sechs dunklere Ringbinden; die Beine sind auf gilblichem Grunde sechs- bis siebenmal breit und regelmäßig rostroth, die Untertheile auf weißlich fahlgelbem Grunde unregelmäßig hellrostgelbroth gebändert. Diese Färbung und Zeichnung macht die Pampaskatze, trotz der Stumpfheit der Farben, zu einer der schönsten Arten der Gruppe. Starke Kater erreichen eine Länge von einem Meter und darüber, bei 30 bis 35 Centim. Schulterhöhe.

Die Pampaskatze findet sich in den Steppen Südamerikas, von Patagonien an bis zur Magellansstraße herab, und ist namentlich an den Ufern des Rio negro zu finden. Sie lebt in unbewohnten Waldgegenden und Steppen, hier wie da hauptsächlich von kleinen Nagern, welche namentlich die Pampas in außerordentlicher Menge bevölkern, sich ernährend. Man schildert sie als ein harmloses Thier, dessen Nutzen anerkannt wird. Ueber ihr Gefangenleben weiß ich nichts zu berichten. In die europäischen Thiergärten gelangt sie äußerst selten; so viel mir bekannt, hat man sie bisher nur in London einmal gefangen gehalten.

Pampaskatze ( Felis pajeros).

Unter den altweltlichen Katzen geht uns die Wild- oder Waldkatze, der Waldkater, Kuder, Baumreiter ( Felis catus, catus ferus), am nächsten an, weil sie die einzige Art ihrer Familie ist, welche selbst in unserem Vaterlande noch nicht ausgerottet wurde. Lange Zeit hat sie für die Stammart unserer Hauskatze gegolten, und auch gegenwärtig wird sie von einzelnen Naturforschern noch dafür gehalten, obwohl die genaueren Beobachtungen und Untersuchungen diese Ansicht nicht zu stützen vermögen. Die Wildkatze ist bedeutend größer und kräftiger als die Hauskatze, ihr Kopf dicker, ihr Leib gedrungener und ihr Schwanz merklich stärker, aber auch viel kürzer als bei der Hauskatze; zudem unterscheiden sich beider Schwänze noch dadurch, daß der eine von seiner Wurzel bis zum Ende gleichmäßig dick erscheint, der andere aber von der Wurzel bis zur Spitze allmählich sich verdünnt. Eine erwachsene Wildkatze erreicht ungefähr die Größe des Fuchses und ist also um ein Drittheil größer als die Hauskatze. Von dieser unterscheidet sie sich auf den ersten Blick durch die stärkere Behaarung, den reichlicheren Schnurrbart, den wilderen Blick und das stärkere und schärfere Gebiß. Als besonderes Kennzeichen gilt die schwarzgeringelte Ruthe und der gelblichweiße Fleck an der Kehle.

Die Körperlänge betrügt in der Regel 80, die Länge ihres Schwanzes 30, die Höhe am Widerriste 35 bis 42 Centim., und ihr Gewicht 8 bis 9 Kilogr. Einzelne Kater werden unter besonders günstigen Umständen noch größer. Der Pelz ist dicht und lang, beim Männchen fahlgrau, bisweilen schwarzgrau gefärbt, beim Weibchen gelblichgrau, das Gesicht rothgelb, das Ohr auf der Rückseite rostgrau, inwendig gelblichweiß. Von der Stirn ziehen sich vier gleichlaufende schwarze Streifen zwischen den Ohren hindurch, von denen die beiden mittleren auf dem Rücken sich fortsetzen und, nachdem sie sich vereinigt haben, einen Mittelstreifen bilden, welcher längs des Rückgrates und über die Oberseite des Schwanzes läuft. Von ihm gehen auf beiden Seiten viele verwaschene Querstreifen aus, welche etwas dunkler als die anderen sind und nach dem Bauche hinabziehen. Letzterer ist gelblich, mit einigen schwarzen Flecken betüpfelt; die Beine sind mit wenigen schwarzen Querstreifen gezeichnet, gegen die Pfoten zu gelber, an der Innenseite der Hinterbeine gelblich und ungefleckt. Der Schwanz trägt Ringe, welche von der Wurzel nach der Spitze hin dunkler werden.

Wildkatze ( Felis catus).

In der Weidmannssprache heißen die Augen der Wildkatze Seher, die Ohren Lauscher, die Eckzähne Fänge, die Krallen Waffen, die Beine Läufe, die Füße Branten (Pranken), der Schwanz Ruthe, Standarte oder Lunte, das Fell Balg. Sie schnürt oder schränkt, wenn sie geht, raubt oder reißt ihr Wild, bäumt, wenn sie klettert, thut Sprünge, frißt im Gegensatze zum Wilde, welches äset, ranzt oder begehrt, wenn sie sich paart, bringt Junge, hat ein Lager etc.

Noch heutzutage herbergt die Wildkatze in ganz Europa mit Ausnahme des höheren Nordens, namentlich Skandinaviens und Rußlands, woselbst der Luchs sie vertritt. In Deutschland bewohnt sie ständig, wennschon immer nur einzeln, alle waldreichen Mittelgebirge, insbesondere den Harz, Thüringer-, Franken-, Böhmer-, Hoch-, Oden- und Schwarzwald, das Erzgebirge, die Rhön, die rheinischen und oberhessischen Gebirge, streift von hier aus, von Wald zu Wald schweifend und unterwegs oft monatelang verweilend, weit in das Flachland hinaus und kann demgemäß in ausgedehnten Waldungen so ziemlich überall vorkommen, dürfte auch viel öfter in ihnen sich einstellen, als man anzunehmen pflegt. Weit häufiger als bei uns zu Lande trifft man sie im Süden, zumal im Südosten Europa's. In den bewaldeten Vorbergen der Alpen lebt sie überall und zwar in größerer Anzahl als in den Alpen selbst; in Südungarn, Slavonien, Kroatien, Bosnien, Serbien, den Donaufürstenthümern und wahrscheinlich auch der europäischen Türkei zählt sie zu den allbekannten Raubthieren. In Spanien ist sie noch häufig, in Frankreich stellenweise wenigstens nicht seltener als bei uns zu Lande; nicht einmal in Großbritannien hat man sie ausrotten können. Soweit bis jetzt mit Sicherheit festgestellt ist, reicht ihr Verbreitungskreis nicht weit über die Grenzen Europa's hinaus. Südlich vom Kaukasus ist sie noch in Grusien vorgekommen; aus anderen asiatischen Ländern erhielt man sie nicht. Dichte, große, ausgedehnte Wälder, namentlich dunkle Nadelwälder, bilden ihren Aufenthalt; je einsamer ihr Gebiet ist, um so ständiger haust sie in ihm. Felsreiche Waldgegenden zieht sie allen übrigen vor, weil die Felsen ihr die sichersten Schlupfwinkel gewähren. Außerdem bezieht sie Dachs- und Fuchsbauten oder große Höhlungen in starken Bäumen, und in Ermangelung von derartigen Schlupfwinkeln schlägt sie ihr Lager in Dickichten und auf trockenen Kaupen in Sümpfen und Brüchen auf. Zu Bau geht sie besonders in der kühleren Jahreszeit, während sie im Hochsommer, vorausgesetzt, daß sie nicht durch ihre Jungen an eine Höhlung gebunden wird, um den sie peinigenden Flöhen zu entrinnen, lieber ein freies Lager aufsucht oder nach hohlen Bäumen sich zurückzieht.

Nur während der Ranzzeit oder so lange die Jungen noch nicht selbständig sind, lebt die Wildkatze in Gesellschaft, außerdem stets einzeln. Auch die Jungen trennen sich bald von der Mutter, um auf eigene Hand dem Wilde nachzustreben. »Ich erinnere mich nicht«, schreibt mir Oberjägermeister von Meyerinck, »gehört zu haben, daß man zwei Wildkatzen zusammen gesehen hätte. Die Katze wandert, besonders wenn sie trächtig geht, jedenfalls sehr weit umher. Mir sind zwei Fälle bekannt, daß eine Wildkatze in der Gegend von Neuhaldensleben gespürt wurde, und zwar erst im Frühjahre. Jedesmal in dem darauf folgenden Winter wurden in verschiedenen benachbarten Revieren vier Wildkatzen erlegt, ohne daß man von ihnen Kenntnis gehabt hatte.« Bei diesen Wanderungen nimmt die Wildkatze so gut als ausschließlich von Fuchs- und Dachsbauten Besitz, verschläft und verträumt in ihnen den Tag und macht sich so weit weniger bemerklich als der Fuchs, auf dessen Rechnung ihre Unthaten nicht selten gebracht werden. »In der Letzlinger Heide«, fährt von Meyerinck fort, »wollte ein Förster einen Fuchs ausgraben, den er im Bau ausgespürt zu haben glaubte, obgleich ihm die Fährte eigenthümlich vorgekommen war. Der eingelassene Dachshund lag fest im Baue vor; man schlug endlich durch und kam nach längerem Graben in der Tiefe von zwei Meter auf den Hund und das Ende der Röhre. Als man aber mittels des Fuchshakens Freund Reinecke herausholen wollte, kam eine weibliche Wildkatze zum Vorscheine, welche stärker als ein Fuchs war.« Im Winter verläßt sie nicht allzuselten den Wald und nimmt in einzeln stehenden Gehöften Herberge: erst vor wenigen Jahren erlegte der Lehrer Schach in Rußdorf bei Krimmitzschau einen vollständig ausgewachsenen, sehr starken Wildkater, welcher mehrere Tage lang in einer Scheuer dieses Dorfes sich aufgehalten, aber noch wenig Schaden gethan hatte. In Ungarn soll sie, wie Lenz angibt, im Winter vorzugsweise in Scheuern Hausen.

Mit Eintritt der Dämmerung tritt die Wildkatze ihre Jagdzüge an. Ausgerüstet mit trefflichen Sinnen, vorsichtig und listig, unhörbar sich anschleichend und geduldig lauernd, wird sie kleinerem und mittelgroßem Gethier sehr gefährlich. »Im scharfen Aeugen selbst bei Nacht, zu welcher Zeit ihre Seher wie brennende Kohlen funkeln«, sagt Dietrich aus dem Winckell, »in ebenso scharfen Wittern (?) und im höchst leisen Vernehmen wird sie von keinem Thiere übertroffen«, im unbemerklichen Anschleichen, beharrlichen Auflauern und sicheren Springen, füge ich hinzu, gewiß auch nicht. »Wer kennt nicht«, so drückt sich entrüstet Winckell aus, »das spitzbübische Schleichen der zahmen Katze, wenn es ihr darauf ankommt, ein armes Vögelchen zu erhaschen? Genau ebenso benimmt sich auch die Wildkatze«, wenn sie auf Beute ausgeht. Mit der allen Katzen eigenen List beschleicht sie den Vogel in seinem Neste, den Hasen in seinem Lager und das Kaninchen vor seinem Baue, vielleicht auch das Eichhörnchen auf dem Baume. Größeren Thieren springt sie auf den Rücken und zerbeißt ihnen die Schlagadern des Halses. Nach einem Fehlsprunge verfolgt sie das Thier nicht weiter, sondern sucht sich lieber eine neue Beute auf: sie ist auch in dieser Hinsicht eine echte Katze. Zum Glück für die Jagd besteht ihre gewöhnliche Nahrung in Mäusen aller Art und in kleinen Vögeln. Wohl nur zufällig macht sie sich an größere Thiere; aber sie soll thatsächlich Reh- und Hirschkälber überfallen, ist auch für solche Beute noch immer stark genug. An den Seen und Wildbächen lauert sie auch Fischen und Wasservögeln auf und weiß solche mit großer Geschicklichkeit zu erbeuten. Sehr schädlich wird sie in Gehegen, am schädlichsten wohl in Fasanerien. Hier gelingt es ihr in kurzer Zeit, die meisten Inwohner zu vernichten. In Hühnerställen und Taubenschlägen günstig für sie gelegener Walddörfer macht sie ebenfalls unliebsame Besuche, wie schon der alte Döbel berichtet: »gehen auch wohl in die Dörfer und holen den Bauern die Hühner weg«. Erst im Jahre 1863 und zwar im Monat Mai wurde ein alter stumpfzahniger und stumpfklauiger Kater von einer handfesten, infolge wiederholter Hühnerdiebstähle mit gerechtem Zorne erfüllten Bäuerin des Dorfes Dörnberg unweit der Lahn elendiglich erschlagen. Im Verhältnisse zu ihrer Größe ist die Wildkatze überhaupt ein gefährliches Raubthier, zumal sie den Blutdurst der meisten ihrer Gattungsverwandten theilen und mehr Thiere, als sie verzehren kann, tödten soll. Aus diesem Grunde wird sie von den Jägern grimmig gehaßt und unerbittlich verfolgt; denn kein Weidmann rechnet den Nutzen, welchen sie durch Vertilgung von Mäusen bringt, ihr zu Gute. Wie viele von diesen schädlichen Thieren sie vernichten mag, geht aus einer Angabe Tschudi's hervor, welcher berichtet, daß man in dem Magen einer Wildkatze die Ueberreste von 26 Mäusen gefunden hat. Die Losung, welche Zelebor vor den von Wildkatzen bewohnten Bauen sammelte und untersuchte, enthielt größtentheils Knochenüberreste und Haare von Marder, Iltis, Hermelin und Wiesel, Hamster, Ratte, Wasser-, Feld- und Waldmäusen, Spitzmäusen und einige unbedeutende Reste von Eichhörnchen und Waldvögeln. Kleine Säugethiere also bilden den Haupttheil der Beute unseres Raubthieres, und da unter diesen die Mäuse häufiger sind als alle übrigen, erscheint es sehr fraglich, ob der Schaden, welchen die Wildkatze verursacht, wirklich größer ist als der Nutzen, welchen sie bringt. Der Weidmann, dessen Gehege sie plündert, wird schwerlich jemals zu ihrem Beschützer werden; der Forstmann aber oder der Landwirth hat wahrscheinlich alle Ursache, ihr dankbar zu sein. Zelebor tritt mit Entschiedenheit sogar in einer Jagdzeitung für sie in die Schranken, und ich meinestheils schließe mich wenigstens bedingungsweise ihm an. Die Wildkatze schadet, so glaube ich zusammenfassen zu dürfen, zuweilen und nützt regelmäßig; sie vertilgt mehr schädliche Thiere als nützliche und macht sich dadurch, zwar nicht um unsere Jagd, wohl aber um unsere Wälder verdient.

Die Zeit der Paarung der Wildkatze fällt in den Februar, der Wurf in den April; die Tragzeit währt neun Wochen. In Gegenden, welche das Raubthier noch verhältnismäßig zahlreich bewohnt, soll, laut Winckell, der Lärmen, den die sich paarenden Katzen verursachen und welcher durch den ewigen Zank der Kater noch vermehrt wird, ebenso unausstehlich sein wie bei den zahmen Katzen in Dörfern und Städten. Es scheint erwiesen, daß auch Wild- und Hauskatzen sich paaren, obgleich beide nicht eben freundschaftlich gegen einander sich zu benehmen pflegen. Freilich ändert heftige Brunst auch in diesem Falle früher gehegte Gesinnungen. In der Nähe von Hildesheim wurde, wie Niemeyer berichtet, Mitte der sechsziger Jahre ein Wildkater in einem Förstereigarten geschossen, zur Zeit, als die Hauskatzen des Gehöftes ihre bekannte Paarungsmusik aufführten. Der Förster versicherte, daß der Kater dem Geschrei der Hauskatzen nachgegangen und sehr sorglos gegen die Umgebung gewesen sei. Auch sind schon wiederholt Katzen erlegt worden, welche wohl mit vollem Rechte als Blendlinge von beiden Arten angesprochen wurden. Die tragende Wildkatze wählt sich einen verlassenen Dachs- oder Fuchsbau, eine Felsenkluft oder auch einen hohlen Baum zum Wochenbette und bringt hier fünf bis sechs Junge, welche blind geboren werden und jungen Hauskätzchen ähneln. Wenn sie nicht mehr säugen, werden sie von der Mutter sorgfältig mit Mäusen und anderweitigen Nagern, Maulwürfen und Vögeln versehen. Nach kurzer Zeit schon erklettern sie mit Vorliebe niedere oder höhere Bäume, deren Aeste später ihren Spiel- und Tummelplatz sowie ihre Zuflucht bei herannahender Gefahr bilden. Einer solchen suchen sie in den meisten Fällen einfach dadurch zu entgehen, daß sie auf dicken Aesten sich niederdrücken und auf die Gleichfarbigkeit ihres Felles mit diesen vertrauen. Es gehört ein sehr geübter Blick dazu, sie hier zu entdecken; denn auch erwachsene Wildkatzen wissen, zumal im Sommer, wenn das Laub die Baumkronen verdichtet, dem Späherauge des Jägers in derselben Weise sich zu entziehen und bleiben, wie Winckell sich ausdrückt, »sicher unter zehn Malen neunmal unentdeckt. Selbst wenn man sie am Baume hinauffahren sieht, oder wenn der Hund sie unten verbellt, muß man jeden Ast von allen Seiten recht genau und einzeln ins Auge fassen, will man sie wahrnehmen«. Die Alte scheint ihre Jungen nicht zu vertheidigen, verläßt sie wenigstens beim Herannahen des Menschen, vor welchem sie in der Regel große Furcht zeigt. Dies dürfte aus folgendem Berichte von Lenz hervorgehen: »Im Jahre 1856 ging mein Zimmermann fünfhundert Schritte von meinem Hause an der Südseite des Hermannsteins, wo wilde Kaninchen oft in Menge wohnen, durch ein Dickicht und hörte in einem erweiterten Kaninchenbau Stimmen, wie von kleinen Katzen. Er hatte wenige Tage zuvor solche von mir zu haben gewünscht, und da ich keine besaß, so war er nun froh, hier selbst ein Nestchen zu finden. Er grub nach und fand drei Stück echter Wildkatzen von Rattengröße. Wie er sie in seinen Ranzen gesteckt hatte und wegging, sah er die Alte in seiner Nähe mit gespitzten Lauschern umherschleichen; sie ging aber ganz leise und machte keine Miene, ihn anzugreifen; sie hatte die Größe eines tüchtigen Hasen, die echte wilde Farbe, den kurzen, dicken Schwanz. Ebenso waren die kleinen Kätzchen an ihrer Farbe und namentlich an dem auffallend von dem der zahmen abweichenden Schwanze leicht als echt zu erkennen. Merkwürdig genug war das angeborene wilde Naturell dieser kleinen Bestien: sie kratzten, bissen und fauchten mit entsetzlicher Bosheit. Vergeblich wurde alle mögliche Mühe angewendet, sie zahm zu machen und gut zu verpflegen. Sie wollten weder fressen noch saufen und ärgerten und tobten sich zu Tode«. Dieselbe Beobachtung haben Alle gemacht, welche junge Wildkatzen aufzuziehen versuchten. Es erfordert große Aufmerksamkeit und Sorgfalt, bereits eingewöhnte Wildkatzen bei guter Gesundheit oder am Leben zu erhalten, ungemein schwierig aber ist es, junge zum Fressen zu bringen; denn man hat kein Mittel, sie zu zwingen. Nehmen sie erst ein Mäuschen oder Vögelchen, so ist schon viel erreicht. Beim Anblicke eines Menschen geberden sie sich zwar immer noch wie unsinnig; wissen sie jedoch sich unbelauscht, so spielen sie lustig nach Art ihrer Verwandten. Beim geringsten Geräusche endet das Vergnügen, die Harmlosigkeit weicht dem Mistrauen, und dieses geht allgemach in den früheren Ingrimm über. »Die dreieckigen Ohren seit- und rückwärts gelegt«; so schildert Weinland sehr richtig, »mit einem Gesichtsausdruck, den man am gelindesten mit »Niemandes Freund« übersetzen kann, harren sie, knurrend und murrend, mitunter auch schreiend auf ihrem Platze aus; die grüngelben Augen scheinen Blitze versenden zu wollen, das Haar ist gesträubt und die Pranke zum Schlage bereit.« Nach und nach gewöhnen sie sich an den Pfleger, bleiben wenigstens sitzen, wenn er ihnen sich nähert, fauchen nicht mehr so greulich und lassen es schließlich, wenn auch in seltenen Fällen, geschehen, daß man sie berührt und streichelt. Es kommt eben alles darauf an, wie sie behandelt werden. Zelebor versichert, daß sogar alt gefangene Wildkatzen sich zähmen lassen. »Anfangs geberdeten sich die gefangenen Katzen außerordentlich scheu und unbändig, fauchten, trommelten oder besser »donnerten« mit geöffnetem Maule und sprangen mit gewaltigen Sätzen an das Gitter des Käfigs, sobald Mensch oder Thier demselben sich näherte; sie tobten derart, daß selbst muthige Jäger scheu zurückwichen; ja sie mordeten mit einem Pfotenschlage oder Bisse jedes zu ihnen in den Käfig geschobene Thier, von der Ratte angefangen bis zum Kaninchen, jeden Vogel, von der Größe eines Sperlings bis zu der eines Huhnes, ohne das Opfer weiter zu berühren. Bei liebevoller Behandlung legte sich jedoch allmählich diese Kampflust; sie wurden mit jedem Tage ruhiger und zutraulicher und nahmen nach Verlauf einer Woche das mittels eines Stockes dargereichte Futter und verzehrten es brummend.« Eine alte, mit ihren Jungen gefangene Wildkatze nahm ein ihr von Zelebor untergeschobenes Kätzchen freundlich auf, liebkosete es und ließ es mit ihren zwei größeren Jungen säugen. Diese Waisenmutter wurde nach Verlauf einiger Wochen so zahm, daß sie unter gemüthlichem Schnurren zum Spielen mit Zelebors Hunde sich herbeiließ. Hinsichtlich ihrer Nahrung zeigen sich alte wie junge Wildkatzen äußerst wählerisch. Mäuse und kleine Vögel bevorzugen sie allem übrigen, Milch lecken sie ebenso gern wie Hauskatzen, Pferdefleisch verschmähen sie hartnäckig; selbst bei ausschließlicher Fütterung mit gutem Rindfleische gehen sie bald zu Grunde. Die Schwierigkeit ihrer Pflege erklärt es, daß man ihr nur sehr selten in einem Thiergarten begegnet und eher zehn Leoparden oder Löwen als eine Wildkatze erwerben kann.

