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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 32
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Kornblume, Centauréa Cýanus L.

Zu den Lieblingen eines guten Deutschen gehört die Kornblume, als Erinnerung an eine edle Dulderin und ihren großen Sohn vielen Herzen teuer. Die wenigsten aber von denen, die sich an den Gedenktagen mit einem blauen Sträußchen schmücken, wissen das Naturwunder zu schätzen, das die Blüten des unscheinbaren, grauhaarigen Gewächses bergen. Ein gemeinsamer Hüllkelch, aus dachziegelig gestellten, schwarzbraun gerandeten und franzenartig gezähnten Blättchen bestehend, umschließt zweierlei Blüten, große Randblüten von himmelblauer Farbe, ungefähr ein Dutzend an Zahl, und mehr als zwölf kleine, blaurote Mittelblüten. Doch nicht nur in der Größe, Form und Farbe, vor allem auch in den Bestandteilen zeigen die beiden Blütenformen einen Unterschied. Die Randblüten bestehen nur aus einem verkümmerten Kelch und der sechs- bis achtzackigen Kronenröhre. Die Mittelblüten dagegen sind vollständig mit Ausnahme des Kelches, der hier durch einen Haarkranz am oberen Rande des Fruchtknotens, den sog. Pappus, vertreten ist. Der scheibenförmige Blütenboden ist zwischen dein Fruchtknoten mit zahlreichen Spreublättchen besetzt.

Während die Randblüten nur als unfruchtbares, der Pflanze aber darum nicht minder nützliches Lockmittel, sozusagen als Reklame dienen, sorgen die Scheibenblüten in ihrer Ausstattung für den Fortbestand der Art. Auf dem Fruchtknoten erhebt sich der Griffel, umgeben von fünf Staubblättern, die am Grunde einer glockenförmigen Erweiterung der Kronenröhre festgeheftet sind. Die länglichen, lose miteinander verwachsenen Antheren laufen in lange, an der Spitze sich zusammenneigende Anhängsel aus und gleichen dadurch einem oben geschlossenen Zylinder, der den Griffel bedeckt und anfangs völlig verbirgt. Die beiden Narbenflächen liegen zu dieser Zeit noch eng aneinandergeschlossen und sind dadurch, obwohl von Pollen rings umgeben, vor Bestäubung völlig gesichert. Unterhalb der Narbe steht ein Kranz von schräg aufwärts gerichteten Haaren, die sogenannte Griffelbürste.

Infolge der Größe der Cyanenblüten ist der Bestäubungsvorgang bei ihnen ziemlich gut sichtbar. Scheinbar kann der Pollen überhaupt nicht ans Tageslicht kommen, da die Antheren ihn in das Innere der von ihnen gebildeten Röhre entlassen, und diese nach oben durch die Anhängsel, nach unten durch die Griffelbürste geschlossen ist. Bald nach dem Aufbrechen der einzelnen Röhrenblüten und dem Aufreißen der Antheren beginnt der Griffel ziemlich schnell zu wachsen und bürstet dabei mit seinem Fegeapparat allen in der Antherenröhre befindlichen Blütenstaub vor sich her. Infolge des Druckes nach oben wird der Scheitel der Röhre auseinandergesprengt, und der Pollen tritt nun in kleinen, wurmartig gekrümmten Ballen hervor; diese hüllen die nach innen geschlossene Narbe völlig ein.

Um diese Zeit wird die Kornblume von den Insekten, denen sie reichlichen Honig bietet, viel besucht und von dem Blütenstäube befreit. Zu diesen Gästen gehören vor allem die Honigbiene und ihre wilden Schwestern in Feld und Flur, die Waldhummel, die Wespe und auch Fliegen, wie die Schnepfenfliege. Auch Schmetterlinge werden durch das leuchtende Blau angezogen, besonders die durch silberfarbene γ-Zeichnung auf den Vorderflügeln gekennzeichnete Gamma-Eule. Doch ist der bis zum Glockenteil der Röhrenblüten steigende Honigsaft selbst den kurzrüsseligen Insekten zugänglich.

Geschieht ein solcher Besuch, bevor der Griffel den Blütenstaub aus der Antherenröhre hervorgebürstet hat, so bewirkt die wunderbare Reizbarkeit der Antherenträger (Staubfäden, Filamente), daß er gerade im rechten Augenblick ans Tageslicht gelangt. Sobald nämlich der Rüffel eines Insekts die Antherenträger streift, was beim Eindringen in die enge Kronenröhre unvermeidlich ist, verkürzen sich diese durch plötzliches Zusammenziehen derart, daß die auf ihnen befestigte Antherenröhre längs des starren Griffels herabgezogen wird. Hierbei quillt eine Pollenmasse aus der Röhre hervor und bepudert den Honignäscher. Sobald aller Blütenstaub sich außerhalb der Röhre befindet, verlieren die Filamente ihre nunmehr nutzlose Reizbarkeit. Der Griffel wächst solange, bis er die Blüte um mehrere Millimeter überragt; er öffnet seine Narbenflächen dem fremden, eingeschleppten Pollen erst, wenn der eigene vollständig abgetragen ist.

Vereinblütler, Compositen. Kl. XIX. einjährig und zweijährig. Juni – Herbst. H. 0,30 bis 0,60 m.

 

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