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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 119
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Wilde Karde, Dípsacus silvéster Huds.

Der Gattungsname der Karden- oder Wolfsdistel, Dipsacus, bedeutet »die Durstige«. Diesen Namen erhielt die an Weg- und Waldrändern wachsende Pflanze nach den kleinen, durch Verwachsung der gegenständigen Blätter entstandenen Becken, die meist mit Wasser gefüllt sind und auch als »Waschbecken der Venus« bezeichnet werden. Sie dienen in Wirklichkeit jedoch einem sehr wenig friedlichen Zweck. Im ersten Jahre blüht die Pflanze noch nicht, und die mittleren Blätter, die in der Blüteperiode die Becken bilden, bleiben unverwachsen. Doch besitzt die Karde auch in dieser Vegetationsperiode an Stengel, Blättern und Blattstielen einen ausgiebigen Stachelschutz. Erst an dem blütentragenden Schoß des zweiten Jahres verwachsen die Ränder der mittleren Blätter um den Stengel und bilden zwei bis drei, manchmal noch mehr Etagen von Wasserbecken, die sich bei Regenwetter füllen und ihren Inhalt ziemlich lange aufbewahren. In der Flüssigkeit findet man nicht selten die Leichen kleiner flügelloser Insekten, besonders der Ameisen, die auf dem Wege zum honigreichen Blütenstand beim Überklettern des glatten Beckenrandes hier einen jähen Tod gefunden haben. Möglicherweise wird ein Teil des Wassers auch von der an trockenen Orten wachsenden Pflanze als Ersatz des verdunstenden Saftes absorbiert, sodaß die Becken einen doppelten Zweck erfüllen.

Der Blütenstand der Kardengewächse, von denen wir schon die Ackerknautie kennen lernten (s. Teil I S. 61), unterscheidet sich von dem der Vereinblütler oder Korbblütler besonders dadurch, daß die vier Staubblätter nicht zur Röhre verbunden sind und jede Blüte des Körbchens noch ein besonderes Hüllchen besitzt. Die Blütenköpfe der wilden Karde sind durch eine Anzahl steifer, stacheliger Hüllblätter von unten her geschützt. Anfangs rundlich, verlängern sie sich mit dem Aufbrechen der blaßlila gefärbten Blüten walzenförmig und erleichtern dadurch ihren Besuchern, unter denen sich die Hummeln durch besonderen Eifer auszeichnen, das Erreichen der einzelnen Blumenröhren. Zwischen den Blütchen stehen lange, stachelige Deckblättchen. Diese sind bei der Weberkarde ( Dípsacus Fullónum) an der Spitze hakig zurückgekrümmt, und man hat deshalb die Fruchtstände dieser Pflanze seit alter Zeit zum Aufrauhen wollener Zeuge benutzt. Diese Kardenart wird an vielen Orten für die Tuchfabriken angebaut.

Kardengewächse, Dipsacaceen. Kl. IV. zweijährig. Juli, August. H. 1,00 – 2,00 m. Huds. = Hudson, engl. Apotheker und Botaniker des 18. Jahrhdts.

 

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