Die Jagd der Wildkatze wird überall mit einer gewissen Leidenschaft betrieben: handelt es sich doch darum, ein dem Weidmann ungemein verhaßtes und dem Wilde schädliches Raubthier zu erbeuten. Bei uns zu Lande erlegt man sie gewöhnlich auf Treibjagden. »Sie läßt sich«, bemerkt von Meyerinck noch, »sehr gut treiben und ist schneller bei den Schützen als der Fuchs. Ich selber schoß eine sehr starke Wildkatze im Harze beim Treiben auf Wildpret, und da es scharf gefroren hatte, hörte ich sie, gleich nachdem die Treiber vorwärts gegangen waren, im gefallenen Laube schon von fernher kommen, genau in derselben Weise wie ein Fuchs, welcher ruhig trabt und hin und wieder stehen bleibt, um nach dem Treiben zu horchen, sich nähert.« Im Winter, nach einer Neue, wird sie abgespürt, bis zum Baue oder einem Baume verfolgt, mit Hülfe des Hundes ausgetrieben oder festgemacht und dann erlegt; außerdem kann man ihrer habhaft werden, indem man sie durch Nachahmen des Geschreies einer Maus oder des Piepens eines Vogels reizt. Der Fang ist wenig ergiebig, obgleich die Wildkatze durch eine Witterung aus Mäuseholzschale, Fenchel- und Katzenkraut, Violenwurzel, welche in Fett oder Butter abgedämpft werden, sich ebenfalls bethören und ans Eisen bringen lassen soll. In Ungarn stöbert man sie mit Hunden auf und treibt sie zum Baue oder in einen hohlen Baum, welchen man dann einfach zu fällen pflegt, um sie zu erbeuten. »Am schwierigsten«, sagt Zelebor, »ist es, eine wilde Katze lebend aus einem hohlen Baume herauszubringen. Zwei, drei der stärksten und muthigsten Männer haben, ungeachtet ihre Hände in derben Handschuhen stecken und noch mit Lappen umwickelt sind, nach Leibeskräften zu thun, die Katze herauszuziehen und in einen Sack zu stecken.« Ich gestehe, daß mir diese Fangart nicht recht glaublich erscheinen will, da alle älteren Berichterstatter darin einig sind, daß mit einer erwachsenen Wildkatze nicht zu spaßen ist. Winckell räth dem Jäger an, vorsichtig mit ihr zu Werke zu gehen, einen zweiten Schuß nicht zu sparen, falls der erste nicht sofort tödtlich war, und ihr nur dann sich zu nähern, wenn sie nicht mehr fort kann, ihr aber auch jetzt noch mit einigen tüchtigen Hieben über die Nase den Garaus zu machen, bevor man sich weiter mit ihr befaßt. Verwundete Wildkatzen können, wenn man sie in die Enge treibt, sehr gefährlich werden. »Nimm dich wohl in Acht, Schütze«, so schildert Tschudi, »und faß die Bestie genau aufs Korn! Ist sie bloß angeschossen, so fährt sie schnaubend und schäumend auf, mit hochgekrümmtem Rücken und gehobenem Schwanze naht sie zischend dem Jäger, setzt sich wüthend zur Wehr und springt auf den Menschen los; ihre spitzen Krallen haut sie fest in das Fleisch, besonders in die Brust, daß man sie fast nicht losreißen kann, und solche Wunden heilen sehr schwer. Die Hunde fürchtet sie so wenig, daß sie, ehe sie den Jäger gewahrt, oft freiwillig vom Baume herunter kommt; es setzt dann fürchterliche Kämpfe ab. Die wüthende Katze haut mit ihrer Kralle oft Risse, zielt gern nach den Augen des Hundes und vertheidigt sich mit der hartnäckigsten Wuth, solange noch ein Funke ihres höchst zähen Lebens in ihr ist. So kämpfte im Jura ein wilder Kater, auf dem Rücken liegend, siegreich gegen drei Hunde, von denen er zweien die Tatzen tief in die Schnauzen gehauen hatte, während er den dritten mit den Zähnen festgepackt hielt – eine Vertheidigung, zu der er den äußersten Muth und die größte Gewandtheit bedurfte, und welche gleichzeitig eine hohe Klugheit verräth, da er nur so der Hundebisse sich erwehren konnte. Ein starker Schuß des herbeieilenden Jägers, der die Bestie durch und durch bohrte, errettete die schwer verwundeten Thiere, welche sonst sämmtlich erlegen wären.«

Man kennt andere Jagdgeschichten dieses Thieres, welche zum Theil ein sehr trauriges Ende haben; ich will bloß ihrer zwei mittheilen. »Als ich«, so sagt Hohberg, »anno 1640 zu Parduwitz auf die Entenpirsch gegangen, hat der Hund ungefähr im dicken Rohr eine wilde Kaz gewittert und auf einen Baum hinaufgetrieben. Der Hund ist dann um den Baum herumgegangen und hat die Kaz darob angebellt, wie er denn ein sonderlicher Kazenfeind und ein starker, bissiger Hund gewesen. Als ich das mit großen Entenschroten geladene Rohr ergriff, den Anschlag auf die Kaz genommen und sie herabschießen wollen, hat die Kaz einen Sprung in das nächste Röhricht gethan, der Hund aber ist der Kazen nachgeeilt und hat sie ergriffen. Ich mochte im dicken Gezausicht nicht schießen, nahm alsobald meinen Degen und stieg ins Geröhricht, da ich den Hund mit der Kazen verwickelt funden und sie auf der Erden durch und durchgespießet. Die Kaz, als sie sich verwundet empfunden, ließ stracks von dem Hunde ab und schwung sich, also durchstochen, mit so großer Furie an der Klingen gegen meine Hand, daß ich selbige nothwendig habe müssen fallen lassen. Entzwischen aber ersah der von der Kazen befreyte Hund seinen Vortheil, ergriff sie bei dem Genick und hielt sie so feste, daß ich Zeit hatte, mit dem Fuß den Degen wieder aus der Kazen zu ziehen und ihr folgends den Rest zu geben.«

Nahe meiner Heimat heißt noch heutigen Tages eine Forstabtheilung die »wilde Katze«. Dieser Name verdankt einer unglücklichen Jagdgeschichte seine Entstehung. Ein Kreiser oder Waldläufer spürte eines Wintermorgens im frischgefallenen Schnee eine Wildkatzenfährte und folgte ihr, erfreut über das ihm zu Theil gewordene Jagdglück und die in Aussicht stehende, damals noch ziemlich bedeutende Auslösung. Die Fährte verlief bis zu einer gewaltigen hohlen Buche, auf welcher das Thier aufgebäumt haben mußte. Auf den Aesten war es nicht zu sehen, es mußte also irgendwo im Inneren des Baumes verborgen sein. Unser Kreiser macht sich schußfertig und nimmt seinen Revierhammer hervor, um durch Anklopfen mit demselben die Katze aus dem Baume zu vertreiben. Er thut einige Schläge und ergreift flugs sein Gewehr, um die etwa sich zeigende Katze sogleich beim Erscheinen mit einem wohlgezielten Schusse zu empfangen. Vergeblich; sie erscheint nicht. Er muß noch einmal anklopfen. Noch immer will sie sich nicht zeigen. Er klopft also zum dritten Male; aber – noch hat er nicht das Gewehr zum Anschlag erhoben, da sitzt ihm die Katze im Nacken, reißt ihm mit ihren Tatzen im Nu die dicke Pelzmütze vom Kopfe und haut sich fest in seinen Kopf ein, mit den Zähnen das Halstuch zerreißend. Dem Ueberraschten entfällt das Gewehr; er vergißt fast, sich zu vertheidigen und sucht bloß Hals und Gesicht vor den wüthenden Bissen zu schützen. Dabei schreit er, laut um Hülfe rufend, seinem im Walde befindlichen Sohne zu. Die Katze zerfleischt ihm die Hände, zerbeißt ihm das Gesicht, zerreißt das Tuch; ängstlicher wird sein Hülferufen, größer seine Angst. Da empfängt er einen grimmigen Biß in den Hals und stürzt nieder. So findet ihn sein Sohn, die Katze noch auf ihm, die Nackenmuskeln ihm zerreißend. Er versucht das wüthende Thier wegzureißen, nimmt seinen Hammer und schlägt auf die Katze ein; sie faucht, beißt aber immer wieder auf ihr Schlachtopfer los. Endlich trifft sie ein Hammerschlag auf den Kopf, und sie erliegt. Der Lärm hat Vorübergehende herbeigezogen; man bringt den Bewußtlosen nach Hause, verbindet ihn, so gut es geht, und schickt nach einem Arzte. Inzwischen kommt der Zerschundene wieder zu sich und erzählt in kurzen, gebrochenen Sätzen seinen fürchterlichen Kampf. Der Arzt erscheint, und man wendet alle Mittel an; noch an demselben Tage aber verscheidet der Mann unter entsetzlichen Schmerzen.

Von der eigentlichen Wildkatze sind die bloß verwilderten Hauskatzen wohl zu unterscheiden. Solche trifft man nicht selten in unseren Waldungen an; sie erreichen aber niemals die Größe der eigentlichen wilden, obwohl sie unsere Hauskatzen um vieles übertreffen. In der Zeichnung und an Bosheit und Wildheit ähneln sie durchaus der Wildkatze.

 

In felsigen Gegenden Südostsibiriens, der Tartarei und Mongolei vertritt der Manúl, die Stepnaja-Koschka oder Steppenkatze der Grenzkosaken Transbaikaliens, die Malá der Tungusen ( Felis Manul, Catus Manul, Felis nigripectus), unsere in ganz Sibirien fehlende Wildkatze. Das Thier kommt dieser an Größe annähernd gleich, ist jedoch niedriger gestellt als sie. Ihr im Alter licht-, in der Jugend dunkelsilbergrauer, ungemein dichter Pelz besteht aus fahlgelben, weißlich gespitzten und aus dunkelbraunen Grannenhaaren, zwischen denen lichtschwarzes Wollhaar steht; der Scheitel ist fein schwarz gefleckt, das niedere, breite, abgerundete Ohr außen mit kurzen gelblichen, weiß gespitzten, innen mit langen weißen Haaren bekleidet; die verhältnismäßig lange buschige Standarte zeigt auf gelbgrauem Grunde in gleichen Abständen sechs schwarze Ringelbinden und eine schwarze, bei jüngeren Thieren graue Spitze. Nasenrücken und Oberlippe haben mattlehmfarbene, zwei unter den Augen beginnende, über die Wangen verlaufende, im Rauchgrau der Halsseiten verschwimmende Streifen und ebenso die Vorderbrust schwarze, die Schnurrhaare weiße Färbung.

Erst durch Radde's Forschungen haben wir einige Kunde über die Lebensverhältnisse der Manúlkatze erlangt. Der gebirgige Nordrand Hochasiens setzt, weniger durch seine Höhe als durch seine Waldungen, ihr wie dem Korsak eine scharf gezogene Grenze nach Norden hin. Im Gegensatze zum Luchse, einem Bewohner der dichtesten Nadelholzwälder, gehört der Manúl ausschließlich der Hochsteppe Mittelasiens an. Er findet sich nicht mehr an der Nordseite des Sajangebirges und ist dem Gebiete der mittleren Oka, dem Hochgebirge der Sojoten und dem Quellgebiete des Irkukt fremd, soll dagegen im Lande der Darchaten und Urjänchen, und um dem Kossogolsee nicht selten sein. In sehr strengen Wintern soll er, wie der Korsak, familienweise von der Mongolei aus in die russischen Gebiete wandern. Seine Nahrung besteht vorzugsweise in kleinen Nagethieren, beispielsweise Alpenhasen, und verschiedenen Steppenvögeln, zumal Feldhühnern. Pallas hält den Manúl, schwerlich mit Recht, für die Stammart der Angorakatze. Hierauf beschränken sich die mir bekannten Angaben.

 

Südlich und östlich von den Wohngebieten des Manúl tritt eine andere Art der Gruppe auf: die Zwergkatze oder der Kueruck ( Felis undata oder F. minuta, javanensis und sumatrana). Sie ähnelt unserer Hauskatze in der Gestalt, ist aber merklich kleiner, nämlich nur 65 bis 70 Centim. lang, wovon 20 bis 23 Centim. auf den Schwanz zu rechnen sind. Ihre Grundfärbung ist oberseits bräunlichfahlgrau, mehr oder weniger ins Graue spielend, unterseits weiß, die Fleckung oben dunkelrostbraun, unten braunschwarz. Ein bezeichnendes Merkmal bilden vier Längsstreifen, von denen zwei über den Augen, zwei zwischen ihnen zu beiden Seiten der Nase beginnen, und welche sich gleichlaufend über Stirn, Scheitel und Nacken ziehen, auf der Stirn bei manchen Stücken noch einen kurzen undeutlicheren fünften zwischen sich aufnehmend. Die Augenstreifen wenden sich nach den Schultern zu, die Mittelstreifen folgen der Rückenmitte und nehmen in der Schultergegend, wo alle in Flecken sich auflösen, eine längs des Rückens mit ihnen in annähernd gleichem Abstande verlaufende, aus länglichen Tupfen bestehende Fleckenreihe zwischen sich auf. Hinter dem Ohre beginnt ein undeutlicher Streifen, welcher jene seitlich begrenzt, aber kaum bis zu den Schultern reicht. Vom Auge verläuft ein kürzerer Streifen nach dem Mittelhalse, von der mittleren Wange ein anderer nach dem Kinnladenwinkel, woselbst er mit einer Kehlbinde Vförmig zusammenfließt. Die Oberbrust zeigt drei bis vier mehr oder weniger geschlossene dunkle Querbinden; die Leibesseiten, Schultern und Schenkel sind mit rundlichen, kleinen Tupfflecken gezeichnet; der Schwanz ist oben ebenfalls getüpfelt, unten dagegen weißlich, an der Spitze dunkler; die Füße sehen gelbgrau, die Zehen bräunlichgrau aus. Zur ferneren Kennzeichnung möge dienen, daß der Nasenrücken und eine Schnurrbartbinde rostbraun, ein Streifen jederseits zwischen Auge und Nase und ein anderer schmälerer unter jedem Auge weißgelb, die Ohren außen braunschwarz, mit weißem Fleck gezeichnet, innen weißlich, die Augen endlich braun gefärbt sind. Färbung und Zeichnung wechseln übrigens vielfach ab.

Zwergkatze ( Felis undata).

Durch Schrencks und Radde's Forschungen scheint festgestellt worden zu sein, daß der Verbreitungskreis der Zwergkatze viel weiter sich ausdehnt, als man bisher angenommen hatte. Man kannte unser Thier als Bewohner des festländischen Indien und der Sundainseln und vermuthete, daß es auch in Japan vorkomme; die genannten Forscher aber glauben, eine im Amurlande gefundene Art ebenfalls als gleichartig mit ihm ansehen und ebenso die chinesische Wildkatze als Zwergkatze bestimmen zu dürfen. Ueber das Freileben dieser ist bis jetzt noch wenig bekannt. Nach Junghuhn tritt sie in vielen Waldungen Javas sehr häufig auf, lebt auf den bemoosten Zweigen der Bäume, 20 bis 30 Meter über dem Boden, und steigt fast niemals aus dem Laubgewölbe zum Boden hernieder. »Sie übertrifft alle anderen Thiere (?) an Flüchtigkeit im Klettern und Springen, lebt hauptsächlich von Vögeln, welche sie in ihren heimatlichen Wäldern im Ueberflusse erhascht, und wird von den Javanen beim Fällen der Bäume oft lebendig gefangen.« Man sagt, daß sie zu den wildesten, blutgierigsten Arten ihres Geschlechtes zählt. Die Thatsache, daß man eine aus dem Amurlande stammende, als Kueruck angesprochene Wildkatze in einem Schafstalle, in welchem sie bereits ein Lamm erwürgt hatte, überraschte und erschlug, spricht für jene Angabe, und auch Gefangene, welche ich in den Thiergärten von Amsterdam und Rotterdam sah, und andere, welche ich selbst pflegte, widersprachen dem nicht. Ich gab mir die größte Mühe, sie zu zähmen; doch scheiterten meine Versuche an der tollen Wuth dieser Katze. Blindwüthend fauchte und zischte sie, sobald man ihrem Gefängnisse sich nahte. Auch der Wärter, welcher seine Thiere sehr gut behandelte, hatte nicht mit ihr sich befreunden können. Er mußte bei dem Füttern sehr sorgfältig sich in Acht nehmen; denn der Kueruck hieb nach der Hand, anstatt nach dem Fleische. Sobald man ihn störte, pflegte er mit gekrümmtem Katzenbuckel in eine Ecke sich zurückzuziehen, sträubte den Balg und knurrte und tobte mit wüthenden Blicken, bis man ihn wieder verließ. Sein Lieblingsaufenthalt war ein starker Baumast in seinem Käfige. Auf ihm verweilte er, in sehr zusammengekauerter Stellung sitzend, oft stundenlang, ohne sich zu rühren. Seine Bosheit machte ihn Jedermann verhaßt, und sein Tod, welcher nach einem jähen Witterungswechsel erfolgte, verursachte uns wenig Bedauern; denn wir hatten schließlich allen Hoffnungen, das wüthende Thier zu zähmen, vollständig entsagt.

