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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 69
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Feuerlilie, Lílium bulbíferum L.

Neben der weitverbreiteten weißen Lilie aus dem Morgenlande besitzt unser Vaterland zwei einheimische Lilien, die safranfarbig blühende Feuerlilie und die Türkenbund-Lilie mit blaß-braunroten Blumen. Bei beiden sind die Perigonblätter mit dunkleren Flecken gefärbt. Die auf Gebirgswiesen von den Alpen bis zum Harz wachsende, jedoch selten vorkommende Feuerlilie treibt aus der Zwiebel einen bis 2/3 m hohen Stengel, der mit zerstreut stehenden Blättern besetzt ist und eine oder zwei aufrechte, glockenförmige Blüten trägt. Aus dem Grunde der Blütenhülle erhebt sich ein starker Griffel, dessen Narbe bedeutend über die Antheren emporragt. Diese sind mit ihren Trägern nur an einer Stelle lose verbunden und kippen zur Zeit des Ausstäubens nach außen über. Die Honigbehälter liegen als Schlitze in der Mitte der Blütenblätter, so daß ein Insekt, welches sie aufsucht, sich zwischen die Antheren und die Blütenhülle drängen und mit Staub bepudert werden müßte; und daß von diesem Staub reichlich vorhanden ist, wird jeder wissen, den man zum Scherz einmal an der Blüte hat »riechen« lassen. Trotz alledem bringt aber die Feuerlilie bei uns kaum jemals Früchte zur Reife; die Insekten, welche den Pollen von Blüte zu Blüte tragen sollten, scheinen hier nicht vorhanden zu sein, und eine Selbstbestäubung ist infolge der Stellung der Blütenteile unmöglich. Ja selbst wenn man den Pollen einer Blüte auf die eigene Narbe überträgt, findet niemals eine Fruchtbildung statt. Wie bleibt sie bei uns in wildwachsendem Zustande erhalten?

In den Achseln der Laubblätter bilden sich zwiebelartige Knospen oder Ableger aus, nach denen die Feuerlilie den Artnamen bulbiferum, die knollentragende, erhalten hat. Diese lösen sich gegen den Herbst ab, fallen jedoch nicht senkrecht zur Erde herab, wo die Mutterpflanze schon den Boden in Anspruch nimmt, sondern werden durch den Wind von dem bei jedem Lufthauch schwankenden dünnen Stengel geschoßartig fortgeschleudert. Diese Ableger schlagen an der Stelle, wo sie zu Boden gelangen, leicht Wurzel und bewahren die Feuerlilie vor dem Aussterben. Letzteres verhütet freilich auch der Mensch, indem er der prächtigen Pflanze im Garten eine Heimstätte gewährt.

Liliengewächse, Liliaceen. Kl. VI. ausdauernd. Juni, Juli. H. 0,30 – 0,60 m.

 

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