Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz Bley >

Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 150
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
projectid711848b7
wgs
Schließen

Navigation:
siehe Bildunterschrift

Garten-Kölle, Saturéja horténsis L.

Das Bohnen- oder Pfefferkraut, wie die Kölle im Volksmunde heißt, stammt gleich den vorher abgebildeten (mit Ausnahme der Poleiminze) ebenfalls aus dem Süden. Da seine Verdunstungsfläche, durch Ausbildung weniger linealisch-lanzettlicher Blättchen, auf das äußerste eingeschränkt ist, so bedarf es eines Haarschutzes gegen übermäßigen Wasserverlust nicht. Infolge des Fehlens der Behaarung ist nun aber das Chlorophyll durch die grelle Sonne des Südens mit Zerstörung bedroht, und seine Vernichtung würde den Tod der Pflanze nach sich ziehen. Um diese Gefahr abzuwenden, bildet das Bohnenkraut in den Zellen der Oberhaut des Stengels und der Blätter einen violetten Farbstoff, der um so stärker auftritt, je schattenloser der Standort der Stauden ist. Bevor die Sonnenstrahlen zu den in der Mittelschicht des Blattes befindlichen Chlorophyllkörnern gelangen, werden sie in den mit violettem Saft gefüllten Oberhautzellen so abgeschwächt und verändert, daß sie dem Blattgrün nicht mehr schaden können. An schattigen Stellen bleiben die Blätter dagegen grün. Professor Kerner hat diese Schutzvorrichtung durch einen eigens zu dem Zwecke angestellten Versuch erprobt und bestätigt gefunden »Ich habe – schreibt er in seinem »Pflanzenleben« – Samen des Bohnenkrautes vor Jahren auch in meinem nahe der Kuppe des Blasers bei Trins in Tirol in der Seehöhe von 2195 m angelegten alpinen Versuchsgarten kultiviert. Bekanntlich wirken die Sonnenstrahlen in der Alpenregion noch viel kräftiger als im Thale, und es war daher wohl zu erwarten, daß sich die Blätter der aufkeimenden Pflanzen dort noch dunkler als an der schattenlosen Kulturstätte im Thale färben würden. In der That entwickelte sich auch der Farbstoff in außerordentlich großer Menge, ja die Stengel und Blätter wurden geradezu dunkel braunviolett. Es steht daher außer Frage, daß mit Zunahme der Lichtintensität auch die Menge des Farbstoffs in den direkt von der Sonne getroffenen Hautzellen zunimmt. Selbstverständlich kann dieser Schutz des Chlorophylls nur dann vorkommen, wenn die Pflanze auch das Zeug dazu hat, den blauen Farbstoff in ihren grünen Organen zu bilden.« Leinpflanzen, die das direkte Sonnenlicht in der Ebene sehr gut vertragen und keine Schutzvorrichtung dagegen besitzen, wurden unter den gelben Strahlen des Lichtes in der Alpenhöhe gelb, erlitten eine Zerstörung ihres Chlorophylls und gingen an Bleichsucht zu Grunde.

Mit den weiß- oder lilablütigen Ästen des Pfefferkrauts würzt die Hausfrau die grünen Bohnen, die vor der Blütezeit gepflückten und getrockneten Blätter dienen als Würze eingemachter Bohnen, mancher Saucen und Wurstarten. Die Kultur hat aus der einjährigen Pflanze ein überwinterndes mehrjähriges Gewächs gemacht.

Lippenblütler, Labiaten, Kl. XIV. einjährig. Juli – Oktober. H. 0,15 – 0,30 m.

 

 << Kapitel 149  Kapitel 151 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.