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Brautfahrten

Charles Sealsfield: Brautfahrten - Kapitel 20
Quellenangabe
authorCharles Sealsfield
titleBrautfahrten
publisherGeorg Müller
yearo.J.
editorHeinrich Conrad
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180712
projectid9f98f819
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XII.
Der Sturm.

Mir schwirrte der Kopf, wie ich über den Streich nachdachte, der meinem Schwiegervater gespielt worden, und zu dem ich, obwohl unschuldig, das meinige beigetragen hatte. Sich auf solche Weise nach einer kaum sechsstündigen Bekanntschaft in eine achtbare Familie einzudrängen: wahrlich, es war zu toll!

Das Gehirn brannte mir mehr und mehr, je näher ich dem Hause kam, aus dem Menou trat, als ich die Piazzastufen hinanstieg. Er hatte vom Fenster aus mich mit Doughby debattieren gesehen und war sichtlich verstimmt.

»Wo sind Sie so lange geblieben, Mister Howard? Wir alle warten auf Sie, um eine Tour durch die Pflanzung anzutreten.«

»Dazu dürfte es nun wohl zu spät sein, es ist zehn Uhr; die Sonne steht hoch und brennt heiß.«

»Weil Sie in der Sonne standen; doch Sie sehen ja ganz verlegen, beinahe möchte ich sagen, verstört aus. Was ist's, was gibt's? Sind schlimme Nachrichten von Hause angelangt? Doch kein Unglück? Vielleicht Julie? Mein Gott! Mein liebes Kind!«

»Nichts von all dem; Julie ist wohl; aber etwas ist vorgefallen, Papa, das einen beinahe um den Verstand bringen könnte.«

In dem Augenblicke zischte der Dampf aus der Abzugsröhre einige Male wie rasend herüber, ein Mann lief über die Bretter, die sogleich vom Lande abgezogen wurden. Menou wurde bleich, wie er Doughby auf das Haus zukommen sah.

»Ich sehe schon, Mister Howard, ich muß ein Haus räumen, in dem hinter meinem Rücken um mich gespielt wird«, sprach er gekränkt.

»Da tun Sie sehr unrecht, sowie das Urteil, das Sie soeben ausgesprochen, ungerecht ist. Ich bin nicht gewohnt, mit irgend jemand ein Spiel zu treiben, am wenigsten mit einem Manne, dem ich so viel verdanke, und wüßten Sie, wie sehr es mich schmerzt –«

Doughby war mit starken Schritten herangekommen. Menou hatte sich gewandt und war in den Saal getreten.

»Muß mit ihm reden,« rief Doughby, »muß, will mit ihm reden – will wissen, wie ich stehe, was ich zu erwarten habe.«

Und so sagend, lief er die Stufen hinan, an mir vorüber, und trat in den Saal ein.

Alle riefen ihm ein »Willkommen Doughby« zu; doch alle hielten in dem Augenblick inne, denn dem Manne war der Sturm auf die Stirne geschrieben.

Ich war gleichfalls eingetreten. Eine Totenstille herrschte, die nur durch den Gesang der Neger und das Geschrei der Neugebornen im hintersten Zimmer unterbrochen wurde. Doughby stand wie angewurzelt vor der Tafel, sichtlich bemüht zu reden; er vermochte es jedoch nicht. Die plötzliche Stille, die Erwartung auf allen Gesichtern, hatten ihn stumm gemacht.

»Teurer Papa!« hob ich an. »Etwas ist vorgefallen, das Sie leicht erzürnen dürfte, aber ich bitte Sie, die Leidenschaft des Mannes zu berücksichtigen, der übrigens ein sehr achtbarer Bürger ist.«

Menou saß schweigend und sah Luise an, die seine Hand erfaßt und sie an den Mund drückte.

»Papa,« hob ich wieder an, »es ist etwas vorgefallen, das Sie erzürnen wird; da jedoch, wie gesagt, Mister Doughbys Neigung ehrenvoll, und er anerkannt von tadellosem Charakter ist –«

»Aber was geht das mich an, Mister Howard?« sprach Menou zu Luise gewendet. »Ich bezweifle keineswegs, daß Mister Doughby ein tadelloser Charakter ist; aber ich habe meine gegründeten Ursachen, kein näheres Verhältnis mit Mister Doughby zu wünschen.«

Der Ton, in dem dieses gesprochen wurde, war fest und bestimmt. Doughby wechselte die Farbe.

»Mister Menou«, hob er an. »Ich habe mir die Freiheit genommen – ich habe eine Tollheit begangen, das ist wahr, eine Tollkühnheit; aber geschehen ist's nun einmal.«

»Ich habe nichts entgegen, wenn Mister Doughby Tollheiten und Tollkühnheiten begeht, soviel er will, nur muß ich wünschen, er möge mir mit denselben vom Halse bleiben; ich wenigstens will nicht der Gegenstand seiner Tollheiten und Tollkühnheiten sein.«

»Leider sind Sie, Mister Menou, der Gegenstand derselben«, platzte Doughby in echt Kentuckier Weise heraus.

