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Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band

Alfred Brehm: Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band - Kapitel 63
Quellenangabe
authorAlfred Brehm
titleBrehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
year1876
illustratorGustav Mützel,Ludwig Beckmann, C. F. Deiker, Robert Kretschmer
firstpub1876
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Kuguare ( Puma).

Als den nächsten Verwandten des Löwen sieht man einige große einfarbige Katzen Amerika's an. Ebenso gut wie die Pardel kann man sie in einer besonderen Untersippe vereinigen. Der schlanke Leib, der auffallend kleine, bart- oder mähnenlose Kopf, die starken Glieder und kräftigen Pranken, die gänzlich fehlenden Streifen, Ringel und Flecken und der runde Augenstern würden als Merkmale dieser Gruppe zu betrachten sein.

Puma.

Als die bekannteste Art dieser Gruppe ist der Kuguar, Silberlöwe oder Puma ( Puma concolor , Felis concolor, F. Puma) anzusehen. Die Guaraner nennen ihn Guazuara, die Kreolen Yaguapyta oder »rothen Hund«, die Chilesen Papi, die Mejikaner Mitzli, die Nordamerikaner Panther und die Gauchos Leon. Die Leibeslänge beträgt bis 1,2 Meter, die Schwanzlänge 65 Centim., die Höhe am Widerrist 60 Centim. Die dichte, kurze und weiche Behaarung erscheint am Bauche etwas reicher als auf der Oberseite, verlängert sich aber nirgends zu einer Mähne. Ihre vorherrschende Färbung ist dunkelgelbroth, auf dem Rücken am dunkelsten, weil hier die einzelnen Haare in schwarze Spitzen endigen, am Bauche röthlichweiß, auf der Innenseite der Gliedmaßen und an der Brust heller, an der Kehle und Innenseite der Ohren weiß, an deren Außenseite schwarz, in der Mitte ins Röthliche ziehend. Ueber und unter dem Auge steht ein kleiner, weißer, vor dem Auge ein schwarzbrauner Flecken; die einen wie die anderen können jedoch auch fehlen. Der Kopf ist grau, die Schwanzspitze dunkel. Zwischen Männchen und Weibchen findet kein Unterschied in der Färbung statt; die Jungen dagegen tragen ein durchaus verschiedenes Kleid. – Je nach der Oertlichkeit ändert sich übrigens auch die Färbung der Alten: die aus dem Süden stammenden sind lichter, die in Mejiko und den Vereinigten Staaten lebenden dunkler röthlichgelb.

Der Kuguar ist sehr weit verbreitet. Er findet sich nicht bloß in ganz Südamerika, von Patagonien an bis Neugranada, sondern geht auch noch über die Landenge von Panama hinweg und bewohnt Mejiko, die Vereinigten Staaten, ja streift sogar bis Canada. In manchen Gegenden ist das Thier sehr häufig, in anderen aber bereits fast ausgerottet, war dies auch schon zu Zeiten Azara's (Ende vorigen Jahrhunderts), welcher die erste gute Beschreibung von ihm lieferte.

Seine Aufenthaltsorte wählt sich der Puma nach des Landes Beschaffenheit. In baumreichen Gegenden zieht er den Wald dem freien Felde entschieden vor; am meisten aber liebt er den Saum der Wälder und die mit sehr hohem Grase bewachsenen Ebenen, obgleich er diese bloß der Jagd wegen zu besuchen scheint; wenigstens flüchtet er, sowie er hier von Menschen verfolgt wird, sogleich dem Walde zu. Allein er lebt auch beständig in den Pampas von Buenos-Ayres, wo es gar keine Wälder gibt, und versteckt sich dort sehr geschickt zwischen den Gräsern. Im Walde besteigt er die Bäume, wie Azara sagt, mit einem Satze, selbst solche mit senkrechten Stämmen und springt dann ebenso wieder von oben nach unten. Gerade hierdurch unterscheidet er sich von anderen Katzen, namentlich vom Jaguar, welcher nach Art unseres Hausgenossen Hinz klettert. Die Ufer der Ströme und Flüsse sowie Gegenden, welche öfters überschwemmt werden, scheint der Kuguar nicht zu lieben. Wie viele seiner Familienverwandten hat er weder ein Lager noch einen bestimmten Aufenthalt. Den Tag bringt er schlafend auf Bäumen, im Gebüsche oder im hohen Grase zu; des Abends und des Nachts geht er auf Raub aus. Bei seinen Streifereien legt er oft in einer einzigen Nacht mehrere Stunden zurück, so daß ihn die Jäger nicht immer nahe der Stelle antreffen, wo er erst Beute gemacht hat.

