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Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band

Alfred Brehm: Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band - Kapitel 47
Quellenangabe
authorAlfred Brehm
titleBrehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
year1876
illustratorGustav Mützel,Ludwig Beckmann, C. F. Deiker, Robert Kretschmer
firstpub1876
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180726
projectidec1ecb11
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Nachthunde ( Cynonycteris).

Die Sippe der Nachthunde ( Cynonycteris ) unterscheidet sich von den eigentlichen Flughunden dadurch, daß ihre Mitglieder einen kurzen Schwanz sowie einen von der Flughaut umhüllten Daumen haben und die Zitzen auf der Brust stehen. Das Gebiß und alle übrigen Merkmale stimmen mit denen der Flughunde überein. Die Sippe verbreitet sich hauptsächlich über Afrika.

Eine längs des Weißen und Blauen Flusses ausschließlich auf Dulebpalmen hausende Art derselben ist der Palmenflughund ( Cynonycteris stramineus, Pteropus stramineus), ein stattliches Thier von 22 bis 25 Centim. Leibeslänge und gegen 1 Meter Flugweite. »Der massige Kopf«, sagt Heuglin, »mit bulldoggenartig gefalteten Lippen und großen Augen gleicht noch dem eines Hundes; der straffe Pelz ist am Vorderhalse glänzend orangegelb, oben gelblich- oder graulichweiß, unten rußschwarz.«

Dohrn beobachtete, mündlichen Angaben zufolge, diese Art auf den Prinzeninseln; Heuglin fand sie am oberen Weißen Nile auf. Dort erscheinen die Palmenflughunde unmittelbar nach Sonnenuntergang, sobald die Papageien von ihren Plünderungen in den Feldern nach den Gebirgswäldern zurückgekehrt sind, um nun ihrerseits das Tagewerk jener fortzusetzen. In großen Banden bemerkt man sie nicht, vielmehr immer nur in Gesellschaften von sechs bis zwanzig Stücken, welche in langen Reihen hinter einander herfliegen und bloß in der Nähe gewisser Bäume mit weichen Früchten, beispielsweise des Mamao, des Melonenbaumes und Abacate, sich sammeln, hier merklich Schaden anrichtend. Auch am Weißen Flusse leben sie nur in kleinen Gesellschaften und paarweise. Ueber Tags halten sie sich unter den dürren Blätterbüschen der Dulebpalmen verborgen; mit der Dämmerung beginnen sie umherzuschwärmen. »In mondhellen Nächten«, sagt Heuglin, »sind die Palmenflughunde immer wach und in Bewegung, lärmen dabei auch viel durch Aufsitzen an Zweigen und selbst im Fluge bei raschen Wendungen. Ihre Nahrung besteht vorzüglich in Früchten, unter denen sie Feigen allen übrigen vorziehen. Zur Zeit der Reife der Sykomoren beschmutzen sie sich oft Kopf und Hals mit einer dicken gelben Kruste von Saft und Samen. Während der Reife der Dulebpalmenfrüchte halten sie sich fast ausschließlich an diese und fressen sich buchstäblich so in dieselben ein, daß sie mit den schweren Nüssen herabgeschossen werden können. Wir hatten einstmals einen dieser bissigen Burschen lebendig gefangen und setzten ihn in Ermangelung eines Behälters in einen kleinen aus Palmblattstielen gefertigten Bauer, welcher die Nacht über auf einer Packkiste unfern meines Zeltes am Ufer stand. Kaum war es dunkel geworden, als dem Gefangenen die Lust ankam, sich Bewegung zu machen. Quäkend und schreiend arbeitete er in seinem engen Bauer umher und zog durch den Lärm Dutzende seiner Verwandten herbei, welche trotz unseres Schießens die ganze liebe Nacht hindurch kräftig und wüthend gegen den Käfig stießen, wie Raubvögel auf den Uhu, ohne Zweifel in der Absicht ihren Gefährten zu befreien.«

 

Zu derselben Sippe gehört auch die einzige Art der Familie, welche ich kennen gelernt habe, der Nilflughund ( Cynonycteris aegyptiacus, Pteropus aegyptiacus, P. Geoffroyi), welcher sich über ganz Egypten und Nubien verbreitet, und in der Nähe von größeren Sykomorenbeständen regelmäßig vorkommt, auch schon im Delta keineswegs selten ist. In einzelnen Naturgeschichten wird angegeben, daß er bei Tage in den Gewölben der Pyramiden Herberge suche. Dies ist entschieden unwahr: er schläft wie seine Gattungsverwandten auf Bäumen.

Es war uns ein eigenthümlicher Genuß, an den schönen, lauen Sommerabenden Egyptens die Flughunde zu belauschen, wenn sie über die sonst von Niemand benutzten Früchte der Sykomoren herfielen und in den laubigen, schönen Kronen dieser Bäume ihre Abendmahlzeit hielten. Meine Diener, zwei Deutsche, schienen anfangs auch gewillt zu sein, in den Thieren die entsetzlichen Blutsauger zu erblicken, und verfolgten sie zuerst aus Rachegefühlen, später aber wirklich nur aus Freude an der anziehenden Jagd, welche sie oft bis Mitternacht fesselte. Wir erlegten viele und anfangs ohne große Mühe; später aber wurden die Flughunde scheu und kamen stets nur still und gewöhnlich von der entgegengesetzten Seite angeflogen, so daß es sehr schwer hielt, sie in den dunklen Baumkronen wahrzunehmen. Die flügellahm Geschossenen kreischten laut, bissen auch lebhaft und ziemlich empfindlich um sich, Meine Gefangenen starben nach kurzer Zeit; andere Forscher haben dasselbe Thier oft lange lebend erhalten und sehr zahm und zutraulich gemacht. Zelebor z. B. brachte ein Pärchen von ihnen nach Schönbrunn und hatte beide so an sich gewöhnt, daß sie augenblicklich herbeigeflogen kamen, wenn er ihnen eine Dattel vorhielt. Auch von Fremden ließen sie sich streicheln und ihr Fell krauen.

Geripp des Mäuseohrs. (Aus dem Berliner anatomischen Museum.)

Alte ausgewachsene Flughunde dieser Art erreichen etwa 16 Centim. Körperlänge und eine Flugweite von 90 bis 95 Centim. Der kurze, weiche Pelz ist oben lichtgraubraun, unten heller, an den Seiten und Armen blaßgeblich; die Flughäute haben graubraune Färbung.

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