Es würde unrichtig sein, vorstehend gegebenen Beobachtungen mehr als beziehentlichen Werth zuzusprechen. Bei allen klugen Thieren, welche in unsere Käfige gelangen, kommt, bei Beurtheilung ihres Betragens, wesentlich in Betracht, ob sie im Alter oder in der Jugend in Gefangenschaft geriethen, und wie sie in der Jugend behandelt wurden. Eine Katze mag wilder oder bösartiger sein als die andere: unzähmbar aber ist keine einzige von ihnen. Dies beweist auch die Zwergkatze. Junghuhn bemerkt zwar ebenfalls, daß die von ihm aufgezogenen Jungen wohl mit einander spielten wie Hauskatzen, wenn sie allein und unbemerkt zu sein glaubten, gegen den Menschen jedoch scheu blieben und ihr wildes Wesen nicht ablegten; Bodinus hingegen besaß eine solche, welche keineswegs in der geschilderten Weise sich geberdete, vielmehr verhältnismäßig zahm und zutraulich war. Schmidt ist auf die von ihm gepflegten wenigstens nicht schlecht zu sprechen. »Die Thierchen«, sagt er, »welche wir geradenwegs von Java erhielten, klettern behende, gehen selbst auf dünnen Aesten sehr sicher, springen auch gut. Oft ziehen sie sich mit einem gewandten Satze auf einen an der Wand ihres Käfigs angebrachten Baumknorren zurück, wo sie dann stundenlang zu sitzen pflegen. Sie sind ruhig, aber weder zahm noch zutraulich, obwohl sie mit der Hand sich berühren lassen. Eine derartige Liebkosung scheint ihnen jedoch nicht eben angenehm zu sein, weil sie gewöhnlich ruhig weiter gehen. Zuweilen lassen sie einen Ton hören, welcher wie ein kurzes rauhes »Mau« klingt. Sie verbreiten einen starken Bisamgeruch.«

Im Käfige geborene Zwergkatzen würden unzweifelhaft noch in weit höherem Grade zahm, die Nachkommen einiger Geschlechter möglicherweise bereits zu halben Hauskatzen werden. Die Stammmutter unseres Hinz steht, wie aus dem Nachfolgenden hervorgehen wird, an Wildheit und Bösartigkeit nicht hinter der Zwergkatze zurück, und hat uns doch eines der liebenswürdigsten und vortrefflichsten Hausthiere geliefert.

 

Für mich unterliegt es keinem Zweifel, daß wir als diese Stammmutter die Falbkatze ( Felis maniculata, Catus maniculatus, F. Rueppellii, F. pulchella) zu bezeichnen haben. Rüppell entdeckte sie in Nubien auf der Westseite des Nils bei Ambukol, in einer mir sehr wohlbekannten Wüstensteppe, in welcher felsige Gegenden mit buschreichen abwechseln; spätere Sammler haben sie im ganzen Sudân, in Habesch, im tiefsten Innern Afrika's und ebenso in Palästina aufgefunden. Ihre Länge beträgt 50 Centim., die des Schwanzes etwas über 25 Centim. Dies sind zwar nicht genau die Verhältnisse der Hauskatze, aber doch solche, welche denen unseres Hinz ziemlich nahe kommen. Auch in ihrer Zeichnung ähnelt die Falbkatze manchen Spielarten der Hauskatze. Ihr Pelz ist oben mehr oder weniger fahlgelblich oder fahlgrau, auf dem Hinterkopfe und der Rückenfirste röthlicher, an den Seiten heller, am Bauche weißlich. Auf dem Rumpfe zeigen sich dunkle, schmale, verwaschene Querbinden, welche an den Beinen deutlich hervortreten, am Oberkopfe und in dem Nacken acht schmälere Längsbinden. Gewisse Theile des Pelzes sind auch noch mit einer feinschwarzen Sprenkelung gezeichnet. Der Schwanz ist oben fahlgelb, unten weiß, endet in eine schwarze Spitze und hat vor ihr drei breite schwarze Ringe.

Die Mumien und Abbildungen auf den Denkmälern in Theben und in anderen egyptischen Ruinen stimmen mit dieser Katzenart am meisten überein und scheinen zu beweisen, daß sie es war, welche bei den alten Egyptern als Hausthier gehalten wurde. Vielleicht brachten die Priester das heilige Thier von Meroë in Südnubien nach Egypten; von hier aus könnte sie nach Arabien und Syrien und später über Griechenland oder Italien nach dem westlichen und nördlichen Europa verbreitet worden sein und in neuerer Zeit durch die wandernden Europäer eine noch größere Verbreitung erlangt haben. Für mich erhalten diese Muthmaßungen besonderes Gewicht durch Beobachtungen, welche ich auf meinem letzten Jagdausfluge nach Habesch machte. Die Hauskatzen der Jemenesen und der Araber der Westküste des Rothen Meeres zeigen nicht nur eine ganz ähnliche Färbung wie die Falbkatze, sondern auch dieselbe Schlankheit und Schmächtigkeit, welche diese vor ihren Verwandten auszeichnet. Allerdings hat dort die Hauskatze nicht dasselbe Loos, wie bei uns: ihre Herrschaft kümmert sich kaum um sie und überläßt es auch ihr selbst, sich zu ernähren. Dies dürfte aber schwerlich als Grund ihres schlechten Aussehens anzunehmen sein; denn an Nahrung fehlt es einem Raubthiere in dortiger Gegend nicht. Ich glaube, daß die Katze Nordostafrikas am treuesten sich ihre ursprüngliche Gestalt erhalten hat. Die gewöhnliche Färbung der afrikanischen Hauskatze kommt der ihrer wahrscheinlichen Stammmutter am nächsten; doch findet man auch hier schon ausgeartete, nämlich weiße, schwarze, rothgelbe und sogenannte dreifarbige Hauskatzen.

Falbkatze ( Felis maniculata).

Besonderes Gewicht erhalten vorstehende Beobachtungen durch Vergleichungen, welche Dönitz an Schädeln der Hauskatze und an den durch Schweinfurth aus dem Inneren Afrikas mitgebrachten Falbkatzenschädeln angestellt hat. Diese Vergleichungen haben ergeben, daß letztere sich einzig und allein durch die dünneren Knochen von denen der Hauskatze unterscheiden lassen. Die Dünne der Knochen aber ist ein so bezeichnendes Merkmal wilder Thiere, daß man den Schädel einer Wildkatze durch bloße Wägung von dem einer Hauskatze bestimmt unterscheiden kann. Jedenfalls nimmt man an den Schädeln unserer Wildkatzen häufig Verschiedenheiten von denen der Hauskatze wahr, während bei denen der Falbkatze solche Abweichungen nicht aufgefunden wurden.

Ich war eine Zeitlang im Besitze einer Falbkatze, habe mich aber vergeblich bemüht, ihr nur einigermaßen die Wildheit abzugewöhnen, welche sie zeigte. Das Thier war in den Steppen Ostsudâns alt gefangen worden und wurde mir in einem Käfige gebracht, welcher schon durch seine außerordentliche Festigkeit zeigte, daß man ein bedenkliches Raubthier in ihm verwahre. Ich habe die Katze niemals aus diesem Käfige nehmen dürfen, weil sie es überhaupt nicht gestattete, daß man ihr irgendwie sich näherte. Sobald man an sie herankam, fauchte und tobte sie wie unsinnig und bemühte sich nach Kräften, Unheil anzurichten. Strafen fruchteten nichts. In unseren Thiergärten habe ich die Falbkatze nur ein einziges Mal gesehen und zwar in London. Die beiden Stücke, welche man dort geraume Zeit hielt, stammten aus Palästina und mochten wohl jung aus dem Lager genommen worden sein, weil sie so gesittet und ruhig sich betrugen, wie man dies von einer Wildkatze überhaupt erwarten kann. Außerordentlich wichtig zur Begründung der Ansicht, daß die Falbkatze die Stammmutter unserer Hauskatze ist, sind Beobachtungen, welche Schweinfurth im Lande der Njamnjam machte. Nach mündlichen Mittheilungen des berühmten Reisenden kommt die Falbkatze hier häufiger vor als in irgend einem bis jetzt bekannten Theile Afrika's, sodaß man also das tiefe Innere des Erdtheils als das eigentliche Vaterland oder den Kernpunkt des Verbreitungskreises unseres Thieres ansehen muß. Die Njamnjam nun besitzen die Hauskatze im eigentlichen Sinne des Wortes nicht; wohl aber dienen ihnen zu gleichem Zwecke wie letztere halb- oder ganzgezähmte Falbkatzen, welche die Knaben einfangen, in der Nähe der Hütten anbinden und binnen kurzer Zeit so weit zähmen, daß sie an die Wohnung sich gewöhnen und in der Nähe derselben dem Fange der überaus zahlreichen Mäuse mit Eifer obliegen.

 

»Die Katze«, sagt Ebers in seiner »Egyptischen Königstochter«, einem Romane, welcher nach dem Urtheile der maßgebenden Alterthumsforscher das Leben und Treiben der Bewohner Altegyptens in unübertrefflicher Weise schildert, »war wohl das heiligste von den vielen heiligen Thieren, welche die Egypter verehrten. Während andere Thiere nur beziehungsweise vergöttert wurden, war die Katze allen Unterthanen der Pharaonen heilig. Herodot erzählt, daß die Egypter, wenn ein Haus brenne, nicht eher ans Löschen dächten, bis ihre Katze gerettet sei, und daß sie die Haare als Zeichen der Trauer sich abschören, wenn ihnen eine Katze stürbe. Wer eines dieser Thiere tödtete, verfiel, mochte er mit Wollen oder aus Versehen der Mörder desselben geworden sein, unerbittlich dem Tode. Diodor war Augenzeuge, als die Egypter einen unglücklichen römischen Bürger, welcher eine Katze getödtet hatte, des Lebens beraubten, obgleich, um der gefürchteten Römer willen, von Seiten der Behörden alles mögliche geschah, um das Volk zu beruhigen. Die Leichen der Katzen wurden kunstvoll mumisirt und beigesetzt; von den vielen einbalsamirten Thieren wurden keine häufiger gefunden als die sorgfältig mit Leinenbinden umwickelten mumisirten Katzen.

»Die Göttin Pacht oder Bast, welche mit dem Katzenkopfe abgebildet wird, hatte zu Bubastis im östlichen Delta ihr vornehmlichstes Heiligthum. Dorthin brachte man gewöhnlich die Katzenmumien, welche aber auch an anderen Orten, namentlich sehr häufig beim Serapeum, gefunden worden sind. Die Göttin war nach Herodot gleich der griechischen Artemis und wurde die Bubastische genannt. Nach Stephanus von Byzanz soll die Katze auf Egyptisch »Bubastos« geheißen haben. Uebrigens nannte man die Thiere für gewöhnlich »Mau-Mie«. In der Pacht scheint man auch die Beschützerin der Geburt und des Kindersegens verehrt zu haben, und ebenso scheint es nach der Veröffentlichung der Tempelinschriften von Dendera durch Dümichen keinem Zweifel zu unterliegen, daß man in der Bast gewisse Seiten der durch die Phönizier den Egyptern zugekommenen Astarte oder Venus Urania verehrte.«

Während die Katze bei den alten Egyptern als heiliges Geschöpf angesehen wurde, erschien sie (oder richtiger die Wildkatze, beziehentlich der Luchs) den alten Deutschen als das Thier der Freia, deren Wagen sie durch die Wolken zieht, und ging in der späteren Zeit, nachdem die nüchternen Verkündiger des Christenthums die dichterischen Göttersagen unserer Vorfahren verwischt oder zu wüstem Spuk umgestaltet hatten, allgemach in ein mehr oder weniger gespenstiges Wesen über, welches heutzutage noch im Aberglauben fortlebt. Die Katze ist, laut Wuttke, wahrsagend und hat Zauberkraft. Eine dreifarbige Katze schützt das Haus vor Feuer und anderem Unglück, die Menschen vor dem Fieber, löscht auch das Feuer, wenn man sie in dasselbe wirft und heißt deshalb »Feuerkatze«. Wer sie ertränkt, hat kein Glück mehr oder ist sieben Jahre lang unglücklich; wer sie todtschlägt, hat ebenfalls fernerhin kein Glück; wer sie schlägt, muß es von hinten thun. Die Katze zieht Krankheiten an sich; ihre Leiche dagegen, unter Jemandes Thürschwelle vergraben, bringt dem Hause Unglück. Katzenfleisch ist gut gegen die Schwindsucht; wer aber ein Katzenhaar verschluckt, bekommt diese, und wenn es ein kleines Kind thut, wächst es nicht mehr. Schwarze Katzen dienen zum Geldzauber und zum Unsichtbarmachen, zum Schutze des Feldes und des Gartens, zur Heilung der Fallsucht und der Bräune, schwarze Kater insbesondere zu unheimlichem Zauber. Erreichen sie das Alter von sieben oder neun Jahren, so werden sie selbst zu Hexenwesen und gehen am Walpurgistage zur Hexenversammlung oder bewachen unterirdische Schätze. Wenn die Katze sich putzt oder einen krummen Buckel macht, bedeutet es Gäste:

»Wie die Katz auf dem Tritte des Tisches
Schnurrt und das Pfötchen sich leckt, auch Bart und Nacken sich putzet,
Das bedeutet ja Fremde nach aller Vernünftigen Urtheil«

singt Voß. Fährt sie sich mit den Pfoten über die Ohren, so kommt vornehmer Besuch; macht sie die Hinterbeine lang, so kommt Jemand mit einem Stecken; wen sie aber ansieht, während sie sich wäscht, hat an demselben Tage noch eine Tracht Prügel zu gewärtigen. Wenn eine Katze vor dem Hause schreit, gibt es in demselben bald Zank oder Unheil, selbst Tod; wenn die Katzen in einer Freitagsnacht sich zanken, geht es bald darauf auch im Hause unfriedlich zu; wenn vor der Trauung eine Katze auf dem Altare sitzt, wird die Ehe unglücklich. Die weiße Gespenstkatze, welche außen am Fenster schnurrt, zeigt einen binnen zwei Stunden eintretenden Todesfall an. Nur hier und da urtheilt man milder über das zierliche Geschöpf, so in Süddeutschland und in den Rheinlanden, wo man den Aberglauben hegt, daß ein Mädchen, welches eine glückliche Ehe haben will, die Katze, das Thier der Freia oder Holda, gut füttern müsse, – eine Vorschrift, welche auch ich allen Mädchen und Hausfrauen bestens empfohlen haben will.

Auch im Sprichworte spielt die Katze eine bedeutende Rolle: »Falsch wie die Katze; einen Katzenbuckel machen; eine Katzenwäsche halten; zusammen leben wie Hund und Katze; Katzen und Herren fallen immer auf die Füße; wie die Katze gehen um den heißen Brei; die Katze in dem Sacke kaufen« etc., sind Belege dafür.

Unsere bisherigen Forschungen lassen annehmen, daß die Katze zuerst von den alten Egyptern, nicht aber von den alten Indiern oder nordischen Völkerschaften gezähmt wurde. Die altegyptischen Denkmäler geben uns durch Bild und Schrift wie durch die Mumien bestimmte Kunde, die Geschichte anderer Völker nicht einmal zu Muthmaßungen Anhalt. Gerade der Umstand, daß man in den Grabstätten nicht allein Mumien der Hauskatze, sondern auch solche des Sumpfluchses findet, unterstützt, meiner Meinung nach, die eben ausgesprochene Ansicht, weil damit der Beweis geliefert ist, daß man zur Zeit der Blüte des altegyptischen Reiches noch fortdauernd mit dem Fange und, was wohl gleichbedeutend, der Zähmung von Wildkatzen sich beschäftigte. Vor der Zeit Herodot's finden wir den Namen der Katze bei den alten griechischen Schriftstellern nicht, und daraus sowie auch aus dem Umstande, daß sie selbst später von den Griechen und Lateinern nur kurz erwähnt wird, darf man schließen, daß sie ganz allmählich von Egypten aus sich verbreitet hat. Von Egypten aus ging die Katze zunächst wahrscheinlich mehr östlich; wir wissen unter anderem, daß sie ein besonderer Liebling des Propheten Mahammed gewesen ist. In dem nördlichen Europa war sie vor dem zehnten Jahrhundert fast noch gar nicht bekannt. Die Gesetzsammlung für Wales enthält eine Bestimmung des Howell Dha oder Howell Lebon, welcher gegen die Mitte des zehnten Jahrhunderts starb, in welcher die Werthbestimmung der Hauskatzen sowie die Strafen, welche auf Mishandlung, Verstümmelung oder Tödtung derselben gesetzt waren, festgestellt sind. Darin wird die Summe bestimmt, wofür eine junge Katze bis zu dem Augenblicke, wo sie eine Maus fängt, verkauft werden darf, und dem wird hinzugefügt, daß sie von jenem Augenblicke an des doppelten Preises werth sei. Der Käufer hatte das Recht, zu verlangen, daß Augen, Ohren und Krallen vollkommen wären, und daß das Thier aufs Mausen sich verstände, ebenso auch, daß ein gekauftes Weibchen seine Jungen gut erziehe. War sie mit irgend einem Fehler behaftet, so konnte der Käufer das Dritttheil des Kaufpreises zurückverlangen. Wer auf den fürstlichen Kornböden eine Hauskatze stahl oder tödtete, mußte sie mit einem Schafe sammt dem Lamme büßen oder so viel Weizen als Ersatz für sie geben, wie erforderlich war, um die Katze, wenn sie an dem Schwanze so aufgehängt wird, daß sie mit der Nase den Boden berührt, vollkommen zu bedecken.

Dieses Gesetz ist für uns von hohem Werthe, weil es uns den Beweis liefert, daß man zu damaliger Zeit die Hauskatze als eine sehr werthvolle Erwerbung betrachtete; zugleich aber sehen wir daraus, daß die Wildkatze nicht wohl als die Stammmutter jener angesehen werden darf; denn zu damaliger Zeit gab es auch in England so viele Wildkatzen, daß es jedenfalls nicht schwer gewesen sein würde, die Jungen davon in beliebiger Menge zu zähmen. Wir brauchen übrigens Beweise für die Artverschiedenheit der Wild- und Hauskatze gar nicht von so weit herbeizuziehen: die unmittelbare Vergleichung beider Thiere spricht entschieden für die Selbständigkeit der einen und anderen Art. Alle Verhältnisse sind verschiedene. Der Leib der Hauskatze ist um ein Dritttheil kleiner und minder kräftig, der am Ende verdünnte oder zugespitzte, nicht gleichmäßig verlaufende Schwanz länger und schlanker als bei der Wildkatze, der Kopf stärker abgeplattet, der Darm fünfmal, bei der Wildkatze nur dreimal so lang als der Leib. Im Gerippe und namentlich im Schädelbaue lassen die Unterschiede weniger leicht sich feststellen. Blasius hob zwar eine Anzahl von solchen hervor, Dönitz aber wies durch eine größere Reihe von Schädeln beider Arten die Unhaltbarkeit jener Merkmale überzeugend nach. Allerdings darf man bei derartigen Vergleichungen die Veränderungen, welche der Leib im einzelnen und ganzen durch die Zähmung und längere Gefangenschaft erleidet, nicht außer Acht lassen, muß aber doch auch nicht nach dem Fernen suchen, wenn das Näherliegende mehr verspricht. Gerade die Katze, das selbständigste unserer Hausthiere, hat unter den Folgen der Gefangenschaft weniger gelitten als der Hund, das Pferd, Rind oder Schaf: dies beweisen die Jahrtausende alten Mumien zur vollsten Ueberzeugung. Sie ist noch heute dieselbe wie im Alterthume und unzweifelhaft die nächste Verwandte der Falbkatze, deren Zähmung mit Rücksicht auf die überaus große Thierliebe der alten Egypter eigentlich ganz von selbst sich versteht. Gezähmte Wildkatzen hätten nur von Europa oder Kleinasien aus nach Egypten gelangen können, zu einer Zeit, in welcher in Europa sicherlich noch Niemand daran dachte, Einbürgerungsversuche mit Thieren anzustellen; die Falbkatze aber hatten die alten Egypter in ihrem Reiche, und ihrer scharfen Beobachtungsgabe entging es nicht, welch vortrefflicher Hausfreund aus ihr sich gewinnen ließ. Für mich ist die Frage der Abstammung unserer liebenswürdigen Miez erledigt, und denjenigen, welcher noch zweifeln sollte, dürfte eine im kaiserlichen Museum zu Wien ausgestellte, stark getigerte Falbkatze über die Arteinheit dieser und der Hauskatze überzeugend belehren.

