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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 31
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
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siehe Bildunterschrift

Gebräuchliche Ringelblume, Caléndula officinális L.

»Der Ringelblume Knospe schließt die goldnen Äuglein auf; mit allem, was da reizend ist, du süße Maid, steh auf!« singt der große Dichter, der aller Geheimnisse des menschlichen Herzens wie der Natur in gleichem Maße kundig war, und der sich sagte, daß junge Damen zwischen 9 und 10 Uhr morgens eigentlich schon auf den Beinen sein sollten. Denn erst um diese Zeit erwacht, wenigstens gegen Ende des Sommers, die Ringelblume, und gegen 5 Uhr nachmittags schließt sie das Blütenköpfchen schon wieder, und zwar durch Aufrichten der randständigen Zungenblüten, die in dieser Stellung das Mittelfeld mit den Röhrenblüten dachförmig decken. Wie bei den meisten Korbblütlern wird auch in der Ringelblume der Pollen der Röhrenblüten durch den in die Länge wachsenden Griffel emporgeschoben und als kleines Klümpchen auf dem Griffelende den anfliegenden Insekten dargeboten. Er wäre nun in dieser ungeschützten Lage bei jedem Regenwetter und während der Nacht der verderblichen Feuchtigkeit ausgesetzt, wenn die Zungenblüten ihn nicht in der angegebenen Weise schützten. Man kann getrost zu Hause bleiben, wenn sie ihre für die Luftfeuchtigkeit höchst empfindlichen (hygroskopischen) Blüten nicht öffnet: daher heißt sie im Volk auch die »Regenblume«. Solange das periodische Öffnen und Schließen der Blume dauert, wachsen die Zungenblüten in jeder Nacht ein Stückchen in die Länge.

Die Bezeichnung »Ringelblume« hat das stark, aber wenig angenehm duftende Kraut nach den Schließfrüchtchen erhalten, die an einer Blüte in dreifacher Form auftreten, zum Teil schwachgekrümmt, teils lang und starkgekrümmt, teils kahnförmig, breitgesäumt und fast zu einem Ringe zusammengezogen. Durch zahlreiche Mittelformen gehen diese drei Fruchtarten in einander über. Der Rücken jedes Früchtchens ist mit starren, harten Stacheln besetzt, die, obwohl sehr klein, ohne Zweifel vorzüglich geeignet sind, die Ringelfrüchte dem Pelze vorüberstreifender Vierfüßler anzuheften. – Die Ringelblume stammt aus Südeuropa. Bei uns in Gärten und auf Gräbern angepflanzt und daher auch »Totenblume« geheißen, verwildert sie gelegentlich.

Vereinblütler, Compositen. Kl. XIX. einjährig. Juni – Herbst. H. bis 0,50 m.

 

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