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Brautfahrten

Charles Sealsfield: Brautfahrten - Kapitel 7
Quellenangabe
authorCharles Sealsfield
titleBrautfahrten
publisherGeorg Müller
yearo.J.
editorHeinrich Conrad
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180712
projectid9f98f819
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VI.
Nicht sehr interessant, aber ganz natürlich.

Der gute Kreole hatte christlich an mir gehandelt. Als wir vor dem Hause des Friedensrichters anhielten, und ich ihm – er war bereits im Schlafrocke – die Ursachen meines Ansuchens um Verhaftung Mister Bleaks eines weitern auseinandersetzte, kam mir der gute Mann mit dem naiven Geständnisse entgegen: »Wußte alles, lieber Mister Howard, sonnenklar; sah jeden Ballen, um den er Sie bestahl oder bestehlen wollte.«

»Aber ums Himmels willen, Mann!« fuhr ich heraus, »warum ließen Sie dieses so angehen?«

»Weil es mich nichts anging, Lieber!« versetzte er mir trocken.

»Hätten Sie wenigstens meinen Anwalt benachrichtigt.«

»Ging mich nichts an«, war wieder die Antwort; doch plötzlich seine Augen starr auf mich richtend, fing er ziemlich derb an, mir eine Art Strafpredigt zu halten, auf die ich nichts weniger als gefaßt war. »Ei, ei!« begann er, die Schlafhaube aufs linke Ohr setzend, »da kommt ihr jungen Herren mit eurem Dutzend Blackies aus dem Norden, werft dem County ein paar tausend Dollars zu, glaubt dafür gemächlich den Absentee-Gentleman spielen zu können, und uns recht sehr zu beehren, wenn ihr uns die Mühe überlasset, euch die Dollars und Banknoten zusammenzuscharren und nachzuschicken, daß ihr sie oben oder gar außer Landes verzehren möget. Mir tut's beinahe leid, Mister Howard, daß Sie nicht sechs Monate später kamen.«

»Und so dem Wichte Zeit ließ, sich mit der Beute davon zu machen?«

»Er hat wenigstens gearbeitet, und hat Weib und Kind, und ist dem County und dem Lande nützlich geworden.«

»Ei der Teufel!« fuhr ich dazwischen. »Nun wirklich, für einen Friedensrichter haben Sie einen sonderbaren Kodex.«

»Der weder von Boni Boni: Bonaparte., noch von Livingston, aber echt patriotisch ist«, versetzte der Mann ernst, auf die Stirne deutend.

Ich sah ihn mit aufgerissenen Augen an; aber er mich auch. So unrecht hat er im Grunde nicht. Worin bestünde auch der Unterschied zwischen einem Louisianer oder Virginier und einem irischen oder englischen Aristokraten? Bei uns ist jedoch noch nicht viel Gefahr vorhanden. Echt vornehme Reiseunternehmungen gedeihen nun einmal nicht; mir wenigstens hätte mein Versuch bei einem Haare dreitausend Dollars gekostet. So wie die Sachen standen, waren sie jedoch gerettet: die Gelder noch in den Händen der Messieurs G–s, die wahrscheinlich in diesem Punkte wie Squire Turnips Turnips: Rüben. Squire Turnips gleichbedeutend dem deutschen »Pfarrer Nolte«. dachten. Ich übergab dem Manne die nötigen Vollmachten und Papiere, wünschte ihm eine gute Nacht, und wir schüttelten einander herzlich die Hände. Der Morgen graute bereits herauf, als wir das Dampfschiff zum zweitenmal verließen, um eine Karosse zu besteigen, die zwar schrecklich aus der Mode war, uns aber rasch fortbrachte. Eben hatte ich mich wieder dem lieblichen Morpheus in die Arme geworfen, als eine sanfte Stimme nicht zehn Schritte von uns rief: » Les voici!« Ich blickte auf, rieb mir die Augen – es war Luise, die jüngere Tochter des Kreolen, die vor der Veranda stand und uns willkommen hieß.

