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Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band

Alfred Brehm: Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band - Kapitel 45
Quellenangabe
authorAlfred Brehm
titleBrehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
year1876
illustratorGustav Mützel,Ludwig Beckmann, C. F. Deiker, Robert Kretschmer
firstpub1876
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Dritte Ordnung.
Die Flatterthiere ( Chiroptera)

Erste Familie: Flughunde ( Pteropina).

Allgemeines

Noch ehe bei uns an schönen Sommertagen die Sonne zur Rüste gegangen ist, beginnt eine der merkwürdigsten Ordnungen unserer Klasse ihr eigenthümliches Leben. Aus allen Ritzen, Höhlen und Löchern hervor kriecht eine düstere, nächtige Schar, welche sich bei Tage scheu zurückgezogen hatte, als dürfte sie sich im Lichte der Sonne nicht zeigen, und rüstet sich zu ihrem nächtlichen Werke. Je mehr die Dämmerung hereinbricht, um so größer wird die Anzahl dieser dunklen Gesellen, bis mit eintretender Nacht alle munter geworden sind und nun ihr Wesen treiben. Halb Säugethier, halb Vogel, stellen sie ein Bindeglied zwischen einer Klasse zur anderen dar, und dieser Halbheit entspricht auch ihr Leibesbau und ihre Lebensweise. Sie sind eben weder das eine noch das andere ganz: sie, die Fledermäuse, sind gleichsam ein Zerrbild der vollendeten Fluggestalt des Vogels, aber auch ein Zerrbild des Säugethiers. Unser Vaterland liegt an der Grenze ihres Verbreitungskreises und beherbergt bloß noch kleine, zarte, schwächliche Arten. Im Süden ist es anders.

Je mehr wir uns dem heißen Erdgürtel nähern, um so mehr nimmt die Anzahl der Flatterthiere zu und mit der Anzahl auch der Wechsel und Gestaltenreichthum. Der Süden ist die eigentliche Heimat der Flatterthiere. Schon in Italien, Griechenland und Spanien bemerken wir eine auffallende Anzahl von Fledermäusen. Wenn dort der Abend naht, kommen sie nicht zu Hunderten, sondern zu Tausenden aus ihren Schlupfwinkeln hervorgekrochen und erfüllen die Luft mit ihrem Gewimmel. Aus jedem Hause, aus jedem alten Gemäuer, aus jeder Felsenhöhle flattern sie heraus, als ob ein großes Heer seinen Auszug halten wolle, und schon während der Dämmerung ist der ganze Gesichtskreis buchstäblich erfüllt von ihnen. Wahrhaft überraschend erscheint die Menge der Flatterthiere, welche man in heißen Ländern bemerkt. Es ist äußerst anziehend und unterhaltend, einen Abend vor den Thoren einer größeren Stadt des Morgenlandes zuzubringen. Die Schwärme der Fledermäuse, welche der Abend dort erweckt, verdunkeln buchstäblich die Luft. Sehr bald verliert man alle Schätzung; denn allerorts sieht man Massen der dunklen Gestalten, welche sich durch die Luft fortwälzen. Ueberall lebt es und bewegt es sich, zwischen den Bäumen der Gärten, der Haine oder Wälder schwirrt es dahin, über die Felder flattert es in geringer oder bedeutender Höhe, durch die Straßen der Stadt, die Höfe und Zimmer geht der bewegliche Zug. Hunderte kommen und Hunderte verschwinden. Man ist beständig von einer schwebenden Schar umringt.

Ganz ebenso ist es in Ostindien, nicht viel anders im Süden Amerikas. »Die Menge der Fledermäuse«, bemerkt Tennent, »ist ein Zubehör der abendlichen Landschaft auf Ceilon. Massenhaft finden sie sich in jeder Höhle, in jedem unterirdischen Gange, in den Unterführungen der Hochstraßen, in den Gallerien der Festungen, unter den Dächern der Häuser, in den Ruinen jedes Tempels und Bauwerkes überhaupt. Mit Sonnenuntergang verlassen sie ihre Tageschlupfwinkel, um auf ihre Kerbthierjagd auszugehen, und sobald die Nacht eintritt und die Lichter in den Zimmern Nachtschmetterlinge anziehen, erscheinen sie, umflattern die Abendtafel und nehmen beim Scheine der Lampen ihre Beute weg.« In Mittel- und Südamerika leben sie überall und treten ebenso zahlreich an Arten wie an Stücken auf. »Sie bevölkern«, sagt der Prinz von Wied, »die Dämmerung der Urwälder, der Gebüsche, leben in hohlen Bäumen, in Felsen und richten unter den zahllosen Kerbthieren große Verheerungen an. Reisende, welche nur schnell jene Länder durchstreifen, können sich kaum einen Begriff machen von der Mannigfaltigkeit dieser Thiere, deren Auffindung und Untersuchung mit so vielen Schwierigkeiten verknüpft ist.« Wenn man bei Tage durch die Waldungen geht, treibt man, laut Bates, stets eine gewisse Anzahl von ihnen auf, welche hier an den verschiedensten Bäumen hingen, und des Nachts sieht man sie mitten im Urwalde ebenso wohl wie an den Ufern der Flüsse und Bäche ihr Wesen treiben.

Geripp einer Fledermaus ( Nycteris fuliginosus). Aus dem Berliner anatomischen Museum.

Die Flatterthiere oder Handflügler sind vorzugsweise durch ihre äußere Körpergestalt ausgezeichnet. Sie haben im allgemeinen einen gedrungenen Leibesbau, kurzen Hals und dicken, länglichen Kopf mit weiter Mundspalte. In der Gesammtbildung stimmen sie am meisten mit den Affen überein und haben wie diese zwei Brustzitzen. Allein in allem übrigen unterscheiden sie sich auffallend genug von den genannten Thieren. Ihre Vorderhände sind zu Flugwerkzeugen umgewandelt und deshalb riesig vergrößert, während der Leib das geringste Maß der Größe hat. So kommt es, daß sie wohl groß erscheinen, in Wirklichkeit aber zu den kleinsten Säugethieren zählen. Die inneren Leibestheile zeigen eigenthümliche Merkmale. Das Knochengerüst ist immer leicht gebaut, gleichwohl aber kräftig; die Knochen selbst enthalten niemals luftgefüllte Räume, wie bei den Vögeln. Der Schädel ist in einen zarten Hirn- und einen noch zarteren Gesichtstheil deutlich geschieden; alle einzelnen Knochen sind ohne sichtbare Nähte mit einander verwachsen; die beiden Aeste des Zwischenkiefers entweder getrennt, oder im Gaumen angeheftet. Die Wirbel sind breit und kurz, die Rippen lang, breit und stark gekrümmt, die Hüftknochen schmal und gestreckt, die Schlüsselbeine und Schulterblätter dagegen dick und stark. Bezeichnend für die Flatterthiere erscheint die Handbildung. Ober- und Unterarm und die Finger der Hände sind außerordentlich verlängert, namentlich die hinteren drei Finger, welche den Oberarm an Länge übertreffen. Hierdurch werden die Finger zum Verbreitern der zwischen ihnen sich ausspannenden Flughaut ebenso geschickt wie zu anderen Dienstleistungen untauglich. Nur der Daumen, welcher an der Bildung des Flugfächers keinen Antheil nimmt, hat mit den Fingern anderer Säuger noch Aehnlichkeit: er ist, wie gewöhnlich, zweigliederig und kurz und trägt eine starke Kralle, welche dem Thiere beim Klettern und Sichfesthängen die ganze Hand ersetzen muß. Die Oberschenkelknochen sind viel kürzer und schwächer als die Oberarmknochen, wie überhaupt alle Knochen des Beines auffallend hinter denen des Armes zurückstehen. Die Beine haben eine ziemlich regelmäßige Bildung: der Fuß theilt sich auch in fünf Zehen, und diese tragen Krallennägel. Allein sein Eigenthümliches hat der Fuß doch; denn von der Ferse aus läuft ein nur bei den Fledermäusen vorkommender Knochen, das Sporenbein, welches dazu dient, die Flughaut zwischen dem Schwanze und dem Beine zu spannen. So läßt der Bau des Gerippes die Flatterthiere auch wiederum als Mittelglieder zwischen den Vögeln und den vorweltlichen Flugechsen erscheinen. Unter den Muskeln verdienen die ungewöhnlich starken Brustmuskeln Erwähnung, außerdem ein anderen Säugethieren gänzlich fehlender, welcher mit einem Ende am Schädel, mit dem anderen aber an der Hand angewachsen ist, und dazu dient, den Flügel spannen zu helfen. Das Gebiß ähnelt dem der Raubthiere, namentlich der kerffressenden, enthält alle Zahnarten in geschlossenen Reihen, ist aber bezüglich der Anzahl und der Form der Zähne großem Wechsel unterworfen. Starke Kaumuskeln, eine ganz freie Zunge, innere Backentaschen, welche bei einigen Vorkommen, ein runzeliger, schlauchförmiger Magen und ein weiter Darmschlauch ohne Blinddarm mögen außerdem noch hervorgehoben werden.

Unter allen Merkmalen ist jedenfalls die Entwickelung der Haut das merkwürdigste, weil sie nicht nur die ganze Körpergestaltung, sondern namentlich auch den Gesichtsausdruck bedingt und somit die Ursache wird, daß viele Fledermausgesichter ein geradezu ungeheuerliches Aussehen haben. Die breit geöffnete Schnauze trägt allerdings auch mit bei, daß der Gesichtsausdruck ein ganz eigenthümlicher wird: die Hautwucherung an den Ohren und der Nase aber ist es, welche dem Gesichte sein absonderliches Gepräge und – nach der Ansicht der Meisten wenigstens – seine Häßlichkeit gibt.

»Keine einzige Thiergruppe«, sagt Blasius, »hat eine solche Entwickelung des Hautsystems aufzuweisen. Es zeigt sich dies in der Ausbildung der Ohren und der Nase, wie in der der Flughäute. Die Ohren haben bei allen Arten eine auffallende Größe. Ihre Länge wird bei einigen Arten von der des Körpers übertroffen; und in der Breite dehnen sich beide Ohren in einzelnen Fällen zu einer einzigen, geschlossenen Ohrenmuschel aus. Bei manchen Arten nimmt die Umgebung der Nasenlöcher und der Nasenrücken in seltsamer Weise an dieser Wucherung den größten Antheil, und hierdurch werden Gesichtsbildungen hervorgebracht, welche ihres Gleichen nicht aufzuweisen haben. In der Entwickelung der Flughäute nicht allein, sondern auch in aller übrigen Bildung der Ohren- und Nasenhaut haben die Fledermäuse Eigenthümlichkeiten, durch welche sie sich von allen übrigen Thierordnungen auffallend unterscheiden, und durch welche ihre Bewegung und Lebensweise bis ins Einzelne bedingt scheint.«

Die Behäutung der Flatterthiere, insbesondere die Flughaut, verdient eine eingehendere Betrachtung. Sie ist die Fortsetzung der Oberhaut, der Färbestoff- (Pigment-) Schichten und der Lederhaut beider Leibesseiten, besteht demgemäß aus zwei Platten, von denen die eine vom Rücken, die andere von der Bauchseite herrührt. Außer diesen beiden Platten enthält die Flatterhaut noch eine neue, elastische Haut und zwei Muskelfaserschichten, welche zwischen den äußeren Theilen liegen. Die erst vor kurzem aufgefundene, in hohem Grade dehnbare oder besser zusammenziehbare elastische Haut zeigt bei etwa dreihundertmaliger Vergrößerung ein filzartiges Gewebe und ist für die ganze Flughaut von größter Wichtigkeit, weil durch sie die Ernährung derselben geschieht. Außerdem aber reibt das Flatterthier die äußere Flughaut auch noch mit einer schmierigen, öligen, starkriechenden Flüssigkeit besonders ein. Diese Schmiere wird von gelben, plattgedrückten Drüsen abgesondert, welche sich im Gesichte zwischen den Nasenlöchern und Augen befinden und einen oder mehrere Ausführungskanäle besitzen. Das Thier bestreicht seine Flughaut jedesmal nach dem Erwachen und unmittelbar vor dem Flattern und erhält sie so stets geschmeidig und fettig. Die ganze Haut selbst theilt man in die Vorarm-, Flanken-, Finger-, Schenkel- oder Schwanz- und Sporenflatterhaut; die Fingerflatterhaut zerfällt wieder in vier besondere Fächer. Ein Blick auf irgend eine Abbildung wird diese Eintheilungen leicht erkenntlich machen.

Sehr eigenthümlich ist auch der Bau aller Haare der Handflügler. Man kann hier nicht von Grannen- und Wollhaar sprechen. Die einzelnen Haare vereinigen den Zweck beider in sich. An der Wurzel ist das einzelne Haar schmal und rissig; weiter oben zeigt es deutliche, schraubenartige Umgänge, nimmt an Dicke zu, verschwächt sich hierauf wieder; die Umgänge werden undeutlicher; das Haar verdickt nochmals und verschmächtigt sich dann endlich gegen die Spitze hin. Die Zähl der Umgänge schwankt zwischen fünf- und elfhundert. Der Zweck dieser merkwürdigen Bauart ist leicht zu begreifen. Sie ersetzen das fehlende Wollhaar, indem sie die von dem Körper ausströmende erwärmte Luft an ihren breiteren Stellen abschließen, gleichsam stauen, und hierdurch dem Thiere seine Wärme erhalten. Es erscheint beachtenswerth, daß der Bau der einzelnen Haare bei den verschiedenen Arten ebenfalls ein verschiedener ist.

Die Sinne der Flatterthiere sind vortrefflich, aber je nach den Sippen und Arten sehr ungleichförmig entwickelt. Einzelne Sinneswerkzeuge zeichnen sich, wie ich bereits andeutete, durch höchst sonderbare Anhängsel und eigenthümliche Vergrößerungen aus.