»Ich der Gegenstand Ihrer Tollkühnheiten?« sprach Menou, sich stolz erhebend. »Mister oder Major Doughby, ich weiß, daß die Herren Kentuckier sich Freiheiten herausnehmen, die wir uns nicht herauszunehmen pflegen, weil die guten Sitten sie verbieten; aber doch glaube ich nicht der Mann zu sein, mit dem sich irgendein Kentuckier Freiheiten erlauben wird.«

»Mit Ihnen, Mister Menou, habe ich mir keine Freiheiten genommen und werde es nicht; aber mit Ihrer Tochter, Demohsell Menou, die es wenigstens war; jetzt ist sie es nicht mehr – mit einem Worte, sie ist Mistreß Doughby – seit gestern halb neun Uhr mit mir vermählt, wie Sie aus dem Trauungsschein, ausgestellt vom Squire Turnip, eines weitern ersehen werden.«

Ein Schrei der Verwunderung erschallte aus aller Munde, wie Doughby Menou den Trauungsschein hinhielt; aber alle verstummten auch mit einem Male.

Wäre der Himmel eingestürzt, oder der Mississippi mit allen seinen tausend Flüssen und Dampfern und Schiffen und Booten, und Neuorleans auf dem Rücken, den Fluß brausend heraufgekommen, Menou hätte nicht mehr erstarrt sein können; sein ganzer Körper schien auf einmal wie versteinert; seine Augen waren hervorgetreten, als wollten sie aus ihren Höhlen brechen; sein Mund öffnete sich, schloß sich wieder konvulsivisch, der Schaum trat ihm auf die Lippen, die schwarzgrau wurden; seine Gesichtsfarbe war erdfahl, sein Blick starr geworden. Luise sprang entsetzt auf, schrie um Hilfe, meine Gäste umringten ihn, hielten ihn; er war auf dem Punkte, in Ohnmacht zu sinken. Auf einmal schrie er: – »Fort mit dem wilden Kentuckier, fort mit ihm! Aus den Augen mit dem Barbaren! Dem Jacksonisten – fort!« schrie er, indem er sich losriß und in die Höhe sprang und wie toll im Saale herumlief. Der Mann war wütend geworden. »Fort!« schrie er den Dienern zu, »fort, sage ich, treibt ihn fort! Nehmt Messer, Äxte, Keulen; fort treibt ihn, den Barbaren, fort!« schrie er. Er sprang zum Fenster, »fort, sage ich! – Und das Dampfschiff soll sogleich halten – Halt!« schrie er, die Jalousien wegreißend. »Halt, Kapitän! – Charles, Bangor, Tully, fort, macht das Dampfschiff halten!«

Wir standen alle erstarrt, wie vom kalten Seewasser in einem Wirbelsturme überschüttet. Charles war zum Stalle gelaufen, hatte ein Pferd herausgerissen, sich auf das ungesattelte Tier geworfen und sprengte vor unsern Augen dem Ufer zu, dem Dampfschiffe nach, das bereits um den Vorsprung des weiten Busens, den der Fluß hier bildet, zu runden begann. Das Dampfschiff holt er auf keinen Fall mehr ein. Der Alte sprang immer toller umher. »Der Elende muß es büßen!« – »Diese Schande!« fiel Luise ein! »Diese Schande unserem Hause angetan!« »Diese Schande!« schrie der Papa abermals; »der Elende, der Verworfene, der Infame! Diese Schande unserem Hause anzutun!« Und fort rannte er aus dem Hause, durch das Negerdorf, schreiend, heulend. Es war Sturm an allen Enden. Seine dreißig Neger kamen mit Äxten, Gabeln, Stöcken, die Schweine grunzten, die Welschhühner gackerten; Kinder, Männer, Weiber, alles heulte, schrie, tobte. Doughby war ganz betäubt über den Ausbruch des Ungewitters dagestanden; aber kaum hatte er die letzten Worte aus dem Munde Menous gehört, das Infam war kaum ausgesprochen, als er auch aufkrachte wie das Pulverfaß, in das ein Haufen glühender Kohlen geworfen wird. – »Was!« schrie er, aufspringend und zum Hause hinaus Menou nachtobend. – »Was sagt er? Infam sagt er? Mich, den Major Doughby, heißt er infam? Eine Schande, sagt er, habe ich über sein Haus gebracht? Eine Schande ihm angetan? Was!« brüllte er, auf Menou zuspringend wie ein Löwe auf die Gazelle.