Gegenwärtig findet sich die Katze mit Ausnahme des höchsten Nordens und, laut Tschudi, des höchsten Gürtels der Andes fast in allen Ländern, in denen der Mensch feste Wohnsitze hat. In Europa trifft man sie überall; in Amerika wurde sie schon bald nach Entdeckung dieses Erdtheils verbreitet. Auch in Asien und in Australien ist sie ziemlich häufig, weniger jedoch in Afrika, zumal im Inneren des Erdtheils, wo sie in einzelnen Ländern gänzlich fehlen soll. Je höher ein Volk steht, je bestimmter es sich seßhaft gemacht hat, um so verbreiteter ist die Katze. In Europa wird sie von Deutschen, Engländern und Franzosen am meisten geschätzt und am besten gepflegt; in ganz Indien, China und Japan, auch auf Java gehört sie zu den gewöhnlichen Hausthieren; in China dient sie, laut Hue, hier und da als Uhr, indem man nach der Enge ihres Augensterns die Nähe des Mittags beurtheilt; in Egypten genießt sie, als Lieblingsthier des Propheten große Achtung, nimmt theil an Aufzügen, wird in Kairo auch öffentlich verpflegt, da Vermächtnisse bestehen, deren Zinsen man zu ihrer Fütterung verwendet; in Südamerika fehlt sie in dem höchsten Gürtel der Andes, weil sie Kälte und dünne Luft nicht verträgt, verkümmert auch, laut Hensel, hier und da »wie jedes Hausthier unter der Pflege des Brasilianers, welcher ebenso wie der Südamerikaner spanischer Abkunft vom Hause aus kein Thierfreund ist und außerdem noch durch eine unüberwindliche Trägheit von jeder Bemühung im Gebiete der Thierzucht abgehalten wird«, gedeiht aber in Städten, wo es, wie in Frankreich, Sitte ist, sie in den Läden als Feind der Ratten oder zum Staate zu halten, vortrefflich; auf Neuseeland ist sie verwildert und wird gegenwärtig von den Ansiedlern mit demselben Ingrimm gejagt wie ihre wildlebenden Verwandten. Wo man sie in ihrem wahren Werthe erkannt hat, verbreitet man sie mehr und mehr. Manche Völkerschaften Asiens, z. B. die Mandschu, treiben noch einen ziemlich bedeutenden Handel mit ihr. Sie geben den Giljaken junge Kater, niemals aber Miezen, erhalten sich somit immer ihre alten Absatzquellen offen. Die Käufer tauschen solche Katzen mit Zobelfellen ein, und beide Theile machen ein sehr gutes Geschäft. Heutzutage hat, laut Radde, die Bevölkerung des Amurlandes den Mandschu neue Absatzquellen eröffnet, da die Menge der Ratten und Feldmäuse in Häusern und Speichern den neuen Ansiedlern die Gegenwart der Katze wünschenswerth macht. Bei den wandernden und jagdtreibenden Hirtenvölkern des südlichen Theiles von Ostsibirien hat diese sich noch nicht eingebürgert, fehlt auch im Lande der Urjänchen am Kossogol und in dem der Darchaten an den Quellen des Jenisei. Erst dort, wo die getauften Burjaten und Tungusen der cis- und transbaikalischen Gauen nach und nach an einen beständigen Wohnplatz sich gewöhnen und Ackerwirtschaft betreiben, wird sie ein gewöhnliches Hausthier. Den Priestern der Buddhalehre, welche abwärts am mittleren Onon ihre Ansiedelungen haben, ist sie ein lieber, wohlgepflegter Hausgenosse. Ebenso begegnet man ihr in der Aginskischen Steppe, wo das feste Haus meist an die Stelle der leichtbeweglichen Jurte getreten ist, in den russisch-transbaikalischen Besitzungen, soweit dieselben von einer festsitzenden Bevölkerung bewohnt werden. Von den Dörfern im Quellenlande des Amur gelangte sie in den Jahren 1857 und 1858 in die Ansiedelungen im oberen und mittleren Laufe dieses Stromes, während sie an der Mündung desselben, von der See aus eingeführt, schon seit 1853 vorhanden war. Im Winter des Jahres 1858 fehlte sie im Burejagebirge noch gänzlich, hielt jedoch am oberen Ende bereits ihren Einzug. Auf Grönland kam sie mit den dänischen Frauen an und verbreitete sich mit ihnen nach Süden und Norden hin, so daß sie schon zu Zeiten des Naturforschers Fabricius, Ende des vorigen Jahrhunderts, in allen Ansiedelungen gefunden wurde. So hat sie nach und nach Heimrecht fast auf der ganzen Erde sich erworben, und erscheint überall als ein lebendes Zeugnis des menschlichen Fortschrittes, der Seßhaftigkeit, der beginnenden Gesittung. Der Hund ist wahllos Allerwelts- und Allermenschenthier, die Katze Hausthier im besten Sinne des Wortes; jener hat sich von dem Zelte aus das feststehende Haus erobert, sie erst in diesem sich eingebürgert und dem gesitteten Menschen angeschlossen.

Hauskatze ( Felis maniculata domestica).

Gleichwohl bewahrt sie sich unter allen Umständen bis zu einem gewissen Grade ihre Selbständigkeit und unterwirft sich dem Menschen nur in soweit, als sie es für gut befindet. Je mehr dieser mit ihr sich beschäftigt, um so treuere Anhänglichkeit gewinnt sie an die Familie, je mehr man aber eine Katze sich selbst überläßt, um so größer wird ihre Anhänglichkeit an das Haus, in welchem sie geboren wurde. Der Mensch bestimmt immer den Grad der Zähmung und der Häuslichkeit einer Katze. Wo sie sich selbst überlassen wird, kommt es nicht selten vor, daß sie zur Zeit des Sommers ganz dem Hause entläuft und in die Wälder sich begibt, in denen sie unter Umständen vollständig verwildern kann. Bei Eintritt des Winters kehrt sie gewöhnlich in ihre frühere Wohnung zurück und bringt dahin auch ihre Jungen, welche sie während ihres Sommeraufenthaltes zur Welt gebracht hat; doch kommt es, zumal in warmen Ländern, häufig genug vor, daß sie, auch wenn sie zurückgekehrt ist, fast gar nicht mehr um den Menschen sich kümmert. Namentlich die Katzen in Paragay leben, wie uns Rengger mittheilt, in der größten Selbständigkeit. Sie folgen, zumal in den wenig bevölkerten Gegenden, ihrem Triebe zur Unabhängigkeit, und selbst diejenigen, welche man als an das Haus gewöhnte betrachten kann, streifen Tage lang in den Waldungen und auf den Feldern umher, stellen allen kleinen, wehrlosen Säugethieren nach, beschleichen des Nachts die Vögel auf den Bäumen und kommen bloß bei regnerischem oder stürmischem Wetter nach Hause. Man versichert, daß auch diejenigen, welche sorgfältig von Jugend auf behandelt worden sind, mit zunehmendem Alter ihren Hang zur Freiheit zeigen, und daß nur verschnittene Männchen gute Mäusejäger abgeben, welche wirklich im Hause bleiben und ihrer Aufgabe vollständig genügen. Gleichwohl ist in Paragay die Hauskatze noch nicht vollständig verwildert; denn, sowie die Regenzeit eintritt, nähert sie sich gewöhnlich wieder den Wohnungen und bringt dahin auch ihre Jungen mit. Letztere gehen regelmäßig zu Grunde, wenn sie in der rauhen Witterung in den Wäldern gelassen werden, und selbst die Alten scheinen den Regen nicht vertragen zu können. Jedenfalls findet man hier nirgends wirklich verwilderte Katzen dieser Art in den Waldungen; sie sind sogar aus den ehemals bewohnten Gegenden verschwunden, in denen sie beim Abzuge der Weißen zurückgelassen wurden.

Unsere Hauskatze eignet sich vortrefflich, ihre ganze Familie kennen zu lernen, eben weil Jedermann sie beobachten kann. Sie ist ein außerordentlich schmuckes, reinliches, zierliches und anmuthiges Geschöpf, jede ihrer Bewegungen nett und angenehm, und ihre Gewandtheit wahrhaft bewunderungswürdig. »Die Kaz«, sagt der alte Geßner, »ist ein schnäll, bring vnd geschwind thier mit steygen, lauffen, springen, kräzen vnd dergleychen, auch ein schamhafft, hoffärtig, rein vnd schimpffig (spiellustig) thier, dem Menschen gantz angenäm.« Sie geht gemessen und tritt mit ihren Sammetpfötchen, deren Krallen sorgfältig eingezogen sind, so leise auf, daß ihr Gang für den Menschen vollkommen unhörbar wird. Bei jedem Schritte zeigt sich die Beweglichkeit, welche ihr eigenthümlich ist, verbunden mit größter Anmuth und Zierlichkeit. Nur wenn sie von einem anderen Thiere verfolgt oder plötzlich erschreckt wird, beschleunigt sie ihren Gang zu einem Laufe in schnell hinter einander folgenden Sätzen oder Sprüngen, welche sie ziemlich rasch fördern und fast regelmäßig vor dem Verfolger retten, weil sie klug jeden Schlupfwinkel zu benutzen oder jede Höhe zu gewinnen weiß. Sie klettert durch Einhäkeln ihrer Krallen leicht und geschickt an Bäumen und rauhen oder weichen Mauern empor und ist im Stande, mit einem einzigen Satze eine Höhe von zwei bis drei Meter zu gewinnen. Im freien Felde läuft sie nicht eben rasch, wenigstens wird sie dort von jedem Hunde eingeholt. Ihre große Gewandtheit zeigt sich namentlich bei Sprüngen, welche sie freiwillig oder gezwungen ausführen muß. Sie mag fallen wie sie will, immer wird sie mit den Beinen den Boden erreichen und verhältnismäßig sanft auf die weichen Ballen der Füße fallen. Mir ist es niemals gelungen, eine Katze, welche ich mit dem Rücken nach unten dicht über einen Tisch oder über einen Stuhl hielt, so zu Falle zu bringen, daß sie mit dem Rücken aufschlug. Sie wendet sich, sobald man sie freiläßt, blitzschnell um und steht dann ganz harmlos und fest auf allen vier Füßen. Wie sie dies bei so kurzen Entfernungen anstellt, ist geradezu unerklärlich; beim Herabfallen aus bedeutender Höhe dagegen kann man es sich sehr wohl erklären, weil sie dann ihren gerade emporgestreckten Schwanz als Steuer benutzt und hierdurch die Richtung des Falles regelt. Das Schwimmen versteht sie auch, macht aber von dieser Fertigkeit bloß dann Gebrauch, wenn sie in die unangenehme Lage kommt, aus dem Wasser sich retten zu müssen. Freiwillig geht sie niemals in das Wasser, meidet sogar den Regen mit förmlicher Aengstlichkeit. Sie sitzt, wie der Hund, auf dem Hintertheile und stützt sich vorn mit beiden Füßen; im Schlafe rollt sie sich zusammen und legt sich auf eine Seite. Dabei sucht sie gern eine weiche und warme Unterlage auf, kann es aber nur selten vertragen, wenn sie auch bedeckt wird. Vor allem anderen benutzt sie das Heu zum Pfühl, wahrscheinlich, weil sie den Duft desselben gut leiden mag. Von solchem Lager nimmt ihr Fell einen höchst angenehmen Geruch an.

Bemerkenswerth ist die Biegsamkeit der an und für sich rauhen Stimme unserer Hauskatze. »Mauwend auff mancherley weyß, anderst so sy etwas häuschend, anders so sy liebkosend, anderst so sy sich zu streyt oder kampff stellend«, sagt schon Geßner sehr richtig. Der Hund ist nicht entfernt so ausdrucksfähig wie die Katze. Ihr »Miau« ändert in der verschiedensten Weise ab, wird bald kurz, bald lang, bald gedehnt, bald abgebrochen hervorgestoßen und damit bittend, klagend, verlangend, drohend; zu dem »Miau« treten aber auch noch andere Laute unnennbarer Art hinzu, welche unter Umständen sich vereinigen können zu einem Liede,

»... das Stein erweichen,
Menschen rasend machen kann«,

weil nicht bloß miauende, sondern auch knurrende, kreischende und dumpfbrüllende Laute und das absonderliche, allen Katzen eigenthümliche Fauchen in ihm abwechseln.

Unter den Sinnen der Katze sind Gefühl, Gesicht und Gehör die ausgezeichnetsten. Am schlechtesten ist wohl der Geruch, wie man sich sehr leicht selbst überzeugen kann, wenn man einer Katze irgendwelche Lieblingsnahrung so vorlegt, daß sie dieselbe nur durch die Nase ermitteln kann. Sie naht sich dem Gegenstande und wendet, wenn sie in seine nächste Nähe gekommen ist, den Kopf so vielfach hin und her, daß man gleich an diesen Bewegungen sieht, wie wenig der Geruchsinn sie leitet. Ist sie endlich nahe gekommen, so benutzt sie ihre Schnurrhaare, welche vortreffliche Tastwerkzeuge sind, noch immer weit mehr als die Nase. Man muß ihr eine Maus, welche man in der Handhöhlung versteckt, schon nahe vorhalten, ehe sie dieselbe riecht. Weit feiner ist ihr Gefühl. Die Schnurrhaare zeigen dies am besten; denn man darf bloß ein einziges ganz leise berühren, so wird man sehen, wie die Katze augenblicklich zurückzuckt. Auch in den weichen Pfoten besitzt sie Tastgefühl, obschon in untergeordneterem Grade. Ausgezeichnet ist das Gesicht. Sie sieht ebenso gut bei Tage wie bei Nacht, ist fähig, bei verschiedenem Lichte ihren Augenstern passend einzurichten, d. h. ihn bei großer Helligkeit so zu verkleinern und bei Dunkelheit so zu vergrößern, daß ihr das Sinneswerkzeug jederzeit vortreffliche Dienste leistet. Und doch steht unter allen Sinnen das Gehör obenan. »Ich hatte mich«, sagt Lenz, »bei warmer stiller Luft in meinem Hofe auf einer Bank im Schatten der Bäume niedergelassen und wollte lesen. Da kam eins von meinen Kätzchen schnurrend und schmeichelnd heran und kletterte mir nach alter Gewohnheit auf Schulter und Kopf. Beim Lesen war das störend; ich legte also ein zu solchem Zwecke bestimmtes Kissen auf meinen Schoß, das Kätzchen darauf, drückte es sanft nieder, und nach zehn Minuten schien es fest zu schlafen, während ich ruhig las und um uns her Vögel sangen. Das Kätzchen hatte den Kopf, also auch die Ohren südwärts gerichtet. Plötzlich sprang es mit ungeheuerer Schnelligkeit rückwärts. Ich sah ihm erstaunt nach; da lief nordwärts von uns ein Mäuschen, von einem Busche zum anderen über glattes Steinpflaster, wo es natürlich gar kein Geräusch machen konnte. Ich maß die Entfernung, in welcher das Kätzchen die Maus hinter sich gehört hatte: sie betrug volle 44 Fuß nach hiesigem Maße.«

Das geistige Wesen der Katze wird gewöhnlich gänzlich verkannt. Man betrachtet sie als ein treuloses, falsches, hinterlistiges Thier, und glaubt, ihr niemals trauen zu dürfen. Viele Leute haben einen unüberwindlichen Abscheu gegen sie und geberden sich bei ihrem Anblicke wie nervenschwache Weiber oder ungezogene Kinder. In der Regel vergleicht man sie mit dem Hunde, mit welchem sie gar nicht verglichen werden darf, und gibt sich, weil man in ihr nicht gleich dessen Eigenschaften findet, nicht weiter mit ihr ab, sondern betrachtet sie schon von vornherein als ein Wesen, mit welchem überhaupt nichts zu machen ist. Selbst Naturforscher fällen einseitige Urtheile über sie; Giebel z. B. läßt sich in einem seiner neueren Werke wie folgt vernehmen: »Die hervorragendsten Züge im Katzencharakter sind Falschheit und Naschhaftigkeit, demnächst Eitelkeit und Liebe zur Reinlichkeit, Entschiedenheit und Bequemlichkeit. Die sprichwörtliche Falschheit äußert sich bei jeder Gelegenheit, beim Spiele, bei der Liebkosung; eine unsanfte Berührung, ein hartes Wort wird sofort mit derben Pfötchenschlägen oder mit Kratzen erwidert ... Die Katze ist Hausthier und dem Menschen dienstbar, nur soweit sie dabei ein bequemes, angenehmes Leben, zusagende Kost, Schutz gegen Kälte und rauhes Wetter und Befriedigung ihrer Eitelkeit findet; allem aber, was ihr im Hause nicht gefällt, tritt sie entschieden entgegen oder weicht ihm aus, um sich einer gewaltsamen Unterordnung nicht zu beugen ... Nur in der Stube und Küche gehorcht sie den Befehlen und Drohungen des Herrn, draußen geht sie ihren eigenen Weg, kein Rufen, kein Locken, keine Schmeicheleien veranlassen sie, ihren Herrn über die Straße zu begleiten, seltene und vereinzelte Fälle ausgenommen. Sie folgt und ist gehorsam nur da, wo sie gepflegt wird, und nur dem, welchem sie zu Danke verpflichtet ist; außerhalb dieses Bereiches kennt sie keine Unterwürfigkeit und schleicht als nächtlicher, mehr auf List als auf Kraft sich verlassender Räuber scheu und ängstlich vor etwaigen Störungen und Angriffen ihren Weg fort. In der That hält sie sich nur an das Haus, weil und soweit sie gepflegt wird«. Zwischen diesen Sätzen, welche ich herausgegriffen habe, kommen Schilderungen der Naschhaftigkeit unseres Hausfreundes, wie man sie von alten grämlichen Weibern vernimmt, und dergleichen mehr. Eine derartige Charakterzeichnung enthält wohl ein Körnlein Wahrheit, jedoch weit mehr Unrichtiges, und darf eher eine Verlästerung als eine Beschreibung der Katze genannt werden. Ich habe die Katze von Jugend auf mit Liebe beobachtet, und mich viel mit ihr beschäftigt, deshalb neige ich mich mehr der nachstehend wiedergegebenen Schilderung Scheitlins zu, welche auch vor der Giebelschen Auslassung jedenfalls Ursprünglichkeit, verständnisvolle Auffassung und gerechte Würdigung des Wesens der Katze voraus haben dürfte.