Wahrscheinlich steht der Geschmackssinn auf der tiefsten Stufe; doch ist auch er keineswegs stumpf zu nennen, wie die Beschaffenheit der Zunge, die Weichheit der Lippen und der Nervenreichthum beider schon im voraus schließen läßt. Außerdem hat man auch Versuche gemacht, welche die Schärfe des Sinnes beweisen. Wenn man nämlich schlafenden, selbst halb erstarrten Fledermäusen einen Tropfen Wasser in die geöffnete Schnauze flößt, nehmen sie denselben ohne weiteres an und schlucken ihn hinun ter. Gibt man ihnen dagegen Branntwein, Dinte oder sonst eine übelschmeckende Flüssigkeit, so wird alles regelmäßig zurückgewiesen. Nicht minder ausgebildet ist das Auge. Im Verhältnis zur Größe des Körpers muß man es klein nennen; doch ist der Stern einer bedeutenden Erweiterung fähig. Einige Sippen haben besonders kleine Augen und diese stehen, wie Koch hervorhebt, mitunter so in den dichten Gesichtshaaren versteckt, daß sie unmöglich dem Zwecke des Sehens entsprechen können. Diese kleinäugigen Thiere sind es auch, welche man zuweilen schon bei Tage fliegend antrifft, während die eigentlichen nächtlichen Flatterthiere größere und mehr freiliegende Augen haben. Allein das Auge kann gänzlich außer Thätigkeit gesetzt werden, ohne daß sie eine bemerkliche Beeinträchtigung dadurch erleiden. Der Gesichtssinn wird überhaupt durch Geruch, Gehör und Gefühl wesentlich unterstützt. Man hat mehrfach den Versuch gemacht, Fledermäuse zu blenden, indem man ihnen einfach ein Stückchen englisches Pflaster über die Augen klebte: sie flogen hierauf trotz ihrer Blindheit noch genau ebenso geschickt im Zimmer umher als sehend, und verstanden es meisterhaft, allen möglichen Hindernissen, z. B. vielen, in verschiedenen Richtungen durch das Zimmer gezogenen Fäden, auszuweichen. Der Sinn des Gefühls mag wohl größtentheils in der Flatterhaut liegen; wenigstens scheint dies aus allen Beobachtungen hervorzugehen. Weit ausgebildeter als dieser Sinn sind Geruch und Gehör. Die Nase ist bei allen echten Fledermäusen in hohem Grade vollkommen. Nicht bloß, daß sich die Nasenlöcher weit öffnen und durch eigenthümliche Muskeln bald erweitert, bald verengert oder gänzlich geschlossen werden können, besitzen die Thiere auch große, blätterartige, ausgedehnte Anhängsel, welche jedenfalls nur dazu dienen, den Geruch zu steigern. Bei Verwundung der blattartigen Aufsätze büßen sie von ihrer Flugfähigkeit ein, bei gründlicher Verletzung derselben verlieren sie ihr Flugvermögen ganz. »Eine Hufeisennase«, sagt Koch, »kann schon durch einen ganz unbedeutenden Druck auf die Nasenhäute betäubt werden und erholt sich aus dieser Betäubung nur sehr langsam; in vorkommenden Fällen stirbt sie sogar kurze Zeit nach dem verursachten Druck auf die Nasenhäute.« Das in ähnlicher Weise wie die Nase vervollständigte Ohr besteht aus einer sehr großen Ohrmuschel, welche oft bis gegen den Mundwinkel ausgezogen, mit besonderen Lappen und Ausschnitten versehen ist und außerordentlich leicht bewegt werden kann. Zudem ist noch eine große, bewegliche, verschiedenartig geformte Klappe, der Ohrdeckel, vorhanden, welcher dazu dient, bei stärkeren Geräuschen oder Tönen, als die Fledermaus sie vertragen kann, das Ohr zu schließen und ihr somit eine Qual zu ersparen, während dasselbe Anhängsel, wenn es gilt, ein sehr leises Geräusch zu vernehmen, befähigt, auch einen schwachen Schall aufzufangen. Es ist unzweifelhaft, daß die Fledermaus vorbeifliegende Kerbthiere schon in ziemlicher Entfernung hört und durch ihr scharfes Gehör wesentlich in ihrem Fluge geleitet wird. Schneidet man die blattartigen Ansätze oder die Ohrlappen und Ohrdeckel ab, so werden alle Flatterthiere in ihrem Fluge irre und stoßen überall an.

»Ist die Fledermaus«, bemerkt Altum, »sehr aufmerksam, so richtet sie das Ohr ganz empor und es starrt dann gespreizt, bei den großohrigen Arten sogar etwas nach vorn übergeneigt zur Aufnahme der Erregungen, welche etwa von einem summenden Kerbthiere oder von einem Luftzuge ausgehen. Befindet sie sich in tiefster Ruhe, so ist das Ohr am Außenrande so sehr in Falten gelegt, daß es sich nach hinten und nach außen fest an den Kopf andrückt; ist sie nicht sehr erregt, ruht aber auch nicht vollständig, so nimmt das Ohr irgend eine mittlere Lage an. – Es scheint, daß die Fledermäuse nur für ähnlich schwirrende Töne wie ihr Schrei oder wie das Summen der Kerbthiere, nicht aber für andersartige Laute und Getöse, für einen Knall, lautes Reden und Rufen und dergleichen empfänglich sind. Hält man eine Zwerg- oder Ohrenfledermaus mit einer Mücke zusammen in einer mit Glas bedeckten Schachtel, so sieht man das Thier sofort aufs äußerste lebhaft, sobald die Mücke zu fliegen beginnt: es spreizt die Ohren, schnappt mit dein Maule umher, und man sieht deutlich, daß es nicht sowohl durch das Gesicht als vielmehr durch das Gehör geleitet wird. Fast möchte es scheinen, als wenn es durch das Schwirren des Kerbthieres schärfer und sicherer vermittels der Ohrhäute fühle als durch das Gehör wahrnähme.«

Die geistigen Fähigkeiten der Flatterthiere sind keineswegs so gering, als man gern annehmen möchte, und strafen den auf ziemliche Geistesarmut hindeutenden Gesichtsausdruck Lügen. Ihr Gehirn ist groß und besitzt Windungen. Hierdurch ist schon angedeutet, daß ihr Verstand kein geringer sein kann. Alle Flatterthiere zeichnen sich durch einen ziemlich hohen Grad von Gedächtnis und einige sogar durch verständige Ueberlegung aus. Daß sie nach dem Flattern stets dieselben Orte wieder aufsuchen und für den Winterschlaf sich immer äußerst zweckmäßige Orte wählen: dies allein schon beweist, daß sie nicht so dumm sind, als sie aussehen. Mit der bequemen Ausflucht gläubiger und denkfauler Naturerklärer, daß der sogenannte Instinkt die maßgebende geistige Kraft der Fledermäuse sei, kommt man bei genauerer Beobachtung der Thiere nicht aus. »Von ihrem wunderbar entwickelten Ortssinne«, sagt Koch, »kann man sich bei einiger aufmerksamer Beobachtung überzeugen, indem eine Fledermaus, welche von ihrem gewöhnlichen Verstecke ausfliegt, diesen ohne weiteres Umhersuchen gleich wieder findet; dies geschieht sowohl bei ihren nächtlichen Ausflügen als auch dann, wenn sie durch zufällige oder absichtliche Störung bei Tage in den hellsten Sonnenschein aufgescheucht wurde. Ebenso liegt ein Beweis von gewissem Grade des Denkvermögens in der Wahl ihrer Schlupfwinkel, sowohl bei denen, welche zur täglichen Ruhe dienen, wie auch ganz besonders bei denen, welche sie zum Zwecke des Ueberwinterns aufsuchen. Eine Fledermaus bezieht keinen Ort, dessen Eingang unsicher ist und sich zu verschließen droht; vor ihrem Einzuge untersucht sie genau die innere und äußere Beschaffenheit einer Höhle, einer Grube oder eines Gewölbes, welches sie benutzen will. Niemals findet man Fledermäuse in Räumen, deren Eingang nicht vollständig vor Einsturz gesichert ist, niemals in Gruben mit vieler Holzzimmerung, obwohl sie an anderen Stellen gern in das Zimmerwerk von Hochbauten sich verstecken und hohle Bäume bewohnen. Ein weiterer Beweis für das hochentwickelte Denkvermögen ist das häufige Vorkommen individueller Gewohnheiten bei Fledermäusen.« Auch ihre Feinde kennen sie sehr gut und verstehen, ihnen schlau zu begegnen, wie sie ihrerseits wieder die kleineren Thiere, denen sie nachstellen, zu überlisten wissen. So erzählt Kolenati, daß eine Fledermaus, welche in einer Lindenallee jagte, das Weibchen eines Schmetterlings verschonte, weil sie bemerkt hatte, daß dieses viele Männchen heranlockte, welche sie nun nach und nach wegschnappen konnte. Wenn man Schmetterlinge an Angeln hängt, um Fledermäuse damit zu fangen, wird man sich stets vergeblich bemühen. Sie kommen heran, untersuchen das schwebende Kerbthier, bemerken aber auch sehr bald das feine Roßhaar, an welches die Angel befestigt ist, und lassen alles vorsichtig unberührt, selbst wenn sie wenig Futter haben sollten. Daß die Fledermäuse bei guter Behandlung sehr zahm und ihrem Herrn zugethan werden können, ist von vielen Gelehrten und Naturfreunden beobachtet worden. Einzelne Forscher brachten die Thiere bald dahin, ihnen Nahrung aus der Hand zu nehmen oder solche aus Gläsern sich herauszuholen, sobald sie einmal bemerkt hatten, um was es sich handele. Mein Bruder hatte eine Ohrenfledermaus so weit gezähmt, daß sie ihm durch alle Zimmer folgte und, wenn er ihr eine Fliege hinhielt, augenblicklich auf seine Hand sich setzte, um jene zu fressen. Die größeren Flatterthiere sind wirklich liebenswürdig in der Gefangenschaft, werden außerordentlich zahm und zeigen sich sehr verständig. Solche und ähnliche Aeußerungen der Hirnthätigkeit auf die breite Faulbrücke Instinkt schieben zu wollen, erscheint geradezu widersinnig.

»Mit der Gestalt der Flughäute«, sagt Blasius, »hängt die Flugfähigkeit und das Gepräge der Flugbewegung genau zusammen. Eine größere Verschiedenheit in dieser Beziehung ist kaum unter den Vögeln ausgebildet. Die Arten mit langen, schlanken Flügeln haben den raschen und gewandten Flug der Schwalben, die mit breiten, kurzen Flügeln erinnern im Fluge an die flatternde, unbeholfene Bewegung der Hühner. Man kann die Gestalt des Flügels ziemlich genau nach dem Verhältnis der Länge des fünften Fingers zur Länge des dritten oder zur Länge der ganzen Flughaut beurtheilen. Die Länge der Flughaut umfaßt außer der des dritten Fingers noch die des Ober- und Unterarms. Die Breite der Flughaut ist ungefähr durch die Länge des fünften Fingers dargestellt.

»Wer die Fledermäuse in der Natur beobachtet hat, wird eine auffallende Uebereinstimmung in diesen Verhältnissen mit der Schnelligkeit und Gewandtheit in der Flugbewegung der einzelnen Arten anerkennen müssen. Die größte Gewandtheit und Schnelligkeit im Fluge hat unter den deutschen Arten entschieden die frühfliegende Fledermaus. Man sieht sie zuweilen schon vor Sonnenuntergang thurmhoch und in raschen, kühnen Wendungen mit den Schwalben umherfliegen; und diese Art hat verhältnismäßig den schlanksten und längsten Flügel, über dreimal so lang als breit. Ihr schließen sich alle diejenigen Arten an, deren Flügel ähnlich gebildet sind. Sie fliegen sämmtlich rasch und hoch, in den mannigfaltigsten, oft plötzlichen Wendungen, und sind in ihren Bewegungen so sicher, daß sie sogar Sturm und Unwetter nicht scheuen. Der Flügel beschreibt im Fluge in der Regel einen kleinen, spitzen Winkel, und nur bei plötzlichen Wendungen holen sie weiter aus, und so ist der Flug höchst mannigfaltig und rasch bei einer leichten, weniger angestrengten Flügelbewegung.

»Die geringste Flugfertigkeit besitzen die Arten, welche zu den Sippen Vespertilio und Rhinolophus gehören. Sie haben im Verhältnis zu den übrigen die breitesten und kürzesten Flügel, meistens kaum drittehalbmal so lang als breit. Die Flügel dieser Arten beschreiben einen großen, meist stumpfen Winkel. Der Flug ist flatternd, langsam und unsicher. Gewöhnlich fliegen sie niedrig und in gerader Richtung in Straßen und Alleen hin, ohne rasche Biegungen und Seitenbewegungen, einige sogar nur wenige Zoll über dem Boden oder der Wasserfläche.

»Es hält nicht schwer, nach der Höhe des Fluges, der Art der Bewegung und der Größe des Thieres jede Art im Fluge zu unterscheiden; und man kann nicht irre gehen, wenn man aus dem Bau des Flügels auf die Flugfertigkeit schließt.« Altum fügt dem hinzu, daß man im allgemeinen wohl den Satz aufstellen könne: je unbeholfener der Flug, desto feiner das Hautsystem, Flughäute und Ohrdeckel, und umgekehrt je gewandter und rascher der erstere, desto derber letzteres. »Nicht ganz so genau stimmen überein Größe der Ohren und schwaches Flugvermögen, Kleinheit jener und kräftiger Flug; doch wird man im allgemeinen zugestehen müssen, daß unsere mit den größten Ohren versehenen Arten auch die langsamsten sind und unsere schnellsten Arten die kleinsten Ohren haben. Ebenso stimmen Gestalt und Festigkeit der Ohrdeckel hiermit überein. Die schnellsten Flieger haben kurze und derbhäutige Ohrdeckel, die langsamsten dagegen langgezogene dünnhäutige. Dies gilt von ganzen Gruppen.«

Im allgemeinen ist der Flug aller Handflügler keineswegs ein dauernder, sondern nur ein zeitweiliger. Er wird durch immerwährende Bewegung der Arme hervorgebracht. Der Vogel kann schweben, die Fledermaus nur flattern. Ihr Flattern oder Schwirren wird durch ihren Körperbau sehr erleichtert. Die starken Brustmuskeln des Vorderkörpers, der leichte und eingezogene Unterleib, die bis zu dreifacher Körperlänge ausgedehnten Arme und Hände und die zwischen Armen, Händen und Fingern ausgespannte federnde Haut befördern diese Bewegung, während das Schweben unmöglich wird, weil keiner der Fledermausknochen luftführend ist, die Leibeshöhle nicht die großen Luftsäcke des Vogelleibes enthält und vor allem, weil das Flatterthier keine Schwing- und Steuerfedern besitzt. Sein Flug ist ein immerwährendes Schlagen auf die Luft, niemals ein längeres Durchgleiten oder Durchschießen derselben ohne Flügelbewegung.