»Was! Glaubt Mister Menou einen Neger vor sich zu haben? Glauben Sie, Sie haben einen Neger, Mister Menou? Glauben Sie dies? Einen Infamen nennen Sie mich?« Er brüllte so laut, daß ein Zug Schwäne, die soeben den Fluß heraufkamen, erschrocken längs abschwenkten. »Sie nennen mich einen Infamen?« schrie er abermals, indem er Menou beim Arm erfaßte und festhielt. »Eine Schande habe ich Ihnen angetan?« Und er faßte ihn beim zweiten, und hob ihn vor sich in die Höhe wie ein Kind von zwölf Monden. »Glauben Sie, Sie haben einen Hund und keinen Bürger vor sich? – einen Bürger, dem jedes Haus offen steht, der es mit hunderttausend Kreolen aufnimmt?«

»Um Gottes willen, er tötet Papa!« schrie Luise; »George, Merveille, er tötet den Papa!«

Ich war mit Richard gerannt, um meinen Schwiegervater aus den Händen des Tollen zu reißen – der ihn vor sich hielt, und herumsprang mit ihm, und ihn erst auf den Boden setzte, als wir beide herangelaufen kamen.

»Tue ihm nichts«, schrie Doughby. »Aber glaubt Euer Schwiegervater, er hat einen Hund vor sich? Ich bin Major Doughby von Neu-Feliciana, Bürger dieser vereinten Staaten, und er ist nichts mehr, und kein Mensch in der Welt ist mehr; kann mich mit dem Besten messen. – G–tt v–e ihn! – und er nennt mich einen Infamen!«

Doughby sprang vor Wut fußhoch; er wurde immer rasender. Menou zitterte, keines Wortes mächtig, vor Scham und Verlegenheit.

Merveille kam mit ein paar Pistolen gerannt; ich riß sie ihm aus den Händen und schleuderte sie weit weg. »Ruhe, Merveille! machen Sie das Unheil nicht noch größer.«

»Er muß büßen!« kreischte Merveille.

»Ich sage Ihnen,« schrie Doughby; »ich habe Ihre Tochter geehlicht wie ein Mann von Ehre, weil sie es wollte, – nicht gerade wollte, aber ich wollte es, und sie willigte endlich ein, und wenn sie einwilligte, wer hat etwas entgegenzureden? Sie ist achtzehn Jahre vorüber. Ich habe gebeten, sie hat eingewilligt. Aber möge ich erschossen sein, wenn ich sie soviel als berührte. Gehen Sie, teuerste Julie, sagte ich ihr, als Squire Turnip die Ehe vollzogen hatte, gehen Sie nach Hause, ich will zu Ihrem Papa, will ihm sagen, was vorgefallen; und sie ging. Squire Turnip, der junge H. waren Zeugen. Will ihn sehen, der da sagt, ich habe sie oder ihr Haus geschändet. – Will, will –«

»Mister Menou,« sprach Richard, »wenn die Sache sich so verhält, so hat Doughby sehr übereilt, unverzeihlich übereilt, toll gehandelt; aber Ihrer Familie ist keine Schande angetan worden.«

»Er hat unser Haus, unsere Familie geschändet«, sprach Menou mit leiser Stimme. »Ich kann ihm das nicht vergeben.«

»G–tt v–e mich!« schrie Doughby, »wenn ich Ihr Haus geschändet habe. Wer das sagt, hat es mit mir zu tun – Ihr Haus ist mein Haus, bei G–tt! Soll kommen, der Ihr Haus schänden will, will ihn fassen wie eine Stierschlange, und ihm das Genick abdrücken, das will ich, bei Jove! Das will ich. Ich habe Demohselle Julie, die da war Demohselle Julie, jetzt ist sie Mistreß Doughby, ich habe sie gebeten, das ist wahr, beschworen, sie möchte mir ihre Hand reichen, ich sei ein heißer Kentuckier, wolle sie aber glücklich machen; und sie in der Angst ihres Herzens, um nicht dem ausgemergelten Bearmill in die Hände zu fallen, sagt ja und der Squire auch – und wen geht das etwas an?«

»Mich, mein Herr«, sprach Merveille, der die Pistolen wieder aufgerafft und, in jeder Hand eine, auf den Mann zutrat.

»Sie geht es also an? Sie sind der Bearmill?« rief Doughby mit einem Blicke auf des Mannes Gestelle, halb verwundert, halb drollig.

»Mich geht es an«, zischte Merveille; »und so Sie ein Gentleman sind, wollen wir die Sache kurz abmachen.«

Mit diesen Worten hielt er ihm beide Pistolen hin. Ich sprang dazwischen; Doughby war mir jedoch vorgekommen.

»Sie sind also der Merbill, der mir meine Braut streitig machen will? Sie sind es?« und bereits hatte er den Schatten von einem Manne mit den drei Fingern seiner linken Hand bei seinen Rocklappen erfaßt und ihn in die Höhe gehoben, wie einen Feston Feston, richtiger Festoon: Schnur mit gedörrten Früchten. gedörrter Apfelschnitten.

»Halt, Doughby!« schrie ich; – »halt und laßt Mister Merveille – er ist mein Gast, sonst habt Ihr es mit mir zu tun. – Das geht zu weit. Wahrlich, Ihr seid ein Wilder.«

In diesem Augenblicke hob der zappelnde Merveille die Pistole und drückte sie auf Doughby los. Die Kugel streifte seinen rechten Arm. Die Damen kamen heulend herbeigerannt.