»Die Katze ist ein Thier hoher Natur. Schon ihr Körperbau deutet auf Vortrefflichkeit. Sie ist ein kleiner, netter Löwe, ein Tiger im verjüngten Maßstabe. Alles ist an ihr einhellig gebaut, kein Theil zu groß oder zu klein; darum fällt auch schon die kleinste Regelwidrigkeit an ihr auf. Alles ist rund, am schönsten die Kopfform, was man auch am entblößten Schädel wahrnehmen kann: kein Thierkopf ist schöner geformt. Die Stirne hat den dichterischen Bogen, das ganze Gerippe ist schön und deutet auf eine außerordentliche Beweglichkeit und Gewandtheit zu wellenförmigen oder anmuthigen Bewegungen. Ihre Biegungen geschehen nicht im Zickzack oder Spitzwinkel, und ihre Wendungen sind kaum sichtbar. Sie scheint keine Knochen zu haben und nur aus leichtem Teige gebaut zu sein. Auch ihre Sinnesfähigkeiten sind groß und passen ganz zum Körper. Wir schätzen die Katzen gewöhnlich viel zu niedrig, weil wir ihre Diebereien hassen, ihre Klauen fürchten, ihren Feind, den Hund, hochschätzen und keine Gegensätze, wenn wir sie nicht in einer Einheit auflösen, lieben können.

»Richten wir nun unsere Aufmerksamkeit auf ihre Haupteigenheiten. Zuvörderst fällt uns ihre Gewandtheit auf. Körper und Seele sind gewandt, beide aus einem Gusse. Wie gewandt dreht sie sich in der Luft, wenn sie auch nur mit dem Rücken abwärts wenige Fuß hoch fällt. Schon der geringe Widerstand der Luft vermittelt ihr, wie bei den Vögeln, die Möglichkeit der Drehung. Wie gewandt erhält sie sich auf schmalen Kanten und Baumzweigen, selbst wenn diese kräftig geschüttelt werden! Halb körperlich und halb geistig ist ihre Liebe zur Reinlichkeit; sie leckt und putzt sich immerdar. Alle ihre Härchen vom Kopfe bis zur Schwanzspitze sollen in vollkommener Ordnung liegen; die Haare des Kopfes zu glätten und zu kämmen, beleckt sie die Pfoten und streicht dann diese über den Kopf; selbst die Schwanzspitze versäumt sie nicht. Den Unrath verbirgt sie, verscharrt ihn in selbstgegrabene Erdlöcher. Hat eine Katze, durch einen Hund erschreckt, ihre Haare gesträubt, so fängt sie an, sobald sie sich in Sicherheit weiß, dieselben am ganzen Leibe wieder in Ordnung zu bringen. Sie will auch das Fell rein haben. Sie leckt sich allen Schmutz ab; sie ist des Schweines Gegentheil.

»Sie hat körperlichen Höhesinn, welcher aber, weil er Schwindelfreiheit und tüchtige Nerven erfordert, mit dem geistigen verwandt ist. Sie klettert an senkrechten Tannen bis zum Wipfel, ungewiß, ob und wie sie wieder herunterkönne. Sie hat auch ein bischen Furcht und bleibt zuweilen, bis sie hungert, droben und ruft um Hülfe; endlich wagt sie sich, aber nur rückwärts, herunter. Sie will immer das höchste, im Klettern die Vollendung, doch nicht, als ob sie die Gefahr nicht merkt, was nur bei Thieren der unteren Klassen der Fall ist. Will man sie herunterstoßen, so klauet und klammert sie sich fest an.

»Sie kennt den Raum und die Entfernungen sowie die geraden, schiefen und senkrechten Flächen genau; sie schaut, wenn sie einen ungewohnten Sprung thun will, berechnend nach, vergleicht dann ihre Kraft und Geschicklichkeit und prüft sich selbst. Sie wagt ihn vielleicht lange nicht. Hat sie ihn einmal gemacht und ist er gelungen, so ist er auf immer gemacht; gelang er nicht, so versucht sie ihn später mit vorwärts geschrittener Kraft und Geschicklichkeit wieder. Minder gut beurtheilt sie die Zeit. Daß sie die Mittagszeit kenne, weiß man wohl; denn sie kommt zur Stunde heim. Allein wegen ihres freieren Lebens auf den Höhen und ihren Nachtaugen bedarf sie mehr Raum- und Ort- als Zeit- und Stundensinn. Es mangelt ihr nicht an Farbensinn, ihrem Gehöre nicht an Tonsinn. Sie kennt den Menschen an seiner Kleidung und an seiner Stimme. Sie will zur Thür hinaus, wenn sie gerufen wird; sie hat ein vorzügliches Ortsgedächtnis und übt es. In der ganzen Nachbarschaft, in allen Häusern, Kammern, Kellern, unter allen Dächern, auf allen Holz- und Heuböden zieht sie herum. Sie ist ein völliges Ortsthier, daher ihre bekannte Anhänglichkeit mehr ans Haus als an die Bewohner. Sie zieht entweder nicht mit aus oder läuft wieder ins alte Haus. Unbegreiflich ist es, daß sie, stundenweit in einem Sacke getragen, ihr Haus, ihre Heimat wiederfinden kann.

»Außerordentlich ist ihr Muth selbst gegen die allergrößten Hunde und Bullenbeißer, wie ungünstig ihr Verhältnis in Bezug auf Größe und Stärke sei. Sobald sie einen Hund wahrnimmt, krümmt sie den Rücken in einem ganz bezeichnenden Bogen, dem Katzenbuckel. Ihre Augen glühen Zorn oder plötzlich aufwallenden Muth nebst einer Art Abscheu. Sie speit schon von fern gegen ihn; sie will vielleicht entweichen, fliehen; sie springt im Zimmer aufs Gesimse, auf den Ofen oder will zur Thüre hinaus. Hat sie aber Junge, so stürzt sie, wenn er dem Neste nahe kommt, gräßlich auf ihn los, ist mit einem Satze auf seinem Kopfe und zerkratzt ihm die Augen, das Gesicht gar jämmerlich. Geht unter dieser Zeit ein Hund sie an, so hebt sie die Tatzen mit hervorgestreckten Klauen und weicht nicht. Hat sie noch den Rücken frei, so ist sie getrost; denn die Seiten kann sie mit ihren Hieben sichern; sie kann die Tatzen wie Hände gebrauchen. Es können fünf und noch mehr Hunde kommen, sie ordentlich belagern und gegen sie prallen, sie weicht nicht. Sie könnte mit einem Satze weit über sie hinausspringen, aber sie weiß, daß sie alsdann verloren sei; denn der Hund holte sie ein. Zieht dieser, ohne sie angegriffen zu haben, endlich sich zurück, so bleibt sie oft ganz ruhig sitzen, erwartet, wenn die Hunde wollen, noch zehn Angriffe und hält alle aus. Andere ersehen den Vortheil und erklettern schnell eine nahe Höhe. Dann sitzen sie droben und sehen in sich gekauert und mit halbverschlossenem Auge auf die Feinde, als wenn sie dächten, wer seinen sichern Schatz im Herzen trage, der könne ins Spiel der niederen Welt ganz ruhig schauen. Sie weiß, daß der Hund nicht klettern und nicht so hoch springen kann. Will aber der Mensch sie erfassen, so klettert sie höher und entspringt; ihn fürchtet sie mehr.

»In freiem Felde verfolgte Katzen kehren, wenn sie sich stark fühlen, augenblicklich um und packen den Hund an. Erschrocken nimmt nun dieser die Flucht. Manche Katzen springen aus unbedingtem Hasse gegen alle Hunde, hängen sich am Kopfe fest und fahren ihnen mit den Klauen immer in die Augen. Es gibt Katzen, welche nur in der Küche leben, nie in die Stube kommen. Diese lassen gewiß keinen Hund einen Augenblick lang in der Küche; in dieser wollen sie Herren sein!

»Zu ihrem Muthe gehört ihre Rauflust, ihre große Neigung zu Balgereien unter sich. Es geht dies schon aus ihrem Hange zum Spielen und ihrem Muthwillen hervor: sie sind Nachtbuben. Zwar schlagen sie sich auch bei Tage auf dem Dache herum, zerzupfen einander gräßlich und rollen auch, mit einander sich windend und kugelnd, über das Dach und durch die Luft auf die Straße herunter, sich sogar in der Luft raufend; dennoch führen sie am meisten Krieg in der Nacht, die Kater unter sich der Weiber willen. Mancher Kater kommt in gewissen Zeiten des Jahres beinahe alle Morgen mit blutigem Kopfe und zerzaustem Kleide heim; dann scheint er gewitzigt und daheim bleiben zu wollen, nicht lange aber; denn er vergißt seine Wunden, so schnell als sie heilen, und fällt dann in die alte Sünde zurück. Der Kater lebt oft wochenlang außer dem Hause in seiner grenzenlosen Freiheitssphäre; man hält ihn für verloren, unerwartet kommt er wieder zum Vorscheine. Die Miez hat viel mehr Haussinn, Nestsinn, wie alle Thierarten. Nicht immer sind die Raufer die stärksten, und nicht allemal sind die Kater die ärgsten Raufbolde; es gibt auch weibliche Haudegen, wilde Weiber. Solche rennen allen Katzen ohne Unterschied nach, fürchten die stärksten Kater nicht, fordern alle mit Worten und Tadel heraus und machen sich allen der ganzen, langen Straße furchtbar, soweit man von Dach zu Dach, ohne die Straße überschreiten zu müssen, kommen kann.

»Mit ihrem Muthe ist ihre Unerschrockenheit und Gegenwart des Geistes vorhanden. Man kann sie nicht, so wie den Hund oder das Pferd, erschrecken, sondern nur verscheuchen. Diese haben mehr Einsicht, die Katze hat mehr Muth; man kann sie nicht stutzig machen, nicht in Verwunderung setzen. Man spricht viel von ihrer Schlauheit und List: mit Recht; listig harrt sie todtenstill vor dem Mauseloche, listig macht sie sich klein, harrt lange, schon funkeln – das Mäuschen ist erst halb heraus – ihre Augen und noch hält sie an. Sie ist Meister über sich, wie alle Listigen, und kennt den richtigen Augenblick.

»Gefühl, Stolz, Eitelkeit hat sie nur in schwachem Grade; sie ist ja kein Geselligkeits-, sondern ein Einsamkeitswesen; sie freut sich keines Sieges und schämt sich auch nie. Wenn sie sich einer Sünde bewußt ist, fürchtet sie einzig die Strafe. Ist sie derb ausgescholten und geprügelt worden, so schüttelt sie den Pelz und – kommt nach wenigen Minuten unbehelligt wieder. Doch fühlt sie sich nicht wenig geschmeichelt, wenn man sie nach ihrem ersten Jagdmusterstücke auf eine Maus, die sie in die Stube bringt und vor die Augen der Leute legt, herzlich lobt. Sie kommt dann auch künftighin mit der Beute in die Stube und zeigt ihre große Kunst jedesmal an.

»Man spricht von ihrer Schmeichelei und Falschheit, wohl gar von Rachsucht, doch viel zu viel. Gefällt ihr Jemand vorzugsweise, denn sie kann sehr lieben und sehr hassen, so drückt sie sich oft mit der Wange und den Flanken an Wange und Seiten desselben, kost auf jede Weise, springt am frühen Morgen auf sein Bett, legt sich ihm so nahe wie möglich und küßt ihn. Manchen Katzen ist freilich immer nicht ganz zu trauen. Sie beißen und kratzen oft, wenn man es sich gar nicht vermuthet. Allein in den meisten Fällen beruht ein solches Betragen nur auf Nothwehr, weil man sie ja doch auch gar zu oft falsch und hinterrücks plagt. Allerdings thut der Hund solches nicht, der Hund aber ist ein guter Narr. Wir dürfen die Ungutmüthigen doch nicht geradezu falsch nennen. Eigentlich falsche Katzen sind seltene Ausnahmen, deren es auch unter den Hunden gibt, wenn schon allerdings noch viel seltener. »Falscher Hund« ist doch für den Mann, wie »falsche Katze« fürs Weib eine Art Sprichwort. Was den Menschen falsch macht, das macht auch die vollkommeneren Thiere falsch.

»Ihre Liebeszeit ist interessant. Der Kater ist alsdann wild, die Weiber, welche ihn aufsuchen, sitzen um ihn herum; er in der Mitte brummt seinen tiefen Baß hinzu, die Weiber singen Tenor, Alt, Diskant und alle möglichen Stimmen. Das Koncert wird immer wilder. Zwischeninnen schlagen sie einander die Fäuste ins Gesicht, und eben die Weiber, die ihn doch ausgesucht haben, wollen keineswegs, daß er sich ihnen nahe. Er muß alles erkämpfen. In mondhellen Nächten lärmen sie ärger als die wildesten Nachtbuben.«

Die Paarung der Hauskatze erfolgt gewöhnlich zweimal im Jahre, zuerst Ende Februars oder Anfangs März, das zweite Mal zu Anfang des Juni. Fünfundfunfzig Tage nach der Paarung wirft sie fünf bis sechs Junge, welche blind geboren werden und erst am neunten Tage sehen lernen. Gewöhnlich erfolgt der erste Wurf Ende Aprils oder Anfangs Mai, der zweite Anfangs August. Die Mutter sucht vorher immer einen verborgenen Ort auf, meist den Heuboden oder nicht gebrauchte Betten, und hält ihre Jungen so lange als möglich verborgen, namentlich aber vor dem Kater, welcher dieselben auffrißt, wenn er sie entdeckt. Merkt sie Gefahr, so trägt sie die Thierchen im Maule nach einem anderen Orte; raubt man ihr die geliebten Kleinen, so sucht sie lange umher, in der Hoffnung, sie wieder aufzufinden. »Einmal«, so schreibt mir ein Freund der Katze, »hatten wir alle Jungen unserer Mieze zu einem Tagelöhner gegeben, welcher wohl an tausend Schritte von unserem Hause entfernt wohnte. Am anderen Morgen befanden sich alle Jungen wieder auf dem alten Platze im Hause. Mieze war mit ihnen durch den oberen Fensterflügel des fremden Hauses auf die Straße gesprungen, hatte mit der Last im Maule den reißenden Bach überschritten und sich durch ein Fenster unseres Hauses Eingang zu verschaffen gewußt. So geschah es noch zweimal, obgleich wir die Jungen jedesmal an einen anderen Ort gebracht hatten.« Die jungen Kätzchen sind außerordentlich hübsche, schmucke Thierchen. »Ihre erste Stimme«, bemerkt Scheitlin noch, »ist auffallend zart; sie deutet auf sehr viel Kindisches. Sehr unruhig, wie sie sind, kriechen sie zuweilen noch blind aus dem Neste. Die Mutter holt sie wieder herein. Wenn nur ein Aeuglein geöffnet ist, ist ihres Bleibens nicht mehr, und sie kriechen überall in der Nähe herum, immer miauend. Sogleich fangen sie mit allem Rollenden, Laufenden, Schleichenden, Flatternden zu tändeln an; es ist der erste Anfang des Triebes, Mäuse und Vögel zu fangen. Sie spielen mit dem stets wedelnden Schwanze der Mutter und mit ihrem eigenen, wenn er so lang gewachsen, daß die Vorderpfote sein Ende erreichen kann; sie beißen auch hinein und merken zuerst nicht, daß er auch noch zu ihrem Körper, auch noch zu ihnen gehöre, sowie das Menschenkind in die zum Munde heraufgebogenen Zehen beißt, weil es sie für etwas ihm Fremdes hält. Sie machen die sonderbarsten Sprünge und die artigsten Wendungen. Ihr Thun und Spielen, in welchem sie sich wie Kinder und als Kinder selbst unaussprechlich wohlgefallen, kann sie und die ihnen wohlwollenden Menschen stundenlang beschäftigen. Sobald ihre Augen aufgethan sind, können sie auch gutes und böses, d. h. Freund und Feind, unterscheiden. Geht ein Hund sie bellend an, so machen sie schon einen Buckel und speien ihn an. Sie werden als kleine Löwen geboren.«

Der Mutter Liebe zu den Jungen ist großartig. Sie bereitet den noch Ungeborenen ein Nest und trägt sie augenblicklich von einem Orte zum anderen, sowie sie Gefahr für sie fürchtet; dabei faßt sie zart nur mit den Lippen ihre Haut im Genicke an und trägt sie so sanft dahin, daß die Miezchen davon kaum etwas merken. Während sie säugt, verläßt sie die Kinder bloß, um für sich und sie Nahrung zu holen. Manche Katzen wissen mit ihren ersten Jungen nicht umzugehen, und es muß ihnen von den Menschen oder von alten Katzen erst förmlich gezeigt werden, wie sie sich zu benehmen haben. Mir hat ein glaubwürdiger Mann versichert, daß er selbst gesehen habe, wie eine alte Katze einer jüngeren während ihrer ersten Geburt behülflich war, indem sie die Nabelschnuren der Jungen abbiß und anstatt der unkundigen Mutter sie auch gleich beleckte und erwärmte. Eine andere Katze hatte sich gewöhnt, die Mäuschen, welche sie gefangen hatte, immer am Schwanze zu tragen, und wandte diese Art der Fortschaffung später auch bei den ersten ihrer eigenen Jungen an. Dabei ging es aber nicht so gut wie bei den Mäuschen; denn die jungen Kätzchen klammerten sich am Boden fest und verhinderten so die Alte, sie fortzuschaffen. Die Herrin der Wöchnerin zeigte ihr, wie sie ihre Kinder zu behandeln habe. Sie begriff dies augenblicklich und trug später ihre Kleinen immer, wie andere Mütter sie tragen. Daß alle Katzen mit der Zeit viel besser lernen, wie sie ihre Kinder zu behandeln haben, ist eine ausgemachte Thatsache.