Welche von unsern lieben nordischen Evatöchtern würde wohl dahin zu bringen gewesen sein, des Papas willen um sechs Uhr ihr jungfräuliches Lager zu verlassen, und für uns schwarzen Kaffee bereit zu halten, damit die bösen Ausdünstungen nicht unsern Appetit verdürben? Monsieur Menou schien jedoch in der hingebenden Aufopferung seines Töchterleins gar nichts Außerordentliches zu finden, und zögerte nicht, Erkundigungen einzuziehen, ob die Leute bereits ihr Frühstück im Leibe und den Pflug und das Grabscheit in der Hand hätten. Auch über diesen Punkt wußte Luise Auskunft. Zugleich erwies es sich, daß sie sich in den vierundzwanzig Stunden ihres Daheimseins ziemlich tief in die Verhältnisse ihrer schwarzen Liege-Subjekte einstudiert habe. Tom hat sich nämlich einen Splitter in den Fuß gerannt, Pompey hatte Augenweh, er schielte stark nach Sarah, und Courgy hatte eine neue Eroberung am Cato eines Nachbarn gemacht; – alles Dinge, die zwar für Menou und Luise sehr interessant sein mochten, mich aber sanft zum Gähnen brachten. So sah ich mich denn unterdessen im Speisesaal um, dessen Ameublement mir einen Vorgeschmack der hier existierenden Zivilisierung geben sollte. Die Matten waren das Neueste, und sehr elegant; aber das sideboard Sideboard: Schenke, Buffet, Credenz. war schrecklich aus der Mode; Tisch, Sesseln und Sofa französisch statt amerikanisch. An den Wänden hingen ein paar Kupferstiche; nicht die Schlacht von Neuorleans oder die glänzenden Siege Perrys und Bainbridges über die Briten auf den Champlain- und Erie-Seen; nein, ein paar Kuriositäten aus Louis-Quinze- und - Seize-Zeiten. Überhaupt hatte das Ganze einen ziemlich starken oder vielmehr matten Beigeschmack vom ci-devant-Franzosentum, nicht dem republikanischen oder kaiserlichen oder restauriert-jesuitischen, nein, dem verlorenen, verdorbenen, alt-royalistischen.

Ja, die wahre komfortable Art, zu leben und zu sein, findet man nur beim echten Amerikaner oder Engländer, vorausgesetzt er habe Batzen; der Überrest ist noch im Barbarentum versunken; Prunk und Flitter im Schauzimmer und Schmutz und Fäulnis im Schlafgemach und auf dem Leibe. Es ist eine arge Sache um unsern Stolz und Übermut und unser ewiges Kritisieren; aber wir können es nun einmal nicht lassen. Wir schauen so geradezu und tief; der gute Papst ist uns bloß ein alter Mann, und ein König ein anderer, wenn er nicht jung ist, und Menschen und Bücher sind vor uns aufgeschlagen wie unser offenes Land, und wenn wir ja ein bißchen spöttisch unsere armen transatlantischen Brüder in Adam durchhecheln, so wissen wir wohl, daß uns von ihnen auch nichts geschenkt wird. Wenn wir so einander in die Haare gerieten, wie würden sich die alten schleimig-schwammigten Legitimaten und ihre Lakaien freuen. – Doch genug! Die stündige Relation ist vorüber, und wir erheben uns, um einen Blick auf das Äußere zu werfen. Nun, das Haus laßt einmal sehen! Es lehnt sich an einen zuckerhutähnlichen Maulwurfshügel, den einzigen, den es vier Meilen in der Runde herum geben soll. Gegen Süden, Osten und Westen ist es mit einem dichten Rahmen von Akazien- und Kottonbäumen eingefaßt; nur die Nordseite liegt offen für das Flüstern des Boreas, der bei uns ein wunderlieblicher Gast ist. Ein helles Bächlein (für Louisiana wenigstens) strömt seine Gewässer von der sanften Anhöhe in einen kleinen See, der, würde ein Yankee sagen, 180 Fuß lang, 80 breit, einen Fall von 45 Fuß hat, und so eine herrliche Gelegenheit zu Maschinenwesen darbietet, wenigstens zu einer Gerberei, ein sicheres Antidote gegen die Cholera. Wir hoffen, der Zar wird uns mit seinem Kadeau verschonen; wir sind ja seine besten Freunde, sagte die letzte Präsidentenbotschaft. Ich habe nichts gegen die Freundschaft des Zars, das ist ein feiner, artiger Mann; aber mit seinen stinkenden, loyalen Bojaren, da mag er uns in Ruhe lassen!