»Fort!« schrie Doughby, uns mit dem verwundeten Arme abwehrend – »fort, sage ich, laßt mich, mag seine andere Pistole auch noch abdrücken – ein bißchen Aderlaß schadet nichts, – laßt mich, teurer Howard, ein Mädchen wie Julie ist es wert, daß Blut vergossen wird. Will ihm nichts tun, dem armen Narren, nur zeigen, mit wem er es zu tun hat. Wer möchte dem armen Narren, auf den die Landkrebse ohnedem bereits ihre Scheren spitzen, etwas zuleide tun? Schießt zu, Merbill!« schrie er dem vor Galle wie eine Schlange zischenden und zappelnden Kreolen zu, während er selbst links und rechts sprang, so daß weder Richard noch ich ihm beikommen konnten.

»Ihr also, Mounshur Tonson, wollt meine Braut?« schrie er mit dem in ohnmächtiger Wut noch immer zappelnden Kreolen umherspringend und ihn so heftig schüttelnd, daß er es vergeblich versuchte, die zweite Pistole auf ihn anzuschlagen. »So schießt, da ist meine Brust. Halt, Howard, halt! Tue ihm nichts, dem Schatten von Manne. Wer wird dem lieben Gott vorgreifen! Crapaudchen, Tonsonchen! Wie lange wollt Ihr es noch treiben? Geht nach Hause, legt Euch schlafen, bestellt Euer Haus; aber laßt mich und Julie ungeschoren. Ich habe sie erobert, und will sie behalten und verteidigen gegen Euch und wen immer, bei G-tt! das will ich, gegen hunderttausend solcher Tonsons wie Ihr seid.«

»Und jetzt geht«, schrie er, ihn mit einem Male auf die Erde niedersetzend, daß dem Armen die Knie zusammenbrachen; »jetzt geht, und laßt mich nichts mehr von Euch sehen, sonst könnte es Euch schlimm ergehen.«

»Gehen Sie, Merveille, gehen Sie, lassen Sie ihn und reizen Sie ihn nicht mehr, oder es entsteht Unglück.«

»Satisfaktion, Satisfaktion will ich haben«, kreischte Merveille.

»Die haben Sie, das Blut rinnt Ihrem Gegner über die Achsel herab; wollen Sie noch mehr? Er wird sie Ihnen geben.«

Menou war wie verstarrt über diese kentuckische Exhibition gestanden, keines Wortes mächtig. Charles kam zurückgaloppiert, er hatte das Dampfschiff nicht einholen können. Meine Gäste standen betäubt, die Neger rissen die Augen und Mäuler auf; nur die einsilbigen Worte » Massa Kentucky Debil be; Massa Toffy the bery Debil! Massa Kentucky Debil be, Massa Toffy the bery Debil. Negeraussprache statt: The Kentucky Master is the devil. Master Doughby is the very Devil. Der Kentuckier ist der Teufel. Mister Doughby ist der eingefleischte Teufel. Das Spektakelstück hatte alle außer sich gebracht. Menou sah wirr um sich. – Er war, was wir bullied Bully – einschüchtern, ganz verzagt machen. nennen, total ins Bockshorn gejagt.

»Kommt und laßt Euch verbinden, und dann zum Frühstücke.«

»Bin bloß gekratzt, wollte, es wäre tiefer gegangen, hätte ich doch Julie zeigen können, daß ich mein Blut für sie gerne vergieße. Aber zu Eurem Frühstücke, nein, da gehe ich nicht; keinen Bissen eher, als bis ich weiß, woran ich bin, bis mir Euer, mein Schwiegervater die Hand gereicht, das Wort Infam zurückgenommen –«

»Papa,« bat ich, »an Ihnen ist es, haben Sie die Güte – es war ein starkes Wort.«

Der Papa wandte sich weg.

»Papa«, bat ich; »ich bitte Sie.«

»Er mag zum Frühstücke kommen«, sprach Menou abgewandt.

»Sagen Sie es ihm selbst.«

»Das kann ich nicht, das werde ich nicht.«

»Doughby«, sprach ich; »an Euch ist es, die Hand zur Versöhnung zu reichen, Ihr seid es, der Mister Menou zuerst beleidigt.«

»Das ist wahr«, sprach Doughby; »und ich will gerne um Vergebung bitten, so er nur das verdammte Infamous zurücknimmt.«

»Papa,« hob er an, »verzeihen Sie mir, ich bin ein Tollkopf, wahr ist's; aber vergeben Sie, und nehmen Sie, ich bitte, das verdammte Infamous zurück.«

»Kommen Sie zum Frühstücke«, sprach Menou.

»Nicht eher, als bis Sie mir verziehen und das Wort zurückgenommen haben. Dürfte ja meinen Mitbürgern nicht mehr vor das Angesicht treten.«

»Ich kann nicht eher zurücknehmen, als bis ich weiß –« stockte Menou.