Wenn sich einer säugenden Katze ein fremder Hund oder eine andere Katze nähert, geht sie mit der größten Wuth auf den Störenfried los, und selbst ihren Herrn läßt sie nicht gern ihre niedlichen Kinderchen berühren. Dagegen zeigt sie zu derselben Zeit gegen andere Thiere ein Mitleiden, welches ihr alle Ehre macht. Man kennt vielfache Beispiele, daß säugende Katzen kleine Hündchen, Füchschen, Kaninchen, Häschen, Eichhörnchen, Ratten, ja sogar Mäuse säugten und groß zogen, und ich selbst habe als Knabe mit meiner Katze derartige Versuche gemacht und bestätigt gefunden. Einer jung von mir aufgezogenen Katze brachte ich, als sie das erste Mal Junge geworfen hatte, ein noch blindes Eichhörnchen, das einzige überlebende von dem ganzen Wurfe, welchen wir hatten großziehen wollen. Die übrigen Geschwister des kleinen netten Nagers waren unter unserer Pflege gestorben, und deshalb beschlossen wir, zu versuchen, ob nicht unsere Katze sich der Waise annehmen werde. Und sie erfüllte das in sie gesetzte Vertrauen. Mit Zärtlichkeit nahm sie das fremde Kind unter ihre eigenen auf, nährte und wärmte es aufs beste und behandelte es gleich vom Anfange an mit wahrhaft mütterlicher Hingebung. Das Eichhörnchen gedieh mit seinen Stiefbrüdern vortrefflich und blieb, nachdem diese schon weggegeben waren, noch bei seiner Pflegemutter. Nunmehr schien diese das Geschöpf mit doppelter Liebe anzusehen. Es bildete sich ein Verhältnis aus, so innig, als es nur immer sein konnte. Mutter und Pflegekind verstanden sich vollkommen, die Katze rief nach Katzenart, Eichhörnchen antwortete mit Knurren. Bald lief es seiner Pflegerin durch das ganze Haus und später auch in den Garten nach. Dem natürlichen Triebe folgend, erkletterte das Eichhörnchen leicht und gewandt einen Baum, die Katze blinzelte nach ihm empor, augenscheinlich höchst verwundert über die bereits so frühzeitig ausgebildete Geschicklichkeit des Grünschnabels, und kratzte wohl auch schwerfällig hinter ihm drein. Beide Thiere spielten mit einander, und wenn auch Hörnchen sich etwas täppisch benahm, der gegenseitigen Zärtlichkeit that dies keinen Eintrag, und die geduldige Mutter wurde nicht müde, immer von neuem wieder das Spiel zu beginnen. Es würde zu weit führen, wenn ich das ganze Verhältnis zwischen beiden genau schildern wollte; außerdem habe ich den Fall auch bereits in der »Gartenlaube« mitgetheilt. So mag es genügen, wenn ich sage, daß das Hörnchen durch einen unglücklichen Zufall leider bald sein Leben verlor, die Katze aber ihre Liebe zu Pfleglingen trotzdem beibehielt. Sie säugte später junge Kaninchen, Ratten, junge Hunde groß, und Nachkommen von ihr zeigten sich der trefflichen Mutter vollkommen würdig, indem sie ebenfalls zu Pflegerinnen anderer verwaister Geschöpfe sich hergaben. In meinem Aufsatze in der Gartenlaube habe ich auch noch eine anziehende Geschichte mitgetheilt. Eine säugende Katze nämlich wurde durch irgend einen Zufall plötzlich von ihren Kindern getrennt, und diese geriethen somit in Gefahr, zu verkümmern. Da kam der Besitzer der kleinen Gesellschaft auf einen guten Gedanken. Des Nachbars Katze hatte Junge gehabt, war aber derselben beraubt worden. Diese wurde nun als Pflegemutter ausersehen und gewonnen. Sie unterzog sich bereitwillig der Pflege der Stiefkinder und behandelte sie ganz wie ihre eigenen. Plötzlich aber kehrte die rechte Mutter zurück, jedenfalls voller Sorgen für ihre lieben Sprößlinge. Zu ihrer höchsten Freude fand sie diese in guten Händen – und, siehe da! beide Katzenmütter vereinigten sich fortan in der Pflege und Erziehung der Kleinen und ernährten und vertheidigten sie gemeinschaftlich auf das kräftigste.

Giebel erklärt solche Beweise der Mutterliebe und Pflegelust wie folgt. »Die Mieze legt in dieser Zeit«, d. h. wenn sie Junge hat, »ihre Blutgier ganz ab und säugt sogar Ratten, Mäuse, Kaninchen, Hasen und Hunde auf, wenn dieselben an ihre Zitzen gelegt werden. Auch darin darf man, obwohl die Anhänglichkeit an die Pfleglinge noch lange sich äußert, keine eigentliche Liebe erkennen wollen, sie nimmt die fremde Brut nur an, um den Reiz in ihren Milchdrüsen und Zitzen zu stillen.« Ich habe nichts einzuwenden gegen eine materialistische Deutung der Geistesthätigkeit, sobald jene mir begründet erscheint, könnte mich vielleicht auch mit der eben gegebenen Erklärung der Mütterlichkeit befriedigen lassen, hätte Giebel nur gesagt, was man unter »eigentlicher Liebe« zu verstehen habe. Daß Katzenmütter, denen man, unmittelbar nachdem sie geworfen haben, ihre sämmtlichen Jungen nimmt, infolge des Reizes ihrer strotzenden Milchdrüsen selbst darauf ausgehen, sich andere Säuglinge zu verschaffen, ältere Junge wieder saugen lassen, junge Hündchen, Häschen, Ratten und dergleichen herbeischleppen und diese an ihr Gesäuge legen, ist mir durch verbürgte Mittheilungen thatsächlich beobachteter Fälle wohl bekannt; solche Fälle erscheinen mir jedoch aus dem Grunde nicht maßgebend zu sein, weil säugende Katzen, auch wenn man ihnen ihre Jungen läßt, andersartige hülflose Thierchen an- und aufnehmen. Hier handelt es sich nicht mehr einzig und allein um Stillung des durch die überfüllten Milchdrüsen verursachten Reizes, sondern um eine Pflegelust, welche keineswegs in dem »Ablegen der Blutgier«, wohl aber in der durch die Liebe zu den eigenen Kindern wachgerufenen Gutmüthigkeit, um nicht zu sagen Barmherzigkeit, Erklärung findet. Von einem Ablegen der Blutgier kann nicht gesprochen werden; denn die Mieze raubt, während sie Junge hat, nach wie vor, ja sogar eifriger als je; wohl aber darf man an zarte Neigungen und Empfindungen der Katze gegen Unmündige glauben. Wenn es, meine ich, ein Thier gibt, bei welchem sich das, was wir Mutterliebe nennen, in der unverkennbarsten Weise bekundet, so ist es die Katze. Hieran zu zweifeln oder auch nur zu deuteln, zeigt gänzlichen Mangel an Verständnis der geistigen Aeußerungen des Thieres. Man beobachte nur eine Katzenmutter mit ihren Kindern, und man wird sicherlich zu anderen Anschauungen gelangen.

Keine Menschenmutter kann mit größerer Zärtlichkeit und Hingebung der Pflege ihrer Kinderchen sich widmen als die Katze. In jeder Bewegung, in jedem Laute der Stimme, in dem ganzen Gebaren gibt sich Innigkeit, Sorgsamkeit, Liebe und Rücksichtsnahme nicht allein auf die Bedürfnisse, sondern auch auf die Wünsche der Kinderchen kund. So lange diese klein und unbehülflich sind, beschäftigt sich die Alte hauptsächlich nur mit ihrer Ernährung und Reinigung. Behutsam nähert sie sich dem Lager, vorsichtig setzt sie ihre Füße zwischen die krabbelnde Gesellschaft, leckend holt sie eines der Kätzchen nach dem anderen herbei, um es an das Gesäuge zu bringen, ununterbrochen bestrebt sie sich, jedes Härchen glatt zu legen, Augen und Ohren, selbst den After rein zu halten. Noch äußert sich ihre Liebe ohne Laute: sie liegt stumm neben den Kleinen, spinnt höchstens dann und wann, gleichsam um sich die Zeit, welche sie den Kinderchen widmen muß, zu kürzen. Scheint es ihr nöthig zu sein, das Lager zu wechseln, so faßt sie eines der Kätzchen mit zartester Behutsamkeit an dem faltigen Felle der Genickgegend, mehr mit den Lippen als mit den scharfen Zähnen zugreifend, und trägt es, ohne daß ihm auch nur Unbehagen erwächst, einem ihr sicherer dünkenden Orte zu, die Geschwister eilig nachholend. Ist sie sich der Freundlichkeit ihres Herrn bewußt, so läßt sie es gern geschehen, wenn dieser sie bei solcher Umlegung der Jungen unterstützt, fügt sich seinem Ermessen oder geht, bittend miauend, ihm voraus, um das ihr erwünschte Plätzchen zu zeigen. Die Jungen wachsen heran, und die Mutter ändert im vollsten Einklange mit dem fortschreitenden Wachsthume allgemach ihr Benehmen gegen sie. Sobald die Aeuglein der Kleinen sich geöffnet haben, beginnt der Unterricht. Noch starren diese Aeuglein blöde ins weite; bald aber richten sie sich entschieden auf einen Gegenstand: die ernährende Mutter. Sie beginnt jetzt, mit ihren Sprößlingen zu reden. Ihre sonst nicht eben angenehm ins Ohr fallende Stimme gewinnt einen Wohlklang, welchen man ihr nie zugetraut hätte; das »Miau« verwandelt sich in ein »Mie«, in welchem alle Zärtlichkeit, alle Hingebung, alle Liebe einer Mutter liegt; aus dem sonst Zufriedenheit und Wohlbehagen, oder auch Bitte ausdrückendem »Murr« wird ein Laut, so sanft, so sprechend, daß man ihn verstehen muß als den Ausdruck der innigsten Herzensliebe zu der Kinderschar. Bald auch lernt diese begreifen, was der sanfte Anruf sagen will: sie lauscht, sie achtet auf denselben und kommt schwerfällig, mehr humpelnd als gehend, herbeigekrochen, wenn die Mutter ihn vernehmen läßt. Die ungefügen Glieder werden gelenker, Muskeln, Sehnen und Knochen fügen sich allgemach dem erwachenden und rasch erstarkenden Willen: ein dritter Abschnitt des Kinderlebens, die Spielzeit, der Katze beginnt. »Goppend mit mancherley Ding so ihnen fürgeworffen oder nachgeschleipfft wirt, treybend wundbarlich holdsälig vnd lieblich schimpffbossen«, sagt schon der alte Geßner, und fügt hinzu: »So schimpffig ist sy, daß sy auch zu Zeyten mit jrem eigenen schatten, bildtnuß vor einem spiegel oder wasser, auch mit jrem schwantz goppet.« Diese Spielseligkeit der Katze macht sich schon in frühester Jugend bemerklich, und die Alte thut ihrerseits alles, sie zu unterstützen. Sie wird zum Kinde mit den Kindern, aus Liebe zu ihnen, genau ebenso, wie die Menschenmutter sich herbeiläßt, mit ihren Sprößlingen zu tändeln. Mit scheinbarem Ernste sitzt sie mitten unter den Kätzchen, bewegt aber bedeutsam den Schwanz, in welchem schon Geßner den Zeiger der Seelenstimmung erkannte: »anderst synd sy gesinnet, so sy den schwantz henckend, anderst so sy jn grad herauff streckend oder krümmend«. Die Kleinen verstehen zwar diese Sprache ohne Worte noch nicht, werden aber gereizt durch die Bewegung. Ihre Aeuglein gewinnen Ausdruck, ihre Ohren strecken sich. Plump täppisch häkelt das eine und andere nach der sich bewegenden Schwanzspitze; dieses kommt von vorn, jenes von hinten herbei, eines versucht über den Rücken wegzuklettern und schlägt einen Purzelbaum, ein anderes hat eine Bewegung der Ohren der Mutter erspäht und macht sich damit zu schaffen, ein fünftes liegt noch unachtsam am Gesäuge. Die gefällige Alte läßt, mit mancher Menschenmutter zu empfehlenden Seelenruhe, alles über sich ergehen. Kein Laut des Unwillens, höchstens gemüthliches Spinnen macht sich hörbar. So lange noch eines der Jungen saugt, wird es verständnisvoll bevorzugt; sobald aber auch dieses sich genügt hat, sucht sie selbst den kindischen Possen, zu denen bisher nur die sich bewegende Schwanzspitze aufforderte, nach Kräften zu unterstützen. Ihre wundervolle Beweglichkeit und Gewandtheit zu Gunsten der täppischen Kleinen beschränkend, ordnet und regelt nun sie das bis jetzt ziellos gewesene Spiel. Bald liegt sie auf dem Rücken und spielt mit Vorder- und Hinterfüßen, die Jungen wie Fangbälle umherwerfend; bald sitzt sie mitten unter der sich balgenden Gesellschaft, stürzt mit einem Tatzenschlage das eine Junge um, häkelt das andere zu sich heran, und lehrt durch unfehlbare Griffe der trotz aller Unruhe achtsamen Kinderschar sachgemäßen Gebrauch der krallenbewehrten Pranken; bald wieder erhebt sie sich, rennt eiligen Laufes eine Strecke weit weg und lockt dadurch das Völkchen nach sich, offenbar in der Absicht, ihm Gelenkigkeit und Behendigkeit beizubringen. Nach wenigen Lehrstunden haben die Kätzchen überraschende Fortschritte gemacht. Von ihren gespreizten Stellungen, ihrem wankenden Gange, ihren täppischen Bewegungen ist wenig mehr zu bemerken. Im Häkeln mit den Pfötchen, im Fangen sich bewegender Gegenstände bekunden sie bereits merkliches Geschick. Nur das Klettern verursacht noch Mühe, wird jedoch in fortgesetztem Spiele binnen kurzem ebenfalls erlernt. Nunmehr scheint der Alten die Zeit gekommen zu sein, auch das in den Kinderchen noch schlummernde Raubthier zu wecken. Anstatt des Spielzeuges, zu welchem jeder leicht bewegliche Gegenstand dienen muß, anstatt der Steinchen, Kugeln, Wollflecken, Papierfetzen und dergleichen, bringt sie eine von ihr gefangene, noch lebende und möglich wenig verletzte Maus oder ein erbeutetes, mit derselben Vorsicht behandeltes Vögelchen, nöthigenfalls eine Heuschrecke, in das Kinderzimmer. Allgemeines Erstaunen der kleinen Gesellschaft, doch nur einen Augenblick. Bald regt sich die Spielsucht mächtig, kurz darauf auch die Raublust. Solcher Gegenstand ist denn doch zu verlockend für das bereits wohlgeübte Raubzeug. Er bewegt sich nicht bloß, sondern leistet auch Widerstand. Hier muß derb zugegriffen und festgehalten werden: so viel ergibt sich schon bei den ersten Versuchen; denn die Maus entschlüpfte Murnerchen, welcher sie doch sicher gefaßt zu haben vermeinte, überraschend schnell und konnte nur durch die achtsame Mutter an ihrer Flucht gehindert werden. Der nächste Fangversuch fällt schon besser aus, bringt aber einen empfindlichen Biß ein: Miezchen schüttelt bedenklich das verletzte Pfötchen. Doch schon hat Hinzchen die Unbill gerächt und den Nager so fest gepackt, daß kein Entrinnen mehr möglich: das Raubthier ist fertig geworden.

Genau in derselben Weise wie ihre eigenen Jungen behandelt die Katze ihre Pflegekinder. Sie reinigt diese mit derselben Sorgfalt, bemuttert sie mit derselben Zärtlichkeit, versucht, sie mit demselben Eifer zu unterrichten, führt und leitet sie noch lange Zeit. Und dies alles geschieht bloß deshalb, weil sie die strotzenden Milchdrüsen drücken? Das nehme als Ergebnis eingehender Beobachtungen an, wer da will und mag; ich meinestheils halte es für den Ausdruck »eigentlicher Liebe«.

Gewöhnlich nimmt man an, daß die Katze nicht erziehungsfähig sei, thut ihr damit aber großes Unrecht. Sie bekundet, wenn sie gut und verständig behandelt worden ist, innige Zuneigung zu dem Menschen. Es gibt Katzen, und ich kannte selbst solche, welche schon mehrere Male mit ihren bezüglichen Herrschaften von einer Wohnung in die andere gezogen sind, ohne daß es ihnen eingefallen wäre, nach dem alten Hause zurückzukehren. Sie urtheilten eben, daß der Mensch in diesem Falle ihnen mehr werth sei als das Haus. Andere Katzen kommen, sobald sie ihren Herrn von weitem sehen, augenblicklich zu demselben heran, schmeicheln und liebkosen ihm, spinnen vertraulich und suchen ihm auf alle Weise ihre Zuneigung an den Tag zu legen. Sie unterscheiden dabei sehr wohl zwischen ihnen bekannten und fremden Personen und lassen sich von ersteren, zumal von Kindern, unglaublich viel gefallen, freilich nicht so viel wie alle Hunde, aber doch ebenso viel wie manche. Andere Katzen begleiten ihre Herrschaft in sehr artiger Weise bei Spaziergängen durch Hof und Garten, Feld und Wald: ich selbst kannte zwei Kater, welche sogar den Gästen ihrer Gebieterin in höchst liebenswürdiger Weise das Geleit gaben, zehn bis fünfzehn Minuten weit mitgingen, dann aber mit Schmeicheln und wohlwollendem Schnurren Abschied nahmen und zurückkehrten. Katzen befreunden sich aber auch mit Thieren. Man kennt viele Beispiele von den innigsten Freundschaften zwischen Hunden und Katzen, welche dem lieben Sprichworte gänzlich widersprechen. Von einer Katze wird erzählt, daß sie es sehr gern gehabt habe, wenn sie ihr Freund, der Hund, im Maule in der Stube hin und her trug; von anderen weiß man, daß sie bei Beißereien unter Hunden ihren Freunden nach Kräften beistanden, und ebenso auch, daß sie von den Hunden bei Katzenbalgereien geschützt wurden.

Manche Katzen liefern außerordentliche Beweise ihrer Klugheit. Solche von echten Vogelliebhabern werden nicht selten soweit gebracht, daß sie den gefiederten Freunden ihres Herrn nicht das geringste zu Leide thun. Giebel beobachtete, daß sein schöner Kater, Peter genannt, eine Bachstelze, welche genannter Naturforscher im Zimmer hielt, wiederholt mit dem Maule aus dem Hofe zurückbrachte, wenn der Vogel seine Freiheit gesucht hatte, – natürlich, ohne ihm irgendwie zu schaden. Ein ganz gleiches Beispiel ist mir aus meinem Heimatdorfe bekannt geworden. Dort brachte die Katze eines Vogelfreundes zur größten Freude ihres Herrn diesem ein seit mehreren Tagen schmerzlich vermißtes Rothkehlchen zurück, welches sie also nicht nur erkannt, sondern auch gleich in der Absicht gefangen hatte, ihrem Gebieter dadurch eine Freude zu bereiten! Gestützt auf diese Thatsachen, glaube ich, daß auch folgende Geschichte buchstäblich wahr ist: Eine Katze lebte mit dem Kanarienvogel ihres Herrn in sehr vertrauten Verhältnissen und ließ sich ruhig gefallen, daß dieser sich auf ihren Rücken setzte und förmlich mit ihr spielte. Eines Tages bemerkt ihr Gebieter, daß sie plötzlich mit großer Hast und scheinbarer Wuth auf den Kanarienvogel losstürzt, ihn mit den Zähnen faßt und knurrend und brummend ein Pult erklettert, den Kanarienvogel dabei immer fest in den Zähnen haltend. Man schreit auf, um den Vogel zu befreien, bemerkt aber gleichzeitig eine fremde Katze, welche zufällig in das Zimmer gekommen ist, und erkennt erst jetzt Miezchens gutes Herz. Sie hatte ihren Freund vor ihrer Schwester, welcher sie doch nicht recht trauen mochte, schützen wollen.

Es gibt noch weitere Belege für den Verstand dieses vortrefflichen Thieres. Unsere Hauskatze hatte in dem schönen Mai des Jahres 1859 vier allerliebste Junge auf dem Heuboden geworfen und dort sorgfältig vor aller Augen verborgen. Trotz der größten Mühe konnte das Wochenbett erst nach zehn bis zwölf Tagen entdeckt werden. Als dies aber einmal geschehen war, gab sich Miez auch weiter gar keine Mühe, ihre Kinder zu verstecken. So mochten ungefähr drei oder vier Wochen hingegangen sein, da erscheint sie plötzlich bei meiner Mutter, schmeichelt und bittet, ruft und läuft nach der Thüre, als wolle sie den Weg weisen. Meine Eltern folgen ihr nach, sie springt erfreut über den Hof weg, verschwindet auf dem Heuboden, kommt über der Treppe zum Vorscheine, wirft von oben herab ein junges Kätzchen auf ein Heubündel, welches unten liegt, springt ihm nach und trägt es bis zu meiner Mutter hin, zu deren Füßen sie es niederlegt. Das Kätzchen wird freundlich auf- und angenommen und geliebkost. Mittlerweile ist die Katze wieder auf dem Heuboden angelangt, wirft ein zweites ihrer Kinder gleicher Weise herab, trägt es aber bloß einige Schritte weit und ruft und schreit, als verlange sie, daß man es von dort abhole. Diese Bitte wird gewährt, und jetzt wirft die faule Mutter ihre beiden anderen Kinder noch herab, ohne aber nur im geringsten mit deren Fortschaffung sich zu befassen, und erst als ihr ganz entschieden bedeutet wird, daß man die Kleinen liegen lasse, entschließt sie sich, dieselben fortzuschleppen. Wie sich ergab, hatte die Katze fast gar keine Milch mehr, und klug genug, wie sie war, sann sie deshalb darauf, diesem Uebelstande so gut als möglich abzuhelfen, brachte also ihr ganzes Kindernest jetzt zu ihrem Brodherrn.