Um leichter ihre Flughaut breiten und aufflattern zu können, befestigen sich alle Handflügler während ihrer Ruhe mit den Krallen der Hinterbeine an irgend einen erhabenen Gegenstände und lassen ihren ganzen Körper nach abwärts hängen. Bevor sie aufflattern, ziehen sie den Kopf von der Brust ab, heben den Arm, breiten die Finger sammt dem Mittelarmknochen auseinander, strecken den in der Ruhe angezogenen Schwanz nebst den Sporen am Fuße, lassen sich los und beginnen nun sogleich und ohne Unterbrechung schnell nacheinander mit ihren Armen die Luft zu schlagen. Mit der Schwanzhaut wird gesteuert; aber dieses Steuer ist natürlich bei weitem unvollkommener als das der Vögel. Eine solche Bewegung bedingt eine ganz eigenthümliche Fluglinie, welche Kolenati sehr bezeichnend eine geknitterte nennt.

Vom Boden können sich die Flatterthiere nicht so leicht erheben; sie helfen sich aber dadurch, daß sie zuerst die Arme und die Flughaut ausbreiten und ihren Körper durch Unterschieben der Füße etwas aufrichten, ein oder mehrere Male in die Höhe springen und dann flatternd abfliegen. Ist dies ihnen geglückt, so geht der Flug ziemlich rasch vorwärts. Wie ermüdend derselbe ist, sieht man am besten daraus, daß die Fledermäuse oft schon nach sehr kurzem Fluge zum Ausruhen an Baumäste, Mauervorsprünge und dergleichen sich anhängen und hierauf ihre Bewegung fortsetzen. Keine Fledermaus würde im Stande sein, in ununterbrochener Weise zu fliegen, wie z. B. ein Mauersegler, und aus diesem Grunde ist allen Flatterthieren eine so ausgedehnte Winterwanderung, wie Vögel sie unternehmen, geradezu unmöglich.

Uebrigens dienen die Hände der Flatterthiere nicht einzig und allein zum Flattern, sondern auch zum Laufen auf der Erde. Der Gang aller Arten ist zwar nicht so schlecht, als man von vornherein annehmen möchte, bleibt aber dennoch ein erbärmliches Dahinhumpeln. Sie ziehen dabei die Hinterfüße unter den Leib, heben bei seiner Bewegung den Hinterkörper und stoßen dadurch den ganzen Leib vorwärts; denn die Handwurzel und namentlich die Daumenkralle dient dem Vorderende nur zur Stütze. Einige Arten laufen übrigens beinahe so schnell wie eine Ratte. Beim Klettern häkeln sie sich mit der scharfen Kralle des Daumens oder der Hand an und schieben mit den Hinterfüßen wechselseitig nach. Geschickte Bewegungen und Wendungen, wie sie solche im Fluge auszuführen fähig sind, vermögen sie im Gehen oder Klettern nicht zu machen, und aus die Hinterbeine allein können sie sich gar nicht stellen, weil das Uebergewicht des Körpers nach vorn liegt und die Hinterbeine schwächliche Gliedmaßen sind. Gleichwohl haben dieselben Stärke genug, den Leib nicht bloß den ganzen Tag, sondern während des Winterschlafes – oft vier volle Monate hindurch – fest zu halten und zu tragen.

Wie verschiedenartig und mannigfaltig die Bewegungen der so ungelenk erscheinenden Fledermäuse sind, erfährt man am besten, wenn man eine von ihnen an der Nackenhaut packt und festhält. Sie dreht sich dann förmlich um sich selbst herum, weil sie zunächst die größte Anstrengung macht, um zu beißen, benutzt dabei alle einzelnen Glieder, die vorderen wie die hinteren, um sich fest zu häkeln und vorwärts zu helfen, und bringt es, Ungeschickten gegenüber, regelmäßig dahin, sich zu befreien. Beim Gehen treten die Flatterthiere mit der Sohle der Füße und dem Daumentheile der Flügel auf. »Die Sohle«, bemerkt Altum, »ist aber durch eine eigenthümliche Gelenkung des Beines nach hinten, anstatt wie bei den übrigen Säugethieren nach vorn gewendet, so daß sich die mit scharfen Krallen bewaffneten Zehen der Hinterfüße nicht wie sonst nach der Rückenseite, sondern nach der Bauchseite des Thieres krümmen. Zum Fortbewegen auf dem Boden, wobei sie wie auch beim Klettern mit dem scharf bekrallten Daumen der Fittige sich ziehen und mit den Hinterbeinen nachschieben, wenden sie die Spitze der hinteren Füße seitlich vom Körper ab. Wir setzen beim Gehen die Fußspitzen nach vorn und außen, die Fledermäuse nach hinten und außen. Die Hinterglieder der letzteren sind überhaupt außerordentlich gelenkig. Sie verstehen es, geschickt sich der Zehen und Krallen zum Entfernen der vielfachen Schmarotzer sowie zum Ordnen des Rückenhaares zu bedienen, brauchen sie sehr gewandt, um sich von Schmutz zu säubern, und können mit jedem Hinterfuße die Mitte des Rückens fast zwischen den Schultern erreichen, so daß sie durch Kämmen das Haar säubern und ordnen.«

Die Stimme aller bekannten Flatterthiere ähnelt sich in hohem Grade, unterscheidet sich, so weit unsere gegenwärtigen Beobachtungen reichen, überhaupt nur dadurch, daß sie schwächer oder kräftiger, höher oder tiefer klingt. Die kleinen Arten bringen ein zitterndes Gekreisch hervor, welches ungefähr wie »Krikrikri« klingt; die Flughunde lassen erzürnt oder sonstwie beunruhigt ähnliche Laute vernehmen. Die Stimme fällt immer unangenehm in das Ohr, gleichviel ob sie hoch oder tief ist.

Alle Flatterthiere schlafen bei Tage und schwärmen bei Nacht. Die meisten kommen erst mit Eintritt der Abenddämmerung zum Vorscheine und ziehen sich schon lange vor Sonnenaufgang wieder in ihre Schlupfwinkel zurück; einzelne Arten jedoch erscheinen schon viel früher, manche bereits nachmittags zwischen drei und fünf Uhr, und schwärmen trotz des hellsten Sonnenscheins lustig umher.

»Was die Zeit des Fluganfanges am Abende betrifft«, sagt Altum, »so stellt sich bei einem Vergleiche desselben mit der des jedesmaligen Sonnenunterganges ein merkwürdiges Ergebnis heraus. Die meisten Beobachtungen habe ich über die Zwergfledermaus in dieser Beziehung gemacht. Im Winter und ersten Frühling fallen Fluganfang und Sonnenuntergang ungefähr zusammen. Die Fledermaus beginnt dann vier bis sechs Minuten nach, auch wohl vier Minuten vor Sonnenuntergang zu fliegen. Von Ende März bis Ende Mai's fällt ihr Fluganfang schon eine Viertel- bis eine halbe Stunde nach demselben; am längsten Tage tritt sie erst eine bis anderthalb Stunden nach dem Verschwinden der Sonne auf; Ende Juli's bis zum Oktober kommt sie wiederum früher und zwar drei Viertel- bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang und von da an im Spätherbste etwa fast eine Viertelstunde nach demselben zum Vorscheine. Trotz einzelner nicht unerheblicher Abweichungen beim Vergleichen der angegebenen Stunden und Monatstage mit dem betreffenden Sonnenuntergänge läßt sich doch eine gewisse Gesetzmäßigkeit darin nicht verkennen. Die Zwergfledermaus folgt nämlich dem Untergange der Sonne um so früher, je kälter, und um so später, je wärmer die herrschende Temperatur der betreffenden Jahreszeit bei uns zu sein pflegt. Wahrscheinlich ist der durch die Witterungsverhältnisse zumeist mit bedingte Reichthum der Kerbthierwelt der tiefere Grund dieser auffallenden Erscheinung. Die Fledermäuse treten bei Nahrungsfülle erst spät, bei Nahrungsarmut schon früh ihre Jagden an. Nur bei dieser Unterstellung wird es klar, warum eine Art bei gleicher Tageslänge und gleicher Stunde des Sonnenunterganges im kerbthierarmen ersten Frühling etwa schon mit Sonnenuntergang, im kerbthierreichen Herbste hingegen eine halbe bis eine Viertelstunde nach demselben ihre Jagden beginnt. Zu der einen Zeit genügt zur Erbeutung der nothwendigen Nahrungsmenge eine kürzere Jagdfrist, zu der anderen wird eine längere erheischt. Die Fledermäuse verlängern oder verkürzen aber auch, von der Zeit des Scheidens der Sonne und der Länge der Dämmerung abgesehen, ihre Jagdzeit nach den in einer Gegend regelmäßig herrschenden Witterungsverhältnissen und der dadurch bedingten Menge der abendlich umherschwärmenden Kerbthiere. Je ärmer die Jahreszeit an Kerbthieren zu sein pflegt, desto länger jagen sie, je reicher, desto kürzere Frist treiben sie sich jagend umher.«

Jede Art hat ihre eigenthümlichen Jagdgebiete in Wäldern, Baumgärten, Alleen und Straßen, über langsam fließenden oder stehenden Wasserflächen etc., seltener im freien Felde, aus dem sehr einfachen Grunde, weil es dort für sie nichts zu jagen gibt. In dem reicheren Süden finden sie sich auch dort, namentlich über Mais- und Reisfeldern, weil diese stets eine Menge von Kerbthieren beherbergen, ihnen also gute Beute liefern. Gewöhnlich streichen sie nur durch ein kleines Gebiet von vielleicht tausend Schritten im Durchmesser. Die größeren mögen vielleicht über eine halbe Stunde Weges durchstreifen; von den großen südlichen Arten, den sogenannten Flatterhunden, dagegen weiß man, daß sie mehrere Meilen weit in einem Zuge fliegen, da sie von einer Insel aus auf benachbarte, Meilen weit entfernte sich verfügen oder von ihnen auf das Festland und umgekehrt von diesem aus Nahrung versprechende Inseln besuchen. Der Flugfuchs findet sich nicht allein in Ostindien, sondern auch längs der ganzen Küste Ostafrika's und auf den benachbarten Inseln, beispielsweise auf Madagaskar, wird also unzweifelhaft die zwischen dem einen und dem anderen Erdtheile liegenden Meerestheile und beziehentlich die Inseln von dem Festlande trennenden Meerengen überflogen haben.

»Bei ihren Jagden«, fährt Altum fort, »pflegen die Fledermäuse ihr Gebiet planmäßig abzutreiben, indem sie so lange an derselben Stelle in derselben Weise umherflatternd verweilen, etwa eine Allee oder Straße auf- und abfliegen, einen Winkel zwischen Gebäuden kreisend absuchen, auf einem Dachboden ein- und ausfliegen oder, wie an unsichtbaren Fäden hängend, über einer Stelle des Wasserspiegels genau in derselben Weise schwirren, bis sie sich überzeugt haben, daß sich dort keine Beute mehr findet, worauf sie dann plötzlich, ebenso verfahrend, eine andere Stelle auswählen, nicht selten aber nach kurzer Zeit zum ersten Platze zurückkehren. Die Größe dieser Jagdplätze steht im allgemeinen zur Größe der Jäger im geraden Verhältnisse. Bevor sie solche gehörig abgesucht haben, lassen sie sich nicht einmal durch einen Fehlschuß in ihrem Treiben stören.« Sobald sie müde werden, hängen sie sich, wie ich schon bemerkte, eine Zeitlang auf und schwärmen weiter, nachdem sie ausgeruht haben. Verschiedene Arten scheinen sich gewissermaßen abzulösen; denn die Frühfliegenden schwärmen bloß in der Dämmerung, andere nach und vor der Morgendämmerung, wieder andere bloß in den mittleren Nachtstunden umher.