Alle Bewegungen des Puma sind leicht und kräftig: er soll Sprünge von sechs Meter und darüber ausführen können. Das Auge ist groß und ruhig, und der Blick hat keinen Ausdruck von Wildheit. In der Nacht und bei der Dämmerung sieht er besser als bei hellem Tage; doch scheint ihn das Sonnenlicht nicht eben sehr zu blenden. Sein Geruch ist schwach, sein Gehör dagegen äußerst scharf. Nur in der höchsten Noth zeigt er Muth; sonst entflieht er stets vor den Menschen und vor Hunden. Bei Nahrungsmangel soll er, laut Hensel, zuweilen wirklich einen Menschen anfallen; jedenfalls aber muß er dann unter einem Nothstande gelitten haben, welcher ihn halb in Verzweiflung gebracht hat: in der Regel vergreift er sich nur an schwachem Wilde. Gegen wehrlose Thiere zeigt er sich höchst grausam, grausamer als alle übrigen Katzen der neuen Welt.

Alle kleineren, schwachen Säugethiere dienen ihm zur Nahrung: Koatis, Agutis und Pakas, Rehe, Schafe, junge Kälber und Füllen, wenn die letzteren von ihrer Mutter getrennt sind. Selbst die behenden Affen und der leichtfüßige Strauß sind vor seinen Angriffen nicht sicher; denn er beherrscht die Höhe wie den Boden. Nur sehr selten kann man ihn bei seinen Jagden beobachten. Sein scharfes Gehör verkündet ihm rechtzeitig die Ankunft des Menschen, und er entflieht zu schnell, als daß man sich ihm unvermerkt nähern könnte. Zudem geht er auch meistens erst des Nachts auf Raub aus, und dann ist es nicht gerathen, in seinem Gebiete sich umherzutreiben. Er beschleicht sein Wild nach Katzenart und erhascht es, wenn er sich genähert hat, durch einen Sprung. Verfehlt er seine Beute, so verfolgt er dieselbe, gegen Gewohnheit seiner Verwandten, in weiten Sprüngen, wenn auch nicht lange. Rengger beobachtete ihn einmal auf der Affenjagd. Der flötende Ruf einiger Kapuzineraffen machte den Forscher aufmerksam, und er ergriff sein Gewehr, um einen oder mehrere zu erlegen. Plötzlich aber erhob die ganze Affengesellschaft ein krächzendes Geschrei und floh auf ihn zu. Mit der ihnen eigenen Behendigkeit schwangen sich die Thiere von Ast zu Ast, von Baum zu Baum; aber sie drückten durch ihre kläglichen Töne und mehr noch dadurch, daß sie unaufhörlich ihren Koth fallen ließen, großes Entsetzen aus. Ein Kuguar verfolgte sie und setzte in Sprüngen von fünf bis sechs Meter von Baum zu Baum ihnen gierig nach. Mit unglaublicher Gewandtheit schlüpfte er durch die von Schlingpflanzen umwundenen und verwickelten Aeste, wagte sich aus denselben hinaus, bis sie sich niederbogen und nahm dann einen sicheren Sprung auf ein Astende des nächsten Baumes.

Wenn der Kuguar eine Beute ergriffen hat, reißt er ihr sofort den Hals auf und leckt, ehe er von derselben zu fressen anfängt, zuerst das Blut. Kleine Thiere zehrt er ganz auf; von größeren frißt er einen Theil, gewöhnlich den vorderen, und bedeckt das übrige, wie Azara beobachtete, mit Stroh oder Sand. Gesättigt zieht er sich nach einem Schlupfwinkel zurück und überläßt sich dem Schlafe; selten aber bleibt er in der Nähe seiner Beute, sondern entfernt sich oft eine halbe Meile und noch weiter davon. In der folgenden Nacht kehrt er, falls ihm kein neuer Raub aufstößt, zu dem Reste seines gestrigen Mahles zurück; findet er aber Beute, so läßt er das Aas liegen. In Fäulnis übergegangenes Fleisch berührt er niemals. Das Blut liebt er weit mehr als das Fleisch; er begnügt sich daher nicht, ein einziges Thier zu erlegen, wenn er mehrerer habhaft werden kann. Diese Blutgier macht ihn zu einem außerordentlich schädlichen Feinde der Hirten. Ein Kuguar tödtete in einer Meierei achtzehn Schafe in einer Nacht und fraß von ihrem Fleische auch nicht einen einzigen Bissen, sondern riß ihnen bloß den Hals auf und trank ihr Blut. Am anderen Tage wurde er im nahen Walde erlegt: sein Magen strotzte noch von Blut, aber kein Fleisch fand sich darin. Wenn der Puma übermäßig Blut getrunken hat, entfernt er sich gegen seine Gewohnheit nicht weit von dem Schauplatze seiner Metzeleien und überläßt sich dem Schlafe. Nach den Erzählungen der Landleute aus Paragay und nach den Berichten Azara's soll er in einer Nacht manchmal bis fünfzig Schafe erwürgen. Niemals schleppt er eine gemachte Beute weit von dem Orte weg, an welchem er sie tödtete. Größere Thiere, als Schafe, greift er selten an: Pferde, Maulesel, Stiere und Kühe sind vor ihm sicher, ebenso auch die Hunde, obgleich er oft dicht an die Wohnungen heranstreicht. Nur ungern bleibt er lange in demselben Gebiete. Gewöhnlich schweift er ruhelos umher. Doch schwimmt er nur im Nothfalle über Flüsse, obwohl er im Wasser sehr gut sich zu benehmen weiß.