Doch, zu Monsieur Menous Haus zurückzukommen. Es sind eigentlich drei Bauwerke, die, zu verschiedenen Zeiten von Großvater, Vater und Sohn gebaut, nun in eines vereint sind. Die Ursache dieser Vereinigung gereicht dem Herzen des Kreolen zur Ehre: – Meine Kinder sollen sich stets erinnern, wie schwer es ihren Großeltern geworden, welche Mühseligkeiten sie zu erdulden hatten, um ihren Nachkommen bequemere Tage zu verschaffen. – »Ja, das sollen sie«, erwiderte eine Stimme hinter uns, gerade als wir vor dem Seechen standen. – » Madame Menou, j'ai l'honneur de vous présenter Monsieur Howard, notre voisin.« – » Qui rester a chez nous pendant longtemps«, frohlocken die beiden Mädchen. – Ich verbeugte mich pflichtschuldigst vor der Dame und konnte kaum eine Antwort geben, als die beiden Geschöpfe mich, jede bei einer Hand, ergriffen und mich nolens volens ins Haus und durch ein halbes Dutzend Zickzackgänge und -gängchen zogen, um mir mein Zimmer zu zeigen, wobei ich nicht wenig Gefahr lief, mir Stirne und Knochen an den mannigfaltigen Ecken und Wendungen zu zerschellen. Glücklich langten wir jedoch in einem achteckigen Gemache an, das sie mir als das wohnlichste bestimmt hatten, indem es unmittelbar über dem Wasser und so stets kühl sei. – Und wieder zogen sie mich heraus, und hinunter ging es zu Pa und Ma. Die Ma ist eine komfortable, behaglich aussehende, gute Dame, mit einem etwas flachen Gesichte, in dem jedoch ein Ausdruck von Gutmütigkeit und laisser aller vorherrschend war, bei dem man sich recht wohl, ja gleichsam zu Hause fühlt. Sie nimmt mich ganz als alten Bekannten auf, als wäre ich ihr seit Jahren erkorener Schwiegersohn; keine Komplimente, kein geschraubter Anstand; selbst ihre Gesichtszüge nehmen sich nicht einmal die Mühe, das beim Fremdenempfange gewöhnliche Feiertagskleid anzuziehen. – Doch siehe da! Was hat dies zu bedeuten? Eine Dame mit zwei Gentlemen – augenscheinlich sind es Ausländer. Die Olivenfarbe des einen verrät einen spanischen Abkömmling, der andere ist jedoch schwerer zu definieren. Sie kommen von der Veranda herab und schließen sich an uns an wie Hausgenossen. Sie werden mir aufgeführt als Signor Silveira und Signor Pablo; die Dame ist die Gattin des erstern. Eine edle Gestalt, Augen schwarz, Nase römisch, stolz und fein geformt, ein prachtvoller Mund mit herrlichen Reihen von Elfenbeinzähnen, Teint brünett und zart; – das ganze Wesen hat für eine Ausländerin wirklich etwas Anziehendes! Ich habe bisher immer unsere nordischen Mädchen für die schönsten gehalten, selbst die Britinnen nicht ausgenommen – aber diese könnte unsern ersten Prachtausgaben die Palme streitig machen. Doch softly – lieber Howard! Don Silveira, scheint es, behält seine Frau gerne für sich, und auch Luise ist ein wenig verstimmt über meine etwas zu republikanischen Blicke. Keine Gefahr! Eheliche Galanterien sind mir verhaßt. Freiheit und Eigentum! ist unser Wahlspruch, und Eheleute sind gegenseitiges Eigentum. Ich halte mich zur Bouteille, die mir vom Dejeunertische herüberblinkt, an dem wir uns, dem Himmel sei Dank, niederlassen, denn es wird mir ganz kurios zumute – squeamish, wie wir in Virginien zu sagen pflegen. Unsere Gäste jedoch sind ernst und solenn, essen wenig, und die steaks sind doch so vortrefflich, und die jungen quails Quails: Wachteln. unvergleichlich, und der Chambertin so wahrhaft napoleonisch! Wohl, was den letztern betrifft, so habe ich gar nichts dagegen einzuwenden; bleibt ja uns desto mehr übrig.

