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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 200
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
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siehe Bildunterschrift

Renntierflechte, Cladónia rangiferína L.

Wenn wir an schönen Sommertagen durch die im Sonnenbrand glühende Heide schreiten, so knackt und kracht es oft unter unsern Füßen. Bücken wir uns, um nach der Ursache des Geräusches zu sehen, so finden wir den Boden zwischen Gras, Moos und Heidekraut mit zahllosen, weißlichgrauen, korallenförmigen Stämmchen, den hundertfach verästelten Büschen der Renntierflechte, besetzt. Sie ist in Deutschland vom Strande bis zum Hochgebirge überall anzutreffen, bildet aber im höchsten Norden gewiß die Hauptmasse der Vegetation. Sie ist dort geradezu eine Lebensbedingung für den Polarmenschen: dieser kann nicht ohne das Renntier, das Renn wiederum nicht ohne die Renntierflechte leben. Auch als Futter für Schweine und Rindvieh wird diese Flechte mit anderen ihrer Verwandtschaft benutzt. Sie ist so nahrhaft, daß 1 Centner Flechten den Wert von 3 Ctr. Kartoffeln hat. Neuerdings bereitet man aus ihr in Skandinavien Alkohol, indem man die Cellulose der Stämmchen durch Kochen mit verdünnter Schwefel- oder Salzsäure in Zucker verwandelt. – Der Herbst mit seinen Nebel- und Regentagen erweckt die ausgedörrte Welt der Flechten zu neuem Leben. Sie saugen das Wasser mit großer Schnelligkeit auf, nehmen eine frischere Farbe an, zeigen Geschmeidigkeit und Wachstum.

Der Körper der Flechten besteht in ausgebildetem Zustande aus einem als Flechtenlager oder Thallus bezeichneten Wachstumsorgan, das in drei Gestalten auftreten kann: strauchartig und nur in einem Punkte an der Unterlage haftend, wie beim Renntiermoos und der Bartflechte; laubartig gelappt und kraus ausgebreitet, aber auch nur wenig auf dem Substrate haftend wie bei der gelben Wandflechte; krustenartig mit der ganzen Unterfläche auf dem Substrat festgewachsen, wie die zahllosen Stein- und Rindenflechten. An gewissen Stellen des Thallus bilden sich kleine, meist schüsselförmige Behälter, die Apothecien, in denen sich Sporen bilden. Mittels dieser vollzieht sich die vegetative Fortpflanzung der Flechten. Sie sind jedoch für sich allein unfähig zu leben und bedürfen zum Fortkommen der Hilfe winziger einzelliger Algen, mit denen sie in enge Lebensgemeinschaft, in Symbiose, treten. Diese merkwürdige Erscheinung soll bei der Bartflechte genauer geschildert werden.

Klasse der Flechten, Lichenes; Familie der Säulenflechten, Cladoniaccae.

 

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