Die Fortpflanzungsgeschichte des Puma war bis in die neuere Zeit noch so gut wie unbekannt. Durch die in Amerika wirkenden Forscher hatten wir erfahren, daß die sonst einsam, d. h. jedes für sich lebenden Geschlechter gegen die Brunstzeit hin, in Südamerika im März, sich vereinigen, das Weibchen nach ungefähr dreimonatlicher Tragzeit zwei, höchstens drei blindgeborene, gefleckte Junge wirft, sie im hohen Grase versteckt, gegen Menschen und Hunde nicht vertheidigt, ungestört dagegen die Kleinen bald mit auf die Jagd nimmt und nach verhältnismäßig kurzer Zeit sich selbst überläßt. Hierauf beschränkte sich unsere Kenntnis. An gefangenen, welche ich pflegte, beobachtete ich mehr. Die Brunstzeit tritt wie bei den meisten großen Katzen, welche jahraus jahrein eine geordnete Pflege genießen, ziemlich regelmäßig und zwar zweimal im Laufe des Jahres ein, einmal im Winter, einmal im Sommer. Ein Pärchen, welches bis dahin in gutem Einvernehmen lebte, wird dann zärtlich. Das Weibchen nähert sich dem Männchen, leckt und schmeichelt es, bis dieses in gleicher Weise erwiedert. Sobald dies geschieht, legt es sich zu Boden und gibt sich, knurrend zwar aber doch ohne Abwehr, dem Männchen hin. Letzteres übertritt es der ganzen Länge des Leibes nach und hält sich fest, indem es die Haut des Oberhalses und Nackens mit dem Gebisse erfaßt. Das Weibchen scheint hiervon nicht eben angenehm berührt zu werden, weil es nicht selten Versuche macht, sich zu befreien, wie es überhaupt zur Unzeit, weil nachträglich, spröde zu thun pflegt. Das Ende der Begattung ist jedesmal dasselbe: Zähnefletschen, Fauchen, ingrimmiges Knurren und Austheilen sehr ernst gemeinter Tatzenschläge auf beiden Seiten. Unmittelbar darauf gibt das Weibchen wiederum freundschaftlicheren Gefühlen Raum und beginnt wie vorher mit dem Männchen zu kosen. Während der Höhezeit der Brunst erfolgt durchschnittlich alle fünf Minuten eine Begattung.

Nach sechsundneunzigtägiger Tragzeit kommen die Jungen zur Welt – wirklich reizende, von den Eltern hinsichtlich der Tracht durchaus verschiedene Thierchen. Sie haben ungefähr die Größe sechswöchentlicher Hauskatzen: ihre Gesammtlänge beträgt 25 bis 30, die Leibeslänge, von der Schnauzen- bis zur Schwanzspitze, 15 bis 18 Centim. Die Grundfärbung des feinen Pelzes ist ein lichtes Fahlgraubraun, welches auf dem Rücken am dunkelsten erscheint, auf der Unterseite in Lichtfahlgrau übergeht und auf der ganzen Außenseite durch schwarze rundliche Längs- und Querflecken gezeichnet wird. Auf der vorn weißen Oberlippe, am Nasenloche beginnend und bis zum hinteren Mundwinkel reichend, verläuft ein schwarzes, auf der Wange, vom hinteren Augenwinkel bis zum Ohre, ein zweites, innen weißes, außen schwarzes, licht gesäumtes Band, über den Hinterkopf endlich von einem Ohre zum anderen eine wenig deutliche Querbinde, welche drei über die Stirn sich ziehende Fleckenreihen nach hinten abschließt. Ueber jedem Auge stehen zwei schwarze Rund-, auf der Vorderschultergegend schwarze Quer-, auf dem Hinterleibe ebenso gefärbte Längsflecken, welche auf dem Rückgrate zu einer kaum unterbrochenen Längslinie zusammenlaufen. Der Schwanz ist abwechselnd braun und schwarz geringelt, die Kehle sieht grauschwarz aus; die Innenseite der Beine zeigt lichtgraue Flecken und Streifen.