»Verzeihen Sie ihm«, bat ich dringender; »er ist ein Tollkopf; aber das Herz sitzt ihm am rechten Flecke; ein wahrer Satan, wenn er gereizt wird; aber nicht ohne Seelenadel. Unserer Familie ist keine Schande angetan worden.«

»Verzeihen Sie ihm«, bat Miß Emilie, was mich ungemein freute; »ich bitte dringend für ihn.«

»Auch ich«, sprach Mistreß Houston, »vereinige meine Bitten mit denen Ihrer Freunde, und habe die Ehre zu versichern, daß Mister Ralph Doughby wirklich in Verhältnissen zu Miß Warren stand, die, wie Mister Menou wissen dürfte, einer sehr bedeutenden Familie angehört, maßen ihr Vater, der honorable Mister Warren, Mitglied des Kongresses, und ihr Großvater mütterlicher Seite einer der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung war; auch –«

»Und«, unterbrach Richard die detailliert zu werden sich anschickende Dame, »da Demoiselle Julie sogleich auf das Dampfschiff zurückgekehrt ist, so zeigt sich im ganzen Benehmen des Major Doughby wieder eine Delikatesse, die Ihrer Beachtung wert ist, Mister Menou.«

Menou hatte den Blick zu Boden gerichtet. Auf einmal sah er Richard starr an.

»Ah, wenn das noch wäre«, murmelte er.

»Seien Sie versichert«, fiel Mistreß Houston ein, »daß Major Doughby in jeder Beziehung gegen Ihre Tochter und Sie als Mann von Ehre gehandelt hat. Er ist seit acht Jahren mein Nachbar, und keine unserer achtbaren Familien würde ihm den Zutritt verweigern.«

»Doughby«, raunte ich dem Wildfange in die Ohren; »jetzt ist der Zeitpunkt da, Ihr habt meinen Schwiegervater auf eine unverantwortliche Weise gekränkt; mich und alle meine Gäste beleidigt; aber alles soll verziehen sein, wenn Ihr sofort geht, und Papa um Verzeihung bittet.«

»Wer hat Mister Menou, wer hat Eure Gäste beleidigt?« schrie Doughby. Ich glaubte, der Böse sei abermals in ihn gefahren; aber es war bloß der lachende Teufel. »Wollte ihn sehen!« schrie er halb jubelnd; »wollte, wollte ihn schauen, der Mister Menou, meinen allerliebsten, süßesten, holdseligsten Papa – allzeit vorausgesetzt, er nimmt das verdammte Infamous zurück – beleidigte. Wollte ihm just wie einem Oppossum eines auf den Spitzkopf geben, daß ihm das Beleidigen alle Tage seines Lebens vergehen sollte.«

»Herzliebster Papa! – Ich Sie beleidigt?« wandte er sich mit drollig einschmeichelnder Stimme und Gebärde zu Menou; »meiner Seele! Weiß kein Wort davon – wollte Sie nicht beleidigen; wollte nur mein liebes Püppchen Julie, wollte ein Weib. Habe Tausende von Mädchen gesehen, bin expreß letztes Jahr in Neuyork, Saratoga und Ballston gewesen, hat mir keine so gefallen. Julie hat mir auf den ersten Anblick gefallen, war wie versessen in sie. Wollte mir schier das Herz zerreißen, als ich hörte, der Merbill sollte sie haben. – Da griff ich zu; hatte das Glück, ihr zu gefallen. Bin ein fröhlicher Kentuckier, der kein Kind beleidigt, dem selbst die kühle Mississippiluft das Feuer nicht löschen kann, wird es aber, hoffe ich, Julie tun. Herzliebster Papa, Sie verzeihen mir doch, daß ich so mit der Türe ins Haus gefallen bin; nicht wahr, Sie verzeihen, Sie nehmen das Infamous zurück? – Herzliebster, süßester, goldenster, allerliebster Papa!«

Und so sagend, nahm er den Papa in seine Arme, und herzte und liebkoste, und bat so einschmeichelnd.

»So gehen Sie doch nur, Sie toller Mensch«, sprach Menou, halb lachend, halb ärgerlich; »Sie sind ja ein wahrer Bär, ein Wilder.«

»Ich ein Wilder sein?« schrie Doughby. – »Ich ein Wilder! Sähen Sie erst den alten Hickory oder Colonel Benson, der jetzt in Missouri ist, da würden Sie sagen, das ist ein Wilder. Bin Ihnen zahm wie eine Ente. Auf den Händen will ich Sie tragen. Aber Papachen, nicht wahr, Sie nehmen das Infamous zurück, Papachen?«

»Nun, ich nehme es zurück«, sprach Menou.

»Und verzeihen dem tollen Ralph«, bat dieser, die Hände Menous erfassend und streichelnd.