Bei Tage halten sich alle Flatterthiere versteckt in den verschiedenartigsten Schlupfwinkeln. Bei uns zu Lande sind hohle Bäume, leere Häuser und seltener auch Felsenritzen oder Höhlen ihre Schlafplätze. In den Wendekreisländern hängen sich viele Arten frei an die Baumzweige auf, sobald diese ein dichtes Dach bilden. Bei uns zu Lande geschieht dies ebenfalls, obschon seltener: Koch beobachtete namentlich in den dichten Epheuranken alter Burgen mehrfach Fledermäuse, welche sich hier ihren Schlupfplatz erwählt hatten. In den Urwaldungen Afrika's fand ich mehrere echte Fledermausarten in dem dünnen Gelaube der Mimosen aufgehängt; in den Waldungen Südamerika's traf Bates andere unter den breiten Blättern von Helikonien und anderen Pflanzen, welche auf den schattigen Plätzen wachsen. Die Flughunde wählen sich nicht einmal immer Bäume, deren Laubdach ihnen Schatten gewährt, hängen vielmehr oft auch an entblätterten Aesten ohne alle Rücksicht auf die Sonnenstrahlen, gegen welche sie ihre Augen dadurch zu sichern suchen, daß sie den ganzen Gesichtstheil in der Flughaut verbergen. Weitaus die Mehrzahl aller Flatterthiere hingegen versteckt sich, einige Arten zwischen und unter der Rinde von Bäumen oder in Baumhöhlungen, andere unter Dächern zwischen dem Schindel- und Ziegelwerk, der Haupttheil endlich in natürlichen Felshöhlen, Mauerlöchern, Gewölben verfallener oder wenig besuchter Gebäude, tiefen Brunnen, Schachten, Bergwerksstollen und ähnlichen Orten. »In den südlichen Himmelsstrichen, wo die Handflügler so massenhaft vorkommen«, sagt Koch, »würde vielleicht kaum ein schadhafter Baum zu finden sein, welcher nicht von ihnen bewohnt wäre, wenn es nicht so viele andere Thiere gäbe, welche ihnen den Platz streitig machen, wie dies die Klettervögel, viele Raub- und Nagethiere, Schlangen und sogar einzelne gesellig lebende Immen thun. Letztere, welche, während die Fledermaus munter ist, ihr zur Nahrung dienen, belästigen dieselbe sehr in ihrer Ruhe. Ich habe beobachtet, daß Ameisen sich eingenistet hatten, wo sonst Fledermäuse waren, und daß letztere sich bald gänzlich verzogen. Es gibt nicht viele Fledermäuse, von denen man sagen könnte, daß sie nie in geeigneten Baumhöhlen getroffen würden. Die meisten beziehen zwar auch gleichzeitig andere Schlupfwinkel; doch gibt es wiederum viele Arten, namentlich unter den südländischen, welche ausschließlich den Aufenthalt in Baumhöhlen suchen. Die Ritzen von altem Gemäuer bieten anderen geeignete Schlupfwinkel, und manche ziehen die hölzernen Theile des Mauerwerkes den steinernen vor. Frische Kalkwände aber, worin noch nicht aller Kalk durch Aufnahme von Kohlensäure seine ätzende Eigenschaft verloren hat, hassen die Flatterthiere, und man findet daher keine Fledermäuse in neueren Gebäuden, selbst wenn geeignete Ritzen und Höhlungen in denselben vorkommen. In allen Gegenden und Klimaten sind es die natürlichen Felsenhöhlen, welche als die vorzüglichsten Aufenthaltsorte der Fledermäuse bezeichnet werden müssen. Unter ihnen scheinen sie die Kalkhöhlen denen in anderen Gesteinsarten vorzuziehen. In den Höhlen suchen nun verschiedene Arten besonders die engen Ritzen und Domen auf, worin sie sich einzeln oder gesellig einzwängen; andere Arten findet man mehr freihängend, seltener in Ritzen, und die Blattnasen, welche ganz besonders als Höhlenbewohner bezeichnet werden können, hängen fast immer frei, wenn auch zum Theile in kleineren unzugänglichen Domen dieser Höhlen. In Gegenden, wo keine natürlichen Höhlen vorkommen, dienen den Fledermäusen statt deren alte Bergwerke, Kellergewölbe, Burgverließe, gemauerte Grüfte und Katakomben, und werden diese unterirdischen Bauwerke um so mehr bevölkert, je älter und einsamer sie sind, und je weniger die Fledermäuse daselbst Störung finden. Die Anzahl der Fledermäuse, welche man sowohl in natürlichen Höhlen wie auch in ähnlichen künstlichen Bauwerken antrifft, ist mitunter eine außerordentliche. Ich habe in der Fürstengruft in Siegen wohl über tausend Stück zusammengefunden, und dennoch lange nicht alle erreichen können, welche in diesem Gewölbe waren.

»In den Bergwerken sind ganz bestimmte Eigenschaften nothwendig, um eine Anziehung auf die Fledermäuse zu äußern. Heftigen Wetterzug hassen sie zunächst sehr, ebenso starke Tropfwasser in den Strecken, welche sie zu durchfliegen haben. Auch dürfen die Räume nicht zu trocken und ebenso wenig zu feucht sein. Dagegen halten sie sich gern in solchen Stellen, in denen sich die Wasser stauen, wahrscheinlich, weil sie sich darin sicher gegen ihre Verfolger fühlen. In Gruben und Höhlen mit Tropfsteinbildung gibt es keine Fledermäuse; wahrscheinlich fürchten sie das kalkhaltige Wasser, und die glatten Tropfsteinwände eignen sich auch wohl nicht besonders zum Ankrallen.«

Unter sich halten viele, vielleicht die meisten Flatterthiere gute Gemeinschaft. Einzelne Arten bilden zahlreiche Gesellschaften, welche gemeinschaftlich jagen und schlafen. Ganz ohne Streit und Kampf geht es dabei freilich nicht immer ab: eine gute Beute oder eine bequeme Schlafstelle ist genügende Ursache zur Zwietracht. Dafür versuchen Gesunde Kranken aber auch beizustehen und nach Kräften zu helfen, und zwar thun dies nicht allein die wehrhaften Flughunde, sondern ebenso kleinere Flatterthiere, beispielsweise Blattnasen. »Mein Diener«, erzählt Hensel, »kam einst auf den klugen Gedanken, mehrere lebende brasilianische Fledermäuse in hohe offene Glasgefäße zu thun und diese abends an geeigneten Orten aufzustellen. Am nächsten Morgen fanden sich in drei Gefäßen dreihundertfünfundzwanzig Fledermäuse derselben Art vor, welche sich, durch die Stimmen der zuerst darin befindlichen Thiere angelockt, hineinbegeben hatten und nun wegen der glatten Wände der Gefäße ihr Gefängnis nicht verlassen konnten.« Auch diese Fledermäuse hatten sich offenbar nur aus dem Grunde zu den übrigen gesellt, um ihnen irgendwie zu helfen. Ungeachtet aller Geselligkeit der Fledermäuse einer und derselben Art, leben die Flatterthiere doch keineswegs mit allen Mitgliedern ihrer Ordnung in Frieden. Verschiedene Arten hassen sich auch wohl, und eine frißt die andere auf. Die blutsaugenden Blattnasen z. B. greifen, wie Kolenati beobachtete, die Ohrenfledermäuse an, um ihnen Blut auszusaugen, und diese fressen ihre Feinde dafür auf, handeln also vernünftiger als Menschen, welche sich von Blutsaugern ihres Geschlechtes ruhig brandschatzen lassen, ohne sie unschädlich zu machen.

Die Nahrung der Flatterthiere besteht in Früchten, in Kerbthieren, unter Umständen auch in Wirbelthieren und in dem Blute, welches sie größeren Thieren aussaugen. Letzteres gilt namentlich für die in Amerika wohnenden Flatterthiere, während die Blutsauger der alten Welt nicht so kühn sind, sich vielmehr fast nur an kleinere, wehrlose und immer bloß an freilebende Thiere wagen, an welche sie von Anfang an gewöhnt sind, und bei deren Wohnstätte sie durch die Anwesenheit des Menschen nicht gestört werden. Während die Blutsauger es mit einer in den meisten Fällen unschädlichen Abzapfung von Blut bewenden lassen, fallen andere Flatterthiere, wahrscheinlich mehr, als wir zur Zeit noch wissen, über andere Wirbelthiere her. Ein Arzt der brasilianischen Ansiedelung Blumenau erzählte Hensel einen hierauf bezüglichen Fall. Derselbe beobachtete nämlich eines Abends, wie durch das offenstehende Fenster seines Zimmers eine große Fledermaus hereinflog und eine Schwalbe, welche im Zimmer ihr Nest anlegen wollte und daher hier übernachtete, fing und tödtete. Anderen, namentlich ostindischen Arten, sagt man nach, daß sie Frösche fangen und benagen sollen; kurz, Raubthiergelüste in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes sind den Flatterthieren durchaus nicht abzusprechen. Die in Europa wohnenden Arten der Ordnung, bekanntlich nur echte Fledermäuse, verzehren hauptsächlich Kerbthiere, namentlich Nachtschmetterlinge, Käfer, Fliegen und Mücken, und wenn man am Morgen nach warmen Sommernächten in Baumgängen hingeht, findet man gewiß sehr häufig die Ueberbleibsel ihrer Mahlzeiten, namentlich abgefressene Flügel und dergleichen. Ihr Hunger ist außerordentlich; die größeren fressen bequem ein Dutzend Maikäfer, die kleinsten ein Schock Fliegen, ohne gesättigt zu sein. Größere Kerfe stemmen sie, nachdem sie dieselben gefangen haben, an die Brust und fressen sie so langsam hinter; kleinere werden ohne weiteres verschlungen. Je lebhafter ihre Bewegung ist, um so mehr Nahrung bedürfen sie, und aus diesem Grunde sind sie für uns außerordentlich nützliche Thiere, welche die größtmögliche Schonung verdienen. Nicht so ist es mit den blutsaugenden Fledermäusen, welche zuweilen recht schädlich werden können, oder auch mit den Fruchtfressern, welche nicht selten ganze Fruchtpflanzungen, zumal Weinberge zerstören, und nach den neueren Beobachtungen keineswegs einzig und allein der ersten Familie, den Flughunden nämlich, angehören. »In Südamerika«, berichtet Hensel, »gibt es auch unter den eigentlichen Fledermäusen solche, welche saftige Früchte fressen.« Obschon man häufig davon erzählen hört, ist es doch leider mir niemals geglückt, solche Arten zu fangen oder auch nur bei dem Verzehren der Früchte selbst zu beobachten. In Rio-de-Janeiro aber erzählte mir ein deutscher Kaufmann, welcher sich mit Naturbeobachtungen beschäftigte und durchaus glaubwürdig zu sein schien, daß er selbst Mühe gehabt habe, in seinem Garten Bäume mit saftigen Früchten vor den Fledermäusen zu schützen. In Porto-Allegre hat ein deutscher Handwerker au seinem Hause einen der wilden Feigenbäume Brasiliens stehen, deren Feigen nicht größer als Haselnüsse zu sein Pflegen. Zur Zeit der Reife dieser Feigen nun sollen nach Angabe jenes Mannes zahlreiche Fledermäuse den Baum besuchen und die Feigen verzehren. Daß diese Angaben thatsächlich begründet sind, geht aus später mitzutheilenden Untersuchungen von Bates hervor. Es unterliegt somit keinem Zweifel, daß es auch unter Glatt- und Blattnasen Fruchtfresser gibt; denn in anderen Ländern unter den Wendekreisen wird es wohl ebenso sein wie in Brasilien.

Alle Fledermäuse gehen fleißig nach dem Wasser und trinken sehr viel. Ueberhaupt trifft man sie am häufigsten in der Nähe von Gewässern, freilich nicht allein, weil sie dort ihren Durst am leichtesten stillen können, sondern auch weil hier die meiste Beute für sie sich findet.

Die Verdauung aller Flatterthiere ist sehr lebhaft. An ihren Schlupfwinkeln sammeln sich deshalb auch bald große Kothhaufen an, und diese haben einen so durchdringenden Geruch, daß ganze Gebäude von den Thieren förmlich verpestet werden können. Sehr eigenthümlich ist die Art und Weise, wie sie sich ihres Unrathes entleeren. Man kann dies von vornherein annehmen, wenn man eine aufgehängte Fledermaus ansieht; doch muß man sie bei jenem Geschäfte beobachtet haben, wenn man sich eine rechte Vorstellung machen will. Jede Fledermaus, welche ihren Koth von sich geben will, muß sich nämlich in eine wagerechte Lage bringen, um misten zu können. Sie läßt dabei einen ihrer Hinterfüße los und stößt mit ihm gegen die Decke, um in eine schaukelnde Bewegung zu gelangen. Nachdem sie gehörig in Schwung gekommen ist, greift sie mit der Daumenkralle des ausgestreckten Armes an die Decke oder an eine andere, ihr nahe hängende Fledermaus und klammert sich hier an. Nunmehr ist sie in der geeigneten Lage, um ihr Bedürfnis verrichten zu können. Das Harnen besorgt das Flatterthier entweder in wagerechter Lage oder aber indem es sich, wie dies beispielsweise die Flughunde regelmäßig thun, mit den Daumenkrallen allein aufhängt und den unteren Theil des Leibes freihängen läßt. »Die meisten Fledermäuse«, sagt Koch, »harnen auch im Fluge, wie man dies auf eine sehr empfindsame Weise wahrnehmen kann, wenn man einen unmittelbar über sich hängenden Klumpen aufscheucht. Das Misten kommt dabei ebenfalls vor, aber seltener. Viele von ihnen haben die Gewohnheit, wenn sie am Rücken oder Halse gefaßt werden, ihren Angreifer mit Harn zu bespritzen.«

Eine beachtenswerthe Beobachtung hat Heuglin gemacht: die Fledermäuse Afrika's ziehen ihrer Nahrung wegen den Herden nach. »In den Bogosländern«, bemerkt dieser Forscher, »wird sehr starke Viehzucht getrieben, und die Herden kommen, wenn in ferneren Gegenden bessere Weide und mehr Trinkwasser sich finden, oft monatelang nicht zu den Wohnungen der Besitzer zurück. Bei unserer Ankunft in Keeren waren alle Rinderherden sammt den Myriaden von Fliegen, welche sie überall hin begleiteten, in den Tiefländern des Barka und Fledermäuse hier außerordentlich selten. Gegen Ende der Regenzeit sammelten sich auf etwa einen Monat fast alle den hiesigen Bogos gehörigen Herden in der nächsten Umgebung, und gleichzeitig erschienen die kerbthierfressenden Dämmerungs- und Nachtfledermäuse in ganz unglaublicher Anzahl; mit Abzug der letzten Herde verschwanden auch sie spurlos wieder. In der Nacht vom dreißigsten September auf den ersten Oktober lagerten wir auf einer drei Stunden südlich von Keeren gelegenen Hochebene in der Nähe von Umzäunungen, welche zur Aufnahme von Rindvieh bestimmt waren. Da sich die Herden in anderen Theilen des Gebirges befanden, beobachteten wir nur ein oder zwei Fledermäuse auf der für diese Familie äußerst günstigen Oertlichkeit. Tags darauf kehrten die Herden an die besagte Stelle zurück, und schon an demselben Abende hatte die Anzahl der Fledermäuse ganz auffallend zugenommen. Es entsteht nun die Frage, ob sie wirklich ihre Standorte ändern oder von denselben aus allabendlich oft weite Jagdflüge machen, um die Fliegen aufzusuchen, welche die Herden begleiten. Ich glaube an eine Veränderung der Standorte, weil an den betreffenden Stellen die Thiere abends so zeitig erschienen, daß sie unmöglich auf dem Platze sein könnten, ohne stundenlange Reisen bei Tage gemacht zu haben, und ich habe hier niemals Fledermäuse vor der Abenddämmerung fliegend entdecken können.«