Pumaweibchen, welche bereits mehr als einmal geboren haben, sind ebenso zärtliche Mütter wie andere Katzen, während sie die Jungen des ersten Wurfes manchmal todtbeißen und selbst auffressen. Letzteres geschieht bekanntlich bei sehr vielen Raubthieren, welche über ihre Mutterpflichten noch nicht klar geworden, beziehentlich, infolge der Schmerzen bei der Geburt, unzurechnungsfähig sind und erst durch Erfahrung lernen müssen, um was es sich den plötzlich erschienenen kleinen, unbehülflichen, aber doch krabbelnden Wesen gegenüber handelt. Wissen sie erst einmal, daß letztere »Fleisch von ihrem Fleische und Bein von ihrem Beine« sind, so gestaltet sich ihr Betragen anders, und große und bewußte Zärtlichkeit tritt an die Stelle früherer Gleichgültigkeit, um nicht zu sagen Feindschaft und Mordlust. Die von mir beobachtete Pumamutter zog sich bereits einige Tage vor ihrer zweiten Niederkunft in eine ihr bereitete Wochenstube zurück, zeigte sich in der ersten Zeit nach der Geburt der Jungen nur auf Augenblicke, um ihre Nahrung zu nehmen oder sich zu entleeren, und verweilte die übrige Zeit bei ihren Kindern, beleckte und reinigte diese, spann sie nach Katzenart in den Schlaf und begrüßte sie von Zeit zu Zeit mit Lauten der Mutterliebe, welche denen unserer Hauskatze ähneln, nur etwas kräftiger sind und ungefähr wie »Mierr« klingen. Die Behandlung, welche sie ihren Kindern angedeihen ließ, war überhaupt die bei Hauskatzenmüttern übliche. Das Junge wurde wie ein Stück Fleisch hin und her geschleppt, mit der einen Pranke wie ein Spielball auf und nieder gerollt, im nächsten Augenblicke aber wieder höchst zärtlich beleckt und mit Schmeichellauten begrüßt, bei Kühle unter den zusammengelegten Beinen verborgen, gewärmt und behütet, dann wiederum anscheinend kaum beachtet. Doch duldete sie nicht, daß irgend Jemand mit den Kleinen sich beschäftigte, mochte es nicht einmal leiden, wenn man letztere beobachtete, und suchte dies dadurch zu verhindern, daß sie sich zwischen die Jungen und die Beschauer stellte oder legte. Und doch war ihr Betragen gegen den geliebten Gemahl und ihre Bekannten kaum ein anderes geworden: ersterem antwortete sie stets, gegen letztere bekundete sie dieselbe Anhänglichkeit wie früher, ließ sich auch noch berühren und streicheln und legte nur dann ein gewisses Unbehagen an den Tag, wenn man sich, mehr als ihr genehm, mit ihren Kindern beschäftigen wollte. Die Jungen öffnen am neunten oder zehnten Tage die Augen, beginnen bald darauf sich lebhafter zu bewegen, zeigen sich anfänglich höchst ungeschickt, wanken und tappeln beim Gehen, fallen oft über den Haufen und kriechen schwerfällig an der Alten herum. Dies aber ändert sich sehr bald. Schon nach Verlauf von fünf oder sechs Wochen spielen sie nach Art kleiner Kätzchen unter sich und mit der gefälligen Alten, mindestens mit deren Schwanze. Von der zehnten oder zwölften Woche an verblaßt die Fleckenzeichnung, und mit der ersten Härung im Herbste geht das Kleid in jenes ihrer Eltern über. Damit sind sie selbständig und mehr oder weniger tüchtige Räuber geworden.

Wegen der blutdürstigen Grausamkeit und der damit im Zusammenhange stehenden, ganz unverhältnismäßigen Schädlichkeit des Kuguars wendet man alle Mittel an, um seiner sobald als möglich los zu werden. Seine Jagd ist kaum gefährlich zu nennen; denn falls man vorsichtig ist, hat man selbst von einem verwundeten Puma, welcher von Schmerz gepeinigt auf seinen Angreifer losgeht, nicht viel zu fürchten. Gewöhnlich sucht der feige Gesell, wenn er einen Menschen erblickt, sein Heil in der Flucht und entschwindet, weil er sich trefflich zu verstecken weiß, fast immer bald dem Auge. Im Walde ist er schwer zu erreichen, weil er, sobald er von Hunden aufgescheucht wird, auf Bäume klettert und in dem Gezweige seinen Weg mit größter Schnelligkeit weiter verfolgt. Nur im ersten Schlafe läßt er sich oft durch die Hunde überraschen. Zwar vertheidigt er sich gegen dieselben, erliegt ihnen jedoch regelmäßig, falls sie groß, stark und geübt sind. »Merkwürdig ist es«, sagt Hensel, »daß die Hunde durchaus keinen Abscheu vor ihm verrathen und ihn mit demselben Eifer treiben und anpacken wie wehrlose Rehe und ähnliches Wild, und doch könnte sie der Kuguar fast ebenso leicht tödten wie der Jaguar. Schießt man jenen vom Baume herab, so stürzen sich sämmtliche Hunde, auch die furchtsamsten, auf ihn und suchen ihn trotz aller Gegenwehr von seiner Seite abzuwürgen.« Im Nothfalle helfen ihnen freilich auch die Jäger, und stoßen dem von ihnen festgehaltenen Räuber ihre Lanze in das Herz oder jagen ihm eine Kugel durch, den Kopf. Die Gauchos, jene tolldreisten Reiter der Steppen oder Pampas von La Plata, finden ein besonderes Vergnügen in der Jagd des Puma, hetzen ihn auf offenem Felde mit großen Hunden und tödten ihn, nachdem letztere ihn gestellt haben, mit ihren Bolas oder Wurfkugeln oder schleudern ihm, indem sie ihm auf ihren flüchtigen Pferden nachsetzen, die niemals fehlende Wurfschlinge um den Hals, bringen ihr Pferd in Galopp und schleifen ihn hinter sich her, bis er erwürgt ist. In Nordamerika wird er gewöhnlich durch die Hunde auf einen Baum gejagt und von dort herabgeschossen. Auch fängt man ihn in Schlagfallen.