»Wollen sehen, wenn er sich gut aufführt.«

»Holla, Papa Menou verzeiht mir! Ein Hurra dem Papa Menou – Hurra! Hurra!«

Und nun machte er ein paar Rundsprünge, die unsere Damen auf allen Seiten Ausreiß nehmen machten. Dann lief er wieder auf den Papa zu, hob ihn wie ein Kind von zwei Jahren auf seinen Arm, schrie: »Papa hat mir verziehen«, tanzte ein paarmal im Kreise mit ihm herum, und dann, was ihn die Beine tragen mochten, den lieben Papa noch immer auf dem Arme – unter dem lauten, fröhlichen Gelächter aller – dem Hause zu, die Piazza hinan, in den Saal hinein, wo er ihn sanft auf einem Sessel niederließ.

Es war so etwas fröhlich-wildes, natürliches in dem Manne, daß man ihm wirklich, so böse man auch anfangs war, zuletzt nicht gram sein konnte. Als wir nachkamen, hatte er Menous Hand in einer seiner gewaltigen Tatzen, mit der andern streichelte er die Stirne, Schläfe und Wangen des von Blut und Schweiß triefenden Papa.

»Aber Doughby! Ihr besudelt ja Papa, uns alle, mit Eurem Blute.«

»Meiner Seele, wahr ist's! Ist aber gutes Blut, ehrliches Blut«, sprach Doughby, der aufsprang, zum Spiegel rannte, und die Wunde ansah. – »Bloßes Gekratze, ging keinen Viertelzoll in das Fleisch; aber auf alle Fälle muß ich Euch bitten, mir jetzt ein Zimmerchen anzuweisen, um die Kleider zu wechseln.«

»Kommen Sie, Major Doughby,« sprach nun Menou viel freundlicher, »Ihre Wunde muß verbunden werden – kommen Sie, ich will dies tun.«

»Danke schönstens, Papa, danke; kommen Sie, Papa; von Ihrer Hand nehme ich alles an. – Sie heilen die Schmerzen – Leibes- und Seelenschmerzen. Kommen Sie.«

Das Blut schien Menou plötzlich weich für den Wildfang gestimmt zu haben. Beinahe ängstlich nahm er ihn bei der Hand, führte ihn aus dem Saale in sein eigenes Zimmer, rief Charles und die alte Sibylle und begann die Wunde zu verbinden.

Wir saßen höchlich vergnügt über den guten Ausgang, den der horrible Sturm zu nehmen begann.

Auf einmal öffnete sich die Türe, und Doughby schrie im Schlafrocke meines Schwiegervaters heraus: »Hollaho! Einen katholischen Pfarrer! – Einen katholischen Pfarrer, – tausend Dollars für einen katholischen Pfarrer! Holla, Neger, holt einen katholischen Pfarrer!« rief er zur Salontüre springend. – »Hört ihr, Neger, da habt ihr etwas, einen steifen Grog zu trinken.«

» Hod bleß Massa! Bleß Massa Debil! Kentucky Massa!« schrien meine Neger, die bereits sich um die von ihm ausgeworfene Silbermünze zu balgen anfingen.

»So halten Sie doch ums Himmels willen das Maul«, bat Menou. »Sie werden sich ein Wundfieber auf den Hals ziehen, und wir haben eine Wöchnerin mit Zwillingen im Hause.«

»Ein Wundfieber, Papa, von einer solchen Kleinigkeit, die jetzt noch dazu verbunden ist? Hatte andere Hiebe erhalten, einmal von einem Tomahawk, der gerade auf dieselbe Stelle einhieb; habe ihn aber gesalzen, den Indianer. – Papa, wie ist's aber nun mit dem katholischen Pfarrer?«

»Nun, der wird auch kommen, – nur halten Sie das Maul, und gönnen Sie sich und unserer Wöchnerin Ruhe.«

»Soll leben die Wöchnerin und ihre Zwillinge! – Alles soll leben! – Gebt ihr da die Banknote, Howard. Gebt sie ihr, gebt sie ihr. Alles soll heute leben! Papa Menou hat mir verziehen. Bin Ihnen die beste Seele, wenn alles nach meinem Kopfe geht. Will sie auf den Händen tragen, die gute Julie, alle sollen sie auf den Händen tragen. Will ihm just den Kopf wegschnappen, wie einer snapping turtle, wer ihr ein schiefes Gesicht zeigt. Möge ich erschossen werden! So ich sie nicht auf den Händen trage, bei Jingo! das will ich. Jubelt, frohlockt! Papa Menou hat mir verziehen.«

»Doughby, hört Ihr nicht, wir haben eine schwarze Wöchnerin mit Zwillingen, Ihr sollt das Maul halten!«

»Will's ja, will's ja – will es gerne halten. – Holla, Howard! Lieber Howard, nur ein Glas, ein einziges Glas, aber laßt es nicht gar zu klein sein, mit Toddy, um Gottes willen! Ich verschmachte schier, die Kehle brennt mir, ist mir so trocken, wie unsere Prairies nach einem Waldbrande.«

»Gott behüte!« rief Menou. – »Sibylle bringt die Tisane, von der ich gesagt.«

»Was ist das, Tisane?« fragte Doughby mit drolliger Miene.