Dieselbe Katze bekundete eine Anhänglichkeit an meinen Vater, welche von der des treuesten Hundes nicht hätte übertroffen werden können. Sie wußte, daß sie dieses ausgezeichneten Thierkenners und Thierfreundes Liebling war, und bemühete sich, dankbar zu sein. Jeden Vogel, welchen sie gefangen hatte, brachte sie, und zwar kaum oder nicht verletzt, ihrem Herrn, es ihm gleichsam anheimgebend, ob derselbe wiederum in Freiheit gesetzt oder für die Sammlung verwendet werden sollte; niemals aber vergriff sie sich, was andere Katzen nicht selten thun, an den ausgestopften Stücken der Sammlung, durfte deshalb auch unbedenklich im Zimmer gelassen werden, wenn alle Tische und Schränke voller Bälge lagen. Auf den ersten Ruf meines Vaters erschien sie sofort, schmeichelnd oder bettelnd, je nachdem sie erkannt hatte, ob sie bloß zur Gesellschaft dienen oder einen ihr aufgesparten Bissen erhalten sollte. Schrieb oder las mein Vater, so saß sie in der Regel, behaglich spinnend, auf seiner Schulter; verließ er das Haus, gab sie ihm das Geleite. Während der letzten Krankheit ihres Gebieters, dessen reger Geist bis zum letzten Augenblicke thätig war, besuchte sie ihn täglich stundenlang, versuchte auch noch außerdem, ihm Freude zu bereiten. In den mit Vogelbälgen angefüllten Kistchen und Schachteln fanden wir fast täglich frisch gefangene und getödtete Vögel, welche sie zu den ausgestopften gelegt hatte. Nenne man dies Eitelkeit, sage man, daß sie dafür gelobt sein wollte: Verständnis für die Wünsche ihres Herrn und guten Willen, letztere zu erfüllen, wird man solchen Handlungen nebenbei doch zusprechen müssen. Ich will es als einen Zufall gelten lassen, daß dieses treffliche Thier von der Leiche und von dem Sarge meines Vaters gutwillig nicht weichen wollte und, weggenommen, immer wieder zurückkehrte; erwähnenswerth scheint mir die Thatsache aber doch zu sein.

Auch Lenz erzählt mehrere hübsche Geschichten, welche den Verstand der Katze beweisen. Ein Herr in Waltershausen besaß einen Kater, welcher gewöhnt war, nie etwas vom Tische zu nehmen. Einst kam ein neuer Hund ins Haus, der gern naschte und zu diesem Zwecke auch auf Stühle und Tische sprang. Der Kater sah einige Male mit verdrießlichem Gesichte zu, dann setzte er sich nahe an den Tisch und war, sowie der Hund auf den Stuhl sprang, schon auf dem Tische und gab dem Näscher eine tüchtige Maulschelle. Eine andere Katze, welche der Forstrath Salzmann besaß, war durch einige gelinde Schläge und Drohungen vermocht worden, die Stubenvögel, deren Käfige in dem Fenster standen, in Ruhe zu lassen. Eines ihrer Jungen, welches bei ihr blieb, zeigte bald ein Gelüste nach den Vögeln. Es sprang auf den Stuhl, von da ins Fenster und wollte eben einen Braten aus dem Käfige holen, als es von einer menschlichen Hand bei dem Kopfe genommen, durch einige Hiebe eines besseren belehrt und auf den Boden gesetzt wurde. Die Alte hatte den Versuch zum bösen und die Abstrafung mit angesehen, war beim Nothgeschrei herbeigeeilt und leckte jetzt ihrem Schoßkindchen mitleidig die Hiebe ab. Dasselbe geschah noch zweimal; doch das Kätzchen wollte seine Begierde nicht zügeln und wandelte ferner auf dem Wege der Sünde. Aber die Alte ließ es nun nicht mehr aus dem Auge, sondern sprang jedesmal, wenn es zum Fenster wollte, auf den Stuhl und gab dem unbesonnenen Dinge gehörige Schläge. Da ersah sich das Kätzchen einen anderen Weg, kroch auf ein Pult, welches nahe am Fenster stand, und ging von da gerade auf die Vögel los. Die Alte aber, welche das verwegene Unternehmen bemerkt hatte, war mit einem Sprunge oben und brachte ihre Ohrfeigen so richtig an, daß von nun an jeder Raubzug unterblieb!

»Vor sehr kurzer Zeit«, so erzählt eine Katzenfreundin in Wood's » Natural History« »starb eine der ausgezeichnetsten und vortrefflichsten Katzen, welche jemals eine Maus fing oder auf der Herdmatte saß. Ihr Name war Pret, eine Abkürzung von Prettina (Hübschchen), und sie trug diesen Namen mit vollster Berechtigung; denn sie war ebenso schön von Farbe als seidenweich von Haar. Sie war die klügste, liebenswürdigste, lebendigste Katze, welche mir jemals meinen Weg gekreuzt hat. Als sie noch sehr jung war, wurde ich am Nervenfieber krank. Sie vermißte mich augenblicklich, suchte mich und setzte sich so lange an die Thüre des Krankenzimmers, bis sie Gelegenheit fand, durch dieselbe zu schlüpfen. Hier that sie nun ihr bestes, um mich nach ihren Kräften zu unterhalten und zu erheitern. Da sie jedoch fand, daß ich zu krank war, als daß ich mit ihr hätte spielen können, setzte sie sich an meine Seite und schwang sich förmlich zu meiner Krankenwärterin auf. Wenig Menschen dürften im Stande gewesen sein, es ihr in ihrer Wachsamkeit gleich zu thun oder eine zärtlichere Sorgfalt für mich an den Tag zu legen. Es war wirklich wunderbar, wie schnell sie die verschiedenen Stunden kennen lernte, zu welchen ich Arznei oder Nahrung nehmen mußte, und während der Nacht weckte sie meine Wärterin, welche zuweilen in den Schlaf fiel, regelmäßig zur bestimmten Zeit dadurch auf, daß sie dieselbe sanft in die Nase biß. Auf alles, was mir geschah, gab sie genau Achtung, und sobald ich mich nach ihr umsah, erschien sie augenblicklich mit freundlichem Schnurren bei mir. Das allerwunderbarste war unbedingt der Umstand, daß sie kaum um fünf Minuten in ihren Berechnungen sich irrte, es mochte Tag oder Nacht sein. In dem Zimmer, in welchem ich lag, war keine schlagende Uhr, und gleichwohl wußte sie ganz genau, in welcher Zeit wir lebten.

»Ich bezweifle, daß irgend ein anderes Thier so sehr verlangt geliebt zu werden, wie die Katze, oder so fähig ist, die ihr erwiesene Liebe zu erwidern. Pret war groß in ihrer Liebe, und ihr Haß galt nur wenigen. Das grollende Rollen des Donners erfüllte sie mit Schreck, die gellenden, herzzerreißenden Töne von allerhand Drehorgeln haßte sie von Herzen. Bei Gewittern eilte sie zitternd in meinen Schoß, um sich dort Hülfe zu erbitten, oder versteckte sich auch wohl unter den Kleidern. Die Musik liebte sie nicht, am allerwenigsten aber die Drehorgel; doch ist es möglich, daß mehr die schlechte Kleidung der Leute ihr Auge verletzte als die abscheulichen Töne ihr Ohr. Auffallend gekleidete Personen waren ihr ein Greuel, und sobald sich Jemand nahte, welcher häßlich gekleidet war, zeigte sie durch ärgerliches Brummen ihre Stimmung an.

»Ihre Klugheit bekundete sich auch bei anderen Gelegenheiten. Während ihrer Kindheit lebte ein zweites Kätzchen mit ihr in demselben Hause und ärgerte Pret beständig dadurch, daß es in ihr Zimmer kam und ihr das für sie bestimmte Futter wegfraß. Pret merkte bald, daß mit dem kleinen Geschöpfe nichts anzufangen sei, und war viel zu gutmüthig, um Gewalt zu gebrauchen. Deshalb leerte sie, sobald ihr Speise vorgesetzt wurde, rasch ihren Teller ab und verbarg die besten Bissen unter dem Tische. Einiges ließ sie aber immer auf dem Tische liegen, jedenfalls, um dem anderen Kätzchen glauben zu machen, daß dies alles sei, was übrig geblieben. Dann bewachte sie ihre verborgenen Schätze und erlaubte dem Kätzchen, ruhig die Reste auf dem Teller zu verzehren. Sobald jenes aber seinen Hunger gestillt hatte, trug sie alles, was sie versteckt hatte, wieder auf den Teller und verzehrte es dort in Frieden. Zuweilen bedeckte sie den Teller sogar mit Papier, Tüchern oder dergleichen. Gegen manche Thiere war sie außerordentlich freundlich, und mit einem jungen Hunde, einem Kaninchen und einem Kampfhahne ( Machetes pugnax) lebte sie in der größten Freundschaft. Mir aber blieb sie doch unter allen Umständen am meisten gewogen, und wenn ich zugegen war, fraß sie bloß dann, wenn sie dies in meiner unmittelbaren Nähe thun konnte.«

Aus all dem geht hervor, daß die Katzen die Freundschaft des Menschen im vollsten Grade verdienen, sowie daß es endlich einmal Zeit wäre, die ungerechten Meinungen und misliebigen Urtheile über sie der Wahrheit gemäß zu verbessern und zu mildern. Zudem, däucht mich, sollte man auch dem Nutzen der Katzen mehr Rechnung tragen, als gewöhnlich zu geschehen pflegt. Wer niemals in einem baufälligen Hause gewohnt hat, in welchem Ratten und Mäuse nach Herzenslust ihr Wesen treiben, weiß gar nicht, was eine gute Katze besagen will. Hat man aber jahrelang mit diesem Ungeziefer zusammengelebt und gesehen, wie der Mensch ihm gegenüber vollkommen ohnmächtig ist, hat man Schaden über Schaden erlitten und sich tagtäglich wiederholt über die abscheulichen Nager geärgert, dann kommt man nach und nach zu der Ansicht, daß die Katze eines unserer allerwichtigsten Hausthiere ist und deshalb nicht bloß größte Schonung und Pflege, sondern auch Dankbarkeit und Liebe verdient. Mir ist die allbekannte Geschichte von dem jungen Engländer, welcher mit seiner Katze in Indien ein großes Glück machte, gar nicht unwahrscheinlich, weil ich mir recht wohl denken kann, wie innig erfreut der von den Ratten gepeinigte König gewesen sein mag, als die Katze des Fremdlings eine grausame Niederlage unter seinen bisher unüberwindlichen Feinden anrichtete. Schon das Vorhandensein einer Katze genügt, um die übermüthigen Nager zu verstimmen und sogar zum Auszuge zu nöthigen. Das ihnen auf Schritt und Tritt nachschleichende Raubthier mit den nachts unheimlich leuchtenden Augen, das furchtbare Geschöpf, welches sie am Halse gepackt hat, ehe sie noch etwas von seiner Ankunft gemerkt haben, flößt ihnen Grauen und Entsetzen ein; sie ziehen daher vor, ein derartig geschütztes Haus zu verlassen, und thun sie es nicht, so wird die Katze auch auf andere Weise mit ihnen fertig.

Mäuse verschiedener Art, namentlich Haus- und Feldmäuse bilden das bevorzugte Jagdwild der Katze. An Ratten wagt sich nicht jede, aber doch die große Mehrzahl; Spitzmäuse fängt und tödtet sie, wenigstens so lange sie jung und unerfahren ist, frißt sie aber nicht, weil ihr der Moschusgeruch zuwider sein mag, läßt sie, älter geworden, auch unbehelligt laufen; Eidechsen, Schlangen und Frösche, Maikäfer, Heuschrecken und andere Kerbthiere verzehrt sie zur Abwechslung. Bei ihrer Jagd bekundet jede Katze ebenso viel Ausdauer als Geschicklichkeit. »Ich habe sie«, schildert Lenz, »öfters beobachtet, wenn sie so auf der Lauer sitzt, daß sie mehrere zusammengehörige Mauselöcher um sich hat. Sie könnte sich gerade vor ein am Rande des Ganzen stehendes hinsetzen und so alle leicht überschauen; das thut sie aber nicht. Setzte sie sich vor das Loch, so würde auch das Mäuschen sie leichter bemerken und entweder gar nicht herausgehen oder doch schnell zurückzucken. Sie setzt sich also mitten zwischen die Eingänge und wendet Auge und Ohr dem zu, in dessen Nähe sich unter der Erde etwas rührt, wobei sie so sitzt, daß das herauskommende Geschöpf ihr den Rücken kehren muß und desto sicherer gepackt wird. Sie sitzt so unbeweglich, daß selbst die sonst so regsame Schwanzspitze sich nicht rührt: es könnten auch durch ihre Bewegungen die Mäuschen, welche nach hinten heraus wollen, eingeschüchtert werden. Kommt vor der Katze ein Mäuschen zu Tage, so ist es im Augenblicke gepackt; kommt eins hinter ihr heraus, so ist es ebenso schnell ergriffen. Sie hat nicht bloß gehört, daß es heraus ist, sondern auch so genau, als ob sie sähe, wo es ist, wirft sie sich blitzschnell herum und hat es nie fehlend unter ihren Krallen.« Als zünftiges Raubthier läßt sie sich freilich auch Uebergriffe zu Schulden kommen. Sie nimmt manches Vögelchen weg, so lange es noch jung und unbehülflich ist, wagt sich an ziemlich große Hasen und faßt erwachsene oder ermattete Rebhühner, lauert auch wohl den Küchlein der Haushühner auf und legt sich unter Umständen sogar auf den Fischfang. Der Köchin verursacht sie viel Aerger, da sie ihre Zugehörigkeit zum Hause dadurch bethätigt, daß sie den Speiseschrank plündert, wann immer sie kann. Ihre Nützlichkeit wegen all dem aber »eine sehr bedingte« zu nennen, wie Giebel es gethan, ist widersinnig. Die Summe des Nutzens entscheidet, und sie überwiegt in diesem Falle allen erdenklichen Schaden bei weitem.

Es ist erstaunlich, was eine Katze in der Vertilgung der Ratten und Mäuse zu thun vermag. Zahlen beweisen; deshalb will ich das Ergebnis der Lenz'schen Untersuchungen und Beobachtungen hier mittheilen: »Um zu wissen, wie viel denn eigentlich eine Katze in ihrem Mäusevertilgungsgeschäfte leisten kann, habe ich das äußerst mäusereiche Jahr 1857 benutzt. Ich sperrte zwei semmelgelbe, dunkler getigerte Halbangorakätzchen, als sie achtundvierzig Tage alt waren, in einen kleinen, zu solchen Versuchen eingerichteten Stall, gab ihnen täglich Milch und Brod, und daneben jeder vier bis zehn Mäuse, welche sie jedesmal rein auffraßen. Als sie sechsundfünfzig Tage alt waren, gab ich jeder nur Milch und dazwischen vierzehn ausgewachsene oder zum Theil doch wenigstens halbwüchsige Mäuse. Die Kätzchen fraßen alle auf, spieen nichts wieder aus, befanden sich vortrefflich und hatten am folgenden Tage ihren gewöhnlichen Appetit ..... Kurz darauf sperrte ich, als die bewußten Mäusefresser entlassen waren, in denselben Stall abends neun Uhr ein dreifarbiges fünfundeinhalb Monate altes Halbangorakätzchen und gab ihm für die Nacht kein Futter. Das Thierchen war, weil es sich eingesperrt und von den Gespielen seiner Jugend getrennt sah, traurig. Am nächsten Morgen setzte ich ihm eine Mischung von halb Milch, halb Wasser für den ganzen Tag vor. Ich hatte einen Vorrath von vierzig Feldmäusen und gab ihm davon in Zwischenräumen eine Anzahl. Als abends die Glocke neun Uhr schlug, also während der 24 Stunden ihrer Gefangenschaft, hatte sie zweiundzwanzig Mäuse gefressen, wovon elf ganz erwachsen, elf halbwüchsig waren. Dabei spie sie nicht, befand sich sehr wohl ..... In jenem Jahre waren meine Katzen Tag und Nacht mit Mäusefang und Mäusefraß beschäftigt, und dennoch fraß am 27. September noch jede in Zeit von einer halben Stunde acht Mäuse, die ich ihr extra vorwarf ..... Nach solchen Erfahrungen nehme ich bestimmt an, daß in reichen Mausejahren jede mehr als halbwüchsige Katze im Durchschnitt täglich 20 Mäuse, also im Jahre 7300 Mäuse verzehrt. Für mittelmäßige Mausejahre rechne ich 3650 oder statt der Mäuse ein Aequivalent an Ratten ..... Uebrigens geht aus den soeben angeführten Beobachtungen sowie aus anderen, die man leicht bei Eulen und Busaaren, welche man füttert, machen kann, hervor, daß Mäuse sehr wenig Nahrung geben; sie könnten sonst nicht in so ungeheuerer Menge ohne Schaden verschluckt werden«.

Aber die Katzen nützen auch in anderer Weise. Sie fressen, wie bemerkt, nicht allein schädliche Kerbthiere, sondern tödten auch Giftschlangen, nicht bloß Kreuzottern, sondern selbst die so überaus furchtbare Klapperschlange. »Mehr als einmal habe ich gesehen«, sagt Rengger, »daß die Katzen in Paragay auf sandigem und graslosem Boden Klapperschlangen verfolgten und tödteten. Mit der ihnen eigenen Gewandtheit geben sie denselben Schläge mit der Pfote und weichen hierauf dem Sprunge ihres Feindes aus. Rollt sich die Schlange zusammen, so greifen sie dieselbe lange nicht an, sondern gehen um sie herum, bis sie müde wird, den Kopf nach ihnen zu drehen. Dann aber versetzen sie ihr einen neuen Schlag und springen sogleich auf die Seite. Flieht die Schlange, so ergreifen sie dieselbe beim Schwanze, gleichsam, um mit letzterem zu spielen. Unter fortgesetzten Pfotenschlägen erlegen sie gewöhnlich ihren Feind, ehe eine Stunde vergeht, berühren aber niemals dessen Fleisch.«

Hier und da, beispielsweise in Belgien und im Schwarzwalde, züchtet man die Katze hauptsächlich ihres Felles wegen. Die Schwarzwälder Bauern halten, nach Weinland, besonders einfarbig schwarze und einfarbig graue (»blaue«) Katzen, tödten sie im Winter und verkaufen die Felle an herumziehende Händler zu guten Preisen. In Belgien sollen sich Dienstboten beim Antritte ihres Dienstes ausbedingen, eine Anzahl von Katzen zu gleichem Zwecke halten zu dürfen. Die Felle sind namentlich bei Südländern sehr beliebt. Selbst das Fleisch kann Verwendung finden, soll sogar recht gut sein. »Der Katzenziemer«, berichtet mein werther Freund Geoffroy Saint Hilaire gelegentlich der Schilderung eines Mittagsessen während der Belagerung von Paris, »war sehr köstlich. Dieses weiße Fleisch hat ein angenehmes Ansehen, ist zart und erinnert im Geschmacke einigermaßen an kaltes Kalbfleisch.« Auch in dieser Hinsicht also nützt die Katze.

