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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 199
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Veilchenalge, Chróolepus Jolíthus Ag.

Daß der bräunliche Überzug, den wir hier auf einem Granitstückchen vom Haupte des Brockenberges sehen, eine Pflanze ist, verrät uns nur der Veilchenduft, den er aushaucht, und der sich durch Anfeuchten des Steines beliebig oft hervorrufen läßt. Das Veilchenmoos ist eine Pflanze in ihrer einfachsten Form, eine Alge, die aus fadenförmig aneinander gereihten Zellen besteht und zu Tausenden nebeneinander filzige Überzüge auf Gneis und Granit bildet. Die Felsblöcke in der Nähe von Gebirgsbächen und Wasserfällen sind oft vollständig von diesem duftenden Filz überzogen, von den Pilzen unterscheiden sich diese Algen dadurch, daß ihre Zellen nie zu langgedehnten Hyphen auswachsen und stets mit Chlorophyll oder einem das Blattgrün ersetzenden Farbstoff versehen sind, also nicht schmarotzen, wie die Pilze, sondern selbst unorganische Stoffe assimilieren. Es giebt Algen, bei denen die ganze Pflanze aus einer einzigen gelbbraunen oder grünen Zelle besteht, wie es ja auch einzellige Pilze, die Spaltpilze, giebt, zu denen die berüchtigten Krankheitserreger der Cholera, der Blattern, der Diphtheritis, der Tuberkulose, der Pest, des Milzbrandes und anderer Seuchen gehören. Der rote Farbstoff der Veilchenalge ist wahrscheinlich ein Schutzmittel, welches die durch Assimilation gebildeten Stoffe vor zu schneller Verarbeitung oder Oxydation durch intensive Beleuchtung bewahrt. Die Farbe beruht auf der Gegenwart rotgefärbter Schleimkügelchen, neben denen aber noch grünes Chlorophyll vorhanden ist.

Bei der Veilchenalge wechseln geschlechtliche und ungeschlechtliche Generationen mit einander, wie bei den Moosen und Farnen. Es werden besondere Geschlechtszellen gebildet, deren Inhalt sich vereinigt und zu einer als Zygote bezeichneten Zelle heranwächst. Diese überwintert und entwickelt im nächsten Frühling eine Anzahl Zoosporen, die zu kleinen Pflänzchen werden und die geschlechtslose Generation einleiten. Diese pflanzt sich nun mehrere Generationen hindurch mittels vegetativ erzeugter Schwärmsporen fort, bis es wieder zur Bildung von männlichen und weiblichen Zellen und zu geschlechtlicher Fortpflanzung kommt.

Reich der Algen, Ordnung der Fadenalgen, Confervaceae ; Familie der Cladophoraceae. Ag. = Agardh.

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