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Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band

Alfred Brehm: Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band - Kapitel 57
Quellenangabe
authorAlfred Brehm
titleBrehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
year1876
illustratorGustav Mützel,Ludwig Beckmann, C. F. Deiker, Robert Kretschmer
firstpub1876
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180726
projectidec1ecb11
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Klappnasen ( Rhinopoma).

Klappnase ( Rhinopoma microphyllum).

Die Klappnasen ( Rhinopoma ) kennzeichnen sich durch langen, freien Schwanz und schmale Schenkelflughaut sowie durch ein eigenthümliches Gebiß, da sich oben zwei, unten vier Schneidezähne, jederseits oben und unten ein Eckzahn, oben jederseits vier Backenzähne, unten je ein Lückzahn und vier Backenzähne, zusammen also 28 Zähne finden.

Die bekannteste Art der Sippe ist die egyptische Klappnase ( Rhinopoma microphyllum, Rh. Hartwickii, Vespertilio microphyllus), ein kleines, langhaariges, lichtgrau gefärbtes Thier von 5,5 Centim. Körperlänge, fast ebensoviel Schwanzlänge und 20 Centim. Flugweite, an welchem der sehr lange und dünne, aus 11 Wirbeln bestehende, weit die Schenkelflughaut überragende Schwanz am meisten auffällt. Wahrscheinlich war die Klappnase schon dem alten Geßner bekannt; wenigstens läßt sich folgende Schilderung von ihm auf diese Art beziehen. »In einer grossen vierecketen Steinseul Egypti funden wir viel Flädermäuß, unsern in dem ungleich, daß sie einen langen Mäußschwantz haben, so gar weit für die Flügel hinauß gehet, so er doch an unsern nicht länger ist dann die Flügel, welche, so sie etwan eins, etwan zwey junge geboren haben, hencken sie die an die krummen nägel so sie an den Flügeln haben, item an die Stein und seugen sie dann also an ihren Düttlein, welche sie als ein Weibsbild vornen an der Brust haben, als Bellenius schreibet.« Die Klappnase lebt in außerordentlicher Anzahl in Egypten, namentlich in alten verlassenen Denkmälern, in künstlichen und natürlichen Höhlen. Ich fand sie in ungeheuerer Menge in der ausgedehnten Krokodilhöhle bei Monfalut, dem alten Begräbnisplatze der heiligen Kriechthiere. In einem größeren Gewölbe gedachter Höhle hing sie in solchen Massen, daß die eigentlich schwarze Decke graulich erschien. Unten auf dem Boden lag der Koth zollhoch aufgeschichtet, und der Gestank desselben hatte die ganze, lange Höhle verpestet. Als wir mit Licht in dieses Schlafzimmer traten, erfüllte ein wirklich ohrbetäubendes Geräusch die Luft, und plötzlich sahen wir uns von einem dichten Gewirre der aufgescheuchten Thiere umringt, welche hastig einen anderen Ruheort zu erlangen strebten. Das Geräusch ihres Flatterns pflanzte sich weit durch die Höhle fort und klang uns wie ferner Donner in die Ohren. Manchmal löschten sie uns das Licht aus. Bei jedem Streiche, welchen wir mit den Stöcken führten, schlugen wir wenigstens eine, gewöhnlich aber zwei oder drei zu Boden, und nunmehr wimmelten auch noch am Fußboden die flügellahmen Thiere, so behend als möglich dahinkrabbelnd. Die Gefangenen bissen wehrhaft und ziemlich empfindlich um sich.

In der Abenddämmerung erscheint diese Fledermaus häufig am Nile, noch häufiger über den überschwemmten Stellen desselben, und fängt hier dicht über der Oberfläche des Wassers die Kerbthiere weg. Sie geht übrigens weit am Nile hinauf und findet sich noch vielfach bei Dongola.

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