»Wer sind diese Messieurs mit der Dame?« fragte ich meinen Wirt, als sie von der Tafel sich erhoben und den Saal verlassen hatten.

»Mexikaner«, antwortete Menou; »aber wer sie sind, könnte ich Ihnen unmöglich sagen.«

»Wie, Sie kennen sie nicht?« fragte ich.

»Ich kenne sie wohl, sonst wären sie nicht in meinem Hause; aber selbst meine Familie«, flüsterte er mir zu, »kennt sie nicht.«

Arme Teufel! dachte ich; auch Freiheitsopfer, die ihre sieben letzten Dinge am Altar der Göttin dargebracht, und zur Belohnung von Haus und Heimat vertrieben worden sind. In diesem Mexiko sieht es noch wüste aus; Bustamente Santa Anna obenan, und unten eine Rasse, der man nichts Besseres wünschen könnte als einen echt moskowitischen genialen Treiber, so einen Peter, der sie so lange knutete, bis sie Raison lernen, meint Monsieur Menou – nicht aber ich. Ei, die Freiheit! Ja, sie ist ein göttlicher Funke, der leicht sprüht, aber nur dann fängt, wenn das erkannte Menschenrecht und der feste Wille, es aufrecht zu erhalten, in Millionen wie Stahl und Stein zusammenschlägt. Wo der Funke einzeln aufsprüht, da fängt er nicht im morschen Zunder des verjährten Despotismus; es müssen Millionen Funken sein, und dann brennen die morschen Trümmer lustig weg, und auf ihnen läßt sich allenfalls der Altar der Göttin bauen. Es wird lange währen, bis dieser miserable Sklavenhaufe sich aus dem Schlamme ganz erhebt; aber zum Teile hat er es schon getan, und aus dem Chaos bildet ja der göttliche Funke seine Wunder!