Ich meinestheils habe während meiner früheren Reisen in Afrika nicht eben sehr auf die Fledermäuse geachtet, wohl aber auf meinem letzten Jagdausfluge nach ebendenselben Gegenden, von denen Heuglin spricht, und kann ihm nur Recht geben. Deshalb erscheint es mir nun auch durchaus nicht mehr unwahrscheinlich, daß weit mehr unserer Flatterthiere, als wir annehmen, wandern, obschon in beschränkterer Weise als die Vögel. Daß einige Fledermäuse bei uns manchmal von der Höhe zur Tiefe und umgekehrt ziehen, ja, daß sie gegen den Winter hin nach südlicher gelegenen Gegenden pilgern, war längst bekannt. Mitunter nämlich findet man im Sommer Fledermäuse in einer Gegend, wo sie zu anderen Jahreszeiten nicht Vorkommen. So verschwindet, laut Koch, die Umberfledermaus ( Meteorus Nilsonii) aus einem großen Theile des nördlichen Rußlands, wandert bis Schlesien, Mähren, Oberfranken, ja selbst bis in die Alpen und überwintert hier. Ebenso sieht man die Teichfledermaus ( Brachyotus dasycnemus) Während des Sommers immer in den norddeutschen Ebenen über Flüssen und Seen hin- und herfliegen, begegnet ihr aber um dieselbe Zeit nur ausnahmsweise in den Gebirgen Mitteldeutschlands, wogegen im Winter Felsenhöhlen dieser und anderer Gebirge gerade von ihr sehr häufig zum Ueberwintern benutzt werden. In den Wäldern Hessens hält es äußerst schwer, im Winter eine Speckmaus ( Panugo noctula) aufzutreiben, obgleich Baumhöhlen genug vorhanden sind, welche zu ihrem Aufenthalte geeignet erscheinen; im Sommer dagegen sieht man diese Fledermaus häufig genug über den Waldungen umherschwärmen, und im Taunus und im Lahnthale überwintert sie regelmäßig, ohne daß im Sommer eine größere Anzahl von ihnen vorhanden sein dürfte als dort, wo sie überwintert. »Wenn die Beobachtungen über das Wandern der Fledermäuse nicht so schwierig wären und öfter darauf geachtet würde, dürfte eine größere Anzahl von geeigneten Beispielen vorliegen, als jetzt noch der Fall ist. In heißen Ländern, wo die Fledermäuse in so großer Menge auftreten, fällt das Wandern derselben mehr auf. Viele ziehen sich zur Zeit der Dürre in das Gebirge, andere suchen sogar ferne Gegenden mit der von ihnen vorher bewohnten zu vertauschen, kehren aber nach einiger Zeit wieder dahin zurück; einige scheinen in den kälteren Jahreszeiten dem Gleicher näher zu rücken, und wieder andere ziehen in den wärmeren Monaten nach kühleren Gegenden oder höher nach dem Gebirge. In manchen Fällen scheint der Grund des Ortswechsels in den klimatischen Verhältnissen zu liegen, in den meisten Fällen aber ziehen unsere Thiere den Kerbthieren nach.«

Wärme ist für alle Fledermäuse nothwendige Bedingung, und zwar nicht allein deswegen, weil durch sie das Leben der Kerbthiere geweckt wird, sondern auch, weil jene an und für sich Kälte verabscheuen. Das häufige Auftreten der Flatterthiere in niederen Breiten hängt gewiß mit dem dort reicheren Kerbthierleben zusammen; die Wärme jener Länder aber scheint ihrer Entwickelung ebenfalls in hohem Grade förderlich zu sein. Bei uns zu Lande setzen nur wenige Fledermäuse unmittelbar der Sonne sich aus, indem sie in den Nachmittagsstunden umherfliegen; in den Wendekreisländern geben sie sich oft geradezu den Sonnenstrahlen preis, und zwar thun dies keineswegs nur die Flughunde, welche ihren Tagesschlummer sehr häufig ohne alle Rücksicht auf Schatten an den fast oder ganz entlaubten Aesten der Bäume halten, sondern auch Glatt- und Blattnasen. So erwähnt Schomburgk eines Vampirs ( Phyllostoma bidens), welcher in großen Gesellschaften vorzugsweise an Felsen lebt und über Tag an den Stämmen der Uferbäume, meist zwei bis drei Meter über dem Boden zum Schlafen sich aufhängt, nicht aber an der Nord-, sondern an der Südseite derselben anklebt, um von der Sonne sich bescheinen zu lassen. »In noch größeren Scharen«, sagt er, »fand ich sie an den über den Flußspiegel emporragenden Felsen. Näherten wir uns einer solchen Stelle, dann flogen sie von ihrem Ruheorte von selbst weg oder wurden durch die Indianer dazu genöthigt, welche sie mittels der Ruder mit Wasser bespritzten. Nun strichen sie einige Male an den Ufern auf und ab und setzten sich darauf an ihrem alten Platze wieder an.« Daß die Fledermäuse bedeutende Hitzegrade aushalten können, beweisen uns schon diejenigen unter ihnen, welche auf Dachböden, unter Kirchendächern und an ähnlichen Orten den Tag verbringen, unbekümmert um die bedeutende Hitze, welche hier zu herrschen pflegt, noch mehr aber die südländischen Arten. Ein Grämler ( Nyctinomus brasiliensis), die häufigste Fledermaus Südbrasiliens, lebt, laut Hensel, »oft in großer Menge unter den Schindeldächern alter Häuser und kann einen unglaublichen Hitzegrad aushalten, da namentlich im Sommer die Schindeln durch den Sonnenschein so erhitzt werden, daß man sie mit bloßen Füßen, ohne Schaden an diesen zu erleiden, nicht betreten könnte«. Auch das dichte Zusammendrängen der Fledermäuse, durch welches ein bedeutender Wärmegrad entwickelt werden muß, gibt anderweitige Belege für diese Thatsachen. Die meisten Arten werden durch rauhe Witterung, Regen oder Wind in ihren Schlupfwinkeln zurückgehalten; andere fliegen zwar an kalten Abenden, immer aber nur kurze Zeit, und kehren so schnell als möglich wieder nach ihren Schlafplätzen zurück. Hierbei spricht allerdings der Umstand mit, daß an rauhen Abenden ihr Umherfliegen mehr oder weniger nutzlos ist, weil dann auch die Kerbthiere sich verborgen halten und ebenso der einigermaßen heftige Wind ihren Flug ungemein erschwert, da bekanntlich bloß die schmalflügeligen Arten einem einigermaßen heftigen Luftzuge Trotz bieten können.

Mit Eintritt der Kälte fallen alle Fledermäuse, welche in höheren Breiten leben, in einen mehr oder weniger tiefen Winterschlaf von längerer oder kürzerer Dauer, entsprechend dem strengeren oder milderen Klima ihrer Heimat. Mit Beginn der rauhen Jahreszeit sucht jede Art einen vor den Einflüssen der Witterung möglichst geschützten Schlupfwinkel auf: Höhlen, Kellergewölbe, warme Dächer, Dachsparren in der Nähe von Essen und dergleichen. Diejenigen Arten, welche noch am wenigsten empfindlich gegen Kälte sind, unterbrechen den Winterschlaf bisweilen, erwachen und fliegen in ihren geschützten Schlupfwinkeln hin und her, anscheinend weniger um Beute als um sich Bewegung zu machen. Einzelne kommen wohl auch ins Freie und flattern eine Zeitlang über der schneebedeckten Erde umher; die Mehrzahl aber schläft ununterbrochen. »Die Orte«, sagt Koch, »welche die Fledermäuse zu ihrem Winterschlafe wählen, sind nach den Arten verschieden und stimmen zwar manchmal, doch bei weitem nicht immer mit denen überein, an welchen sie sich zur täglichen Ruhe im Sommer niederlassen. So sind z. B. die Blattnasen an Sommertagen in denselben Höhlen anzutreffen, in denen sie auch ihren Winterschlaf halten, so rasten die Buschsegler ( Nanugo) gewöhnlich in Ritzen derselben Gebäude, in denen sie im Winter sich tief zurückziehen, und dergleichen Beispiele mehr; während die Mäuseohren oder Nachtschwirrer ( Myotus murinus), welche im Sommer in zahlreichen Gesellschaften auf Kirchenspeichern hausen, ihren Winterschlaf vereinzelt in Höhlen und Gruben halten, oder die Gleichohren ( Isotus), welche während des Sommers in Bäumen rasten, im Winter in Gruben und Höhlen theils frei hängen, theils in Ritzen sich einklemmen. Dasselbe ist bei vielen anderen einheimischen Arten der Fall. Aber auch bei den Fledermäusen südlicher Breiten finden wir, daß der Aufenthalt während ihrer Zurückgezogenheit in der Regenzeit oder dem kurzen gelinden Winter vielfach anders gewählt wird als während der trockenen Zeit: so bewohnt keine Fledermaus das Blätterdach der Bäume während der Regenzeit; so ziehen sich die Blutsauger von den offenen Viehställen in geschlossene Gebäude und Höhlen zurück; so wandern die Grämler nach unterirdischen Bauten und Höhlungen, wie die Stummelschwänze in Baumlöcher sich verkriechen. Entschieden die meisten Fledermäuse bewohnen während des Winterschlafes Höhlen und alte unterirdische Räume, diejenigen Arten, welche auch im Sommer an diesen Aufenthaltsorten sich befinden, beziehen aber, für den Winter wenigstens, andere Stellen oder, wo sie die Auswahl haben, sogar andere Höhlen, und Gruben. Im Sommer halten sie sich mehr in kleinen Räumen in der Nähe der Eingänge auf, hier in Spalten, Ritzen und engen Domen sich versteckend, gerade wie da, wo sie in offenen Felsspalten sitzen; im Winter dagegen findet man sie mehr in größeren und tieferen Räumen, worin sie sich in die hinteren Theile, in welche der Frost nicht eindringen kann, zurückziehen. Nur wenige Arten sitzen auch während des Winterschlafes in ihren gewohnten Ritzen.

»Die Stellung, in welcher die Fledermäuse ihren Winterschlaf halten, ist eine sehr verschiedene und für einzelne Gruppen und Sippen bezeichnende; die einfachste und regelmäßigste Haltung während des Winterschlafes ist die, daß sie sich an den Krallen der Hinterfüße aufhängen und die Flügel seitlich andrücken. Viele hängen dabei freischwebend unter einer Decke oder einem Gewölbe, die meisten in ähnlicher Weise an den Wänden, ein anderer Theil benutzt auch die Vorderglieder mit als Stütze, und so lassen sich noch eine Reihe Veränderungen in der Stellung und Lage aufführen. Unter den die wärmeren Länder bewohnenden Fledermäusen gibt es einige Arten, welche in dem Zustande der Zurückgezogenheit, wie auch bei ihrer gewöhnlichen Tagesruhe, die Flügel mehr oder weniger ausbreiten und mit ihnen sich gleichsam einen Halt verschaffen. Ein großer Theil der Blattnasen nimmt eine so merkwürdige Stellung ein, daß man sie im Vorübergehen eher für Pilze als für Thiere halten möchte. Sie sind ganz in ihre Flughäute eingeschlagen, hängen frei an den beiden Hinterfüßen, die Schenkelflughaut ist nach dem Rücken hin umgeschlagen, die Vorderarme bilden einen Rückenkeil und liegen dicht an einander, Flanken- und Fingerflughäute umschließen den Leib in der Weise, daß die Fingerspitzen nach oben stehen, der Daumen dient mit zum Verschlusse, und nur die Nase tritt hervor, wird aber während des festen Winterschlafes auch zurückgezogen. Fast ebenso verschiedenartig ist die Lage der Ohrenhäute. Viele Fledermäuse strecken die Ohren möglichst aus und heben den Deckel dabei, gleichsam als ob sie bei der geringeren Nerventhätigkeit während des Winterschlafes jene Organe empfindlicher machen wollen; andere krümmen die Ohren mehr oder weniger ein; wieder andere drücken den Deckel fest auf die innere Oeffnung des Ohres; die Ohrenfledermaus legt die langen Ohren unter die seitlich angedrückten Flügel etc.«

Was von der Geselligkeit der Fledermäuse gesagt wurde, gilt auch im allgemeinen während ihres Winterschlafes. Es gibt Gattungen, welche ausnahmslos gesellig überwintern und nicht nur neben einander, sondern auch in mehreren Lagen dicht auf einander hängen, mitunter in Gruppen von verschiedenen Formen, zusammen zu mehreren Hunderten von Stücken. Andere gesellig überwinternde Gattungen bedecken ganze Wände und Flächen im Inneren hohler Bäume, wo sie getrennt neben einander hängen; andere überwintern vereinzelt und finden sich niemals in Gesellschaft; wiederum andere werden ebenso wohl einzeln als gesellig angetroffen.

