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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 70
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
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siehe Bildunterschrift

Weiße Lilie, Lilium cándidum L.

»Achtet auf die Lilien des Feldes, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht. Ich sage euch aber: auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit war nicht angethan wie eine von ihnen.« Dieses Wort des Evangeliums hat der weißen Lilie eine Bedeutung vor allen andern Blumen gegeben. Die Gottesmutter selbst erscheint mit ihr, als dem Symbol ihrer jungfräulichen Reinheit und Demut, geschmückt; ein Königshaus nahm sie in den Wappenschild auf, und in unseren Garten wird sie sowohl ihrer Schönheit wie ihrer Heilkraft halber vielfach gehegt. Auch bei den Völkern ihrer Heimat, der Balkanhalbinsel und Vorderasiens, stand sie in großem Ansehen. Die Hebräer schmückten ihr Heiligtum, besonders den siebenarmigen Leuchter, mit Nachbildungen der Lilie in Gold; den Griechen galt sie als die Rose der Hera, entstanden aus der Milch der Göttermutter, als sie den Herakles säugte.

Nicht minder anziehend ist die Lilie im Lichte naturgeschichtlicher Betrachtung. Ihre Zwiebel zeigt durch die kurzen, dachziegelig gelagerten Blattschuppen, daß sie kein Teil der Wurzel, sondern ein Niederblattstamm ist, aus dessen innerstem Teile, dem Wurzelkuchen, die Wurzelfasern entspringen. Aus der Mitte der schuppenartigen Niederblätter erhebt sich der Blütenstengel, umgeben von mehreren lineal-lanzettlichen Grundblättern und gekrönt von der Blütentraube. Die glockige, duftende Blume besteht aus sechs Perigonblättern, die am Grunde eine Honigrinne tragen. Sie umgeben die sechs Staubblätter, deren Antheren schaukelnd auf ihren Fäden sitzen, und den Fruchtknoten, der mit weit hervorragendem Griffel gekrönt ist. Infolge der Stellung der Narbe ist Selbstbestäubung unmöglich. Die dünnschalige Fruchtkapsel ist mit dünnen, hellbraunen, am Rande geflügelten Samen gefüllt, die durch Spalten der Samenfächer heraustreten und vom Winde verbreitet werden. Die Blüten wurden früher, vielleicht hier und da auch jetzt noch zur Gewinnung von Lilienöl und augenstärkendem Lilienwasser benutzt.

Liliengewächse, Liliaceen. Kl. VI. ausdauernd. Juni, Juli. H. 0,30 – 0,60 m.

 

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