Unter vielen Jagdgeschichten, welche man erzählt, scheint mir folgende das Wesen des Thieres gut zu bezeichnen. Ein englischer Reisender, welcher in den Pampas wilden Enten nachjagte, kroch auf dem Boden mit seiner leichten Dogelflinte an die Vögel heran. Er hatte Kopf und Körper in das gewöhnliche Volkskleid, den Poncho, eingehüllt, um nicht aufzufallen. Plötzlich vernahm er ein kurzes, heiseres Gebrüll und fühlte beinah gleichzeitig sich berührt. Schnell die Decke von sich abschüttelnd, sah er zu seiner nicht geringen Ueberraschung einen Kuguar auf Armeslänge vor sich. Dieser aber war auch nicht wenig erstaunt, blickte den Jäger verwundert einige Augenblicke an, wich langsam auf zehn Schritte zurück, blieb nochmals stehen und nahm endlich mit gewaltigen Sprüngen Reißaus.

In der Provinz St. Louis und in der Sierra von Mendoza sah Göring auf den Umzäunungen, in welche des Nachts die Weidethiere getrieben werden, viele Pumaköpfe aufgespießt. Er erfuhr, daß man diese Siegeszeichen hier aufstecke, um andere Pumas von dem Besuche der Hürden abzuhalten, gerade so, wie man in früheren Zeiten die Köpfe der gerichteten Verbrecher vor die Thore der Stadt, innerhalb deren Weichbildes sie den Lohn ihrer Sünden empfangen, zu pflanzen pflegte. Die Besitzer der Pumaköpfe hielten dieselben außerordentlich werth und erlaubten Göring nicht, einen von dem Pfahle herabzunehmen. Jene Leute haben den sonderbaren Aberglauben, daß der Puma sicherlich eine Herde überfällt, welche nicht durch den Kopf eines seiner Artgenossen gefeit wurde. Deshalb ist jedoch der Gaucho, welcher seine Hürde nicht durch einen Kopf verziert hat, keineswegs ängstlich, wird dies vielmehr erst, wenn er bereits einen besessen und ihn veräußert hat. Wird ein solcher Kopf gestohlen, so entsteht förmliche Bestürzung unter allen Herdenbesitzern. Der entdeckte Dieb würde seine That sicherlich mit dem Leben bezahlen müssen.

Alt eingefangene Kuguars verschmähen zuweilen das Futter und opfern sich freiwillig dem Hungertode; sehr jung eingefangene dagegen werden bald und rückhaltslos zahm. Rengger versichert, daß man den Puma zum Hausthiere machen könne, wenn ihn nicht hin und wieder die Lust anwandele, seine Blutgier an dem zahmen Geflügel auszulassen. Man zieht ihn mit Milch und gekochtem Fleische auf; Pflanzennahrung ist ihm zuwider und muß wenigstens mit Fleischbrühe gekocht werden, wenn er sie genießen soll; auch erkrankt er bald, wenn man ihm kein Fleisch gibt. Warmes Blut, seine Lieblingsspeise, kann er, wie unser Gewährsmann sagt, in Mengen von fünf bis sechs Pfund auf einmal ohne Nachtheil trinken. Das rohe Fleisch beleckt er, wie viele Katzen es thun, bevor er es verzehrt; beim Fressen hält er, wie unsere Hauskatze, den Kopf auf die Seite. Nach der Mahlzeit leckt er sich zunächst die Pfoten und einen Theil des Leibes; dann legt er sich schlafen und bringt so einige Stunden des Tages zu. Man muß dem gefangenen Kuguar viele Flüssigkeiten reichen, besonders im Sommer, weil ihm Blut das Wasser nicht gänzlich ersetzen kann und er auch, wenn er durstig ist, weit eher unter dem zahmen Federvieh Schaden anrichtet, als wenn man ihn reichlich mit Wasser versorgt. Er lernt seine Hausgenossen, sowohl Menschen als Thiere, nach und nach kennen und fügt ihnen keinen Schaden zu. Mit Hunden und Katzen lebt und verträgt er sich gut und gaukelt mit ihnen; dagegen ist er niemals im Stande, der Lust zu widerstehen, Federvieh aller Arten anzugreifen und abzuwürgen. Nach Katzenart spielt er oft stundenlang mit beweglichen Gegenständen, zumal mit Kugeln.