»Es ist eine bemerkenswerthe und physiologisch höchst auffallende Erscheinung«, fährt Koch fort, »daß ein so gefräßiges Thier, wie die Fledermaus, welches während seines Wachseins so vieler Nahrung bedarf, über ein Drittel seines Lebens ohne alle Nahrung bestehen kann, und daß bei einer auf das geringste beschränkten Thätigkeit der Ernährungswerkzeuge und des Stoffwechsels in einer warmen und feuchten Atmosphäre die Weichtheile so lange kräftig bleiben und bestehen können, ohne wesentliche stoffliche Veränderungen zu erleiden. Die Blutwärme der Fledermäuse beträgt in unserem europäischen Klima während ihres Lebens im Sommer immer über 32° C. (25° R.); in südlichen Klimaten ist dieselbe weit höher, und selbst bei uns habe ich im Monat Juni beim Mäuseohr 36° C. Blutwärme gemessen. Diese Blutwärme sinkt während des Winters sehr bedeutend, und ist der Grad des Herabsinkens mehr oder weniger abhängig von der Luftwärme. Bei den Bewohnern wärmerer Länder, deren Blutwärme bisweilen über 40° C. erreicht, ist der Unterschied gegen den Winter oder die Regenzeit verhältnismäßig nicht so bedeutend wie bei unseren nordischen Arten, bei denen die niedere Luftwärme so außerordentlich beeinflußt und die Blutwärme so weit herabsinkt, daß die Fledermäuse erstarren und nicht wieder zum Leben erwachen. Die niedrigste Blutwärme fand ich bei der Mopsfledermaus, welche überhaupt ziemlich unempfindlich gegen Witterung zu sein scheint, indem sie für den Winterschlaf immer die vorderen Theile der Höhlen, Gruben und Gebäude bezieht, wo sie kaum vor Kälte geschützt erscheint. Bei Stücken, welche in dem Gewölbe des Dillenburger Schlosses zwischen Steinen, an denen über fußlange Eiszapfen hingen, überwinterten, betrug die Blutwärme noch volle 12° C. Dagegen habe ich niemals an geschützteren Stellen Fledermäuse beobachtet, deren Blutwärme so tief stand; dieselbe betrug vielmehr immer zwischen 14 und 18°, in vielen Fällen, namentlich zu Anfang des Winters, sogar 20° und darüber, von höheren Wärmegraden gleich nach Beginn des Winterschlafes nicht zu reden. Ebenso sinkt die Blutwärme nach meiner Erfahrung ständig mit der Dauer des Winterschlafes, und erwacht die schlafende Fledermaus, wenn dies Sinken einen gewissen Grad erreicht hat, welcher nach meiner Messung, je nach der Natur einer bestimmten Art, zwischen 12 und 18° C. schwankt. In tiefen Gruben und Höhlungen, wo die meisten Fledermäuse überwintern, kann nicht wohl nach dem Begriffe und der Erfahrung an den menschlichen Sinnen eine Ahnung der äußeren Luftwärme angenommen werden; auch ist bei den ununterbrochen winterschlafenden Fledermäusen eine Zeitrechnung, wonach sie die Dauer des Schlafes bemessen könnten, undenkbar: daher muß eine bestimmt ausgeprägte physiologische Ursache ihr endliches Erwachen bedingen, und diese scheint mir in dem für jede Art fest stehenden tiefsten Punkte der Blutwärme zu liegen. Damit stimmt auch die mehrfach gemachte Beobachtung überein, daß die Fledermäuse, welche sich an wenig geschützten Orten befinden, mitten im Winterschlafe erwachen und rege werden, sobald die äußere Wärme und damit die Blutwärme früher herabsinkt. Erfrorene Fledermäuse habe ich mehrfach in Stollen gefunden, wo ein starker Wetterzug die Kälte tief eindringen ließ, oder aber an zu kurzen Stollen, wo sie vor der eindringenden Kälte keinen Schutz fanden. Diese erfrorenen Fledermäuse aber waren nicht mehr in der ihnen für den Winterschlaf eigenthümlichen Stellung, sondern ihre Flügel mehr oder weniger ausgebreitet, und sie lagen theilweise in einer solchen Stellung am Boden. Auch in der für den Winterschlaf eigenthümlichen Stellung habe ich im Frühjahre todte Fledermäuse gefunden; sie aber waren eingetrocknet und nicht von Kälte erstarrt. Dieselbe Erscheinung hat man ebenso, wenn man Fledermäuse während des Winterschlafes oder kurz vor demselben in Zimmer oder dergleichen Räume bringt, in denen die Wärme niedrig genug ist, daß sie in ihrem bewußtlosen Zustande verbleiben oder wieder in denselben verfallen. Diese Thatsache spricht dafür, daß die Fledermäuse beim Winterschlafe eine gewisse Wassermenge durch die Athmung in sich einführen. Bevor sie in ihren bewußtlosen Zustand verfallen, erscheinen sie sehr wohl genährt und haben viel Fett zwischen dem Muskelfleische und der Haut wie auch zwischen den Gedärmen. Bei einzelnen Arten, namentlich bei den Blattnasen, ist die Fettmasse oft so bedeutend, daß sie die Fleischtheile an Ausdehnung und Gewicht übertrifft. Im Anfange des Winters ist das Fett sehr flüssig und rein weiß; gegen Anfang Januars bemerkt man schon eine Abnahme der Fettschichten und ebenso eine stoffliche Veränderung, indem das Fett weniger flüssig und dunkler, von durchziehenden Gefäßen bisweilen röthlich gefärbt erscheint. Das Fett nimmt nun immer mehr und mehr an Masse ab und wird dabei immer dunkler und weniger flüssig, und gegen Ende des Winters, etwa im Anfange März, erscheint der letzte Rest dunkelbraungelb mit rothen Adern unterlaufen. Durchschnittlich habe ich gefunden, daß eine Fledermaus während des Winterschlafes etwa ein Sechstel bis ein Fünftel ihres Gewichtes verliert. Diese Abnahme ist größtentheils in dem Fettverbrauche bedingt; doch nimmt auch die Fleischmasse dabei mehr oder weniger ab. Das Fett dient nicht zur Nahrung, sondern zum Athmen, wodurch die nöthige Luftwärme erzeugt und erhalten wird; wie aber der Stoffwechsel nothdürftig unterhalten bleibt, darüber schwebt noch ein gewisses Dunkel. Nothwendig für die Erhaltung des winterschlafenden Thieres ist die Zuführung von Wasser; denn die Ausscheidungen der Nieren und der Haut gehen ihren Gang fort, wenn auch ungleich langsamer als bei dem belebten Thiere. Fledermäuse, welche in einer trockenen Luft sich befinden und deshalb keinen Wasserdampf einathmen können, vertrocknen im Winterschlafe, so merkwürdig und wunderbar es auch scheinen will, daß die Lunge gerade eine entgegengesetzte Thätigkeit verrichtet als bei dem lebenden Thiere, bei welchem der Hauch Wasser aus dem Blute hinwegführt. Während des Winterschlafes werden die abgängigen Theile des Körpers langsam, aber in ziemlich regelrechter Weise abgeschieden, wobei die dazu bestimmten Organe alle in Thätigkeit zu bleiben scheinen. In den Darmschlauch tritt Galle ein; die Harnblase füllt sich nach und nach mit Harn an, welcher gegen Ende des Schlafes dunkler gefärbt erscheint und erst nach dem Erwachen entleert wird; die ausscheidenden Drüsen der Haut scheinen während des bewußtlosen Zustandes ihre Wirksamkeit in besonders lebhafter Thätigkeit zu erhalten etc. Aber je niedriger die Wärme des Körpers sinkt, desto langsamer kann dieser Prozeß vor sich gehen, und scheint damit das Erwachen infolge gesunkener Blutwärme zusammenzuhängen.«

Schon wenige Wochen nach dem Ausfliegen macht die Liebe sich geltend. Nachdem die Fledermäuse ihren Winteraufenthalt verlassen haben, locken die verschiedenen Geschlechter, laut Koch, sich durch einen eigenthümlichen Ruf, welcher von dem ärgerlichen Bellen, Angriffen gegenüber, wesentlich verschieden ist. In warmen Ländern sollen die großen Arten so laut werden, daß sie lästig fallen können. Bei der Liebeswerbung jagen und necken die Männchen die Weibchen, stürzen sich mit ihnen aus der Luft herab und treiben allerlei Kurzweil; doch geht dieses Schwärmen und Paaren nicht bei allen Arten der Fledermäuse der Begattung voraus – letztere erfolgt vielmehr bei einzelnen auffallend frühzeitig im Jahre. Pagenstecher hat eine weibliche Zwergfledermaus untersucht, welche schon am 23. Januar begattet worden war; Koch fand, daß bei den Buschseglern die Begattung im Januar und Februar vor sich geht. »Obgleich die Fledermäuse«, bemerkt dieser treffliche Beobachter, »fast sämmtlich sehr bissige, unverträgliche Thiere sind, welche sich vielfach anfeinden, necken und beißen, so daß die zarteren Theile oft lebenslänglich die Spuren ihrer Kämpfe tragen, scheint doch die Eifersucht nicht immer in ihrer Natur zu liegen, und namentlich bei einigen Arten kommen merkwürdige Fälle von Verträglichkeit gerade in der Zeit vor, in welcher die meisten anderen Thiere jeden Funken einer angeborenen Gutmüthigkeit verlieren.« So habe ich gesehen, daß mehrere Männchen der Zwergfledermaus es ruhig geschehen ließen, während ein Männchen zur Begattung sich vorbereitet hatte, ohne im geringsten eifersüchtig zu werden und in feindselige Gesinnungen auszubrechen, und Pagenstecher beobachtete, daß mehrere Männchen ein und dasselbe Weibchen ruhig nach einander begatteten. Die Paarung verrichten die Fledermäuse, indem sie mit den Vordergliedern sich umklammern und theilweise in die Flughaut sich einhüllen. Bald nach ihr trennen sich beide Geschlechter, und die Weibchen bewohnen nun gemeinschaftliche Schlupfwinkel, während die Männchen mehr einzeln, oft in ganz anderen Gegenden umherstreifen. Mein Vater beobachtete, daß letztere nach der Begattung ganz für sich und stets einzeln leben, während die Weibchen sich zusammenrotten und gemeinschaftlich in den Höhlungen der Bäume oder in anderen Schlupfwinkeln wohnen; er hält es für sehr wahrscheinlich, daß keine männliche Fledermaus in die Frauengemächer eindringen darf. Unter Dutzenden von Fledermäusen, welche zusammengefunden wurden, fand er und später auch Kaup niemals ein Männchen, sondern immer nur trächtige Weibchen.

Wenige Wochen nach der Begattung (man nimmt an, nach fünf bis sechs) werden die Jungen geboren. Das kreisende Weibchen hängt sich, laut Blasius und Kolenati, gegen seine Gewohnheit mit der scharfen Kralle beider Daumen der Hände auf, krümmt den Schwanz mit seiner Flatterhaut gegen den Bauch und bildet somit einen Sack oder ein Becken, in welches das zu Tage kommende Junge fällt. Sogleich nach der Geburt beißt die Alte den Nabelstrang durch, und das Junge häkelt sich, nachdem es von der Mutter abgeleckt worden ist, an der Brust fest und saugt. Die blattnasigen Fledermausweibchen haben in der Nähe der Schamtheile zwei kurze, zitzenartige Anhängsel von drüsiger Beschaffenheit, an welche sich die Jungen während der Geburt sofort ansaugen, um nicht auf die Erde zu fallen, weil diese Fledermäuse während des Gebärens ihren Schwanz zwischen den beiden eng an einander gehaltenen Beinen zurück auf den Rücken schlagen und keine Tasche für das an das Licht tretende Junge bilden. Später kriechen auch diese Jungen zu den Brustzitzen hinauf und saugen sich dort fest.

Alle Flatterthiere tragen ihre Jungen während ihres Fliegens mit sich umher und zwar ziemlich lange Zeit, selbst dann noch, wenn die kleinen Thiere bereits selbst recht hübsch flattern können und zeitweilig die Brust der Alten verlassen: daß letzteres geschieht, habe ich an Fledermäusen beobachtet, welche ich in den Urwäldern Afrika's an Bäumen aufgehängt fand. In etwa sechs bis acht Wochen haben die Jungen ihre volle Größe erreicht, lassen sich aber bis gegen den Herbst und Winter hin an dem plumperen Kopfe, den kürzeren Gliedmaßen und der dunkleren Färbung ihres Pelzes als Junge erkennen und somit von den Alten unterscheiden.

Eine noch ungeborene Fledermaus hat ein sehr merkwürdiges Ansehen. Wenn sie so weit ausgebildet ist, daß man ihre Glieder erkennen, die Flughaut aber noch nicht wahrnehmen kann, hat sie mit einem ungeborenen Menschenkinde eine gewisse Aehnlichkeit. Die Hinterfüße sind noch viel kleiner als die vorderen, und die vortretende Schnauze zeigt das Thierische; aber der Bau des Leibes, der kurze, auf dem Brustkorbe sitzende Hals, die breite Brust, die ganze Gestalt der Schulterblätter und besonders die Beschaffenheit der Vorderfüße, welche mit ihren noch kurzen Fingern halbe Hände bilden, erinnert lebhaft an den menschlichen Keimling im ersten Zustande seiner Entwickelung.

»Der vorurtheilsvolle Mensch«, sagt Koch, »hat diesen harmlosen Thierchen mancherlei Verleumdungen zu Theil werden lassen, und die große Menge ist mit Abneigung gegen sie erfüllt, anstatt sie im eigenen Nutzen zu hegen und zu schützen. Unrichtig schon ist die Behauptung, daß die Fledermäuse den Speck in den Vorrathskammern benagen; denn keine einzige von ihnen frißt Speck, und der in der Volkssprache allgemeine Gebrauchsname »Speckmaus«, welcher auch in die Wissenschaft übergegangen ist, scheint daher zu kommen, daß die Fledermäuse zum Zweck ihrer Erhaltung während des langen Winterschlafes unter der Haut sehr beträchtliche Speckmassen ablagern und diese zum Vorscheine kommen, wenn man ein Thier gewaltsam tödtet und dabei die zarte Haut zerreißt. Später hat man aus dem Namen die angedichtete Sünde abgeleitet, welche Ansicht noch eine wesentliche Unterstützung in dem Umstande fand, daß sich die sogenannten Speckmäuse gern in dunklen Räumen verbergen und daher auch vielfach in Speck- und Räucherkammern angetroffen werden. Die Mäuse und Ratten benagen den Speck, ziehen sich aber bei dem Herannahen eines Menschen in ihre engeren Schlupfwinkel zurück, während die harmlosen Fledermäuse bei Tage und im Winter ruhig sitzen bleiben, wo der Speckdiebstahl verrichtet wurde. Deshalb ist es dem Bestohlenen oft nicht übel zu nehmen, wenn er aus Mangel eines besseren Wissens seinen Feind auf der That ertappt zu haben glaubt, während der gründlichere Beobachter sich leicht überzeugen kann, daß die Fledermaus nicht nur keinen Speck frißt, sondern durch Vertilgen von Speckkäfern und deren Larven den Speck schützt. Ein allgemein verbreiteter Aberglaube, daß sich die Fledermäuse in die Haare verwickeln und nicht mehr daraus zu entfernen seien, entbehrt ebenfalls aller Begründung. Eine Fledermaus geht niemals aus freiem Antriebe in das Kopfhaar eines Menschen; wenn aber ein unglückliches Mitglied dieser Ordnung sich in ein Gesellschaftszimmer verfliegt, wird von den Anwesenden in der Regel Jagd darauf gemacht, mit Taschentüchern darnach geschlagen etc., und wenn dann das Thierchen, getroffen, fluglahm herabfällt, krallt es sich an jedem beliebigen Gegenstande an, und kann der Zufall es fügen, daß es gerade auf den Kopf einer Dame fällt, deren künstlich verzierter Kopfputz in der Regel so beschaffen, daß Gelegenheit genug zum festeren Ankrallen vorhanden ist. Solche Zufälle mögen hin und wieder die erste Veranlassung zu jener Ansicht grundloser Behauptung gegeben haben. Man glaubt vielfach, daß die Fledermäuse Begleiter und Träger der bösen Geister seien. Ein junger, gebildeter Spanier behauptete mit aller Zuversicht, gehört zu haben, daß die Fledermäuse fluchen, wenn sie mit einem brennenden Span gereizt werden. Dergleichen Wunderlichkeiten kann man mehr hören, wenn man sich mit dem weniger gebildeten Volke über die allerdings eigenthümlich gestalteten Hautflügler unterhält. Wo Fledermäuse gereizt wurden, haben wir auch schon gehört, daß geflucht wurde, nicht aber von der Fledermaus, sondern von dem, welcher seinen Muthwillen an derselben auslassen wollte; denn namentlich die großen Arten verstehen keinen Spaß: wenn sie gefangen werden, beißen sie kräftig zu, und ihr Gebiß wie ihre Krallen sind scharf, und einige von ihnen können tiefe Wunden beibringen. Wenn sie nicht mehr im Stande sind, ihren Nachstellern zu entgehen, werden sie zornig und mitunter muthig und wissen ihre natürlichen Waffen sehr gewandt zu gebrauchen; aus freien Stücken greifen sie aber niemals an und zeigen sich in ihrem ganzen Wesen als äußerst harmlose Geschöpfe.