Ich denke nach vorstehendem im Rechte zu sein, wenn ich für das so oft ungerecht behandelte Thier ein gutes Wort einlege. »Wer eine Katze hat«, sagt Lenz, »welche nach Kindern kratzt und beißt, überall Töpfe und Tiegel zerbricht, Bratwürstchen, Butter und Fleisch davonträgt, Küchlein und junge Bachstelzen erwürgt, nie und nirgends eine Maus und Ratte fängt, der thut sehr wohl daran, wenn er sie je eher je lieber erschlägt, erschießt oder ersäuft. Besitzt aber Jemand ein Kätzchen, welches der Lieblingsgespiele der Kinder ist, nirgends im Hause den geringsten Schaden thut und Tag und Nacht auf Maus- und Rattenfang geht, der handelt sehr weise, wenn er es als seinen Wohlthäter hegt und pflegt.«

Unter den Krankheiten der Katze ist die Räude die häufigste und gefährlichste, weil sie ansteckt und oft tödtlich wird. Nach Lenz heilt man sie mit Schwefelblumen, welche auf ein recht fettes Butterflädchen gestrichen werden. Dieses zerschneidet man dann in Würfel und verfüttert es. Es soll sogar sehr gut sein, einer gesunden Katze einmal in ihrem Leben Schwefelflädchen als Vorbeugemittel zu geben. Von Ungeziefer leiden die Katzen nicht bedeutend, und der Bandwurm kommt auch ziemlich selten vor. Man vertreibt ihn durch die Körner von Hagebutten, welche man verfüttert, oder durch einen Absud von Kussoblüten.

Die Katze ( Felis maniculata domestica) hat wenig Spielarten. Bei uns sind folgende Färbungen gewöhnlich: Einfarbig schwarz mit einem weißen Stern mitten auf der Brust; ganz weiß; semmelgelb und fuchsroth; dunkler mit derselben Färbung getigert; einfach blaugrau; hellgrau mit dunklen Streifen und dreifarbig mit großen weißen und gelben oder gelbbraunen und kohlschwarzen oder grauen Flecken. Die blaugrauen sind sehr selten, die hellgrauen oder Cyperkatzen gemein; doch müssen die echten schwarze Fußballen und an den Hinterfüßen schwarze Sohlen haben. Die schönsten oder die Zebrakatzen haben dunkelgraue oder schwarzbraune Tigerzeichnung. Eigenthümlich ist, daß die dreifarbigen Katzen, welche an einigen Orten für Hexen angesehen und deshalb erschlagen werden, fast ausnahmslos weiblichen Geschlechtes sind. Keine Farbe erbt übrigens fort, und bei einem einzigen Wurfe können so viele verschiedene Färbungen vertreten sein, als Junge sind. Daher haben diese Färbungen auch keinen thierkundlichen Werth.

 

Als Rasse im eigentlichen Sinne des Wortes faßt man allgemein die Angorakatze ( Felis maniculata domestica angorensis) auf, eine der schönsten Katzen, welche es gibt, ausgezeichnet durch Größe und langes seidenweiches Haar, von rein weißer, gelblicher, graulicher oder auch gemischter Färbung, mit fleischfarbenen Lippen und Sohlen.

Es wurde bereits erwähnt, daß Pallas geneigt zu sein scheint, den Manúl als Stammvater der Angorakatze anzusehen, obgleich letztere in ihrer Gestalt wesentlich sich unterscheidet. Fitzinger, welcher Pallas beitreten möchte, erklärt sie als Erzeugnis einer Kreuzung zwischen Manúl und Hauskatze, ohne jedoch dafür irgend welche Unterstützung beibringen zu können. Mir erscheint es am wahrscheinlichsten, daß sie nichts anderes ist als eine aus Gebirgsgegenden herrührende Zuchtrasse, welche sich, infolge klimatischer Einwirkung, nach und nach herausbildete und ihre Merkmale vererbte. Radde sah im Süden Sibiriens immer nur schön graue oder blaugraue Angorakatzen. Die ersten traf er bereits in dem Städtchen Tjumen, wenig östlich vom Ostabhange des Ural, andere kamen ihm in den russischen Ansiedelungen zu Gesicht; doch waren die Thiere auch hier seltener als die gewöhnlichen Hauskatzen. Ob jene wirklich aus Angora stammen, wie man annimmt, lasse ich dahin gestellt sein; meines Wissens fehlt über das eigentliche Vaterland noch jede Kunde.

Angorakatze ( Felis maniculata domestica angorensis).

Im Vergleiche zur Hauskatze gilt die Angorakatze als faul und träge, aber auch als besonders klug und anhänglich: inwiefern letzteres begründet ist, weiß ich nicht.

Von der Insel Man stammt eine andere Abart – Rasse kann man kaum sagen – der Hauskatze, die Stummelschwanz- oder Mankatze ( Felis maniculata domestica ecaudata), ein keineswegs hübsches, wegen seiner hohen, hinten unverhältnismäßig entwickelten Beine und des Fehlen des Schwanzes bemerkenswerthes Thier, von verschiedener Färbung.

Möglicherweise hat Fitzinger Recht, wenn er annimmt, daß die Schwanzlosigkeit eine Folge künstlicher Verstümmelung ist, welche sich vererbte und zu einem ständigen Merkmale ausbildete. Als einen ursprünglichen Mangel darf man das Fehlen des Schwanzes jedenfalls nicht auffassen; denn die erste Kreuzung mit einer gewöhnlichen Hauskatze erzielt Junge mit Schwänzen. Weinland und Schmidt berichten von einer Stummelschwanzkatze des Frankfurter Thiergartens, welche, nachdem sie mit einem geschwänzten gelben Kater sich gepaart, Junge warf, von denen einige hoch gestellt und schwanzlos waren wie die Mutter, andere niedrige Beine und lange Schwänze hatten wie der Vater. Ein Wurf bestand aus drei Jungen mit langen, einem mit mittellangem und zwei mit Stummelschwanze, ein anderer aus drei Langschwänzen und einem Kurzschwanze, ein dritter aus drei Langschwänzen etc. »Eine anfänglich aufgetauchte Vermuthung«, sagt Schmidt, »daß das Mutterthier den geschwänzten Jungen die Schwänze abbeiße, bestätigte sich bei genauerer Untersuchung der Sache nicht.« Auf den Sundainseln und in Japan sah Martens Katzen mit verschiedenen Schwanzabstufungen, und Kessel erzählte Weinland, daß dort, insbesondere auf Sumatra, allen Katzen, bevor sie erwachsen sind, die ursprünglich vorhandenen Schwänze absterben. Besonderes Gewicht darf also auch auf die Schwanzlosigkeit der Katze nicht gelegt werden.

Von der Mankatze bemerkt Weinland, daß sie eine unermüdliche Baumkletterin ist, vermöge der hohen Hinterbeine ganz außerordentliche Sätze von Ast zu Ast ausführen kann und dadurch den Vögeln viel gefährlicher wird als die Hauskatze gewöhnlichen Schlages. »Daraus folgt, daß es nichts weniger als wünschenswerth ist, diese ungeschwänzte Katze auch in Deutschland einzuführen.«

Angora- und Stummelschwanzkatze sind die bekanntesten Rassen unseres Hinz. Außerdem spricht man noch von der Karthäuserkatze, welche sich durch langes, weiches, fast wolliges Haar und einfarbig dunkelbläulich graue Färbung auszeichnet, und von der ihr ähnlichen Khorassankatze aus Persien. Weniger bekannt sind: die kumanische Katze aus dem Kaukasus, die rothe Tobolsker Katze aus Sibirien, die rothe und blaue Katze vom Kap der guten Hoffnung, die chinesische Katze, welche langes, seidenweiches Haar und hängende Ohren wie ein Dachshund hat, von den Einwohnern gemästet und gegessen wird und, wie ich oben berichtete, dieselbe ist, welche als Tauschwaare zu den Kiliaken geht etc. Möglich, daß einzelne dieser letztgenannten Abarten Blendlinge sind, von welchen Arten weiß man freilich nicht. Daß sich die Hauskatze ziemlich leicht mit anderen Katzen paart, ist erwiesen. Geachtete Naturforscher haben sogar behauptet, daß sie sich mit dem Hausmarder paare und Junge erzeuge, welche diesem in Farbe und Zeichnung auffallend gleichen sollen.

Tüpfelkatze ( Felis viverrina). (Nach Wolf.)

Eine schlanke Katze Indiens vertritt nach der Ansicht Gray's eine besondere Sippe, deren Namen Viverriceps mit Marderkatze übersetzt werden mag, obwohl wir unter Viverra bekanntlich nicht die Marder, sondern die Schleichkatzen verstehen. Der verlängerte Kopf, die runden, pinsellosen Ohren, der spaltförmige Augenstern, der mittellange, zugespitzte Schwanz gelten als die äußerlichen, einige nicht eben erhebliche Eigentümlichkeiten des Schädels als die anatomischen Kennzeichen der Gruppe, welche wir unbedenklich den Katzen im engeren Sinne einreihen dürfen, weil die Abweichungen von dem allgemeinen Katzengepräge keineswegs größer erscheinen als bei anderen Arten dieser in so hohem Grade übereinstimmenden Familie.

Die Tüpfel- oder Wagatikatze, Tarai der Indier ( Felis viverrina, F. viverriceps, bengalensis, himalayana und celidogaster, Viverriceps viverrina), erreicht kaum die Größe unserer Wildkatze; ihre Leibeslänge beträgt ungefähr 1 Meter, wovon 20 bis 22 Centim. auf den Schwanz zu rechnen sind. Im Vergleiche zur letztgenannten erscheint sie gestreckter gebaut und merklich niedriger gestellt, auch kleinköpfiger und schmächtiger. Die Grundfärbung ist ein schwer zu bestimmendes Gelblichgrau, welches bald mehr ins Grauliche, bald mehr ins Bräunliche spielt, je nachdem die Mittelfärbung der an der Wurzel dunkelgrauen, in der Mitte gelblichen, an der Spitze bräunlichen oder schwarzen Haare mehr oder minder zur Geltung gelangt. Ueber die Stirn verlaufen zwei aus dichtstehenden Flecken gebildete Seiten- und drei weniger unterbrochene Mittellängsstreifen, welche sich im Nacken in länglichrunde Tüpfelflecken auflösen, über die Wangen, welche weißlich aussehen wie die Oberlippe, Kehle und Unterseite, zwei ununterbrochene Seitenstreifen. Die ganze Oberseite nebst Armen und Schenkeln trägt länglichrunde dunkelbraune bis braunschwarze Flecken; die Beine zeigen aus Flecken gebildete Querbinden; der Schwanz ist acht bis neunmal, unterseits meist unterbrochen geringelt. Das Auge hat erzgelbe, das Ohr, mit Ausnahme eines eiförmigen hellen Mittelfleckens, schwarze, innen weißliche Färbung. Vielfache Abänderungen der Grundfärbung und Zeichnung haben verleitet, Spielarten unserer Katze als besondere Arten zu beschreiben.

Durch die neueren Forschungen ist festgestellt worden, daß die Tüpfelkatze ein weites Gebiet bewohnt: ihr Verbreitungskreis dehnt sich über ganz Ostindien mit Ceilon, Nepal, Burma, Malakka aus und reicht bis Formosa. In Tenasserim ist sie gemein, in den übrigen Ländern wenigstens nicht selten; nur in Formosa begegnet man ihr, laut Swinhoe, weil ihr eifrig nachgestellt wird, nicht eben oft. Ueber ihr Freileben mangelt genauere Kunde; doch scheint es, daß sich dasselbe von dem Thun und Treiben anderer Wildkatzen nicht wesentlich unterscheidet. Gefangene, welche im Londoner Thiergarten gepflegt wurden, waren scheu und unfreundlich, auch ebenso schwer zu behandeln und zu erhalten wie andere Wildkatzen, von denen sie übrigens durch eine höchst unangenehme Ausdünstung, welche ihre Beobachtung und Pflege äußerst unbehaglich machte, sehr zu ihrem Nachtheile sich unterschieden. Auf Formosa wird das weiche, hübsche Fell der Tüpfelkatze zu Halskragen und Aufschlägen verwendet und verhältnismäßig theuer, mit vier bis fünf Mark nämlich, bezahlt, sie eben deshalb ununterbrochen verfolgt und mehr und mehr ausgerottet, wenigstens in allen bebauten Gegenden, während ihr die Waldungen des Inneren, ebenso gut wie unsere Gebirgswälder der Wildkatze, noch auf lange hin Zuflucht gewähren mögen.

 

Eher als die Tüpfelkatze könnte man den Serwal als Vertreter einer besonderen Sippe gelten lassen, hat ihn auch zu solchem erhoben, schließlich jedoch immer wieder mit den übrigen Katzen vereinigt. Gestalt und Wesen stempeln ihn zu einem Verbindungsgliede zwischen Katzen und Luchsen. Er ist im ganzen schmächtig gebaut, aber hoch gestellt, sein Kopf länglich, seitlich zusammengedrückt, wegen der auffallend großen, an der Wurzel breiten, an der Spitze eiförmig zugerundeten Ohren absonderlich hoch erscheinend, sein Schwanz mittellang, so daß er höchstens die Ferse erreicht, das Auge klein, merklich schief gerichtet, der Stern länglichrund, die Behaarung ziemlich lang, dicht und rauh.

Der Serwal, die Buschkatze der Ansiedler am Vorgebirge, Tschui der Suaheli ( Felis Serval, F. capensis und galeopardus, Serval galeopardus, Chaus servalina), erreicht bei 50 Centim. Höhe am Widerrist eine Gesammtlänge von 1,35 Meter, wovon etwa 30 bis 35 Centim. auf den Schwanz kommen, und ist auf gelblichfahlgrauem, bald lichterem, bald dunklerem Grunde tüpfelig gefleckt, die Nasenspitze und der Nasenrücken schwarz, der untere Augenrand und ein schmaler kurzer Streifen zwischen Auge und Nase hellgelb, ein kurzer schmaler Längsfleck vom inneren Augenrande zur Wange weiß, das Ohr an der Wurzel fahlgelb, übrigens, den ebenso gefärbten Mittellängsfleck ausgenommen, schwarz, das Auge hellgelb. Ueber jedem Auge beginnt eine aus kleinen runden Flecken gebildete Reihe, welche über die Stirn verläuft und auf Scheitel und Nacken sich fortsetzt, verbreitert und in größere, weiter auseinanderstehende Flecken auflöst; dazwischen schieben sich zwei schmälere Streifen ein, welche die Mittellinie halten, ebenfalls bald in Flecken sich zertheilen und mit den übrigen schief über den Rücken laufen. Mit der spärlichen Tüpfelung der Wangen beginnen andere Fleckenreihen, welche die Leibesseiten bedecken und mit den unregelmäßigen längsrunden Flecken der Schenkel und Beine die Zeichnung des Leibes herstellen. Kehle, Gurgel und Oberbrust sind bei einzelnen Stücken ungefleckt, bet anderen durch Querbinden gezeichnet; der Schwanz ist an der Wurzel längsgefleckt, gegen die Spitze hin bei einzelnen Stücken nur drei- bis viermal, bei anderen sechs- bis achtmal geringelt, wie überhaupt die Zeichnung vielfach abändert.

Serwal ( Felis Serval).

Obgleich der Serwal unter dem Namen Boschkatte den holländischen Ansiedlern am Vorgebirge der guten Hoffnung sehr wohl bekannt ist, fehlt uns doch noch eine genauere Lebensbeschreibung. Wir wissen, daß er nicht bloß in Südafrika ziemlich häufig auftritt, sondern auch im Westen und Osten sich weit verbreitet. Höchst wahrscheinlich kommt er in allen Steppenländern Afrikas vor: in Algier z. B. findet er sich gewiß. In unmittelbarer Nähe der Kapstadt trifft man ihn gegenwärtig nicht mehr, wohl aber in den Wäldern oder auf dem mit Buschholz bedeckten Bergen im Inneren des Landes. Nach Heuglin bewohnt er am oberen Weißen Nile auch felsige Gegenden, deren Spalten und Höhlungen ihm bei Tage gute Aufenthaltsorte gewähren. Er jagt und würgt Hasen, junge Antilopen, Lämmer etc., namentlich aber Geflügel und geht deshalb nachts gern in die Meiereien, um in schlecht verwahrten Hühnerställen seinen Besuch zu machen. Dann kann er große Verheerungen anrichten. Bei Tage hält er sich verborgen und schläft. Erst mit der Dämmerung beginnt er seine Raubzüge. Dabei soll er sich als echte Katze zeigen und wie diese alle List und Schlauheit anwenden, um seinen Raub zu beschleichen und durch plötzliche Sprünge in seine Gewalt zu bringen. Man sieht ihn sehr selten bei Jagden, eben weil er dann verborgen in irgend einem Schlupfwinkel liegt; er wird aber häufig in Fallen gefangen.

Die Häuptlinge ostafrikanischer Stämme tragen sein Fell als Abzeichen königlicher Würde; der Sultan von Sansibar stellt ihn als Sinnbild seiner Macht und Größe lebend zur Schau, verschenkt ihn aber auch an Würdenträger seines Reiches oder an Europäer, denen er einen Beweis seiner Gnade geben will. Das Fleisch des Thieres wird in Ostafrika wohl nur von den Mohammedanern verschmäht, während alle heidnischen Stämme es gern genießen: Speke erhielt von einem Eingeborenen Unigoro's einen jungen Serwal unter der Bedingung zum Geschenke, die Katze, falls sie sterben sollte, als Leiche ihrem früheren Eigner zurückzugeben, weil dieser nicht um ein gutes Mittagsmahl kommen wolle.

Jung eingefangene Serwals werden, entsprechend behandelt, bald sehr zahm; alt eingefangene dagegen behalten, laut Kersten, längere Zeit die volle Unbändigkeit ihres Geschlechtes bei, toben wie unsinnig im Käfige umher, fauchen und zischen, sobald sie einen Menschen gewahren, und sind jederzeit gerüstet, im gelegenen Augenblicke einen wohlgezielten Prankenschlag zu versetzen. Doch auch über solche Wildlinge trägt zweckmäßige Behandlung schließlich den Sieg davon, da das Wesen des Thieres ein verhältnismäßig gutartiges ist. Ein wirklich zahmer Serwal zählt zu den liebenswürdigsten Katzen, zeigt sich dankbar gegen seinen Pfleger, folgt ihm nach, schmiegt sich an ihn an, streift an seinen Kleidern hin und schnurrt dabei wie unsere Hauskatze, spielt gern mit Menschen oder mit Seinesgleichen, auch mit sich selbst und kann sich stundenlang mit Kugeln beschäftigen, die man ihm zuwirft, oder sich durch Spielen mit seinem eigenen Schwanze vergnügen. Dabei scheint er in seiner großen Beweglichkeit und Geschmeidigkeit sich zu gefallen und macht, ohne irgend welche Aufforderung, aus eigenem Antriebe die sonderbarsten Sprünge. Mit rohem Fleische läßt er sich lange erhalten, ja man kann ihn sogar an Katzenfutter gewöhnen und ihm namentlich durch Milch einen großen Genuß verschaffen. Vor Erkältung muß man ihn sehr in Acht nehmen. Ein von mir gepflegter, welcher schon so zahm geworden war, daß er alle Beschauer aufs höchste erfreute, starb wenige Stunden nach Eintritt eines Witterungswechsels, welcher den Wärmemesser um 15 Grade herabstimmte. Er rührte von Stunde an kein Futter mehr an und war am anderen Morgen eine Leiche. Das Fell des Serwal kommt unter dem Namen » afrikanische Tigerkatze« in den Handel und wird als Pelzwerk benutzt, hält aber seiner Rauheit wegen mit anderen Katzenfellen keinen Vergleich aus und steht deshalb niedrig im Preise.

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