»Eine Schale Kaffee wird besser tun, Doughby. Phöbe, eine Schale Kaffee!«

»Vielleicht wäre die Tisane doch besser, ist vielleicht eine Dosis Rum dabei oder Monongehala? Ist's nicht so, Papa?« meinte Doughby.

Der Papa lachte zum Zerbersten und wir gleichfalls.

»Habe Euch auf Ehre seit gestern mittag nichts gegessen und getrunken; ich glaube nicht zwei Gläser kamen mir über die Lippen. Bin wirklich hungrig und durstig.«

Und so sagend, begann er nachzuholen und wir uns vom Sturme zu erholen, der über uns hingefahren war, nicht unähnlich den Orkanen, die über unser Mississippital herabbrausen, und alles zerstörend mit sich fortreißen. –

Zwei Stunden darauf war alles in Ordnung. Papa Menou hatte Doughby verziehen und seine Einwilligung zum Ehebündnis förmlich gegeben. Übermorgen soll es durch den ehrwürdigen Priester Hilaire nach den Gebräuchen der katholischen Kirche vollzogen werden. Luise hat der Schwester in Kürze geschrieben und ihr den glücklichen Ausgang des Ungewitters gemeldet. Charles, Richard und ich sind auf einer Tour durch die Pflanzung. Doughby hütet das Sofa auf den ernstlichen Befehl Menous, der ihn schnell liebzugewinnen scheint. Er parliert abwechselnd mit ihm und Vergennes französisch, und Menou möchte oft platzen vor Lachen. Merveille ist durch Menou und Vergennes ganz von seinen Mordgedanken zurückgebracht. Morgen wollen wir alle hinauf auf die Pflanzung Menous, um das Drama zu beschließen.

Als ich mit Luise innerhalb der Moschetto-Vorhänge die Vorfälle des Tages kursorisch durchging, fiel mir ihre Bemerkung auf, daß wir wohl morgen nicht zum Vermählungsfeste Doughbys mitgehen könnten, da unsere Haushaltung nun in jeder Hinsicht um das Doppelte vermehrt, wir auch unsere neuen Neger so schnell als möglich kennen lernen müßten. Aber, meinte ich, Bruder Charles würde ja gewiß noch die Güte haben, diese paar Tage der Pflanzung vorzustehen. Charles habe ihr aber in die Ohren gewispert, meinte sie, daß er sehr gerne mit hinauf ginge, er wolle wieder kommen, nur diesmal möchte er gerne mitgehen.

»Und warum sollte er nicht, er hat mir des Gefälligen so viel erwiesen, daß es unbescheiden wäre, seine Güte noch länger in Anspruch zu nehmen.«

»Es ist noch etwas anderes dahinter«, meinte Luise lachend. »Hast du nichts bemerkt?«

»Nichts«, war meine Antwort.

»Wie ihr Männer doch so blind seid. Sieh ihn morgen genauer an.«

»Was ist es?«

»Auch seine Stunde ist gekommen.«

»Wie? Miß Warren?«

Luise lachte.

Das ist ja doch wirklich außerordentlich. Schlag auf Schlag. Alles fängt wie Zunder. Ist aber auch kein Wunder bei unserm sybaritischen Leben! Die Säfte gären wie frisch gekelterter Wein, dazu die patriarchalische Einsamkeit, die Entfernung von allen abstumpfenden Einwirkungen der verdorbenen Außenwelt – wie sollte die Erscheinung eines solchen Prachtexemplars wie Emilie nicht auch elektrisch wirken?

»Also glaubst du wirklich, Emilie, wie nennst du sie? Wäre sie nur nicht gar so steif.«

»Diese Steifheit gibt sich, sowie sie auf den rechten Mann trifft. Emilie ist wirklich ein prächtiges Mädchen – freilich keine Luise.«

