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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 47
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
projectid711848b7
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siehe Bildunterschrift

Wiesen-Wachtelweizen, Melampýrum praténse L.

Der auf Waldwiesen, in Hain und Gebüsch häufig vorkommende Wiesen-Wachtelweizen ist seiner Ernährung nach ein Saprophyt, d. h. er bezieht seine Stickstoffnahrung aus vermodernden Pflanzenstoffen vermittelst besonderer Saugorgane, von denen die Wurzel eines mittelstarken Exemplars nicht selten 60 bis 100 trägt. Die oberen Laubblätter, welche am Grunde meist pfriemlich gezähnt sind und die Deckblätter der blaß gelblichen oder weißlichen Blumen bilden, tragen bisweilen Honigdrüsen, welche vielleicht dazu dienen, die Ameisen von den Blütennektarien fernzuhalten. Gewöhnlich sieht man an Kelch und Fruchtkapseln, sowie in der ganzen Blüten- und Fruchtregion der Pflanze bräunliche Zeichnungen, die auf Ameisenbesuch hindeuten. Trotzdem findet man am Tage selten eins dieser Tierchen auf dem Wachtelweizen. Untersucht man jedoch die lockere Erde oder das Moos in der Umgebung, so findet man zahlreiche Gänge und Nester der braunen honiglüsternen Zwerge; sie scheinen also ihre Besuche zur Nachtzeit zu unternehmen. Das eigentliche Ziel derselben ist jedoch nicht der Nektar, sondern der Same des Wachtelweizens, der große Ähnlichkeit mit den Puppen oder Cocons der Tierchen, den sog. Ameiseneiern, hat und von ihnen vielleicht dafür gehalten wird. Wahrscheinlicher ist aber, daß sie die weißen Samen der fleischigen Nabelschwiele halber aussuchen. Sie schleppen oder werfen sie von der Pflanze herab, beißen die Samenschwiele ab und tragen so zur Verbreitung des Wachtelweizens bei, der bei seiner halbschmarotzenden Lebensweise gerade in der lockeren, an vermodernden organischen Resten reichen Erde der Ameisenwohnungen den günstigsten Entwickelungsboden findet.

Von den fünf bei uns vorkommenden Melampyrum-Arten haben die drei in Wäldern lebenden, zu denen unser Pflänzchen gehört, einseitwendige Ähren, deren Blüten sämtlich der beschatteten Seite ab und dem Lichte zu gewendet sind; denn nur von dieser Seite sind Insekten zu erwarten. Die beiden auf Hügeln, Wiesen und Getreidefeldern wachsenden Arten strecken ihre Blüten dagegen nach allen Seiten aus. Die vier spitz zulaufenden Antheren streuen ihren puderförmigen Pollen dem Besucher auf den behaarten Rücken, sobald er sie berührt. Bleiben die Bestäubungsinsekten aus, so wächst der Griffel in bogenförmiger Krümmung soweit, daß er unter die Antheren gelangt, der Pollen fällt auf die Narbe und es tritt Selbstbefruchtung ein.

Braunwurzgewächse, Scrofulariaceen. KI. XIV. einjährig. Juni – Aug. H. 0,15 – 0,50 m.

 

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