Julie und Luise hatten sich mittlerweile in das anstoßende Zimmer begeben, um die dritte oder vierte Revue über die tausend und eine Wichtigkeiten zu halten, die sie aus der Hauptstadt mitgebracht. Wer die Mama so sah, wie sie mit wahrer Herzensfreude den Vorsitz bei der Musterung führte, welche die Brüsseler Spitzen, Gros de Naples, Indiennes, Gauzes und tausend andere Dinge zu passieren hatten, konnte das Bild echt kreolischen Komforts malen. Kein Schmollen über die endlosen Items; alles war scharmant, alles hatte seine Bestimmung, und ich wundre mich nur, an welchem Teile dieser drei Leiber die Hunderte von Ellen figurieren sollen, die auf Tischen, Sesseln, Sofas und Schränken ausgebreitet und eine ganze Grafschaft von Neujersey-Schönen in Prachtausgaben umwandeln könnten. Die ganze Familie ist wahrlich ein Muster von fröhlich-harmlos glücklichen Wesen; eine gewisse ungekünstelte Natur, ein fröhlicher Mutwillen, der stets seine Grenzen kennt und nie dem Anstande zu nahe tritt; jeder und jede verrichten ihre Aufgaben in einem lachenden, fröhlich-schäkernden Tone, der aber bei alldem sowohl – wie unser stattlich steifes Wesen – zu gedeihen scheint; wenigstens ist die Ordnung im Hauswesen bewundernswert, und das Dejeuner war deliziös. Selbst Mistreß Houston, die wegen ihrer Diners und Dejeuners berühmte Mistreß Houston, könnte hier noch in die Schule gehen, – und ich bin Kenner in diesem Punkte. Ich habe mich einmal sterblich, ich glaube, es war meine neunzehnte ernstliche Liebschaft, in ein Massachusetts-Prachtexemplar verliebt, deren Lockenköpfchen, so wahr ich lebe, bereits drei Novellen entsprungen, so sentimental und phantastisch albern! Sie hätten einer Deutschen Ehre gemacht. Ich war ganz rasend in sie versessen, bis es ihrer Ma unglückseligerweise beifiel, mich zu einem diner en famille zu bitten; da ruinierten die ledernen Hammelkotelettes für zwei Tage meine Zähne und für immer meine neunzehnte Liebe. Doch, verspüren wir unsere weiteren Lobeserhebungen, bis wir mehr Salz mit den Leutchen gegessen haben. Unser Sprichwort ist: Love me a little, but love me the longer. Wir wollen die lieblichen Geschöpfe der Obhut der Ma überlassen und mit Herrn Menou seine Pflanzung besehen. Sie ist so übel nicht; au contraire, die Lage gegen den Fluß hin, die Bewässerung durch Gräben, die Kotton- und Welschkornfelder prachtvoll. Der Mann hat über dreihundert Acker in Kultur und eine jährliche Ernte von zweihundertfünfzig Ballen, – ein hübsches Einkommen! Nur drei Kinder, die Pflanzung hat viertausend Acker – die Partie wäre nicht so übel. Was würde aber die Welt dazu sagen? Der aristokratische Howard mit einer vielleicht Halfbreed-Kreolin Half-breed, half-blood , Halbblütige, wird die durch Vermischung mit den Negern oder Indianern entstandene Kaste genannt.! Er hat jedoch sechzig Neger und Negerinnen, und eine ganze Herde von Nachwuchs, und die Mädchen sind so übel nicht – Milch und Blut – besonders Luise. – Wollen sehen.

»Apropos!« fragte der Kreole, als wir so durch die Feldergassen hinstrichen; »Sie haben dreitausend Dollars bei G–gs?«

Ich nickte.

»Und achttausend bei Mister Richard?«

»Woher wissen Sie dies, lieber Monsieur Menou?«

( Per parenthesin! – Wir lieben es, den Franzosen und Ausländern, unsern Cousin John Bull ausgenommen, den Titel Monsieur zu geben. Es ist so ein Mittelding zwischen Herrn und Sklaven, während der Mister oder Master – der Meister – den freien, selbständigen Mann bezeichnet, und deshalb für uns vorbehalten wird.)

Monsieur Menou lächelte auf meine Frage. »Woher weiß ich,« sprach er, »daß Mister Howard fünfzehnhundert Meilen gereist ist, um die schöne Emilie Warren zu sehen, die von seiner Ankunft wußte und doch sich an Mister Doughby vergab?«

»Und dabei ein Gesicht schnitt wie eine wahre Iphigenie in Aulis«, brummte ich.

Der Mann nickte. »So etwas weiß man, sobald man den Haut-ton der Hauptstadt in seinen Ohren sausen gehört.«

»Siehe da! Monsieur Menou, der schlichte Monsieur Menou also auch ein Haut-ton-Mann!« sprach ich beinahe ein bißchen spöttisch, auf des Mannes ungebleichte Pantalons und Jacke und Strohhut schielend.

»Meine Frau ist eine geborene M–y, mein Großvater war Parlamentspräsident zu Toulouse«, war seine Antwort.

Ich verbeugte mich. Die indianische oder schwarze Rasse hat also zur Verjüngung des Samens nicht; wie ich argwohnte, beigetragen.

