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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 91
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
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siehe Bildunterschrift

Fliegenpilz, Amaníta muscária L.

Eine Zierde unserer Wälder ist der von Anfang des Sommers bis zum eintretenden Frost gedeihende Fliegenpilz, so genannt, weil er früher als Fliegengift gebraucht wurde. Der lebhaft scharlachrote, seltener gelblichrote Hut mit den weißen Tupfen, den Resten der Hülle, die den ganzen Pilz im Jugendzustande umgab, und der Ring am Stiel, ein Nest des das Sporenlager verhüllenden Schleiers, lassen ihn leicht erkennen und von seinen nächsten Verwandten unterscheiden. Auch an dem knollig verdickten Stielgrunde sitzen noch Reste der Jugendhülle. Der Geruch des Fliegenschwamms ist nicht unangenehm, sein Geschmack sogar recht gut. Sein Genuß wirkt nicht tötlich, wohl aber berauschend, und aus diesem Grunde hat der schöne Pilz an den Völkerstämmen Nordostsibiriens große Verehrer gefunden. Die Korjaken und Kamtschadalen sammeln ihn aufs eifrigste und trocknen ihn. Wenn sie sich den Genuß eines Rausches verschaffen wollen, so essen sie einige Stücke und spülen sie mit Wasser hinunter. Die Wirkung stellt sich erst nach einigen Stunden ein und besteht darin, daß der Esser im Traume und auch wach die angenehmsten Dinge sieht. Die wilden Renntiere, welche ebenfalls Fliegenschwämme lieben, sollen nach Aussage der Eingeborenen davon so betäubt werden, daß man sie mit Stricken binden und dann lebend fortschaffen könne. Das Fleisch, bald nach dem Schlachten gegessen, berausche einen Jeden, der davon genieße. Der Pilzrausch unterscheidet sich von den Wirkungen unserer geistigen Getränke beträchtlich und scheint mehr dem Opium- und Haschisch- (Hanf-) Rausch zu gleichen. Die an sich freilich schon sehr gemütlichen Kamtschadalen stimmt er durchaus friedlich und sanftmütig. Wie der Genuß von Cocablättern beim südamerikanischen Indianer, so erhöht der Gebrauch des Fliegenpilzes die Körperkräfte. »Bei der Heuernte,« erzählte ein Sibirier, »arbeite ich von morgens bis abends ohne Beschwerde und mit dreien um die Wette, wenn ich einen Pilz gegessen habe.« In größerer Menge genossen bewirkt er freilich wie andere Gifte schwere Erkrankungen, auch Wutanfälle und Raserei.

Stamm der Hautpilze , Hymenomycetes, Fam. der Blätterschwämme, Agaricaceae.

 

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