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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 187
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Herbst-Zeitlose, Cólchicum autumnále L.

Welch eine Pflanze trägt im Frühling ihren Samen,
Da ihre Blüten erst hervor im Herbste kamen?
Die Zeitlos' ist hierin der Blumen Widerspiel,
Daß sie am Anfang ist, wo jene sind am Ziel,
Daß sie am Ziel ist, wo am Anfang jene stehn.

In noch höherem Maße als der Dichter es hier ausspricht, ist die Zeitlose der Blüten Widerspiel, denn nicht nur die Früchte der Herbstblüten reifen im folgenden Frühjahre, sondern die dazu gehörenden Blätter erscheinen dann erst über dem Erdboden. Auf den Wiesen Süddeutschlands sieht man im Herbst die den Crocus-Blüten ähnlichen fleischroten Blumen oft in Menge und in allen Entwickelungsstufen. Das sechsteilige Perigon umschließt drei sehr lange Griffel und zwei dreizählige Staubblattkreise. Der auswärts gewandten Stellung der Antherenspalten entspricht der Sitz der Nektarien; sie liegen als orangefarbige Gewebe dort, wo die Staubblätter mit dem Perigon verwachsen sind, und erfüllen mit ihrem Honig eine Rinne des Perigonblattes. Es blühen langgriffelige, mittel- und kurzgriffelige Blüten durcheinander, was die Fremdbestäubung sichert. Erst nach Ablauf einer Woche tritt bei ausbleibendem Insektenbesuch Selbstbefruchtung ein. Der durch Verwachsung von drei Fruchtblättern gebildete Fruchtknoten ist zur Blütezeit noch unter der Erdoberfläche geborgen. Hier überwintert er mit den unreifen Samen. Erst im Frühlinge reckt er sich, von den lanzettlichen Laubblättern umgeben, empor und bringt im Juni seine zahlreichen Samen in häutiger Kapsel zur Reife. Die Kapsel wird von dem weidenden Vieh zertreten, und nun heften die Samen sich mittels einer ziemlich großen Fleischschwiele, die bei Befeuchtung klebrig wird, an die Hufe und Klauen der Pferde, Rinder und Schafe und werden so verbreitet.

Blätter, Zwiebeln, Früchte und Samen der Zeitlose enthalten das Colchicin, ein giftiges Alkaloid; dieses bildet für die Pflanze ein sehr wirksames Schutzmittel und hält die Wiederkäuer von dem sonst ganz wehrlosen Gewächs ab. Die zarte Röte der Blüten hat den Menschen bewogen, sie als Zierpflanze unter seine Pfleglinge aufzunehmen, nachdem ihr Gift als Heilmittel gegen Gicht und Wassersucht schon lange in Gebrauch war. Schön und abschreckend, drohend und helfend zugleich, so steht sie zwischen der Schar der übrigen Herbstblumen, ein Bild jener schönen und grausamen Zeit, in der sie aus den Tropfen des von der Kolchierin Medea gebrauten Zaubertranks entstanden sein soll.

Zeitlosengewächse, Colchicaceen. Kl. VI. ausdauernd. August – Oktober. H. 0,15 m.

 

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