»Stille, Schmeichler.«

*

Und es war richtig, ganz wie Luise bemerkt hatte. Charles ist heute so sorgfältig herausgeputzt, wie ich ihn noch nie gesehen. Man hätte ihn statt Doughby für den Bräutigam nehmen können. Dieser muß noch im Schlafrocke umherwandeln; morgen jedoch erlaubt ihm Menou, sich in seine Majorsuniform zu werfen; doch Charles und Emilie, es ist eine Freude, die beiden Leutchen zu beobachten, nur schade, daß ich die Zeit dazu nicht habe. Er ist bald furchtsam, bald wieder keck wie ein Franzose. Und die Miß, sie beginnt wieder zu schweben, ihr Gang wird wieder halb tanzend, wogend, in den Hüften wiegend; ihr Blick zuversichtlicher, verklärende Hoffnung rötet das holde Gesicht. Ei, die Yankeein ist klug. Sie weiß, daß der alte Menou eine Million Dollars wiegt. Dem Himmel sei Dank, daß die Katastrophe nicht eher ausbrach, sonst gnade Gott meiner Pflanzung; aber diese ist wirklich in bewundernswerter Ordnung, selbst die Tagwerke – die Pensums, wie wir sie nennen, sind für die sämtlichen Schwarzen bis zum Anfang des künftigen Monats, wo die Kottonernte beginnen soll, eingeteilt; jeder hat eine seinen Kräften angemessene Aufgabe; bloß zweimal, ersehe ich aus den Büchern, hat er strafen lassen, und zwar ein Mädchen und einen Burschen, der ein Pferd bei einem nächtlichen Ausfluge, während er die Wache hatte, schier totgeritten. Doughby weiß von einem Aufseher, der soeben von Tennessee herabgekommen und ein prächtiger junger Mensch sein soll. Das Negerfest und die Austeilung der Geschenke, raten Menou und alle, zu verschieben. Dieser Verschub soll gewissermaßen als gelindes Zwangsmittel mit beitragen, meine neuen Untertanen an die Hausordnung zu gewöhnen. Die Furcht, bei der Austeilung der Geschenke leer auszugehen, wirkt auf alle Fälle heilsamer als zehn Peitschen. Ich glaube, sie haben recht, um so mehr, da ich den Aufseher vor acht Tagen nicht erwarten kann und das Dareinschlagen hasse.

*

Gott sei Dank! Sie sind endlich abgereist. Mir ist ordentlich wohl, das Herz ist mir leichter. – Des Getriebes und Getümmels war auch gar zu viel. Um vier Uhr betraten sie das Verdeck, und mit ihnen die dreißig Neger, die Papa herabkommen lassen, um schneller Haus und Pflanzung in Ordnung zu bringen. Die zwei Kanonen sind gleichfalls abgegangen; ich stellte es Luise frei, mitzugehen; aber mein Weibchen legte mir das Köpfchen an die Brust und meinte, es gezieme sich nicht, so allein in der Welt herumzuvagieren, und sie hofft, das gute Exempel, das sie statuiere, werde in mir nicht verloren gehen. Das soll es nicht, teure Luise! Merveille bleibt bei uns, und Vergennes will kommen, sobald die Vermählung seines neuen Busenfreundes Ralph vollzogen ist. Wollte, er ginge und Vergennes bliebe. Ich kann den Roué nicht leiden, sein bloßer Anblick erregt mir Ekel.

*

Die Verbindung ist denn vollzogen – Doughby ist ein glücklicher Ehemann und Julie ein schmachtendes, halbverschämtes Eheweibchen. Soeben sind sie in mein Haus getreten. Sie sind auf ihrer Heimreise begriffen und einen Augenblick mit meinen und ihren Freunden abgestiegen, um mir Lebewohl zu sagen. Alle sind in der besten Stimmung, gerührt, was wir sagen, bis auf die Tante Duras und den alten Merveille. Je nun, man kann es nicht allen recht machen.

Doughby fiel mir auf, er schien mir um zwanzig Jahre gesetzter und sich in seine neue Bestimmung ganz und gar zu schicken. – »Howard,« raunte er mir unter anderm in die Ohren, »mein Weib ist ein Engel, aber wißt Ihr, Herzens-Howard, dachte mir, nimmst sie so schnell als möglich aus den kreolischen Umgebungen fort, weg von den katholischen Priestern und Mamas.« – »Ich glaube, Ihr habt recht, Doughby.« – »Und nun, Howard, Freund, Bruder, Schwager, tausend Dank für alles! Ihr habt wie ein echter Virginier gehandelt – nicht zu viel, nicht zu wenig getan! Die Dinge, sowie die Menschen gehen lassen, nur hie und da nachgeholfen. Mag ich erschossen sein, wenn ich Euch das jemals vergesse! Und so Ihr je hört, daß Julie eine einzige trübe Stunde hat, daß nicht jedem ihrer Wünsche zuvorgekommen wird, so hängt mich wie einen ausgeweideten Hirschen. – Ich sende Euch den Aufseher, der aus einem soliden Hause ist, und dann kommt Ihr. Jetzt aber noch nicht, müssen uns noch zuvor einrichten.«

Menou drohte mir mit dem Finger. – »Was ist's Papa?« »Sie haben das Alterszeugnis über Julie ausgestellt – das vergesse ich Ihnen nicht«, lachte er mir zu, gerade als er an Bord ging.

»Und wie steht es mit Charles, lieber Papa?«

»Der bleibt bei seiner Schwester auf einige Wochen.«

»Und Miß Emilie?«

»Je nun, das wird sich geben, hoffentlich zu Weihnachten, wo Charles das einundzwanzigste vollendet. – Gott behüte euch, liebe Kinder!«

Wir nahmen noch von Madame de Duras, die aber, wie gesagt, nichts weniger als gut gestimmt schien, Houston, Richard, kurz, allen unsern Freunden, Abschied.

Merveille will hinauf zur Mama Menou. – Glückliche Reise! So schließt das Drama Ralph Doughbys Brautfahrt recht regelrecht mit Exeunt omnes.

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