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Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band

Alfred Brehm: Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band - Kapitel 48
Quellenangabe
authorAlfred Brehm
titleBrehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
year1876
illustratorGustav Mützel,Ludwig Beckmann, C. F. Deiker, Robert Kretschmer
firstpub1876
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180726
projectidec1ecb11
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Zweite Familie: Glattnasen ( Gymnorhina).

Allgemeines

Von 300 mit Sicherheit unterschiedenen Fledermausarten gehören etwa 195 zu den Glattnasen ( Gymnorhina), einer neuerdings in drei Unterfamilien getrennten Abtheilung. Alle hierher gehörigen Flatterthiere stimmen in folgenden Merkmalen überein: die Nase ist einfach, ohne blätterigen Anhang, das Ohr stets mit einem Deckel versehen; die spitzhöckerigen Backenzähne tragen Leisten, welche nach Art eines W verlaufen. Im übrigen ist das Gebiß sehr verschieden und darauf die Eintheilung der Sippen begründet worden. Von Schneidezähnen, welche durchgängig spitzig sind, stehen im Oberkiefer zwei, vier oder sechs, können hier jedoch auch gänzlich fehlen; unten finden sich gewöhnlich vier, seltener sechs, ausnahmsweise nur zwei. Außerdem besteht das Gebiß in stark entwickelten Eckzähnen, oben aus einem bis drei, unten aus zwei bis drei kleinen Lückzähnen und drei Backenzähnen in jeder Reihe, so daß also die Anzahl sämmtlicher Zähne zwischen 28 und 38 wechselt. Das Sporenbein erreicht innerhalb dieser Gruppe seine größte Entwickelung und trägt bisweilen einen seitlichen Hautlappen, dessen Fehlen oder Vorhandensein als Merkmal für die Unterscheidung verschiedener Sippen gilt.

Die Größe der Glattnasen schwankt erheblich: es gibt Arten unter ihnen, welche bei ungefähr 13 Centim. Leibeslänge bis 60 Centim. klaftern, und solche, deren Leibeslänge kaum 3 und deren Flugweite höchstens 18 Centim. beträgt. So viel bis jetzt bekannt, treten die Glattnasen in größter Anzahl in Amerika auf; nächstdem hat man die meisten in Europa gefunden; es unterliegt aber wohl kaum einem Zweifel, daß Asien und Afrika reicher an ihnen sind als unser heimatlicher Erdtheil. Mit Ausnahme der kalten Gürtel verbreiten sie sich über die ganze Erde, steigen auch im Gebirge bis zu beträchtlicher Höhe empor. Ihre Aufenthaltsorte sind die oben angegebenen; doch darf man vielleicht sagen, daß die große Mehrzahl von ihnen Bäume, und zwar das Gezweige und die Rinde derselben ebenso wohl als Löcher in ihnen, Felsenhöhlen vorziehen. Viele Arten leben unter einander in größter Eintracht, andere zählen zu den Einsiedlern, welche höchstens in kleinen Gesellschaften zusammen kommen. Die Nahrung besteht fast ausschließlich in Kerbthieren, dann und wann auch in kleinen Wirbelthieren; namentlich mögen die großen Arten öfter als man glaubt über kleinere Ordnungsgenossen herfallen und sie verzehren. Ob es unter ihnen Arten gibt, welche Früchte fressen, ist zur Zeit noch nicht mit Sicherheit festgestellt. Im allgemeinen darf man wohl sagen, daß gerade die Mitglieder dieser Familie zu den allernützlichsten Säugethieren gehören, und daß an ihnen auch nicht der geringste Makel haftet. Hinsichtlich ihrer Begabung stehen sie den Flughunden nach, sind aber viel bewegungsfähiger als diese. Ihr gewandter Flug zeichnet sich durch jähe und plötzliche Wendungen aus, so daß es Raubvögeln fast unmöglich wird, sie während desselben zu fangen. Laufend und kletternd bewegen sie sich mit viel Geschick. Unter ihren Sinnen steht wahrscheinlich durchgängig das Gehör obenan, aus dieses folgen wohl das Gesicht und Gefühl, auf sie erst Geruch und Geschmack. Für ihr geistiges Wesen gilt das bereits Gesagte.

Die Unterfamilien oder, wie Andere wollen, Familien heißen Stummelschwänze, Grämler und Gleichschwänzler. Bei ersteren ( Brachyura ) ist die Wurzel des Daumens von einer besonderen Haut umfaßt und ragt die Schenkelflughaut weit über den Schwanz hinaus, dessen Ende auf der Querseite derselben frei heraussteht; bei den Grämlern ( Gymnura ) ist der Daumen von einer Haut theilweise umfaßt, die Schenkelflughaut ihrer ganzen Länge nach an den Schwanz angewachsen, welcher weit über die Spitze derselben herausgeht; bei den Gleichschwänzlern ( Vespertiliones ) endlich hat die Schenkelflughaut ungefähr dieselbe Länge wie der Schwanz, so daß dieser gerade von ihr umschlossen wird oder eben nur mit der äußersten Spitze über sie herausragt. Die Stummelschwänze haben in Europa keinen, die Grämler nur einen einzigen Vertreter, welcher die Mittelmeerländer bewohnt; von den Gleichschwänzlern oder Fledermäusen im engsten Sinne dagegen kennt man 29 unserem Erdtheile angehörige Arten. Aus ihnen wollen wir uns einige zur eingehenderen Besprechung erwählen.

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