Manche Kuguare läßt man frei im ganzen Hause herumlaufen. Sie suchen ihren Wärter auf, schmiegen sich an ihn, belecken ihm die Hände und legen sich ihm zärtlich zu Füßen. Wenn man sie streichelt, schnurren sie in ähnlicher Weise wie Katzen. Dies thun sie wohl auch sonst, wenn sie sich recht behaglich fühlen. Ihre Furcht geben sie durch eine Art von Schnäuzen, ihren Unwillen durch einen murrenden Laut zu erkennen; ein Gebrüll hat man niemals von ihnen vernommen. Zwei von mir gepflegte Pumas begrüßten ihre Bekannten stets durch ein nicht allzulautes, aber scharfes und dabei kurz ausgestoßenes Pfeifen, wie ich es von anderen Katzen nie hörte. Nur durch eins wird der zahme Kuguar unangenehm. Er pflegt sich, wenn er seinen Herrn erst liebgewonnen hat und gern mit ihm spielt, bei seiner Annäherung zu verstecken und springt dann unversehens auf ihn los, gerade so, wie zahme Löwen auch zu thun pflegen. Man kann sich leicht denken, wie ungemüthlich solche, zu unrechter Zeit angebrachte Zärtlichkeit manchmal werden kann. Zudem gebraucht der Kuguar, wenngleich nur spielend, seine Krallen und Zähne auf unangenehme Weise. Einzelne sollen so zahm geworden sein, daß man sie geradezu zur Jagd abrichten konnte; doch bedarf diese Angabe wohl noch sehr der Bestätigung. Azara besaß einen jung aufgezogenen Kuguar über vier Monate lang und erzählt außer ähnlichen Thatsachen auch noch, daß das Thier seinen Wärtern zum Fluß folgte und dabei die ganze Stadt durchkreuzte, ohne sich mit den Hunden auf der Straße in Streit einzulassen. Wenn er frei im Hofe herumlief, sprang er zuweilen über die Umzäunung hinweg, lustwandelte nach seinem Vergnügen in der Stadt umher und kehrte in das Haus zurück, ohne daß man ihn suchte. Das Fleisch, welches er bekam, bedeckte er nicht selten mit Sand; ehe er es aber fraß, wusch er es im Wasser ab, und währenddem verzehrte er es. Wenn er es rein erhielt, legte er es hübsch auf ein Bret und fraß es hier nach Art der Katzen, indem er das ganze Stück nach und nach hinterkaute, ohne es zu zerstückeln oder zu zerreißen.

Das Fell des Puma wird in Paragay nicht benutzt, wohl aber im Norden von Amerika. An einigen Orten ißt man sein Fleisch, welches, laut Darwin, sehr wohlschmeckend und dem Kalbfleische ähnlich ist; einzelne Pflanzer in Carolina halten es sogar für einen Leckerbissen.

 

Der nächste Verwandte des Puma ist der Yaguarundi ( Puma Yaguarundi, Felis Yaguarundi), Gato murisco der Brasilianer, ein schlankes, schmächtiges Thier, welches durch seinen gedehnten Körper und seinen langen Schwanz beinahe an die Marder erinnert. Der Kopf ist klein, das Auge mittelgroß, das Ohr abgerundet, die Behaarung kurz, dicht und von schwarzgraubrauner Farbe; die einzelnen Haare aber sind an der Wurzel tiefschwarzgrau und vor der dunkelbraunen Spitze schwarz, weshalb das Thier bald heller, bald dunkler erscheint. Wenn der Yaguarundi im Zustande vollster Ruhe sich befindet, liegen die Haare glatt auf, und dann treten natürlich die schwarzen Spitzen mehr hervor, das Fell wird also dunkler; erregt er sich aber, so sträubt sich sein Fell, und damit wird nun auch die lichtere Wurzel des Haares sichtbar, die Gesammtfärbung also lichter. Pfoten und Lippen fallen mehr ins Grauliche; die Schnurren sehen braun aus. Bisweilen sind die Haare schwarz oder gelblich geringelt und ihre Spitzen grau. Das Weibchen unterscheidet sich von dem Männchen regelmäßig durch etwas lichtere Färbung. Die Größe des Yaguarundi ist viel geringer als die des Kuguars; denn die Länge des Leibes beträgt höchstens 55, die Länge des Schwanzes nur 32, die Höhe am Widerrist 34 Centim.