»Der Aufenthalt der Fledermäuse im Dunkeln, das Mäuseartige des Körpers, die wunderlich gestalteten dunkelhäutigen Flughände sowie der mitunter abschreckende Gesichtsausdruck und die unangenehm kreischende Stimme der Fledermaus geben der ganzen Erscheinung etwas Unheimliches, was schon die Alten gefühlt haben mögen. Während die guten Geister mit Flügeln der Taube erschienen, entwarf man das Bild der bösen Dämonen mit den Flügeln der Fledermaus. Lindwurm uud Drache, jene schreckenden Phantasiegebilde, hatten ihre Flügel von der Fledermaus entliehen, wie noch heute das Zerrbild des Teufels mit Fledermausflügeln oder das Heer der bösen Geister, welche der heilige Ivan austreibt, in Gestalt von Fledermäusen erscheinen. Solche Bilder wirken schon auf das kindliche Gemüth der Jugend wie auf den für Aberglauben empfänglichen Sinn des ungebildeten Volkes und erregen Abscheu und Haß gegen die Thiere, welche Ansprüche auf Schonung und Hegung haben. Daher sei es die Aufgabe des besser Unterrichteten, seine Stimme für die verleumdeten Wohlthäter zu erheben. Bei Erwägung ihres großen Nutzens verlieren diese Thiere schon Vieles von ihrer angeborenen Häßlichkeit, und wenn man die schönen warmen Sommerabende im Freien verbringt, erscheinen die Fledermäuse in ihren geschickten Flugwindungen als eine freundliche, belebende Erscheinung der stillen Landschaft.

»Vorurtheile haben von jeher den Geist des Menschen befangen: sie stammen aus uralten, längst verdrängten Ideenkreisen her. Von jeher gab es unter den Menschen eine Kaste, welche an den alten Anschauungen festhielt, und theils in eigener Befangenheit, theils aus Selbstsucht jeder Beseitigung veralteten Aberglaubens entgegen arbeitete. Aber die Naturwissenschaften, die mächtigen Hebel zur Förderung und Veredelung menschlichen Strebens, wirken aufklärend und belehrend zum Nutzen und Frommen der ganzen menschlichen Gesellschaft, streben nach gründlicher Kenntnis des Bestehenden und beseitigen allmählich jeden dämonischen Nimbus, wie sie auf dem Gebiete des praktischen Lebens den ersten Weg zur Erreichung unserer Zwecke zeigen. So lehrt auch der Thierkundige dem Landwirt und Forstmann seine wahren Freunde immer mehr und mehr kennen und verhütet die mit Willen und Unverstand so vielfach begangenen Misgriffe durch Verfolgung wehrloser Geschöpfe.«

Der Nutzen, welchen die meisten Mitglieder der sehr zahlreichen Ordnung dem Menschen leisten, übertrifft den Schaden, welchen sie ihm unmittelbar zufügen, bei weitem. Gerade während der Nachtzeit fliegen sehr viele von den schädlichsten Kerbthieren und zeigen sich somit dem Auge ihrer Feinde. Außer Ziegenmelkern, Kröten, Zieseln und Spitzmäusen stellen um diese Zeit nur noch die Fledermäuse dem ewig kriegsbereiten, verderblichen Heere nach, und die auffallende Gefräßigkeit, welche allen Flatterthieren eigen ist, vermag in der Vertilgung der Kerfe wirklich Großes zu leisten. Hiervon kann man sich einen oberflächlichen Begriff verschaffen, wenn man die Schlupfwinkel der Fledermäuse untersucht. »Fußhoch«, sagt Koch, »liegt hier der Koth aufgeschichtet, und die nähere Untersuchung ergibt, daß die einzelnen Klümpchen aus Theilen sehr vieler und verschiedenartiger Kerbthiere bestehen. In einem Kubikcentimeter Fledermauskoth fanden wir einundvierzig Schienbeine verschiedener größerer und kleinerer Kerfe, und da nun in alten Ruinen, auf Kirchböden etc. sicherlich zuweilen mehr als ein Kubikmeter Fledermauskoth aufgeschichtet liegt, würden in solchen Haufen gegen anderthalb Millionen Kerbthierleichen enthalten sein. Freilich rühren die großartigen Anhäufungen nicht aus einem Sommer her, und sind an ihnen viele Fledermäuse betheiligt; dagegen ist aber auch in Betracht zu ziehen, daß gewiß nur der kleinste Theil des Kothes von der Fledermaus an der Stelle der Tagesruhe abgelegt wird, sondern daß die Darmentleerungen gewöhnlich während des Fluges im Freien vor sich gehen.« Man würde eine große Liste aufzustellen haben, wenn man alle die Schmetterlinge, Kerfe, Fliegen und sonstigen Kerbthiere aufführen wollte, welche, als den Fledermäusen zur Nahrung dienend, festgestellt wurden, und es mag daher die Angabe genügen, daß sie gerade unter den schädlichsten Arten am besten aufräumen, während ihnen die nützlichen, welche meistens bei Tage fliegen, kaum zur Beute fallen. Alle bei uns zu Lande vorkommenden Fledermäuse bringen uns nur Nutzen, und die wenigen, welche schädlich werden können, indem sie Früchte fressen, gehen uns zunächst nichts an, wie auch die Blutsauger keineswegs so schädlich sind, als man gewöhnlich gesagt hat. Nach den neueren und zuverlässigsten Berichten tödten die blutsaugenden Fledermäuse niemals größere Thiere oder Menschen, selbst wenn sie mehrere Nächte nach einander ihre Nahrung aus deren Leibern schöpfen sollten, und die fruchtfressenden Flatterthiere leben in Ländern, wo die Natur ihre Nahrung so reichlich erzeugt, daß der Verbrauch derselben durch sie eben nur da bemerklich wird, wo der Mensch mit besonderer Sorgfalt gewisse Früchte sich erzeugt, z. B. in Gärten; Früchte aber kann man durch Netze und dergleichen vor ihnen schützen. Somit dürfen wir die ganze Ordnung als ein höchst nützliches Glied in der Kette der Wesen betrachten. Die Alten gedenken der Fledermäuse in der Regel mit noch größerem Abscheu als unsere unkundigen Männer und zimperlichen Frauen, und selbst die alten Egypter, diese ausgezeichneten Forscher, mögen eine Abneigung gegen sie gehabt haben, weshalb sie die bildliche Darstellung derselben möglichst vermieden. »Solche finden sich nämlich«, bemerkt Dümichen, »seltsamerweise an Tempelwänden nur wenige. Außer dem hieroglyphischen Namen Setachemm, welcher einzelnen Abbildungen von Fledermäusen beigegeben ist, kommt in Inschriften noch das Wort Taki vor, woraus wir vielleicht den Schluß ziehen dürfen, daß mehrere Fledermausarten von den Egyptern unterschieden worden sind.«

Bis in spätere Zeiten wurden die Fledermäuse selbstverständlich zu den Vögeln gerechnet, obgleich schon der alte Geßner sehr richtig hervorhebt, daß die Fledermaus ein Mittelthier zwischen einem Vogel und einer Maus sei, also billig eine fliegende Maus genannt, und weder unter die Vögel noch unter die Mäuse gezählt werden könne. »Von den Fledermäusen sagen die Deutschen diesen Reim:

»Ein Vogel ohn' Zungen,
Der säugt seine Jungen«.

Die von Geßner gegebene Zusammenstellung aller richtigen und unrichtigen Beobachtungen der Alten über die Fledermäuse und die Verwendung der letzteren zur Vertreibung aller möglichen Krankheiten sind in hohem Grade erheiternd. »Der Salamander vnd die Flädermauß geberen jre Jungen also, daß sie mit keine Häutlein oder Nachgeburt überzogen sind, ohn Zweiffel darumb, daß sie erstlich Eyer empfahe, welches doch in den Schärmäusen, Mäusen vnd andern dergleichen Thieren, so denen gleich sind, nicht geschicht. Albertus sagt, daß dieser Vogel als auch der Widhopff, zu Winterszeit schlaffe. Mit gebranntem äbheuw gereuchert, werden die Flädermäuß vertrieben, als Africanus vnd Zoroastres lehren. Der Baum Ahorn, zu Latein Platanus genennt, ist diesen Flädermäußen gantz zuwider: dann so man das Laub vnder alle Eingäng oder Fenster deß Hauses henkt, so kompt keine darein, als Plinius vnd Africanus zeugen. Der Storck vnd die Flädermauß sind feinde: dann die verderbt dem Storcken allein mit jhrem anrühren seine Eyer, wo er nicht mit dem vorgenannten Laub, in sein Nest gelegt, dem fürkompt, darab dann die Flädermäuß ein Abscheuen haben, als Aelianus, Piles vnd Zoroastres außweisen. Es ist auch ein vergifftes Omeissengeschlecht in Italia, von Cicerone Salipuga, gemeiniglich Salpuga Betica genennt, welchen das Hertz der Flädermäuß gantz zuwider ist, als dann auch allen andern Omeissen, sagt Plinius. Darumb so die Kautzen die Omeissen von jhren Jungen treiben wollen, legen sie einer Flädermauß Hertz in jhr Nest, als Oppianus lehret. Ein Feckt von einer Flädermauß auff ein Omeissen Nest gelegt, wirt keine herfür kommen, sagt Orus. So einer angehender Nacht ein gleissend Schwert außstreckt, so fliehen die Flädermäuß darzu, vnd verletzen sich etwan also, daß sie herabfallen. So die Häwschrecken etwan einen Flecken oder strich eines Lands verwüsten, werden sie vber den Ort hinaußfliehen, wo man an die höchsten Bäum dieses Lands Flädermäuß bindet, als Democritos in Geoponicis ausweiset. So die Flädermäuß vber jhre Gewonheit zu Abend viel vnd stäts fliehen, ist es ein Zeichen, daß der nachgehende Tag warm vnd schön sein wirt.