»Und wirklich, hat denn«, fuhr ich fort, »der arme Howard zum Teegespräch herhalten müssen?«

»Ja,« sprach der Mann, »und wenn ich der Mister Howard wäre, so wollte ich meinen lieben Freunden einen recht herrlichen Spaß spielen.«

»Lassen Sie doch hören.«

Der Mann schüttelte den Kopf. »Leuten Rat geben, die sich klüger dünken und auch vornehmer, das tut Menou nicht.«

Ich sah den Mann betroffen an. Er hat recht! Ein Sterlingcharakter wie er, kann für eine Weile den Hohn unsereins ertragen; aber die Geduld eines Job hatte auch ihr Ende.

Wir gingen eine Weile nebeneinander her. »Wollen Sie meinen Vorschlag hören?« fing er endlich wieder an.

»Sehr gerne.«

»Und versprechen, daß mir die Ausführung überlassen bleibt?«

Ich bedachte mich und sagte dann zu.

»So überlassen Sie mir von den elftausend Dollars, die Sie so wertlos liegen gelassen, siebentausend zu freiem Schalten und Walten.«

»Und Richard?« fiel ich ein.

»Ist besser daran wie Sie. Seien Sie großmütig, wo es hilft und erkannt wird; aber Güte wegzuwerfen und sich selbst zu schaden, ist töricht. Hier haben Sie den Empfangsschein über die Summe; ich werde Ihnen von der Verwendung Rechnung ablegen.«

Und mit diesen Worten überreichte er mir wirklich den schon fertig geschriebenen Empfangsschein. – Der Mann hat ein kleines Plänchen mit mir und greift mir ein wenig zu energisch in mein Sein und Handeln. Der Gedanke an Richard will jedoch ein bißchen schwer am Herzen liegen. Mein indolentes Wesen mit den albernen Begriffen von Generosität usw., die ich aus Wagenladungen von Romanen zusammengeschöpft, empört sich gegen die Idee, dem Freunde gerade jetzt so mitzuspielen. Doch mein Wort ward gegeben und ich sagte zu. –

Julie und Luise schienen mich kaum zu bemerken, als wir ins Haus traten. Die eine hatte mit der Küche und dem Hauswesen alle Hände voll zu tun, die andere schnitt und riß in den Ginghams und Indiennes herum, daß man es auf fünfzig Schritte krachen hörte; beim Souper jedoch ging das tolle Wesen los, das Schäkern nahm kein Ende. Es schien, als ob die Mädchen, nachdem sie die Tageslast abgeschüttelt, erst vor dem Schlafengehen zum eigentlichen Leben erwachten.

Die drei Fremdlinge mit ihrer Grandezza genierten sich nicht im mindesten. Gegen acht Uhr wurde die Ungeduld über das lange Sitzen mehr und mehr rege. Sie wisperten und wisperten, und ehe wir es uns versahen, hatten sie die Tafel verlassen und waren in den Salon geschlüpft.

Die Töne eines herrlichen Pianoforte wurden gehört.

»Wir müssen eilen,« sprach der Kreole, »sonst setzt es verdrießliche Gesichter.«

Und so gingen wir denn in den Salon.

Nun, dieser Salon ist wirklich elegant. Am prachtvollen Instrumente sitzt die fremde Dame, die einen Kotillon spielt, Julie hat sich bereits mit dem Papa arrangiert, mir fällt Luise zu, und Don Silveira hat die Ehre des Hauses.

Und so ging es denn bis zwölf. Der Ball war just im besten Gange, als Menou lächelnd vor mich hintrat.

» Voilà notre manière créole; mais c'en est assez. Das ist unsere Lebenswürze«, fuhr er fort; »alles hat seine Zeit: Plappern, Scherzen, Tändeln, Arbeiten, Beten und Tanzen. Der wahrhaft Vernünftige weiß alles so zu vereinigen, daß das erste dem letzten nicht Eintrag tut. Bloß auf diese Weise kann unser einsam häusliches Leben erträglich und glücklich werden; wir haben nie Langeweile. – Gute Nacht!«

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