Der Yaguarundi bewohnt Südamerika von Paragay an nördlich bis Panama. In Paragay, wo ihn Rengger trefflich beobachtete, haust er in den Wäldern; doch liebt er den Saum derselben, dichtes Gesträuch und Hecken mehr als den eigentlichen tieferen Wald. Auf offenem Felde trifft man ihn nie. Er hat ein bestimmtes Lager und bringt in ihm die Mittagsstunden gewöhnlich schlafend zu. Namentlich morgens und abends, doch auch nicht selten bei Tage, geht er auf Raub aus; bei sehr stürmischem Wetter aber verläßt er seinen Schlupfwinkel nicht und wartet lieber, bis die Gelegenheit günstiger geworden ist. Seine Hauptnahrung besteht aus Vögeln sowie aus kleinen und jungen Säugethieren, aus Mäusen, Agutis, Kaninchen, vielleicht sogar Kälbchen von den in Südamerika lebenden kleinen, kaum die Größe unseres Rehes erreichenden Hirschen. Doch erfuhr Azara auch, daß er auf größere Thiere sich stürze, nach Art des Luchses in deren Halse festbeiße und von dem geängstigten Opfer nicht abschütteln lasse, sondern hängen bleibe, bis dieses verendet sei. Bei weitem den größten Theil seiner Nahrung holt er sich aus den Gehöften der Menschen und nähert sich deshalb sehr häufig den Wohnungen. Rengger beobachtete nicht nur seine Raubzüge, sondern gab ihm sogar Gelegenheit, Jagden vor seinen Augen auszuführen. In der Nähe einer Bromelienhecke, in welcher ein Yaguarundi sich aufhielt, band unser Forscher eine Henne an einer langen Schnur fest und stellte sich sodann auf die Lauer. Nach einiger Zeit streckte der Räuber bald hier, bald dort den Kopf zwischen den Bromelien hervor und sah sich vorsichtig um. Hierauf suchte er unbemerkt der Henne sich zu nähern, duckte dabei den Körper ganz auf die Erde und schlich so vorsichtig, daß kaum die Grashalme sich bewegten. Als er seinem Schlachtopfer bis auf sechs oder acht Fuß sich genähert hatte, zog er den Körper zusammen und machte einen Sprung nach der Henne, packte sie sofort mit den Zähnen beim Kopfe oder am Halse und versuchte, sie nach der Hecke zu tragen. Hühnerarten scheinen überhaupt zu seinem Lieblingswilde zu gehören, und er soll dieselben, wie genannter Forscher versichert, auch von den Bäumen herabholen, während sie schlafen. Niemals aber tödtet er mehr als ein Thier auf einmal. Macht er nur kleine Beute, welche ihn nicht vollkommen sättigt, so zieht er zum zweiten Male auf Raub aus und holt sich wieder ein Stück, bis er seinen Hunger gestillt hat.

Gewöhnlich lebt der Yaguarundi paarweise in einem bestimmten Gebiete und unternimmt von hier aus kurze Streifereien. Nicht selten theilt er seinen Jagdgrund auch mit anderen Paaren, was sonst nicht die Art der Wildkatzen ist: Renggers Hunde jagten einmal sechs erwachsene Yaguarundis aus einer einzigen Hecke heraus. Zur Zeit der Begattung, welche in die Monate November und December fällt, kommen natürlich mehrere Männchen zusammen; man hört sie dann in dem Bromeliengestrüppe sich herumbalgen und dabei fauchen und kreischen. Etwa neun bis zehn Wochen nach der Begattung wirft das Weibchen zwei bis drei Junge auf ein Lager im dichtesten Gesträuche, in einem mit Gestrüppe überwachsenen Graben oder in einem hohlen Baumstamme. Niemals entfernt sich die Mutter weit von ihren Jungen. Sie versorgt dieselben, sowie sie größer werden, mit Vögeln und kleinen Nagethieren, bis sie die hoffnungsvollen Sprößlinge selbst zum Fange anleiten und deshalb mit sich hinaus auf die Jagd nehmen kann. Bei herankommender Gefahr aber überläßt sie ihre Kinder feig dem Feinde, und niemals wagt sie, dieselben gegen Menschen oder Hunde zu vertheidigen. Der Yaguarundi greift überhaupt den Menschen nicht an, und seine Jagd ist deshalb gefahrlos. Man schießt ihn entweder auf dem Anstande oder fängt ihn in Fallen oder jagt ihn mit Hunden, denen er nur im äußersten Nothfalle sich widersetzt. Gewöhnlich sucht er seinen Verfolgern zwischen den stacheligen Bromelien zu entschlüpfen; kommen sie aber zu nahe, so bäumt er oder springt selbst ins Wasser und sucht schwimmend sich zu retten.

