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Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band

Alfred Brehm: Brehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band - Kapitel 36
Quellenangabe
authorAlfred Brehm
titleBrehms Thierleben. Erste Abtheilung - Säugethiere. Erster Band
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
year1876
illustratorGustav Mützel,Ludwig Beckmann, C. F. Deiker, Robert Kretschmer
firstpub1876
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180726
projectidec1ecb11
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Halbmakis ( Hapalemur)

Halbmaki ( Hapalemur griseus).

Die Halbmakis ( Hapalemur ) unterscheiden sich von den bisher genannten durch ihren schlanken, marderartigen Leib mit ziemlich kurzen, unter sich nicht wesentlich verschiedenen Gliedmaßen und fast leibeslangem Schwanze. Der Kopf ist rund und spitzschnäuzig, hat kleine Augen und breite, aber sehr kurze, fast ganz im Pelze versteckte, innen und außen dicht behaarte Ohren. Hände und Füße haben schlanke Finger und Zehen, kurze Daumen und mäßig lange Daumenzehen. Das Gebiß besteht wie bei den Makis aus 36 Zähnen und zeichnet sich besonders dadurch aus, daß die beiden oberen inneren Schneidezähne vor den äußeren stehen.

Der wollige Pelz der einzigen bis jetzt bekannten Art der Sippe ( Hapalemur griseus, Lemur griseus, Hapalemur olivaccus) hat olivenbräunliche Färbung, welche bei einzelnen Stücken ins Gilbliche, bei anderen ins Rothe übergeht und an den Kopfseiten gewöhnlich am lebhaftesten zu sein pflegt; die Unterseite ist grauer als die Oberseite, der Bauch rostfahl, der Schwanz fahlgrau, der Augenstern braun. Hand- und Fußrücken sind bis zu den Nägeln herab mit spärlichen Haaren bekleidet. Die Länge beträgt 60 bis 65 Centim., wovon 35 aus den Schwanz fallen.

Der Halbmaki, von den Malgaschen des Nordwestens der Insel Bokombul genannt, bewohnt vorzugsweise Bambuswaldungen. In solchen fand ihn Pollen einige Tagereisen von der Küste an den Ufern des Ambassuanaflusses. »Die Eingeborenen«, so berichtet er, »hatten mir so oft von dem Thiere erzählt, daß ich es mir nicht versagen konnte, jene Waldungen zu besuchen, um es selbst zu beobachten. Als ich meine Absicht den Führern kund gab, machten sie tausend Schwierigkeiten, behaupteten, daß es für einen Weißen gefährlich wäre, in den Bambuswaldungen zu jagen, welche seine Kleider bei jedem Schritte zerrissen und seine Glieder verwundeten, daß die Aufenthaltsorte der Thiere zu entfernt seien, ich unterwegs krank werden könne ect ., und es gelang mir erst, nachdem ich verschiedene kleine Geschenke gespendet hatte, sie zu überreden. Nach einem sehr beschwerlichen Wege von mehreren Stunden kamen wir zu einem dichten Bambuswalde, in welchem es mir glückte, mehrere dieser Thiere zu erlegen. Die Jagd ist aber in der That außerordentlich schwierig. Man ist genöthigt, der Länge nach auf dem Boden fortzukriechen und wird von den schneidigen Bambusblättern ununterbrochen verwundet.

Während des Tages schläft der Bokombul auf den höchsten Bambusstengeln mit gekrümmtem Rücken, den Kopf zwischen den Schenkeln verborgen und den Schwanz über den Rücken gelegt. Obgleich er eine vollkommen nächtliche Lebensweise führt, nimmt er doch bei Tage seine Feinde wahr und es gelingt ihm sehr oft, dem Jäger zu entkommen. Seine Nahrung besteht in Bambusblättern; wenigstens fand ich seinen Magen mit diesem Stoffe vollgefüllt. Während des Tages faul und träge, entfaltete er des Nachts eine unglaubliche Thätigkeit und Behendigkeit. Seine Stimme besteht in einem schwachen, an das des Schweines erinnernden aber viel weniger lauten Grunzen. Wie es scheint, bringt er seine Jungen im Monate December oder Januar zur Welt. Ich habe eines dieser Thiere mehrere Monate in Gefangenschaft gehalten, mit Bananen, Mangos und gekochtem Reis ernährt, dabei aber gefunden, daß er den letzteren bloß bei dem größten Hunger annahm. Mein Gefangener hatte die üble Angewohnheit, sich seinen Schwanz zu benagen, wie dies gefangene Affen zuweilen zu thun pflegen. Wenn man ihm den Finger zeigte, gerieth er in Wuth, zeigte seine Zähne und ließ ein oft wiederholtes Grunzen vernehmen.«

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