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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil - Kapitel 112
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Zweiter Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
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siehe Bildunterschrift

Gemeiner Fenchel, Foenículum vulgáre Mill.

Die Heimat des Fenchels ist Südeuropa. Doch muß er früh, wahrscheinlich schon bei den Eroberungszügen der Römer, nach Norden gelangt sein; denn ein angelsächsischer Neunkräutersegen, in dem Heiden- und Christenglaube, Wodan und Jesus, wunderlich durcheinander gemischt sind, führt ihn mit folgenden Worten an:

Kerbel und Fenchel, zwei gar mächtige,
Die Kräuter erschuf der weise Herr,
Der heilige im Himmel, als er (am Kreuze) hing.
Er setzte und sandte sie in die sieben Welten,
Den Armen und Reichen allen zur Hilfe.

Der natürliche Standort der Pflanze, trockene, steinige Abhänge und Halden, hat seinen Ausdruck in ihrer Gestalt gefunden. Die mehrfach gefiederten Blätter erinnern an das sogen. Spargellaub und sind auf dürrem Boden starrer und härter, auf feuchtem weicher und saftiger. Die geflügelten Stiele können Tau- und Regentropfen zur Wurzel leiten und auch selbst gewisse Mengen davon aufbewahren. Bei den obersten Blättern verschwindet die Spreite fast ganz. Die Dolde enthält zweierlei Blütenstände. Die zuerst aufblühenden Döldchen bestehen vorwiegend aus echten Zwitterblüten, deren unsere Tafel eine zeigt, und einigen Pollenblüten. In den Zwitterblüten reifen die Antheren zuerst, treten eine nach der andern in die Mitte der Blüte und fallen am folgenden Tage, nachdem ihr Pollen abgeholt ist, ab. Nachdem sie sämtlich entfernt sind, werden die Narben reif und harren der Fremdbestäubung, die wohl nicht immer eintritt. Da helfen nun die später aufblühenden, reine Pollenblüten enthaltenden Dolden. Ihre Stengel sind mittlerweile in die Höhe gewachsen und stehen nun über den ersten Blüten. Sie öffnen ihre Antheren und lassen den Pollen in kleinen Krümeln abwärts fallen. So kommen die Narben der tiefer stehenden älteren Blüten in eine Art Staubregen und werden der Mehrzahl nach auch wirklich bestäubt.

Vom angebauten Fenchel sind eigentlich alle Teile nutzbar: Die Blütendolden werden zum Einmachen von Essiggurken, die jungen, blaubereiften Stengel gebleicht als Gemüse, die Wurzeln wie Salat oder Spargel verwendet. Am wichtigsten ist jedoch die angenehm anisartig riechende und schmeckende Frucht, ein Doppelsame, dessen Teilstücke (Achaenen) nach der Reife noch eine Zeitlang an den Enden ihres gegabelten Trägers aufgehängt bleiben. Sie wirken wie der Anis, jedoch etwas milder, und sind besonders bei Verdauungsbeschwerden heilsam. Der Fenchel sät sich oft selbst aus und wird daher vielfach verwildert angetroffen.

Doldengewächse, Umbelliferen. Kl. V. zweijährig. und ausdauernd. Juli, August. H. 1,00 – 2,00 m.

 

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