Rengger hat mehrere jung aufgezogene Yaguarundis in Gefangenschaft gehalten. Sie wurden so zahm wie die sanfteste Hauskatze; ihre Raubsucht war aber doch zu groß, als daß unser Gewährsmann ihnen hätte gestatten können, frei im Hause umherzulaufen. Deshalb hielt er sie in einem Käfige oder an einem Seile angebunden, welches sie niemals zu zerbeißen versuchten. Sie ließen sich gern streicheln, spielten mit der Hand, welche man ihnen darhielt, und äußerten durch ihr Entgegenkommen oder durch Sprünge ihre Freude, wenn man ihnen sich näherte, zeigten jedoch für Niemanden insbesondere weder Anhänglichkeit noch Widerwillen. Sobald man sie auch nur einen Augenblick frei ließ, sprangen sie auf das Federvieh im Hofe los und fingen eine Henne oder eine Ente weg. Selbst angebunden suchten sie Geflügel zu erhaschen, wenn solches in ihre Nähe kam, und versteckten sich vorher listig zu diesem Zwecke. Keine Züchtigung konnte ihnen ihre Raubsucht benehmen, nicht einmal sie bewegen, einen schon gemachten Raub fahren zu lassen. Rengger hob Yaguarundis, welche ein Küchlein im Maule hatten, beim Halsbande auf und schleuderte sie mehrere Male in der Luft herum, ohne daß sie ihren Raub aus den Zähnen ließen! Entriß man ihnen denselben mit Gewalt, so bissen sie wüthend um sich und sprangen nach der Hand, welche ihnen den Fraß abgenommen hatte. Dem Fleische gaben die Gefangenen vor dem Blute den Vorzug, und Pflanzenkost fraßen sie bloß, wenn der wüthendste Hunger dazu sie zwang. Warf man ihnen ein Stück Fleisch vor, so suchten sie dasselbe zu verstecken, ehe sie es fraßen. Sie kauen wie unsere Hauskatze, halten dabei ihre Speise aber mit den Vorderpranken fest. Wenn sie gesättigt sind, belecken sie ihre Tatzen und legen sich schlafen. Ist es kalt, so rollen sie sich zusammen und schlagen den Schwanz über Rumpf und Kopf zurück, ist es aber warm, so strecken sie alle vier Beine und den Schwanz gerade von sich. Wenn man ihnen morgens nichts zu fressen gibt, bleiben sie fast den ganzen Tag wach und gehen unaufhörlich am Gitter ihres Käfigs auf und nieder; werden sie hingegen am Morgen gut gefüttert, so schlafen sie den Mittag und den größten Theil der Nacht über.

Zwei Yaguarundis, welche man in ein und denselben Käfig einsperrt, leben in größter Eintracht mit einander. Sie belecken sich gegenseitig, spielen zusammen und legen sich gewöhnlich neben einander schlafen. Nur beim Fressen setzt es zuweilen einige Schläge mit den Tatzen ab. Uebrigens kennt man bis jetzt noch kein Beispiel, daß sie in der Gefangenschaft sich fortgepflanzt hätten, und auch Renggers Bemühungen, dies zu bewerkstelligen, blieben vergeblich.

 

Fast alle südamerikanischen Katzen sind schlank gebaute Thiere; die Eyra ( Puma Eyra, Felis Eyra), Gato vermelho der Brasilianer, aber ist so lang gestreckt, daß sie gleichsam als Bindeglied zwischen Katzen und Mardern erscheint. Die Färbung ihres weichen Haares ist ein gleichmäßiges Lichtgelblichroth; nur auf der Oberlippe befindet sich auf jeder Seite ein gelblichweißer Flecken, da, wo die dem Flecken gleichgefärbten Schnurrhaare stehen. Die Körperlänge des Thieres beträgt 53, die des Schwanzes ungefähr 32 Centim. Das Vaterland theilt sie mit dem Yaguarundi.

Die Eyra bethätigt ihr vielversprechendes Aeußere nicht. Man möchte glauben, daß sie alle Eigenschaften der Katzen und Marder in sich vereinige; sie ist jedoch auch nicht gewandter als der Yaguarundi, und nur ihr unersättlicher Blutdurst, ihre Grausamkeit stellen sie, vom Raubthierstandpunkte betrachtet, über jenen und beweisen, daß die Marderähnlichkeit noch anderweitig begründet ist. Auch die Eyra lebt paarweise in einem bestimmten Gebiete und hat so ziemlich dasselbe Betragen wie der Yaguarundi. Azara, ihr Entdecker, versichert, daß keine andere Katze dieses kleine Raubthier hinsichtlich der Schnelligkeit übertreffen könne, mit welcher es einer einmal gefaßten Beute den Garaus zu machen wisse. Rengger hielt Eyras in der Gefangenschaft, ohne sie eigentlich zähmen zu können. Sie waren noch so klein, daß sie kaum auf den Beinen sich halten konnten, und griffen doch bereits Geflügel an, obwohl es ihnen an Kraft fehlte, dasselbe zu überwältigen; ja, einer der kleinen Raubmörder wurde vom Haushahne durch einen Sporenschlag in den Hals getödtet. Der andere mußte wegen seiner unbezähmbaren Raubsucht immer eingesperrt werden, und als er einmal frei kam, würgte er ohne Verzug mehrere junge Enten ab. Diese Raubsucht abgerechnet, war das Thier sehr zahm, spielte in seiner Jugend mit Katzen und Hunden, mit Pomeranzen und Papier und war besonders einem Affen zugethan, wahrscheinlich, weil dieser es von den lästigen Flöhen befreite. Mit zunehmendem Alter wurde die Eyra unfreundlicher gegen andere Thiere, blieb aber zutraulich und sanft gegen Menschen, falls letztere sie nicht bei dem Fressen störten. Uebrigens machte sie keinen Unterschied zwischen ihren Wärtern und fremden Personen, zeigte auch weder Gedächtnis für empfangene Wohlthaten, noch für erlittene Beleidigungen.

Eyra ( Felis Eyra).

Vor wenigen Jahren kamen zwei dieser schönen Katzen lebend nach London. Von ihnen nahm I . Wolf die Abbildung, welche wir hier benutzt haben.

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