»Die Flädermauß ist ein vnreiner Vogel, nicht allein im jüdischen Gesetz verbotten, sondern auch ein Greuwel anzusehen. Nimb ein Flädermauß, haw jhr den Kopff ab, derre vnd zermahle sie, darvon gib denn so viel als du in dreyen Fingern behalten magst, mit einem Syrup vnd Essig dem Kranken zu trinken. Oder so du siben feiste geköpffte Flädermäuß genommen, vnd wol gereiniget hast, so schütte in einem vergläserten Geschirr Essig darüber, vnd so du das Geschirr wol verstrichen hast, so stell es in einen Ofen, daß es darinn koche, darnach so du das Geschirr widerumb aufgezogen und gekältet hast, so zertreibe die Flädermäuß mit den Fingern im Essig, darvon gib dem Krancken alle Tag zwei Quintlein schwer zu trinken. Dann diese Artzney hat man erfahren, Auicenna von den Artzneyen deß Miltzes lehret. Ein Salb so das Haar hinweg nimbt: Lege viel lebendige Flädermäuß in Bech, laß die darinn verfaulen, und schmire einen Ort damit wo du wilt, als Galenus lehret. Zum Podagra: Nimb drey Flädermäuß, und koch die in Regenwasser, darnach thu diese stück darzu, zermahlten Leinsamen vier Untz, drey rohe Eyer, ein Becherlein Oel, Rinderkaat, und Wachs, eines jeden vier Untz. Diß alles zusammengethan, rühre under einander, und so du denn schlaffen gehen wilt, so leg es etwan dick uber, als Galenus lehret. Für das Gesücht der Hände ist Flädermäußöl dienstlich, welches also bereitet wirt: Nimb zwölff Flädermäuß und Safft von dem Kraut Almarmacor oder Marmacor genennt, welches von etlichen für St. Johanneskraut oder Melissen gehalten wird, und alt Oel, ana libra s. Osterlucey, Bibergeil, ana drach. iiij. Costi drach. iij. Diß sol gar eingesotten werden, daß kein Safft vom Kraut, sondern allein das Oel verbleibe, als Auicenna lehret. Deß Viehes Krimmen so es im harnen erleidet, wirt mit einer angebundenen Flädermauß gelegt, lehret Plinius. So der Habich den hinfallenden Siechtag hat, so koch Flädermäuß, und gib ihm die zu essen, es hilfft. Dem klagenden und weinenden Habich wirff eine Flädermauß für zu essen, welcher drei Körnlein von Läußkraut gessen hab, und binde ihn an die Stang, däwet ers nicht bald, so wirt er zween Tag weinen, hernach aber wirt er auffhören, als Demetrius Constantinopolitanus zeuget. Wie man diß Thier zur Artzney brauchen sölle schreibet weitleufftig Bucasis. Die Aschen darvon schärpffet das Gesicht, sagt Auicenna. Die Zauberer brauchen dieses Blut mit sampt dem Kraut Strobeldorn genennet, wider Schlangenstich, als Plinius lehret. Ihr Blut aber wirt also gesammlet: Man entköpfft sie under den Ohr, da wirt das Blut also warm herfür gerunnen, auffgestrichen, damit es das Haar vertreibe eine Zeitlang, oder daß nicht mehr wachse, so man das offt mit Einreiben aufstreicht, als Arnoldus in dem Buch von den Weiberzierden redt. Man sagt, daß die Jungfrawenbrüst mit diesem Blut bestrichen, eine Zeitlang nicht groß werden. Diß aber ist falsch, als auch das, daß es nemlich kein Haar under den üchsen wachsen lasse. Diß Blut hat wohl Krafft, Haar zu vertreiben, aber nicht für sich selbst, und allein, wo man nicht hernach Vitriol, oder grossen Bangensaamen darauff spreitet, dann also wirt entweder das Haar gar hinweg genommen, oder es wächst nicht länger dann Gauch. Zu diesem braucht man auch ihr Hirn, welches dann zwiefach ist, nemlich weiß und rot. Etliche thun das Blut und die Lebern darzu, als Plinius lehret. Diß Blut streicht man auf die Zittermäler. Das Haar so dich in den Augen irret reiß auß, und bestreich es mit diesem Blut so noch frisch, so wirt dir kein anders darinn wachsen. Diß Blut mit Kreuzbeerstaudensafft und Honig angestrichen, schärpffet des Gesicht, dienet auch zum Sternfell in den Augen. Für das Grimmen sol das Blut einer zerissenen Flädermauß dienen, oder so das allein auf den Bauch gestrichen wirt, als Plinius und Marcelius außweisen. Aufs diß gehört eine Salb, die nicht läßt Haar wachsen: Vermisch diß Hirn mit Weibermilch und bestreich den Ort damit. Darzu dienet auch Igelgall, so man dißes Hirn, mit sampt einem Theil Hundsmilch, darunder vermischt. Schwalmen oder Flädermäußhirn mit Honig, sol den Anfang des Wassers so in das Aug kompt, hindern. So eine Spitzmaus ein Viehe gebissen hat, legt man diese Gallen mit Essig darüber, sagt Plinius. Flädermäußkaat verblendet etwan die Augen, als Arnoldus de Villanoua lehret. Milch oder Harn von der Flädermauß vertreibet den Nagel oder flecken im Aug. Man vermeinet gemeiniglich, dieser Harn sei vergifft, wiewohl ich etliche damit besprengt, keinen Schaden empfangen, gesehen hab. So einer ihr Blut in ein Tuch empfangen, und einem Weib unwissend under ihr Haar gelegt, und bei ihr schläffet, wird sie zu stund empfahen. Es hat noch andere Gebräuch mehr, die man nicht sagen sol, sagt Kiranides.«

Die Anzahl der vorweltlichen Fledermäuse, von denen man Kunde erlangt hat, ist sehr gering. In dem Bernsteine hat man Fledermaushaare und in verschiedenen Steinbrüchen versteinerte Knochenüberreste der Handflügler gefunden. Dagegen kennt man etwa dreihundert sicher unterschiedene Arten lebender Flatterthiere, von denen auf Europa ungefähr fünfunddreißig kommen. Eine außerordentlich große Formverschiedenheit, trotz der Aehnlichkeit im ganzen, macht die Eintheilung und Bestimmung der Flatterthiere selbst für Forscher sehr schwierig. Uns genügt es, einige der eigenthümlichsten Formen zu betrachten. Wer sich genauer über den Gegenstand unterrichten will, nehme Karl Kochs Buch: »Das Wesentlichste der Chiropteren« zur Hand: das Lesen dieses vortrefflichen Werkes hat mir einen Genuß bereitet, wie selten ein anderes ähnlicher Richtung.

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Die erste Unterabtheilung und Familie wird gebildet durch die Flughunde oder fruchtfressenden Fledermäuse ( Pteropina).

Alle zu dieser Gruppe gehörigen Flatterthiere bewohnen ausschließlich die wärmeren Gegenden der alten Welt, namentlich Südasien und seine Inseln, Mittel- und Südafrika, Australien und Oceanien. Ihrer Größe wegen sind sie seit den ältesten Zeiten als wahre Ungeheuer verschrien worden. Sie, die harmlosen und gemächlichen Thiere, hat man als scheußliche Harpyien und furchtbare Vampire angesehen; unter ihnen suchte man die greulichen Wesen der Einbildung, welche sich auf schlafende Menschen setzen und ihnen das Herzblut aussaugen sollten; in ihnen sah man die zur ewigen Verdammnis verurtheilten Geister Verworfener, welche durch ihren Biß unschuldige Lebende ebenfalls wieder zu Verworfenen verwandeln könnten. Kurz, der blühendste Aberglaube beschäftigte sich mit wahrem Behagen mit diesen Säugethieren, welche weiter nichts verschuldet haben, als etwas eigenthümlich gebildet zu sein, und in ihrer Ordnung einige kleine und eben wegen ihrer geringen Größe ziemlich unschädliche Mitglieder zu besitzen, welche sich des Frevels der Blutaussaugung allerdings schuldig machen.

Die Naturwissenschaft kann die abergläubischen Leute – denn heute noch gibt es gerade genug der Natur vollkommen entfremdete Unwissende, welche in unseren Thieren scheußliche Vampire zu sehen glauben – besser über die fruchtfressenden Fledermäuse oder Flughunde belehren. Sie haben so ziemlich die Fledermausgestalt, aber eine viel bedeutendere Größe und einen gemüthlichen Hunde- oder Fuchskopf, welcher ihnen den Namen Flughunde oder fliegende Füchse verschafft hat. Die Flatterhaut, und deshalb auch die Gliederung der Arme und Beine ist der anderer Fledermäuse ähnlich; außer dem Daumen hat aber noch der Zeigefinger den krallenförmigen Nagel. Der Nase fehlt der Hautansatz, und die Ohren sind niemals mit einer Klappe versehen. Hierdurch kennzeichnen sie sich also leicht von den übrigen Fledermäusen. Das Gebiß besteht aus vier Schneidezähnen oben und unten, einem Eckzahne in jedem und drei bis fünf Backenzähne im oberen, fünf bis sechs Backenzähnen im unteren Kiefer. Alle Backenzähne haben platte Kronen und eine mittlere Längsfurche. Die unteren Schneidezähne fehlen den Mitgliedern einer Sippe.

Die Flughunde bewohnen am liebsten dunkle Waldungen und bedecken bei Tage oft in unzählbarer Menge die Bäume, an deren Aesten sie, Kopf und Leib mit den Flügeln umhüllt, reihenweise sich anhängen. In hohlen Bäumen findet man sie wohl auch, und zwar zuweilen in einer Anzahl von mehreren hundert Stücken. In düsteren Urwäldern fliegen sie manchmal auch bei Tage umher; ihr eigentliches Leben beginnt aber, wie das aller Flatterthiere, erst mit der Dämmerung. Ihr scharfes Gesicht und ihre vortreffliche Spürnase lassen sie die Bäume ausfindig machen, welche gerade saftige und reife Früchte besitzen; zu diesem kommen sie einzeln, sammeln sich bald in große Scharen und sind im Stande, einen solchen Baum vollkommen kahl zu fressen. In Weinbergen erscheinen sie ebenfalls nicht selten in bedeutender Anzahl und richten dann großen Schaden an; denn sie nehmen bloß die reifen und süßen Früchte: die anderen überlassen sie den übrigen Fruchtfressern. Zuweilen unternehmen sie weitere Wanderungen und fliegen dabei von einer Insel auf die andere, manchmal über ziemlich breite Meeresarme weg. Die Früchte saugen sie mehr aus, als sie dieselben fressen; den Faserstoff speien sie aus. Süße und duftige Früchte werden anderen entschieden vorgezogen, und deshalb bilden Bananen, Feigen und dergleichen, ebenso auch wohlschmeckende Beeren, zumal Trauben, ihre Lieblingsnahrung. Wenn sie einmal in einem Fruchtgarten eingefallen sind, fressen sie die ganze Nacht hindurch und verursachen dabei ein Geräusch, daß man sie schon aus weiter Entfernung vernehmen kann. Durch Schüsse und dergleichen lassen sie sich nicht vertreiben; denn so geschreckt fliegen sie höchstens von einem Baume auf den anderen und setzen dort ihre Mahlzeit fort.

Schädel und Geripp des Kalong. (Aus dem Berliner anatomischen Museum.)

Bei Tage sind sie sehr furchtsam und ergreifen die Flucht, sobald sie etwas Verdächtiges bemerken. Ein Raubvogel bringt sie in Aufregung, ein heftiger Donnerschlag geradezu in Verzweiflung. Sie stürzen ohne weiteres von oben zur Erde herab, rennen hier im tollsten Eifer aus einander, klettern an allen erhabenen Gegenständen, selbst an Pferden und Menschen, gewandt in die Höhe, ohne sich beirren zu lassen, hängen sich fest, breiten die Flügel, thun einige Schläge und fliegen dahin, um sich ein anderweitiges Versteck zu suchen. Ihr Flug ist rasch und lebhaft, aber nicht eben hoch; doch treibt sie ihre Furchtsamkeit bei Tage ausnahmsweise in eine Höhe von über hundert Meter empor. Sie können nur von erhabenen Gegenständen, nicht aber von der Erde abfliegen, sind jedoch ganz geschickt auf dieser und laufen wie die Ratten umher, klettern auch vorzüglich an Baumstämmen und Aesten bis in die höchsten Wipfel hinauf. Sie schreien viel, auch wenn sie ruhig an Bäumen hängen, und zwar eigenthümlich knarrend und kreischend, lassen zuweilen auch ein Zischen vernehmen wie Gänse.

Das Weibchen bringt einmal im Jahre ein oder zwei Junge zur Welt, welche sich an der Brust festhalten und von der Mutter längere Zeit umhergetragen, sehr geliebt und sorgfältig rein gehalten werden.

In der Gefangenschaft werden sie nach geraumer Zeit zahm, gewöhnen sich auch einigermaßen an die Personen, welche sie pflegen, zeigen sogar eine gewisse Anhänglichkeit an solche. Sie nehmen ihnen bald das Futter aus der Hand und versuchen weder zu beißen noch zu kratzen. Anders ist es, wenn man sie flügellahm geschossen hat oder sie plötzlich fängt: dann wehren sie sich heftig und beißen ziemlich derb. Man nährt sie in der Gefangenschaft mit gekochtem Reis, allerlei frischen oder getrockneten Früchten, dem Marke des Zuckerrohrs und dergleichen; auch fressen sie dann und wann Kerbthiere. Wenn man ihnen Speisen und Getränke in der hohlen Hand vorhält, gewöhnt man sie bald daran, diese wie ein Hund zu belecken. Bei Tage sind sie ruhig, obgleich sie zum Fressen sich herbeilassen; abends aber geht ihr Leben an.

Der Nutzen, welchen diese Flatterthiere bringen, kann den von ihnen verursachten Schaden nicht aufheben; doch kommt der letztere in ihrer fruchtreichen Heimat nicht eben sehr in Betracht. Ihr Nutzen ist freilich auch gering. Sie werden gegessen, und man behauptet, daß das Fleisch, trotz seines unangenehmen Bisamgeruches, wohlschmeckend und dem Kaninchen- oder Feldhühnerfleische ähnlich sein soll. Namentlich junge Thiere, welche erst ein Alter von fünf Monaten erreicht haben, werden gerühmt. Selbst ihren Pelz soll man verwenden können.

Es ist anziehend und unterhaltend, die Ansichten verschiedener Völker über diese Thiere kennen zu lernen. Schon Herodot spricht von großen Fledermäusen in Arabien, welche auf der in Sümpfen wachsenden Pflanze Casia sich aufhälten, sehr stark sind und fürchterlich schwirren. Die Leute, welche die Casia sammeln, bedecken ihren ganzen Leib und das Gesicht bis auf die Augen mit Leder, um sie hierdurch von ihren Gesichtern abzuhalten, und können dann erst Ernte halten, »wiewohl Plinius sagt«, fügt der alte Geßner hinzu, »daß diß falsch, vnd allein vmb Gewinns willen erdacht sei«. Strabo erzählt, daß es in Mesopotamien, in der Nähe des Euphrat, eine ungeheuere Menge Fledermäuse gäbe, welche viel größer wären als an anderen Orten, gefangen und gegessen würden. Der Schwede Köping erwähnt zuerst, daß die Flatterhunde des Nachts in ganzen Herden hervorkämen, sehr viel Palmensaft tränken, davon berauscht würden und dann wie todt auf den Boden fielen. Er selbst habe einen solchen gefangen und an die Wand genagelt; das Thier aber habe die Nägel benagt und sie so rund gemacht, als wenn man sie befeilt hätte. Jeder unkundige Europäer, namentlich die weibliche Hälfte der Menschheit, erblickt in den Flederhunden entsetzliche Vampire und fürchtet sich fast vor den Ungeheuern. Die Hindus dagegen sehen in ihnen heilige Wesen. Als sich Hügel bei Nurpur befand und abends durch die Straßen ging, sah er über sich ein Thier fliegen, schoß mit seiner Doppelflinte nach ihm und erlegte eine Fledermaus von der Größe eines Marders. Augenblicklich rotteten sich die Leute zusammen, erhoben furchtbares Geschrei und wüthendes Geheul und hielten ihm das gellende, kreischende Thier vor. Er sicherte sich dadurch, daß er sich mit dem Rücken an die Wand lehnte und die Flinte vorstreckte, konnte aber den Aufruhr nur durch eine Unwahrheit beschwichtigen, indem er sagte, er habe das Thier für eine Eule gehalten.

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